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Christian Schlöder, Bonn im 18. Jahrhundert. Die Bevölkerung einer geistlichen Residenzstadt (Stadt und Gesellschaft 5), Köln/Weimar/Wien 2014, X, 339 S., 2 Faltkarten in Rückentasche, ISBN 978-3-412-22246-8, 44,90 Euro

Die Bevölkerungsgeschichte Bonns im 18. Jahrhundert war lange ein Desiderat Lateinisch, Mangel, Lücke. der Forschung, welches mit der Studie von Christian Schlöder nun behoben ist. Schlöder untersucht die Bevölkerungsentwicklung und die generative Struktur, das heißt „die Summe des generativen Verhaltens der Population inklusive der Mortalität“ (S. 1). Es wird also der Frage nachgegangen, wie sich die Bevölkerung insgesamt sowie die Natalität, Nuptialität und Mortalität im Laufe des 18. Jahrhunderts entwickelt hat. Neben der rein quantitativ-statistischen Auswertung der Kirchenbücher der Bonner Pfarreien sowie der Liste der Pfarrgenossen der einzelnen Pfarreien hat Schlöder auch qualitative Quellen hinzugezogen. Damit sollen kulturelle Einflüsse, insbesondere der Aufklärung, auf das generative Verhalten der Bevölkerung beleuchtet werden. Durch die Anwesenheit des kurkölnischen Hofes gilt Bonn als Vertreter des Typus der geistlichen Residenzstadt. War Bonn hier ein Sonderfall oder entsprach die Bevölkerungsentwicklung der Stadt einer typischen Residenzstadt des 18. Jahrhunderts?

Im einleitenden Kapitel stellt Schlöder den aktuellen Forschungsstand vor und diskutiert ausführlich die disparate Quellenlage. Im zweiten Kapitel werden die historisch-demographischen Rahmenbedingungen beleuchtet. Hier wird das Augenmerk auf die zahlenmäßige Entwicklung der Gesamtbevölkerung gerichtet. Das dritte Kapitel beleuchtet die sozioökonomische und sozialtopographische Struktur Bonns. Das vierte, sehr interessante Kapitel beschäftigt sich mit dem Einfluss des kurkölnischen Hofes auf die Bonner Bevölkerung. Inwieweit waren die zahlreichen Hofbeamten Teil der Bonner Bevölkerung und welchen Anteil hatten sie an der Bevölkerungsentwicklung?

Den Schwerpunkt der Arbeit bildet das fünfte Kapitel, das minutiös die Bevölkerungsentwicklung anhand der Geburtenrate, des Heiratsverhaltens, der Sterblichkeit sowie des Migrationsverhaltens untersucht. Ergänzt werden die Befunde im sechsten Kapitel durch die Analyse von Querschnitten durch die Bevölkerung in den Jahren 1720, 1790 und 1800. Das letzte Kapitel ist schließlich den demographischen Krisen wie Seuchen und Versorgungskrisen und deren Einfluss auf das generative Verhalten gewidmet.

Insgesamt stellt Schlöder fest, dass die Entwicklung der Bevölkerung mit der Größe und Bedeutung des kurkölnischen Hofes korrelierte. Danach wuchs die Bevölkerung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Clemens August rasant an. Zu Beginn der Herrschaft von Max Franz, der die Zahl der Hofbediensteten drastisch reduzierte, brach die Zahl der Einwohner Bonns regelrecht ein. Seit den späten 1760er Jahren stieg sie langsam wieder an. Erst nach dem Einmarsch der Franzosen in den 1790er Jahren ging die Bevölkerung erneut etwas zurück. Kulturelle Einflüsse des Hofes auf die generative Struktur sind dagegen nicht nachweisbar. Aufklärerisches Gedankengut ist an der Bevölkerung nahezu spurlos vorbeigegangen.

Abgerundet wird die Studie durch ein Orts- und Personenregister sowie zwei gesondert eingelegte Karten. Diese zeigen die Bonner Pfarrbezirke im 17. und 18. Jahrhundert sowie die Sozialtopographie Bonns nach der Fouragesteuerliste von 1758.

8.5.2014

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Astrid Küntzel Düsseldorf 
 

       
 

       
 

 Cover: Schlöder, Christan, Bonn im 18. Jahrhundert