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Gudrun Gersmann/Hans-Werner Langbrandtner (Hg.), unter Mitarbeit von Monika Gussone, Adlige Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen der Frühen Neuzeit (Vereinigte Adelsarchive im Rheinland e.V. Schriften 3), Köln/Weimar/Wien, Böhlau Verlag 2009, ISBN 978-3-412-20251-4, 46, 20 Euro.

Das Thema Adel hat seit einer Reihe von Jahren in der Geschichtswissenschaft Konjunktur. In diesen Trend reiht sich die vorliegende Publikation ein, die das erste Ergebnis des 2006 begonnenen Kooperationsprojekts "Aufbruch in die Moderne Sammelbegriff für die Kunst und Architektur seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Gegensatz zum Historismus des 19. Jahrhunderts. . Der rheinische Adel in westeuropäischer Perspektive zwischen 1750 und 1850" zwischen dem Deutschen Historischen Institut (DHI) Paris und dem LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum in Pulheim-Brauweiler präsentiert. Im Zentrum des Projekts steht die Problematik von Kontinuität und Veränderung in der so genannten „Sattelzeit" zwischen 1750 und 1850 als Phase des Umbruchs im Übergang von der ständischen zur bürgerlich geprägten Gesellschaft, exemplifiziert am Beispiel des rheinischen Adels. Dieser besaß bis zum Ende des Ancien Régime Der französische Begriff bedeutet "alte Regierungsform" und bezeichnet das politische und soziale System in Frankreich vor der Revolution von 1789 beziehungsweise in ganz Europa vor den 1792 einsetzenden Koalitionskriegen.  innerhalb der großen Territorien im Westen des Reiches eigene Herrschaften und hatte an den Höfen und Verwaltungen der Landesherrschaften Ämter und einflussreiche Positionen inne.

Die Erforschung des niederen Adels im Rheinland zählt zu den Desideraten der rheinischen Geschichte wie der Adelsforschung, etwa im Vergleich zum westfälischen oder auch dem Niederadel anderer deutscher Landschaften. Zu den Zielen des Projektes gehört es daher vorrangig, aus der Perspektive des Niederadels die bisherigen Annährungsweisen an die rheinische Adelsgeschichte der Frühen Neuzeit zu ergänzen.

Das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum bietet sich für ein solches Projekt als idealer Partner an, weil zu seinen Aufgaben seit seiner Gründung als Archivberatungsstelle der rheinischen Provinzialverwaltung Als Teil der staatlichen Verwaltung für einen bestimmten Provinzbezirk zuständig. Die Provinzialverwaltung der preußischen Rheinprovinz unter der Leitung des Oberpräsidenten hatte von 1822 bis 1945 ihren Sitz in Koblenz. 1929 die Erhaltung, Sicherung und Pflege der rheinischen Adelsarchive gehört. Archivpraxis in Form der Bereitstellung und Nutzbarmachung von Quellen und Geschichtswissenschaft gehen hier einen beide Seiten befruchtenden Bund ein. Die mehr als 80 Quellentexte des vorliegenden Bandes stammen alle aus privaten Adelsarchiven im Rheinland und sind hier erstmals ediert.

Die ausführlich kommentierten Quellen, aufgeteilt auf 64 Einzelbeiträge, bieten einen anschaulichen Einblick in die Welt des rheinischen Niederadels, seiner privaten und öffentlichen Lebenswelten, von der Heirat und dem Familienleben bis zum Begräbnis, von der Ausbildung, Erziehung und Bildung bis zum Ankauf von Büchern, von der Haushaltung und der Anlage von Nutzgärten zu den wirtschaftlichen Grundlagen der Adelsherrschaft sowie den rechtlichen Beziehungen zwischen Adel und Untertanen. Adlige Traditionen, Ämter und Funktionen des Adels in Stadt und Landesherrschaft werden ebenso berücksichtigt wie das religiöse Leben. Darüber hinaus wird der Aspekt adliger Repräsentation in den Blick genommen: Die Schlösser mit ihren Parks und Gärten dokumentieren das Ansehen der Familien nach außen, zugleich versicherten sich diese immer wieder ihrer vornehmen Herkunft durch Wappentafeln und Ahnengalerien.

Die gut aufbereiteten Kommentare geben jeweils eine kurze allgemeine Einführung in die Thematik und gehen dann auf die spezifischen Inhalte der einzelnen Quellen ein. Die Kommentare stammen von 19 Autorinnen und Autoren, die weitaus meisten von Monika Gussone, Maria Rößner-Richarz und Hans-Werner Langbrandter. Der sorgfältig bebilderte und ansprechend gestaltete Band bietet neben der Quellendokumentation eine abwechslungsreiche Lektüre über das „Alltagsleben" des rheinischen Adels vom Barock Stilbegriff der neueren Kunst- und Literaturgeschichte, in etwa die Epoche 1600 bis 1750 umfassend. Die Bezeichung ist abgeleitet von portugiesisch barocco = unregelmäßig, sonderbar. Der Barock entstand in Italien, besonders in Rom. Die geschichtlichen Wurzeln liegen in der Gegenreformation und im Absolutismus.  bis zum Vorabend der Französischen Revolution.

 

30.9.2010
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Margret  Wensky (Bonn) 
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 Cover: Adlige Lebenswelten im Rheinland (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 185KB)