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Manfred Groten/Clemens von Looz-Corswarem/Wilfried Reininghaus (Hg.), Der Jülich-Klevische Erbstreit 1609. Seine Voraussetzungen und Folgen. Redaktion Manuel Hagemann (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Vorträge 36 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Neue Folge 1 = Veröffentlichung des Arbeitskreises Niederrheinischer Kommunalarchivare), Düsseldorf, Droste Verlag 2011, IX, 359 S., zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-7700-636-9, 35 Euro.

 

Unter dem Leitmotiv, die Gemeinsamkeiten der rheinischen und westfälischen Landesgeschichte mit Blick auf den Jülich-klevischen Erbfolgestreit von 1609 herauszustellen, fand 2009 eine Doppeltagung in Düsseldorf (22./23. März) und Hamm (8. Mai) statt, initiiert von der Historischen Kommission für Westfalen und realisiert gemeinsam mit der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde Gegründet am 1.6.1881 in Köln, entstanden auf Initiative des Kölner Bankiers und Industriemagnaten Gustav Mevissen, der 1868 zusammen mit Heinrich von Sybel die Gründung eines die bestehenden regionalen Vereine übergreifenden "Vereins für rheinisch-westfälische Geschichte“ ins Auge gefasst und 1879 in Karl Lamprecht einen Historiker gefunden hatte, der Mevissens Vorstellungen von einer Verbindung zwischen bürgerlichem Mäzenatentum und geschichtswissenschaftlicher Grundlagenforschung im Medium eines historisch fundierten rheinischen Eigen- und Selbstbewusstseins konkrete Gestalt gab. „Rheinisch“ bezog  sich auf das Gebiet der Rheinprovinz. Seitdem gibt die Gesellschaft, die bis heute die Aufgaben einer Historischen Kommission für das Rheinland wahrnimmt, vor allem Quellen zur rheinischen Geschichte heraus. und dem Arbeitskreis Niederrheinischer Kommunalarchive. Die Gliederung des Bandes in fünf Sektionen entspricht der der Tagung. Die insgesamt 17 Beiträge decken ein breites Spektrum ab zu den Hauptthemen Politik, Verwaltung, Konfession, Herrschaft und Konfession. Dabei werden sowohl makro- als auch mikrohistorische Ansätze verfolgt.

In der erste Sektion „Der Niederrhein, Westfalen und Europa zu Beginn des 17. Jahrhunderts“ wird der Erbfolgestreit als deutscher und europäischer Konflikt eingeordnet (Winfried Schulze), die niederländischen Sicht auf die Ereignisse bis 1614 geboten (Simon Groenveld), die territorialen Entwicklungen nach 1609 dargestellt (Jörg Engelbrecht) sowie der Erbfolgestreit aus diplomatischer und vertragsrechtlicher Sicht gewürdigt (Hans-Wolfgang Bergerhausen).

Die Beiträge der zweiten Sektion konzentrieren sich auf die „Stände- und Landespolitik im Nordwesten des Reiches“. Einer Analyse der politischen Sprache im Herzogtum um 1600 (Volker Seresse) folgen Überlegungen zu den Spielräumen landständischer Politik in Kleve und Mark (Michael Kaiser). Olaf Richter fragt nach Verhalten und Einfluss der jülich-bergischen Räte im Zusammenhang mit der Erbfrage, Rouven Pons arbeitet die Bedeutung des Erbes für das Haus Brandenburg und die damit einhergehenden innerdynastischen Spannungen heraus.

In der Sektion „Krieg und Frieden am Niederrhein und in Westfalen im 17. Jahrhundert“ fasst Johannes Arndt die ökonomische Bedeutung der niederrheinischen Territorien im Kontext der europäischen Mächtekonkurrenz ins Auge (der Beitrag war auf der Tagung entfallen). Die militärischen Folgen des Erbfalls am Beispiel des Kampfes um die Festung Jülich skizziert Guido von Büren in seinem mit zahlreichen Abbildungen versehenen Beitrag. Frank Göse untersucht die kurbrandenburgische Militärpolitik im Zusammenhang mit den Herausforderungen durch den Erbfolgestreit.

In der mit zwei Beiträgen kleinsten Sektion „Herrschaft, Verwaltung und Organisation“ beschäftigt sich Werner Freitag mit den Bedingungen der Integration der Grafschaft Ravensberg in den brandenburgischen Herrschaftskomplex. Christine Schmitt folgt der Karriere des märkischen Adligen Dietrich von Syberg zu Wischlingen in Diensten Pfalz-Neuburgs und fragt dabei nach der Bedeutung des Erbstreits als Karrierefaktor.

Den Abschluss bildet die Sektion „Konfession und Bildung am Niederrhein und in Westfalen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts“. Nikolas Jaspert beleuchtet die institutionell-religiösen Strukturen und betont dabei regionale Eigenheiten, welche die Region für Reformbewegungen empfänglich machten. Es folgen Ausführungen von Stefan Ehrenpreis über die Katholische Reform in Jülich-Kleve-Berg. Ausgehend von Visitationsprotokollen stellt Antje Flüchtner die Auswirkungen der Konfessionalisierung auf die jülich-bergischen Gemeinden dar. Andreas Rutz widmet sich schließlich der Frage, inwieweit die landesherrliche Bildungspolitik zur Integration des niederrheinischen Erbes in die Territorien Pfalz-Neuburg beziehungsweise Brandenburg diente.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass die Beiträger der Tagung wie des Tagungsbandes es verstanden haben, das Jahr 1609 als wichtiges und folgenschweres Epochenjahr der rheinisch- westfälischen ebenso wie der deutschen und europäischen Geschichte  ins Bewusstsein zu rufen und den Forschungsstand zu aktualisieren.

 

Online

Goldenstein, Peggy, Tagungsbericht „1609-2009. Der Jülich-Klevische Erbstreit 1609, seine Voraussetzungen und Folgen.“ Wissenschaftliche Tagung am 22./23. März in Düsseldorf und am 8. Mai 2009 in Hamm (Information auf der Website der Historischen Kommission für Westfalen/LWL).


21.3.2013

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Christoph Kaltscheuer (Bonn) 
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 Cover: Der Jülich-klevische Erbstreit 1609 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 41KB)