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Eva-Maria Schnurr, Religionskonflikt und Öffentlichkeit. Eine Mediengeschichte des Kölner Kriegs (1582 bis 1590) (Rheinisches Archiv 154), Köln/Weimar/Wien, Böhlau Verlag 2009, ISBN 978-3-412-20395-5, 69,90 Euro.

Die Entwicklung und Verbreitung von Druckmedien, der ersten historisch relevanten „Massenmedien“, ist ein spezifisches Phänomen der Frühen Neuzeit. Die Mediengeschichte dieser Epoche findet in der Forschung seit den 1980/1990er Jahren verstärkt Interesse, welches sich besonders in der Betrachtung struktureller und funktionaler Aspekte niederschlägt. Eva Maria Schnurr unterzieht in ihrer Kölner Dissertation Lateinisch (Erörterung), zur Erlangung des Doktorgrades verfasste wissenschaftliche Arbeit. den Kölner Krieg, eine der bedeutendsten konfessionellen Auseinandersetzungen im Reich des 16. Jahrhunderts und ein zentrales Ereignis der rheinischen Geschichte, erstmals einer medienhistorischen Untersuchung. Die Quellengrundlage bildet das zeitgenössische deutschsprachige Druckschrifttum zum Kölner Krieg in Form von Flugschriften, Neuen Zeitungen und den halbjährlich erscheinenden Messrelationen.

Die Studie folgt drei aufeinander aufbauenden Fragestellungen: Zunächst zeichnet Schnurr die Strukturen der publizistischen Öffentlichkeit des Kölner Krieges nach. Von den 182 herangezogenen Druckschriften waren demnach 78 Erstdrucke und 104 Nachdrucke. Für den gesamten Zeitraum von 1582 bis 1590 ist eine „publizistische Begleitung“ des Krieges festzustellen. Die Spitzen der Druckproduktion liegen in den Jahren 1583 und 1584 sowie 1586 und 1588, somit am Beginn des Krieges beziehungsweise nach wichtigen Kriegsereignissen: 1584 und 1588 nach den Eroberungen von Bonn beziehungsweise nach der Einnahme von Neuss 1586. Besonders intensiv nutzte die protestantische Seite die Druckpresse, von ihr stammen rund 65 Prozent der Druckwerke. Vor allem zu Beginn des Krieges gab es eine rege Publikation von Flugschriften durch die Protestanten, welche ab 1584, nachdem die Katholiken die Oberhand gewonnen hatten, rapide nachließ. Katholische Drucke erschienen hingegen überwiegend in Form von Messrelationen und Neuen Zeitungen und vergleichsweise konstant bis 1590.

Ausgehend von einer Aufteilung der Publizistik in zwei Teilöffentlichkeiten, eine informierende und eine legitimierende, werden die Funktionen der verschiedenen Druckmedien im Kontext des Krieges in den Blick genommen. Nach den Ergebnissen der Verfasserin wurden Flugschriften überwiegend zu legitimierenden Zwecken im politischen Diskurs genutzt, während Messrelationen in erster Linie der Information über Ereignisse dienten. Bei den Neuen Zeitungen hingegen sieht sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Legitimierung und Information und widerspricht damit der älteren Forschung, wonach für das 16. Jahrhundert keine funktionelle Differenzierung der einzelnen Medien festzustellen ist.

Abschließend wird die Einbindung der Publizistik in die „Gesamtöffentlichkeit" des Kölner Krieges thematisiert. Am Beispiel des Kölner Bürgers Hermann Weinsberg, der in seinen Aufzeichnungen über den Krieg und darauf bezogenen Drucke berichtet, wird ein Einblick in die zeitgenössische Rezeption gegeben.

Die Studie Schnurrs ist eine gelungene und wichtige Ergänzung zur bisherigen Forschung über den Kölner Krieg. Ein Kritikpunkt wäre, dass die Flugblätter, die den Medienverbund vervollständigen, unberücksichtigt geblieben sind. Ausgehend von einer dennoch guten Quellenbasis bietet Schnurr aufschlussreiche Ergebnisse zu Struktur und Funktion der publizistischen Öffentlichkeit des Kölner Krieges.



Christoph Kaltscheuer (Bonn) 
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 Cover: Schnurr, Eva-Maria, Religionskonflikt und Öffentlichkeit (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 119KB)