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Weeze und der Raum an Niers und Kendel im Mittelalter (Weezer Archiv 3), Weeze 2008, 209 S., zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-00-022728-8, 10 Euro.

Die Ersterwähnung der „villa Geizefurt“ von 855 wurde von der Gemeinde Weeze im Jahr 2005 für eine 1150-Jahrfeier genutzt, die mit einer Tagung zur mittelalterlichen Geschichte des Raumes Weeze wissenschaftlich untermauert wurde. Das Ergebnis ist in dem hier anzuzeigenden Band von 2008 nachzulesen.

Mit der zentralen Frage des Jubiläums, dem schon oft diskutierten Problem der „villa Geizefurt“, beschäftigt sich ausführlich Bert Thissen; so liefert er für deren Lokalisierung die bislang schlüssigste Lösung. Zur Ausgangslage: Am 9.11.855 schenkte König Lothar II. (Regierungszeit 855-869) einem Pfalzgrafen namens Ansfried die „villa Geizefurt“ in der Uedemer Mark als Allodialbesitz; Ansfried wiederum schenkte sie 866 größtenteils dem Kloster Lorsch. Nach Thissen ist die „villa Geizefurt“ im Bereich des bewaldeten Höhenzuges zu suchen, der sich von Nimwegen in südöstlicher Richtung erstreckte und dessen südlichsten Punkt der Gochfortshof markiert. Dieser Höhenzug war im Frühmittelalter Königsgut und wohl auch Königsforst. Die Uedemer Mark hat wohl den gesamten ursprünglichen Südteil dieses Forstes umfasst, bis hin zur Niers. In diesem Forst entstand wohl als fränkisch-merowingerzeitliche Rodungssiedlung Uedem und als jüngere Rodungssiedlung in der Uedemer Mark wohl circa 800-855 die „villa Geizefurt“. Der Haupthof wird wohl in dem heutigen Büssenhof auf der linken Niersseite unweit der Kervenheimer Mühlenfleut zu suchen sein. Fest steht auf jeden Fall, dass die 866 als Zubehör der Villa genannte Kirche nicht mit der Weezer Cyriakuskirche identisch ist.

Um diese zentralen Ausführungen von Thissen gruppieren sich weitere Beiträge zum Leitthema Weeze. Hermann Schefers stellt das Kloster Lorsch um die Mitte des 9. Jahrhunderts vor, also zu dem Zeitpunkt, als es die Schenkung der „villa Geizefurt“ erhielt. Mit den Weezer Adelsgeschlechtern beschäftigt sich Ralf G. Jahn, während das Offizium Weeze des Xantener Viktorstifts von Heike Hawicks und Ingo Runde untersucht wird. Jens Lieven geht Weezes Stellung in der Grafschaft Kleve um 1300 nach; Stefan Frankewitz stellt die befestigten Häusern Kervenheim, Hertefeld, Kalbeck und Wissen und die Herrschaftsbildung im Weezer Raum vor. Die Kirchenpatrozinien im Gebiet der mittleren und unteren Niers untersucht Wolfgang Herborn und ordnet sie in größere Zusammenhänge ein. Die archäologischen Befunde für das Frühmittelalter im Raum zwischen Niers und Kendel analysiert Frank Siegmund. Ein unrühmliches Kapitel der Weezer Geschichte schlägt Bernd Kibilka auf: Anhand neuer Aktenfunde geht er den dilettantischen Ausgrabungen in der kriegszerstörten Weezer Pfarrkirche St. Cyriakus in den frühen 1950er Jahren nach, die den Nachweis erbringen sollten, dass der Ursprung der Kirche in der Geizefurtbasilika zu finden sei. Die sprachwissenschaftlichen Beiträge von Georg Cornelissen und Paul Derks schließen den Band ab.

 

27.1.2012

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Margret  Wensky (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Cover: Weeze und der Raum an Niers und Kendel (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 146KB)