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Reichsabtei Burtscheid

Im südlichen Stadtgebiet des heutigen Aachen stiftete Kaiser Otto III. (Regierungszeit 996-1002) vermutlich 996, in jedem Fall aber vor 1000 eine Mönchsabtei, die zunächst den heiligen Apollinaris und Nikolaus geweiht war. Mit Fertigstellung der ersten Abteikirche 1016 / 1018 wurde sie jedoch Johannes dem Täufer gewidmet. Kaiser Heinrich II. (Regierungszeit 1014-1024) beschenkte die Abtei 1018 mit umfangreichem Neubruchland aus dem Reichsgut um Aachen und legte damit den Grundstock eines seit 1138 ausdrücklich reichsunmittelbaren, bis 1802 bestehenden Abtei-Territoriums. Auf Betreiben des Kölner Erzbischofs, zu dessen Diözese das Kloster spätestens seit 1133 gehörte, ordnete Kaiser Friedrich II. (Regierungszeit 1220-1250) im Jahr 1220 an, die Benediktinermönche durch Zisterzienserinnen vom Aachener Salvatorberg zu ersetzen. Die Äbtissinnen hatten Sitz und Stimme auf den Reichstagen, doch gehörte das Kloster keinem Reichskreis an.

In der Frühzeit wuchs der Abteibesitz vor allem durch Schenkungen; eine aktive Erwerbspolitik der Nonnen ist erst von der Mitte des 14. Jahrhunderts an nachweisbar. Zu den großen Reichsabteien zählte Burtscheid nie. Dem Ausbau eines größeren Territoriums standen im Osten die Reichsabtei Kornelimünster und das Herzogtum Jülich, im Norden die Reichsstadt Stadt auf Reichsgut, auch die ehemalige Bischofsstadt, die nicht einem Landesherrn, sondern allein König, Kaiser und Reich unterstand.  Die ehemaligen Bischofsstädte, die sich von der (weltlichen) Herrschaft der Bischöfe befreit hatten,  wurden zunächst als "Freie Städte" bezeichnet. Seit 1489 wurden alle Reichsstädte als "Freie Reichsstädte" (Freireichsstädte, liberae imperii civitates) bezeichnet. Aachen sowie im Südwesten das Bistum Lüttich und das Herzogtum Brabant im Wege.

Besitz und Rechte der Abtei lassen sich in fünf Komplexen zusammenfassen. Den Kern bildete die „Herrlichkeit Bezeichnung für ein Territorium, dessen Inhaber den Titel Herr führt, wenn reichsunmittelbar Reichsherrschaft. Burtscheid", die aus den Schenkungen der hochmittelalterlichen Herrscher an das Kloster hervorging und aus grundherrschaftlichen, Zehnt- und Gerichtsrechten in Burtscheid und Umgebung bestand. Abt beziehungsweise Äbtissin übten hier eine uneingeschränkte Herrschaft aus, doch übertrug man 1351 die Gerichtsbarkeit über die Burtscheider Einwohner vertraglich auf einen Meier, der von der Reichsstadt Stadt auf Reichsgut, auch die ehemalige Bischofsstadt, die nicht einem Landesherrn, sondern allein König, Kaiser und Reich unterstand.  Die ehemaligen Bischofsstädte, die sich von der (weltlichen) Herrschaft der Bischöfe befreit hatten,  wurden zunächst als "Freie Städte" bezeichnet. Seit 1489 wurden alle Reichsstädte als "Freie Reichsstädte" (Freireichsstädte, liberae imperii civitates) bezeichnet. Aachen eingesetzt wurde. Damit ging ein wichtiger Baustein für eine geschlossene Territorialherrschaft in Spätmittelalter und Frühneuzeit verloren.nach obenUnfangreiche grundherrliche Rechte des Klosters konzentrierten sich um die Ortschaft Vijlen im niederländischen Limburg, die als Hof bereits 1016 an Burtscheid gekommen war. Zollrechte und inkorporierte Kirchen traten hinzu. Einkünfte und Besitz im so genannten Aachener Reich sind vor allem in Orsbach und Vetschau zu nennen, befanden sich also in der Nachbarschaft des Vijlener Komplexes.

Im Jülicher Land bauten die Nonnen vor allem im 14. Jahrhundert, parallel zum Aufstieg der Jülicher Grafen / Herzöge, ihre weltlichen und kirchlichen Besitzungen aus. Die meisten der Höfe Burtscheids lagen im Nordosten Aachens sowie bei Setterich und Siersdorf. Um 1500 waren jedoch alle Besitzungen und Gerechtsame Recht, Berechtigung. der Abtei im Jülicher Land verpachtet. Größerer Besitz ohne erkennbare Konzentration befand sich in der Gegend von Tongeren im heute belgischen Limburg. Die meisten dieser Besitzungen blieben bis ins 18. Jahrhundert hinein in der Hand der Abtei. Streubesitz ist schließlich an zehn Orten entlang des Rheins zwischen Duisburg im Norden und (Mainz-)Kostheim im Süden nachzuweisen. Einige dieser Güter gehen auf die Gründungsausstattung durch Otto III. zurück und dienten wohl vorrangig der Versorgung der Abtei mit Wein und Nahrungsmitteln. Von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an wurden diese rheinischen Fernbesitzungen nach und nach veräußert.

Spätestens seit 1226 hatten die Herzöge von Limburg die Vogtei Mehrdeutig, bedeutet insbesondere (1) die Schutzvogtei über ein Bistum, Stift oder Kloster und deren Besitz, (2) Unterbezirk eines landesherrlichen Amtes. über die Abtei und ihre Besitzungen inne, verlehnten diese aber an Untervögte. Im Spätmittelalter war das Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. mit den Herren der Burg Frankenberg verbunden, die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Bereich der Burtscheider Grundherrschaft errichtet wurde. Aus den Händen der Familie Merode zu Frankenberg kaufte die Äbtissin 1649 die Vogtei zurück.

Nach einer letzten wirtschaftlichen Blüte im 18. Jahrhundert wurde die Abtei 1802 aufgehoben, die Abteikirche 1806 zur Pfarrkirche, der Ort Burtscheid zum Hauptort des Kantons Borcette, unter preußischer Herrschaft Bürgermeisterei, bis 1897 die Eingemeindung nach Aachen erfolgte.

nach obenLiteratur

Fabricius, Wilhelm, Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, Band 2: Die Karte von 1789, Bonn 1898, Nachdruck 1965, S. 490, 492.

Müller, Harald, Aachen-Burtscheid, in: Handbuch der historischen Stätten, Band 3: Nordrhein-Westfalen, 3. Auflage, hg. von Manfred Groten / Peter Johanek / Wilfried Reininghaus / Margret Wensky, Stuttgart 2006, S. 12-13.

Wurzel, Thomas, Die Reichsabtei Burtscheid von der Gründung bis zur frühen Neuzeit, Aachen 1984.

 

30.9.2010
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Harald  Müller (Aachen)