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Reichsgrafschaft Sponheim

Namen gebend sind die Orte Sponheim (mit dem 1124 von der Familie gegründeten Benediktinerkloster) und Burgsponheim (mit der Stammburg des Grafenhauses) in einem Nebental der Nahe oberhalb Bad Kreuznach. Das Territorium ist das Ergebnis einer im Detail nicht mehr zu rekonstruierenden Erwerbspolitik der Grafen von Sponheim im 12. Jahrhundert. Durch Erbteilungen in den 1230er und 1240er Jahren entstanden – von Mainz aus gesehen – die Vordere (Residenz Kreuznach, zeitweise eine zweite Residenz in Kastellaun) und die Hintere Grafschaft (Residenz zunächst die Starkenburg bei Enkirch, dann die Grevenburg bei Trarbach). Beide haben ihre Schwerpunkte zwischen Mosel und Nahe, zu ihnen gehören daher sowohl Orte und Regionen mit intensivem Weinbau in den Tälern und Nebentälern dieser Flüsse als auch dünn besiedelte Teile auf dem Hunsrück.

Nach dem Erlöschen der Linie Kreuznach (1417) fiel ein Fünftel der Städte und Ämter Kirchberg, Koppenstein, Kreuznach und Naumburg an Kurpfalz, die übrigen vier Fünftel sowie die Ämter Dill, Kastellaun und Winterburg an die Linie Starkenburg; letztere wurden fortan zur Hinteren Grafschaft (bereits zuvor: Ämter Allenbach, Birkenfeld, Herrstein, Trarbach sowie das „Kröver Reich", letzteres Kondominium Lateinisch-neulateinisch, auch Kondominat, gemeinsame Herrschaft zweier oder mehrerer Herren. mit Kurtrier) gerechnet. Nach dem Tod des letzten Grafen kam dessen Territorium gemäß Testament ungeteilt an die nächsten Verwandten, den Markgrafen von Baden und den Grafen von Veldenz bzw. dessen Nachkommen, die Pfalzgrafen aus der Linie Simmern. Die Anteile waren mehrfach Gegenstand von Erbteilungen innerhalb dieser Häuser. 1707 wurde die Vordere Grafschaft zwischen Kurpfalz (Oberamt Kreuznach) und Baden-Baden (Ämter Kirchberg, Koppenstein und Naumburg) aufgeteilt. 1778 erfolgte dies auch für die Hintere Grafschaft: die Ämter Allenbach, Kastellaun und Trarbach fielen an Pfalz-Zweibrücken, die Ämter Birkenfeld, Herrstein und Winterburg sowie die Vogtei Mehrdeutig, bedeutet insbesondere (1) die Schutzvogtei über ein Bistum, Stift oder Kloster und deren Besitz, (2) Unterbezirk eines landesherrlichen Amtes. Winningen an Baden. Letzte Inhaber der Grafschaft, die 1794 von französischen Truppen besetzt und 1798/1801 Teil Frankreichs wurde, waren Pfalzgraf Maximilian Josef von Zweibrücken (1799 Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. von Pfalz-Bayern, 1806 König von Bayern) und Markgraf Karl Friedrich von Baden (1806 Großherzog).nach obenDie Vordere Grafschaft ist 1556 in die kurpfälzische Kirchenvisitation einbezogen worden. Dadurch wurde die Hinwendung zur Reformation, die unter den Einwohnern schon länger Anhänger hatte, abgeschlossen. In den folgenden Jahrzehnten folgte das Territorium den Konfessionswechseln der Kurfürsten (seit 1583 reformiert). 1652 wurde durch Vertrag den badischen Beamten und Dienern die freie (katholische) Religionsausübung gestattet. Nach 1685 waren beide Landesherren katholisch. Die Katholiken profitierten daher von den 1705 für die Kurpfalz getroffenen Regelungen. In der Hinteren Grafschaft ist 1557 durch den Pfalzgrafen Friedrich die Reformation durchgeführt worden. Der katholische Markgraf von Baden widersetzte sich dem nicht. Die Bevölkerung blieb lutherisch, obwohl stets ein Gemeinsherr katholisch war (von 1755 bis 1771 sogar beide).

Das Bewusstsein der früheren Zugehörigkeit zur Grafschaft Sponheim ist in der Region bis heute lebendig, wach gehalten auch durch das Schachwappen des Grafenhauses (Linie Kreuznach blau-gold, Starkenburg rot-silber), das bis heute in den Wappen der Landkreise vertreten ist, die Anteil an den Grafschaften Sponheim hatten.

 

Literatur

Lehmann, Johann Georg, Die Grafschaft und die Grafen von Spanheim der beiden Linien Kreuznach und Starkenburg bis zu ihrem Erlöschen im 15. Jahrhundert, Kreuznach 1869 (Neudruck Walluf 1973).

Mötsch, Johannes, Die Grafschaften Sponheim, in: Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, hg. von Franz Irsigler / Günther Löffler, Beiheft V/4, Köln 1992.

Mötsch, Johannes, Genealogie der Grafen von Sponheim, in: Jahrbuch für Westdeutsche Landesgeschichte 13 (1987), S. 63-179.

Naumann-Humbeck, Anneliese, Studien zur Geschichte der Grafen von Sponheim vom 11. bis 13. Jahrhundert, Bad Kreuznach 1983.

Regesten des Archivs der Grafen von Sponheim, bearb. von Johannes Mötsch, 5 Bände, Koblenz 1987-1991.

Weydmann, Ernst, Geschichte der ehemaligen gräflich-sponheimischen Gebiete. Ein Beitrag zur deutschen Territorialgeschichte, Konstanz 1899).

 

30.9.2010
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Johannes Mötsch (Meiningen)