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Leverkusen (kreisfreie Stadt)

Es gibt nicht viele Städte, die ihren Namen einem Unternehmer des 19. Jahrhunderts verdanken. Ab 1860 hatte Carl Leverkus seine Ultramarinfabrik von Wermelskirchen nach Wiesdorf an den Rhein verlegt und die Fabriksiedlung am Rhein nach dem Stammsitz seiner Familie „Leverkusen" benannt. In „Leverkusen" errichteten die Elberfelder Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. ab 1891 eine der größten Chemiefabriken der Welt. 1912 verlagerten sie auch ihren Firmensitz hierher.

Eine Stadt Leverkusen gibt es seit 1930. Damals vereinte sich Wiesdorf mit den Gemeinden Rheindorf, Schlebusch und Steinbüchel. Im Zuge der Gebietsreform entstand 1975 durch Zusammenschluss mit Opladen, Bergisch Neukirchen und Hitdorf die neue Stadt Leverkusen.

Das Stadtgebiet umfasst heute knapp 79 Quadratkilometer. Naturräumlich gliedert es sich von Westen nach Osten in drei Zonen: den dem Rhein zugewandten Uferstreifen, den dem Bergischen Land vorgelagerten Heidestreifen und die beginnenden Hochflächen des Bergischen Landes.

Bis zum Ende des 19. Jahrhundert war das Gebiet geprägt durch eine Vielzahl dörflicher Siedlungen sowie kleinerer und größerer Einzelhofanlagen. Die Ersterwähnungen der sieben „Urgemeinden" fallen in das 12. und 13. Jahrhundert. In der Zeit der bergischen Ämterverfassung gehörten sechs der Kirchspiele (Kirchengemeinden) zum Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. Miselohe, Rheindorf (mit Hitdorf) zum Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. Monheim. Über einen Amtsvorort verfügte Miselohe bezeichnenderweise nicht. Eine zentrale Funktion für das Herzogtum Berg hatte Opladen als Tagungsort für das Hauptland- und Rittergericht bis 1559 sowie für die Ständeversammlung und den Landtag. 1806 kamen die Orte an das Großherzogtum Berg. Dessen Verwaltungseinteilung, die 1808 mehrere Gemeinden in Bürgermeistereien zusammenfasste, bildete auch die Grundlage für die preußische Verwaltung ab 1815/1816. Zunächst dem kurzlebigen Kreis Opladen zugeordnet, gehörten die späteren Stadtteile Leverkusens ab 1819 zum Kreis Solingen im Regierungsbezirk Düsseldorf (ab 1929 „Landkreis Solingen-Lennep", 1931 „Rhein-Wupper-Kreis"). Eine zentrale Funktion behielt Opladen durch den Sitz eines Friedensgerichtes (1879 Amtsgericht Opladen, seit 1975 Amtsgericht Leverkusen).

Im 19. und 20. Jahrhundert erfuhren die einzelnen Gemeinden mehrfach Änderungen der kommunalen Zuordnung. Die Rheinische Städteordnung erhielten Hitdorf und (Bergisch) Neukirchen 1857, Opladen im Jahr 1858. Das Ausscheiden der Stadt Solingen 1896 und die wirtschaftliche Entwicklung des südlichen Kreises – vor allem durch die Übersiedlung der Farbenfabriken ab 1891 – waren der Grund, Opladen 1912 erneut zum Kreissitz zu machen. Wiesdorf, das sich in diesen Jahren „in amerikanischen Verhältnissen" entwickelte, erhielt die Stadtrechte erst 1921. Schon 1930 bildete es den Kern der Stadt Leverkusen, die 1955 kreisfrei wurde. Opladen blieb Kreisstadt bis Ende 1974, als es aufgrund des „Köln-Gesetzes" Teil der neuen Stadt Leverkusen und der Rhein-Wupper-Kreis aufgelöst wurde. Seit der Gebietsreform gehört Leverkusen zum Regierungsbezirk Köln.

Nach modernen Schätzungen lebten zu Beginn des 18. Jahrhunderts etwa 2.900 Menschen im Gebiet des heutigen Leverkusen. Verlässliche Daten zu den Einzelgemeinden liegen erst für das Jahr 1810 vor. Damals wurden insgesamt 9.120 Einwohner gezählt, von denen rund 60 Prozent minderjährig waren. Bis 1880 verdoppelte sich die Zahl, zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte sie sich versechsfacht. Den größten Zuwachs hatte Wiesdorf zu verzeichnen, wo sich die Einwohnerzahl – bedingt vor allem durch die Ansiedlung des Bayer-Werks – auf mehr als 21.000 fast verzehnfachte. In Opladen bewirkte die Ansiedlung des Eisenbahnausbesserungswerks 1903 eine Verdreifachung der Bevölkerung bis 1915. Leverkusen zählte 1930 42.420 Einwohner, im durch Zusammenschluss mit Lützenkirchen ebenfalls vergrößerten Opladen lebten 18.684 Menschen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führten der Bedarf an Arbeitskräften und der Zuzug von Vertriebenen und Flüchtlingen – diese stellten 1960 in Leverkusen 28,3 Prozent der Wohnbevölkerung – abermals zu einem erheblichen Bevölkerungszuwachs. 1963 begrüßte (Alt-)Leverkusen den 100.000. Einwohner. Die durch die Neuordnung gewachsene Stadt zählte 1975 rund 171.000 Menschen. Ende 2009 hatte Leverkusen 160.899 Einwohner, seit den 1990er Jahren ist eine relativ konstante Einwohnerzahl zu beobachten. Knapp 25 Prozent der Leverkusener waren zu diesem Zeitpunkt jünger als 25 Jahre alt, gut 53 Prozent gehörten der Gruppe der 25- bis unter 65-Jährigen an, 22 Prozent waren 65 Jahre oder älter. 11,5 Prozent der Einwohner waren nicht deutscher Staatsbürgerschaft, unter ihnen bildeten Menschen türkischer Herkunft mit 4.095 die größte Gruppe.

Bis auf den heutigen Stadtteil (Bergisch) Neukirchen, in dem die Reformation vor 1580 dauerhaft eingeführt wurde, waren die Bewohner des heutigen Leverkusener Stadtgebiets katholisch. 1832 lag der Anteil der Katholiken bei 83 Prozent. Mit den Wanderungsbewegungen der Industrialisierung stieg die Zahl der Protestanten. Seit 1846 existierte eine evangelische Gemeinde Schlebusch; 1864 wurde eine eigenständige evangelische Gemeinde in Opladen errichtet, 1904 folgte Wiesdorf. Maßgeblich gefördert wurden die Kirchengemeinden von den zugewanderten protestantischen Unternehmern. Die Synagogengemeinde Opladen konstituierte sich 1853, sie wurde aber bereits 1857 Filialgemeinde von Solingen. 1910 standen 30.200 Katholiken 8.100 Protestanten und 100 Juden gegenüber. Ende 2009 waren 39,7 Prozent der Leverkusener römisch-katholisch und 22,9 Prozent evangelisch. 37,4 Prozent gehörten einer anderen oder keiner Konfession an.

Seit dem Mittelalter wurden die Böden der Rheinebene und der bergischen Hochfläche für Acker- und Obstbau sowie in geringerem Maße auch für Viehhaltung genutzt. Wichtigster Markt war die Reichsstadt Stadt auf Reichsgut, auch die ehemalige Bischofsstadt, die nicht einem Landesherrn, sondern allein König, Kaiser und Reich unterstand.  Die ehemaligen Bischofsstädte, die sich von der (weltlichen) Herrschaft der Bischöfe befreit hatten,  wurden zunächst als "Freie Städte" bezeichnet. Seit 1489 wurden alle Reichsstädte als "Freie Reichsstädte" (Freireichsstädte, liberae imperii civitates) bezeichnet. Köln mit ihren weitreichenden Handelsbeziehungen. Von Bedeutung war auch die Lage an zwei alten Handelsstraßen: die Fernstraße von Frankfurt in die Niederlande mit dem Wupperübergang in Opladen und die heutige „Bergische Landstraße", die den Rhein mit dem bergischen Gewerbegebiet und weiter mit dem HellwegBezeichnung für wichtige seit dem Frühmittelalter bestehende Fernhandels- und Heerstraßen. Der Westfälische Hellweg führte als bedeutendster dieser Wege von Duisburg über Essen, Dortmund und Soest nach Paderborn. verband. In den Rheingemeinden wurde Schiff (1) Wasserfahrzeug, (2) in der Baukunst Laienhaus in der christlichen Kirche, in der Basilika und der Hallenkirche eingeteilt in Mittel- und Seitenschiffe, die Saalkirche ist einschiffig. - und Treidelfahrt sowie Fischerei betrieben. Der für das bergische Gewerbegebiet bedeutende Hitdorfer Hafen ist 1356 zum ersten Mal erwähnt. Mit dem Erwerb des Hauses Morsbroich (1619) und weiterer Rittersitze im heutigen Stadtgebiet wurde der Deutsche Orden bis zur Säkularisierung größter Grundbesitzer.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich an der Wupperbrücke in Opladen ein erstes textilindustrielles Zentrum, in Schlebusch konnte eine mechanische Weberei an die seit dem 18. Jahrhundert verbreitete Hausweberei anknüpfen. An den Standorten von Mühlen und Eisenhämmern siedelten sich Eisen und Stahl verarbeitende Betriebe an. Die Nähe zum Rhein, die Lage an drei Eisenbahnlinien (Anschlüsse 1845, 1867 und 1874) und die dünne Besiedlung vor allem des für die Landwirtschaft unergiebigen Heidestreifens begünstigten die Ansiedlung von Sprengstoff- und Metallbetrieben vor allem seit der Reichsgründung.

Den Beginn der chemischen Industrie kennzeichnet die Ultramarinfabrik von Carl Leverkus, die 1862 ihre Produktion aufnahm. Die folgenreichste Ansiedlung war die Errichtung des Werks der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. seit 1891. 1912 beschäftigten sie in „Leverkusen" rund 5.900 Menschen, 1958 erstmals mehr als 30.000. Der höchste Stand wurde um 1975 mit über 37.000 Beschäftigten erreicht. Größter Arbeitgeber in Opladen war das 1903 gegründete Eisenbahnausbesserungswerk, das zeitweise mehr als 2.000 Menschen beschäftigte. Auf die Stilllegung von Textil- und Metallbetrieben in den 1970er und 1980er Jahren folgte 2003 die Schließung des Ausbesserungswerks. Dies, vor allem aber die in den letzten Jahren erfolgte Umstrukturierung der Bayer AG zwingt die Stadt zu einem grundlegenden Wandlungsprozess mit erheblichen finanziellen Einschnitten. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 9,0 Prozent (Stand: Mai 2010). Den Strukturwandel verdeutlicht die Verteilung der Erwerbstätigkeit nach Sektoren: Waren die 82.000 Erwerbstätigen im Jahr 1996 jeweils zur Hälfte im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich beschäftigt, lag das Verhältnis Ende des Jahres 2007 bei insgesamt 80.200 Beschäftigten bei 27,9 Prozent zu 71,6 Prozent.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Opladen zur Schulstadt mit regionaler Bedeutung. Die 1850 gegründete Höhere Lehranstalt für Knaben wurde 1866 vom Erzbistum Köln übernommen und als Erzbischöfliches Aloysianum mit Internat geführt. Auch die Evangelische und die Katholische Privatschule für Mädchen (beide seit 1866) waren mit Pensionaten verbunden. Auf eine bürgerliche Initiative des Jahres 1906 geht die Schule zurück, die 1910 als Realprogymnasium mit Realschule in öffentliche Trägerschaft übernommen wurde und Schüler aus dem gesamten Kreisgebiet unterrichtete. Das Einzugsgebiet der Leverkusener Gymnasien und Berufskollegs unterschiedlicher Träger reicht auch heute noch über die Stadtgrenzen hinaus. Seit 2000 unterhält die FernUniversität Hagen ein Studienzentrum in Leverkusen.

Eine der frühesten kulturellen Initiativen war 1819 die Errichtung der „Musicalische Academie Schlebusch" durch Jacob Salentin von Zuccalmaglio (bis 1846). Die Bayer Kulturabteilung, 1907 als „Abteilung für Bildungswesen" der Farbenfabriken gegründet, feierte 2007 ihr 100-jähriges Bestehen. Mit dem „Forum" verfügt Leverkusen seit 1969 auch über ein städtisches Kulturzentrum. Als „Kulturtankstelle zwischen Köln und Düsseldorf" und „Symbol für den kulturpolitischen Willen einer modernen Großstadt" bezeichnete der damalige Ministerpräsident Heinz Kühn das Haus bei seiner Eröffnung. Besondere Bedeutung kommt dem Städtischen Museum Morsbroich zu, das seit seiner Einrichtung 1951 ein zentraler „Schauplatz" zeitgenössischer Kunst ist.

 

Literatur

KulturStadtLev – Stadtarchiv (Hg.), Leverkusen: Geschichte einer Stadt am Rhein, Bielefeld 2005.

Müller, Rolf, Upladhin – Opladen. Stadtchronik, Leverkusen-Opladen, Opladen 1974, 3. Auflage, ebd. 1980.

Ris, Klaus M., Leverkusen. Großgemeinde – Agglomeration – Stadt, Remagen 1957.

Stadt Leverkusen (Hg.), Statistisches Jahrbuch der Stadt Leverkusen 1953ff.

 

Online

Website der Stadt Leverkusen

 

26.2.2013

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

 



Gabriele John (Leverkusen) 
 

       
 

       
 
 Luftbild der Stadt Leverkusen (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 1,1MB)

Stadt Leverkusen, Luftbild. (Stadt Leverkusen)

 

 Fabriksiedlung von Dr. Carl Leverkus (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 1,6MB)

Leverkusen. Ansicht der Fabriksiedlung von Dr. Carl Leverkus, Zeichnung von Adolf Eltzner (1816-1891), 1876. (KulturStadtLev - Stadtarchiv Leverkusen)

 Hauptverwaltung der Farbenfabriken Bayer (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 414KB)

Hauptverwaltung der Farbenfabriken Bayer, erbaut 1912, undatiertes Foto. (Bayer AG)

 

 

 

 Evangelische Kirche "Am blauen Berg" (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 492KB)

Evangelische Kirche "Am blauen Berg" in Schlebusch, erbaut 1853,  1895. (KulturStadtLev - Stadtarchiv Leverkusen)

 Wupperbrücke in Opladen (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 2,1MB)

Wupperbrücke in Opladen, Stahlstich von Henry Winkles (1801-1860) nach einer Zeichnung von Theodor Verhas (1811-1872), um 1840. (KulturStadtLev - Stadtarchiv Leverkusen)

 

 

 

 Aloysianum in Opladen (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 1,1MB)

Neubau des Erzbischöflichen Aloysianum in Opladen, Ansichtskarte, nach 1906. (KulturStadtLev - Stadtarchiv Leverkusen)

 Kultrurzentrum Forum (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 1,2MB)

Kulturzentrum Forum. (Stadt Leverkusen)