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Anno II. (um 1010-1075), Erzbischof von Köln

Anno II. war einer der bedeutendsten Kölner Erzbischöfe des Mittelalters. Er spielte eine maßgebliche Rolle in der Reichspolitik und konnte Besitz und Herrschaftsrechte seiner Kirche wesentlich erweitern. Er förderte das Reformmönchtum und gründete die Klöster Siegburg, Grafschaft und Saalfeld sowie die Kölner Stifte St. Georg und Mariengraden. Nach seinem Tod wurde er in Siegburg beigesetzt und 1183 heilig gesprochen.

Anno entstammte einem schwäbischen Adelsgeschlecht. Seine geistliche Erziehung erhielt er in Bamberg, wo er nach seiner Ausbildung die Leitung der Domschule übernahm. Nach 1046 berief ihn Kaiser Heinrich III. (1017-1056, Kaiser: 1039-1056) an seinen Hof. 1054 erhob ihn der Kaiser zum Propst des von ihm in Goslar gegründeten Stiftes St. Simon und Judas. 1056 investierte er ihn zum Erzbischof von Köln.

In die ersten Jahre von Annos Amtszeit fällt die Auseinandersetzung mit dem Pfalzgrafen Heinrich aus der Familie der Ezzonen Seit Ende des 9. Jahrhunderts nachweisbares rheinisches Adelsgeschlecht, benannt nach ihrem prominentesten Vertreter, Pfalzgraf Ezzo. . Diese war im 11. Jahrhundert im Kölner Raum sehr mächtig. Auch Annos Vorgänger, Erzbischof Hermann II. (Episkopat 1036-1056), hatte ihr angehört. Mit Heinrich führte Anno 1059/1060 eine Fehde Privatkrieg zur Durchsetzung von Rechtsansprüchen. . Der Pfalzgraf (gestorben 29.7.1060) unterlag und musste der Kölner Kirche den befestigten Siegberg abtreten. Unter Heinrichs Nachfolgern verlagerte sich der Schwerpunkt der Pfalzgrafschaft zunächst in den Moselraum, später an den nördlichen Oberrhein. Anno hatte somit einen gefährlichen territorialpolitischen Konkurrenten der Kölner Kirche ausgeschaltet. Den Adel der Region band er künftig durch die gezielte Vergabe von Lehen an sich.

Auf dem Siegberg gründete Anno ein Kloster, in das er zunächst Mönche aus St. Maximin bei Trier holte. Bereits zuvor hatte er in Köln das von seinem Vorgänger geplante Stift St. Maria ad Gradus verwirklicht und ein zweites, St. Georg, im Süden der Stadt errichtet. Als Pröpste von Mariengraden berief er zunächst seinen Onkel Heimo, der ihn einst an die Bamberger Schule geholt hatte, später seinen Bruder Werner. Auch sonst war Anno um die Förderung von Verwandten bemüht. Gewiss spielte dabei ein Rolle, dass seine Familie nicht hochadlig und Anno in seiner Diözese ein Fremder war. Daher ebnete er Angehörigen den Aufstieg oder besetzte mit ihnen wichtige Positionen in der Stadt. Annos Neffe Burchard (um 1028-1088) wurde 1059 Bischof von Halberstadt, Werner (gestorben 1078) konnte er 1063 als Erzbischof von Magdeburg durchsetzen. Seine Nichte Jutta stand dem Kölner Cäcilienstift vor, seinen Neffen Konrad (auch: Kuno, um 1016-1066) machte er zunächst zum Kölner Dompropst und ließ ihn 1066 auf den Trierer ErzstuhlBezeichnung für das Amt des Erzbischofs. erheben. Damit hätte die Familie drei der sechs Erzbistümer im Reich besetzt. Doch Konrad stieß auf erbitterten Widerstand seiner Diözesanen, die ihn auf dem Weg in seine Bischofsstadt gefangen nahmen und ermordeten.

Dass Anno so direkt auf die Besetzung von Erzbistümern einwirken konnte, lag an seiner zeitweise beherrschenden Stellung im Reich. Kaiser Heinrich III. war schon 1056 im Alter von 38 Jahren verstorben. Als Nachfolger hinterließ er seinen knapp sechsjährigen Sohn Heinrich IV. (1050-1106, Kaiser: 1084-1105). Für ihn führte zunächst die Mutter Agnes die Regentschaft, bewies aber weder in ihren politischen noch in ihren personellen Entscheidungen eine glückliche Hand. Dies zeigte sich auch, als nach dem Tode Papst Nikolaus’ II. (Pontifikat 1058-1061) 1061 ein Konflikt um dessen Nachfolge ausbrach. Hatte Heinrich III. Reformbestrebungen in der Kirche unterstützt, die die Sittlichkeit des Klerus heben, die Käuflichkeit kirchlicher Ämter unterbinden und das Papsttum aus der Abhängigkeit vom stadtrömischen Adel befreien wollten, so ließ der Hof im Oktober 1061 in Basel gegen den bereits von Reformanhängern gewählten Alexander II. (Pontifikat bis 1073) einen Gegenpapst erheben, offenbar aus Verärgerung darüber, dass Alexanders Wahl ohne Abstimmung mit der Reichsregierung erfolgt war. Nicht überall fand dieses Vorgehen Beifall. Anno nutzte die verbreitete Unzufriedenheit aus und brachte im folgenden Frühjahr König Heinrich in seine Gewalt, indem er den Elfjährigen bei Kaiserswerth auf ein Schiff (1) Wasserfahrzeug, (2) in der Baukunst Laienhaus in der christlichen Kirche, in der Basilika und der Hallenkirche eingeteilt in Mittel- und Seitenschiffe, die Saalkirche ist einschiffig. im Rhein lockte und entführte.nach obenIn den Folgejahren übte Anno gemeinsam mit weiteren Fürsten im Namen des Kindkönigs die Herrschaft im Reich aus. Das Papstschisma konnte er 1064 zugunsten Alexanders beenden. Seine Dienste ließ er reich belohnen, indem er der Kölner Kirche Einkünfte, Güter und Klöster (Kornelimünster, Malmedy, Vilich) aus königlichem Besitz verschaffte. Doch standen ihm die anderen Fürsten in dieser Hinsicht nicht nach, deren Unterstützung mit einer beispiellosen Verschleuderung von Reichsgut erkauft wurde.

Spätestens mit Heinrichs Schwertleite Ende März 1065 verlor Anno seinen bestimmenden Einfluss auf die Regierungsgeschäfte. Schon zuvor war ihm in dem Bremer Erzbischof Adalbert (um 1000-1072) ein Rivale erwachsen, der den König zunehmend für sich gewonnen hatte. Selbst vom Sturz des Bremers 1066 konnte Anno nicht mehr profitieren. Der König wandte sich anderen Beratern zu. Immerhin zog Anno noch zweimal, 1068 und 1070, als Gesandter Heinrichs nach Rom. Über seine Aufträge ist wenig bekannt. Deutlich zu spüren bekam er, dass das Reformpapsttum strenge Maßstäbe an das kanonische Verhalten der Kirchenoberen stellte. 1068 zwang ihn Alexander II. zu einer öffentlichen Buße, weil er auf seiner Reise in Oberitalien mit gebannten Bischöfen verkehrt hatte. Außerdem unterstützte der Papst Malmedy im Kampf um die Reichsunmittelbarkeit Nicht einem Landesherrn, sondern allein Kaiser und Reich unterstehend. , weshalb Anno 1071 das wenige Jahre zuvor erworbene Kloster wieder aus der Hand geben musste.

Dabei war Anno alles andere als ein Gegner der Reformideen. Bereits die Maximiner Mönche, die er nach Siegburg berufen hatte, gehörten einer Reformrichtung an, die in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts von Lothringen ausgegangen war. Als Anno jedoch 1070 auf dem Rückweg von Rom in der piemontesischen Abtei Fruttuaria Station machte, war er von dem am cluniazensischen Vorbild orientierten Klosterleben so beeindruckt, dass er kurzerhand Mönche nach Siegburg mitnahm und den Gründungskonvent durch sie ersetzte. Noch Anno sorgte dafür, dass die fruttuarischen Gewohnheiten in weiteren Klöstern Einzug hielten, in seinen Gründungen Grafschaft (Westfalen) und Saalfeld (Thüringen) sowie in St. Pantaleon in Köln. Ihre Ausbreitung hielt bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts an.

1072 zog Heinrich IV. Anno für einige Monate noch einmal an seinen Hof, vielleicht um zu verhindern, dass er sich der wachsenden Opposition gegen seine Herrschaft anschloss. Als sich ein Jahr später die Sachsen gegen Heinrich erhoben und Burgen des Königs im Harzraum stürmten, standen Annos Verwandte, Burchard und Werner, aufseiten der Aufständischen. Anno hingegen wirkte gemeinsam mit Erzbischof Siegfried von Mainz mehrfach als Vermittler in dem Konflikt. An dem siegreichen Feldzug Heinrichs gegen die Sachsen 1075 nahm er mit Rücksicht auf den Bruder und Neffen nicht persönlich teil, schickte dem König aber militärische Unterstützung.

Sein gespanntes Verhältnis zu Heinrich und sein strenges stadtherrliches Regiment bewogen die Kölner 1074 zu einem Aufstand. Anlass bot die Beschlagnahmung eines Kaufmannsschiffes durch Anno. Beispielgebend war das Verhalten der Wormser, die wenige Monate zuvor ihren mit Heinrich verfeindeten Bischof aus der Stadt gejagt und dem König die Tore geöffnet hatten. Auch Anno musste aus dem belagerten Dom und der Stadt fliehen, konnte aber rasch eine bewaffnete Mannschaft sammeln und den Aufruhr niederschlagen. Die Anführer wurden hart bestraft, viele Bürger aus Köln vertrieben. Erst ein Jahr später hob Anno die Bannsprüche auf und erstattete konfiszierten Besitz zurück.

Am 4.12.1075 starb Anno nach schwerer Krankheit. Den Ausbruch des so genannten Investiturstreits zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII. (Pontifikat 1073-1085) hat er nicht mehr erlebt. Nach seinem Tod wurde sein Leichnam in einer dreitägigen Prozession zu allen Kölner Stifts- und Klosterkirchen getragen und in ihnen aufgebahrt, danach in Siegburg beigesetzt. Anlässlich der Heiligsprechung 1183 exhumierte man seine Gebeine und legte sie in einen in der Goldschmiedewerkstatt des Nikolaus von Verdun geschaffenen Schrein, der noch heute – ohne den im 19. Jahrhundert verloren gegangenen Figurenschmuck – in einer Seitenkapelle der Siegburger Abtei steht.

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Literatur

Bautz, Friedrich Wilhelm, Artikel „Anno II.", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 1 (1990), Sp. 179-180.

Jenal, Georg, Erzbischof Anno von Köln (1056-75) und sein politisches Wirken. Ein Beitrag zur Geschichte der Reichs- und Territorialpolitik im 11. Jahrhundert, 2 Bände, Stuttgart 1974-1975.

Monumenta Annonis. Köln und Siegburg. Weltbild und Kunst im hohen Mittelalter, Ausstellungskatalog, Köln 1075

Lück, Dieter, Anno II. von Köln (ca. 1010-1075), in: Rheinische Lebensbilder 7 (1977), S. 7-24.

Eggert, Wolfgang, Anno II., Erzbischof von Köln (1056-1072), in: Eberhard Holtz / Wolfgang Huschner (Hg.), Deutsche Fürsten des Mittelalters. Fünfundzwanzig Lebensbilder, Leipzig 1995, S. 140-151.

 

Online

Oediger, Friedrich Wilhelm, Artikel „Anno II. (hl.) von Steusslingen", in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 304-306.

 

6.3.2013
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Matthias Koch (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Anno II. (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 129KB)

Erzbischof Anno II. von Köln, kolorierte Federzeichnung in der Handschrift der Vita Annonis minor, Siegburg, um 1183. Abgebildet ist Anno II. mit Modellen der von ihm gegründeten fünf Kirchen und Klöster. (Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Hs 945 fol. 1v)

  

 

 

Annoschrein (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 371KB)

Annoschrein, Benediktinerabtei Michaelsberg in Siegburg, Werkstatt des Nikolaus von Verdun (um 1130-nach 1205), 1183. (Benediktinerabtei Michaelsberg, Siegburg)