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Anton Betz (1893-1984), Verleger der Rheinischen Post, Publizist und CDU-Politiker


Anton Betz war eine der bedeutendsten und einflussreichsten Persönlichkeiten der deutschen Pressegeschichte nach 1945. Er gehörte zu den „Gründungsvätern" der Rheinischen Post in Düsseldorf, die sich als CDU-nahe Zeitung in der Presselandschaft rasch etablierte und die heute zu den großen Regionalzeitungen in Deutschland zählt. Daneben trieb er den Aufbau der dpa (Deutsche-Presse-Agentur) voran, deren erster Vorstandsvorsitzender er 1949 wurde. Betz wirkte regional und national erheblich an der Demokratisierung der westdeutschen Presse mit.
Anton Betz wurde 23.2.1893 in St. Ingbert (im heutigen Saarland, vor 1918 bayerisch) geboren. Die Eltern, Hansjoseph (1859–1925) und Anna Betz (1865–1932), erzogen ihre Kinder, neben Anton zwei weitere leibliche sowie sechs Pflegekinder, streng katholischen. Daneben prägten ihn auch die einfachen Verhältnisse, in denen die Familie lebte. Vor allem der Vater, Obermeister im örtlichen Eisenwerk, der für den Katholizismus und die Zentrumspartei eintrat, war für ihn ein frühes Vorbild. Zunächst besuchte Anton Betz in seinem Heimatort die Volksschule. Nach dem ersten Schulabschluss ging Betz 1911 als Gymnasiast nach Rosenheim, wo er im Juli 1914 das Abitur ablegte. Während dieser drei Jahre kam er erstmals mit dem Journalismus in Berührung, da er während der Schulferien regelmäßig in der Redaktion der Lokalzeitung im heimatlichen St. Ingbert arbeitete. Noch im Jahre 1914 begann Betz ein Jurastudium an der Universität Würzburg. Diesem ging er jedoch nur kurz nach, da er sich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Freiwilliger zum Militärdienst meldete. Er kämpfte in Russland und Belgien, wo er 1918 als mehrfach ausgezeichneter Offizier das Kriegsende erlebte.
Nach dem Krieg nahm Betz das Studium wieder auf und studierte zunächst in Freiburg, später in Bonn Rechts- und Staatswissenschaften, wo er 1924/1925 mit einer Dissertation Lateinisch (Erörterung), zur Erlangung des Doktorgrades verfasste wissenschaftliche Arbeit.   bei Carl Schmitt über die Ideengeschichte der Zentrumspartei promoviert wurde.
Während seiner juristischen Ausbildung fand Betz endgültig den Weg zum Journalismus. Im August 1920 wurde er Volontär bei der SLZ (Saarbrücker Landeszeitung), einem Organ der Zentrumspartei. Die Zeitung war im selben Jahr aus dem Zusammenschluss zweier katholischer Zeitungen entstanden und sollte zur größten Tageszeitung im Saargebiet aufgebaut werden. Sie stand damit in direkter Konkurrenz zur liberalen „Saarbrücker Zeitung", die überflügelt werden sollte. An diesem ehrgeizigen Unterfangen arbeitete Betz in nahezu allen Bereichen mit, in der Redaktion, in der Technik und in der Buchhaltung. Er erhielt somit schon zu Anfang seiner Berufstätigkeit einen umfassenden Einblick in das Zeitungswesen. Sein Hauptinteresse lag zunächst im technischen und wirtschaftlichen Bereich.
Wenngleich es ihm in den folgenden Jahren gelang, die SLZ zur führenden katholischen Zeitung im Saargebiet auszubauen, erreichte er das Ziel, die Zeitung als größtes Regionalblatt zu etablieren, nicht. Seinen weiteren beruflichen Aufstieg behinderte dieser Misserfolg jedoch nicht. Bereits 1923 wechselte er als Chefredakteur zur „Saar-Zeitung" nach Saarlouis und übernahm dort die Redaktions- und Verlagsleitung. Gleichzeitig setzte er sich intensiv mit den Gründen des Scheiterns des SLZ-Projektes auseinander und veröffentlichte 1924 seine Ergebnisse.
Die von Betz in Saarbrücken gemachten Erfahrungen wurden zum Fundament seiner späteren Tätigkeiten als Herausgeber, denen er vier Prinzipien zugrunde legte: 1. Eine politisch orientierte Zeitung sollte keine identisch orientierte regionale Konkurrenz haben. 2. Für ein wirtschaftlich und publizistisch gut organisiertes Blatt ist es nötig, Fachpersonal zu engagieren und fachfremde äußere Einflüsse auszuschließen. 3. Gewinne müssen zur Qualitätssicherung beziehungsweise Weiterentwicklung genutzt werden. 4. Eine Zeitung darf auch nicht einseitig berichten, um einen möglichst breiten Personenkreis zu erreichen. Den nächsten beruflichen Schritt machte Betz im September 1925. Er übernahm als Vorstand, Verlagsdirektor und Verleger die Leitung der Veduka (Vereinigte Druckereien, Kunst- und Verlagsanstalten AG) in Dillingen an der Donau. Zum Zeitpunkt seines Einstieges befand sich die Gesellschaft, die der BVP (Bayerische Volkspartei Abkürzung BVP, am 12.11.1918 gegründete Partei aus dem bayerischen Teil des Zentrums. Die BVP entwickelte ein eigenständiges, auf katholischen Fundamenten beruhendes Parteiprogramm mit  konservativer und föderalistischer Schwerpunktsetzung. In den 1920er Jahren bis zur Auflösung stärkste Partei in Bayern und stärkste der in Deutschland bestehenden Regionalparteien. Auflösung auf Druck der NSDAP am 4.7.1933. ) nahe stand, kurz vor dem Bankrott. Betz, selbst bei der BVP politisch aktiv, konnte den Verlag in den folgenden Jahren durch weitreichende Einsparungen und Modernisierungsmaßnahmen sanieren.
Dieser Erfolg ermöglichte Betz die Betätigung in der Zeitungsmetropole München. 1929 wechselte er in den Vorstand des dort ansässigen Verlagsunternehmens Manz AG. Wie schon bei der Veduka musste er auch hier zunächst eine grundlegende Sanierung durchführen. Nachdem diese in kurzer Zeit gelungen war, fusionierte Betz noch 1929 die Manz AG und das Dillinger Verlagshaus. Innerhalb weniger Jahre hatte er somit ein Verlagsunternehmen geschaffen, das 400 Beschäftigte hatte mit Betrieben unter anderem in München und Regensburg. Doch führte es ihn schon bald darauf zu einem deutlich größeren Verlag. Das Verlagshaus Knorr & Hirth bot ihm 1930 die Stelle des geschäftsführenden Verlagsdirektors an. Auch dieses Unternehmen, das sich zu zwei Dritteln in Besitz der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie befand (Aufsichtsratsvorsitzender war der Düsseldorfer Industrielle Carl Haniel), war in der Folge der politischen und wirtschaftlichen Krisen in den 1920er Jahren in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Bis 1932 konnte unter Betz jedoch die Schuldenlast erheblich gesenkt und der Bestand des Verlages gesichert werden.
Bereits ein Jahr später, unmittelbar nach der Machtergreifung Bezeichnung für die Ernennung Adolf Hitlers (1889-1945) zum Reichskanzler am 30.1.1933 und die Übertragung der Regierungsgewalt auf die Nationalsozialisten. Die Machtergreifung bedeutete das endgültige Ende der demokratischen Weimarer Republik und den Beginn der Terrorherrschaft der NS-Diktatur. der Nationalsozialisten, gerieten Betz und der Verlag unter massiven politischen Druck. Die Ablehnung des Nationalsozialismus führte im März 1933 zur Inhaftierung von Betz, die bis zum November andauerte. Zudem wurde er mit einem Berufsverbot belegt und musste Bayern verlassen.
In den folgenden Jahren konnte Betz das Berufsverbot zwar zeitweise umgehen, musste jedoch einen beruflichen Abstieg hinnehmen. Nach einigen Stationen im (bis 1935 so genannten) Saargebiet kam er 1936 mit Hilfe persönlicher Beziehungen nach Frankfurt, wo er beim Societäts-Verlag als Anzeigenvertreter und bei der „Frankfurter Zeitung" arbeitete. Seine Mitarbeit dort wurde jedoch noch 1936 auf Weisung der Reichsschrifttumskammer Abkürzung RSK, gegründet am 1.1.1933, eine der sieben Einzelkammern der unter der Leitung von Joseph Goebbels stehenden Reichskulturkammer. Die RSK sollte der "Freihaltung des Schrifttums von ungeeigneten und unzuverlässigen Elementen" dienen. Wer im Literaturbetrieb stätig sein wollte, musste laut Anordnung vom 30.7.1934 die Mitgliedschaft in der RSK nachweisen. Nicht aufgebommen wurden Personen, die den Ariernachweis nicht erbringen konnten oder gegen die NS-Ideologie verstoßen hatten. Für nicht-regime konforme Liiteratuschaffenden gab es in NS-Deutschland kaum eine Möglichkeit zu veröffentlichen, da sämtliches Schrifttum vorher einer politischen Zensur unterzogen werden sollte. Da die RSK dazu allein nicht in der Lage war, wurden im März 1939 Buchhändler und Verleger durch die "Anordnung  zum Schutze der verantwortlichen Persönlichkeit im Buchhandel" in die Verantwortung genommen. unterbunden, da er verbotenerweise unter vollem Namen als Mitarbeiter geführt worden war. Über seine Arbeit für den Societäts-Verlag, die ihn häufig ins Ruhrgebiet führte, kam er 1938 über Essen nach Düsseldorf. Dort wurde er bei Kriegsbeginn zur Wehrmacht eingezogen, aus der er schon 1940, ohne Begründung, wieder entlassen wurde. Die Kontakte zur Schwerindustrie aus der Zeit bei Knorr & Hirth ermöglichten ihm nach seiner Rückkehr eine Anstellung im Generalsekretariat der Vereinigten Stahlwerke in Düsseldorf, wo er die weiteren Kriegsjahre verbrachte.
Bereits im Sommer 1945 engagierte er sich für den Neuaufbau der Presse, an dem er in den folgenden Jahren maßgeblich beteiligt war. Zunächst bestellte ihn die britische Besatzungsverwaltung als Verlagsdirektor für die von ihr herausgegebene NRZ, mittels derer man den Neuaufbau eines neuen, demokratischen Zeitungswesens plante. Aus der NRZ ging die „Rheinische Post" hervor, für die Anton Betz und unter anderem der spätere Ministerpräsident Karl Arnold am 26.2.1946 die Lizenz erhielten. Die „Rheinische Post" konnte somit zügig zur wichtigsten Tageszeitung im Regierungsbezirk Düsseldorf aufgebaut werden.
Doch nicht nur regional bemühte sich Betz um neue Strukturen. Seit 1945 trieb er die Gründung einer unabhängigen deutschen Nachrichtenagentur voran. Ab 1947 fungierte er als Vorsitzender des dpd (Deutscher Presse-Dienst) in der Britischen Besatzungszone. Dieser wurde zwei Jahre darauf mit ähnlichen Einrichtungen der amerikanischen und französischen Besatzungszonen zur dpa fusioniert, deren erster Aufsichtsratsvorsitzender Betz bis 1951 war. Neben der dpa gehörte er auch bei der KNA (Katholische Nachrichten Agentur), die 1952 als Spezialagentur aus der Taufe gehoben wurde, zu den Gründungsmitgliedern. Des Weiteren stieg der Verleger 1963 zum Präsidenten des BDZV (Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger) auf. Dieses Amt hatte er bis 1967 inne.
Neben der Pressearbeit widmete sich Betz allerdings immer auch der Politik. Nachdem er bis 1933 monarchisch orientiertes Mitglied der BVP gewesen war, trat er nach den Erfahrungen während der nationalsozialistischen Diktatur nach dem Krieg konsequent für die bundesrepublikanische Demokratie ein. Er war infolgedessen 1945 Gründungsmitglied der CDU im Rheinland. Zwischen 1946 und 1964 war er zudem Ratsherr und Schulausschussvorsitzender der Stadt Düsseldorf und von 1959 bis 1963 Kreisparteivorsitzender in der Landeshauptstadt. 1971 gründete er die Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post. 1980 verlieh ihm die Stadt Düsseldorf in Anerkennung seines Engagements und seiner Erfolge den Jan-Wellem-Ring der Stadt.
Im Alter von 91 Jahren verstarb Anton Betz am 11.12.1984 in Düsseldorf, wo seit 2005 eine Straße nach ihm benannt ist.
 
Quellen
Betz, Anton, Zeit und Zeitung. Notizen aus acht Jahrzehnten, Düsseldorf 1973.
Literatur
Bringmann, Karl (Hg.), Festschrift für Anton Betz aus Anlass der Vollendung seines 70. Lebensjahres am 23. Februar 1963, Düsseldorf 1963.
Fohrmann, Ulrich, Anton Betz, in: Peter Neumann (Hg.), Saarländische Lebensbilder 4 (1989), S. 277-296.
Henkel, Peter, Dr. Anton Betz (1893-1984): Ein Verleger in vier Epochen, in: Geschichte im Westen 20, Heft 1 (2005), S. 49-63.
Henkel, Peter, Die neue Düsseldorfer Presse. Deutsche Diskussionsbeiträge zur ersten Lizensierungsphase der Düsseldorfer Presse zwischen Mai 1945 und März 1946, in: Düsseldorfer Jahrbuch 80 (2010), S. 287-315.
Henkel, Peter, Peter Henkel, Anton Betz - Ein Verleger zwischen Weimar und Bonn, Düsseldorf 2011.

Kaltscheuer, Christoph, Anton Betz (1893-1984), Verleger, Publizist und Politiker, in: Rheinische Lebensbilder 19 (2013), S. 253-282.
 
Online
Conrad , Joachim, Betz Anton, in: Saarländische Biografien Online.
Mayer, Werner, Dr. Anton Betz (1893-1984) Begründer der Rheinischen Post, (Nachlaß Betz im Stadtarchiv Düsseldorf, mit einer Kurzbiographie von Anton Betz).
Von der katholischen Zentrumspresse zur interkonfessionellen Zeitung. Umfassende wissenschaftliche Publikation über Anton Betz erschienen (Pressemeldung der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf über: Peter Henkel, Anton Betz - Ein Verleger zwischen Weimar und Bonn, Düsseldorf 2011. 

 

12.7.2013

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Christoph Kaltscheuer (Bonn) 
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Anton Betz, Porträtfoto von Ulrich Horn/CC-BY-SA. (Archiv der Rheinischen Post, Düsseldorf)