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Franz Rudolf Bornewasser (1866-1951), Bischof von Trier (1922-1951)

Der aus Radevormwald stammende Dr. Franz Rudolf Bornewasser war von 1922 bis 1951 Bischof von Trier. Während seines Episkopats trat er ebenso für die Wiedereingliederung des Saarlandes in das Deutsche Reich wie für den kirchlichen Widerstand gegen das NS-Regime ein. Dennoch unterstützte er beispielsweise den Krieg gegen die SowjetunionKurzbezeichnung für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), gegründet 1922  nach dem Ende des russischen Reiches (1917). Bis zu  ihrer Auflösung 1991 war sie das politische Zentrum des Ostblocks und des real existierenden Sozialismus. Sie umfasste in etwa das Gebiet der heutigen Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS), dazu Estland, Lettland und Litauen. Völkerrechtlicher Nachfolgestaat ist die Russische Föderation (Russland ). als Präventivkrieg gegen den Bolschewismus. Im Januar 1933 rief er zur ersten Heilig-Rock-Wallfahrt im 20. Jahrhundert auf.

Franz Bornewasser kam am 12.3.1866 in Radevormwald als zweites von acht Kindern des Musiklehrers, Kaufmanns und Gastwirts Gustav Eduard (1838-1895) und dessen Frau Elisabeth, geborene Wielich (1838-1910), zur Welt. Die Familie gehört bis heute zu den ältesten und größten am Ort. Die Eltern waren fromm katholisch; die Situation war die einer Diaspora während des Kulturkampfes. Nur etwa zehn Prozent der Nachbarn waren katholisch, Bornewasser 1894 der erste Primiziant in der 200-jährigen Geschichte seiner Heimatgemeinde St. Marien.

Der Junge lernte Klavier und Geige und wurde durch den Pfarrer Johann Heinrich Becker auf den Besuch des Progymnasiums in Wipperfürth und des humanistischen Gymnasium Marianum in Neuss vorbereitet. Nach dem Abitur (1887) begann seine Studienzeit mit häufigen Fach- und Ortswechseln; seinen Unterhalt musste er sich erarbeiten. Die Heilig-Rock-Wallfahrt von 1891 gilt gemeinhin als Ursache seines Wunsches, Priester zu werden. Tatsächlich trat er schon im Herbst 1890 in das Theologenkonvikt Albertinum in Bonn ein und immatrikulierte sich zum Theologiestudium an der Bonner Universität. Hier war er auch Mitglied der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Ripuaria zu Bonn im CV.

Nach dem Abschluss 1892 wechselte er an das Erzbischöfliche Priesterseminar Köln. Seit Januar 1893 im Klerikerstand, empfing er am 10.3.1894 die Priesterweihe. Es folgten mehrere Ämter in Seelsorge und Verwaltung, unter anderem als Kaplan in St. Kolumba zu Köln (1894) und als Direktor des Gregoriushauses zur Ausbildung von Kirchenmusikern in Aachen (ab 1899). 1916 wurde er zum Professor für Pastoraltheologie und Subregens am Kölner Priesterseminar berufen. Daneben war er Mitglied der Unio Apostolica und des 'Priester-Anbetungs-Verein'.

Im Zuge einer Umgliederung des überdehnten Erzbistums Köln und einzelner Pläne für ein neu zu gründendes Bistum Aachen, wurde Bornewasser am 18.3.1921 Stiftsprobst am Aachener Liebfrauenmünster und kurz darauf Weihbischof von Köln sowie Titularbischof von Bita in Mauretanien (23. April). Die Konsekration fand am 29. Mai im Kölner Dom statt. Das Dekanat Elberfeld (heute Stadt Wuppertal) sammelte für den ehemaligen Pfarrer von St. Suitbert Geld für eine Studienstiftung ‚Bornewasser‘ und die Bonner Katholische Theologische Fakultät Lateinisch, bezeichnet fachlich nach den Hauptwissenschaften gegliederte Lehr- und Verwaltungseinheiten einer Hochschule.  verlieh ihm – eine Ausnahme im normalerweise angespannten Verhältnis zur erzbischöflichen Kurie – den Ehrendoktor Wird seit dem 19.Jahrhundert ehrenhalber (honoris causa) für hervorragende Verdienste um die verleihende Hochschule oder auf wissenschaftlichem Gebiet verliehen. Der Ehrendoktor ist kein akademischer Grad, sondern eine Auszeichnung. .

Doch schon am 27.2.1922 wählte ihn das Trierer Domkapitel nach dem Tod des Bischofs Michael Felix Korum zu dessen Nachfolger. Papst Pius XI. (Pontifikat 1922-1939) bestätigte die Wahl am 12. März. Am 17. Mai wurde Bornewasser inthronisiert. Als Bischof musste er sich nun zunächst den Nachkriegsnöten der Trierer Bevölkerung, besonders im Verhältnis zu den französischen Besatzungsbehörden, zuwenden. Dies betraf vor allem auch Fragen der Seelsorge in den saarländischen Diözesanteilen, die unter Völkerbundsmandat standen.

1927 folgten die Ernennungen zum päpstlichen Thronassistenten, Privatprälaten und römischen Grafen. Den Ehrentitel eines Erzbischofs erhielt er am 4.1.1944 von Papst Pius XII. (Pontifikat 1939-1958).

Wer war dieser Bischof Bornewasser? Grundsätzlich lag ihm viel an der Ausbildung des Priesternachwuchses. 1928 gründete er das Euchariuswerk und 1930 das Rudolfinum, das heutige Robert-Schumann-Institut mit der Katholischen Akademie Trier. Da er einer würdigen Umsetzung der Liturgie hohen Wert beimaß, befürwortete er auch die Gründung des Liturgischen Instituts in Trier. Daneben förderte er unter anderem das Schönstatt-Werk des Paters Josef Kentenich oder die Genossenschaft der Johannes-Missionare in Leutesdorf (ab 1928).

Mit der ersten Heilig-Rock-Wallfahrt im 20. Jahrhundert – mit rund zwei Millionen Besuchern die bis dahin größte ihrer Art – fiel auch ein kirchliches Großereignis in seine Amtszeit (23.7.-10.9.1933). Die Wallfahrt fand im Heiligen Jahr 1933 statt und diente auch seiner Feier. Bornewassers Aufruf zur Wallfahrt erging am 25.1.1933, mithin sehr zeitnah zur nationalsozialistischen "Machtergreifung Bezeichnung für die Ernennung Adolf Hitlers (1889-1945) zum Reichskanzler am 30.1.1933 und die Übertragung der Regierungsgewalt auf die Nationalsozialisten. Die Machtergreifung bedeutete das endgültige Ende der demokratischen Weimarer Republik und den Beginn der Terrorherrschaft der NS-Diktatur. ".nach obenDies wird rückblickend und irreführend häufig zu einem politischen Symbol überhöht, ist aber nicht in der konkreten Situation des Jahres 1933 begründet, sondern entspringt der landläufig positiven Bewertung von Bornewassers Verhalten im "Dritten Reich" als "Bekennerbischof". Historisch muss sein Verhalten zwischen 1933 und 1945 als Dissens und Protest eingeordnet werden, der auf den Erhalt kirchlicher Eigenidentität und Institutionen zielte: Schon seit 1929 kritisierte er öffentlich Ideologie und Auftreten des Nationalsozialismus. Seine berühmte Predigt gegen die Euthanasie (14.9.1941) oder auch seine Mitarbeit an verschiedenen Hirtenbriefen der deutschen Bischöfe gelten als leuchtende Beispiele seiner Ablehnung des ‚Dritten Reiches‘.

Störungen von Bornewassers Predigten durch Nazis sowie Beobachtungen und Durchsuchungen beispielsweise des Generalvikariats durch die Gestapo – besonders im Zuge der "Sittlichkeitsprozesse" 1936/1937, während derer Bornewasser selbst als Zeuge verhört und angegriffen wurde – waren die Folge. Er wehrte sich, indem er die Spitzel sarkastisch und in Bibelverse gekleidet in seinen Gottesdiensten begrüßte. Alois Thomas (1896-1993), seit 1936 Archivar am Bischöflichen Generalvikariat Trier, gibt in seinen Erinnerungen eine detaillierte Zusammenstellung aller Vorgänge um die Sittlichkeitsprozesse und aller Bemühungen gegen das Regime, nicht nur des Bischofs sondern auch seiner Dienststelle.

Mit dem nationalsozialistischen Reichskommissar Leiter einer für besondere Zwecke geschaffenen und mit Sondervollmachten ausgestatteten höheren Behörde während der Zeit des Nationalsozialismus. Reichskommissare wurden zum Beispiel für die besetzten Gebiete (zum Beispiel Norwegen und die Niederlande) eingesetzt, nahmen aber auch Aufgaben im Luftfahrtwesen oder der zivilen Verwaltung wahr.  für die Rückgliederung des Saarlandes und damaligen Gauleiter Pfalz-Saar Josef Bürckel verhandelte er 1935 um die (Nicht-)Geltung des Reichskonkordats (20.7.1933) für das Saarland, das nach einem Volksentscheid im Januar 1935 wieder Teil des Reichsgebiets war. Das Regime lehnte die Anwendung des Konkordats ab. Bürckel wollte nun eine gesonderte Vereinbarung schließen, in deren Mittelpunkt das Recht der Kirche zu Jugendarbeit, zu Predigten gegen das Neuheidentum und die Frage von Doppelmitgliedschaften in Kirche und NSDAP standen. Die Ausübung der Religion, Jugendarbeit, aber auch der Ersatz von Bekenntnis- durch Gemeinschaftsschulen, waren prinzipiell Themen, die Bornewassers Dissens besonders forderten. Gegen Bürckel kooperierte er mit dem ebenfalls betroffenen Bischof Ludwig Sebastian von Speyer (Episkopat 1917-1943) und dem damaligen Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII. Ein Staatsvertrag brauchte die Zustimmung Roms. Aus kirchlicher Sicht ermöglichten die Verhandlungen, das Reichskonkordat als Minimum der eigenen Rechte zu bestätigen oder sogar die saarländischen Diözesanteile besser zu stellen. Nachdem die Bischöfe sich ersten Entwürfen im April und Juli 1935 verweigert hatten, entschied Bürckel den Prozess per einseitiger, öffentlicher Ankündigung. Die Aushöhlung von Rechtspositionen durch "Maßnahmen" des Regimes war die historische Realität, die die Machthaber schufen, und in der Bornewasser nun handeln musste.

Es gibt aber auch Kritik an Bornewassers Person, denn wie bei vielen seiner Zeitgenossen und traditionellen Eliten gab es "Teilidentitäten der Ziele" (Manfred Messerschmidt) mit dem Nationalsozialismus. Diese sind aber nicht zwingend ein Indiz für überzeugte Anhängerschaft. Bornewassers Eintreten für die Rückgliederung des Saarlandes – es gilt als sein Verdienst, dass im Januar 1935 90,5 Prozent der Einwohner für die Rückgliederung stimmten – begleitete auch ein seelsorgerisches Anliegen. Ebenso wird ihm heute sein Schweigen angesichts von Judenverfolgung und Judenmord vorgeworfen, obwohl er selbst freundschaftliche Kontakte zum damaligen Trierer Oberrabiner Adolf Altmann (1879-1944) pflegte. In dieser Hinsicht ist aber neben weiteren Zeugnissen auf seine frühe öffentliche Ablehnung der NS-Rassenlehre in seinen Predigten zu Allerheiligen 1934 und 1935 hinzuweisen.

Ferner irritiert die Kritiker seine positive Beurteilung des Überfalls auf die SowjetunionKurzbezeichnung für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), gegründet 1922  nach dem Ende des russischen Reiches (1917). Bis zu  ihrer Auflösung 1991 war sie das politische Zentrum des Ostblocks und des real existierenden Sozialismus. Sie umfasste in etwa das Gebiet der heutigen Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS), dazu Estland, Lettland und Litauen. Völkerrechtlicher Nachfolgestaat ist die Russische Föderation (Russland ). im Juni 1941, den er für einen notwendigen (Präventiv-)Schlag gegen den Bolschewismus hielt. "Endkampf"-Stimmung zeichnete nicht nur seine Predigt über die Weltanschauung des Bolschewismus (26.10.1941) aus. Auch schon in seinen Predigten zum Christ-Königs-Fest am 29.10.1933 oder zu Allerheiligen 1936 finden sich solche problematischen Äußerungen. Eine wissenschaftliche, biographische Abhandlung dieser Fragen, die zwischen der älteren Frontstellung zwischen Kirche und Kommunismus Lateinisch (communis = gemeinschaftlich), bezeichnet seit dem 19. Jahrhundert politische Lehren und Ideologien, die auf der Grundlage des Kommunistischen Manifests von Friedrich Engels (1820-1895) und Karl Marx (1818-1883) von 1848 die Verwirklichung einer klassen- und herrscherlosen Gesellschaft durch Überwindung des Kapitalismus anstreben. , tagespolitischer Anpassung in der Diktatur oder Befürwortung einzelner Aspekte der NS-Ideologie zu differenzieren vermag, gibt es bisher nicht.

Kurz vor und nach 1945 setzte der Bischof sich für vom Bombenkrieg betroffene Trierer und Flüchtlinge ein und organisierte 1948 während der Berliner Blockade - konfessionsunabhängig - die Unterbringung von Berliner Kindern in Trier. Konfessionsunabhängige Hilfen hatte er bereits in den 1920er Jahren, während Inflation Lateinisch (das Sichaufblasen, Aufschwellen), deutliche Erhöhung des Preisniveaus, etwa durch Anstieg der umlaufenden Geldmenge ohne äquivalente Ausweitung der Gütermenge. und Weltwirtschaftskrise, organisiert. Ebenso beeindruckend ist die Zahl der nach Kriegsende wieder oder neu errichteten Kirchen in seiner Diözese, der er 1946 eine neue Dekanatseinteilung gab. Im selben Jahr erhoben ihn seine Heimatstadt und die Stadt Trier zum Ehrenbürger.

Er starb am 20.12.1951. Sein Grab im Trierer Dom wurde 1976 von der Westkrypta in die neue Maternuskrypta umgebettet. Seine Grabplatte zeigt neben seinem Wappen vor allem als Zeugnis des Zeitgeschehens den Bombenkrieg in Trier. Die Umschrift nimmt Bezug auf seinen Wahlspruch in fide fortis - im Glauben stark (1 Petr 5,8-9a) – und seine Rolle als "Kriegsbischof".

 nach obenWerke (Auswahl)

Das Oberhirtenwort von Fulda, 2. Auflage, Saarbrücken 1934.

 

Literatur (Auswahl)

Bautz, Friedrich Wilhelm, Artikel „Bornewasser, Franz Rudolf", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 1 (1990), Sp. 705.

Heinz, Albert (Hg.), Bornewasser, Franz Rudolf; Fels im Sturm. Predigten und Hirtenworte, 2 Bände, Trier 1969.

Heintz, Albert (Hg.), Erzbischof Bornewasser. Worte an seine Priester, Trier 1961.

Heyen, Franz-Josef, Franz Rudolf Bornewasser, in: Persch, Martin (Hg.), Die Bischöfe von Trier seit 1802. Festgabe für Bischof Dr. Hermann Josef Spital zum 70. Geburtstag am 31. Dezember 1995, Trier 1996, S. 169-188.

Manfred Messerschmidt zitiert nach: Wentker, Hermann: Der Widerstand gegen Hitler und der Krieg. Oder: Was bleibt vom „Aufstand des Gewissens"?: in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 53 (2002), S. 4-19, hier S. 13.

Pauly, Ferdinand, Zur Kirchenpolitik des Gauleiters J. Bürckel im Saargebiet (März-August 1935), in: Rheinische Viertejahrsblätter 35 (1971), S. 414-453.

Schmidt-Goertz, Ursula, Ein bergischer Erzbischof und "Römischer Graf". Franz Rudolf Bornewasser aus Radevormwald starb vor 50 Jahren in Trier, in: Rheinisch-Bergischer Kalender 71 (2001), S. 164-180.

Thomas, Alois, Franz Rudolf Bornewasser, in: Gatz, Erwin (Hg.), Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1785/1803 bis 1945, Berlin 1983, S. 65-67.

Thomas, Alois, Kirche unter dem Hakenkreuz, Erinnerungen und Dokumente, Trier 1992.

Werner, Wolfram, Bischof Bornewasser in der Herz-Jesu-Kirche in Koblenz. Eine Episode des Kirchenkampfes im Dritten Reich vom Dez. 1937, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 19 (1993), S. 531-538.

Wolff, Norbert, In fide fortis - Im Glauben stark: Erzbischof Dr. Franz Rudolf Bornewasser – Ehrenbürger von Radevormwald, Radevormwald 2001.

 

Online

Conrad, Joachim, Bornewasser Franz Rudolf, in: Saarländische Biografien Online.

Hegel, Eduard, Artikel „Bornewasser, Franz Rudolf", in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 470.

 

6.3.2013
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Rafaela Hiemann (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Franz Rudolf Bornewasser (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 134KB)

Franz Rudolf Bornewasser, Porträt. (Stadtbibliothek/ Stadtarchiv Trier)