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Max Isidor Bodenheimer (1865-1940), Zionist

Der Rechtsanwalt Max Bodenheimer war einer der ersten deutschen Zionisten. Geboren in Stuttgart, lebte er von 1890 bis zu seiner Emigration 1933 in Köln. Hier gründete er zusammen mit David Wolffsohn (1856-1914) die Organisationen der Kölner und deutschen zionistischen Bewegung und schuf als Präsident des Jüdischen Nationalfonds wichtige Grundlagen auf dem Weg zu seinem politischen Ziel – einem jüdischen Staat in Palästina/ Israel.

Max Isidor Bodenheimer wurde am 12.3.1865 als Sohn des Großhändlers Jakob Bodenheimer und seiner Frau Henriette, geborene Heidenheimer, in Stuttgart geboren, wo er glückliche Kindheits- und Jugendjahre verlebte. Nach dem Abitur 1884 studierte er in Tübingen, Leipzig, Straßburg und Berlin Jura. 1888 legte er die erste rechtswissenschaftliche Prüfung ab; 1889 wurde er an der Universität Freiburg promoviert.

Seit seiner Jugend nahm Bodenheimer judenfeindliche Äußerungen und Ressentiments wahr, die bei ihm allmählich zu einer Ablehnung der „Assimilation Lateinisch, Angleichung. " – der Auflösung der jüdischen Minderheit in den jeweiligen Mehrheitsgesellschaften – führten. In seiner Zeit als juristischer Referendar in St. Wendel, einer Kleinstadt im Saarland, kam Bodenheimer zu dem Schluss, dass nur eine „nationale Wiedergeburt" – die Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina – die „Lösung der Judenfrage" bringen könne. In seinen Memoiren beschrieb er dies als Offenbarungserlebnis: „Der zionistische Gedanke war das Erzeugnis einer plötzlichen Eingebung. Er war wie ein Licht, das plötzlich in meinem Innern auftauchte. [...] Mir war wie einem Sklaven, dem sich plötzlich der Weg zur Freiheit öffnet, wie einem Gefangenen, der durch ein Wunder das Werkzeug findet, seine Ketten zu zerbrechen."

Auch wenn sich Bodenheimer zuweilen einer religiös geprägten Sprache bediente, war für ihn die Rückkehr der Juden nach Palästina kein religiöses, sondern ein säkular-politisches Anliegen. Nicht messianische Sehnsucht trieb ihn, sondern das Ziel, einen modernen jüdischen Staat als Heimstatt für die verfolgten jüdischen Minderheiten zu schaffen. Besonders stand ihm hierbei die verzweifelte Lage der von Pogromen und Diskriminierung betroffenen Juden in Russland vor Augen.

1890 zog Bodenheimer nach Köln, wo er 1893 eine bald florierende Rechtsanwaltspraxis eröffnete. 1891 veröffentlichte er die viel beachtete Schrift „Wohin mit den russischen Juden?", in der er für die Gründung von jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen in Palästina warb. In den bürgerlichen jüdischen Kreisen Kölns stieß er mit seinen Ideen allerdings auf Ablehnung. Nur wenige ließen sich davon begeistern, so der aus Litauen stammende, seit 1888 in Köln lebende Kaufmann David Wolffsohn. Bodenheimer und Wolffsohn lernten sich 1892 bei einem Vortrag kennen; schnell verband sie eine enge Freundschaft. 1894 gründeten sie den Kölner „Verein behufs Förderung der jüd. Ackerbaukolonien in Syrien und Palästina" und die „National-Jüdische Vereinigung Köln" (später: Kölner Zionistische Vereinigung).

Ähnliche Gedanken wie die Kölner Zionisten machte sich zur gleichen Zeit der Journalist Theodor Herzl (1860-1904) in Wien. Als er 1896 sein berühmtes Buch „Der Judenstaat" veröffentlichte, wandten sich Bodenheimer und Wolffsohn sofort an ihn und boten ihm ihre Mitarbeit an. Die von Bodenheimer mit verfassten „Kölner Thesen" (1896) wurden zu einer Grundlage des auf dem ersten Zionistenkongress in Basel verabschiedeten Baseler Programms (1897), der Programmschrift des Zionismus Die religiöse Sehnsucht nach einer Rückkehr ins Heilige Land, nach "Zion", war im Judentum immer präsent. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Bewegung des politischen Zionismus. Ihre Anhänger, die Zionisten, strebten danach, die Zerstreuung der Juden durch die Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina zu beenden. Theodor Herzls (1860-1904) Buch „Der Judenstaat“ (1896) gab den entscheidenden Anstoß zur organisatorischen Zusammenfassung der bestehenden Initiativen zu einer zionistischen Weltorganisation. . Bodenheimer übernahm in den folgenden Jahren viele Aufgaben innerhalb der Zionistischen Bewegung. So war er 1897-1910 Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, 1897-1921 Mitglied des zionistischen Aktionskomitees und von 1899 bis zu seinem Tod 1940 Mitglied des Aufsichtsrats des Jewish Colonial Trust. 1898 gehörte er zu der zionistischen Delegation, die mit Herzl nach Palästina reiste, um in Jerusalem den auf seiner Nahostreise befindlichen Kaiser Wilhelm II. (Regentschaft 1888-1918) zu treffen.

nach obenNach Herzls frühem Tod wurde David Wolffsohn zum Präsidenten der Zionistischen Organisation gewählt (bis 1911). Bodenheimer fungierte als Präsident des „Jüdischen Nationalfonds" (Keren Kayemeth LeIsrael), dessen Organisation er von 1905 bis 1914 von Köln aus aufbaute. Nicht nur die Büros der zionistischen Organisation wurden nach Köln verlegt, auch die zionistische Wochenzeitung „Die Welt" erschien zwischen 1906 und 1911 in Köln, das damit für einige Jahre zur „Hauptstadt" des Zionismus wurde.

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt in Bodenheimers Wirken. Das Zentrum der zionistischen Politik verlagerte sich nach Großbritannien, dessen Regierung 1917 mit der so genannten Balfour-Deklaration die Schaffung einer „nationalen Heimstätte für das jüdische Volk" offiziell unterstützte und 1920/ 1922 im Auftrag des Völkerbunds Mandatsmacht in Palästina wurde. Nicht nur im internationalen, auch im deutschen Zionismus hatte Bodenheimer – ähnlich wie die meisten der „Generation Herzl" – nach 1918 fast jeden Einfluss verloren. Politisch befand er sich nun fast immer in einer Minderheitenposition.

In der Zeit der Weimarer Republik Bezeichnung des präsidialen und parlamentarischen Regierungssystems in Deutschland zwischen 1919 und 1933. Gebräuchliche Bezeichnung der gesamten Epoche deutscher Geschichte zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Benannt nach dem Tagungsort der verfassungsgebenden Nationalversammlung in Weimar.  engagierte er sich vor allem in der Kölner Synagogengemeinde, mehrere Jahre gehörte er dem Gemeindevorstand an. Große Verdienste erwarb er sich mit der Organisation der „Jüdischen Sonderschau" auf der internationalen Presseausstellung PRESSA, die 1928 in der Kölner Messe stattfand.

1896 hatte Max Bodenheimer die aus dem westfälischen Essentho stammende Rosa Dalberg (1876-1938) geheiratet, die sich in Köln und darüber hinaus als Frauenrechtlerin und Mitglied der bürgerlichen Frauenbewegung einen Namen machte. Die Bodenheimers hatten drei Kinder: Henriette Hannah (1898-1992), Fritz Simon (1897-1959) und Ruth (1900-1941). Fritz studierte Biologie und wurde Professor für Zoologie an der Hebräischen Universität; Ruth arbeitete zunächst in Köln, später in Tel Aviv als Rechtsanwältin; Henriette Hannah wurde Gewerbelehrerin. Seit den 1940er Jahren betreute sie den Nachlass ihres Vaters und veröffentlichte mehrere Darstellungen und Quelleneditionen über den frühen deutschen Zionismus.

Im Frühjahr 1933, wenige Monate nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, flüchteten Max und Rosa Bodenheimer in die Niederlande. 1935 immigrierten sie nach Palästina, wo sie sich in Jerusalem niederließen. Hier verfasste Bodenheimer seine Memoiren, die von seiner Tochter Henriette Hannah herausgegeben wurden. Rosa Bodenheimer starb am 24.3. 1938, Max Bodenheimer am 19.7.1940 in Jerusalem.

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Nachlass

Nachlass Max Bodenheimers in den Central Zionist Archives, Jerusalem.

 

Werke 

Bodenheimer, Henriette Hannah (Hg.), So wurde Israel. Aus der Geschichte der zionistischen Bewegung. Erinnerungen, Frankfurt 1958

 

Literatur

Brenner, Michael, Geschichte des Zionismus, München 2002.

Bodenheimer, Henriette Hannah (Hg.), Der Durchbruch des politischen Zionismus in Köln 1890-1900. Eine Dokumentation. Briefe, Protokolle, Flugblätter, Reden, Köln 1978.

Bodenheimer, Henriette Hannah (Hg.), Der Durchbruch des politischen Zionismus in Köln 1890-1900. Eine Dokumentation. Briefe, Protokolle, Flugblätter, Reden, Köln 1.

Bodenheimer, Henriette Hannah, Max Bodenheimer. Ein zionistisches Lebensbild nach seinen Schriften und Briefen, Köln 1986.

Bodenheimer, Henriette Hannah, Max Isidor Bodenheimer (1865-1940), in: Rheinische Lebensbilder 12 (1991), S. 233-256.

Reinharz, Jehuda (Hg.), Dokumente zur Geschichte des deutschen Zionismus 1882-1933, Tübingen 1981.

 

Online

 

Germania Judaica. Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.

 (Homepage der World Zionist Organisation).

Internetarchiv jüdischer Periodika (Compact Memory, Wissenschaftsportal für jüdische Studien).

 

30.9.2010
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Ursula Reuter (Köln) 
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 Max Bodenheimer (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 90KB)

Max Bodenheimer, Porträtfoto, um 1900. (Rheinisches Bildarchiv)