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Cassius und Florentius, 4. Jahrhundert (?), Stadtpatrone von Bonn

Die Heiligen Cassius und Florentius sind die Stadtpatrone von Bonn. Sie sollen als Soldaten der „Thebäischen Legion" den Märtyrertod gestorben sein und werden als Ritter oder Soldaten mit Fahne, Wappenschild und Palme dargestellt.

Nach der mittelalterlichen Überlieferung gehören Cassius und Florentius zu einer spätantiken Märtyrerlegion, der so genannten „Thebäischen Legion". Dazu zählen beispielsweise auch die Heiligen Mauritius, Viktor von Xanten und Gereon von Köln. Die Legende von der „Thebäischen Legion" wurde in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts erstmals schriftlich gefasst. Demnach soll auf kaiserlichen Befehl eine aus dem ägyptischen Thebais in den Westen verlegte Soldateneinheit hingerichtet worden sein, da sie den Befehl zu einer heidnischen Götterzeremonie beziehungsweise zur Mitwirkung an einer Christenverfolgung verweigert habe. Anführer sei Mauritius gewesen. Im 11. Jahrhundert wurde die „Passio sanctorum Gereonis, Victoris, Cassii et Florentii Thebaeorum martyrum" verfasst, die erstmals auch Cassius und Florentius als Mitglieder der Legion nennt.

Unter dem Bonner Münster befindet sich eine spätantike Totenkultstätte (cella memoriae) auf einem seit dem späten 3. oder frühen 4. Jahrhundert belegten römischen Gräberfeld, die als vermutliche Grabstätte der Bonner Heiligen angesehen wird. Im Boden erhaltene christliche Zeichen führten zu der Legendenbildung über hier beigesetzte Martyrer. Jedenfalls findet im Jahre 691/692 eine „basilica ss. Cassii et Florentii" urkundliche Erwähnung. Seit dem 8. Jahrhundert lässt sich die Stiftskirche nachweisen, nach deren Abriss im 11. Jahrhundert der Neubau der Kirche „St. Cassius und Florentius" begann, der heutigen Münsterbasilika. Deren Krypta birgt den Reliquienschrein der Bonner Stadtpatrone.

Der Kult der Heiligen Cassius und Florentius in Bonn ist seit den Anfängen des Cassiusstiftes im 8. Jahrhundert greifbar. Er wurde nach der Erhebung der Gebeine durch Erzbischof Rainald von Dassel und Stiftsprobst Gerhard von Are am 2.5.1166 durch eine Reihe von AblassBedeutet den Gnadenakt, durch den die zeitlichen Sündenstrafen, nicht aber die Sünden selbst, ganz oder teilweise erlassen werden. Ursprünglich betraf dies die zeitlich befristeten Kirchenstrafen;  im Mittelalter entwickelte sich die Auffassung einer Verkürzung der Zeit im Fegefeuer. Für einen Ablass sind bestimmte Bedingungen zu erfüllen, die beispielsweise das Verrichten bestimmter Gebete, Werke der Nächstenliebe oder eine Wallfahrt umfassen können. Ablässe nicht nur in ihren missbräuchlichen Formen (Ablasshandel) wurden von den Reformatoren scharf kritisiert.briefen des 13. und 14. Jahrhunderts gefördert.

Das Stadtpatronat der Heiligen entwickelte sich seit dem späten Mittelalter. So zeigt das nach 1244 entstandene älteste Siegel der Stadt Bonn die Münsterkirche. Darunter steht, rechts und links mit der Aufschrift „PIUS CASSIUS" gekennzeichnet, Cassius in ritterlicher Rüstung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat man also schon um diese Zeit Cassius als Stadtpatron angesehen. Für die frühe Neuzeit weisen Zeugnisse darauf hin, dass beiden Heiligen diese Auszeichnung zukam. So gab es mindestens seit dem 16. Jahrhundert das Kerzenopfer am Translationsfest: „Von alters war es Brauch, daß auch der Senat der Stadt Bonn am Maifeste zu den Schreinen der hl. Patrone 6 Wachskerzen lieferte. Die Stiftsprotokolle vom 29. April 1595 und 10. April 1619 erinnern daran." (Toni Diederich). Wohl als endgültige Beförderung zu offiziellen Stadtpatronen ist das Kapitelsprotokoll des Cassiusstifts vom 6.10.1643 anzusehen: Erzbischof Ferdinand gesteht darin dem Stiftskapitel zu, künftig das auf den 10. Oktober fallende Märtyrerfest in der Stadt Bonn öffentlich und feierlich zu begehen.

nach obenDie kirchlich-liturgische Verehrung wird ebenfalls seit dem Spätmittelalter greifbar. Der älteste, im 13. Jahrhundert entstandene „Liber Ordinarius Lateinisch, aus iudex ordinarius entstandene Kurzform, bezeichnet (1) den Inhaber der iurisdictio ordinaria, das heißt in der katholischen Kirche den Papst, und die ordinarii locorum, das heißt den regierenden Bischof, Abt oder Prälaten, den apostolischen Administrator, Vikar oder Kapitelsvikar usw.,  (2) den durch Berufung auf einen Lehrstuhl gelangten, lebenslang ernannten Professor, seit der Abschaffung der so genannten "Ordinarienuniversität" mit den Hochschulreformen der 1970er Jahre unüblich gewordene Bezeichnung. ", der Auskunft über die reiche Liturgie des Bonner Cassiusstifts gibt, benennt die Feier eines Cassiusfestes „In translatione martyrum". Die Stadtpatrone werden auch in der Litanei der Bittage („In rogationibus. Feria secunda dicta sexta duo cantent … postea Sancte Cassi cum sociis tui") aufgeführt.

Vom Mitführen des Hauptes des heiligen Cassius bei der Osterprozession, „das heißt einer Reliquienbüste, also das Heiligste aus der Geschichte Bonns" (Albert Gerhards) ist im „Liber Ordinarius Lateinisch, aus iudex ordinarius entstandene Kurzform, bezeichnet (1) den Inhaber der iurisdictio ordinaria, das heißt in der katholischen Kirche den Papst, und die ordinarii locorum, das heißt den regierenden Bischof, Abt oder Prälaten, den apostolischen Administrator, Vikar oder Kapitelsvikar usw.,  (2) den durch Berufung auf einen Lehrstuhl gelangten, lebenslang ernannten Professor, seit der Abschaffung der so genannten "Ordinarienuniversität" mit den Hochschulreformen der 1970er Jahre unüblich gewordene Bezeichnung. " von 1613 zu erfahren. Das liturgische Handbuch bezeugt auch die feierliche Gestaltung des Festes der Erhebung der Gebeine der Heiligen am 2. Mai („In translatione sanctorum Cassii, Florentii, Malusii etc.") und des Cassiusfestes am 10. Oktober („In festo sanctorum Cassii, Florentii et Gereonis").

Die Stadtpatrone werden gegenwärtig mit einer jährlichen Festoktav um den 10. Oktober geehrt, deren Höhepunkt das Festhochamt mit dem Kerzenopfer des Rates der Stadt Bonn darstellt. In der Münsterbasilika überreicht die Oberbürgermeisterin/der Oberbürgermeister stellvertretend für Stadtrat und Verwaltung eine Opferkerze, die am Schrein der Heiligen aufgestellt wird. In der frühen Neuzeit bezeugt, zwischenzeitlich aber in Vergessenheit geraten, wurde der Brauch 1953 auf Betreiben des damaligen Münsterpfarrers Hermann-Josef Stumpe (1893-1989, Amtszeit 1947-1973) wieder aufgenommen.

An die Stadtpatrone erinnert auch der „Mordkapellenpfad" am Fuße des Bonner Kreuzbergs. Angeblich wurden an dieser Stätte Cassius und Florentius mit weiteren Gefährten hingerichtet - so will es die mündliche Überlieferung wissen. Beim „Marterfest" gedenkt die Endenicher Pfarrgemeinde der Stadtpatrone. Jedes Jahr zieht eine Prozession zur so genannten Märtyrer- oder Mordkapelle und nach einer Andacht zurück in die Pfarrkirche St. Maria Magdalena.

Seit 2009 teilen sich die Heiligen Cassius und Florentius das Bonner Stadtpatronat mit der heiligen Adelheid von Vilich.

 nach obenQuellen

Passio sanctorum Gereonis, Victoris, Cassii et Florentii Thebaeorum myrtyrum, in: Helinandi frigidi montis monachum, necnon Guntheri Cisterciensis, Opera omnia, Migne PL 212, 1855, Sp. 759-772.

Textedition der Libri Ordinarii der Bonner Münsterkirche, in: Odenthal, Andreas/Gerhards, Albert (Hg.), Märtyrergrab - Kirchenraum - Gottesdienst II. Interdisziplinäre Studien zum Bonner Cassiusstift, Siegburg 2008, S. 161-303.

 

Literatur

Diederich, Toni, Stadtpatrone an Rhein und Mosel, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 58 (1994), S. 25-86.

Döring, Alois, Heilige Helfer. Rheinische Heiligenfeste durch das Jahr, Köln 2009.

Odenthal, Andreas/Gerhards, Albert (Hg.), Märtyrergrab - Kirchenraum - Gottesdienst II. Interdisziplinäre Studien zum Bonner Cassiusstift, Siegburg 2008.

Höroldt, Dietrich, Das Stift St. Cassius zu Bonn von den Anfängen der Kirche bis zum Jahre 1580, Bonn 1957, 2. Auflage Bonn 1984.

Runde, Ingo, Thebäische Legion Legende von einer christlichen Legion der römischen Armee, die von Mauritius geführt wurde und die bei Agaune eine Christenverfolgung oder heidnische Zeremonie verweigerte. Der römische Kaiser Maximian dezimierte zweimal die Truppe und gab schließlich den Befehl sie zu ermorden. Einige Truppenteile sollen nach Bonn, Köln, Trier und Xanten geflüchtet sein, wo sie den Märtyrertod starben und wo bis heute ihre angeblichen Gebeine aufbewahrt werden.   , in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 30 (2005), S. 400-405 [mit Quellen- und Literaturverzeichnis].

Sauser, Ekkart, Artikel „Cassius und Florentius", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 21 (2003), Sp. 266.

 

Online

Schumacher, Wilfried/Sentis, Reinhard, Berühmte Soldaten der Thebäischen Legion (Information über die Bonner Stadtpatrone auf der Website stadtpatrone.de der Bonner Münsterpfarrei St. Martin).

 

30.9.2010
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Alois Döring (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Reliquienbüsten der Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 147KB)

Prozession mit den Reliquienbüsten der heiligen Cassius und Florentius anlässlich der Erhebung der heiligen Adelheidis von Vilich als Bonner Stadtpatronin im Jahr 2009, Foto: Alois Döring.