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George Desmarées (1697-1776), Hofmaler

George Desmarées gehört zu den bedeutendsten Porträtmalern des Rokoko Stilrichtung der europäischen Kunst zwischen etwa 1730 und 1770/1780 in der Endphase des Barock; das Wort ist abgeleitet von französisch rocaille = Grotten- und Muschelwerk nach einem immer wieder vorkommenden Ornamentmotiv. Es handelt sich im Wesentlichen um einen Dekorationsstil, der sich vorzugsweise im Kunstgewerbe ausdrückt, der Dekoration des Innenraums und seiner Möbel. Ausgehend von Frankreich wurde Deutschland das Hauptland des Rokoko. in Süddeutschland und im Rheinland. Geschult am französischen Porträtstil eines Hyacinthe Rigaud (1659-1743) und eines Nicolas de Largillière (1656-1746), denen er sich in seinen reifen Jahren als ebenbürtig erwies, entwickelte Desmarées für seine Bildnismalerei eine unverkennbare eigene Handschrift. Die meisten Jahre seines Lebens war er für den kurbayerischen Hof in München, den dortigen Adel und auch für wohlhabende Bürger tätig. 1745-1749 und nochmals 1753/1754 stand er in Bonn und Brühl mit seiner Werkstatt im Dienst des Kölner Kurfürsten Clemens August von Bayern. Noch 1759 führt der Kurkölnische Hofkalender Desmarées unter den Hofmalern an erster Stelle und als einzigen mit dem Titel Cons[eiller] Honor[aire] auf. In der Inschrift auf dem Schabkunstblatt von Johann Jakob Haid (1704-1767) unter dem Bildnis Desmarées' mit der Palette, das dieser mit höchst virtuoser Hand selbst gemalt habe, lautet sein Titel: Reverendissimi Serenissimi Principis Clementis Augusti Electoris Coloniensis etc: etc: etc: Consiliarius et Respective ejusdem aulæ pictor.

Geboren am 29.10.1697 im schwedischen Gimo, getauft am 4.11.1697 in Film/Österby, entstammte George Desmarées einer eingewanderten Hugenottenfamilie. Der Vater Jean Desmarées verwaltete die Eisenwerke in Gimo und Österby. Seine Lehr- und Gesellenzeit verbrachte George Desmarées in Stockholm bei dem Maler Martin van Meytens dem Älteren (1648-1738), einem Onkel seiner Mutter. Von 1720 an sind erste Bildnisse schwedischer Adeliger und Patrizier Lateinisch, (1) Angehöriger des altrömischen Adels, (2) vornehmer, wohlhabender Bürger, besonders im Mittelalter. bekannt. Eine Studienreise 1724 führte über Amsterdam nach Nürnberg, wo Desmarées die Zeichenakademie besuchte und dem österreichischen Porträtmaler Johann Kupezky (1667-1740) begegnete. Dessen lebensvolle Bildniskunst fesselte den jungen Desmarées und beeinflusste sein Schaffen. 1725 kam er nach Venedig und studierte unter anderem die Porträts der berühmten Pastellmalerin Rosalba Carriera (1675-1757) und die des Jacopo Amigoni (1675-1752). Nachhaltig wirkte auf Desmarées die Farbigkeit der venezianischen Malerei, die spätestens seit der Zeit in Bonn und Brühl seinen Malstil - neben französischen Anregungen - ausnehmend prägte.

Aus dem Jahr 1729 besitzt Schloss Augustusburg zu Brühl das Selbstbildnis des 32-jährigen Desmarées mit Pelzmütze. 1730 wurde er nach München berufen. 1731 konvertierte er zum Katholizismus. 1742 begleitete er wahrscheinlich den bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht (Regierungszeit 1726-1745) zu dessen Kaiserkrönung durch seinen Bruder Clemens August nach Frankfurt am Main, wobei es - sicher nicht zum ersten Mal - zu einer persönlichen Begegnung mit dem Kurfürsten von Köln gekommen sein dürfte. Nachdem Desmarées infolge des Österreichischen Erbfolgekriegs 1745 in München keine Aufträge mehr erhielt, bot sich ihm die Möglichkeit zu künstlerischer Entfaltung am Hofe Clemens Augusts. Die Auftragslage für Künstler war hier in den vierziger und fünfziger Jahren nach langjährigem Stillstand der kurfürstlichen Bauunternehmungen wegen fehlender Finanzen wieder günstig; bei den unfertigen Schlössern in Brühl und Poppelsdorf (heute Stadt Bonn) konnte die Innenausstattung weitergeführt werden. 1753 begann der Bau des Jagdschlosses Herzogsfreude im Kottenforst nahe Bonn. Für alle diese Bauwerke und für die Bonner Residenz waren Paradegemälde zu schaffen. Kein zweites Mal konnte sich Desmarées einer solchen Fülle an Aufträgen erfreuen wie am Hofe Clemens Augusts. Von der Mitte der 1750er Jahre an blieb Desmarées mit kurzen Unterbrechungen in München. Die Zeitgenossen schätzen seine Bildnissen wegen ihrer großen Naturtreue. Desmarées starb in München am 3.10.1776 und wurde auf dem Friedhof der Salvatorkirche begraben.

In Desmarées' Münchner Werkstatt, wo ihm viele Gehilfen und Schüler zur Hand gingen, entstanden zahlreiche Bildniswiederholungen, „immer gediegen, aber nicht durchweg von hoher Qualität. In den späteren Jahren ist eine Neigung zum Steifen und Stereotypen nicht zu übersehen. Etwa 30 Bildnisse erreichen höchste Qualität“ (Koch). Nach eigenem Bekunden benötigte Desmarées für ein neues Porträt nur eine einzige Modellsitzung, bei der er die Porträtzüge festhielt; alles übrige fügten er oder seine Mitarbeiter in der Werkstatt hinzu. So erklärt sich etwa bei Bildnissen des Kurfürsten Clemens August die stets wiederkehrende Gesichtsform mit dem Blick nach rechts (vom Betrachter aus gesehen), die allerdings mit zunehmendem Alter des Dargestellten entsprechend modifiziert wird. Der Umfang von Desmarées' Werk ist bis heute nicht abzuschätzen. Vieles wurde zerstört, anderes befindet sich unzugänglich in Privatbesitz.nach obenIn den überaus produktiven Bonner Jahren - nach Hernmarck entstanden an die 100 Bilder für den Hof, dazu ungezählte als Gastgeschenke des Kurfürsten - brachte Desmarées seine nahezu impressionistische Pinselführung insbesondere bei der Wiedergabe von Stoffen zu voller Entfaltung. Er wählte kräftige helle Farben, oft zu gewagten Farbkontrasten vereinigt. Die Art, wie Desmarées die Valeurs von Stoffqualitäten im Zusammenspiel mit dem Licht zu gestalten vermochte, blieb von den Zeitgenossen zumeist unerreicht. Frappierend die Genauigkeit, mit der Details wie Geschmeide, Würdezeichen, Ornamentstickereien und Spitzen gemalt sind.

Im Rheinland bewahren die Clemens-August-Schlösser Augustusburg und Falkenlust zu Brühl mit mehr als 20 Gemälden die größte Zahl an Werken von Desmarées' Hand oder ausgeführt mit Beteiligung seiner Gehilfen - manchmal vielleicht ganz von ihnen in der Art des Meisters. Im Folgenden sind lediglich Beispiele aus Schloss Augustusburg genannt, die wandfest überkommen sind:

Eigenhändig aufgrund der Signatur G.DeMareés Pinxit a(nn)o 1746 ist das berühmteste lebensgroße Ganzfigurenporträt Clemens Augusts als Hochmeister des Deutschen Ordens im Kabinett des Sommerappartements. Zwei der seltenen Bilder Desmarées' mit christlichen Themen - „Die Heilige Familie“ und „Die Büßerin Maria Magdalena“ (um 1746) -, im Schlossinventar von 1761 als zwey kostbahre mahlerey...von Desmares charakterisiert, befinden sich im Schlafzimmer des Sommerappartements. Im Audienzsaal des Grünen Appartements sind zwei Bildnisse von Prinzessinnen und als Kaminbild ein lebensgroßes Ganzfigurenporträt des bayerischen Kurprinzen Maximilian Joseph (1727), eines Neffen Clemens Augusts, in der Tracht des St. Georgsordens bis heute Bestandteile der ursprünglichen Wandausstattung. Aus Schloss Poppelsdorf kamen nach 1761 die Bildnisse Kaiser Karls VII. (1742-1745) und seiner Gemahlin Kaiserin Maria Amalia (beides Wiederholungen, 1742-1745) in den Audienzsaal und ins Zweite Vorzimmer des Großen Neuen Appartements. Aus dem vom nachfolgenden Kölner Kurfürsten Max Friedrich von Königsegg-Rothenfels ungenutzten Jagdschloss Herzogsfreude wurde nach 1761 ins Kabinett dieser Raumfolge das Ganzfigurenporträt der bayerischen Kurfürstin Maria Anna Sophie (1728-1797) im leuchtend roten Kostüm der Parforcejagd Jagdform bei der das Wild durch eine Hundemeute und berittene Jäger bis zur Erschöpfung gehetzt wird und gestellt werden kann. In Deutschland seit 1934, in England seit 2005 aufgrund des Tierschutzes verboten. Auch Hetzjagd genannt. (um 1755) übertragen; es gehört neben dem Hochmeisterbild des Clemens August im Sommerappartement zu den höchst qualitätvollen Schöpfungen Desmarées' unter seinen Paradeporträts.

Zu seinen Hauptwerken zählt ferner das Ganzfigurenporträt des gealterten Clemens August als Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. und Erzbischof im Bonner Rathaus. Nach einer Aktennotiz, die sich offenbar auf dieses Gemälde bezieht und auch die hohe Wertschätzung für ein solches Kunstwerk dokumentiert, ließ der Rat der Stadt 1754/1755 ein neues Porträt des Kurfürsten auf leinen anfertigen. Allein der vergoldete Rahmen kostete 180 Reichstaler (der heutige ist nicht ursprünglich). Als das Gemälde im feierlichen Zuge zum Rathaus gebracht wurde, wurden die Musikanten, die Mitglieder der Matthias-Bruderschaft, die Stadtdiener und andere mehr mit Brot, Wein und Geld im Werte von 20 Reichstalern regaliert. Um das Bild vor Beschädigungen zu schützen, erhielt es einen Vorhang aus Gardinen zum Werte von 72 Reichstalern“ (Holzhausen).


Literatur

Hansmann, Wilfried/Knopp,Gisbert, Stadt Brühl, Berlin 1977.

Hernmarck, Carl, Georg Desmarées. Studien über die Rokokomalerei in Schweden und Deutschland, Uppsala 1933.

Holzhausen, Walter, Kurkölnische Hofmaler des 18. Jahrhunderts, Köln 1957.

Koch, Laurentius, Desmarées (Demarées; [de] Marée[s]; [des] Marets), Georges (Georg[e]), schwed.-dt. Maler, in: Allgemeines Künstlerlexikon. Band 26, 2000, S. 393-394.

Miersch, Martin, Kurfürstliche Selbstdarstellung und künstlerische Propaganda - Porträts des Kölner Kurfürsten Clemens August, in: Zehnder, Frank Günter (Hg.), Das Ideal der Schönheit. Rheinische Kunst in Barock und Rokoko, Köln 2000, S. 307-334.

 

6.3.2013

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Wilfried Hansmann (Bonn) 
 

       
 

       
 
 George Desmarées (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 70KB)

George Desmarées, Selbstbildnis, Gemälde, 1729, Original im Schloss Augustusburg, Brühl, Foto: Wilfried Hansmann.

 Georges Desmarées (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 103KB)

George Desmarées, Schabkunstblatt von Johann Jacob Haid (1704-1767) nach einem Selbstbildnis Desmarées, um 1750. (Privatbesitz Wilfried Hansmann)