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Ephraim bar Jakob von Bonn (1133 – nach 1196), jüdischer Gelehrter

Ephraim von Bonn war einer der wichtigsten jüdischen Gelehrten des 12. Jahrhunderts, der die Bibel, den Talmud Hebräisch, Lernen, Studium, grundlegendes Werk der nachbiblischen jüdischen Literatur. Gemäß der jüdischen Überlieferung wurde Moses auf dem Sinai nicht nur die "schriftliche Lehre" der Tora, sondern auch die "mündliche Lehre“ offenbart. Diese wurde um das Jahr 200 n. Chr. schriftlich niedergelegt (Mischna, hebräisch Wiederholung). In den folgenden Jahrhunderten wurde die Mischna diskutiert und kommentiert. Hieraus entstand die Gemara, hebräisch Vollendung. Mischna und Gemara zusammen ergeben den Talmud. und das jüdische Gebetbuch kommentierte, Rechtsgutachten über religiöse und zivilrechtliche Fragen schrieb, liturgische Poesie verfasste und mit einer Chronik der Judenverfolgungen seiner Zeit gedachte.

Ephraim von Bonn stammte aus einer angesehenen jüdischen Familie des Rheinlands (höchst wahrscheinlich aus Bonn), aus der auch andere Gelehrte hervorgingen, darunter Eliezer bar Nathan. Seine beiden Brüder, Hillel und Kalonymus, die beide ebenfalls als Gelehrte bekannt wurden, starben vor ihm. Nach Aufenthalten in Köln, Bonn, Mainz und Worms lebte er später in Neuss. Von dort zog er 1187 wenige Tage vor einer Verfolgung der dortigen jüdischen Gemeinde wieder nach Köln, wo er 1196 den letzten Eintrag in seine Chronik vornahm und vermutlich bald danach starb.

Als Jugendlicher wurde Ephraim von Bonn 1145-1147 Zeuge der Verfolgung der rheinischen Juden während des Zweiten Kreuzzugs. Gemeinsam mit anderen Kölner und Bonner Juden flüchtete er in die Wolkenburg bei Königswinter, die der Erzbischof von Köln den Juden zur eigenen Verteidigung zur Verfügung gestellt hatte. Dazu wurde die übliche Besatzung von der Burg abgezogen und die belagerten Juden bewaffneten sich. Die Verteidigung war weitgehend erfolgreich. Dennoch wurden im Zusammenhang des Zweiten Kreuzzugs vielerorts in Deutschland Juden verfolgt. Mit der Beschreibung dieser Verfolgungen beginnt sein „Buch der Erinnerung" (Sefer Zekhira), worin er über Judenverfolgungen zu seinen Lebzeiten schrieb, von denen er Kenntnis erhielt.

Die meisten Verfolgungen, von denen Ephraim von Bonn berichtete, fanden im Rheinland statt; er scheint einige selbst erlebt zu haben von anderen wird er durch Augenzeugen mündlich oder in Briefen Nachricht erhalten haben. Sprachlich gestaltete er die Augenzeugenberichte um, fügte oft auch poetische Klagen ein, hielt sich jedoch inhaltlich an seine Vorlagen. Die historische Genauigkeit seiner Berichte ist in vielen Fällen durch andere Quellen zu bestätigen. Nach der Niederschrift der ersten Kapitel über die Verfolgungen von 1145-1147 hat Ephraim von Bonn immer dann, wenn er von einer Verfolgung erfuhr, den Bericht seiner Chronik angefügt. Auch Verfolgungen aus weiter entfernten Gebieten nahm er auf, so die Ritualmord-Anklage gegen die Juden von Blois (Zentralfrankreich), der 1171 32 Juden, darunter 17 Frauen, zum Opfer fielen.

nach obenEphraim von Bonns Kommentare zum Gebetbuch, zu Teilen der Bibel wie des Talmud Hebräisch, Lernen, Studium, grundlegendes Werk der nachbiblischen jüdischen Literatur. Gemäß der jüdischen Überlieferung wurde Moses auf dem Sinai nicht nur die "schriftliche Lehre" der Tora, sondern auch die "mündliche Lehre“ offenbart. Diese wurde um das Jahr 200 n. Chr. schriftlich niedergelegt (Mischna, hebräisch Wiederholung). In den folgenden Jahrhunderten wurde die Mischna diskutiert und kommentiert. Hieraus entstand die Gemara, hebräisch Vollendung. Mischna und Gemara zusammen ergeben den Talmud. gerieten am Ende des Mittelalters weitgehend in Vergessenheit. Im 12. Jahrhundert gehörte Ephraim indes zu den wichtigsten jüdischen Gelehrten des Rheinlands. Gemeinsam mit wichtigen Persönlichkeiten aus Mainz und Worms traf er Rechtsentscheidungen, die für das rheinische Judentum bindend waren. In seinem Kommentar zu Teilen der Bibel und zum jüdischen Gebetbuch zeigt er eine am Wortsinn der Texte orientierte Haltung, die zu Diskussionen von grammatischen und lexikalischen Details neigt und immer den textlichen Zusammenhang im Auge behält. Sie weisen ihn als Gelehrten aus, der zeitgenössische jüdische Literatur nicht nur aus dem Rheinland, sondern auch aus Spanien kannte und diskutierte. Dabei bestand er auf seiner eigenen Analyse aller sprachlichen und inhaltlichen Probleme und legte oft eigene Lösungsvorschläge vor, die durch ihre klare Logik Griechisch, Disziplin der Philosophie, die die strukturelle Gültigkeit von Argumenten untersucht. und die breiten Verbindungen in die jüdische Tradition bis heute beeindrucken.

Ephraim von Bonns liturgischen Gedichte behaupteten ihren Platz im jüdischen Gottesdienst bis ins 19. Jahrhundert, in orthodoxen Gemeinden teilweise bis heute. Die Gedichte spiegeln seine zeittypische Gelehrsamkeit wider und sind dem modernen Leser schwer zugänglich. Die Sprache ist mit Anspielungen auf Bibel und Talmud Hebräisch, Lernen, Studium, grundlegendes Werk der nachbiblischen jüdischen Literatur. Gemäß der jüdischen Überlieferung wurde Moses auf dem Sinai nicht nur die "schriftliche Lehre" der Tora, sondern auch die "mündliche Lehre“ offenbart. Diese wurde um das Jahr 200 n. Chr. schriftlich niedergelegt (Mischna, hebräisch Wiederholung). In den folgenden Jahrhunderten wurde die Mischna diskutiert und kommentiert. Hieraus entstand die Gemara, hebräisch Vollendung. Mischna und Gemara zusammen ergeben den Talmud. durchsetzt, und neben Hebräisch schrieb er auch auf Aramäisch. Hauptsächlich verfasste er Buß- und Klagelieder, in denen er die Nöte des jüdischen Exillebens, aber auch einzelne Verfolgungen beschreibt und beklagt. Ein wesentlicher Bestandteil seiner liturgischen Poesie ist die Bitte an Gott, sich seines Volkes zu erbarmen.

Daneben schrieb Ephraim auch poetische Ausschmückungen für Gottesdienste an Feiertagen, für den Gottesdienst am Sabbat Hebräisch,  Ruhetag zur Erinnerung an das Ruhen Gottes nach der Erschaffung der Welt am siebten Tag und an den Auszug aus Ägypten. Festlicher Höhepunkt der jüdischen Woche, der am Freitagabend beginnt und am Samstagabend nach Eintritt der Dunkelheit endet. der Hochzeitswoche, in dem der Bräutigam durch einen poetisch gestalten Aufruf zur Torahlesung geehrt wird, und für den Speisesegen beim Festmahl anlässlich einer Beschneidung. In diesen Texten betont er das Vertrauen der Juden auf göttliches Erbarmen und Errettung, die Treue zur Torah, aber auch Gottes Macht als Schöpfer und Erhalter der Welt.

Die tiefe Gelehrsamkeit und Kreativität auf verschiedenen Gebieten weisen Ephraim von Bonn als einen herausragenden Vertreter der rheinischen Juden im Mittelalter aus, die einen wesentlichen Anteil an der geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung der Städte im Rheinland hatten.

 

Quellen

Mutius, Hans-Georg von (Hg.), Ephraim b. Jakob von Bonn. Hymnen und Gebete. Ins Deutsche übersetzt und kommentiert, Hildesheim 1989.

Neubauer, Adolf / Moritz Stern (Hg.), Hebräische Berichte über die Kreuzzüge, übersetzt von Seligman Baer, Berlin 1892.

 

24.9.2012
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Elisabeth Hollender (Frankfurt a. M.) 
 

       
 

       
 
 Tora-Wimpel (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 301KB)

Detail aus dem Tora-Wimpel von Moses Spanier (geboren 1762), Original im LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen.