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Herbert Eulenberg (1876-1949), Schriftsteller

Herbert Eulenberg gehörte als Lyriker, Erzähler und Meister biographischer Skizzen zu den viel gelesenen Autoren seiner Zeit und wurde als neuromantischer Bühnendichter erfolgreich. Sein Ruhm verblasste allerdings schon vor der „Machtergreifung Bezeichnung für die Ernennung Adolf Hitlers (1889-1945) zum Reichskanzler am 30.1.1933 und die Übertragung der Regierungsgewalt auf die Nationalsozialisten. Die Machtergreifung bedeutete das endgültige Ende der demokratischen Weimarer Republik und den Beginn der Terrorherrschaft der NS-Diktatur. “ des ihn unterdrückenden Nationalsozialismus. Dennoch bildete er für ein dankbares Publikum lange Zeit hindurch den Inbegriff des rheinischen Dichters.

Herbert Eulenberg wurde am 25.1.1876 in Mülheim am Rhein (heute Stadt Köln) als drittes Kind des Inhabers einer kleinen Maschinenfabrik Hugo Eulenberg (um 1843-1913) und dessen Frau Laura, geborene Bornemann geboren. Einer seiner Urgroßväter war der Maler und Redakteur Gustav Adolph Koettgen (1805-1882) aus Elberfeld (heute Stadt Wuppertal), der dem Kreis um Friedrich Engels und Moses Heß nahe gestanden hatte. Seine Schulzeit auf dem Realgymnasium in Mülheim und dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln verlief mehr als schwierig, wie es bei seinen Altersgenossen Thomas Mann (1875-1955) oder Hermann Hesse (1877-1962) zu einem literarischen Topos wurde.

Anschließend studierte er Jura in Berlin, München, Leipzig und Bonn, fühlte sich allerdings stets als Dichter geboren. Schon in München entstand 1898 sein erstes Stück namens „Dogenglück“. Nach Staatsexamen und Promotion Lateinisch, Beförderung, (1) Erlangung, Verleihung der Doktorwürde, (2) lateinisch-englisch, Absatzförderung, Werbung. absolvierte er sein Referendariat in Opladen (heute Stadt Leverkusen) und Köln. Durch sein Trauerspiel „Leidenschaft“ von 1901 wurde Ferdinand Bonn (1861-1933) auf ihn aufmerksam und verschaffte ihm 1903 eine Dramaturgenstelle im „Berliner Theater“. Dann verpflichtete ihn Louise Dumont an das von ihr und ihrem Mann Gustav Lindemann neu gegründete Düsseldorfer Schauspielhaus, das mit Eulenbergs emphatischen Prolog am 28.10.1905 eröffnet wurde.

Als Dramaturg und Mitarbeiter der Hauszeitschrift „Masken“ blieb er bis 1909 und arbeitete anfangs zusammen mit Paul Ernst (1866-1933), anschließend seit 1906 mit Wilhelm Schmidtbonn. Danach führte er das Leben eines freien Schriftstellers. Bereits 1901 hatte er in Berlin seine spätere Frau Hedda, geborene Maase (1876-1960) aus Duisburg-Meiderich kennen gelernt, die in erster Ehe von 1897-1904 mit ihrem Jugendfreund, dem aus Solingen stammenden nationalistischen Kulturhistoriker Arthur Moeller van den Bruck verheiratet war und mit ihm einen Sohn hatte. Herbert Eulenberg und Hedda heirateten 1904. Aus der Beziehung gingen die noch vor der Hochzeit geborene und bald danach an einer Rauchvergiftung verstorbene Tochter Imogen sowie zwei Söhne hervor.

Hedda spielte damals bereits eine Rolle als anerkannte Übersetzerin aus der französischen und angelsächsischen Literatur und setzte Eulenberg nach seinem Tod mit dem Erinnerungsband „Im Doppelglück von Kunst und Leben“ ein Denkmal im hohen Ton, wie er in „Haus Freiheit“ in Kaiserswerth (heute Stadt Düsseldorf), wo Eulenberg seit 1905 als freier Schriftsteller lebte, wohl immer geherrscht hat.

So erfolgreich auch Eulenbergs „Schattenbilder“ waren, die aus den von der Prinzipalin Louise Dumont angeregten „Morgenfeiern“ als „Dichter- und Tondichter-Matinéen“ hervorgingen, so wenig konnte er als noch so produktiver wie abwechslungsreicher Autor von Erzählungen, Romanen, Gedichten, Essays und Streitschriften sorgenfrei in die Zukunft blicken. Er blieb tragischerweise zeitlebens ein angesehener Schriftsteller, der sich einen beachtlichen Rahmen zu schaffen wusste, ohne dabei immer im ideellen wie materiellen Sinne einen so durchschlagenden Erfolg zu haben, wie er sich das selber wünschte und seine Umwelt ihn glauben lassen mochte.

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen wurde er zu einem Muster der literarischen wie künstlerischen Lebensführung und Kommunikation. Sein teilweise gewiss dem persönlichen Charme des Schriftstellers und seiner Frau zu verdankender Ruhm überstieg nämlich bei weitem die literarische Wirkung eines aufrechten Humanisten. Immerhin gehörte er seit mindestens 1910 dem vier Jahre zuvor von Ernst Häckel (1834-1919) gegründeten „Deutschen Monistenbund Abkürzung DMB, vom deutschen Philosophen und Biologen Ernst Haeckel (1834-1919) im Jahr 1906 gegründete Vereinigung, die die Verbreitung eines neutralen Monismus, das heißt einer einheitlichen, auf Naturerkenntnis gegründeten Welt- und Lebensanschauung,  und moderner naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zum Ziel hatte. “ an. Dort standen Sexualreform und verbesserter Mutterschutz, Abstinenzler- und Vegetariertum, Diskussionen über Eugenik und Euthanasie, aber auch die Verbreitung von Esperanto Von Dr. Ludwik Lejzer Zamenhof (1859-1917) konstruierte Plansprache zur internationalen Verständigung. und die Einführung von Sonnwendfeiern auf dem Programm.

Weiterhin sind die Verbindung zur „Deutschen Friedensgesellschaft“ hervorzuheben und die Symbiose von Monismus Einheitslehre, in der die Vielheit der Welt auf ein Prinzip zurückgeführt  wird: entweder auf einen Urgrund oder es wird eine Wesens- oder Substanzeinheit alles Seienden zugrunde gelegt. , Pazifismus und Internationalismus In der Politik der Gegensatz zum Nationalismus. Während der marxistische Internationalismus als parteipolitisches Organisationsprinzip verstanden werden will, bei dem die nationalen Parteien mit sozialistischem Programm sich als Teil einer Weltpartei sehen und ihren Beschlüssen folgen, definiert sich der bürgerliche Internationalismus seit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 als das Bestreben, liberale politische Werte international zu verbreiten. , die allesamt seine Weltanschauung beeinflussten. Seine Verehrung für Bertha von Suttner (1843-1914) wurde von einem Briefwechsel begleitet und mündete im Juli 1914 in einem Preisgedicht aus Anlass ihres Todes auf die Friedensnobelpreisträgerin.

Den Pazifisten Eulenberg erschütterte der Erste Weltkrieg zutiefst. Es war ihm eine Befriedigung, dass er 1923 bei einer Vortragsreise in den USA als erster Deutscher nach Albert Einstein (1879-1955) in der Columbia University, New York, sprechen durfte. In jener Zeit unternahm er auch Reisen nach Nordafrika und Palästina. Zu den vielfältigen Begegnungen aus Literatur, Kunst und Musik gehören sämtliche Größen der damaligen Zeit: Auf dem literarischen Feld pflegte er Freundschaften unter anderem mit Gerhart Hauptmann (1862-1946), Carl Zuckmayer (1896-1977), Franz und Alma Werfel (1890-1945 beziehungsweise 1879-1964), Kurt Wolff (1887-1963), Jakob Wassermann (1873-1934), Samuel Fischer (1859-1934), Thomas und Katja Mann (1875-1955 beziehungsweise 1883-1980), Joachim Ringelnatz (1883-1934), Maximilian Harden (1861-1927), Klabund (1890-1928) und Hermann Hesse.

Von den Malern seien Lovis Corinth (1858-1925), Max Pechstein (1881-1955), Otto Pankok, Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) und Otto Dix (1891-1969) als seine Freunde genannt, die ihn teilweise auch porträtierten. Sein Einsatz für die Künstlergruppe „Das junge Rheinland“ gehört zu den kulturellen Pioniertaten. Diese Vorliebe für die Moderne Sammelbegriff für die Kunst und Architektur seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Gegensatz zum Historismus des 19. Jahrhunderts. hat seinem Verhältnis zur ehrwürdigen Düsseldorfer Kunstakademie nicht geschadet, die ihn als den Ihren betrachtete. Die Bühnenstars Alexander Moissi (1979-1935), Heinrich George (1893-1946), Fritzi Massary (1882-1969), Henny Porten (1890-1960), Paul Wegener (1874-1948), Heinz Rühmann und Claire Waldoff (1884-1957) zählten ebenso zu den Besuchern wie die Musiker Richard Strauß (1864-1949), Elly Ney, Edwin Fischer (1886-1960) und Hans Pfitzner (1869-1949).

Während der Zeit des „Dritten Reiches“ war er verfemt. Unter Pseudonym konnte er im Düsseldorfer „Mittag“ und im Feuilleton der „Kölnischen Zeitung“ zwar weiter veröffentlichen, davon jedoch nur mühsam überleben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er vielfach ausgezeichnet und geehrt. 1946 wurde er Ehrenbürger der Stadt Düsseldorf. 1948 erhielt er eine Heine-Auszeichnung aus Hamburg. Für Heines Nachwirkung hatte er sich an dessen Geburtsort Düsseldorf übrigens lange und nachhaltig eingesetzt. Auch die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn zeigt die Anerkennung, die man ihm schuldig zu sein glaubte. Die DDR verlieh ihm 1949 den Nationalpreis, der auch seinem Heine-Engagement geschuldet war. Sein Tod am 4.9.1949 in Folge von Verletzungen durch Nachkriegstrümmer trägt gewissermaßen symbolische Züge. Eulenberg und sein Werk gingen trotz Beendigung der finsteren Zeiten endgültig unter. Nach etwa einem halben Jahrhundert übergab die Familie den ebenso umfangreichen wie aufschlussreichen Nachlass zur wissenschaftlichen Auswertung an das Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf.

Das Herzstück seiner Bildungsbemühungen stellen zweifellos seine „Schattenbilder“ von 1910 dar, die später in seiner Werkausgabe von 1926 durch den erweiterten Titel „Schattenbilder und Lichtbilder“ das gesamte Panorama der Interessen, Kenntnisse und Vermittlungsleistungen Eulenbergs unter Beweis stellten. Auch wenn seine sonstigen Werke vergessen sind, so stellen seine essayistischen Nachempfindungen aus der Kulturgeschichte unter Beweis, wie sehr Sprache und Literatur das Medium des Übergangs sind von der Vergangenheit über die Gegenwart zu einer Zukunft, der die Kraft jeglicher Erneuerung zugetraut wird. Eulenbergs Studien beschäftigten sich unter anderem mit den unterschiedlichsten Dichtern, Malern, Musikern, Philosophen, Politikern, Theaterleuten und Philanthropen, wobei zeitliche und kulturelle Grenzen souverän übersprungen wurden.


Werke

Ausgewählte Werke in 5 Bänden, Stuttgart 1925/1926.

Literatur

Eulenberg, Hedda, Im Doppelglück von Kunst und Leben, Düsseldorf [1952].

Herbert Eulenberg. Gedächtnisausstellung zur 100. Wiederkehr des Geburtstages, Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf 1976.

Kruse, Joseph A., Der Schriftsteller Herbert Eulenberg (1876-1949). Ein „Ehrenbürger der Welt“ aus Kaiserswerth am Rhein, in: Geschichte im Westen 18 (2003), S. 116-123.

 

Online
Brües, Otto, Eulenberg, Herbert, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 678-679.

 

21.3.2011

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Joseph A. Kruse (Berlin) 
 

       
 

       
 
 Herbert Eulenberg (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 106KB)

Herbert Eulenberg, Porträtfoto.