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Ferdinand Freiligrath (1810-1876), Schriftsteller

Ferdinand Freiligrath gehörte zu den bekanntesten politischen deutschen Dichtern im 19. Jahrhundert. An der Seite von Karl Marx und Friedrich Engels engagierte er sich während der Deutschen Revolution 1848 und nannte sich selbst „Trompeter der Revolution“.

Ferdinand Hermann Freiligrath kam am 17.6.1810 in Detmold zur Welt. Sein Vater war der Lehrer Johann Wilhelm Freiligrath (1748-1829), seine Mutter Luise, geborene Tops (1783-1817). Zwei Schwestern starben im Kindesalter. Nach dem Tod der Mutter heiratete der Vater 1819 Wilhelmine Schwollmann aus Soest, mit der er vier weitere Kinder hatte.

Bis 1825 besuchte Freiligrath das Gymnasium seiner Geburtsstadt und begann dann in Soest im Handelshaus Schwollmann, das den Brüdern seiner Stiefmutter gehörte, eine kaufmännische Ausbildung. 1832 wechselte er auf eine Stelle im Großhandelshaus Jakob Sigrist in Amsterdam. Nach fünf Jahren kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete bis 1839 in Barmen (heute Stadt Wuppertal) als Kontorist im Großhandelshaus J. P. von Eynern und Söhne.

Bereits in Soest hatte Freiligrath sich in der Dichtkunst versucht. Die ersten Werke erschienen ab 1828 im Soester Wochenblatt. Mit Veröffentlichungen in dem von Adelbert von Chamisso (1781-1838) und Gustav Schwab (1792-1859) herausgegebenen „Deutschen Musenalmanach“ gelang es dem jungen Dichter 1835, überregional Aufmerksamkeit zu erlangen. Der 1838 bei Cotta erschienene Band einer ersten Auswahl seiner Gedichte mit vorwiegend orientalischer Thematik fand eine gute Aufnahme. Er übersetzte für die Gesamtausgabe der Werke Victor Hugos (1802-1885) Gedichte und Balladen. 1837 wurde er Mitherausgeber des „Rheinischen Odeon“. Mit Karl Simrock und Christian Matzerath (1815-1876) gab er 1839 das „Rheinische Jahrbuch für Kunst und Poesie“ heraus.

Im gleichen Jahr entschied er sich dazu, seine Anstellung aufzugeben und sich als freier Schriftsteller in Unkel am Rhein niederzulassen. Zusammen mit seinem Freund Levin Schücking (1814-1883) übernahm er den Auftrag zu einem Buch über „Das malerische und romantische Westphalen“, für ihn eine Hinwendung zu Landschaft und Region. Zur Vorbereitung machen beide eine Reise durch Westfalen. Freiligrath schrieb letztlich nur das Eröffnungsgedicht und die Einleitung.

Größere Bekanntheit erlangte Freiligrath durch die Rettung eines romantischen Denkmals. Nachdem in der Nacht vom 28. auf den 29.12.1839 der Schwibbogen des letzten aufrecht stehenden Gebäuderestes der ehemaligen Burg Rolandseck, der so genannte Rolandsbogen, eingestürzt war, veröffentlichte Freiligrath am 12.1.1840 in der Kölnischen Zeitung einen Spendenaufruf in Versform zum Wiederaufbau der romantischen Ruine. Der Zuspruch für das Projekt war immens. Für die vielen Geldbeträge wurden Sammelstellen beim Verleger in Köln, beim Buchhändler Baedeker in Koblenz und bei Freiligrath in Unkel eingerichtet. Die Aktion schien zu scheitern, als bekannt wurde, dass die Prinzessin Marianne von Preußen (1785-1846), die Eigentümerin der Ruine war, beabsichtigte, die Wiederherstellung selbst zu finanzieren. Durch Vermittlung von Sibylle Mertens-Schaaffhausen gelang es, die Zustimmung der Prinzessin zu erhalten, die zum Wiederaufbau gesammelten Gelder für diesen Zweck auch zu verwenden. Die Prinzessin stiftete stattdessen einen gleichen Betrag für die Schule in Rolandswerth. Für die Bauleitung der Wiederherstellung des eingestürzten Schwibbogens zeichnete immerhin der spätere Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner verantwortlich. Das von Freiligrath im Sommer 1840 herausgegebene „Rolandsalbum“ stand im Zeichen der Spätromantik und versammelte Gedichte zum Thema der Rolandsage.

Ebenfalls 1840 lernte er in Unkel Ida Melos (1817-1899), die Tochter eines Weimarer Gymnasialprofessors, kennen. Die beiden verlobten sich und reisten nach Stuttgart und Weimar. 1841 heirateten sie in Groß-Neuhausen bei Weimar und siedelten nach Darmstadt über. Ein Jahr später ließ sich das Ehepaar wieder am Rhein, in St. Goar, nieder. Auf Veranlassung von Alexander von Humboldt (1769-1859) erhielt Freiligrath vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. (Regentschaft 1840-1858) einen Ehrensold gezahlt.

Ab 1843 geriet Freiligrath mit seinen Veröffentlichungen mit der Zensur in Konflikt. Diese Auseinandersetzung ließ aus dem spätromantischen Dichter erst den politischen Dichter werden, der in seinem Werk immer mehr realistische und sozial geprägte Themen ansprach und bald auch tagespolitisch Stellung bezog.

1844 zog er nach Assmannshausen, wo er die Arbeiten an der Sammlung seiner politischen Gedichte „Ein Glaubensbekenntniß“ abschloss. Sie erschien noch im gleichen Jahr. Der nun als politischer Dichter bekannte Freiligrath verzichtete auf die vom preußischen König verliehene Pension, um sich nicht zu kompromittieren. Aus Furcht vor politischer Verfolgung verließ er Deutschland und ließ sich in Belgien nieder. In Brüssel begegnete er erstmals Karl Marx. Nur ein Jahr später, 1845, zog er in die Schweiz. Der 1846 dort erschienene Gedichtband „Ça ira!“ versammelte politische Lieder, in denen er Pressefreiheit forderte und vehement zur Abschaffung der Adelsherrschaft aufrief. Wiederum ein Jahr später zog Freiligrath nach England (London). Der Dichter arbeitete jetzt als Korrespondent des Handelshauses Fred. Huth und lehrte als deutscher Dozent an der Londoner Universität.nach oben1848 plante Freiligrath die Auswanderung nach Amerika. Doch mit dem Ausbruch der Revolution in Deutschland änderte er seine Pläne und kehrte wie Marx und Engels nach Deutschland zurück. In Düsseldorf nahm er aktiv am revolutionären politischen Geschehen teil, war Mitglied der demokratischen Vereine. Die Lesung und der Druck seines Gedichtes „Die Todten an die Lebenden“ führten zu einer Anklage wegen „Aufreizung zu hochverrätherischen Unternehmungen“ vor dem Assisenhof in Düsseldorf. Der am 3.10.1848 stattfindende Prozess endete mit einem Freispruch des Dichters.

Freiligrath zog nach Köln und arbeitete als Redakteur bei der von Karl Marx herausgegebenen „Neuen Rheinischen Zeitung“. Zusammen mit Marx und Engels war er zeitweise Mitglied des Bundes der Kommunisten. Als die „Neue Rheinische Zeitung Demokratische Tageszeitung aus Köln, 1848-1849 von Karl Marx geleitet. Bedeutendes Presseorgan der Revolution 1848/1849. “ im Mai 1849 ihr Erscheinen einstellte, floh er in die Niederlande. 1850 kehrte er nach Deutschland zurück und wohnte in Bilk bei Düsseldorf.

Um einer Verhaftung zu entgehen, die nach der Veröffentlichung einer Sammlung „Neuer politischer und socialer Gedichte“ drohte, wählte er 1851 erneut die Emigration und siedelte nach London über. Hier arbeitete er zunächst wieder als kaufmännischer Angestellter in einem Handelshaus. Von 1856 bis zu deren Schließung 1865 leitete er die Londoner Filiale einer Schweizer Bank. 1857 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an. Seine literarische Arbeit im Exil bestand aus Gelegenheitsgedichten, vor allem aber aus Übersetzungen von Prosa und Lyrik englischer und amerikanischer Autoren, unter anderem Henry Wadsworth Longfellow (1807-1882) und Walt Whitman (1819-1892).

Anlässlich des preußisch-österreichischen Krieges 1866 nahm Freiligrath eine deutlich antipreußische Stellung ein. 1867 rief Emil Rittershaus (1834-1897) in der „Gartenlaube“ zu einer Nationalspende für den in finanzieller Bedrängnis geglaubten Dichter auf und sicherte auf diese Weise die Rückkehr nach Deutschland. In Köln wurde Freiligrath 1868 ein begeisterter Empfang bereitet. Da er nach wie vor eine politische Verfolgung fürchtete, ließ er sich nicht in Preußen nieder, sondern wählte das liberalere württembergische Stuttgart. 1869 bereiste er noch einmal Westfalen, besuchte Bielefeld, Detmold und Soest.

Die späten politischen Gedichte, die anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1871 entstanden, weisen eine starke patriotische Begeisterung auf („Hurra, Germania!“), aber dann auch ein Beklagen der Toten („Die Trompete von Vionville“).

Ein letztes Mal wechselte er 1874 den Wohnort und siedelte nach Cannstatt über. Hier starb er am 18.3.1876. Seine Grabstätte befindet sich auf dem dortigen Uff-Kirchhof. Obwohl nach Freiligrath in Deutschland zahlreiche Straßen und Plätze sowie mehrere Schulen benannt sind, ist er heute weitgehend in Vergessenheit geraten.


Nachlass

Der Nachlass Freiligraths befindet sich im Goethe-und-Schiller-Archiv Weimar. Weitere Materialien werden in der Handschriftenabteilung der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund und im Literaturarchiv der Lippischen Landesbibliothek Detmold aufbewahrt.

Sammlung
Briefrepertorium

 

Werke (Auswahl)

Ferdinand Freiligraths sämtliche Werke, hg. v. Ludwig Schröder, 10 Bände, Leipzig 1907.

Gedichte, 1838.

Rolands-Album, hg. v. Ferdinand Freiligrath, Köln 1840.

Ein Glaubensbekenntniß, 1844.

Ça ira!, 1846.

 

Literatur (Auswahl)

Buchner, Wilhelm, Ferdinand Freiligrath. Ein Dichterleben in Briefen, 2 Bände, Lahr 1882.

Klein, Ansgar S., Ferdinand Freiligrath, Ernst Friedrich Zwirner und der Wiederaufbau des Rolandsbogens, in: Kölner Domblatt 75 (2010), S. 226-259.

Roessler, Kurt, Ferdinand Freiligrath und der Rolandsbogen 1839-1867, in: Ferdinand Freiligrath und der Rolandsbogen. Zum 125. Todestag am 18. März 2001, hg. von Horst Eckertz und Kurt Roessler, Remagen 2001, 2. Auflage Bornheim 2001, S. 17-63.

Ruland, Josef, Ferdinand Freiligrath und die deutsche Denkmalpflege, in: Ferdinand Freiligrath 1876/1976, hg. v. Josef Ruland und Peter Schoenwaldt, Bonn 1976, S. 46-73.

 

Online

Rüdiger Frommholz: Freiligrath, Hermann Ferdinand, in: NDB 5 (1961), S. 397-398.

M[oriz] Carriere: Freiligrath, Ferdinand, in: ADB 7 (1878), S. 343-347.

 

3.1.2011

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Ansgar S. Klein (Bonn) 
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 Ferdinand Freiligrath (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 91KB)

Ferdinand Freiligrath, Gemälde von Johann Peter Hasenclever (1810-1853), 1851. (Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie)

 Ferdinand Freiligrath (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 66KB)

Ferdinand Freiligrath, Porträtfoto, 1868.

 Rolandsbogen (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 347KB)

Der Rolandsbogen, ehemaliges Burgfenster der Burg Rolandseck, Lithographie nach einer unbekannten Vorlage, vor 1837.

 Der Rolandsbogen (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 144KB)

Der Rolandsbogen, 2011, Foto: Ansgar Klein.