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Wilhelm Fabry (1560-1634), Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie

Wilhelm Fabry war der bedeutendste deutsche Chirurg seiner Zeit und gilt vor allem aufgrund seiner Schriften, die bereits zu seinen Lebzeiten in mehrere Sprachen übersetzt wurden, als Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie.

Wilhelm Fabry - auch Guilhelmus Fabricius Hildanus - wurde am 25.6.1560 als Sohn des Gerichtsschreibers Peter Drees (um 1520/1525-1569) und der Margarethe auf dem Sand (um 1533/1534-1612) in Hilden geboren. Schon früh besuchte er eine höhere Schule in Köln, die er jedoch aufgrund der durch den Spanisch-Niederländischen Krieg verursachten Kriegswirren 1573 verlassen musste. 1576 begann er bei dem Bader Johann Dümgen in Neuss eine vierjährige Lehre zum Chirurgen. Die Chirurgie galt damals als Handwerk und war Badern und Barbieren überlassen. Chirurgen oder Wundärzte behandelten Wunden und Knochenbrüche, Abszesse, Erfrierungen, Hämorrhoiden, Tumore, Varizen oder Verbrennungen, nahmen aber auch Amputationen vor. Einige Wundärzte waren spezialisiert auf Eingriffe wie den Starstich, Blasenstein- und Bruchoperationen, Darmnähte oder auch das Ziehen von Zähnen. Nach dem Ende seiner Lehre war Fabry 1580 bis 1585 Gehilfe des Wundarztes Cosmas Slot (gestorben 1585) am Hof Herzog Wilhelms V. in Düsseldorf. Slot (latinisiert Slotus) war als Schüler des berühmten Anatomen und kaiserlichen Leibarztes Andreas Vesalius (1514-1564) überzeugt, dass anatomische Kenntnisse für einen Chirurgen unentbehrlich seien. Diese Überzeugung teilte Fabry, der Zeit seines Lebens ein nachhaltiges Interesse am Studium der Anatomie besaß. Um seine anatomischen Kenntnisse zu erweitern, sezierte und präparierte Fabry seit seiner Gesellenzeit immer wieder Leichen. In späteren Jahren regte er auch seine Lehrlinge dazu an und führte öffentliche Sektionen durch, um auf die Bedeutung von anatomischen Kenntnissen aufmerksam zu machen. Aus seiner Lehrzeit von ihm verfasste Krankengeschichten legen nahe, dass Slot ihn dazu anregte, den Verlauf und die Therapie außergewöhnlicher Erkrankungen aufzuzeichnen. In diese Zeit fällt vermutlich auch die Entstehung seines Familiennamens, als er das Wort „Schmied“ latinisierte, woraus zunächst Faber und schließlich Fabry wurde.

Nach dem Tod von Slot 1585 begann er nach einem kurzen Aufenthalt in Hilden eine rund 14-jährige Wanderzeit, die eine notwendige Voraussetzung war, um später als Meister in eine Zunft aufgenommen zu werden und die ihn vor allem in die Schweiz zog. Von 1586 bis 1588 arbeitete er in Genf als Gehilfe Jean Griffons, auch Giovanni Griffonius genannt, der als einer der besten schweizerischen Chirurgen seiner Zeit galt. Von ihm übernahm er die Gewohnheit, erst dann eine schwierige Operation durchzuführen, wenn er die entsprechende Stelle vorher an einer Leiche anatomisch erkundet hatte. 1588 beendete Fabry seine wundärztliche Ausbildung. Bereits ein Jahr zuvor hatte er in Genf Marie Colinet (gestorben 1638) geheiratet. Marie war Hebamme und während ihrer Ehe als Gehilfin ihres Mannes ebenfalls als Wundärztin tätig. Sie entdeckte 1624 die Magnetextraktion, als sie mit Hilfe eines Magneten einen Eisensplitter aus dem Auge eines Patienten ihres Mannes entfernte. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, von denen jedoch nur eines die Eltern überlebte.nach oben

1589 kehrte Fabry nach Hilden zurück und zog 1593 mit seiner Familie nach Köln, wo er an der Universität auch Vorlesungen über Medizin besuchte. 1593 erschien sein erstes deutschsprachiges Werk „Vom heißen und kalten Brand“. Von 1596 bis 1600 wechselte er mehrfach den Wohnort zwischen Köln, wo er 1599 der Zunft der Barbiere beitrat, und Lausanne, wo er seit 1598 einen städtischen jährlichen Sold erhielt. Von Köln und später auch von Peterlingen (Payerne) aus, wurde er zu Patienten der unterschiedlichsten Stände unter anderem in Aachen, Essen, Heidelberg, Duisburg, Moers, Mülheim an der Ruhr, Cronenberg (heute Stadt Wuppertal), Solingen, Besançon und Genf gerufen.

1600 verließ er endgültig seine rheinische Heimat, um sich zunächst erneut in Lausanne niederzulassen. 1602 bis 1610 hatte er in Peterlingen das Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. des Stadtwundarztes inne. In dieser Zeit veröffentlichte er Werke über die rote Ruhr (1602) und Verbrennungen (1607). Bereits 1606 hatte ihn Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach (1604-1622) zu seinem Leibchirurgen ernannt, obwohl Fabry sich nicht dauerhaft an dessen Hof aufhielt. Seine häufigen Konsultationen waren auch der Grund, warum er den Rat von Peterlingen 1610 um seine Entlassung bat. 1611/1612 reiste er noch einmal für kurze Zeit nach Hilden, um dort seine im Sterben liegende Mutter zu pflegen. Als er 1613 nach Lausanne zurückkehrte, war dort die Pest ausgebrochen, der zwei seiner Töchter erlagen.

1615 wurde Fabry zum Stadtarzt von Bern ernannt. Der Rat der Stadt erlaubte ihm aufgrund seiner Werke und seines Rufes im Gegensatz zu den übrigen Wundärzten Patienten zu behandeln, deren Krankheit in den Bereich der studierten Ärzte fiel. Während seiner Berner Zeit verfasste er mehrere Bücher über Schusswunden, obwohl er nie an einem Feldzug teilgenommen hatte. Bemerkenswert ist, dass der vielseitig interessierte Fabry auch ein Buch mit dem Titel „Geistliche Lieder und Gesäng“ herausbrachte.

Von 1620 an unternahm Fabry altersbedingt immer weniger Konsultationsreisen und begrenzte diese vor allem auf die nähere Umgebung Berns. Vermehrt traten briefliche Anfragen und Antworten an die Stelle der Reisen. 1623 veröffentlichte Fabry eine kleine Schrift mit dem Titel „Christliche und gutherzige Abmahnung von der Trunckenheit“, die er im folgenden Jahr ausführlicher als „Christlicher Schlafftrunck“ neu auflegte. Beides war als Mahnung vor der Trunksucht gedacht, indem er die von der Kirche und der weltlichen Obrigkeit angeführten Argumente aufgriff, ergänzt um die Schilderung der physischen Folgen eines übermäßigen Alkoholgenusses auf den Körper. In dem an die Mitglieder des Rates gerichteten Werk „Anatomiae praestantia et utilitas“ von 1624, mit dem er auf die Bedeutung der Förderung der Wissenschaft hinweisen wollte, bezog Fabry Stellung gegen die Folter. 1628 erschien sein „Schatzkämmerlein der Gesundheit“, das im Gegensatz zu vielen anderen seiner Schriften nicht für Fachkollegen geschrieben war, sondern sich an alle richtete, denen an ihrer Gesundheit gelegen war.

Ab 1628 verzichtete Fabry ganz auf das Reisen; seit 1629 sah er sich nicht mehr in der Lage, weiter zu praktizieren. In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod arbeitete er vor allem an einer Gesamtausgabe seiner Werke, die jedoch wegen der Wirren des Dreißigjährigen Krieges erst nach seinem Tod 1646 erschienen. Obwohl Fabry die schriftstellerische Arbeit fast beendet hatte, unterhielt er weiter einen umfangreichen, mehrere hundert Briefe umfassenden Briefwechsel mit Kollegen.

Wilhelm Fabry starb am 15.2.1634 in Bern. Zeit seines Lebens hatte er sich um neue Medikamente, bessere chirurgische Instrumente und Operationsmethoden bemüht, die er durch seine Korrespondenz und Publikationen auch anderen zugänglich gemacht hatte. Entsprechend sind es vor allem seine ins Deutsche, Französische, Lateinische, Englische und Holländische übersetzten chirurgischen Werke, die seine Anerkennung bis weit in das 18. Jahrhundert hinein begründeten, obwohl er in seinen Ansichten und Schriften ganz in der Tradition des Galen von Pergamon (129/131- um 199/216) und Hippokrates (um 460 - um 370 v. Chr.) stand. Zu seinem Gedenken wurden in Hilden nach ihm die Fabriciusstraße, die Wilhelm-Fabry-Realschule und auch das Stadtmuseum benannt; seit 1993 trägt in Hilden auch eine Straße den Namen seiner Frau.

 

Werke (Auswahl)

De Gangraena et Sphacelo, das ist: Von dem heißen und kalten brandt, 1593.

Selectae observationes chirurgicae XXV, 1598.

Traité de la dysenterie, 1602.

Epistola de prodigiosa puellae Coloniensis inedia, 1604.

Observationum et Curationum Chirurgicarum Centuria II, 1606.

De combustionibus…libellus, 1607.

New Feldt-Artzney-Buch, 1613.

Observationum et Curationum Chirurgicarum Centuria III, 1614.

De vulnere quodam gravissimo et periculoso, ictu sclopeti inflicto, 1614.

De monstro Lausannae Equestrium exciso A.D. MDCXIV. Narratio historica et anatomica, 1615.

Geistliche Lieder und Gesäng, 1616.

Observationum et Curationum Chirurgicarum Centuria IV, 1619.

Spiegel des menschlichen Lebens, 1621.

Christliche und gutherzige Abmahnung von der Trunckenheit, 1623.

Tractatus de christiana commessandi ratione, vermutlich 1623/1624.

Christlicher Schlafftrunck, 1624.

Anatomiae praestantia et utilitas, das ist Kurze Beschreibung der Fürtrefflichkeit, Nutz und Notwendigkeit der Anatomie, 1624.

Lithotomia vesicae, das ist: Bericht von dem Blaterstein, 1625/1626.

Observationum et Curationum Chirurgicarum Centuria V, 1627.

Consilium, in quo de conservanda valetudine…agitur, 1629.

Christliche Lob- und Trostgesäng, 1631.

Observationum et Curationum Chirurgicarum Centuria VI, 1646.


Literatur

Hintzsche, Erich, Guilelmus Fabricius Hildanus 1560-1634, 2. Auflage, Hilden 1973.

Hubeck, Ernst, Wilhelm Fabrys Schrift „Chirstlicher Schlafftrunck“ von 1624, in: „Wem der geprant wein nutz sey oder schad …“. Zur Kulturgeschichte des Branntweins. Katalog zur Eröffnungsausstellung des Wilhelm-Fabry-Museums der Stadt Hilden/Historische Kornbrennerei, hg. v. Karl-Detlev Göbel, Hilden 1989.

Pies, Eike, Wilhelm Fabry (1560-1634). Ein rheinisch-bergischer Chirurg von europäischer Bedeutung, Dommershausen 2010.

Strutz, Edmund, Die Beziehungen Wilhelm Fabrys zum Bergischen Land und zum Niederrhein, in: Fabrystudien I, hg. v. Heinrich Strangmeier, Hilden 1961, S. 29-49.

Wennig, Wolfgang, Hilden – gestern und heute, Hilden 1977.


Online

Fabry, Wilhelm, Deß Weitberühmten Guilhelmi Fabricii Hildani ... Wund-Artzney, Frankfurt 1652.

Groß, Dominik, Wilhelm Fabry (1560-1643): Wundärzte - die Geschichte einer verdrängten Berufsgruppe, in: Deutsches Ärzteblatt 107 (2010).

Rath, Gernot, „Fabricius Hildanus, Wilhelm“, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 738-739.

Wennig, Wolfgang, Wilhelm Fabrys Lebenslauf.


5.4.2013

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Stefanie Schild (Bonn) 
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 Wilhelm Fabry (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 75KB)

Wilhelm Fabry, Gemälde, Bartholomäus Sarburgh (um 1590 - nach 1637) zugeschrieben, um 1620. (Stadtarchiv Hilden)

 Wilhelm Fabry (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 83KB)

Wilhelm Fabry, Gemälde von Albert Engstfeld nach einem Kupferstich von Johann Theodor de Bry (1561-1623) von 1612, 1935. (Stadtarchiv Hilden)

Büste Wilhelm Fabrys (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 148KB)

Bronzebüste Wilhelm Fabrys auf dem Hildener Marktplatz.