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Rudolf von Groote (1858–1922), Präsident der Landwirtschaftskammer (1908-1918) und Oberpräsident der Rheinprovinz (1918-1922)

Rudolf von Groote war ein preußischer Verwaltungsbeamter, der fast 30 Jahre als Landrat in Rheinbach wirkte, zugleich zehn Jahre Vorsitzender der Landwirtschaftskammer der Rheinprovinz war und seine berufliche Laufbahn als Oberpräsident Seit dem 17. Jahrhundert Bezeichnung für den Landesstatthalter einer Provinz in Preußen, seit 1808 beziehungsweise 1815 Amtsbezeichnung für den Leiter der Verwaltung einer preußischen Provinz. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hatte seinen Dienstsitz in der Provinzhauptstadt Koblenz. Mit dem Land Preußen wurde auch 1945 (formales Ende 1947) das Amt abgeschafft. der Rheinprovinz beschloss.

Rudolf Felix Joseph von Groote wurde am 9.11.1858 in Bonn als Sohn des Gerichtsassessors und späteren Landrats in Ahrweiler Felix von Groote (1828–1889) und seiner Frau Maria geborene Simons (1831–1866) geboren. Die Familie war katholisch. Er besuchte das Gymnasium in Münstereifel (heute Stadt Bad Münstereifel) und legte Ostern 1878 die Reifeprüfung ab. Von 1878 bis 1881 studierte er Rechtswissenschaften in Heidelberg, Berlin und Bonn, hörte nebenbei auch Vorlesungen in Geschichte - unter anderem bei Heinrich von Treitschke (1834-1896) - und Nationalökonomie Veraltete Bezeichnung für Volkswirtschaftslehre. . Seine schriftliche Examensarbeit für die erste juristische Staatsprüfung hatte das Thema „Welche Regeln gelten im römischen Recht über den Nachweis der Priorität des Todes?“. Am 12.11.1881 erfolgte seine Vereidigung als Gerichtsassessor Heute teilweise veraltete Bezeichnung für den Richter oder Staatsanwalt auf Probe vor der Einstellung auf Lebenszeit; Voraussetzung ist das zweite juristische Staatsexamen, die so genannte Befähigung zum Richteramt. beim Landgericht Koblenz, den Vorbereitungsdienst setzte er später beim Landgericht in Bonn fort. Am 8.12.1883 wechselte er in die Verwaltungslaufbahn und wurde als Regierungsreferendar bei der Regierung Düsseldorf übernommen; weitere Stationen waren Stettin und Berlin. Nach Ablegung der zweiten juristischen Staatsprüfung wurde er durch Patent vom 21.12.1886 zum Regierungsassessor ernannt und der Regierung Trier zur Dienstleistung zugeteilt. Nach nur gut einem Jahr in Trier wurde von Groote durch Erlass vom 18.3.1888 mit Wirkung vom 1.4.1888 kommissarisch mit der Verwaltung des Landratsamts Rheinbach beauftragt, dann durch Allerhöchste Kabinettsordre siehe Kabinettsorder vom 27.12.1888 definitiv zum Landrat in Rheinbach bestellt.

Am 24.7.1888 heiratete von Groote in Trier Clara Stein (geboren 1863), sein erster Sohn wurde 1889 in Rheinbach geboren. In Rheinbach blieb er fast genau 30 Jahre im Amt; nach eigener Aussage war das Amt des Landrats die schönste Aufgabe, in der er sein Ideal gefunden habe. In seine Amtszeit fiel der Erweiterungsbau des Kreishauses in Rheinbach, der pünktlich zu seinem 25. Ortsjubiläum am 1.4.1913 eröffnet wurde. Gleichzeit ernannte ihn die Stadt Rheinbach zu ihrem Ehrenbürger.

Groote war von 1897-1918 Mitglied des Rheinischen Provinziallandtags.nach oben

Am 30.1.1908 wurde er neben seinem Amt in Rheinbach, als Nachfolger des Dürener Landrats Maximilian von Breunig (1854–1909), zum Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz gewählt. Bei dieser Wahl stellte er „als Leitstern seiner Amtsführung […] Pflichtgefühl und Liebe zur rheinischen Heimat“ heraus (Nachruf). Im April 1914 konnte Oberpräsident Georg Freiherr von Rheinbaben dem Minister des Innern berichten, dass von Groote dieses Amt mit ausgezeichnetem Erfolg und zur allgemeinen Wertschätzung ausübe, insbesondere durch den Ausgleich politischer und konfessioneller Gegensätze und die geschickte Behandlung angestrebter Wahlrechtsänderungen. Als Vorsitzender der Landwirtschaftskammer während des Krieges gelang es ihm, „die manchmal widerstreitenden Interessen der Landwirtschaft auf der einen und der Allgemeinheit auf der anderen Seite möglichst reibungslos in Einklang zu bringen. Auch Industrie, Handel und Gewerbe fanden in ihm einen verständnisvollen Förderer ihrer Lebensinteressen.“ (Nachruf)

Landrat von Groote wollte im Frühjahr 1918 eigentlich aus dem Staatsdienst ausscheiden, um sich ausschließlich den Aufgaben der Landwirtschaftskammer zu widmen. Für die meisten überraschend wurde er dann aber am 26.4.1918 als Nachfolger des Ende März in den Ruhestand getretenen Oberpräsidenten Georg Freiherr von Rheinbaben zum neuen Oberpräsidenten der Rheinprovinz ernannt und trat die Stelle am 1.5.1918 an. Als mit den Fragen der Provinz, insbesondere ihrer Landwirtschaft, seit vielen Jahren vertrauter Beamter und als Katholik war er eine gute Wahl, auch im Hinblick auf die durch den Krieg verursachten Ernährungsprobleme. Seine Nachfolge an der Spitze der Landwirtschaftskammer trat übrigens der frühere (1905-1910) Oberpräsident Clemens Freiherr von Schorlemer (1856–1922) an, der dieses Amt bereits von 1899 bis 1905 innegehabt hatte.

Auch die Amtsführung von Grootes als Oberpräsident wurde überaus positiv gewürdigt, so stellte ein Nachruf sein „gewinnendes Wesen, das auch dort, wo es erforderlich wurde, der Tatkraft nicht ermangelte“, heraus. Dabei war seine Tätigkeit ab November 1918 von der besonderen Situation der Rheinprovinz mit der alliierten Besatzung geprägt. Namentlich durch die in Koblenz eingerichteten Besatzungsbehörden, hier sei vor allem die Interalliierte Rheinlandkommission genannt, die für ihre Zwecke im September 1919 das Verwaltungsgebäude beschlagnahmt hatte, ergaben sich für die Arbeit des Oberpräsidenten erhebliche Beeinträchtigungen. Änderungen in der Verwaltungsorganisation erfolgten jedoch nicht, auch nicht aufgrund des Rheinlandabkommens. Eine Initiative des Regierungspräsidenten Düsseldorf, Francis Kruse (1854–1930), ihn wegen der Besetzung zum ständigen Kommissar des Oberpräsidenten (mit besonderen Befugnissen) zu machen, lehnte Oberpräsident von Groote Ende November 1918 ab, da die Geschäfte „erst einmal möglichst in der hergebrachten Weise ihren bisherigen und geordneten Gang gehen“ sollten (1). 1920 musste die Familie die durch die französischen Besatzer beschlagnahmte Dienstwohnung räumen und wurde Gast im Fürstenhaus Wied in Neuwied. Hierdurch war Groote gezwungen, einen Teil seiner Dienstgeschäfte auf Reisen wahrzunehmen. Anlässlich einer solchen Dienstreise ist er während einer Sitzung im Kloster Maria Laach am Nachmittag des 10.5.1922 an einem Schlaganfall plötzlich verstorben.

 

Anmerkung
(1) Romeyk, Verwaltungs- und Behördengeschichte, S. 154.

 

Literatur
Formanski, Siegfried, Rudolf Felix Joseph von Groote – Königlicher Landrat zu Rheinbach (1889–1918), in: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 1998, S. 79–87.

[Nachruf:] Oberpräsident Rudolf von Groote †. In: Niederrheinische Volkszeitung (Krefeld) Nr. 264, 12.5.1922.

Romeyk, Horst, Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816–1945, Düsseldorf 1994, S. 482.

Romeyk, Horst, Verwaltungs- und Behördengeschichte der Rheinprovinz, Düsseldorf 1985.


2.7.2015
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Joachim Lilla  (Krefeld) 
 

       
 

       
 

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Rudolf Felix von Groote (Privatbesitz Matthias von Groote)