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Frans Hogenberg (um 1538-1590), Kupferstecher und Graphikverleger in Köln

Der flämische Glaubensflüchtling Frans Hogenberg baute seit Ende des 1560er Jahre in Köln die wichtigste Kupferstecherwerkstatt des Rheinlandes auf. Spezialisiert auf topographische und geographische Editionen, wurde sie zum Zentrum einer „Kölner Schule" der Kartographie, die in der Hauptsache von niederländischen Migranten getragen wurde.

Frans Hogenberg wurde um 1538 in Mechelen als Sohn des aus München stammenden Kupferstechers Nikolaus Hogenberg (gestorben 1539) geboren. Seine Mutter Johanna Verstraeten (gestorben vor 1559) heiratete 1548 in zweiter Ehe den Drucker, Verleger und Kupferstecher Hendrik Terbruggen (tätig seit 1533, gestorben vor 1564) in Mechelen. Neben Frans hatte das Ehepaar Hogenberg noch mindestens drei weitere Kinder. Über Anna (geboren um 1529) und den Kupferstecher (?) Hans Hogenberg ist wenig bekannt. Remigius Hogenberg (um 1536-nach 1587) arbeitete als Kupferstecher überwiegend in England. Um 1568-1570 scheint er einige Zeit in Münster und auch in Emmerich gelebt zu haben.

Durch persönliche Bekanntschaften von Vater und Stiefvater hatte Frans Hogenberg von Kindheit an Zugang zu der aufblühenden flandrischen Kartenmacherszene. In Mechelen oder Antwerpen absolvierte er eine Lehre als Maler und Kupferstecher. 1560 unternahm er eine Künstlerreise durch Frankreich. Wahrscheinlich in Mechelen heiratete er seine erste Ehefrau Katharina von Bönen (gestorben vor 1578), mit der er einen Sohn Johann Hogenberg (gestorben nach 1614) und eine Tochter Barbara hatte. Die Stationen des weiteren Lebensweges sind in Teilen unklar. Über die nächsten beiden Jahrzehnte hatte Frans Hogenberg weiter engste berufliche Beziehungen nach Flandern, obwohl er wegen seiner Abwendung vom katholischen Glauben die spanisch dominierten Niederlande hatte verlassen müssen.

Um die Jahreswende 1562/1563 unterschrieb Hogenberg als Glaubensflüchtling ein lutherisches Stadtbekenntnis in Wesel, wo er aber nur kurz blieb. Ein Englandaufenthalt in jenen Jahren ist fraglich. Nach eigener Aussage lebte er seit etwa 1564 in Köln. 1570 drohte ihm hier als Nichtkatholiken die Ausweisung, der er aber entging. 1579 wurde er, zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Agnes Lomar, in Köln wegen der Teilnahme an heimlichen reformierten Gottesdiensten verhaftet, kam aber durch formales Abschwören wieder frei. 1582 war er jedoch erneut in religiösen Schwierigkeiten. Die definitive Sesshaftigkeit Frans Hogenbergs in Köln ist erst 1585 durch den Erwerb eines Hauses in der Glockengasse dokumentiert. Er war aber weiter auf Reisen (1588 in Hamburg und Kopenhagen). Er starb 1590 und wurde auf dem so genannten „Geusenfriedhof" begraben, dem außerhalb der Stadtmauern gelegenen evangelischen Friedhof der Reichsstadt Stadt auf Reichsgut, auch die ehemalige Bischofsstadt, die nicht einem Landesherrn, sondern allein König, Kaiser und Reich unterstand.  Die ehemaligen Bischofsstädte, die sich von der (weltlichen) Herrschaft der Bischöfe befreit hatten,  wurden zunächst als "Freie Städte" bezeichnet. Seit 1489 wurden alle Reichsstädte als "Freie Reichsstädte" (Freireichsstädte, liberae imperii civitates) bezeichnet. .

Das Schwergewicht der Arbeit Frans Hogenbergs als Kupferstecher – ein Oeuvre als Zeichner und Maler ist kaum fassbar – liegt auf kartographischen und topographischen Darstellungen. Ein heutiges Forschungsproblem besteht darin, dass er einerseits nur wenige seiner Arbeiten signierte und sich andererseits der genormten Zeichen- und Schriftensprache seiner Zeit bediente. Zwischen eigenhändigen Arbeiten und Werkstattprodukten ist daher kaum sicher zu trennen.nach obenSeit der Mitte der 1560er-Jahre und bis 1572 hat Hogenberg die Karten für den ab 1570 in Antwerpen erschienenen Atlas „Theatrum Orbis Terrarum" von Abraham Ortelius (1527-1598) gestochen. Spätestens um die gleiche Zeit begann er auch sein erstes eigenes Großprojekt: die „Geschichtsblätter", eine Folge von etwa 470 Stichen zu Ereignissen und Schauplätzen der Zeitgeschichte ab 1558.

Eigene geographische Atlanten Hogenbergs sind der Straßenatlas „Itinerarium Orbis Christiani" (84 Karten, 1579/1580), das „Itinerarium Belgicum" (22 Karten, 1587) und der Folio-Atlas der Niederlande „Belgica florens – Belgica destructa" (20 Karten, um 1588). Etwa 30 weitere größerformatige Karten erschienen als Einzelblätter oder als Beilagen von Büchern Kölner Verlage. Auch hat Hogenberg mehrfach für auswärtige Auftraggeber gestochen, so etwa ab circa 1574 für Gerhard Mercator (1512-1594) in Duisburg.

Das umfangreichste und kunst- wie wissenschaftshistorisch bedeutendste Projekt des Hauses Hogenberg ist der nach dem Vorbild des Ortelius-Atlas entworfene Städteatlas „Civitates Orbis Terrrarum." Der erste Band erschien 1572, ein sechster und letzter Band erst unter den Nachfolgern 1617. Insgesamt enthalten die „Civitates" 543 Stadtpläne und -ansichten teils nach gedruckten Vorlagen, zum einem großen Teil aber auch nach originalen Handzeichnungen. Die Bände erschienen – jeder in mehreren Auflagen und Sprachen – bei verschiedenen Kölner Verlagen, zumindest am Anfang in enger Kooperation mit Antwerpener Firmen. An der Herstellung waren im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche, oft namentlich nicht bekannte Künstler beteiligt. Die eigentliche Seele des Projektes als Organisator, Redakteur und Textautor war der Kölner Humanist und Theologe Georg Braun (1541-1622). Als einflussreicher Kirchenmann hat er wohl auch seinen Anteil daran, dass die katholische Strenge in Köln zu Gunsten Hogenbergs immer sehr weit ausgelegt worden ist.

In einer Gesamtsicht war Frans Hogenberg die zentrale Figur einer Szene ins Exil gegangener niederländischer Gelehrter und Künstler, die heute zu einer „Kölner Schule" der Kartographie zusammengefasst werden. Darunter waren nicht nur Protestanten aus Flandern und Brabant, sondern auch geflohene Katholiken aus den nördlichen Provinzen. Zusammen mit Einheimischen bildeten sie ein komplexes und hochinteressantes Netzwerk, das auch in anderen deutsche Regionen und sogar darüber hinaus dem Kartenmachen wichtige Impulse gab.

Nach dem Tod Frans Hogenbergs 1590 zahlte seine Witwe die Kinder aus erster Ehe aus. Sein Sohn Johann Hogenberg wurde danach in Köln selbstständig als Kupferstecher tätig. Agnes Hogenberg-Lomar scheint die Firma wenigstens ein Jahrzehnt selbst geleitet zu haben. Etwa um 1605 übernahm ihr eigener Sohn, der Maler und Kupferstecher Abraham Hogenberg (gestorben 1653), die Leitung. Er führte das Unternehmen etwa bis 1620 auf hohem Niveau weiter. Danach flachten Spektrum, Produktion und Bedeutung merklich ab.

 nach obenWerkausgaben

Braun, Georg/Frans Hogenberg, Beschreibung und Contrafactur der vornembsten Stät der Welt, 6 Bände mit Einführungen von Max Schefold, Plochingen 1965-1970.

Braun, Georg/Frans Hogenberg, Civitates Orbis Terrarum, 3 Bände, mit einer Einführung von Raleigh A. Skelton, Kassel/Basel 1965 (englische Originalausgabe Amsterdam 1965).

Hellwig, Fritz (Hg.), Franz Hogenberg – Abraham Hogenberg: Geschichtsblätter, Nördlingen 1983.

 

Literatur

Denucé, Jan, Oud-Nederlandse kaartmakers in betrekking met Plantijn, 2 Bände, Antwerpen/‘s-Gravenhage 1912, Neudruck Amsterdam 1964.

Firmenich-Richartz, Eduard, Kölnische Künstler in alter und neuer Zeit. Johann Jacob Merlos neu bearbeitete und erweiterte Nachrichten von dem Leben und den Werken kölnischer Künstler, Düsseldorf 1895, Neudruck Nieuwkoop 1966.

van der Krogt, Peter, Koeman’s Atlantes Neerlandici. New and completely revised, illustrated edition, Band 4, ‘t Goy-Houten 2008.

Meurer, Peter H., Atlantes Coloniensis. Die Kölner Schule der Atlaskartographie 1570-1610, Bad Neustadt an der Saale 1988.

Schilder, Günter, Een belangrijke 16e eeuwse atlas van de Nederlanden gepubliceerd door Frans Hogenberg, in: Kartografisch Tijdschrift 10 (1984), S. 39-46.

Stempel, Walter, Franz Hogenberg 1538-1590 und die Stadt Wesel, in: Prieur , Jutta (Hg.),  Karten und Gärten am Niederrhein, Wesel 1995, S. 37-50.

 

Online

Keller, Horst, Artikel "Hogenberg, Franz", in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 472-473.

 

30.9.2010
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Peter H. Meurer (Heinsberg) 
 

       
 

       
 
 Zerstörung von Poppelsdorf, Kupferstich von Frans Hogenberg (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 362KB)

Einnahme von Poppelsdorf im Truchsessischen Krieg, Kupferstich von Frans Hogenberg, 1583. (Museum Boijmans Van Beuningen Rotterdam)