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Karl Dietrich Hüllmann (1765-1846), Gründungsrektor der Universität Bonn

Karl Dietrich Hüllmann war der erste RektorLateinisch-mittellateinisch, (1) Leiter einer Hochschule, (2) Leiter einer Grund-, Haupt-, Sonder- oder Realschule, (3) katholischer Geistlicher an einer Filialkirche, einem Seminar oder ähnlichen Einrichtungen. der Universität Bonn. Der engagierte und bei den Studenten beliebte Historiker prägte mit seinen Vorlesungen das Bild des neuen forschungsorientierten und begeisternden Wissenschaftlers, wie die Universitätsreform Wilhelms von Humboldt (1767-1835) ihn brauchte. Zu Lebzeiten hoch geehrt und bewundert, blieb Hüllmann doch ohne großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der deutschen Geschichtsschreibung.

„Zu Erdeborn bei Eisleben in der ehemaligen Grafschaft Mansfeld, wo mein Vater Prediger war, bin ich am 10. September 1765 geboren. Den Jugend-Unterricht habe ich auf dem Gymnasium der genannten Stadt, und auf der Universität Halle genossen“, so schreibt der damals schon 73-jährige Historiker Hüllmann 1838 in das Stammbuch der Philosophischen Fakultät Lateinisch, bezeichnet fachlich nach den Hauptwissenschaften gegliederte Lehr- und Verwaltungseinheiten einer Hochschule. der Universität Bonn. Obwohl er später als Geschichtsprofessor wirken sollte, hat er in Halle Theologie, Philosophie und vor allem Pädagogik studiert. Sein wichtigster Hochschullehrer wurde der Professor für Theologie August Hermann Niemeyer (1754–1828). Niemeyer erkannte Hüllmanns pädagogische Neigung und ermutigte ihn, den Weg in den Schuldienst zu wählen. Nach Abschluss des Studiums übernahm er für ein halbes Jahr eine Stelle als Erzieher in der erst 1784 gegründeten „philanthropischen Erziehungsanstalt“ Schnepfenthal bei Christian Gotthilf Salzmann (1744-1811). Diese Tätigkeit war sozusagen die Lehrzeit Hüllmanns, nach der er in Bremen eine eigene Schule für die Söhne der dortigen Handelsherren eröffnete. Fünf Jahre unterhielt er diese Handelsschule, doch im Frühjahr 1792 übernahm er wegen der größeren wirtschaftlichen Sicherheit eine Stelle als Lehrer für Französisch und Geographie im Pädagogium des Klosters Berge bei Magdeburg. Das seit 1565 evangelische Kloster beherbergte vom 17. Jahrhundert bis zu seinem Ende in der napoleonischen Zeit eine der bedeutendsten Lehranstalten des deutschen Pietismus. Wissenschaftlichen Arbeiten gegenüber war man hier durchaus aufgeschlossen, und so ist es kein Wunder, dass Karl Dietrich Hüllmann 1793 an der Universität Göttingen promoviert wurde. Bald darauf zog er als Begleiter eines Adeligen nach Berlin. Auf Betreiben des Berliner Oberkonsistorialrats Karl Franz von Irwing (1728-1801) folgte er einem Ruf auf eine Professur für Geschichte an die Viadrina in Frankfurt an der Oder. Nach seiner Habilitation Lateinisch, Erwerb der Lehrberechtigung an Universitäten und Hochschulen; Voraussetzungen sind die Promotion, die Habilitationsschrift (eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit), der Vortrag vor der Fakultät mit Disputation sowie eine Probevorlesung. (1795) wurde er 1797 zum außerordentlichen und 1807 zum ordentlichen Professor für Geschichte ernannt.

1807 war ein Schicksalsjahr für Preußen, denn nach der Niederlage gegen Napoleon verlor das Land im Frieden von TilsitDer am 7./9.7.1807 in Tilsit geschlossene Frieden beendete den vierten preußisch-russischen Koalitionskrieg gegen Frankreich, in dem Preußen unterlegen war. Als Folge der Niederlage musste Preußen alle seine Gebiete westlich der Elbe abtreten. So überwies Napoleon am 21.1.1808 unter anderem die ehemaligen Stiftsgebiete von Essen und Werden an das Großherzogtum Berg. Die militärisch wichtige Festung Wesel musste der Großherzog dagegen an Napoleon abtreten. Tiefpunkt der preußischen Geschichte. die Hälfte seines Territoriums einschließlich der Universität Halle. Daher galt es, die verbliebenen Universitäten zu stärken, in denen die Hoffnungsträger Preußens ausgebildet werden sollten. In Berlin sollte eine neue ganz moderne Sammelbegriff für die Kunst und Architektur seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Gegensatz zum Historismus des 19. Jahrhunderts. Universität errichtet werden. Dadurch wurde die Universität Frankfurt/Oder überflüssig. Der mittlerweile renommierte und beliebte Hüllmann wurde daher nach Königsberg versetzt, um diesen östlichen Bildungsstandort Preußens zu verstärken. Die folgenden neun Jahre in Königsberg waren die schönsten seiner beruflichen Laufbahn. Neben der wissenschaftlichen Anerkennung, die er sich schon in Frankfurt mit Arbeiten zur Verfassungs- und zur Wirtschaftsgeschichte erworben hatte, trat jetzt ein zunehmender Ruhm als akademischer Lehrer. Dazu kam die Chance, seine organisatorische Neigung als Dekan Lateinisch, (1) Vorsteher einer Fakultät an einer Universität, (2) höherer katholischer oder evangelischer Geistlicher, Vorsteher eines Dekanats oder Kirchenkreises. und in anderen akademischen Verwaltungsämtern zu erproben. Königsberg war bis Weihnachten 1809 die Residenz der königlichen Familie, und daher übernahm Hüllmann mit seinen packenden Vorträgen den Geschichtsunterricht des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. (Regierungszeit 1840-1858).nach obenDies alles empfahl ihn wenige Jahre später für das Amt des Gründungsrektors der neuen preußischen Universität im Rheinland. Er hatte sich freilich nicht auf diese Position beworben, sondern wollte 1817, weil das ostpreußische Klima seiner Gesundheit nicht bekam, eine Stelle in Heidelberg übernehmen. Das Kultusministerium bot ihm die Alternative, in preußischen Diensten zu bleiben und gleichzeitig seinem Wunsch nach milderem Klima nachzukommen. So wurde Hüllmann schon ein Jahr vor Eröffnung der Universität in Bonn eingestellt. Sein organisatorisches Talent war bei der Planung der neuen Bonner Hochschule hoch willkommen. Am 21.10.1817 wurde er durch den Kultusminister zum RektorLateinisch-mittellateinisch, (1) Leiter einer Hochschule, (2) Leiter einer Grund-, Haupt-, Sonder- oder Realschule, (3) katholischer Geistlicher an einer Filialkirche, einem Seminar oder ähnlichen Einrichtungen. ernannt. Sein Amtsjahr war geprägt von fortwährenden Improvisationen, aber mit Glück und Geschicklichkeit ließen sich größere Probleme vermeiden. Beim Aufbau der Universitätsbibliothek allerdings bewies Hüllmann nicht immer eine glückliche Hand. So wies er die angebotenen Bibliotheken der Stifte von Kues und Vilich zurück, weil er in der Übernahme von Inkunabeln keinen Nutzen für die Wissenschaft sah.

Viel Anklang fand Hüllmann mit seinen Vorlesungen. Als Einziger unter den Bonner Professoren hatte er nicht weniger Hörer als der berühmte August Wilhelm Schlegel (1767-1845). Zeitweise ging jeder zweite Bonner Student in Hüllmanns Geschichtsvorlesung. Dabei kam ihm zweifellos seine Erfahrung als Gymnasiallehrer zustatten, denn sein Vortragsstil war sehr beliebt. Er sprach frei, statt ein Manuskript zu verlesen, verblüffte seine Zuhörer hin und wieder mit unerwarteten Vergleichen und schob gerne Scherze ein. Dabei repitierte er nicht einfach den Lehrbuchstoff, sondern bemühte sich um die Weitergabe der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und gab auch die eigenen Verständnisfortschritte an seine Studenten weiter, wie sein langjähriger Freund Ferdinand Delbrück (1772-1848) in seinem Nachruf bemerkt. Die Studenten dankten es ihm. Ein überaus kritischer Geist wie der Baseler Patriziersohn Jakob Burckhardt (1818-1897), der an Bonn kein gutes Haar lassen wollte, schrieb 1841 „Bonn als Universität kommt mir verflucht eng und mangelhaft vor […] Professoren kenne ich nicht, außer Hüllmann und Mendelsohn“. Und Hüllmann revanchierte sich, indem er für Burckhardt bürgte, damit dieser sich Bücher aus der Universitätsbibliothek ausleihen konnte.

So erfolgreich er als Vortragender war, so wenig Wirkung war seinen wissenschaftlichen Werken beschieden. Die Entwicklung des Bürgertums seit dem Mittelalter interessierte ihn immer wieder, aber er blieb in seinen Arbeiten der Aufklärungszeit verhaftet, die strengen Maßstäbe einer historisch-kritischen Methode blieben ihm fremd. Ihr aber gehörte die Zukunft. Auch persönlich hatte er kein dauerhaftes Glück. Seine Ehe blieb kinderlos, seine Frau Marie wandte sich dem Botaniker Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck zu, der seine eigene Ehe für sie aufgab und sie 1829 kurzerhand entführte, als sie sich von ihm schwanger glaubte.

Hüllmann hielt bis ins hohe Alter hinein weiter Vorlesungen, doch schrieb er nur noch kleinere Arbeiten. Die höchsten Ehrungen wurden ihm zuteil, zumal als die Universität Bonn 1843 ihr 25-jähriges Jubiläum feierte und ihn als Gründungsrektor ehrte. Doch auch wenn er bis 1843 immer wieder Vorlesungen ankündigte, so hatte er die letzte schon im Sommer 1841 gehalten. Zu sehr war seine Gesundheit angegriffen, zu sehr war aber auch die Entwicklung in seinem Fach Geschichte, das er im ersten Jahrzehnt nach der Gründung der Universität allein vertreten hatte, mit der Ankunft von Strahl, Aschbach und Dahlmann an ihm vorbei gegangen. Ab 1844 verließ er sein Haus gar nicht mehr. Nach langer Krankheit ist er am 12.3.1846 gestorben. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof in Bonn.

nach obenWerke (Auswahl)

Untersuchungen der Naturaldienste des Untertanen, Berlin 1803.
Deutsche Finanzgeschichte des Mittelalters, Berlin 1805, mit einem Nachtrag: Geschichte des Ursprungs der Regalien in Deutschland, Frankfurt 1806.

Geschichte des Ursprungs der Stände in Deutschland, 3 Bände, 1806-1808.

Geschichte der Domänenbenutzung in Deutschland, Frankfurt 1807.

Geschichte des byzantinischen Handels, Frankfurt 1808.

Ursprünge der Besteuerung, Köln 1818.

Staatsrecht des Altertums, Köln 1820.

Das Städtewesen des Mittelalters, 4 Bände, Bonn 1825-1829.

Ursprünge der Kirchenverfassung des Mittelalters, Bonn 1831.

Römische Grundverfassung, Bonn.1832.

Staatsverfassung der Israeliten, Leipzig 1834.

Handelsgeschichte der Griechen, Bonn 1839.

Griechische Denkwürdigkeiten, Bonn 1840.

Geschichte des Ursprungs der deutschen Fürstenwürde, Bonn 1842 u. a.


Literatur

Bezold, Friedrich von, Geschichte der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität von der Gründung bis zum Jahre 1870, Bonn 1920.

Hübinger, Paul Egon, Das Historische Seminar der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Vorläufer – Gründung – Entwicklung. Ein Wegstück deutscher Universitätsgeschichte. Mit einem Beitrag von Wilhelm Levison, Bonn 1963.

Ditsche, Magnus, Karl Dietrich Hüllmann, in: Bonner Gelehrte. Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in Bonn. Geschichtswissenschaften, Bonn 1968, S. 39-48.

Renger, Christian, Die Gründung und Einrichtung der Universität Bonn und die Berufungspolitik des Kultusministers Altenstein, Bonn 1982.

 

8.11.2010

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Thomas P. Becker (Bonn) 
 

       
 

       
 
   Karl Dietrich Hüllmann (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 66KB)

Karl Dietrich Hüllmann, Porträt, Lithografie von Christian Hohe (1798-1868), 1835. (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)