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Moses (Moritz) Heß (1812-1875), Publizist und Politiker

Moses Heß (auch Hess), einer der ersten deutschen Sozialisten, wuchs als Kind einer jüdischen Familie in Bonn und Köln auf. Als politischer Aktivist und Publizist setzte er sich sein ganzes Leben lang für den Sozialismus und die sozialdemokratische Bewegung ein. Heute ist Moses Heß vor allem als Vorläufer des Zionismus Die religiöse Sehnsucht nach einer Rückkehr ins Heilige Land, nach "Zion", war im Judentum immer präsent. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Bewegung des politischen Zionismus. Ihre Anhänger, die Zionisten, strebten danach, die Zerstreuung der Juden durch die Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina zu beenden. Theodor Herzls (1860-1904) Buch „Der Judenstaat“ (1896) gab den entscheidenden Anstoß zur organisatorischen Zusammenfassung der bestehenden Initiativen zu einer zionistischen Weltorganisation. bekannt. Schon 1862 entwarf er sein Konzept zur Errichtung eines jüdischen Nationalstaats. Heß, der lange Zeit in Paris lebte, kehrte immer wieder in das Rheinland zurück.

Moses Heß wurde am 21.1.1812 als ältestes Kind der Eheleute David Heß und Jeannette, geborene Flörsheim in Bonn geboren. (Seine Eltern gaben ihm den Rufnamen Moritz und – für den religiösen Gebrauch – den hebräischen Name Moses). Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Rheinland zum napoleonischen Herrschaftsbereich. Die Besetzung und Annektion der linksrheinischen Gebiete durch das revolutionäre Frankreich 1794/1801 hatte neben anderen modernen Errungenschaften die rechtliche Emanzipation der Juden Lateinisch (Freilassung), bezeichnet die Anerkennung der rechtlich, religiös und sozial diskriminierten Juden als gleichberechtigte Staatsbürger seit dem 18. Jahrhundert, siehe auch Aufklärung. mit sich gebracht. Die staatsbürgerliche Gleichstellung wurde allerdings teilweise schon unter Napoleon (1808 „Schändliches Dekret Unter Napoleon 1808 erlassenes  Dekret, "die Juden betreffend", das so genannte "Schändliche Dekret" (décret infâme). Es beseitigte die Freizügigkeit und freie Erwerbstätigkeit der Juden und setzte für sie in wichtigen Punkten die Bürgerrechte außer Kraft. Es beeinträchtigte für fast ein halbes Jahrhundert Existenz und Erwerbstätigkeit der rheinischen Juden in entscheidender und oft einschneidender Weise. Am 13.7.1843 beschloss der 7. Rheinische Provinziallandtag die Abschaffung des "Infamen Dekrets" von 1808 und die Gewährung der völligen staatsbürgerlichen und politischen Gleichstellung der Juden in der Rheinprovinz. Es war das erste Mal, dass sich ein deutsches Parlament - sofern die preußischen Landtage des Vormärz als solche anzusehen sind - vorbehaltlos und mit großer Mehrheit für die politische Emanzipation der Juden aussprach. ") und vor allem in der preußischen Zeit ab 1815 wieder eingeschränkt.

Was bedeutete es in dieser Zeit des Umbruchs, Jude zu sein und wie konnte eine moderne Sammelbegriff für die Kunst und Architektur seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Gegensatz zum Historismus des 19. Jahrhunderts. (deutsch-) jüdische Identität aussehen?

Diese Fragen waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch ganz offen. Zudem waren die Möglichkeiten, die sich einem jungen jüdischen Mann mit geistigen oder künstlerischen Ambitionen in Deutschland boten, begrenzt. Wie nicht wenige seiner jüdischen (und nichtjüdischen) Zeitgenossen war Heß in seinen jungen Jahren daher von den neuen, politisch „radikalen" Strömungen fasziniert, die die Emanzipation – die Befreiung – der gesamten Menschheit aus den Fesseln der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Unterdrückung und eine neue Gesellschaftsordnung der Gleichheit und Freiheit in Aussicht stellten.

Moses Heß wuchs zunächst in Bonn bei seinem religiös orthodoxen Großvater auf, unter dessen Anleitung er eine traditionelle jüdische Erziehung erhielt. Erst nach dem Tod der Mutter im Jahr 1825 zog er zu seinem inzwischen in Köln ansässigen Vater und den jüngeren Geschwistern. Auch in Köln besuchte er nie eine öffentliche Schule. Doch bildete er sich autodidaktisch fort, so dass er 1837 eine besondere Genehmigung zur Immatrikulation an der Bonner Universität erhielt. Dort studierte er mehrere Semester, einen Abschluss erwarb er allerdings nicht. Dafür veröffentlichte er schon 1837 seine erste Schrift, „Die Heilige Geschichte der Menschheit. Von einem Jünger Spinoza‘s" – eine der frühesten, wenn nicht sogar die erste sozialistische Schrift in Deutschland. Diese und die folgende Publikation, „Die europäische Triarchie" (1841), begründeten seinen Ruf als einer der ersten deutschen Kommunisten. Statt an das Kommen eines Messias – wie im traditionellen Judentum – glaubte Heß, dass ein innerweltliches messianisches Zeitalter begonnen habe, in dem in naher Zukunft unter dem Zeichen des Sozialismus alle Menschen und Nationen im Einklang leben könnten.

In den Jahren 1841 und 1842 war Moses Heß Mitgründer und dann Redakteur der berühmten Rheinischen Zeitung, die von Januar 1842 bis März 1843 in Köln erschien. Hier lernte er Karl Marx kennen, den er als den Mann erkannte, der „der mittelalterlichen Religion und Politik den letzten Stoß versetzen wird"; einige Monate später begegnete er Friedrich Engels und „bekehrte" ihn, nach seiner eigenen Aussage, zum Kommunismus. Nach einer Phase intensiver Zusammenarbeit in der Mitte der 1840er Jahre kam es allerdings zum Bruch mit Marx und Engels, der nicht nur mit weltanschaulichen und politischen Differenzen, sondern auch mit unterschiedlichen Temperamenten zu tun hatte.nach obenEnde 1842 zog Heß nach Paris. In der französischen Hauptstadt sollte er, wenn auch mit vielen Unterbrechungen, den größten Teil seines weiteren Lebens verbringen. Doch kehrte er immer wieder nach Köln zurück. Hier lernte er auch seine Lebensgefährtin kennen, die in einem Eifeldorf geborene Sibylle Pesch (1820-1903), eine Putzmacherin katholischer Konfession, die er erst nach dem Tod seines Vaters zu heiraten wagte.

Nach langer Pause wandte sich Heß zu Beginn der 1860er Jahre erneut jüdischen Themen zu. 1862 erschien die Schrift, wegen der Heß noch heute bekannt ist: „Rom und Jerusalem. Die letzte Nationalitätsfrage" (der Titel nimmt Bezug auf die damals aktuellen Erfolge der italienischen Einigungsbewegung). Heß legte hier seine Auffassung dar, dass die Juden wie alle anderen unterdrückten Völker als Vorstufe zur allgemeinen Emanzipation der Menschheit einen eigenen Staat brauchten. Im Gegensatz zu den Vertretern des zeitgenössischen liberalen Judentums, die Judentum allein als Religion, nicht als Nationalität verstanden, entwickelte er ein Konzept für die Wiederherstellung des jüdischen „Nationalstaats", wobei er den „Geist des Judentums" mit sozialdemokratischen Ideen identifizierte.

Dass dieser Text einmal als Klassiker des Zionismus Die religiöse Sehnsucht nach einer Rückkehr ins Heilige Land, nach "Zion", war im Judentum immer präsent. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Bewegung des politischen Zionismus. Ihre Anhänger, die Zionisten, strebten danach, die Zerstreuung der Juden durch die Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina zu beenden. Theodor Herzls (1860-1904) Buch „Der Judenstaat“ (1896) gab den entscheidenden Anstoß zur organisatorischen Zusammenfassung der bestehenden Initiativen zu einer zionistischen Weltorganisation. gelten sollte, erlebte der Autor nicht mehr. Die erste Auflage verkaufte sich sogar ausgesprochen schlecht, was sicher auch an dem sperrigen Stil des Autors, vor allem aber an dem Unzeitgemäßen seiner Gedanken lag. Erst 1899 erschien eine zweite Auflage, veranlasst von Max Bodenheimer, der in Köln auf Heß’ Schrift aufmerksam gemacht worden war. Und erst jetzt entdeckten die „Zionisten" (der Begriff entstand um 1890) den „Propheten" Moses Heß als einen Vordenker ihrer Bewegung.

Moses Heß, der sich, neben naturwissenschaftlichen Studien, in den 1860er Jahren auch in der entstehenden deutschen Sozialdemokratie engagierte, starb am 6.4.1875 in Paris. Gemäß seiner letztwilligen Verfügung wurde er neben seinen Eltern auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Deutz begraben. Der Grabstein, auf den die Kölner Sozialdemokraten 1903 den Ehrentitel „Vater der deutschen Sozialdemokratie" einmeißeln ließen, ist dort heute noch zu sehen. Die sterblichen Überreste von Moses Heß wurden 1961 nach Israel überführt und ruhen nun auf dem Friedhof des Kibbuz Kinneret am See Genezareth.

In Köln wurde ihm 1992 eine Figur am Rathausturm (Bildhauer: Heribert Calleen) gewidmet. Zudem erinnert in Köln-Stammheim eine nach ihm benannte Straße an den Sozialisten.

 nach obenWerke

Ausgewählte Schriften, hg. von Horst Lademacher, Wiesbaden 1981

Briefwechsel, hg. von Edmund Silberner, ’s-Gravenhage 1959.

Die europäische Triarchie, Leipzig 1841.

Die Heilige Geschichte der Menschheit. Von einem Jünger Spinoza’s, Stuttgart 1837.

Rom und Jerusalem. Die letzte Nationalitätsfrage, Leipzig 1862.

 

Literatur

Avineri, Shlomo, Moses Hess. Prophet of Communism and Zionism, New York u.a. 1985.

Hirsch, Helmut, Moses Heß und Köln – bis zur Emigration im Jahre 1842, in: Jutta Bohnke-Kollwitz (Hg.), Köln und das rheinische Judentum. Festschrift Germania Judaica 1959-1984, Köln 1984, S. 165-176.

Koltun-Fromm, Ken, Moses Hess and Modern Jewish Identity, Bloomington 2001.

Na’aman, Shlomo, Emanzipation und Messianismus. Leben und Werk des Moses Heß, Frankfurt (Main) u.a. 1982.

Silberner, Edmund, Moses Hess. Geschichte seines Lebens, Leiden 1966.

 

Online

Brenner, Michael, Was ist Zionissmus? Eine Einführung (Information der Bundeszentrale für politische Bildung)

Silberner, Edmund, Artikel "Hess, Moses", in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 11-12.

 

30.9.2010
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Ursula Reuter (Köln) 
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 Moses Heß (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 78KB)

Moses Heß, Porträtfoto. (Rheinisches Bildarchiv)

 Skulptur des Moses Heß am Kölner Rathausturm (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 102KB)

Moses Heß, Skulptur am Kölner Rathausturm, 1992, Bildhauer: Heribert Calleen (© Kölner Stadtkonservator)

   Grabplatte auf dem jüdischen Friedhof Köln-Deutz (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 167KB)

Grabplatte des Moses Heß auf dem Jüdischen Friedhof in Köln-Deutz. (Rheinisches Bildarchiv)