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Johann VII. von Schönenburg, Erzbischof und Kurfürst von Trier (1581-1599)

Johann von Schönenburg war ein erfolgreicher Kirchenreformer und Territorialherr und setzte damit die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers Jakob von Eltz fort. Wie dieser brachte er seine Erfolge in einer aufwendigen Kunstpolitik zum Audruck, die den Trierer Dom zum optischen Mittelpunkt eines gut regierten katholischen Territoriums machte.

Johann von Schönenburg (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 306KB)
Johann VII. von Schönenburg, zeitgenössischer Stich. (Universität Mannheim)

Johann von Schönenburg wurde 1525 auf Burg Hartelstein in der Eifel geboren. Er stammt aus einer Mainzer Ministerialenfamilie, die sich nach Schöneberg bei Bingen nennt. Sein Vater war Johann von Schönenburg (gestorben 1540), seine Mutter Elisabeth Weyher von Nickenich. Johanns Generation gelang der Zugang zu hohen geistlichen Ämtern: Sein Bruder Hans Valentin, der zum lutherischen Glauben übertrat (1552-1581 als Amtmann des Amtes Stromberg erwähnt), resignierte zugunsten von Hugo (gestorben 1581), der in Trier Domherr, Kantor und Archidiakon von St. Peter wurde. Der Bruder Wilhelm (gestorben 1571) war Domdekan in Worms, Georg Domherr in Trier, Bischof in Worms (Episkopat 1580-1595) und Dompropst in Mainz; an ihn erinnert eines der aufwendigsten Grabdenkmäler im Mainzer Dom.

Johann von Schönenburg wurde 1538 Domizellar in Trier, danach studierte er in Heidelberg, das er wegen der Reformation verlassen musste, und Freiburg die für die Aufnahme ins Domkapitel vorgeschriebenen zwei Jahre. 1548 wurde er Domherr, 1567 Domkustos und 1570 Dompropst. Weiter war er Domherr in Münster und Stiftsherr an St. Martin in Oberwesel. Parallel zum Aufstieg in die Ämter der Dignitare übernahm er weitere Funktionen: 1580 – nach dem Sieg im Prozess im Streit um die Reichsunmittelbarkeit Nicht einem Landesherrn, sondern allein Kaiser und Reich unterstehend. der Stadt Trier – bestellte ihn Erzbischof Jakob von Eltz zum ersten Trierer Statthalter, zu einem mit weitgehenden Vollmachten ausgestatteten Verwalter der städtischen Geschäfte. 1580 war er auch RektorLateinisch-mittellateinisch, (1) Leiter einer Hochschule, (2) Leiter einer Grund-, Haupt-, Sonder- oder Realschule, (3) katholischer Geistlicher an einer Filialkirche, einem Seminar oder ähnlichen Einrichtungen. der Trierer Universität. 1581 wurde er gegen Karl von Lothringen zum Erzbischof gewählt. 1582 erhielt er das Pallium und auf dem Augsburger Reichstag Bezeichnung für (1) seit 1495 für die Versammlung der deutschen Reichsstände,  (2)  das deutsche Parlament 1871-1933,  (3) die Legislativen in Finnland, Schweden und Japan, (4) als Kurzform für das 1894 bezogene Reichstagsgebäude in Berlin, seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestags. die Bischofsweihe.

Johann von Schönenburg konnte trotz außerordentlich ungünstiger Rahmenbedingungen die Früchte der Politik seines Vorgängers ernten und setzte diese in einer Fülle von Einzelmaßnahmen und -verordnungen fort. Konsequent führte er die Reform aller Bereiche des kirchlichen Lebens durch: Für die Stifte in Trier (St. Simeon), Koblenz (St. Kastor), Limburg, Wetzlar, Karden, Prüm, Mayen, Münstermaifeld und Kyllburg erließ er Reformstatuten, außerdem reformierte er die Landdekanate und das Sendwesen. 1595 gelang ihm die tridentinische Reform des Domkapitels, ein Vorhaben, an dem seit 1585 gearbeitet worden war und an dem noch sein Vorgänger gescheitert war. Die aus dem Adel der Region stammenden Domherren hatten allenfalls die niederen Weihen empfangen, vernachlässigten angeblich das Chorgebet und hätten wegen der Auseinandersetzungen mit der Stadt Trier und ihrer Pfründenhäufung die Residenz nahezu aufgegeben.

Nicht ganz so erfolgreich waren die Gründung eines Priesterseminars 1585 durch die Jesuiten in Koblenz, das nur zwölf Studenten aufnehmen konnte, und das in Trier gegründete Banthusseminar. 1583 ließ Johann ein Breviarium Trevirense drucken und 1589 einen kurtrierischen Katechismus. Nach langen Jahren wurde 1585 wieder der Heilige Rock ausgestellt, der wie kein anderes Symbol das Bekenntnis zur Tradition der Trierer Kirche und zum katholischen Glauben signalisierte. Dem entspricht allerdings auch, dass Johann sowohl die Juden als auch die Protestanten aus seinem Erzstift Bezeichnet die weltlichen Territorien eines Erzbischofs in seiner Funktion als Landesherr. verwies.nach oben

Zeitgenossen urteilten, es gäbe keine Kirchenprovinz in Deutschland, in der die Reformen des Konzils von Trient so konsequent durchgesetzt worden wären und wo sich die Reformation und die Häresie weniger verbreitet hätten, als im Gebiet der Trierer Kirche. Allerdings wurde Schönenburgs Regierungszeit von Missernten, Unwetter, Teuerungen und Seuchen, namentlich der Pest, durch Kriege und militärische Durchzüge, vor allem aber von der großen Hexenverfolgungswelle der Jahre 1585-1595 überschattet, von Ereignissen, bei denen der kränkelnde und leicht zu beeinflussende Kirchenfürst oft überfordert war. Unter Johann von Schönenburg wurde die kriegszerstörte Abtei St. Maximin wieder aufgebaut. In Prüm wurden das Dormitorium, das Refektorium und die Kirche wiederhergestellt. In seiner Residenz in Wittlich ließ er einen Park mit künstlichen Brunnen anlegen. In Ehrenbreitstein (heute Stadt Koblenz) verstärkte er die Befestigungsanlagen.

Grabdenkmal (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 251KB)
Grabdenkmal für Johann VII. von Schönenburg im Trierer Dom, 2009, Foto: Berthold Werner / CC-BY-SA.

Johann von Schönenburg starb am 1.5.1599 in Koblenz und wurde im nördlichen Seitenschiff des Trierer Domes beigesetzt. Sein Grabmal verweist auf seine Kunstpolitik, die wie seine Kirchenpolitik das Werk seines Vorgängers fortsetzte. Besonders hervorzuheben sind nach der Domkanzel und dem Dreifaltigkeitsaltar, dem Grabaltar des Jakob von Eltz, der 1595 auf dem Hauptmarkt errichtete Petrusbrunnen, ebenfalls ein Werk des Trierer Bildhauers Hans Ruprecht Hoffmann. Über einem breiten, sechsseitigen Trog erhebt sich eine reichgeschmückte Brunnensäule mit Personifikationen der vier weltlichen Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut und Mäßigkeit. Vier hinter ihnen verborgene Affen symbolisieren die Laster der Welt. Mehrere aufeinandergestapelte Säulensegmente tragen Inschriftentafeln und Blumengebinde sowie eine Figur des Stadt- und Bistumspatrons St. Peter. Inschriftenbänder erläutern das Bildprogramm, wonach das Gemeinwesen von den Kardinaltugenden regiert werden soll. Beim Petrusbrunnen handelt es sich um ein an die Besucher des Hauptmarktes adressiertes Erinnerungszeichen kurfürstlicher Stadtherrschaft, das durch die bekrönende Figur des hl. Petrus zugleich ein Bekenntnis zur Gegenreformation darstellt. Der Petrusbrunnen ist ein Pendant zu den Grabmälern der Erzbischöfe; diese verkündeten ihre Botschaft im Dom, jener an einem öffentlichen Platz.

In den 1590er Jahren wurde nicht nur der Grabaltar für Jakob von Eltz errichtet, sondern auch das Grabmal für Johann von Schönenburg. Bereits zehn Jahre vor seinem Tod verhandelte er mit dem Domkapitel über seine Grabstätte; das Grabmal wurde jedoch erst unter seinem Nachfolger Lothar von Metternich 1602 vollendet. Die Gesta Treverorum berichten in seiner Lebensbeschreibung, er habe ein „kostspieliges Denkmal beim Altar des heiligen Sebastian in der Domkirche errichtet, und er stiftete auf demselben Altar eine täglich Messe.“ Zu seinem Ableben schrieb der Chronist, er wurde „in seinem obengenannten Grabmal beigesetzt, das sich durch seine Größe, seinen Marmor, den Alabaster und die kunstvolle Plastik auszeichnet.“

Allerdings sind an dem beim Dombrand 1717 zerstörten und danach recht unglücklich zusammengesetzten Grabmal nur noch wenige Stücke original, so dass der heutige Zustand allenfalls einen Abglanz des ursprünglichen Aussehens überliefert. Über der Mensa Lateinisch (Tisch) , (1) Altar, (2) im Kirchenrecht Vermögensmasse (mensa episcopalis = Bischofsgut). befinden sich ein Relief des Jüngsten Gerichts sowie Alabasterreliefs mit der Grablegung und der Auferstehung. In der Hauptzone sieht man ein Kruzifix mit der hl. Agnes sowie ein Stifterbild des Erzbischofs mit seinem Namenspatron Johannes dem Täufer. Die ursprüngliche Gestalt des Grabmals lässt sich aus der Beschreibung von Brower und Masen und nach einer Zeichnung des 18. Jahrhunderts erschließen. Danach bestand das Monument aus mehreren, von Säulen getragenen Plattformen. Unten war der Erzbischof als liegender Leichnam mit vier Grabwächtern dargestellt, darüber als betender Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. zu sehen. Oben befand sich eine Marienkrönung, umgeben von den vier Kardinaltugenden. Neben dem Schönenburg-Grabmal, das im nördlichen Seitenschiff aufgestellt wurde, stand der dem Evangelisten Johannes geweihte Altar. Wir haben es also hier nicht mit einem Grabaltar, sondern mit einem höchst aufwendigen Grabmal mit zugehörigem Altar zu tun, das ebenfalls ein typologisches, den Stifter und seinen Namenspatron verbindendes Programm darstellt.

Johann von Schönenburg errichtete außerdem den Altar Johannes des Täufers, der als Gegenstück zum Dreifaltigkeitsaltar am südöstlichen Vierungspfeiler aufgestellt wurde. Auch dieses Monument hat Joseph Walter nach dem Dombrand versetzt und neu gestaltet. Es besteht heute ebenfalls aus sechs Etagen: Über der Mensa befinden sich Reliefs mit der Anbetung der Hirten, der Beschneidung und der Verkündigung an Maria; außerdem Konsolfiguren von Samson und Judith. Das Hauptbild zeigt die Taufe Christi und vier Wappenreihen. Darüber erkennt man eine Marienkrönung und die vier weltlichen Kardinaltugenden sowie eine Figur Johannes des Täufers und einen Engel – das Bildprogramm weist also auch hier Bezüge zum Amt und zum Namenspatron des Stifters auf. Auch hier werden der Gedanke der Kirchenreform sowie der Auferstehung der Toten und des Jüngsten Gerichts thematisiert. Die Grabaltäre des Jakob von Eltz und des Johann von Schönenburg demonstrieren in ihrem Anspruch, ihrem Aufwand und in ihrer manieristischen Formensprache das neue Selbst- und Sendungsbewußtsein der Erzbischöfe im Zeitalter der erfolgreichen katholischen Reform.

 

Quellen

Zenz, Emil (Hg.), Die Taten der Trierer - Gesta Treverorum, Band 7, Trier 1964, S. 8-16.


Literatur

Fleck, Andrea/Schmid, Wolfgang, Die Rechnung über die Herstellung des Petrusbrunnens auf dem Trierer Hauptmarkt (1594/95). Edition und Kommentar, in: Kurtrierisches Jahrbuch 36 (1996), S. 123-154.

Seibrich, Wolfgang, Johann von Schönenburg, in: Gatz, Erwin, Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1448-1648. Ein biographisches Lexikon, Berlin 1996, S. 647-649.

Heinz, Stefan/Rothbrust, Barbara/ Schmid, Wolfgang, Die Grabdenkmäler der Erzbischöfe von Trier, Köln und Mainz, Trier 2004, S. 57-61,177-180.

Persch, Martin, Johann von Schönenburg, in: Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon 3 (1992), Sp. 175-178.

Schmid, Wolfgang, Die Erzbischöfe im 16. Jahrhundert, in: Schneider, Bernhard (Hg.): Kirchenreform und Konfessionsstaat. 1500-1801 (Geschichte des Bistums Trier Band 3) Trier 2010, S. 55-76, hier S. 73-76.

Schmid, Wolfgang, Grabdenkmäler und Kunstpolitik der Erzbischöfe von Trier und Köln im Zeitalter der Gegenreformation, in: Sancta Treveris. Beiträge zu Kirchenbau und bildender Kunst im alten Erzbistum Trier. Festschrift für Franz J. Ronig zum 70. Geburtstag, Trier 1999, S. 515-552.

Schneider, Bernhard (Hg.), Kirchenreform und Konfessionsstaat. 1500-1801 (Geschichte des Bistums Trier Band 3), Trier 2010, S. 55-76.


Online

Endrulat, Bernhard Ferdinand Julius, Johann VII., in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 427-428.

20.8.2015

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Wolfgang  Schmid (Winningen)