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Heinrich Körner (1892-1945), katholischer Gewerkschafter und Widerstandskämpfer

Heinrich Körner gehörte als Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische Diktatur neben Persönlichkeiten wie Nikolaus Groß oder Bernhard Letterhaus zum Kern des Kölner Kreises; er nahm somit eine Schlüsselrolle für die Widerstandsaktivitäten im Rheinland ein. Der gelernte Werkzeugmacher war in der katholischen Arbeiterschaft verwurzelt und stieg in den 1920er Jahren zum Geschäftsführer des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften auf.

Heinrich Körner wurde am 30.4.1892 in Essen als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren. Der Vater war Arbeiter bei Krupp. Heinrich war das älteste von insgesamt vier Kindern. Über seine Kindheit ist wenig bekannt. Im Alter von 13 Jahren wurde Körner durch den frühen Tod seiner Eltern zur Vollwaise und sollte ursprünglich, wohl auf Wunsch seiner Großmutter, nach dem Abbruch der Schule als Laufbursche arbeiten. Dennoch konnte Heinrich Körner mit Unterstützung eines Onkels väterlicherseits die Schule abschließen und trat im Anschluss eine Werkzeugmacherlehre bei Krupp an.

Bereits in seiner frühen Jugend war Heinrich Körner im katholischen Arbeitermilieu Essens beheimatet. So nahm er regelmäßig verschiedene Bildungsangebote des Essener Kolpinghauses, des Volksvereins für das katholische Deutschland oder des Windhorstbundes, dem Jugendverband der Zentrumspartei, in Anspruch. Darüber hinaus schloss er sich dem katholischen Gesellenverein an und wurde Mitglied in der Jugendgruppe des christlichen Metallarbeiterverbandes. Im Jahr 1911 trat er schließlich in die Christlichen Gewerkschaften ein. Unmittelbar nach seiner Gesellenprüfung ging Körner nach Düsseldorf, Frankfurt und Bonn, wo er sich in den Arbeiterorganisationen rasch einen Namen machte und bereits mit 18 Jahren als Versammlungsredner auftrat.

Ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete er sich von Bonn aus freiwillig zur Marine und wurde bei dem Seebataillon von Tsingtau stationiert. Infolge der Belagerung der chinesischen Hafenstadt durch britisch-japanische Verbände und die Kapitulation des Bataillons geriet er bereits im November 1914 in japanische Kriegsgefangenschaft und verbrachte sechs Jahre in Internierungslagern. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1920 arbeitete er zunächst etwa zwei bis drei Jahre in seinem erlernten Beruf bei Krupp in Essen. Gleichzeitig nahm er sein gewerkschaftliches Engagement wieder auf und es gelang ihm innerhalb kurzer Zeit ein beachtlicher Aufstieg. So wurde er 1922 Kartellsekretär der Christlichen Gewerkschaften in Bonn, wohin er im folgenden Jahr umzog. In dieser Funktion beteiligte sich Körner an der Organisation des passiven Widerstandes gegen die 1923 erfolgte RuhrbesetzungUm Reparationsforderungen Nachdruck zu verleihen, besetzten französische und belgische Truppen 1923 das rheinisch-westfälische Industriegebiet und kontrollierten somit die dortige Kohle- und Koksproduktion ("produktives Pfand"). Die deutsche Regierung rief zum "passiven Widerstand" auf, zu deren Finanzierung der Staat Geld druckte. Die damit einsetzende Inflation zwang zum Abbruch des Widerstandes. Nach der Neuregelung der Reparationszahlungen durch den Dawes-Plan 1924 endete die Besetzung 1925.. Als er mit der Durchführung einer Gewerkschaftsversammlung einem Verbot der französischen Besatzer zuwider handelte, wurde er zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt.

Nach seiner Haftentlassung heiratete Heinrich Körner 1924 in Bonn Maria Therese Dierichsweiler. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor.

Die Gewerkschaftstätigkeit führte Heinrich Körner alsbald nach Köln, wo er 1926 den Posten des Geschäftsführers des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften übernahm. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit bildete dort die Konzeption eines den Grundlagen der jungen Weimarer Republik Bezeichnung des präsidialen und parlamentarischen Regierungssystems in Deutschland zwischen 1919 und 1933. Gebräuchliche Bezeichnung der gesamten Epoche deutscher Geschichte zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Benannt nach dem Tagungsort der verfassungsgebenden Nationalversammlung in Weimar. entsprechenden, demokratisch geprägten Bildungsangebotes für die Arbeiterschaft. Daneben entwickelte er zahlreiche weitere Aktivitäten. Er saß für die Zentrumspartei als Abgeordneter im ProvinziallandtagDie Errichtung von Provinzialständen in Preußen wurde 1823 angeordnet. Der Errichtung dieser neuen "Stände" lag ein neuer Ständebegriff zugrunde, wonach sich die Stände durch Grundbesitz qualifizierten und waren nach dem Grundeigentum abgestufte Besitzklassen waren. Jeder Stand hatte eigene Vertreter zu wählen, für die aber im Sinne repräsentativer Körperschaften Weisungsfreiheit und Allgemeinverantwortung gefordert wurden. Das monarchische Prinzip und die Souveränität des Monarchen blieben unangetastet, womit die Bürokratie ihre überragende Bedeutung behielt und deren Beamte weiterhin den eigentlich staatstragenden "Stand" bildeten. Die Kompetenzen der Landtage beschränkten sich auf das Petitionsrecht, auf reine Beratungsfunktionen und die Übernahme weniger Verwaltungsaufgaben. Dem Gesetz  folgten acht Gesetze für die Errichtung von Landtagen in den einzelnen Provinzen, das für den Rheinischen Provinziallandtag erschien am 27.3.1824, zu seiner ersten Sitzung trat der Rheinische Provinziallandtag aber erst am 29.10.1826 zusammen. der Rheinprovinz und übernahm die ehrenamtliche Funktion des Reichsarbeitsrichters. Diese Tätigkeit führte ihn regelmäßig in das juristische Seminar der Universität Bonn. Darüber hinaus war er Aufsichtsratsvorsitzender der Konsumgenossenschaften.

Seine Aufgaben als Gewerkschaftsgeschäftsführer in Köln brachten Körner ab 1926 unter anderem in engen Kontakt zu Adam Stegerwald (1874-1945), dem Generalsekretär der Gewerkschaft und früheren preußischen Ministerpräsidenten (Amtszeit April bis November 1921) sowie späteren Reichsverkehrs- und Reichsarbeitsminister (Amtszeit 1929/1930 beziehungsweise 1930-1932). Außerdem knüpfte er in den folgenden Jahren Verbindungen zu zahlreichen späteren Weggefährten im Widerstand gegen die NS-Diktatur. Hervorzuheben sind hier insbesondere Bernhard Letterhaus und Jakob Kaiser (1888-1961), der Landesgeschäftsführer der Christlichen Gewerkschaften für Rheinland und Westfalen war. Mit ihm verband Körner eine intensive Zusammenarbeit, sowohl in der Gewerkschaft als auch nach 1933 im Widerstand. Kaiser bezeichnete ihn später als „[s]einen unvergesslichen Mitarbeiter durch zwei Jahrzehnte“ (Annedore Leber).

Das Hauptmotiv Körners, sich aktiv am Widerstand gegen das Hitlerregime zu beteiligen, ist in seiner stets kompromisslosen Ablehnung des Nationalsozialismus auf der Grundlage katholischer Glaubensgrundsätze und (gewerkschafts-)politischer Überzeugungen zu sehen.

Noch vor der formellen Auflösung der Christlichen Gewerkschaften am 24.6.1933 im Zuge der Gewerkschaftszerschlagung durch die Nationalsozialisten wurde Heinrich Körner im Mai 1933 das erste Mal vom NS-Regime in Haft genommen. Diese erste Gefangennahme während des „Dritten Reiches“ dauerte allerdings nur etwa eine Woche. Nach dem erzwungenen Ende seiner Gewerkschaftstätigkeit arbeitete Körner ab 1934 als Handelsvertreter. Dieser Beruf ermöglichte es ihm, auf unverdächtige Weise die Netzwerke zu ehemaligen Kollegen aufrechtzuerhalten und neue Kontakte zu Gesinnungsgenossen in ganz Deutschland aufzubauen. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Vertreter versuchte Körner, den Lebensunterhalt seiner Familie durch einen großen Garten in Bonn-Duisdorf zu sichern.

Das Bonner Haus Körners diente mehrmals als Treffpunkt Oppositioneller aus verschiedenen Bereichen des Widerstands. Hierzu zählte unter anderen der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister und Kopf des zivilen Berliner Widerstandskreises, Carl Friedrich Goerdeler (1884-1945), zu dem Körner über Kaiser in Kontakt kam. Über ein weites Netz persönlicher Kontakte standen Körner und der Kölner Kreis Unter der NS-Diktatur aus der katholischen Arbeiterbewegung gebildetes Widerstandsnetzwerk rheinischer und westfälischer Katholiken, dessen Zentrale sich im Kölner Kettler-Haus, der Verbandszentrale des Westdeutschen Arbeiterverbandes, befand. Bedeutende Mitglieder waren unter anderem Otto Müller (1870-1944), Nikolaus Groß (1848-1945) und Bernhard Letterhaus (1894-1944). Ziel der auch mit anderen Widerstandszirkeln zusammen arbeitenden Gruppe war eine demokratische Neuordnung nach dem Ende des Nationalsozialismus. Nach dem missglückten Attentat vom 20.7.1944 geriet auch der Kölner Kreis ins Blickfeld der NS-Justiz. Zahlreiche Mitglieder wurden ermordet oder in den Konzentrationslagern interniert. mit anderen Widerstandskreisen und auch dem militärischen Widerstand in Verbindung. Im Rheinland suchte man dabei die Unterstützung bekannter Persönlichkeiten. Bereits 1936 hatte Körner zusammen mit Jakob Kaiser den erfolglosen Versuch unternommen, den abgesetzten Kölner Oberbürgermeister und Regimegegner Konrad Adenauer als aktiven Widerstandskämpfer zu gewinnen. Anfang der 1940er Jahre zogen Körner und Nikolaus Groß den Walberberger Dominikanerprovinzial Laurentius Siemer für die Erarbeitung der gesellschaftspolitischen Zukunftskonzepte des Kölner Kreises als Berater hinzu.

Nach mehreren Verhaftungen durch die Gestapo, unter anderem Anfang September 1944 nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli, und anschließenden Freilassungen wurde Heinrich Körner am 25.11.1944 zum letzten Mal verhaftet und nach Berlin gebracht. Nach einem Aufenthalt im Konzentrationslager Ursprünglich als „Schutzhaftlager“ verwendet, wurden die vom NS-Regime während des "Dritten Reiches" errichteten Lager zur Internierung missliebiger Personen (zum Beispiel Juden, Zigeuner, demokratische und kommunistische Politiker, Geistliche, NS-Widerstandskämpfer, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Behinderte und sogenannte Asoziale) genutzt. Als wichtiges Instrumente des Staatsterrors wurden bis Kriegsbeginn sieben KZ errichtet, bis 1945 22 Hauptlager mit zahlreichen Außenlagern und Außenkommandos. Neben der Nutzung als Arbeitslager dienten einige der KZ ab 1941 als Vernichtungslager. Ravensbrück wurde er noch am 5.4.1945 vom Volkgerichtshof wegen Mitwisserschaft über das Hitler-Attentat zu einer vier- oder fünfjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Aus dem Zuchthaus Plötzensee in Berlin, in dem Körner die Strafe verbüßen sollte, wurde er am 25. April von einmarschierenden russischen Soldaten befreit. Unmittelbar nach seiner Befreiung fand er jedoch in den Kämpfen um Berlin unter ungeklärten Umständen den Tod. Vermutlich wurde er von SS-Einheiten erschossen.

In Bonn-Kessenich erinnert heute eine Straße an den Widerstandskämpfer Heinrich Körner.


Quellen

Buchstab, Günter/Kaff, Brigitte/Kleinmann, Hans-Otto (Hg.), Verfolgung und Widerstand 1933-1945. Christliche Demokraten gegen Hitler, Düsseldorf 1986.


Literatur

Leber, Annedore (Hg.), Das Gewissen entscheidet. Bereiche des deutschen Widerstandes von 1933-1945 in Lebensbildern, Berlin 1957.

Moll, Helmut, Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen… Märtyrer des Erzbistums Köln aus der Zeit des Nationalsozialismus, 5. durchgesehene Auflage, Köln 2006.

Niesen, Josef, Bonner Personenlexikon, Bonn 2007, S. 173-174.

Steinbach, Peter/Tuchel, Johannes (Hg.), Lexikon des Widerstandes 1933-1945, 2. Auflage München 1998, S. 110-111.


Online

Bücker, Vera, Mitglieder des Kölner Kreises - Heinrich Körner (Information auf der Website echtnahdran – Historisch-wissenschaftliche Dienste und Studientouren im Ruhrgebiet).

Heinrich Körner (Kurzbiographie auf der Homepage der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand).

 

11.11.2013

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Christoph Kaltscheuer (Bonn) 
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 Heinrich Körner (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 107KB)

Heinrich Körner, Porträtfoto. (Gedenkstätte Deutscher Widerstand)