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Hans Loch (1898–1960), Finanzminister der DDR

Der aus Köln stammende Jurist Dr. Hans Loch machte nach 1945 in der DDR Karriere, als Finanzminister und Vorsitzender der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands.

Hans Loch wurde am 2.11.1898 als Sohn des Johann Peter Loch, eines gelernten Schlossers und späteren Betriebsleiters, und seiner Ehefrau Margarethe Kraft in Köln geboren. Die Familie war katholisch. Nach Besuch der Volksschule und des Gymnasiums, das Loch 1916 mit dem Abitur abschloss, absolvierte er in den Jahren 1917/1918 seinen Militärdienst. Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er ab 1918 Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn und Köln. In Köln promovierte er 1923. Spätestens an diesem Punkt setzt das Problem der Biographie von Hans Loch ein: Die bislang ermittelten Angaben zu seinem Wirken während der Weimarer Republik Bezeichnung des präsidialen und parlamentarischen Regierungssystems in Deutschland zwischen 1919 und 1933. Gebräuchliche Bezeichnung der gesamten Epoche deutscher Geschichte zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Benannt nach dem Tagungsort der verfassungsgebenden Nationalversammlung in Weimar. und des „Dritten Reiches“ sind auffallend farblos und vage. Das ändert sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Bekannt ist, dass er in jenen Jahren die acht Jahre ältere Martha Behrndt (1890–1958) heiratete.

Während des Studiums trat der 23-jährige Hans Loch der eher linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bei, die er jedoch 1924 während seiner Referendarzeit, die er in Koblenz und Köln verbrachte, wieder verließ. Er "war stets nur ein Mitglied unter vielen anderen", so sein späterer politischer Weggefährte Rudolf Agsten (1926-2008). 1926 wechselte Hans Loch nach Berlin und arbeitete dort als Verbands- und Steuersyndikus. Mit Beginn des „Dritten Reiches“ verlor er seine Stellung, vor allem, wie Herbert Hömig ermittelte, wegen seiner Verbindung mit einem jüdischen Geschäftspartner.

Anschließend ging Loch zeitweise in die Niederlande, teils soll dies 1934 gewesen sein, was plausibel erscheint, teils erst 1936. Er kehrte nach Deutschland zurück, nach einigen Quellen 1936, nach anderen 1938. Er habe 1938 in Köln mit einer Unternehmensgründung sein Glück versucht. Das hielt nicht lange an, denn schon ein Jahr später musste er den Betrieb einstellen. Loch heuerte wieder als Steuersyndikus an, arbeitete in verschiedenen Anstellungen, bis er 1939 als Soldat zur Wehrmacht einberufen wurde, der er bis zum Kriegsende angehörte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug es Hans Loch nach Gotha. Nach einigen Wochen Landarbeit begann er bei der Justizverwaltung des Landes Thüringen. 1945 wurde er Mitbegründer der Liberal-Demokratischen Partei im Kreis Gotha, von wo aus sein kometenhafter Aufstieg in der Sowjetischen Besatzungszone beziehungsweise der DDR erfolgte - und das, obwohl er "eher den Verstand, weniger das Gefühl" ansprach, wie es in der DDR über ihn hieß. Bei den Kommunalwahlen im September 1946 überflügelte die LDPD in Gotha mit 38 Prozent der Wählerstimmen bei weitem die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands Abkürzung SED, bis zur Wende 1989 die Staatspartei der DDR. Der verfassungsrechtliche Führungsanspruch der SED in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft wurde im Dezember 1989 von der Volkskammer der DDR aufgehoben; auf einem außerordentlichen Parteitag ebenfalls noch im Dezember 1989 wurden die höchsten Organe der Partei, das Politbüro und das Zentralkomitee abgeschafft, ein provisorisches neues Parteistatut verabschiedet und die Partei in "Partei des demokratischen Sozialismus/SED" und später in PDS umbenannt. Daraus ging die Linkspartei PDS hervor und 2007 die Partei Die Linke. (SED Siehe Sozialistische Einheitspartei Deutschlands ). Einen Monat später wählte das Kommunalparlament Hans Loch zum Oberbürgermeister von Gotha; das Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. hatte er zwei Jahre lang inne. Innerparteilich wurde Loch im Oktober 1947 Vorsitzender des Ausschusses Gemeindepolitik beim Zentralvorstand der LDPD. Die deutsch-sowjetische Freundschaft kam bei ihm nicht zu kurz: 1947 war er Mitbegründer der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF).

Hans Loch ging nach Weimar, wo er im Juni 1948 Dr. Helmut R. Külz (1903–1985) als Thüringischen Justizminister ablöste. Zwei Monate später, im August 1948, nominierte ihn seine Partei zum stellvertretenden, ab Februar 1949 zum Vorsitzenden der LDPD in Thüringen. Dabei hatte er dem Landesvorstand gerade einmal erst seit Juli 1948 angehört. Er folgte darin Leonhard Moog (1882–1962), der nach Spionagevorwürfen und einer drohenden Verhaftung nach West-Berlin (später München) floh. Hans Loch entsprach mithin den Vorstellungen der sowjetischen Besatzungsmacht, was ihn auch für die Funktion als Vorsitzenden der LDPD empfahl. Deren bisherige Doppelspitze – Arthur Lieutenant (1884–1968) und Hermann Kastner (1886–1957) – demissionierte auf sowjetischen Druck. Statt ihrer wurde im Juli 1951 das Tandem Karl Hamann (1903–1973) und Hans Loch zu gemeinsamen Vorsitzenden der Partei bestimmt. Nachdem auch Hamann auf sowjetischen Druck ausgeschaltet worden war – er galt als „bewusster Schädling“ und wurde verhaftet – hatte Hans Loch seit dem 12.12.1952 den Parteivorsitz allein inne, und zwar bis zu seinem Tod. Mit Loch als Vorsitzendem war die Gleichschaltung der LDPD in der DDR abgeschlossen.nach oben

Hans Loch hatte sich zuvor bereits anderweitig profiliert. Bis Februar 1950 blieb er Justizminister in Thüringen. Gleichzeitig war er Mitglied der – innerhalb der LDPD zunächst kritisch angesehenen –  Deutschen Wirtschaftskommission, Mitverfasser der späteren DDR-Verfassung, ab Oktober 1949 für die LDPD Mitglied der provisorischen und ab 1950 der Volkskammer der DDR. Am 12.10.1949 wurde er zum ersten Finanzminister der DDR berufen, was er bis zum 27.11.1955 mit einer geringfügigen Unterbrechung blieb. Außerdem fungierte er als einer der stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates der DDR. Ab Februar 1950 gehörte er dem Nationalrat der Nationalen Front, ab August seinem Präsidium an, in das er abermals 1954 gewählt wurde. Damit gehörte Hans Loch zum engeren Kreis der DDR-Elite, was sich auch darin ausdrückte, dass er nunmehr im Majakowskiring 60 wohnte, im so genannten „Städtchen“ in Berlin-Pankow, wie das Prominentenviertel in jenen Jahren genannt wurde.
Ob er wirklich freiwillig sein Ministeramt niederlegte? Das erscheint nicht sicher, zumindest sollte er dann die „Bearbeitung der Fragen Gesamtdeutschlands“ übernehmen, was plausibel klingt, denn ab Januar 1954 war er Vorsitzender des Ausschusses für Deutsche Einheit beim Ministerrat. Sein Engagement belohnte der SED Siehe Sozialistische Einheitspartei Deutschlands -Staat 1954, als er mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold, und 1960, als er das Banner der Arbeit in Empfang nehmen durfte. An Auszeichnungen kamen noch die Ehrennadel der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, Stufe I, und 1956 die Ernst-Moritz-Medaille hinzu.
Diese Ehrungen erhielt der als „gütig und feinfühlig“ geltende, aber mit rauher Schale versehene  Hans Loch zu recht, wie die Kernaussage seiner letzten großen Rede auf dem 7. Parteitag der LDPD im Juli 1957 belegt: „Die großen Perspektiven der Deutschen Demokratischen Republik als untrennbarer Bestandteil des sozialistischen Lagers hat, erfüllen uns mit stolzer Zuversicht.“

In diesen Jahren reiste er mehrfach durch die Sowjetunion, über die er schwärmerisch und ergeben schrieb. Als er im Spätsommer 1957 durch Jugoslawien reiste, erstattete er dem SED Siehe Sozialistische Einheitspartei Deutschlands -Politbüro Abkürzung für Politisches Büro der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und anderer kommunistischer Länder; erstmals Mai 1917 gebildet, in der Folge jeweils vom Zentralkomitee der Partei gewählt, in der Sowjetunion 1952 umbenannt in Präsidium. In der DDR das höchste Gremium der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Bericht. Er verstarb am 13.7.1960 in Berlin im Alter von nur 61 Jahren; der Ministerrat der DDR kondolierte. Seine Grabstätte, die sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte befindet, und die er sich mit seiner am 14.12.1958 verstorbenen Ehefrau teilt, wird gepflegt. Und anlässlich seines 80. Geburtstags widmete ihm die Deutsche Post der DDR eine Briefmarke. Nach ihm sind noch heute vereinzelt Straßen benannt.

Schriften

Liberalismus heute, Weimar 1949.

Die LDP und ihre politische Lage, Weimar 1949.

Die Nationale Front, Weimar 1949.

Die Nationale Front, Völkerrecht und Frieden, Weimar 1950.

Ein Bürger sieht die SowjetunionKurzbezeichnung für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), gegründet 1922  nach dem Ende des russischen Reiches (1917). Bis zu  ihrer Auflösung 1991 war sie das politische Zentrum des Ostblocks und des real existierenden Sozialismus. Sie umfasste in etwa das Gebiet der heutigen Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS), dazu Estland, Lettland und Litauen. Völkerrechtlicher Nachfolgestaat ist die Russische Föderation (Russland )., Leipzig 1953.

Entscheidende Tage. Mit Abbildungen und Bildnis des Verfassers, Berlin 1953.

Mit Bleistift und Kamera durch den russischen Alltag, Berlin 1954.

Angehörige des Mittelstandes – der Kampf gegen die Pariser Verträge verstärkt fortsetzen! Berlin 1955.

Auferstehung einzigartiger Kunst durch edle Freundestat, Berlin 1955.

Auf seltsamen Pfaden. Streifzüge durch Russland von gestern und heute, Berlin 1955.

In eine neue Epoche. Ein Buch für den Mittelstand, Berlin 1958.

Von der Elbe bis zum Gelben Meer, Berlin 1958.

Wir sind dabei gewesen, Berlin 1959.

Aus Reden und Aufsätzen, Berlin 1985.

Archiv
In der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv befindet sich die Personalakte von Hans Loch unter der Signatur DC 20/7879.

Literatur

Hoyer, Lutz, Revolution, Kleinbürgertum, Ideologie. Zur Ideologiegeschichte der LDPD in den Jahren 1945–1952, Berlin 1978.

Müller-Enbergs, Helmut, Hans Loch, in: Müller-Enbergs, Helmut/Wielgohs, Jan/Dieter Hoffmann [u. a.] (Hg.), Wer war wer in der DDR. Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, 5. Ausgabe, Band 1, Berlin 2010, S. 624-625.

Sekretariat des Zentralvorstandes der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (Hg.), Hans Loch. Beiträge zu seiner politischen Biographie. 1945–1960, Berlin 1974.

Sommer, Ulf, Die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands. Eine Blockpartei unter Führung der SED Siehe Sozialistische Einheitspartei Deutschlands , Münster 1996.

Online
Hömig, Herbert, „Loch, Hans“, in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 742-743. [Onlinefassung].

20.5.2014

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Helmut  Müller-Enbergs (Berlin) 
 

       
 

       
 
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Hans Loch, 1951, Bundesarchiv, Bild 183-09979-0003 / Horst Sturm / CC-BY-SA.