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Michael Leveilly (um 1700-1762), kurfürstlicher Hofarchitekt

Michael Leveilly kam gegen Ende der Regierungszeit des Kölner Kurfürsten Joseph Clemens als „Dessinateur" (Architektur- und Ausstattungszeichner) nach Bonn. Unter dem nachfolgenden Kurfürsten Clemens August stieg er zum Hofarchitekt auf.

Michael Leveilly, vermutlich um 1700 in Paris geboren, war angeblich Schüler der Pariser Architekten Jean-François Blondel (1683-1756) oder Robert de Cotte (1656-1735). Leveilly gehörte 1717 zu einer Gruppe französischer Künstler und Kunsthandwerker, darunter der Baumeister Guillaume Hauberat (gestorben um 1749), die Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. Joseph Clemens nach der Rückkehr 1715 aus seinem durch den Spanischen Erbfolgekrieg bedingten Exil berufen hatte, um die von Robert de Cotte entworfenen Pläne für die Schlösser in Bonn und Poppelsdorf zu verwirklichen. Hierbei kam Hauberat die Rolle des Vermittlers zwischen de Cotte in Paris und dem Baugeschehen in Bonn zu.

Nach dem Tode Joseph Clemens' 1723 wurde diese Künstlergruppe unter Clemens August größtenteils entlassen. Der Hofbauintendant Hauberat und Leveilly in noch nachgeordneter Stellung als Dessinateur blieben in Bonn. Spätestens seit 1722 war Leveilly hier ansässig: Am 10.2.1722 heiratete er in St. Remigius die Bonnerin Anna Maria Seron (1700-1741). Der Ehe entsprangen neun Söhne und sechs Töchter. Einer der Trauzeugen war Hauberat, der unter Clemens August an Einfluss verlor und an den kurpfälzischen Hof nach Mannheim wechselte. In zweiter Ehe nahm Leveilly am 5.12.1743 in der Bonner Pfarrkirche St. Gangolf Agnes Gladbach zur Frau.

Bei der Taufe seines ersten Sohnes 1722 bezeichnet das Taufregister Leveilly noch als „designateur". 1728 ist er als Intendant der kurfürstlichen Gärten und als „unterbawmeister" bezeugt; den Titel „erster Baumeister" hatte auf Lebenszeit der für Clemens August ebenfalls tätige bayerische Hofbaumeister François de Cuvilliés (1695-1768) mit entsprechender Dotierung inne. 1733 nennt Leveilly sich „supremus architector Serenissimi".

Da Cuvilliés, der mit Leveilly vermutlich schon seit Pariser Studientagen befreundet war, wegen seiner Verpflichtungen in Kurbayern nur selten in Kurköln anwesend sein konnte, führte Leveilly hier dessen Pläne aus, schuf aber auch eigene Entwürfe, insbesondere für Stuckdecken. Als Hofarchitekt hatte er die Oberaufsicht über das kurfürstliche Baugeschehen in Kurköln. Über seinen Bruder in Paris hielt Leveilly Kontakt mit den führenden Künstlern Frankreichs, so dass der Einfluss von der Seine an den Rhein in den Jahren seines Wirkens lebendig blieb.

Zeitweise wohnte Leveilly in Brühl, wo er die Bauarbeiten der Clemens-August-Schlösser Augustusburg und Falkenlust leitete. In Falkenlust verwirklichte er die Pläne François de Cuvilliés' und ergänzte sie durch eigene Entwürfe für die Innenausstattung. Beim Bau des berühmten Treppenhauses in Schloss Augustusburg wirkte Leveilly mit dem fürstbischöflich-würzburgischen Architekten Balthasar Neumann zusammen. Auf dessen Idee geht zwar die Konzeption dieser grandiosen Anlage zurück, aber Neumann schätzte die Kompetenz des örtlichen Baumeisters für die Ausführung hoch ein und versicherte, er habe das, was er mache, mit Communication dero baumeistern Monsieur Cevillier gethan, damit keinen vertruß andern mache.nach obenNeben seiner Verpflichtung als Hofarchitekt war Leveilly für die Stadt Bonn und für private Bauherren tätig. Hatte er bei den Clemens-August-Schlössern in Brühl im Wesentlichen die Ideen anderer Baumeister in der vom Kurfürsten bevorzugten süddeutsch-italienisch-wienerischen Architektursprache zu realisieren, so konnte er bei zwei anderen für ihn bezeugten Bauwerken seinem französischen Formverständnis Ausdruck geben: am Bonner Rathaus und beim Schloss Arff.

Zum Rathaus am Bonner Markt legte Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. Clemens August 1737 den Grundstein. Schon 1738 fand die erste Ratssitzung statt, und vom 17.4.1739 datiert die Honorarabrechnung für Leveilly: Herrn churf. bawmeister Levalge vor die gehabte muhwaltung der direction bey hiesigem newen rathsbaw pro honorario zalt laud anschaffung 44 carolinen 266 rth (Reichstaler) 74 alb (Albus) 8 he (heller). Von Leveillys Hand ist der Aufrissentwurf der Hauptfassade erhalten; dieser bezeugt durch seine minuziöse sorgfältige Ausführung die glänzende Begabung des Baumeisters als Zeichner. Die Wirkung des Putzbaus mit Pilastergliederung ist auf den Tiefenraum des Markplatzes berechnet, auf den Blick aus größerer Distanz.

Leveilly gestaltete ein nach französischer Baugewohnheit durch Nuten und Quaderung belebtes Untergeschoss mit einer zweiläufigen Freitreppe. Kolossalpilaster kompositer Ordnung als Architekturvokabeln für Würde und Hoheit fassen Haupt- und Obergeschoss an der Markt- und an der Südwestfassade zusammen. Leveilly übernahm die Fassadengliederung von der Westfassade des Schlosses Augustusburg in Brühl, der Lieblingsresidenz des Kurfürsten Clemens August, und machte damit die Bindung der Residenzstadt an den Landesherrn anschaulich, der den Rathausbau genehmigt und den Grundstein gelegt hatte.

Eines der nobelsten rheinischen Landschlösser des 18. Jahrhunderts, Schloss Arff (Köln-Roggendorf / Thenhoven), errichtete Leveilly zwischen 1750 und 1755 im Gebäudetyp einer französischen Maison de plaisance Französisch (Landhaus, Lustschloss),  Schlösschen für das private Vergnügen seines Besitzers, abseits von Zeremoniell und offiziellen Pflichten. für die Kölner Kanoniker Christian August (1700-1753) und Peter Joseph von Buschmann (1704-1766). Genutete Ecklisenen deuten am Außenbau auch hier auf Leveillys französische Gestaltungsvorliebe – vom Grundrisstypus abgesehen. Nächstverwandt mit Schloss Arff ist die Burg Graurheindorf (Bonn-Graurheindorf), die – wie Haus Horr (Grevenbroich-Neukirchen) und das Koblenzer Tor in Bonn – Leveilly zugeschrieben wird. Für Leveilly gesichert ist die Ausführung der Muschelkapelle beim Schloss Falkenlust in Brühl (1740).

In Köln errichtete er an der Südseite des Domes von 1740 an das Priesterseminar (1864 abgebrochen) und im Dom selber 1748-1751 ein Holzgewölbe (1842 beseitigt). Außerhalb des Rheinlands baute Leveilly in Kassel 1750 für den späteren Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel (1682-1760) eine Gemäldegalerie nach Cuvilliés' Entwurf auf dessen Empfehlung.

Michael Leveilly starb am 23.1.1761 in Bonn. Den „Architectus aulicus" (Hofarchitekt) – so die Eintragung im Sterbebuch von St. Remigius – stellt ein François Rousseau zugeschriebenes Halbfigurenporträt (um 1750) im Bonner Rathaus dar. Lebensgroß schaut Leveilly ferner hinter einem Architekturpfeiler auf einem der beiden Ganzfigurenporträts der Bauherren Buschmann von Franz Xaver Schweitzer (gestorben 1773) um 1755 in Schloss Arff hervor, womit der Hofarchitekt seine Urheberschaft an diesem Bauwerk demonstriert, das im Hintergrund in ursprünglicher Farbgestaltung zu sehen ist.

 

Literatur

Hansmann, Wilfried, Schloss Augustusburg in Brühl. Fotografien von Florian Monheim, Worms 2002.

Hansmann, Wilfried, Schloss Falkenlust in Brühl. Fotografien von Florian Monheim, Worms 2002.

Hansmann, Wilfried / Knopp, Gisbert, Bildende Kunst zur Zeit der Kurfürsten Joseph Clemens und Clemens August, in: Internationale Künstler in Bonn 1700-1860, Bonn 1984, S. 26-28.

 

Online

Hansmann, Wilfried, "Leveilly, Michael", in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 389.

Schlösser Brühl - Welterbestätte (Website der Schlösser Augustusburg und Falkenlust).

 

12.3.2013

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Wilfried Hansmann (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Michael Leveilly (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 226KB)

Michael Leveilly, Gemälde von François Rousseau, um 1750. (StadtMuseum Bonn)