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Modesta von Oeren (gestorben vor 697/698), Äbtissin

Modesta war die erste bekannte Äbtissin des Trierer Klosters Oeren. Ihr Gedenktag ist im Bistum Trier der 6. November.

Obwohl Modestas Eltern unbekannt sind, deuten ihre Ausbildung und ihre Beziehungen zu bedeutenden Mitgliedern der Arnulfinger Als Arnulfinger werden die Nachkommen Bischof Arnulfs von Metz (582-641) bezeichnet, die gleichzeitig Vorfahren der Karolinger (bis auf Karl Martell) waren. Metz war seit dem 8. Jahrhundert Zentrum der Verehrung des heiligen Arnulf, der zum "Spitzenahn" der Karolinger wurde, nachdem sie die Königsherrschaft erlangt hatten. und Pippiniden Wie Arnulfinger Bezeichnung für die frühesten bekannten Karolinger, Spitzenahn ist der austrasische Hausmeier Pippin der Ältere (gestorben 640). darauf hin, dass Modesta selbst dem austrasischen Adel entstammte. Wie die Virtutes sanctae Geretrudis berichten, war sie von Jugend an mit der heiligen Gertrud von Nivelles (626-659) befreundet und unterhielt enge Kontakte zu Bischof Chlodulf von Metz (Episkopat 657-697).

Die neuere Forschung geht davon aus, dass Modesta als junge Frau dem um 620 gegründeten irofränkisch geprägten KonventLateinisch (Zusammenkunft), Bezeichnung (1) für eine klösterliche Gemeinschaft, (2) für die Volksvertretung während der Französischen Revolution vom 21.9.1792 bis 26.10.1795, (3) für die Beratungsgremien in einer studentischen Verbindung (zum Beispiel Burschenkonvent, Altherrenkonvent). von Remiremont in den Vogesen angehörte und hier ihre Ausbildung erhielt. Der Liber memorialis von Remiremont verzeichnet um die Mitte des 7. Jahrhunderts eine Nonne mit Namen Modesta. Aufgrund ihrer engen Freundschaft zu Gertrud von Nivelles wäre es auch möglich, dass sie zeitweilig in Nivelles lebte.

Spätestens seit 659 stand Modesta als Äbtissin dem um 650 von dem Trierer Bischof Numerian gegründeten Benediktinerinnenklosters Oeren vor. Den Gesta Treverorum zufolge war sie die Gründungsäbtissin des ausschließlich Angehörigen des fränkischen Adels vorbehaltenen Frauenklosters, das in unmittelbarer Nachbarschaft großer römischer Getreidespeicher (horrea) erbaut und der Maria geweiht worden war.

Das genaue Todesdatum Modestas und ihre letzte Ruhestätte sind nicht überliefert. Ihr vermeintliches Grab wurde im Kloster Oeren in der Ende des 12. Jahrhunderts errichteten Modesta-Kapelle, die 1809 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, verehrt. Die seit dem 10. Jahrhundert einsetzende lokale Heiligenverehrung Modestas reichte nie über den Trierer Raum hinaus; ihre Reliquien wurden in den Trierer Abteien St. Maximin und St. Matthias aufbewahrt. Die relativ früh beginnende Verehrung als Heilige zeugt von dem nachhaltigen Eindruck, den ihr heiligmäßiges Leben auf ihre Umwelt gehabt haben muss.

Spätere Quellen wie die Gesta Treverorum und der Libellus de rebus Treverensibus bezeichneten Modesta unzutreffend als Tochter König Dagoberts I. (Regierungszeit 629-639), Schwester des heiligen Willibrord (658-739) oder Nichte Bischof Modoalds von Trier.

Quellen

Gesta Treverorum (MGH SS VIII, S. 111-260), bearb. von Georg Waitz, Hannover 1858.

Libellus de rebus Trevirensibus (MGH XIV, S. 98-106), bearb. von Georg Waitz, Hannover 1883.

Vita sanctae Geretrudis (MGH SS rer. Mer. II, S. 453-471), bearb. von Bruno Krusch, Hannover 1888. 

Literatur

Sauser, Ekkart, Artikel „Modesta", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 22 (2003), Sp. 841.

Schmidt-Sommer, Irmgard Gertrud, Dunkle Zeiten-helle Wege. Frauen des frühen Mittelalters gestalten Kirche und Welt, Trier 1998, S.107-113.

Werner, Matthias, Zu den Anfängen des Klosters St. Irminen-Oeren in Trier, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 42 (1978), S. 1-51. 

Online

Die digitalen Monumenta Germaniae Historica (dmgh) [Für eine Recherche innerhalb der dmgh siehe die jeweiligen Angaben unter der Rubrik Quellen].

 

30.9.2010
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Jennifer Striewski (Bonn)