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Jakob Omphal (1500-1567), kurkölnischer Kanzler

Jakob Omphal war während des Reformationsversuchs des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Hermann von Wied als Kanzler des Erzstiftes dessen wichtigster politischer Berater. Seine Aufgabe lag dabei vor allem in der Vermittlung, während die theologischen Gelehrten den inhaltlichen Diskurs führten. Obwohl Omphal sich durchaus auch auf der Seite der Reformatoren positionierte, erlaubte ihm sein diplomatisches Geschick, seine Karriere nach dem Scheitern Hermanns von Wieds fortzusetzen, wenngleich dann in herzoglich-jülischen Diensten. Hier wirkte er vor allem auf der Reichsebene, wobei seine Bedeutung dabei erst noch erforscht werden muss und dank der fortschreitenden Aktenedition der Reichsversammlungen auch kann. Eine umfassende Würdigung des bislang vor allem wegen seiner staatsrechtlichen Schriften bekannten Politikers steht also noch aus.

Omphal wurde am 11.2.1500 in der kurkölnischen Stadt Andernach geboren. Seine Eltern, Bernhard Omphal und Hermine von Büren, gehörten zur dortigen Oberschicht und hatten enge verwandtschaftliche Bindungen an die örtliche Bürgermeisterfamilie Hillesheim. „Omphal(ius)“ als latinisierte Namensform wurde erst durch Jakob Omphal selbst verwendet, ein typisches Zeichen für seine humanistische Bildung; der deutsche Familienname ist nicht bekannt, von der griechischen Wortbedeutung her könnte es „Nabel“ (omphalos) gewesen sein.

Über Omphals Ausbildungsgang ist wenig bekannt: er studierte in Köln, Utrecht und wahrscheinlich auch Löwen. 1530 erwarb er an der Universität Paris den Grad eines Magisters. Üblicherweise wurde dieser Abschluss des Philosophiestudiums in jüngeren Jahren erreicht, um sich dann den höheren Studien von Theologie, Rechten oder Medizin zu widmen. Offenbar benötigte Omphal entweder ungewöhnlich lange für sein Studium oder konnte es erst später als gewöhnlich aufnehmen. Nach dem Erwerb des Magistergrades beschleunigte sich seine akademische Karriere jedoch. Er blieb zunächst in Paris, wo er Sprecher der deutschen Studenten wurde, und pflegte rege briefliche Kontakte mit den führenden Humanisten seiner Zeit, etwa mit Erasmus von Rotterdam (1465-1536), Julius Caesar Scaliger (1484-1558) oder Viglius Zuichemus (1507-1577). 1535 promovierte er sich in Toulouse zum Doktor der Rechte, zwei Jahre später verließ er Frankreich, um in seine Heimat zurückzukehren.

Vermutlich bestanden bereits zu diesem Zeitpunkt gute Kontakte zum Kölner Kurfürsten und Erzbischof Hermann von Wied, jedenfalls entsandte dieser ihn als Beisitzer zum Reichskammergericht in Speyer. Hier lernte er Georg Sigmund Seld (1516-1565) kennen, der ab 1550 als Reichsvizekanzler amtierte und Omphals Rückhalt am Kaiserhof beförderte. 1539 heiratete Omphal Elisabeth, die Tochter des Kölner Stadtsyndikus Peter Bellinghausen, und fand damit Zugang zum stadtkölnischen Patriziat. Diese Stellung erleichterte 1540 sicherlich auch seinen Eintritt in den kurkölnischen Hofrat. 1544 vertrat er Hermann von Wied auf dem Reichstag Bezeichnung für (1) seit 1495 für die Versammlung der deutschen Reichsstände,  (2)  das deutsche Parlament 1871-1933,  (3) die Legislativen in Finnland, Schweden und Japan, (4) als Kurzform für das 1894 bezogene Reichstagsgebäude in Berlin, seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestags. zu Speyer. Hier hatte er eine heikle Mission zu erfüllen, denn ein Jahr zuvor hatte der Kölner Erzbischof mit dem „Einfältigen Bedenken“ einen stark von Philipp Melanchthon (1497-1560) und Martin Bucer beeinflussten Reformationsentwurf veröffentlicht. Es gelang Omphal, die eigentlich fälligen Gegenmaßnahmen der kaiserlich-katholischen Seite zu verzögern, und beim folgenden Wormser Reichstag 1545 gewann er Karl V. (Regierungszeit 1519-1558) sogar für ein persönliches Gespräch mit Hermann von Wied, um einen Kompromiss im schwelenden Religionsstreit zu suchen. Wahrscheinlich aus Dankbarkeit und in Anerkennung dieses Erfolgs wurde er zum kurkölnischen Kanzler ernannt. Das Gespräch blieb allerdings ergebnislos, und Hermann von Wied wurde 1547 schließlich als Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. und Erzbischof abgesetzt.nach obenOmphal blieb als juristischer Berater mit seinem ehemaligen Herrn bis zu dessen Tod im Jahr 1552 in Verbindung, trat jedoch 1551 in die Dienste Herzog Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg, für den er wiederum an zahlreichen Reichs- und Reichsdeputationstagen sowie an der Kaiserwahl Maximilian II. (Regierungszeit 1562-1576) im Jahre 1564 teilnahm. 1559 ernannte Herzog Wilhelm Omphal zum SyndikusGriechisch-lateinisch, der von einer Körperschaft zur Besorgung ihrer Rechtsgeschäfte beauftragte Bevollmächtigte, Rechtsbeistand. des Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreises und ermöglichte ihm die Erhebung in den Reichsadelsstand. Mit der Nobilitierung sollten vor allem Rangstreitigkeiten vermieden werden, die dem bürgerlichen Omphal im Umgang mit den anderen, häufig zumindest niederadligen Deputierten der übrigen Reichskreise hätten entstehen können.

Da Jülich-Kleve das kreisausschreibende, also geschäfts- und federführende Herzogtum war, kam Omphal als leitendem Juristen eine zentrale Rolle zu. Bereits 1562 verunglückte er bei einem Reitunfall jedoch schwer, woraufhin er sich auf sein Landgut Wiesdorf in der Nähe des heutigen Leverkusen zurückzog. Schon deswegen ist es unwahrscheinlich, dass er bis 1565 eine angeblich bereits 1540 übernommene Rechtsprofessur an der Kölner Universität innehatte, wie gelegentlich geschrieben wird. Sicher ist jedoch, dass er in seiner Kölner Zeit Privatvorlesungen hielt und juristische Gutachten im Auftrag des Kölner Rates verfasste. Jakob Omphal starb am 25.10.1567 infolge seiner erlittenen Verletzungen, ohne wieder politisch und rechtsberatend tätig geworden zu sein.

Omphal war ein typischer Vertreter des gelehrten Rates, wie er sich im Laufe des 16. Jahrhunderts herausbildete. Im geistlichen Fürstentum Kurköln gehörte er gleichzeitig zu den frühesten Vertretern dieser neuen Beamtengeneration, für die Religion im Übrigen nur ein Element der Politik war. Ganz anders als der schroffe Gegensatz zwischen den Konfessionen es vermuten ließe, war Omphal in religiösen Dingen eher indifferent. Er blieb zeitlebens nach außen hin katholisch, sympathisierte aber wohl durchaus auch persönlich mit den Reformvorstellungen Hermann von Wieds und Wilhelms von Jülich-Kleve-Berg. Vielmehr als deren Kanzler und Rat ist er jedoch seiner zahlreichen juristischen und philologischen Schriften wegen in Erinnerung geblieben. In jüngeren Jahren beschäftigte Omphal sich dabei überwiegend mit antiker Rhetorik und veröffentlichte Textausgaben von Cicero- und Plautusreden. Mit „De elocutionis imitatione“ legte er 1537 ein in 15 Ausgaben vielfach rezipiertes Standardwerk über die gelehrte Rede vor. In „De usurpatione legum“ setzte er sich mit der theoretischen Begründung von Gerechtigkeit und Richtertum auseinander; in diesem vor allem an Studenten der Rechte gerichteten Lehrbuch stützte er sich auf eine Vielzahl antiker Rechtsquellen und verwarf gewohnheitsrechtliche Gepflogenheiten. Seine wissenschaftliche-systematische Arbeit erlebte ihren Höhepunkt im Fürstenspiegel „De officio et potestate principis“. Durch die Beschreibung von Aufgaben und Amtsgewalt des Fürsten entwickelte er eine Herrschaftstheorie, die nicht mehr von der personalisierten, sondern der funktionalen Fürstenherrschaft ausging, und die noch lange Zeit maßgeblich die juristische Ausbildung angehender fürstlicher Räte beeinflusste.
Omphals Söhne setzten die vom Vater begründete Tradition fort. Bernhard (gestorben 1580) veröffentlichte bereits kurz nach Omphals Tod dessen Korrespondenz, was auf seine Bedeutung und Anerkennung unter den Zeitgenossen schließen lässt. Er vollzog die innere Hinwendung des Vaters zum Protestantismus auch äußerlich, konnte aber trotzdem bis 1578 Mitglied des Kölner Rates bleiben. Auch die Söhne Jakob und Kaspar erreichten einträgliche Positionen, konnten sich dabei aber auch immer auf das umfangreiche väterliche Vermögen stützen.

 

Werke (Auswahl)
De elocutionis imitatione ac apparatu, 1537.
Prolegomena in M. T. Ciceronis pro A. Caecina orationem, 1538.
De suspicienda reipublicae propugnatione, 1538.
Epistolae de dissidiis religionis, 1539.
De usurpatione legum et eorum studiis, qui jurisprudentiae professionem sibi sumunt, 1550.
De Officio Et potestate Principis in Republica bene ac sancte gerenda, 1550.
De civili politia libri tres, 1563.

 

Literatur (Auswahl)
Ahl, Ingmar, Humanistische Politik zwischen Reformation und Gegenreformation. Der Fürstenspiegel des Jakob Omphalius, Stuttgart 2004.
Bers, Günter, Anmerkungen zu den Widmungsreden eines Kölner Humanisten. Zur literarischen Tätigkeit des Jacobus Omphalius, in: Mehl, James (Hg.), Humanismus in Köln / Humanism in Cologne, Köln 1991, S. 175-208.
Schneider, Andreas, Der Niederrheinisch-Westfälische Reichskreis im 16. Jahrhundert. Geschichte, Struktur und Funktion eines Verfassungsorganes des alten Reiches, Düsseldorf 1985.
Singer, Bruno, Die Fürstenspiegel in Deutschland im Zeitalter des Humanismus und der Reformation, München 1981.

 

Online
Ehrenpreis, Stefan, Omphal, Jakob von, in: NDB 19 (1999), S. 553-554.

 

9.10.2012

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Martin Bock (Frechen) 
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 Medaille für Jakob Omphal (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 29KB)

Medaille für Jacobus Omphalius (Jakob Omphal), um 1540/1566, Original im Kölnischen Stadtmuseum. (Rheinisches Bildarchiv)