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Katharina (Käthe) Overath (1926-1995), NS-Widerstandskämpferin

Käthe Overath, geborene Meier, rettete während des Zweiten Weltkrieges eine jüdisch-katholische Familie vor der Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime und wurde für ihre mutige Tat 1978 mit dem Bundesverdienstkreuz sowie 1990 mit dem Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern" ausgezeichnet.

Käthe Overath wurde am 16.9.1926 in Lohmar-Donrath als Tochter von Albert Meier (geboren 1894) und dessen Ehefrau Maria Henseler (geboren 1895) geboren. Sie wuchs in einem streng christlich geprägten Elternhaus auf und besuchte in Siegburg zunächst die Volks- und im Anschluss daran die Handelsschule. Die Eltern, beide tief gläubige Katholiken, gerieten nach der „Machtergreifung Bezeichnung für die Ernennung Adolf Hitlers (1889-1945) zum Reichskanzler am 30.1.1933 und die Übertragung der Regierungsgewalt auf die Nationalsozialisten. Die Machtergreifung bedeutete das endgültige Ende der demokratischen Weimarer Republik und den Beginn der Terrorherrschaft der NS-Diktatur. " der Nationalsozialisten am 30.1.1933 mehrfach in Konflikt mit dem Regime. Insbesondere Albert Meier war als Mitglied der Zentrumspartei frühzeitig zu einem entschiedenen Gegner des Nationalsozialismus geworden. 1939 wurde er wegen angeblicher „Zersetzung der Volksmoral" in polizeilichen Gewahrsam genommen.

Während sich andere Familien nach 1933 von ihren jüdischen Freunden und Bekannten distanziert hatten, brachen die Meiers den Kontakt zu der seit Jahren befreundeten Familie Bernauer aus Troisdorf nicht ab und unterstützten diese zunächst mit Kleidern und Lebensmitteln. Bis 1919 arbeitete Maria Meier bei den Bernauers als Kindermädchen, nach ihrer Heirat mit Albert Meier 1919 blieb die Verbindung zu der jüdisch-katholischen Familie bestehen.

Erwin Bernauer (1886-1961), Inhaber eines Fotoateliers, war im Gegensatz zu seiner jüdischen Frau Nanny Stern (1880-1960) katholischen Glaubens. Da ihre Ehe aufgrund seiner erwiesenen „arischen Abstammung" als privilegierte „Mischehe" galt, blieben sie und ihre gemeinsame Tochter Karola Helene (1919-2002) zunächst vergleichsweise unbehelligt, während die meisten anderen jüdischen Einwohner Troisdorfs seit 1941 deportiert worden waren.

Im September 1944 erhielt auch Nanny Bernauer den Bescheid, dass sie sich zusammen mit ihrer Tochter in das „Judenlager" Köln-Müngersdorf zu begeben hätte: Am 11. September wurde sie mit einem LKW abgeholt. Erwin Bernauer wollte sich, obwohl selbst kein Jude, nicht von seiner Ehefrau trennen und blieb an ihrer Seite. Zusammen mit weiteren Juden aus Troisdorf und der Umgebung wurden sie in das Fort V gebracht, ein ehemaliges Festungsgefängnis, das seit 1941 als Sammelstelle für die Deportationen in den europäischen Osten diente.

Als Karola Bernauer außerhalb des Lagers Medikamente für einige Kranke Insassen besorgen sollte, nutzte sie die Gelegenheit zur Flucht und wandte sich an Käthe Overath und ihre Mutter. Albert Meier war bereits im Sommer 1944 zum Wehrdienst eingezogen worden. Mutter und Tochter versteckten das jüdische Mädchen im eigenen Haus und mussten nun ständig befürchten, entdeckt und verraten zu werden. Außerdem schleusten sie gemeinsam Lebensmittel in das Müngersdorfer Lager, damit Erwin und Nanny Bernauer die Tage vor dem geplanten Abtransport nach Theresienstadt überleben konnten.nach obenKurz vor der drohenden Deportation des Ehepaars entschied sich die junge Käthe Overath im Herbst 1944 zu einer tollkühnen Rettungsaktion. Um ungehindert in das Lager gelangen und die Lebensmittel überbringen zu können, begann sie mit den SS-Wachen ein Gespräch, in dessen Verlauf sie erklärte, sie wolle ihre Eltern abholen, die in der Küche arbeiteten. Nachdem Overath einige Zeit gewartet hatte, fragte sie schließlich die Wachen, ob sie ins Lager hinein dürfe, um nachzusehen, wo ihre angeblichen Eltern so lange blieben. Unter der Bedingung, dass sich Käthe Overath für den nächsten Tag mit ihnen verabrede, stimmten die Wachen zu.

Im Lager gelang es Overath bald, die Bernauers ausfindig zu machen. Einer spontanen Eingebung folgend, versteckte Käthe Overath den Judenstern Nanny Bernauers, der seit dem 1.9.1941 für Juden Pflicht war, unter Schal und Mantel und nahm das Ehepaar an ihre Seite. Zusammen gingen die drei anschließend zum Ausgang und schimpften demonstrativ auf die Juden, sodass die Wachen keinerlei Verdacht schöpften und Overath lediglich an ihre Verabredung erinnerten.

Käthe Overath und ihre Mutter versteckten die beiden Flüchtlinge und ihre Tochter zunächst im Keller ihres Donrather Hauses, allerdings gestaltete sich die Versorgung als äußerst schwierig, da für die Bernauers keine Lebensmittelmarken zur Verfügung standen. Daher weihte Albert Meier das befreundete Bauerehepaar Ludwig und Elisabeth Weeg aus Wahlscheid ein, von denen die Meiers mit Milch, Fleisch und Brot versorgt wurden.

Als Overaths Vater im November 1944 auf Fronturlaub nach Hause kam, wurde die Lage zunehmend kritisch. Da er als politisch „unzuverlässig" galt und unter ständiger Beobachtung stand, quartierte er sich bei seinem Bruder ein, um die jüdische Familie in seinem Haus nicht zusätzlich in Gefahr zu bringen.

Trotzdem kam es zum Ende des Jahres 1944 häufiger zu Denunziationen. Daher brachte Käthe Overath in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, auf einem Pferdewagen und unter Planen versteckt, Familie Bernauer zu Ludwig und Elisabeth Weeg nach Wahlscheid, wo schließlich auch ihre zweite Tochter Erna Nussbaum mit ihrem Ehemann Unterschlupf fand und wo sie bis Kriegsende im Mai 1945 blieben. Später kehrte die Familie nach Troisdorf zurück.

Käthe Overath verbrachte ihr weiteres Leben in Donrath. Nach 1945 heiratete sie den früheren Soldaten Heinrich Overath (1916-1990). Für ihre couragierte Tat wurde sie 1978 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1990 verlieh ihr die israelische HolocaustGriechisch (vollständig verbrannt), Bezeichnung für die systematische Ermordung der von den Nationalsozialisten als Juden definierten Menschen in Deutschland und in den vom Deutschen Reich besetzten Staaten in Europa zwischen 1939 und 1945. Dem Völkermord fielen zwischen 5,6 und 6,3 Millionen Menschen zum Opfer.-Gedenkstätte „Yad Vashem" in Israel, wie auch ihren Eltern und dem Ehepaar Weeg, den Titel „Gerechte unter den Völkern". Sie starb am 23.11.1995.

 

Literatur

Flörken, Norbert, Troisdorf unter dem Hakenkreuz. Eine rheinische Kleinstadt und die Nationalsozialisten, Aachen 1986.

Ginzel, Günther Bernd, „… das durfte keiner wissen!". Hilfe für Verfolgte im Rheinland von 1933-1945 - Gespräche, Dokumente, Texte, Pulheim 1995, S. 127-142.

Gutmann, Israel/Fraenkel, Daniel/Borut, Jacob, Lexikon der Gerechten unter den Völkern. Deutsche und Österreicher, Göttingen 2005, S. 193-194.

Hellmund, Rudolf, … denn sie trugen den Davidstern, in: Troisdorfer Jahreshefte 11 (1981), S. 69-100.

Streichardt, Gerd, Nicht alle waren Mörder, in: Lohmarer Heimatblätter 22 (2008), S. 60-64.

Weeg, Nora/Hirzel, Annette, Menschliche Lichtblicke in dunkler Zeit. Die Rettungsgeschichte der jüdischen Familie Bernauer, Schriftenreihe des Fördervereins Gedenkstätte Landjuden an der Sieg e.V. Bd. 4, Siegburg 2014.

 

30.9.2010

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Jennifer Striewski (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Käthe Overath (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 154KB)

Käthe Overath, Porträtfoto, 1943. (Privatbesitz)