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Johannes Pohlschneider (1899-1981), Bischof von Aachen

Johannes Pohlschneider, als erster Aachener Bischof Teilnehmer eines Ökumenischen Konzils, in Deutschland bekannt als „Schulbischof", sorgte für die konsequente Umsetzung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils im Bistum Aachen.

Johannes Pohlschneider wurde am 18.4.1899 in Osterfeine (Oldenburger Münsterland) als zweites von zwölf Kindern des Kaufmanns Bernard Pohlschneider (gestorben 1935) und dessen Ehefrau Maria Schmiesing (gestorben 1952) geboren. Nach dem Abitur 1917 in Münster wollte Pohlschneider sich im Collegium Germanicum in Rom auf den Priesterberuf vorbereiten, konnte aber wegen des Krieges nach je einem Semester in Berlin und in Münster erst ab Oktober 1919 das Studium an der Universität Gregoriana aufnehmen und 1925 mit den Promotionen zum Doktor der Philosophie und zum Doktor der Theologie abschließen. Am 19.4.1924 wurde er in der Lateranbasilika zum Priester geweiht.

Nach der Vikarszeit im dörflichen Goldenstett-Lutten wurde Pohlschneider 1929 Kaplan in der Diaspora- und Arbeitergemeinde Oldenburg-Osternburg. Den Nationalsozialismus lehnte er entschieden ab, wie eine Äußerung im Jahr 1932 zeigt: „Der Nationalsozialismus in seiner gegenwärtigen Form verfolgt ohne Zweifel religiöse und kulturpolitische Ziele, die mit der christlichen Religion nicht vereinbar sind." äußerte er im Jahr 1932.

Am 3.5.1940 bestellte der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen (Episkopat 1933-1946) Pohlschneider zum Nachfolger des aus dem Oldenburger Land ausgewiesenen Offizials Franz Vorwerk (1884-1963). Die Behörden versagten die Anerkennung, ließen das Dienstgebäude zwangsräumen und die Dotation sperren. Pohlschneider amtierte in einem Exerzitienhaus in Vechta. Am 27.1.1943 wurde er Päpstlicher Hausprälat. Die enge Kooperation mit Bischof von Galen umfasste auch dessen Predigten.

Nach dem Krieg engagierte sich Pohlschneider unter anderem für die Wiedererrichtung von Bekenntnisschulen und katholischen Privatschulen, für die Gründung der katholischen Pädagogischen Akademie in Vechta und für die pastorale Integration der Heimatvertriebenen. Am 17.12.1945 wurde er Nichtresidierender Domkapitular in Münster.

Mit Bischof Michael Keller (Episkopat 1947-1961), der ihn am 8.10.1948 zum Generalvikar für den rheinisch-westfälischen Teil des Bistums Münster ernannte, betrieb Pohlschneider den weiteren Wiederaufbau, die neue Dekanatseinteilung, die Gründung katholischer Schulen, den Aufbau des katholischen Bildungswesens und die Neuorganisation der Diözesanverwaltung.

Am 30.8.1954 ernannte Papst Pius XII. (Pontifikat 1939-1958) Pohlschneider zum vierten Bischof des Bistums Aachen. Die Bischofsweihe im Aachener Dom erfolgte am 18.11.1954 durch den Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings. Als Leitspruch wählte Pohlschneider das Wort: „Christus pax nostra - Christus unser Frieden".

Die erste Phase von Pohlschneiders Amtszeit bis zum Konzil bestimmen drei Momente: die Bereitschaft zur Kontinuität mit der bisherigen Bistumsleitung, seine Erfahrungen aus dem Bistum Münster und die neuen Herausforderungen. So setzte er die Bemühungen Bischof Johannes Joseph van der Veldens um die kirchliche Mitwirkung der Laien fort und führte die Diözesansynode 1959 mit den Diözesanstatuten, einem Kompendium der geltenden Bestimmungen, zu Ende. Zugleich widmete Pohlschneider sich der Beseitigung von Kriegsschäden und der Sanierung der Bistumsfinanzen. Die Seelsorge stützte er durch zahlreiche Gemeindegründungen und Kirchenbauten. Bemerkenswert auch die Einrichtung einer Pressestelle sowie von sozialen und ländlichen Seminaren. In der Bischofskonferenz warb er erfolgreich für das sozialwissenschaftliche Institut in der Tradition des Volksvereins in Mönchengladbach.

Seit 1955 leitete Pohlschneider die bischöfliche Kommission für Familie, Schule und Erziehung mit dem Anliegen, die konfessionelle Volksschule und Lehrerbildung zu bewahren. Seine schulpolitischen Zielsetzungen erfuhren jedoch 1968 mit dem Landesgesetz zur Änderung des Schulwesens eine schmerzliche Niederlage. In kirchlich getragenen Schulen sah Pohlschneider aber weiterhin die Chance zur katholischen Bildung im Sinne der Einheit von Glauben und Wissen. Darüber hinaus hatte Pohlschneider den Bereich der der Erwachsenenbildung im Blick (unter anderem Bischöfliche Akademie, Exerzitienhaus, Landvolkhochschule, Bistumsverlag, Katechetisches Institut, Katholische Fachhochschule für Sozialarbeit). Für die Behandlung pastoraler Fragen für das Gesamtbistum schuf er die ab 1955 jährlich tagende Diözesankonferenz, deren letzte 1968 die vom Konzil vorgesehenen Kommunikationsstrukturen vorbereitete. nach obenSchon 1957 (Diözesankonferenz) ahnte Pohlschneider die Gefährdung des kirchlichen Lebens: „Es ist zu befürchten, dass in 10-20 Jahren ein stärkerer Schwund im religiösen Leben auch unseres Bistums eintritt." Die Resonanz der Heiligtumsfahrt 1958 mit 350.000 Pilgern schien dem noch zu widersprechen. Im selben Jahr bestätigte Rom die Heiligenverehrung des Hermann-Josef von Steinfeld. Seit dem Sommer 1963 entwickelten sich die Verbindungen des Bistums Aachen mit der Kirche in Kolumbien zu einer intensiven Partnerschaft.

Das Erlebnis der ersten Konzilssession verwandelte Pohlschneiders anfängliche Skepsis in Begeisterung. Bei den Beratungen über die christliche Erziehung verlangte er in der Konzilsaula am 19.11.1964 die Beachtung folgender Grundlagen: das Recht jedes Menschen auf angemessene Erziehung, die Ablehnung jeglichen Schulmonopols, die Verpflichtung des Staats, die privaten katholischen Schulen bei gleichen Leistungen wirtschaftlich wie die öffentlichen Schulen zu unterstützen, die Trennung der äußeren Schulbedingungen, für die der Staat zu sorgen hat, von den inneren Prinzipien der Erziehung, die Sache der elterlichen Gewissensüberzeugung sind. Diese Anstöße sind in die Konzilserklärung über die christliche Erziehung vom 28.10.1965 eingeflossen.

Nach dem Konzil sorgte Pohlschneider für eine konsequente, aber maßvolle Umsetzung der Beschlüsse, ein Vorhaben, das ihm bis zu seiner EmeritierungLateinisch, Entbindung (1)  eines Hochschullehrers von den alltäglichen Pflichten des Lehrbetriebs, wobei der Emeritus seine akademischen Rechte behält und weiterhin Diplomanden und Doktoranden betreuen kann, (2) von Bischöfen oder Domkapitulare von Leitungsaufgabe, wobei sie alle Rechte behalten, die an ihre Weihe geknüpft sind. gelang (Bistumsgliederung in Regionen, Rätestruktur, Reform des Generalvikariats). Alle diese Einrichtungen sollten der Kommunikation über Inhalte und der Stärkung der kirchlichen Gemeinschaft im Glauben dienen.

Auch auf dem Gebiet der Priesterbildung hat Pohlschneider Zeichen gesetzt (unter anderem Priesterhaus „Maria Rast", Übernahme des Bonner Collegium Leoninum, neues Konzept für das Aachener Priesterseminar). 1971 weihte Pohlschneider den ersten Ständigen Diakon. Zugleich unterstützte er die Anfänge der pastoralen Laienberufe.

Als besondere Ereignisse in der Amtszeit Pohlschneider nach dem Konzil sind zu nennen die Aachener Heiligtumsfahrten (1972 mit 175.000 Besuchern), der Mönchengladbacher Katholikentag 1974 sowie die Seligsprechungen der aus dem Bistum stammenden Ordensgründerinnen Therese Wüllenweber (1833-1907) 1968 und Franziska Schervier im Jahr 1974.

Die Annahme des Rücktrittsgesuch Pohlschneiders durch Papst Paul VI. (Pontifikat 1963-1978) am 6.12.1974 war verbunden mit der Ernennung zum Apostolischen Administrator bis zum Amtsantritt von Bischof Klaus Hemmerle am 30.10.1975. Pohlschneider war in Aachen weiterhin aktiv mit Aushilfen, als Ratgeber und als Autor von Textbeiträgen. Er starb am 7.3.1981 und wurde in der Bischofsgruft des Aachener Domes beigesetzt.

Die mit 21 Jahren bislang längste Amtszeit eines Aachener Bischofs füllte ein enormes Arbeitspensum. Pohlschneider wurde als konservativ eingeschätzt. Wie er dies war, bezeugt seine Einstellung zum Zweiten Vatikanischen Konzil, das er nachhaltig in das Bistum hineingetragen hat. Die Bevölkerung begegnete Pohlschneider mit Hochachtung. Er galt als ehrlich, offen und gerecht. 1964 erhielt er das große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik mit Stern. Als Oldenburger konnte er sich aber die Herzen der Rheinländer nie ganz erobern.

nach obenLiteratur

Brecher August, Bischof einer Wendezeit. Dr. Dr. Johannes Pohlschneider 1899-1981, Aachen 1997 [mit Schriftenverzeichnis, S. 262-264].

Brecher, August, Papst Paul VI. und Bischof Johannes Pohlschneider: Gemeinsame Grundhaltungen - Übereinstimmungen - persönliche Bekanntschaft, in: Geschichte im Bistum Aachen, Beiheft 1, Neustadt a. d. Aisch 1999, S. 139-151.

Delahaye, Karl/Gatz Erwin/Jorissen Hans (Hg), Bestellt zum Zeugnis. Festgabe für Bischof Dr. Johannes Pohlschneider, Aachen 1974.

Gatz, Erwin, Geschichte des Bistums Aachen in Daten 1930-1985. Der Weg einer Ortskirche, Aachen 1986, S. 81-153.

Gatz, Erwin, Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1945-2001, Berlin 2002, S. 41-43.

Sauser, Ekkart, Artikel "Pohlschneider, Johannes", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 21 (2003), Sp. 1189-1190.

Wäckers, Anton Josef, Erlebte und gelebte Kirche von Aachen, Aachen 1995, S. 179-338.

30.9.2010

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Herbert Arens (Aachen) 
 

       
 

       
 
 Bischof Johannes Pohlschneider (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 104KB)

Bischof Johannes Pohlschneider bei der Aachener Heiligtumsfahrt, 1972, Foto: Michael Jeiter.