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Richard von Springiersbach (vor 1100-1158), Reformkanoniker

Richard von Springiersbach fungierte im 12. Jahrhundert als einer der wichtigsten Vertreter der kirchlichen Reformkanonikerbewegung und reformierte ausgehend vom Stift Springiersbach eine Reihe von geistlichen Konventen im Erzbistum Trier.

Richard wurde als Sohn des pfalzgräflichen Ministerialen Ruker/Rudgerus (gestorben um 1100) und der Benigna von Daun (auch Benigna von Springiersbach) geboren. Das Geburtsjahr ist nicht bekannt. Nach dem Tod des Vaters entschloss sich seine Mutter, in der südlichen Eifel im Kondelwald an einem einsamen Ort („locus solitarius") namens Thermunt (südlich des heutigen Bad Bertrich) mit Erlaubnis des rheinischen Pfalzgrafen Siegfried von Ballenstedt (Regierungszeit 1099-1113) eine „cella" zu erbauen, in der Kanoniker ein gemeinsames geistliches Leben führen sollten; die „cella" wurde an den Trierer Erzbischof Bruno von Lauffen übertragen, der diesen Akt 1107 bestätigte. Diese Gemeinschaft sollte unter der Vogtei Mehrdeutig, bedeutet insbesondere (1) die Schutzvogtei über ein Bistum, Stift oder Kloster und deren Besitz, (2) Unterbezirk eines landesherrlichen Amtes. des Pfalzgrafen stehen. Aus dieser Gründung ging das spätere Kanonikerstift Springiersbach hervor.

Richard kam wie seine Schwester Texwindis vermutlich noch minderjährig in diese Gemeinschaft und erhielt dort auch seine Ausbildung. Er leitete den KonventLateinisch (Zusammenkunft), Bezeichnung (1) für eine klösterliche Gemeinschaft, (2) für die Volksvertretung während der Französischen Revolution vom 21.9.1792 bis 26.10.1795, (3) für die Beratungsgremien in einer studentischen Verbindung (zum Beispiel Burschenkonvent, Altherrenkonvent). ab circa 1115 als Propst und seit 1129 als Abt. Richard schloss sich nicht den bereits bestehenden Regularkanonikerstiften wie Marbach oder Rottenbuch an, sondern ging einen eigenen Weg. Bereits 1118 beschäftigte sich Papst Gelasius II. (Pontifikat 1118-1119) mit der strengen Regelauslegung Richards. Die 1123/1128 entstandenen „Consuetudines" von Springiersbach hatten großen Einfluss auf die Kanonikerreform im Reich. Sie enthielten als Erste besonders strenge und radikale Vorschriften: Unter anderem wurde die strikte Befolgung des Armutsgebotes, körperliche Arbeit, ausgedehntes Fasten, nächtliche Gebete, die jährliche Abhaltung von Generalkapiteln sowie die Aufnahme auch von Nichtadeligen und Armen gefordert. Man nahm die Regel des heiligen Augustinus (354-430) an, wobei sich Richard für die strengere Form dieser Regel – „ordo monasterii" – entschied. Die Reformkanonikerbewegung sah ihre Vorbilder im Leben der Apostel und der Urgemeinde.

Um diese Reformimpulse an andere geistliche Institute weiterzugeben, wurden Kanoniker aus Springiersbach unter anderem nach Steinfeld, Klosterrath/Rolduc, Frankenthal und Bolanden gerufen. Zum Verband des Eifelstiftes gehörten der Doppelkonvent Lonnig (zwischen 1119 und 1123), dessen Frauenkonvent 1143 nach Schönstatt verlegt wurde, Stuben an der Mosel (1137), Martental bei Cochem (1139/1141), Merzig an der Saar (1152) und Marienburg an der Mosel. Springiersbach unterstellt waren außerdem Pedernach bei Boppard und St. Irminen (Oeren) in Trier. Das später dem Prämonstratenserorden angehörende saarländische Stift Wadgassen dürfte in seiner Frühzeit ebenfalls von Springiersbach aus geprägt worden sein.nach obenDie große Leistung Richards ist darin zu sehen, dass er binnen weniger Jahre innerhalb der Trierer Diözese einen großen Verband von Reformkonventen aufzubauen vermochte. Allerdings scheiterte eine dauerhafte Verbandsbildung an den Interessengegensätzen, die zwischen den Pfalzgrafen und den Trierer Erzbischöfen bestanden. Richard selbst geriet mehrere Male in die Auseinandersetzungen zwischen dem Trierer Diözesanherrn und dem Pfalzgrafen, die sich um die Rolle von Springiersbach und dessen Funktion als Obödienzkonvent im Reformverband stritten. Insbesondere entwickelte sich Erzbischof Bruno von Lauffen zu einem Gegenspieler Richards. Hingegen wurden er und sein Stift vom Trierer Erzbischof Meginher von Falmagne gefördert. Ein besonders gutes Verhältnis unterhielt er zu Erzbischof Albero von Montreuil. Seit 1119 stand Springiersbach unter päpstlichem, seit 1143 auch unter königlichem Schutz. Die Weihe der Stiftskirche erfolgte 1136 durch den Diözesanherrn Albero.

Wohl bis 1128 lebte Richards Schwester Texwindis in Springiersbach. Nach dem nicht näher datierbaren Tod ihrer Mutter leitete sie als deren Nachfolgerin den Frauenkonvent, der eng mit dem von ihrem Bruder geführten Kanonikerstift verbunden war. Danach verlegte sie die Schwesterngemeinschaft 1127/1128 in die Nähe von Andernach. Vermutlich war Richard selbst kein Befürworter von Doppelstiften.

Richards vorrangiges Anliegen war insbesondere die strenge Praktizierung der kanonischen Lebensform, weniger die Pfarrseelsorge. Er verfügte wohl über herausragende geistige Fähigkeiten und eine hohe Selbstdisziplin, war ein Verfechter von strengen Grundsätzen und geprägt durch eine sehr intensive Religiosität. Er sei beim Papst wie bei den Bischöfen immer ein willkommener Gast gewesen.

Richard starb am 22.10.1158 und wurde von Erzbischof Hillin von Fallmagne in Springiersbach begraben. Nach seinem Tode verfiel unter dem nachfolgenden Abt Richard II. (Amtszeit 1158-1170), der wohl ein Neffe Richards war, die strenge Konventszucht und damit nahm auch die Bedeutung dieses Eifelstiftes innerhalb der Reformbewegung stark ab.

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Weinfurter, Stefan (Hg.), Consuetudines canonicorum regularium Springirsbacenses (Corpus Christianorum CM 48), Tornhout 1978.

 

Literatur

Pauly, Ferdinand, Springiersbach. Geschichte des Kanonikerstifts und seiner Tochtergründungen im Erzbistum Trier von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Trier 1962.

Peters, Wolfgang, Kanonikerreform in der Eifel Springiersbach, in: Mötsch, Johannes/Schöbel, Martin (Hg.), Eiflia Sacra. Studien zu einer Klosterlandschaft, Trier 1994, S. 203-220.

Rosen, Wolfgang, Hildegard von Bingen und Texwindis von Andernach. Zwei Konventsvorsteherinnen streiten über das rechte Klosterleben, in: Andernacher Annalen 3 (1999/2000), S. 5-25.

Simon, Jürgen, Springiersbach. In: Lexikon des Mittelalters, Band 7, München 1995, Sp. 2142.

Schaaf, Erwin: Geschichte der Augustiner-Chorherrenabtei Springiersbach (1102-1802), in: Gilles, Karl-Josef/Schaaf, Erwin (Hg.), Springiersbach. Von der Augustiner-Chorherrenabtei zum Karmelitenkloster 1102-2002, Trier 2002, S. 17-212.

 

Online

Blum Winfried, Die Gründerin des Augustinerkonvents Springiersbach Benigna von Daun – oder von…?, in: Heimatjahrbuch des Kreises Daun Jg. 2002, S. 216 (Onlineangebot des Heimatjahrbucharchivs des Landkreises Vulkaneifel).

 

18.3.2013

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Wolfgang Rosen (Köln)