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Suitbert (gestorben 713), Missionar

Der angelsächsische Mönch und Missionsbischof Suitbert (auch die Namensformen Suidbert/Suitbertus/Swidbert/Suidbercht/Suidberht sind überliefert) missionierte Ende des 7. beziehungsweise Anfang des 8. Jahrhunderts im Bereich des heutigen Ruhrgebietes und gründete das Kloster und nachmalige Stift Kaiserswerth. Sein Festtag ist der 1. März.

Suitbert gehörte zu den Männern aus dem irischen Kloster Rathmelsigi (Connacht), wo er auch ausgebildet worden war, die 690 den Missionar Willibrord (um 658-739) zum Festland begleiteten. Sie landeten an der Rheinmündung und zogen zunächst in das von Pippin dem Mittleren (640/650-714) zurückeroberte Gebiet bei Utrecht, um die Friesen zu bekehren. Aufgrund der fortlaufenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Friesen Radbod (Regierungszeit 679-719) und den Franken zogen die angelsächsischen Missionare anschließend in den südlich des Rheins gelegenen Teil Frieslands, das fränkisch beherrscht wurde und ein Gebiet zwischen Scheldemündung und Lek umfasste; möglich ist aber auch, dass die Gruppe, die unter dem Schutz Pippins stand, zudem im noch nicht fränkischen Friesland tätig war. Für kurze Zeit ging Suitbert noch einmal auf die Insel und wirkte im englischen Königreich Mercia.

Willibrord begab sich vermutlich 692 zu Papst Sergius I. (Pontifikat um 687-701) nach Rom, um sich dort die Mission genehmigen zu lassen. Bevor er nach Rom reiste, wählten die Gefährten Suitbert zu ihrem Anführer und Bischof; 692 oder 693 ließ sich Suitbert von Wilfrid von York (circa 634-709), zu dem er in einer engeren Beziehung stand, zum Missionsbischof ordinieren. Diese Entwicklungen lassen auf einen gewissen Erfolg der Missionstätigkeit schließen. Dennoch konnten auch nach der Rückkehr Willibrords aus Rom die Missionare nicht ungestört wirken, da es weitere Kämpfe zwischen Franken und Friesen gab. Utrecht sollte nun Bischofssitz und Willibrord der Oberhirte (695) werden. Bald danach – vermutlich 696 (nachdem Willibrord von einer zweiten Romreise zurückgekehrt war) – begab sich Suitbert mit einigen Gefährten in das Gebiet der Brukterer im südlichen Westfalen (wahrscheinlich das Gebiet zwischen Lippe und Ruhr), um dort zu missionieren. Hier wirkte er wohl zunächst erfolgreich. Allerdings wurden die Bemühungen durch Überfälle von engrischen und westfälischen Sachsen – vermutlich ab etwa 695 – zunichte gemacht.nach obenUm 695/700 schenkte Hausmeier Bezeichnung für das frühmittelalterliche Hofamt des maior domus (Verwalter). Unter den Merowingern gewannen die Hausmeier seit dem 6. Jahrhundert erheblichen Einfluss auf Politik und Königtum. Nach 639 führten sie faktisch die politischen Geschäfte. Pippin der Mittlere setzte 701 die Erblichkeit des Hausmeieramtes durch. Die herausragende Stellung des Hausmeiers ebnete den Karolingern den Weg zur Königswürde. Pippin der Jüngere schaffte das Amt 751 ab. Pippin II., wohl auf Bitte seiner Gattin Plektrud, dem aus dem Gebiet der Brukterer geflohenen Suitbert ein Königsgut („locus mansionis") auf einer Rheininsel („Auf dem Weerth", „in litore") beim heutigen Kaiserswerth (heute Stadt Düsseldorf) und gründete hier ein Kloster. Ob der Angelsachse darüber hinaus noch weiteres Eigentum für das Kloster (unter anderem in Rheinbrohl und Lank) erhalten hatte, ist unsicher. Suitbert ist somit Gründer des Klosters und nachmaligen Stifts Kaiserswerth – eines der ältesten geistlichen Institute am Niederrhein. Er ging damit nicht – wie eine Reihe anderer angelsächsischer Missionare – auf die Insel zurück, sondern wählte den Grenzbereich des fränkischen Austrasiens an der Grenze zum sächsischen Gebiet am HellwegBezeichnung für wichtige seit dem Frühmittelalter bestehende Fernhandels- und Heerstraßen. Der Westfälische Hellweg führte als bedeutendster dieser Wege von Duisburg über Essen, Dortmund und Soest nach Paderborn. als Tätigkeitsfeld im Schutz der fränkischen Herrscher. Allerdings hinterließ diese Missionstätigkeit keine Spuren.

Der Chronist Beda Venerabilis (673/674-735) charakterisierte Suitbert als „Mann von bescheidenem Wesen und sanftem Herzen" (vir modestus moribus et mansuetus corde). Am 1.3.713 starb Suitbert in Kaiserswerth und wurde mit großer Sicherheit auch in seiner Kirche begraben. Seit 1264 ruhen die Gebeine Suitberts in einem kostbaren, im 14. Jahrhundert erweiterten Schrein in der früheren Stifts- und jetzigen Pfarrkirche von Kaiserswerth. Dieser Schrein gehört zu den bedeutendsten mittelalterlichen Reliquienschreinen des Rhein-Maasgebietes.

Willibrord verzeichnete den Todestag Suitberts in seinem Festkalender, Alkuin (um 730-804) hob ihn in seinem „Gedicht über die Heiligen der Kirche von York" besonders hervor. Insgesamt ist die Quellenlage über Suitbert allerdings schlecht. Die Überlieferung beschränkt sich im Wesentlichen auf die von Beda Venerabilis 731 angeschlossene Kirchengeschichte des Volkes der Angeln; Beda hob Suitbert aus der Schar der Gefährten Willibrords hervor und widmete ihm besondere Beachtung. Eine im 13. oder 14. Jahrhundert entstandene Vita und weitere Quellen des späteren Mittelalters behaupten, dass Suitbert zudem in Rheinbrohl, bei Jülich und im Bergischen Land gewirkt haben soll; doch könnten lediglich die Suitbertus-Tradition der Ratinger Kirche und das womöglich ins 8. Jahrhundert zurückreichende Alter einer Vorgängerkirche auf Mission und Kirchenorganisation im rechtsrheinischen Kaiserswerther Vorfeld hinweisen.

nach obenQuellen

Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum V 11. Hg. von Bertram Colgrave/R. A. B. Mynors: Bede´s Ecclesiastical History of the English People. Oxford 1969, S. 484–486.

Beda der Ehrwürdige, Kirchengeschichte des englischen Volkes. Übersetzt von Günter Spitzbart. Darmstadt 1982, S. 460–462.

Kelleter, Heinrich (Bearb.), Urkundenbuch des Stiftes Kaiserswerth, Bonn 1904.

 

Literatur

Flaskamp, Franz, Suidbrecht, Apostel der Brukterer, Gründer von Kaiserswerth. Duderstadt 1930.

Freise, Eckhard. Das Frühmittelalter bis zum Vertrag von Verdun, in: Kohl, Wilhelm (Hg.), Westfälische Geschichte I, Düsseldorf 1983, S. 275-335, hier S. 290.

Gerchow, Jan, Die Gedenküberlieferung der Angelsachsen. Berlin/New York 1988, S. 199-206.

Madey, Johannes, „Suitbert", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 11 (1996), Sp. 241-242.

Redlich, Otto R., Die Bedeutung von Stift und Burg Kaiserswerth für Kirche und Reich, in: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein 115 (1929), S. 61-75.

Schäferdiek, Knut, Suidberht von Kaiserswerth, in: Düsseldorfer Jahrbuch 66 (1995), S. 1-21.

Schieffer, Theodor, Suitbert, in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 9, Freiburg 1964, Sp. 1159.

Schipperges, Stefan, Suidbert, in: Lexikon des Mittelalters, Band 8, München 1997, Sp. 298.

Spreckelmeyer, Goswin, Suitbert, in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Band 9, Freiburg/Basel/Wien/Rom 2000, Sp. 1105.

Strick, Günther, Das Kollegiatstift St. Suitbert zu Kaiserswerth von der Gründung bis zum Ausgang des Mittelalters, Dissertation Bonn 1955.

 

Online

Der Heilige Suitbertus (Biographische Information auf der Website des Pfarrverbandes Angerland-Kaiserswerth).

 

18.3.2013

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Wolfgang  Rosen (Köln) 
 

       
 

       
 
 Suitbert (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 266KB)

Der heilige Suitbert, Radierung, um 1694.