Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

Bildleiste
  
Navigationslinks überspringenStartseite  |  Persönlichkeiten  |  T  |  Peter Terkatz

Peter Terkatz (1880–1954), Bildhauer

Peter Terkatz war ein rheinischer Bildhauer, dessen Wirkungskreis vorwiegend im Gebiet zwischen Aachen, Viersen und Bonn lag; einzelne Werke fanden auch darüber hinaus Verbreitung.

Peter Terkatz wurde am 7.2.1880 in Viersen als drittes Kind und einziger Sohn des Seidenwebers Hermann Terkatz (1846–1887) und dessen Ehefrau Anna Maria Theveßen (1847–1905) geboren. Die beiden älteren Schwestern hießen Maria Helena (geboren 1875) und Maria Elisabeth (geboren 1877), die jüngere Elisabeth Anna (1881–1954).

Seine künstlerische Ausbildung begann Terkatz mit einer vierjährigen Lehre in einem Steinmetzbetrieb, bevor er – vermutlich ausgestattet mit einem Stipendium von Kommerzienrat Bis 1918 verliehener Ehrentitel für Kaufleute und Industrielle, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Josef Kaiser, dem Begründer von Kaiser's Kaffee – ein Studium in der Zeichenklasse der Düsseldorfer Kunstakademie aufnahm. Zur Familie Kaiser stand Terkatz jedenfalls Zeit seines Lebens in engem Kontakt, was eine Reihe von ihm angefertigter Bronzeporträts von Kaiser und dessen Kindern bezeugen. Zudem schuf Terkatz auf dem Viersener Löhfriedhof die gesamte Anlage des Familiengrabs von Josef Kaisers Vater Hermann (1822–1890) mit einer Hauptfigur und zwei seitlichen Steinreliefs. Möglicherweise ging es auch auf Kaisers Protektion zurück, dass Terkatz den Figurenschmuck für die von Kaiser finanzierte Viersener „Fest- und Turnhalle“ (1911–1913 errichtet) schuf.

Dem Studium in Düsseldorf folgte 1909 ein Bildhauerei-Studium an der Königlichen akademischen Hochschule für die bildenden Künste in Berlin (heute Universität der Künste Berlin) zunächst bei Professor Peter Breuer (1856–1930), dem Wegbereiter der Moderne Sammelbegriff für die Kunst und Architektur seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Gegensatz zum Historismus des 19. Jahrhunderts. in der Berliner Bildhauerschule und Schöpfer des zweiten Bonner Beethoven-Denkmals (1938 postum errichtet, heute Rheinaue Bonn) und seit dem Wintersemester 1911/1912 bei Professor Ernst Herter (1846–1917), der damals bereits mit seinen Standbildern überregionale Bedeutung erlangt hatte (1899 wurde sein Heinrich-Heine-Denkmal/Loreleybrunnen in New York aufgestellt). Es ist anzunehmen dass Terkatz zudem noch von einem dritten Lehrer, Professor Gerhard Janensch (1860–1933), unterrichtet worden ist, denn Janensch, seit 1892 als Nachfolger von Albert Wolff (1814–1992) Leiter der Modellierklasse, stand an der Hochschule extra für den Unterricht der fortgeschrittenen Bildhauerei-Studenten zur Verfügung, zu denen Terkatz ja aufgrund seiner Vorbildung gehört haben muss. Ein in manchen Quellen angegebenes Studium an der Kunstakademie in München lässt sich nicht nachweisen und erscheint auch zweifelhaft.

Generationstypisch nahm auch Terkatz – als Offizier – am Ersten Weltkrieg teil, bevor er eine geregelte Bildhauertätigkeit aufnehmen konnte. 1921 bezog er in Honnef (heute Stadt Bad Honnef) eine Wohnung in der Hauptstraße 14 und mietete zusätzlich ein Atelier in einer leeren Halle der Schreinerei Kaiser im nahegelegenen Rommersdorf (heute Stadt Bad Honnef). 1923 schuf er für den unmittelbar vor seinem Atelier gelegenen Platz die so genannte Anna-Säule, die zugleich als Wegweiser dient. 1929 verlegte er das Atelier in sein Haus, dass er seit seiner Hochzeit am 25.10.1922 gemeinsam mit seiner Ehefrau Wilhelmine Weber (1892–1958), genannt Mimi, bewohnte. Die Ehe blieb kinderlos.

In den 1920er Jahren begann auch seine rege Ausstellungstätigkeit, die sich für die Frühjahrs-Ausstellungen der Preußischen Akademie der Künste Berlin für die Jahre 1922, 1926, 1927, 1929, 1932 und 1933 belegen lässt. Daneben beteiligte er sich ebenso häufig an den Ausstellungen im „Städtischen Museum Villa Obernier“ in Bonn, das 1884 aus der Stiftung des verstorbenen Bonner Medizinprofessors Franz Obernier (1839–1882) hervorgegangen war und 1947 den Grundstock der neugegründeten „Städtischen Kunstsammlungen Bonn“ bildete. 1932 nahm er – gemeinsam mit Carlo Mense (1886–1965), dem renommierten Vertreter des Rheinischen Expressionismus Lateinisch-neulateinisch (Ausdruckskunst),  Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Stilrichtung der bildenden Kunst, der Literatur und um 1920 auch der Musik. Der Expressionismus steht im bewussten Gegensatz zum Impressionismus. Der Begriff wird erstmals 1911 gebraucht. , – als Gast an einer Ausstellung der von Karl Menser mitbegründeten „Bonner Künstler-Vereinigung 1914“ (BKV) im Heimatmuseum Honnef teil. Ebenfalls gemeinsam mit Carlo Mense, der 1933 ebenso wie Terkatz mit dem Rom-Preis der Preußischen Akademie der Künste ausgezeichnet worden war, absolvierte der Künstler 1933/1934 dank des mit dem Preis verbundenen Stipendiums einen einjährigen Studienaufenthalt in der Villa Massimo in Rom. Ein weiterer Stipendiat in jenem Jahr war Konrad Wachsmann (1901–1980), der Architekt des Einsteinhauses in Caputh (heute Gemeinde Schwielowsee).nach oben

Die hohe Auszeichnung hatte Terkatz für sein Werk „Klagende Frauen“ erhalten, einer Monumentalplastik, die der Bonner Kunsthistoriker Heinrich Lützeler (1902–1988) seinerzeit in der Monatszeitschrift „Die Kunst“ lobend besprochen hat. In Italien schuf Terkatz während seines Stipendiums eine Pietà für das Collegium Germanicum in Rom. Auch nach seiner Rückkehr widmete der Bildhauer sich, wie schon zuvor in den 1920er Jahren, vorwiegend der religiösen Kunst und fertigte Madonnenfiguren, Grabmäler und Gedenktafeln an.

Neben diesen Werken stechen jedoch vor allem zwei Arbeiten hervor: das Kriegerdenkmal auf dem Poppelsdorfer Friedhof in Bonn und das Kriegerdenkmal im Bonner Baumschulwäldchen am Wittelsbacher Ring. In beiden Fällen handelt es sich um Ehrenmale, die sich wohltuend von den oft heroisierenden Arbeiten anderer Künstler dieser Zeit abheben.

Das 1930 geschaffene Ehrenmal auf dem Poppelsdorfer Friedhof zeigt einen dahinsinkenden jungen Soldaten in der Felduniform des Ersten Weltkriegs, der sich – im Sterben begriffen – mit der linken Hand ans Herz fährt. Die Augen schon geschlossen, stützt er sich noch auf einem Felsen auf. Der ernste Blick der neusachlich aufgefassten Figur zeigt kein falsches Pathos, sondern erweckt beim Betrachter Mitleid. Hier gelingt es Terkatz, der Sinnlosigkeit des Soldatentods einer geopferten Jugend Ausdruck zu verleihen.

Das zweite, 1939 geschaffene Kriegerdenkmal geht zurück auf einen früheren Entwurf des Bildhauers, mit dem er zu Beginn der 1920er Jahren an einem Wettbewerb des Regimentsverbands des ehemaligen 9. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 160 teilgenommen hatte, der seinen gefallenen Kameraden des Ersten Weltkriegs ein würdiges Ehrenmal in Bonn errichten lassen wollte. Doch die Verhandlungen mit der Stadt zogen sich bis 1938 dahin und wurden erst mit der Auflage, ein allgemeines Bonner Ehrenmal zu schaffen, beendet. Die Inaugurationsfeier fand am 21.5.1939 unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt.

Das Denkmal aus Basaltlava besteht aus einer zweistufigen Bodenplatte, über der sich eine schwere 4 mal 2,20 Meter große Deckenplatte, getragen von vier steinernen Adlern, erhebt. Darunter befindet sich die Figur eines vollbekleideten und Stahlhelm tragenden toten Soldaten, der lang ausgestreckt wie in einem Sarkophag ruht.

Wenn Terkatz damit auch der heute auf wenig Verständnis stoßenden romantisch-verklärten Idee folgt, dass der für sein Vaterland gefallene Soldat in einem höheren Sinn nicht tot ist, sondern nur ruht und in seinem Volk weiter lebt, so muss man doch konstatieren, dass er in einer Zeit, als sich der Nationalsozialismus auf dem Höhepunkt befand, auf jedes nationalsozialistische Emblem, wie etwa Hakenkreuze, verzichtete, und das Mahnmal in einer schlichten, geradezu zurückgenommenen künstlerischen Form schuf. Der sonst in der NS-Kunst übliche heroisch-pathetische Stil fehlt hier ganz, so dass die Anlage nichts martialisches, sondern etwas Weihevolles ausströmt.

Am 31.8.1954 starb Peter Terkatz in Honnef, wo er auf dem Alten Friedhof begraben wurde. Ein naturbelassener Granitstein erinnert heute an den Künstler. Nach dem Tod fast vergessen, wurde seinen zwischen Moderne und Klassik stehenden, teils von der neu-sachlichen Schule geprägten Arbeiten erst wieder in jüngerer Zeit Beachtung geschenkt.

Werke in der Öffentlichkeit (Auswahl)

1912 - Giebelschmuck, Festhalle, Viersen.
1914 - Porträt-Büsten, Josef Kaiser und Kinder sowie Grabanlage Herman Kaiser, Löhfriedhof, Viersen.
1914 - Bronzerelief, Porträt Friedrich Greef, Viersen.
1923 - Anna-Säule, zugleich Wegweiser, Bad Honnef.
1925 - St. Anna-Wegweiser, Bad Honnef.
Nach 1927 - Kreuzweg, St. Bonifatius, Frankfurt a. M.
1928 - Relief am Brunnen Ecke Am Himmelreich/Am Totenborn, Linz am Rhein.
1929 - Grabmal Professor Felten, Poppelsdorfer Friedhof, Bonn.
1930 - Kriegerdenkmal, Poppelsdorfer Friedhof, Bonn.
1930 - Portal, Prosper-Hospital, Recklinghausen.
1932 - Gruppe Klagende Frauen, unbekannter Ort.
1932 - Plastiken, St. Vincenz-Waisenhaus, Dortmund.
Nach 1932 - Madonna, am Turm der Liebfrauenkirche, Arnsberg.
1933/1934 - Pietà, Collegium Germanicum et Hungaricum, Rom.
1937 - Marienstatue und Reiterbild Karls des Großen, Diözesanbibliothek, Aachen.
1939 - Kriegerdenkmal, Baumschulwäldchen, Bonn.
1940 - Der Pflüger, Relief, Grabstätte Wülfing, Südfriedhof, Bonn.
1942 - Madonnenfigur, Eiche, Michaelskirche, Opladen (heute Stadt Solingen).
Nach 1950 - Grabmal Dr. Pomp, Friedhof Kessenich, Bonn.
1952 - Kreuzigungsgruppe, Holz, St. Marienkirche, Siegen.
1953 - Madonna, Holz, St. Marienkirche, Siegen.
1953 - Marienstatue, Muschelkalk, Portal der Pfarrkirche, Bad Honnef-Rhöndorf.
Madonna, Marmor, Bergisch Gladbach
Bronzerelief, Burgfriedhof Bad Godesberg, Bonn.
Kriegerdenkmal, Zentralfriedhof Bad Godesberg, Bonn.
Grabmal, Ohlsdorfer Friedhof, Hamburg.

Literatur

Lützeler, Heinrich, Peter Terkatz, in: Die Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst 67 (1933), S. 114-117.

Lützeler, Heinrich, Peter Terkatz, Ein Rheinischer Bildhauer, in: Die Christliche Kunst 30, Heft 8, Mai 1934, S. 220-230.

Niesen, Josef, Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, im Druck.

Pauly, Albert, Peter Terkatz (1880–1957) „ein rheinischer Bildhauer“ aus Viersen, in: Heimatbuch des Kreises Viersen 2008, S. 52-61.

5.12.2013

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.
 



Josef  Niesen  (Bonn) 
 

       
 

       
 

 Kriegerdenkmal im Bonner Baumschulwäldchen (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 507KB)

Kriegerdenkmal im Bonner Baumschulwäldchen, Foto: Josef Niesen.

 

Viersener Festhalle (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 428KB)

Viersener Festhalle. (Heimatverein Viersen)

 Relief in Linz am Rhein, Ecke Am Himmelreich / Am Totenborn (BIldvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 573KB)

Relief in Linz am Rhein, Ecke Am Himmelreich / Am Totenborn, 2006, Foto: Wolfgang Ruland.

 Kriegerdenkmal auf dem Poppelsdorfer Friedhof (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 2174-4D)

Kriegerdenkmal auf dem Poppelsdorfer Friedhof in Bonn, 2011, Foto: Jotquadrat / CC-BY-SA.

 Marienfigur am Portal der Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung in Rhöndorf (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 221KB)

Marienfigur am Portal der Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung in Bad Honnef-Rhöndorf, 2005, Foto: Tohma / CC-BY-SA.