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Cherubine (Anna Maria Josepha) Willimann (1842-1914), Gründerin und erste Generalpriorin der Kongregation der Arenberger Dominikanerinnen

Cherubine Willimann ist die eigentliche Gründerin des Klosters Arenberg bei Koblenz, das sich unter ihrer Leitung zu einer deutschlandweit tätigen, katholischen religiösen Frauengenossenschaft (Kongregation) mit dem Arbeitsfeld der Armen-, Kranken- und Waisenpflege entwickelte.

Anna Maria Josepha Willimann wurde am 12.3.1842 in Niderwil bei Rickenbach im Schweizer Kanton In Frankreich 1800 eingeführte Verwaltungseinheit die in etwa dem Landkreis entsprach. Sie umfasst mehrere Mairien und ist eine Untergliederung der Arrondissements. Luzern geboren. Sie war eine von vier Töchtern der Eheleute Alois Willimann (gestorben 1857) und Elisabeth Steiger (gestorben 1862). Das Mädchen, Josepha gerufen, wuchs in einfachen bäuerlichen Verhältnissen auf. Neben elementarer Schulbildung erwarb es vielseitige praktische Fähigkeiten. Im Januar 1865 trat die 23-Jährige in das Dominikanerinnenkloster St. Peter in Schwyz ein, das zum Zweiten Orden gehörte. Dort lebten bereits ihre beiden Schwestern. Die dritte war im Kindesalter gestorben. Josepha, mit Ordensnamen Maria Petrina, musste ihr Noviziat im Februar 1866 abbrechen. Es heißt, sie sei wegen mangelnder Sehkraft und schwacher Gesundheit dem langen, auch nächtlichen Stundengebet und den Fastenvorschriften nicht gewachsen gewesen. Indes blieb sie als Pförtnerin und Haushälterin des Klostergeistlichen in St. Peter wohnen.

Zur gleichen Zeit bemühte sich in Arenberg bei Koblenz Pfarrer Johann Baptist Kraus (1805-1893) bei verschiedenen Ordensgemeinschaften um Schwestern. Diese sollten die von ihm ab 1845 angelegten "Heiligen Orte", eine spätromantische Wallfahrtsanlage, pflegen und soziale Aufgaben in der Pfarrei übernehmen. Dazu hatte er 1864 ein kleines Klostergebäude errichten lassen. Schließlich fanden sich 1868 die Dominikanerinnen von Schwyz bereit, mit Genehmigung Papst Pius IX. (Pontifikat 1846-1878) in Arenberg ein auf Schule und Krankenpflege ausgerichtetes Dominikanerinnenkloster des Dritten Ordens zu gründen. Sie schickten zwei kontemplative Nonnen ins Rheinland, damit diese mehrere Kandidatinnen in das Leben als Dominikanerin mit tätigem Apostolat einführten. Das Schwyzer Kloster selbst war zu der Zeit in heftige Auseinandersetzungen über die strenge Beobachtung der Regel des Zweiten Ordens verwickelt. Für Josepha Willimann eröffnete das rheinische Gründungsvorhaben die Möglichkeit, einen neuen Klostereintritt unter für sie passenderen  Rahmenbedingungen zu versuchen. Sie reiste nach Arenberg, wo sie am 17.6.1868 ihr Postulat beginnen durfte. Am 22.7.1868 erhielt sie das Ordenskleid und den Ordensnamen Maria Cherubina; erst ab 1888 unterschrieb sie mit Cherubine, wohl weil diese Namensform in behördlichen Schreiben gebräuchlich war. Ihr Gelübde legte sie am 17.8.1869 ab. Unter den Arenberger Schwestern brachen bald heftige Konflikte um die Leitung und den Stellenwert von Kontemplation und sozialer Arbeit auf. Der Fortbestand des Klosters war gefährdet. Äußere Umstände führten eine neue Situation herbei, indem der Deutsch-Französische Krieg die Schweizerinnen 1870 zur fluchtartigen Heimkehr veranlasste. Nach Kriegsende kehrte Sr. Cherubina, begleitet von einigen Dominikanerinnen des Dritten Ordens, die ihrerseits aus Frankreich nach St. Peter geflüchtet waren, ins Rheinland zurück. Von da an stabilisierte sich die Klostergründung in Arenberg. Sr. Cherubina übernahm am 31.1.1875 das Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. der Subpriorin.nach oben

Im Kulturkampf Krise des Deutschen Kaiserreiches unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der römisch-katholischen Kirche sowie der politisch-parlamentarischen Vertretung der katholischen Bevölkerung des Reiches (insbesondere der Zentrumspartei) zwischen 1871 und 1891. Streitpunkte waren die Aufhebung der katholischen Abteilung des preußischen Kultusministeriums durch Bismarck, das Festhalten der Kirche am Unfehlbarkeitsdogma, die Einführung der Zivilehe sowie die Repressionen gegen katholische Geistliche und der Einfluss des Staates auf die Kirche. Nach dem "Kanzelparagraphen" 1871 (Änderung des Strafgesetzbuches, wonach es Geistlichen aller Religionen verboten war, sich in Ausübung ihres Amtes in öffentlichen Stellungnahmen politisch zu äußern, galt bis 1953), dem Verbot der Jesuitenniederlassungen 1872 und der Einführung der staatlichen Schulaufsicht, bildeten die sogenannten Maigesetze 1873 (staatliche Kontrolle von Ausbildung und Einstellung der Geistlichen) den Höhepunkt des Kulturkampfes. Die Verschärfung der Bestimmungen über die Verwaltung des Kirchenvermögens beendete 1878 die  Kulturkampfgesetzgebung. Die 1886 und 1887 erlassenen "Friedensgesetze" führten schließlich zur Beilegung des Konflikts. wurde das Kloster vorsichtshalber von der Pfarrei gelöst und verselbstständigt. Die gegen die Orden gerichteten Gesetze zwangen die Dominikanerinnen, sich ganz auf das Arbeitsfeld der Krankenpflege zu konzentrieren, denn in Preußen wurden 1875 alle Orden und Kongregationen mit Ausnahme der krankenpflegenden verboten. Außerdem war die Aufnahme von neuen Schwestern nicht mehr gestattet. Kloster Arenberg verlegte sein Noviziat deswegen 1879 in die Niederlande. Nachdem die dortigen Schwestern eine kontemplative Lebensweise angenommen hatten, zerbrach der Zusammenhalt beider Standorte. 1885 trennte der Trierer Bischof Michael Felix Korum beide Konvente. In Arenberg setzte er Sr. Cherubina für zwei Jahre als Priorin ein. Ihren Initiativen ist der folgende Aufschwung zu verdanken: 1887 konnten die Arenbergerinnen ihre erste Filiale in Moselweiß errichten. Sie nutzten eine Immobilie, die eine Schwester geerbt hatte, und eröffneten ein Waisenhaus. Die Arenberger Klosteranlage wurde erweitert. Sr. Cherubina betrieb die Ausarbeitung von Konstitutionen und sorgte für die weitere Ausbreitung der Gemeinschaft. 1889 nahm sie in Berlin einige Frauen auf, die als Krankenpflegerinnen gearbeitet und bereits ein religiöses Gemeinschaftsleben geführt hatten. 1890 bezog sie Frauen ein, die sich in Oberhausen-Styrum um Waisen kümmerten. 1890 konnte die erste Ausgabe der Konstitutionen der Arenberger Dominikanerinnen veröffentlicht werden. Sie sehen ein Apostolat in Pflege, Erziehung und Mädchenbildung vor.

Cherubine Willimann wurde am 28.5.1896 zur ersten Generalpriorin der neuen Kongregation gewählt (Dominikanerinnen von der hl. Katharina von Siena mit dem Mutterhaus Arenberg). Die Filialen in Moselweiß, Berlin und Oberhausen erhielten den Status von Prioraten. Die Kongregation wuchs rasch, dabei lag der eine räumliche Schwerpunkt in der Rheinprovinz, der andere im Umland von Berlin. Im Rheinland unterstanden Generalpriorin Cherubine Willimann bald Häuser in Köln (Stift St. Agnes in der Mittelstraße), Heerdt bei Düsseldorf, Bedburg-Kirchherten, Niederembt (heute Stadt Elsdorf) und Elberfeld (heute Stadt Wuppertal). Es gelang der erfolgreichen und allseits geschätzten Generalpriorin, einen inneren Zusammenhalt der vielen Schwesterngemeinschaften herzustellen. Dazu besuchte sie die Niederlassungen in der Rheinprovinz ebenso wie die entfernten bei Berlin und in Breslau. Als zweites Mittel der Leitung und Seelsorge hielt sie einen intensiven Briefkontakt mit den Prioraten.

Das Amt der Generalpriorin war zeitlich befristet. Cherubine Willimann kam bei der 1902 anstehenden Wahl wegen entsprechender Einschränkungen der Konstitutionen nicht für eine Wiederwahl in Frage. Sie nahm zunächst eine Aufgabe im Raum Berlin wahr. Danach wurde sie mit dem Amt der Priorin am Heerdter Dominikus-Krankenhaus betraut. Auch als Cherubine Willimann offiziell nicht das Amt der Generalpriorin bekleidete, nahm sie dank ihrer starken Stellung, reichen Erfahrung und ihres hohen Ansehens noch maßgeblichen Einfluss auf die Leitung der Kongregation. So wurde sie 1908 unter Nutzung einer Ausnahmeklausel nochmals in das Amt der Generalpriorin gewählt. 1909 eröffneten die Arenberger Dominikanerinnen in Köln an der Aachener Straße das Dreifaltigkeits-Krankenhaus. Kurz nach dem Tod ihrer ersten Generalpriorin zählte die Kongregation 1916 neben dem Mutterhaus 42 Niederlassungen.

Cherubine Willimann starb am 18.12.1914 und liegt auf dem Klostergelände in Koblenz-Arenberg begraben.

 

Literatur
Hoppe,  Peter, Schwyz, in: Zimmer, Petra/ Degler-Spengler, Brigitte (Red.), Die Dominikanerinnen in der Schweiz (Helvetia Sacra Abt. IV, Band 5.2), Basel 1999, S. 840-888.

Meuther, Ralf, Cherubine Willimann: Dominikanische Ordensgründerin während der Reichsgründung und des sozialen Fortschritts, Hamburg 2005.

Klöster und Ordensgemeinschaften, hg. v. Erwin Gatz unter Mitwirkung von Marcel Albert und Gisela Fleckenstein, Freiburg/Basel/Wien 2006.

 

13.6.2013

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Anja  Ostrowitzki  (Bonn) 
 

       
 

       
 
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Cherubine Willimann, Porträt.