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Maximilian Alexander Philipp Prinz zu Wied-Neuwied (1782-1867), Naturforscher und Ethnologe

Maximilian Alexander Philipp Prinz zu Wied-Neuwied war ein bedeutender Naturforscher und Ethnologe. Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine Studien über die nordamerikanische Indianer-Kultur. Daneben erwarb er sich Verdienste um die Erforschung der Fauna von Rheinland und Westerwald.

Maximilian zu Wied-Neuwied wurde als achtes von zehn Kindern des Erbgrafen (später Fürsten) Friedrich Carl zu Wied-Neuwied (1741-1809) und seiner Ehefrau Louise Gräfin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1747-1823) am 23.9.1782 auf Schloss Neuwied geboren. Seine Kindheit und Jugend waren durch die Französische Revolution geprägt. In den Koalitionskriegen musste der junge Maximilian zu Wied-Neuwied mit seiner Familie vor den französischen Truppen zeitweilig in thüringische Meiningen fliehen. Zu dieser Zeit war Schloss Monrepos bei Niederbieber – Sommersitz der Familie – Lebensmittelpunkt des jungen Adligen. Dort kümmerte sich vor allem der Ingenieurleutnant Christian Friedrich Hoffmann um die Erziehung und schulische Bildung des jungen Maximilian. Dem engagierten und vielseitig interessierten Leutnant war es vermutlich zu verdanken, dass die naturwissenschaftlichen Interessen des Prinzen erweckt und gefördert wurden.

Entsprechend der Familientraditionen schlug Maximilian zu Wied-Neuwied 1802 die militärische Laufbahn ein und diente zunächst wie sein Bruder Victor im österreichischen Heer, wechselte aber nach kurzer Zeit in die Dienste Preußens über, für das er größere Sympathie empfand. Die militärische Laufbahn des Prinzen wurde durch die Napoleonischen Kriege bestimmt, bis er 1806 nach der Schlacht von Jena und AuerstedtIn der Doppelschlacht vom 14.10.1806 erlitt die preußische Armee eine vernichtende Niederlage gegen die Truppen Napoleon, der am 27.10.1806 in Berlin einzog. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. (Regentschaft 1797-1840) floh nach Ostpreußen. Der zusammen mit Russland weitergeführte Krieg endete am 14.6.1807 in der Niederlage von Friedland. Im  anschließenden Frieden von Tilsit verständigten sich Frankreich und Russland, Preußen wurde zum Verhandlungsobjekt degradiert. Es verlor mehr als der Hälfte seines Territoriums und musste hohe Kontributionszahlungen leisten. Die Festungen Stettin, Küstrin und Glogau blieben französisches Faustpfand, das preußische Heer wurde auf 42.000 Mann begrenzt. Tiefpunkt der preußischen Geschichte. kurzzeitig in französische Kriegsgefangenschaft geriet. Aus dieser entlassen, kehrte er nach Neuwied zurück, widmete sich naturwissenschaftlichen Studien und begann mit den Vorbereitungen für eine Forschungsreise nach Übersee. Doch zuvor schrieb er sich im Frühjahr 1811 an der Universität Göttingen ein, wo er bis 1812 studierte, jedoch ohne einen bestimmten Abschluss anzustreben. Das Studium sollte mehr der Vorbereitung seiner Entdeckungsreisen dienen.nach oben1813 kehrte Maximilian in preußische Militärdienste zurück, nahm an den Befreiungskriegen teil und 1814 am siegreichen Feldzug nach Frankreich, der mit dem Einmarsch in Paris endete. Während seiner Zeit in Paris knüpfte er Kontakte mit bedeutenden Gelehrten, darunter Alexander von Humboldt (1769-1859), der ihn zu einer Reise nach Brasilien ermutigte. Nach seiner Beurlaubung von der preußischen Armee begab sich der „Baron von Braunsberg", wie sich Maximilian zu Wied-Neuwied auf seinen Überseereisen nannte, im Frühjahr 1815 auf Entdeckungsfahrt nach Brasilien, die über London nach Rio de Janeiro führte. Von hier aus erkundete er, zusammen mit dem Ornithologen Georg Wilhelm Freyreiss (1781-1825) und dem Botaniker Friedrich Sellow (1789-1831) die küstennahen Gebiete zwischen Rio de Janeiro und Salvador, wo Maximilian die Tier- und Pflanzenwelt untersuchte. Daneben erforschte er auch die dort lebenden Indianerstämme. Seine Erkenntnisse und Erfahrungen, die er auf dieser Reise gewonnen hatte, veröffentlichte Maximilian 1820/1821 in der zweibändigen „Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817". Das Werk erregte auch außerhalb einschlägiger Fachkreise hohe Aufmerksamkeit. 1825-1833 folgten die „Beiträge zur Naturgeschichte Brasiliens", die in vier Teilbänden erschienen.

Schon bald nach seiner Rückkehr verfolgte der Prinz Anfang der 1820er-Jahre Pläne für eine zweite Expedition, die allerdings zunächst sehr unbestimmt blieben. Erst 1830 entschied er sich für eine Reise in die Vereinigten Staaten. Dort wollte er nicht nur Flora und Fauna erkunden, sondern vor allem die nordamerikanischen Indianer-Kulturen erforschen und mit denen der brasilianischen Stämme vergleichen. Im Sommer 1832 verließ Maximilian an der Seite des Schweizer Malers Karl Bodmer (1809-1893) und des Jägers David Dreidoppel, der den Prinzen schon auf der Brasilienreise begleitet hatte, Europa und erreichte Anfang Juli die Ostküste der USA. Von dort ging die Reise nach Westen bis nach New Harmony, wo sie den Winter 1832/1833 verbrachten. Im Frühjahr 1833 zogen sie weiter nach St. Louis und von dort aus per Schiff (1) Wasserfahrzeug, (2) in der Baukunst Laienhaus in der christlichen Kirche, in der Basilika und der Hallenkirche eingeteilt in Mittel- und Seitenschiffe, die Saalkirche ist einschiffig. auf dem Missouri nach Fort McKenzie. Ursprünglich war eine Weiterreise in die Rocky Mountains geplant gewesen, jedoch verhinderten dies Auseinandersetzungen zwischen den Indianerstämmen.

Nach mehreren Wochen, die sie zur Erforschung vor allem der Indianerkulturen nutzten, fuhren der Prinz und seine Begleiter wieder nach Süden in ihr Winterquartier und kehrten im Frühjahr 1834 über St. Louis und die Ostküste nach Europa zurück. Als Ergebnis dieser Reise entstand das ab 1837 gedruckte zweibändige Werk „Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834", das zu einer wichtigen Dokumentation über die nordamerikanischen Urbevölkerung wurde, da Maximilian zu Wied-Neuwied zu dieser Zeit der einzige Ethnologe war, der sich wissenschaftlich mit den Ureinwohnern Nordamerikas befasste und die Kultur der amerikanischen Ureinwohner in dieser Zeit des Umbruchs dokumentierte. Auch die Illustrationen von Karl Bodmer machten das Werk zu einem Meilenstein in der Geschichte des Buchdrucks im 19. Jahrhundert. Daneben schrieb Maximilian in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Beiträge für verschiedene Zeitschriften über seine Amerika-Reise und die amerikanische Urbevölkerung.

Ein weiterer, wenig bekannter wissenschaftlicher Schwerpunkt Maximilians lag im Rheinland, genauer am Mittelrhein. Dort und im angrenzenden Westerwald erforschte er die heimische Fauna. Die Veröffentlichung seiner Erkenntnisse überließ er jedoch anderen, vor allem dem Neuwieder Apotheker Franz Peter Brahts (1802-1872) und dem Wiesbadener Konservator August Römer (1825-1899).

In Anerkennung seines wissenschaftlichen Werks verlieh die Universität Jena 1858 Maximilian zu Wied-Neuwied die Ehrendoktorwürde. Der „Naturhistorische Verein der preußischen Rheinlande und Westfalens" ehrte den bekannten Naturforscher und Völkerkundler, indem er seine 20. Generalversammlung 1863 nach Neuwied legte. Dort hielt Maximilian seine letzte öffentliche Rede.

Maximilian zu Wied-Neuwied starb nur vier Jahre später, am 3.2.1867, im hohen Alter von 84 Jahren an einer Lungenentzündung und wurde im Familiengrab des fürstlichen Schlosses beigesetzt. Heute erinnern an ihn neben einigen Straßen und Plätzen auch nach ihm benannte Tier- und Pflanzenarten Nord- und Südamerikas.

 nach obenWerke (Auswahl)

Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817, Frankfurt a.M. 1820-1821.

Beiträge zur Naturgeschichte Brasiliens, 4 Bände in 5 Teilen, Weimar 1824-1833.

Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834, 2 Textbände und 1 Bildband mit Illustrationen von Karl Bodmer, Koblenz 1839-1841. [siehe Online]

 

Literatur

Roth, Hermann Josef (Hg.), Prinz Maximilian zu Wied. Jäger, Forscher, Reisender. Westerwald und Amerika. Leben und Werk. Verlag der Museen des Westerwaldkreises, Montabaur 1995.

 

Online

Noll, Michael G., Prince Maximilian of Wied (1782-1867). A German Explorer and Naturalist, Ann Arbor 2001 (Angebot auf der Website der Valdosta State University, USA).

Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834, 2 Textbände und 1 Bildband mit Illustrationen von Karl Bodmer, Koblenz 1839-1841 (Angebot in den Digital Collecitions, J. Willard Library, University of Utah, USA).

 

30.9.2010

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

 



Stefan Hackenbruch (Koblenz) 
 

       
 

       
 
 Prinz Maximilian Alexander zu Wied (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 143KB)

Prinz Maximilian Alexander zu Wied, Kupferstich von Heinrich Meyer, um 1820-1825. (Roentgen-Museum Neuwied/Kreismuseum Neuwied)