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Die Düsseldorfer Malerschule im
19. Jahrhundert

 

1. Voraussetzungen
2. Die Anfänge der Düsseldorfer Malerschule unter Peter Cornelius
3. Die Blüte der Düsseldorfer Malerschule unter Wilhelm Schadow
4. Der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen
5. Die Entwicklung der Düsseldorfer Malerschule in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
    5.1 Neue Tendenzen
    5.2 Kunst und Wirtschaft
    5.3 Kulturelles Leben
6. Die unterschiedlichen Sparten und ihre Vertreter
    6.1 Historienmalerei und Porträt
    6.2 Religiöse Malerei
    6.3 Kupferstich
    6.4 Monumentalmalerei
    6.5 Genre
    6.6 Landschaft
7. Schluss
Anmerkungen
Literatur
Online

 

Der Begriff „Düsseldorfer Malerschule An der 1819 wieder begründeten Kunstakademie Düsseldorf formierte sich unter ihren Direktoren Peter Cornelius (Amtszeit 1819-1826)  und Wilhelm von Schadow (Amtszeit 1826-1859) die "Düsseldorfer Malerschule", die bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts Künstler anzog und in der Monumental-, Historien-, Landschafts- und Genremalerei Werke hervorbrachte, die bis heute wertgeschätzt werden. “ ist verbunden mit den in unterschiedlichsten Sparten ausgebildeten Künstlern der Königlich Preußischen Kunstakademie in Düsseldorf, die über Generationen hinweg Maßstäbe in der Entwicklung der Kunst in Deutschland setzten. Unter den rund 4.000 Studierenden, die zwischen 1819 und 1918 die Akademie besuchten, findet sich eine beträchtliche Anzahl von Künstlern, deren Werke und Wirken Weltruhm erlangten.

Andreas Achenbach, Alte Akademie (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 504KB)
Andreas Achenbach, "Die alte Akademie in Düsseldorf", Gemälde, 1831, Original im Museum Kunstpalast Düsseldorf.

 

1. Voraussetzungen

Die Gründung der Düsseldorfer Kunstakademie geht in die Zeit des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Sulzbach zurück. Der Maler und Kunstsammler Wilhelm Lambert Krahe (1712-1790), Inspektor der kurfürstlichen Galerie, bemühte sich seit 1769 um die öffentliche Einrichtung einer Kunstschule. Die Genehmigungsurkunde zur Gründung der „Kurfürstlich-Pfälzischen Academie der Maler, Bildhauer- und Baukunst“ datiert vom 3.3.1773. Als Grundstock für Lehr- und Anschauungsmaterial diente die von Krahe hauptsächlich in Italien privat erworbene Sammlung von rund 15.000 Handzeichnungen, 22.000 Druckgraphiken und zahlreichen Gemälden. 1782 stellte der Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. das Hondheimische Palais an der damaligen Damm- und Kommisariatsstraße in Düsseldorf als Akademiegebäude zur Verfügung.

Unter Krahes Nachfolger Johann Peter Langer (1756-1824) wurde der Ausbau des Instituts fortgesetzt, doch hatte die Einrichtung zur Zeit der Napoleonischen Kriege zunehmend um ihren Erhalt zu kämpfen. Die Neuordnung der Länder durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803, die Säkularisierung der geistlichen Fürstentümer und die Zeit unter französischem Protektorat Lateinisch, Schutzherrschaft, Gönnerschaft, auch Ehrenvorsitz, bedeutet (1) völkerrechtlich die Schutzherrschaft eines Staates oder einer Staatenmehrheit über einen anderen Staat und bezeichnet dabei nicht nur das Schutz- und Abhängigkeitsverhältnis, sondern auch den abhängigen Staat, (2) staatsrechtlich früher auch die Schutzgewalt eines Staates über seine Kolonien. Vom völkerrechtlichen Protektorat unterscheidet sich das staatsrechtliche vor allem dadurch, das dass Schutzgebiet kein eigener Staat ist, der sich unter die Schutzherrschaft eines anderen Staates begeben oder ihm unterworfen hat, sondern dass es staats-und völkerrechtlich als Inland des Staates anzusehen ist, unter dessen Herrschaft es steht. und die darauffolgende Besetzung durch die Verbündeten 1813 gingen an Düsseldorf nicht spurlos vorbei, zumal 1805 die kurfürstliche Galerie, die den Studenten wertvolles Studienmaterial geliefert hatte, nach München überführt wurde.

Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses fiel 1815 Düsseldorf mit den als Rheinprovinz (ab 1830 so bezeichnet) zusammengefassten rheinischen Territorien an das Königreich Preußen. Unter König Friedrich Wilhelm III. (Regentschaft 1797-1840) wurde die Reorganisation der Akademie, die in das Galeriegebäude des ehemaligen Kurfürstlichen Schlosses am Burgplatz in Düsseldorf umzog, vorgenommen.

 

2. Die Anfänge der Düsseldorfer Malerschule unter Peter Cornelius

Peter Cornelius (1783-1867), Sohn des Malers und Akademieinspektors Christian Aloys Cornelius (1748-1800), wurde 1819 zum Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie berufen. Noch kurze Zeit vorher hatte er in Rom geweilt, wo er sich 1812 dem Lukasbund unter Friedrich Overbeck (1789-1869) angeschlossen hatte und gemäß dem Stil der „Nazarener“ an der Ausmalung des Palazzo Zuccari mit Fresken aus der Josephslegende und auch an dem Folgeauftrag, der Ausmalung der Villa des Marchese Carlo Massimi, beteiligt war. Cornelius‘ Arbeit in Rom und seine nachdrücklich geäußerte Überzeugung, dass die Wiederbelebung der Fresko-Malerei das unfehlbare Mittel sei „der deutschen Kunst ein Fundament zu einer neuen, dem großen Zeitalter und dem Geist der Nation angemessene Richtung zu geben“ (Brief an Joseph Görres vom 3.11.1814), überzeugten auch den Kronprinzen Ludwig von Bayern (1786-1868, 1825-1848 König Ludwig I.), der Cornelius mit der Ausmalung der Münchner Glyptothek beauftragte.

1821 nahm Cornelius den Ruf als Düsseldorfer Akademiedirektor an und brachte zahlreiche seiner Schüler mit. Am 3.11.1822 wurde der Lehrbetrieb aufgenommen. Cornelius verfolgte jedoch gleichzeitig seine Arbeit in der Glyptothek weiter, nahm also einige Jahre eine Doppeltätigkeit in Düsseldorf und München wahr.

Dem Nazarenischen Stil und dem Ideal eines mittelalterlichen Werkstattbetriebs folgend, lag der Schwerpunkt von Cornelius´ Lehre auf der Wiederbelebung der Monumentalmalerei. Dem entsprechend gingen Anfragen und Aufträge an die Düsseldorfer Akademieleitung beziehungsweise die „junge Düsseldorfer Schule“: Die Ausmalung der Bonner Universitätsaula, ein Fresko für den Assisensaal in Koblenz, Wandbilder für das Cappenberger Schloss (heute Stadt Selm) im Auftrag des Freiherrn vom Stein, des Plessener Schlosses in Eller (Stadt Düsseldorf) und des Schlosses von Graf Franz von Spee in Heltdorf (Stadt Düsseldorf). Alle diese Aufträge gerieten jedoch ins Stocken, als Cornelius 1825 dem Ruf als Direktor der Münchner Akademie folgte und seine Schüler ihn bis auf wenige Ausnahmen begleiteten.

Joseph v. Keller, Porträt von Wilhelm von Schadow (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 355KB)
Joseph von Keller, Porträt von Wilhelm von Schadow, Kupferstich, 1834, Original im Heimatmuseum Sinzig.

 

3. Die Blüte der Düsseldorfer Malerschule unter Wilhelm Schadow

Wilhelm Schadow (1789-1862), Sohn des Bildhauers und Berliner Akademiedirektors Johann Gottfried Schadow (1764-1850), Leiter eines Meisterateliers für Malerei an der Berliner Kunstakademie, wurde 1826 mit der Düsseldorfer Akademiedirektion betraut. Auch er, wie Cornelius dem Lukasbund in Rom angeschlossen und dem Malstil der Nazarener folgend, brachte zahlreiche seiner Meisterschüler nach Düsseldorf mit, unter ihnen Julius Hübner der Ältere (1806-1882), Christian Köhler (1809-1861), Carl Ferdinand Sohn (1805-1867), Theodor Hildebrandt (1804-1875), Heinrich Mücke (1806-1891) und Carl Friedrich Lessing (1808-1880). Schadow reorganisierte den vernachlässigten Lehrbetrieb, etablierte die hierarchisch aufgebauten Bereiche Elementar-, Vorbereitungs-, Meisterklassen und selbständige Meisterateliers neu und besetzte nach und nach Stellen mit Gefolgsleuten seiner Wahl. Schadow selbst übte die Lehre für Bildnis- und Historienmalerei aus, die für viele Jahre den Schwerpunkt der Akademie bilden sollte.

Der große Erfolg des Lehrbetriebs, der die „Düsseldorfer Malerschule“ zu internationalem Ruhm führte, lag in der auratischen Persönlichkeit Schadows, der es mit hohem organisatorischen Talent verstand, ein enges und sehr persönliches Netzwerk einerseits zwischen Studierenden, Lehrenden und Vertretern der Literatur, Musik und des Theaters zu knüpfen und andererseits auf gesellschaftspolitischem Parkett alle Möglichkeiten auszuspielen.

Das Schulprinzip Schadows bestand in der Ausführung einer „dichterischen Idee“, was bedeutete, dass sich die Motivwahl auf die Wiedergabe literarischer Vorgaben (Bibel, mittelalterliche Geschichte, Dramen, romantische Dichtung) beschränkte, während der Stil dem zurückhaltenden Kolorit und dem „keuschen“, schönlinigen Ideal der Nazarener verpflichtet war.

Kameradschaftliches Schaffen innerhalb der Künstlergemeinschaft und ein reger fachlicher sowie persönlicher Austausch untereinander wirkten sich fruchtbar auf die Entwicklung der Studierenden aus. Legendär sind die von Schadow gepflegten Künstlerzirkel, bei denen ein bevorzugter Kreis seiner Studenten, Lehrende und Kunstinteressierte sonntagabends im schwarzen Frack gekleidet, zusammentrafen um über ästhetische Fragen zu diskutieren, oder auch die seit Herbst 1826 im Rahmen des „Familienvereins Düsseldorfer Künstler“ organisierten wöchentlichen Zusammenkünfte, bei denen Schadow und seine Meisterschüler die neuesten Kompositionen besprachen.

Der eng mit Schadow befreundete Landgerichtsrat, Schriftsteller, Dramatiker und von 1834-1837 Leiter des Düsseldorfer Stadttheaters, Karl Immermann, avancierte zum Mentor, hielt unter anderem seine Leseproben im Beisein ausgewählter Studenten in der Akademie ab und bot allein dadurch seinen Zuhörern dramatischen Stoff für ihre Werke.

Schadow verstand es außerdem, die Akademie mit Hilfe seiner Freunde auch nach außen glanzvoll zu repräsentieren. So machten unter anderem der Staatsprokurator und Kunsthistoriker Karl Schnaase (1798-1875) mit den „Düsseldorfer Kunstberichten“ im Berliner Kunst-Blatt und seine dort 1831 publizierten Rede „Über die Richtung der Malerei unserer Zeit“ Düsseldorfer Kunst landläufig publik (1). Auch Karl Immermanns Kritiken einzelner Werke in dem Berliner Kunst-Blatt und seine „Maskengespräche“ trugen zum Bekanntheitsgrad der Düsseldorfer Malerschule bei (2).

Julius Hübner, Porträt von Carl Lessing, Carl Sohn, Theodor Hildebrandt (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 166KB)
Julius Hübner, Porträt von Carl Friedrich Lessing, Carl Sohn und Theodor Hildebrandt, Gemälde, 1839, Original in der Alten Nationalgalerie Berlin.

Der Landgerichtsrat und Schriftsteller Friedrich von Uechtritz (1800-1875) und der preußische Gesandte am norwegischen Hof, Graf Atanazy Raćzynski (1788-1874) sowie Wolfgang Müller von Königswinter und Professor, Akademiesekretär, Vedutenmaler und Kunstschriftsteller Rudolf Wiegmann (1804-1865) verfassten umfangreiche Publikationen (3). Richtungweisend war auch der Aufsatz von Schadow selbst „Meine Gedanken über eine folgerichtige Ausbildung des Malers“ im ersten Jahrgang des Berliner Kunst-Blatts von 1828 (4).

Bereits die erste Ausstellung von Malern der Düsseldorfer Akademie in Berlin am 21.9.1828 - jährlich sollten regelmäßig weitere folgen - wurde hochgelobt (5). Und bald war allseits zu hören, dass für das Studium der Schönen Künste Düsseldorf der beste Ort sei; so hieß es 1839 in der Hannoverschen Zeitung: „[…] dass Düsseldorf als Kunstschule den übrigen deutschen Akademien bei weitem voransteht und dass für einen jungen Künstler diese der rechte Ort zu tüchtiger und gediegener Ausbildung sei. – Mit jeder neuen Ausstellung sehen wir ein neues Talent von dort auftauchen.“ (6)

 

4. Der „Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen“

Als wichtiges Instrument für die Förderung und Verbreitung der Kunst in allen Gesellschaftsschichten sowie für die finanzielle Absicherung der Künstler durch Aufträge und Verkauf, stand Schadow der am 1.1.1829 gegründete „Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen“ zur Verfügung.

Eine treibende Kraft bei der Gründung des Vereins war der bereits zu Cornelius´ Zeiten an der Akademie lehrende Professor Carl Joseph Ignaz Mosler (1788-1860), seinerzeit Konservator der Akademie. Er setzte satzungsmäßig durch, dass ein großer Teil der Vereinseinnahmen für die öffentliche Kunstpflege und die Förderung der Monumentalmalerei insbesondere in Kirchen und öffentlichen Gebäuden bereitgestellt wurde. Daneben gehörte es zu den wesentlichen Aufgaben des Vereins, jährlich Ausstellungen zu organisieren, bei denen Werke angekauft, verlost und Prämienblätter (Kupferstiche, Graphiken) ausgegeben wurden. Auch sollte der Bevölkerung ein regelmäßiger Überblick über das Kunstschaffen an der Akademie präsentiert werden. Die jährlichen Ausstellungen des Kunstvereins fanden bis zum Akademiebrand 1872 im Großen Saal der Akademie statt, dann im Galeriesaal der städtischen Tonhalle und später in den Räumen der neu erbauten städtischen Kunsthalle.

Die Mitglieder des Vereins setzten sich aus Staatsbediensteten, vermögenden Kunstförderern, Kunsthändlern, auch Künstlern zusammen. Die enge Verbindung zur Akademie war durch Wilhelm Schadow gewährleistet, der über Jahrzehnte dem Verwaltungsrat angehörte. Der Vereinsbericht für das Jahr 1900 führt 8.105 Mitglieder auf, für bis dato 150 Kunstwerke im öffentlichen Raum (zum Beispiel Andreaskirche Düsseldorf, Frankfurter Römer, Elberfelder Rathausfries, Aachener Rathaus, Krefelder Rathaus) wurden 887.020 Mark ausgegeben, für den Ankauf zur Verlosung 2.047.300 Mark, für die Vereinsblätter 1.263.614 Mark (7).

 

5. Die Entwicklung der Düsseldorfer Malerschule in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

5.1 Neue Tendenzen

Noch bevor Peter Cornelius seine Direktorenstelle in Düsseldorf antrat, besuchte er 1820 den Maler Caspar David Friedrich (1774-1840) in Dresden und musste sich von ihm herbe Kritik gefallen lassen: „Indes, lieber Cornelius, und bei aller Anerkennung Ihres Talents und Ihrer Verdienste, sollte denn das wohl der hochgepriesene Kunstsinn unserer Zeit sein, sich in knechtischer Nachäffung einer früheren, wenngleich schönen Kunstzeit zu gefallen? […] Die Sklavenseelen unserer Tage verkennen ihre Zeit und einige auch sich selbst […]. Und, Verehrtester, wachen Sie auf aus ihrer kuriosen sedierenden Frömmigkeit, es ist, sie mögen sich winden und wenden wie sie wollen, doch immer nur eine Frömmigkeit aus zweiter Hand. Ihr habt von Anfang an nur Mönch gespielt, das Kloster war Kulisse, die ihr nur leider mit eurer Wirklichkeit verwechselt habt. Eine Weltfluchtfestung, wo ihr Zellenbilder maltet: fein, fromm und fleischfreirein – du lieber Gott! […] Das Beten mag von der Erkenntnis befreien, aber es ersetzt sie nicht.“ (8)

Dass ausgerechnet Wilhelm Schadow und seine ihm folgenden Meisterschüler mit ihrer, der Historien-Malerei und Religiösen Kunst im Stil der Nazarener verpflichteten Lehre noch über drei Jahrzehnte den erfolgreichen Kern der „Düsseldorfer Malerschule“ bildeten, mag ein Antagonismus sein. Doch spätestens mit den unruhigen politischen Verhältnissen des Vormärz rückten die rückwärts gewandten Kunstwelten Schadows ins Zentrum der Kritik. Schon 1836 kam es zwischen dem einstigen Meisterschüler Carl Friedrich Lessing und seinem Lehrer Schadow wegen des Bildes „Hussitenpredigt“ aus religiösen Gründen zum offenen Bruch. Andreas Achenbach, auch Alfred Rethel und Johann Wilhelm Schirmer setzten sich deutlich von der Lehrmeinung Schadows ab.

Wilhelm von Shadow, Heilige Barbara (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 70KB)
Wilhelm von Schadow, "Die heilige Barbara", Gemälde, 1844, Original im Clemens-Sels-Museum, Neuss.

Der Wunsch nach Unabhängigkeit von der Schadowschen Doktrin machte sich in der Folgezeit immer mehr Luft, zumal sich Studenten aus dem rheinischen Umfeld gegenüber denen aus den übrigen preußischen Ländern zurückgesetzt fühlten, angeblich wegen der Raumknappheit bei Atelierplätzen zurückgestellt oder abgewiesen wurden. Die Kontrahenten ließen es sich nicht nehmen, die Probleme in öffentlichen Kampagnen Ende der 1830er Jahre auszutragen.

Durch die ständig wachsenden Studentenzahlen bildeten sich zudem neue Kreise, Künstlervereinigungen und freie Ateliergemeinschaften. Schadows Werkstatt-Ideal zersplitterte zunehmend und auch seine Vorstellungen von Kunst konnte er bei Ausstellungs-Jurierungen nicht mehr durchsetzen. 1859 trat Schadow von seinem Amt als Akademiedirektor resigniert zurück. Als seinen Nachfolger bestimmte er seinen inzwischen in Dresden lehrenden Schwager Eduard Bendemann (1811-1869), der das Amt in Düsseldorf von 1859-1867 ausübte.

Der Realität kam nun als Thema der Malerei die höchste Bedeutung zu: soziale Lebensbedingungen, politische Ereignisse einerseits und Erforschung und Schilderung der Landschaft andererseits. Sie drückte sich im Aufstieg der Spätromantischen Landschafts- und Genremalerei Sittenmalerei, Darstellungen des alltäglichen Lebens im Bild; nach Vorstufen in der Spätgotik Blütezeit vom 16.-19. Jahrhundert. aus, als deren Vertreter Carl Friedrich Lessing und Johann Wilhelm Schirmer der Akademie mit vielen ihrer Schüler weiterhin zu internationalem Ruhm verhalfen. Doch auch Historien und Monumentalmalerei behielten, insbesondere seit der Gründung des Deutschen Reichs 1871, im Zeichen nationaler Identität ihren Stellenwert.

 

5.2 Kunst und Wirtschaft

Der „Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen“ war durch Ankäufe und Auftragsvergaben an der wirtschaftlichen Stärkung der Düsseldorfer Kunst maßgeblich beteiligt. Auch der in Düsseldorf residierende Prinz Friedrich von Preußen (1794-1863), ein Neffe König Friedrich Wilhelms III., unterstütze die Künstler durch seine Erwerbungen nachhaltig. Außer ihm besaß der Berliner Bankier J. H. Wagener (1782-1861) – seine Sammlung bildete später den Grundstock der Alten Nationalgalerie in Berlin – ein umfangreiches Kontingent der Düsseldorfer Malerschule, ebenfalls Graf von Raćzynsky, dessen Sammlung 1843 in Berlin öffentlich ausgestellt wurde; auch der Berliner Kunstsammler Pierre Louis Ravenée (1793-1861), besaß 124 Gemälde aus Düsseldorf. Seine Privatsammlung wurde 1850 in Berlin präsentiert.

Ernst Deger, Maria als Himmelskönigin (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 131KB)
Ernst Deger, "Maria als Himmelskönigin mit dem Jesuskind", Altarbild, 1837, Original in der Düsseldorfer St. Andreaskirche.

Dennoch wurde es durch den hohen Anstieg der Studentenzahlen für die jungen Künstler immer schwerer, ihre Werke zu verkaufen. Neben dem „Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen“ wurde 1844 unter Federführung von Schadow der „Verein Düsseldorfer Künstler zur gegenseitigen Unterstützung und Hülfe“ ins Leben gerufen. Hilfsbedürftige und kranke Mitglieder sollten unterstützt werden, zusätzlich weitere Kunstausstellungen in Düsseldorf und dem umliegenden Rheinland präsentiert, und die Errichtung einer Kunsthalle (dem Bau wurde 1878 zugestimmt, 1881 wurde er seiner Bestimmung übergeben) vorangetrieben werden. Die Regierungen in Berlin und Düsseldorf unterstützten das Projekt. Die Ausstellungen wurden international ausgedehnt. Auf allen Weltausstellungen in England, Frankreich, Belgien und den USA waren die Düsseldorfer Maler zwischen 1855 und 1910 präsent. Amerika wurde zu einem der bedeutendsten Absatzgebiete Düsseldorfer Bilder; so fanden allein durch die Düsseldorf Gallery des preußischen Konsuls John G. Böker (Boker) (gestorben 3. März 1860) in New York die Werke der Malerschule ab 1849 große Beachtung.

Durch den internationalen Bekanntheitsgrad der Düsseldorfer Kunst etablierte sich zunehmend ein florierender Handel zwischen Düsseldorf, Brüssel, Paris, London, St. Petersburg und New York. Zahlreiche Kunsthändler zog es an den Rhein; es etablierte sich das erste Galerienviertel im Rheinland, neben den öffentlichen wurden auch private Ausstellungen organisiert. Die Professoren der Akademie wurden mit internationalen Preisen, Medaillen und Ehrenorden bedacht, und, wie zum Beispiel Wilhelm Schadow und Joseph Keller, in den Adelsstand gehoben, was den Ruf und den Ruhm der Kunststadt Düsseldorf weiter stärkte.

 

5.3 Kulturelles Leben

Die vielen in Düsseldorf residierenden Studenten, die inzwischen auch verstärkt aus dem Ausland kamen (Skandinavien, Amerika, Russland, Baltikum), trugen mit ihren gesellschaftlichen Aktivitäten im Zusammenspiel aller Künste, insbesondere aber in ihren zahlreichen Vereinigungen, zu einem bunten städtischen Kulturleben bei. So wurde zum Beispiel 1847 die „Künstlerliedertafel“ mit Lieder- und Leseabenden unter Eduard Bendemann, Andreas Achenbach, Johann Wilhelm Schirmer und Carl Friedrich Lessing ins Leben gerufen.

Nach dem Einheitsfest (Germaniafest) am 6.8.1848 wurde unter anderem von den Malern Emanuel Leutze (1816-1868), Carl Wilhelm Hübner (1814-1879), Hermann Becker (1817-1885) und Johann Peter Hasenclever der bis heute bestehende „Verein zu geselligem Künstlerleben“, der so genannte „Malkasten“ gegründet. In ihm kam eine besondere Geselligkeitskultur der Künstler, aber auch Nicht-Künstlern untereinander zum Ausdruck. Theateraufführungen, Umzüge, Frühlings- und Winterfeste, Feierlichkeiten zu Ehren berühmter Dichter und Maler, allgemeine Künstlerversammlungen, Festessen, Jubiläumsfeiern, Kostümfeste und „Lebende Bilder“ wurden in jährlichem Turnus durchgeführt. Hatte zu Beginn der Gründung der Verein ein wechselndes Sommer- und Winterdomizil, so richtete er sich 1852 in einem großräumigen Lokal auf der Ratinger Straße ein und ein Jahrzehnt später, nach hohen finanziellen Aufwendungen, die unter anderem durch die Verlosung gespendeter Bilder erbracht wurden, in einem mehrteiligen Gebäudekomplex innerhalb einer historischen Gartenanlage (Jakobigarten). Maler aus dem Ausland trugen zusätzlich ihre eigenen Feste aus, diejenigen aus der großen Norwegischen „Kolonie“ wurden zum Beispiel von Vincent Stoltenberg-Lerche (1837-1892) humorvoll in Zeichnungen festgehalten.

Carl Lessing, Hussitenpredigt (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 272KB)
Carl Friedrich Lessing, "Die Hussitenpredigt", Gemälde, 1833, Original in der Alten Nationalgalerie Berlin.

All jene Vereinigungen brachten in Form von Publikationen, Vereinsbüchern, Monatsheften, Karikaturserien und Zeichnungen weitere künstlerische Ausdrucksformen hervor, die große Verbreitung fanden. Ab 1847 erschienen die „Düsseldorfer Monatshefte“ mit ganzseitigen Lithographien und Textillustrationen als Holzschnitt. Die Hefte waren als satirischer Zeitspiegel gedacht und wurden in 14 Jahrgängen publiziert. Ab 1851 erschien das „Düsseldorfer Künstleralbum“, 1858 auch eine Ausgabe in englischer Sprache. Von 1867-1877 wurde das Album unter dem Titel „Deutsches Künstleralbum“ weiter geführt. Parallel dazu wurden 1858 in zwei Jahrgängen das „Neue Düsseldorfer Künstleralbum“ und 1856-1859 das „Düsseldorfer Jugendalbum“ publiziert.

Daneben waren zahlreiche illustrierte Einzelveröffentlichungen auf dem Markt, an denen sich verschiedene Künstler gemeinsam beteiligten: „Düsseldorfer Liederalbum“ (1851), „Lieder der Heimath“ (1868), Aquarelle Düsseldorfer Künstler: den kunstsinnigen Damen gewidmet (1861, englische Ausgabe 1862), Düsseldorfer Bilder-Mappe: Original-Zeichnungen (1866), Märchen und Sagen für Jung und alt (1857).

Zu den wertvollsten illustrierten Büchern des 19. Jahrhunderts in Deutschland gehören wohl die von dem Maler, Dichter und Komponisten Robert Reinick (1805-1852) bei dem Düsseldorfer Verleger Buddeus publizierten „Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde“ (1838), erster Band einer dreiteiligen Serie, von der der zweite 1842 und der dritte 1845 unter dem Titel „Deutsche Dichtungen mit Randzeichnungen deutscher Künstler“ erschienen. Für die Serie lieferten zahlreiche Künstler der Düsseldorfer Malerschule, wie Wilhelm Schadow, Eduard Bendemann, Carl Wilhelm Hübner, Ernst Deger (1809-1885) die Vorlagen, die unter anderem von Joseph Keller in Kupfer gestochen wurden.

 

6. Die unterschiedlichen Sparten der Schule und ihre Vertreter

6.1 Historienmalerei und Porträt

Die Historien- und Porträtmalerei nahmen an der Düsseldorfer Akademie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den höchsten Rang unter den Kunstgattungen ein. Gepflegt wurde die Ölmalerei (Staffeleibild) im romantischen Stil, mit harmonischem Bildaufbau, in feinster Schönlinigkeit und zurückhaltendem Kolorit. Die einstigen Berliner Meisterschüler, die Wilhelm Schadow 1826/1827 nach Düsseldorf gefolgt waren und später selbst als Leiter von Meisterateliers, Lehrende und Professoren tätig waren, bildeten in der ersten Generation den engen Kern der „Düsseldorfer Malerschule“.

Julius Hübner der Ältere machte sich bei seinem Malerdebut 1828 in Düsseldorf mit den Gemälden „Die Fischer“ nach der Ballade Johann Wolfgang von Goethes /1749-1832) und „Roland befreit die Prinzessin Isabella aus der Räuberhöhle“, nach dem Versepos „Orlando furioso“ (1516) von Ariost (1474-1533) schon früh einen Namen. Nach längerem Italienaufenthalt kehrte er 1834 nach Düsseldorf zurück, wurde 1839 an die Kunstakademie Dresden berufen, war ab 1841 dort Professor und ab 1871 Direktor der Dresdner königlichen. Gemäldegalerie. Er war verheiratet mit Pauline Bendemann (1809-1895), Schwester des Malers Eduard Bendemann.

Eduard Bendemann, Trauernde Juden (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 335KB)
Eduard Bendemann, "Die trauernden Juden im Exil", Gemälde, 1832, Original im Wallraf-Richartz-Museum Köln.

Eduard Bendemann malte im Stil elegischer „Seelenmalerei“ bevorzugt Szenen aus der Bibel, zum Beispiel schuf er mehrere Bilder über die Juden in babylonischer Gefangenschaft; sein Gemälde „Jeremias auf den Trümmern von Jerusalem“ wurde anlässlich der Pariser Salon-Ausstellung nicht nur mit dem Orden Pour le Mérite preisgekrönt, sondern auch von König Friedrich Wilhelm III. erworben. Auch er begleitete, wie sein Schwager Julius Hübner, Schadow 1829-1831 auf dessen Studienreisen durch Italien. 1838 wurde Bendemann als Dozent an die Kunstakademie in Dresden berufen, von 1859-1867 fungierte er auf Vorschlag Schadows als dessen Nachfolger als Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie. Bendemann war mit Lida Schadow (1821-1859), der Schwester Wilhelm Schadows verheiratet.

Christian Köhler war von 1851-1855 Professor der Zeichenklasse in Düsseldorf, leitete ein Meisteratelier und ab 1858 die Klasse für Malerei. Die Themen seiner Werke entspringen der Bibel, Sagenkreisen und der Literatur, zum Beispiel „Hagar und Ismael“, 1844.

Theodor Hildebrandt bekam nach Abschluss seines Studiums an der Kunstakademie  1831 einen Lehrauftrag und wurde 1836 zum Professor ernannt. Seine wichtigsten Werke, die sich im Gegensatz zur romantischen Malerei seiner Kollegen sehr viel stärker am RealismusIn der bildenden Kunst die Gestaltungsweise, die die optische Erscheinung der Wirklichkeit so wiedergibt, dass deren Hauptmerkmale (Proportionen, plastische und farbige Werte, Distanzen, Lichtverhältnisse) erhalten bleiben. orientierten, waren: „Der Krieger und sein Kind“, 1832 (vervielfältigt durch einen Kupferstich von Eduard Mandel, 1810-1882), „Die Söhne Eduards“, 1835 (in drei Versionen, vervielfältigt durch einen Kupferstich von Friedrich Knolle), sowie zahlreiche Bilder nach Dramen von William Shakespeare (1564-1616), Friedrich Schiller (1759-1805) und Goethe, zum Beispiel: König Lear, um Kordelia trauernd, 1826, Romeo und Julia, 1827 Othello, 1847, Die Räuber 1829, Gretchen im Kerker, 1825).

Theodor Hildebrandt, Krieger und sein Kind (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 144KB)
Theodor Hildebrandt, "Der Krieger und sein Kind", Gemälde, 1832, Original in der Alten Nationalgalerie Berlin.

Carl Ferdinand Sohn lehrte von 1832-1855 und 1859-1863 Malerei, wurde 1838 zum Professor ernannt. Sohn wurde ein großes pädagogisches Talent zugesprochen, zu seinen namhaften Schülern gehörte Anselm Feuerbach (1829-1880). Sohn bevorzugte in seinen Ölgemälden Themen aus der Antike und der Literatur (Goethe), weit bekannt wurde er für seine tausendfach reproduzierte „Loreley“.

Heinrich Mücke erhielt 1844 einen Lehrauftrag an der Düsseldorfer Akademie und nahm von 1848-1867 eine Professorenstelle ein. Er war spezialisiert auf das religiöse Historienbild, noch verstärkt durch ein 1833 vom preußischen Staat gewährtes Arbeitsstipendium in Italien. International bekannt wurde er durch sein Gemälde „Die hl. Katharina wird nach ihrem Märtyrertod zu Alexandrien von Engeln nach Sinai getragen“ aus dem Jahr 1836, das aufgrund einer gelungene Verbindung von Landschaftsmalerei und Personendarstellung gerühmt wurde und für die Kaiserin Alexandra Fjodorowna von Russland (1798-1860), für Wilhelmine von Biron, Prinzessin von Kurland (1781-1839) und den Kunsthändler Adolphe Goupil (1806-1893) in Paris nochmals ausgeführt und 1845 als Kupferstich weiter verbreitet wurde. Mückes Bilder wurden von internationalen Sammlern angekauft und er erhielt zahlreiche Aufträge, wie 1854-1862 ein Zyklus von Ölgemälden zur Geschichte des heiligen Meinrad (Saalbau in Sigmaringen). Von seinem Spätwerk wären noch zu nennen die 45 Federzeichnungen zur „Verherrlichung des Rheinstroms von seinen Quellen bis zum Meer in Bildern der bedeutendsten Mythen, Sagen, Legenden und wichtigsten historischen und culturhistorischen Ereignissen aller Zeiten“.

Carl Friedrich Lessing hat sowohl als Landschafts- als auch als Historienmaler bedeutendes geleistet und wurde mit vielen Ehrungen bedacht. Seinen ersten Erfolg konnte er noch während seines Studiums bei Schadow an der Berliner Akademie mit dem Gemälde „Kirchhof mit Leichensteinen und Ruinen im Schnee (1825), erzielen. In die Phase seiner historischen Malerei von 1836-1867 fielen die Bilder „Hussitenpredigt“ (1836), „Jan Hus vor dem Concil zu Konstanz“ (1858), sowie „Luther, der die Bannbulle verbrennt“ (1853). Die Bilder führten zum nachhaltigen Zerwürfnis mit seinem langjährigen Freund und Lehrer Schadow, der sich in seinem katholischen Glauben beleidigt fühlte. 1858 folgte Lessing dem Ruf als Direktor der Kunstgalerie in Karlsruhe und blieb dort bis zu seinem Lebensende.

Alle Künstler waren auch hervorragende Bildnismaler. Das Fach, von Schadow gelehrt, stand an der Kunstakademie hoch im Rang. Porträtaufträge waren zu einer Zeit, als die Fotografie noch nicht zum Alltag gehörte, eine wichtige Einnahmequelle: Theodor Hildebrandt beispielsweise malte zahlreiche Prinzenporträts, C. F. Sohn war berühmt für seine Frauenporträts; seine vielen Auftraggeber reichten bis in die USA. Eduard Bendemann hielt Heinrich Brockhaus (1804-1874), den Maler Wilhelm Camphausen (1818-1886), den Historiker Johann Gustav Droysen (1808-1884), die Musiker Joseph Joachim (1831-1907) und Felix Mendelssohn Batholdy (1809-1847) sowie Fürst Karl Anton von Hohenzollern (1811-1885) in Bildern fest.

Besonders gepflegt wurde an der Akademie das Künstler- und Freundschaftsbild, stellt es doch die außergewöhnlich familiäre Nähe des Schadowkreises und der Düsseldorfer Malerschule unter Beweis. Man porträtierte sich gegenseitig: Bendemann malte Schadow; C. F. Sohn malte Bendemann, C. F. Lessing und C. Köhler; Schadow hielt Karl Immermann 1828 als Freundschaftsgabe in einem Tondo fest. Legendär sind Julius Hübners Gruppenbild „Jung Düsseldorf“ mit den Malern C. F. Lessing, C. F. Sohn und Theodor Hildebrandt aus dem Jahr 1839 und das in gemeinsamer Arbeit entstandene Familienbild „Der Schadow-Kreis“ aus dem Jahr 1830/1831.

Friedrich Boser (1809-1881) schuf zusammen mit anderen Kollegen 1835-1845 ganze „Freundschaftsgalerien“ mit über 50 Einzelbildern der Düsseldorfer Malerschüler, des Weiteren auch die Gruppenbilder „Die Bilderschau der Düsseldorfer Künstler im Galeriesaal“ und „das Vogelschießen der Düsseldorfer Künstler im Grafenberger Wald“, die einen interessanten Einblick in das Akademieleben gewähren.

Eduard Bendemann, Shadow-Kreis (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 123KB)
Eduard Bendemann, Theodor Hildebrandt, Julius Hübner, Wilhelm von Schadow, Carl Ferdinand Sohn, "Der Schadow-Kreis", Gemälde, 1830/31, Original im Kunstmuseum Krefeld.

 

6.2 Religiöse Malerei

Die kirchenpolitische Situation im Rheinland war von Richtungskämpfen zwischen Vertretern fortschreitender Säkularisierung und Re-Christianisierung einerseits, und Konflikten zwischen den Konfessionen andererseits geprägt. Streitigkeiten zwischen der katholischen Kirche und der preußischen Regierung wegen der Mischehenfrage waren nach der Wahl von Clemens von Droste zu Vichering zum Erzbischof von Köln 1835 aufs heftigste entbrannt und gipfelten in der Verhaftung des Erzbischofs und seiner Internierung in Minden.

Das höchste Ziel des zum Katholizismus konvertierten Schadow war es, dem nazarenischen Ideal zu folgen, das heißt religiöse Kunst in allen Gesellschaftsschichten zu verbreiten und zur religiösen Erziehung beizutragen, was sich in der großen Anzahl biblischer Historien, die er und sein engerer Kreis schufen, äußerte. Daneben etablierte sich, nachdrücklich durch die Förderung des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, die katholisch-kirchliche Malerei; neben Fresken wurden zahlreiche Altarblätter nicht nur für die rheinischen Kirchen, sondern in ganz Deutschland in Auftrag gegeben. Hauptvertreter waren Ernst Deger (1809-1885), 1861 zum Professor für kirchliche Malerei an die Düsseldorfer Akademie berufen, Carl Müller (1818-1893), ab 1857 Professor für Historienmalerei, sowie der „Madonnenmaler“ Franz Ittenbach, der unter anderem 1837 den Kölner Erzbischof in seiner Gefangenschaft malte.

In speziellen Zeitschriften, wie in dem von Friedrich Baudri 1851-1864 in Köln herausgegebenen „Organ für Christliche Kunst“ wurden die neuesten kirchlichen Werke vorgestellt und besprochen. Eine wichtige Rolle spielte der 1842 in Düsseldorf gegründete „Verein zur Förderung religiöser Bilder“ mit dem Zweck, „religiöse Bilder von bewährten älteren und neueren Künstlern durch den Stahlstich in allen Klassen des Publikums zu verbreiten“.

Die Kupferstichklasse von Joseph Keller und seine zahlreichen Schüler arbeiteten zu diesem Zweck mit den Malern Hand in Hand. Innerhalb von 25 Jahren wurden acht Millionen Andachtsbilder international in Umlauf gebracht. So gingen beispielsweise einige von Carl Müllers Bildern wie „Die hl. Familie bei der Arbeit“, „Die hl. Familie auf der Rast“ und „Immaculata conceptio“ in Reproduktionen um die ganze Welt.

Heinrich Lauenstein, (1835-1910), Schüler von Eduard Bendemann und Ernst Deger, 1864 Hilfslehrer der Elementarklasse, seit 1881 deren Leiter und seit 1897 Inhaber des Lehrstuhls für religiöse Historienmalerei, führte das von den Nazarenern geprägte Leitbild in der zweiten Generation fort.

Ihm entgegen stand Eduard von Gebhard (1838-1925) mit der Berufung an die Düsseldorfer Akademie 1874. Sein lutherisch geprägtes Weltbild bedeutete die Abkehr von einer idealisierenden Darstellung religiöser Themen hin zu einer realistischen. Zusammen mit Peter Janssen (1844-1908) trug er zur Neuauffassung religiöser Historienmalerei maßgeblich bei. Als Beispiele können Gebhards „Auferweckung des Lazarus“, 1896, die sich bewusst an Cornelius‘ Gemälde der „Klugen und törichten Jungfrauen“ orientiert, und Peter Janssens „Sie alle folgen dem Stern (Weg des Lebens)“, 1902, genannt werden.

Die verschiedenen Strömungen wurden 1909 programmatisch in der Düsseldorfer „Ausstellung für christliche Kunst“ zusammengeführt.

 

6.3 Kupferstich

Bereits an der kurfürstlichen Akademie wurde die Kupferstecherei durch ein Privileg aus dem Jahr 1780 mit 10.000 Gulden gefördert, um Reproduktionen von Gemälden verkaufen und verbreiten zu können. Als Lehrer für Kupferstich fungierte Ernst Carl Thelott (1760-1739), der dienstälteste Professor der Düsseldorfer Kunstakademie überhaupt, dem erst nach seinem Tod der von Schadow schon lange favorisierte Joseph Keller als Lehrer folgen konnte.

Joseph von Keller, Rasender Roland (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 169KB)
Joseph von Keller, "Der rasende Roland", Kupferstich, 1834-1837, Original im Stadtarchiv Linz am Rhein.

Joseph Keller, der sechs Jahre in die Lehre der in Bonn ansässigen Schulgen-Bettendorffschen Kupferdruckerei gegangen war, knüpfte schon während seiner Bonner Zeit Kontakte zur Düsseldorfer Akademie, namentlich zu dem Cornelius-Schüler Jakob Goetzenberger (1802-1866), durch den er den Auftrag erhielt, die Fresken der Bonner Universitätsaula, an deren Ausführung Götzenberger mit der Darstellung der „Theologie“ und „Philosophie“ beteiligt war, in Stichen festzuhalten. Der in „Punktmanier“ ausgebildete Keller entwickelte bis zur Vollendung der Platten 1833 konsequent die Methode des „Linienstichs“, mit der Gemälde in allen Schattierungen wiedergegeben werden konnten. Die von Keller in großer Auflage reproduzierten Porträts von Wilhelm Schadow (nach einer Zeichnung von Julius Hübner) aus dem Jahre 1834 und von Peter Cornelius (nach einer Zeichnung von Wilhelm Kaulbach) von 1836 sowie der Stich zu Julius Hübners Historienbild „Der rasende Roland“ (1834-1837) machten Keller an der Akademie berühmt.

Joseph von Keller, Disputa (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 367KB)
Joseph von Keller, "Die Disputa", Kupferstich, 1846-1857, Original im Stadtarchiv Linz am Rhein.

Europaweiten Ruhm und zahlreiche nationale und internationale Ehrungen erlangte Keller durch den Stich der „Disputa“ nach dem Wandbild Raffaels (1483-1520) in den Stanzen des Vatikans, für den er, nach dreijähriger Vorbereitungszeit in Rom, zwölf Jahre - von 1846-1857 - bis zur Vollendung brauchte. Er schuf damit, im Auftrag des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, den größten Kupferstich aller Zeiten – von dem, nach Verstählung der Platte, circa 3.000 Exemplare gedruckt werden konnten. Mit der Reproduktion der Sixtinischen Madonna gelang ihm von 1862 ein weiteres, viel gerühmtes Hauptwerk nach Raffael.

1846 wurde Keller zum Professor der Kupferstecherklasse ernannt; inzwischen wurde auf sein Betreiben die Schulgen-Bettendorffsche Kupferdruckerei nach Düsseldorf gelegt, um der wachsenden Nachfrage an Bildreproduktionen, vor allem durch den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen und durch den Verein zur Verbreitung religiöser Bilder, nachzukommen. Keller gelang es, an der Düsseldorfer Akademie die bedeutendste Kupferstecherschule zu etablieren und eine große Anzahl von Schülern heranzuziehen, darunter auch seinen Assistent Xaver Steiffensand (1809-1876) und Carl Ernst Forberg (1844-1915), der nach Kellers Tod von 1879-1911 die Professur für die Kupferstecherkunst übernahm.

 

6.4 Monumentalmalerei

Das Wiederaufleben der Fresko- und Monumentalmalerei in Deutschland, oberstes Ziel von Peter Cornelius, wurde auch von Schadow und dem Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen weiter verfolgt. Im Kaiserreich erfuhr sie im Zuge erstarkenden Nationalstolzes eine weitere Blüte. Hier können nur einige Beispiele aus der Fülle von Aufträgen für öffentliche Bauten, Schlösser, Kirchen und Privathäuser genannt werden:

Schloss Heltdorf (Stadt Düsseldorf)

Joseph von Keller, Peter von Cornelius (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 318KB)
Joseph von Keller, Porträt von Peter von Cornelius, Kupferstich, 1836, Original im Heimatmuseum Sinzig.

Der Plan des Grafen Franz Anton von Spee (1781-1839), das Gartenhaus seines neu erbauten Wasserschlosses in Heltorf mit einem Freskenzyklus zur Geschichte Kaiser Friedrich Barbarossas (Regierungszeit 1152-1190) zu schmücken, geht noch in die Zeit von Peter Cornelius zurück und wurde von Schadow wieder angestoßen. Für die Ausführung wurden Heinrich Mücke, Carl Stürmer, C. F. Lessing und als sein Ersatz Heinrich Plüddemann (1809-1868) beauftragt; Heinrich Rudolph Wiegmann (1804-1865), Professor für Architektur an der Kunstakademie wurde für die Dekoration der Decke herangezogen. Die Arbeiten dauerten von 1825 bis 1843. Die erhaltenen Fresken und die zahlreichen Entwürfe geben einen wertvollen Einblick in die Monumental-Arbeit der Düsseldorfer Malerschule.

Schloss Stolzenfels bei Koblenz

Die mittelalterliche Ruine, von der Stadt Koblenz dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV. (Regentschaft 1840-1858/1861), zum Geschenk gemacht, wurde bis 1842 nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) wieder aufgebaut. Der Rittersaal wurde zwischen 1842 und 1846 mit Fresken von dem Cornelius-Schüler Hermann Stilke (1803-1860), die sechs Rittertugenden in historischen Motiven (Treue, Tapferkeit, Beharrlichkeit, Gerechtigkeit, Gesang und Minne) darstellend, ausgemalt, die Kapelle 1853-1857 von Ernst Deger mit zwölf Bildern zur Geschichte des Menschengeschlechts vom Paradies bis zum Jüngsten Gericht auf Goldgrund.

Apollinariskirche in Remagen

Nachdem die baufälligen Kirche unter dem Kölner Dombaumeister Ernst Zwirner 1843 neu errichtet worden war, begannen drei Schüler Schadows: Ernst Deger, die Gebrüder Carl und Andreas Müller (1811-1890) sowie Franz Ittenbach nach sorgfältigen Vorbereitung und Studien in Rom und München, die Kirche im Auftrag des Freiherrn Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim (1797-1859) mit der Verherrlichung des thronenden Christus und Szenen aus der Geschichte Jesu, Marias und des heiligen Apollinaris auszumalen. Die Arbeiten dauerten bis 1857, das Ergebnis, ein Paradebeispiel für die Kunst der Nazarener, rief als „Gesamtkunstwerk“ allgemeine Bewunderung hervor.

Kaiserzyklus für das Aachener Rathaus

Die Ausschreibung für die Ausmalung des Aachener Rathauses, die vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen mit 50 Prozent der Kosten bezuschusst wurde, gewann der Düsseldorfer Maler Alfred Rethel. Der definitive Auftrag für acht Fresken aus dem Leben Karls des Großen (Regierungszeit 768-814), erging erst nach vielen Jahren der Verzögerung 1846 an Rethel. Von den spitzbogigen Wandfeldern konnte der Maler aus gesundheitlichen Gründen nur noch vier Bilder selbst ausführen. Die Arbeit setzte Joseph Kehren (1817-1880) nach den Kartons von Rethel fort.

Hans F. Gude, Norwegisches Gebirge (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 167KB)
Hans Fredrik Gude, "Norwegisches Gebirge bei Sonnenaufgang", Gemälde, 1854, Original im Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur og design, Oslo.

Landgericht Düsseldorf

Als Schadows Vermächtnis kann das monumentale Triptychon Griechisch, dreiteiliges Altarbild, bestehend aus Mitteltafel und zwei Seitenflügeln. zu Dantes Göttlicher Komödie, das der Akademiedirektor zusammen mit seinen Schülern 1848-1852 ausführte, angesehen werden. Die drei circa 240 mal 300 Zentimeter großen Tafelbilder messen zusammen mit den fünf Predellen eine Höhe von vier Metern und eine Länge von zehn Metern. Das Bildensemble, 1855 von Friedrich Wilhelm IV. erworben, ging durch Schenkung an die Stadt Düsseldorf über, wo es in den wechselnden Düsseldorfer Landgerichtsgebäuden bis 2010 aufgehängt war und jetzt als Dauerleihgabe im Museum Kunstpalast ausgestellt ist.

Im Wilhelminischen Kaiserreich entwickelte sich unter der Akademie-Direktion von Hermann Wislicenus (1825-1899) die Monumentalmalerei im großen Stil. 1868 erhielt der in Weimar tätige und ehemalige Bendemann-Schüler den Ruf als Nachfolger seines zuvor zurückgetretenen Lehrers nach Düsseldorf und übernahm die Professur für Historienmalerei. Das mehrköpfige Direktorium Lateinisch, Vorstand, leitende Behörde. Von 1795-1799 im revolutionären Frankreich die oberste Regierungsbehörde (Directoire). der Akademie bestand bis 1880 neben Wislicenus aus Ernst Deger (Professor für kirchliche Malerei, 1861) Ernst Giese (1832-1903, Professor für Architektur 1866-1872) und Wilhelm Lotz (1829-1879, Professor für Architektur 1872-1879). 1876-1908 nahm Peter Janssen den Lehrstuhl für Historienmalerei ein und löste Wislicenus 1880 im Direktorium ab.

1877 gewann Wislicenus die Ausschreibung zur Ausmalung des Kaisersaals in der Pfalz zu Goslar. Die monumentalen Gemälde aus der deutschen Kaisergeschichte, gepaart mit Märchen- und Sagenmotiven, eine in komplexer Ikonografie angelegte Apotheose des Kaisertums, wurden 1890 vollendet.

Daneben waren es in der Zeit von 1870-1910 vorrangig Düsseldorfer Künstler, die große Staatsaufträge erhielten, zum Beispiel die Ausgestaltung der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses, die von Peter Janssen, Friedrich Geselschap (1835-1898) und anderen 1884-1890 ausgestattet wurde.

Der Landschaftsmaler und Dücker-Schüler Gustav Wendling (1862-1932) schuf, nachdem er von seiner Arbeit für die „William Wehner´s American Panorama Company in Milwaukee" von 1886 bis 1887 nach Düsseldorf zurückgekehrt war, zusammen mit seinem Assistenten Max Clarenbach (1880-1952) und mit dem Janssen-Schüler Hugo Ungewitter (1869-um 1944) von 1898-1902 das 15 mal 120 Meter große Gemälde „Blüchers Rheinüberquerung bei Caub am 1. Januar 1814“. Es war wohl das größte Panoramaformat der Düsseldorfer Malerschule und wurde auf der Düsseldorfer Industrie- und Gewerbeausstellung 1902 und in Berlin 1913 als Sensation gefeiert.

 

6.5 Genre

In Abkehr von den idealisierenden und lebensfernen Historien des Schadow-Kreises, entwickelte sich im Zeichen des Vormärz eine starke Tendenz zur realistischen, dem Alltag zugewendeten Malerei; doch erst nach der Abdankung Schadows 1859 konnte unter der Leitung von Wilhelm Sohn (1830-1899), dem Neffen C. F. Sohns, das Fach „Genre Lateinisch-französisch, Gattung, Wesen, Art. “ eingerichtet werden. 1874 wurde Wilhelm Sohn, der sich durch sein Bild „ Die Konsultation beim Rechtsanwalt“ (1866) einen Namen machte, zum ersten Professor für Genremalerei an der Düsseldorfer Akademie benannt. Der Schweizer Maler und Illustrator Benjamin Vautier der Ältere (1829-1898) und Ludwig Knaus (1829-1910) avancierten neben ihm schnell zu wichtigen Genremalern mit einer internationalen Schülerschar. Innerhalb des weit gefächerten Fachs „Genre“ lassen sich verschiedene Richtungen unterscheiden:

Im sozialkritischen Genrebild Bild im Stil der Genremalerei. wird die soziale Not und Verelendung der Bevölkerung Thema der Malerei. Vor allem Carl Wilhelm Hübner, der mit seinem Werk nicht nur die aktuelle Situation schildern, sondern auch Einfluss nehmen wollte, machte 1844 mit seinem in drei Fassungen geschaffenen Gemälde „Die schlesischen Weber“ international auf sich aufmerksam. Es wurde unter anderem als Propagandamittel der sozialistischen Partei in England und den USA genutzt. Sowohl „Die Weber“ als auch das „Das Jagdrecht“, in dem veraltete Privilegien des Adels gegenüber den Bauern angeprangert werden, wurde 1849 in New York anlässlich der Gründung der Düsseldorf Gallery ausgestellt und konnte sich des regen Interesses des Publikums sicher sein.

Wegweisenden Einfluss hatte auch Johann Peter Hasenclever, dessen Gemälde „Arbeiter vor dem Magistrat“ aus den Jahren 1849/1850 auf Anregung von Friedrich Engels 1851 in London, 1852 in Manchester, 1853 in New York ausgestellt, und von Karl Marx in der New York Daily Tribune vom 12.8.1853 ausdrücklich gelobt wurde.

Kontrovers diskutiert und international ausgezeichnet wurde auch das mit 285 mal 362 Zentimeter in besonders großem Format von dem seinerzeit erst 22-jährigen Arthur Kampf (1864-1950) gemalte Werk „Die letzte Aussage“. In Lebensgröße schildert es den Todeskampf eines Verwundeten in einem ärmlichen Mansardenzimmer, der in seiner Todesstunde noch von der Polizei befragt wird.

Das sozialkritische Genrebild wurde in der Düsseldorfer Malerschule bis ins späte 19. Jahrhundert gepflegt, allseits beliebten Themen, zum Beispiel „Beim Pfandleiher“ oder „Die Pfändung“ wurden auch von Christian Ludwig Bokelmann (1844-1894) mit seinem 1876 entstandenen Gemälde „Im Leihhaus, kurz vor der Eröffnung“ aufgegriffen.

Adolph Schroedter, Rheinisches Wirtshaus (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 234KB)
Adolph Schroedter, "Das rheinische Wirtshaus", Gemälde, 1833, Original im LVR-LandesMuseum Bonn.

„Wein, Weib und Gesang“ – unter diesem Motto könnte die große Gruppe von Genrebildern eingeordnet werden, die das fröhliche Beisammensein, insbesondere das „Rheinische Leben“ schildern. Adolph Schroedter (1805-1875) veranschaulichte mit seinen Bildern „Rheinisches Wirtshaus“ und „Rheinweinprobe“ schon in den 1830er Jahren Idyllen im rheinischen Milieu. Mit seinem siebenteiligen, in Goldgrund auf Zinkblech gemalten Arabeskenfries „Bauernkirmes“(1846/1847), ging er im Rahmen der Preisaufgaben des Kunstvereins als Sieger hervor. Die Gemälde von Christian Eduard Böttcher (1818-1889), die auch durch Kupferstiche weite Verbreitung fanden, wie zum Beispiel: „Abend am Rhein“ „Rheinische Ernte“, „Auszug zur Weinlese“, „Am Marktbrunnen einer rheinischen Stadt“, „Sonntag am Rhein“, „Sommernacht am Rhein“, zählen zu den Hauptwerken der Rheinromantik.

Als geradezu programmatisch kann das Bild „Wein Weib und Gesang (Überfahrt)“ aus dem Jahr 1854 genannt werden, das in gemeinsamer Arbeit der Maler Andreas Achenbach und Emanuel Leutze (1816-1868) anlässlich des Düsseldorfer Sängerwettstreits im Jahr 1852 als „Preis“ für den Sieger vom Kunstverein Malkasten in Auftrag gegeben wurde. Es zeigt die Sieger, Mitglieder des Neusser Gesangvereins, die, altdeutsch kostümiert, in ausgelassener Stimmung in einer prächtigen Gondel den Rhein überqueren.

Daneben nehmen Alltag und Berufsleben als Motive die größte Gruppe der Genrebilder ein. Jakob Becker (1810-1872) widmete sich in den 1840er Jahren mit Bildern wie, „Wildschützen auf der Flucht“, „Vom Blitz erschlagener Hirt“ und „Landleute, vom Blitzeinschlag in ihrem Dorf erschreckt“, dem Bauernleben. Rudolf Jordan (1810-1887) schildert in zahlreichen Gemälden das Fischerleben an der Nordsee; bekannt wurde er durch das Bild „Der Heiratsantrag auf Helgoland“ aus dem Jahr 1834. Auch Adolph Schroedter (1805-1875) widmete sich seit Mitte der 1830er Jahre vergleichbaren Themen: „Fischerhütte auf Helgoland“, „Jagdgesellschaft des Prinzen Friedrich von Preußen“, „Uckermärkische Bauern“, „Die Jäger in der Sommerhitze“, „Der lustige Fuhrmann“.

Christian Boettcher, Heimkehr vom Schulfest (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 211KB)
Christian Boettcher, "Heimkehr vom Schulfest", Gemälde, 1852, Original im LVR-LandesMuseum Bonn.

Einblick in das Leben der Kinder gewähren Christian Boettcher (1818-1889) mit „Heimkehr vom Schulfest (Maitag)“ oder auch Benjamin Vautier der Ältere mit der „Nähschule“. Auch die realistische Schilderung kranker Menschen fand Eingang in die Motivpalette, so das Gemälde „Der verwundete Soldat“ von der später in Dänemark tätigen Künstlerin Elisabeth Jerichau-Baumann (1819-1881). Tier- und Jagdszenen wurden von dem unter Schirmer an der Karlsruher Akademie ausgebildete Carl Friedrich Deiker (1836-1892), der sich 1864 in Düsseldorf niederließ, in großformatigen, an Historienbilder erinnernden Gemälden meiserhaft erfasst, zum Beispiel in mehreren Varianten der „Sauhatz“ (1876).

Dass die Genremalerei internationale Verbreitung hatte und bei den einzelnen Malern auch das nationale Kolorit eine besondere Rolle spielte, lässt unter anderem der norwegische Maler Adolph Tidemand (1814-1876), der über viele Jahre die „norwegische Malerkolonie“ an der Düsseldorfer Akademie anführte, erkennen. Den religiös-ethnographischen Charakter seiner Kunst bezeichnen Bilder wie die „Katechisation“, „Gottesdienst in einer Bauernkirche“, „Weihnachtsbescherung“, „Austeilung des Abendmals in einer Bauernhütte“, „Die Fanatiker“, „Die Haugianer“ (eine norwegische Sekte mit eigener Bibelauslegung und,Gottesdiensten in Privathäusern).

Emanuel Leutze (1816-1868) stellte Szenen aus der amerikanischen Geschichte in den Vordergrund seiner Arbeit. Sein zweifach ausgeführtes Gemälde „Washington überquert den Delaware“ 1850/1851, bei dem ihm als Vorbild die Rheinlandschaft bei Düsseldorf-Kaiserswerth diente, hatte quasi Kultstatus und wurde als Botschafter zwischen amerikanischem und deutschem Freiheitskampf stilisiert.

Satirische Schilderungen des Zeitgeschehens, des Menschlichen, aber auch die kritische Betrachtung des Lehrbetriebs an der Düsseldorfer Akademie selbst waren ein allseits gepflegtes Sujet unter den Düsseldorfer Genre-Maler. Einen breiten Raum nehmen die vielen graphischen Blätter und Publikationen ein, unter anderem auch die von dem Historienmaler und Publizisten Lorenz Clasen (1812-1899) in den Jahren 1847-1849 herausgegebenen „Düsseldorfer Monatshefte, die zum Hauptorgan der politischen Karikatur wurden.

Johann P. Hasenclever, Atelierszene (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 262KB)
Johann Peter Hasenclever, "Atelierszene", Gemälde, 1836, Original im Museum Kunstpalast Düsseldorf.

Johann Peter Hasenclevers Ölgemälde „Atelierszene“ von 1836 kann als programmatisch für den kritisch-satirischen Blick auf den Akademiebetrieb angesehen werden, der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von der Konfrontation zwischen Idealistischer Historie und realistischem Genre bestimmt ist. Mit tiefgründigem Humor stellt er sich und fünf seiner Kollegen (die das Bild ebenfalls signiert haben) selbstbewusst in den Mittelpunkt eines Künstlerateliers, dessen Requisiten mit zahlreichen Anspielungen auf den „ehrwürdigen“ Lehrbetrieb gespickt sind.

Hasenclevers weiteres Meisterstück im Bruch mit der Tradition ist die 1838-1842 entstandene Bildserie zu Carl Arnold Kortums (1745-1824) „Geschichten des Hieronymus Jobs“ oder kurz „Jobsiade“ genannt, darunter erlangte das mehrfach wiederholte Bild „Jobs im Examen“ Weltruhm, wurde unter anderem in einer Fassung nach Amerika exportiert und durch Stiche schnell populär gemacht.

 

6.6 Landschaft

Der große Erfolg, den die beiden Schadow-Schüler Johann Wilhelm Schirmer und Carl Friedrich Lessing mit ihren großformatigen Landschaftsgemälden „Eine Waldgegend: Landschaft nach eigener Erfindung (Deutscher Urwald)“ und „Das Felsenschloss (Ritterburg, Schottische Landschaft, Bergschloss)“ bei der ersten Präsentation Düsseldorfer Maler in der Berliner Akademieausstellung 1828 hatten, ist der Beginn der Erfolgsgeschichte Düsseldorfer Landschaftsmalerei. Bereits ein Jahr zuvor hatten Schirmer und Lessing den „landschaftlichen Komponierverein“ gegründet, dessen Mitglieder sich verstärkt der Pleinairmalerei widmeten.

Schirmer, seit 1825 Schüler der Akademie, 1831 Hilfslehrer der neu gegründeten Landschaftsklasse, ein Jahr später Lehrer und 1839 zum ersten Professor für Landschaftsmalerei ernannt, hatte es zur Methode gemacht, mit seinen zahlreichen Schülern Mal-Exkursionen in die Umgebung von Düsseldorf, in die Eifel, an Rhein, Ahr und Mosel durchzuführen, um hier in Ölskizzen und Zeichnungen den Blick für die Natur bis ins kleinste Detail zu schulen. Die Skizzen bildeten die Grundlage der im Atelier „komponierten“ Werke. Schirmer folgte in seiner Lehre dem Leitbild Goethes, dass der Landschaftsmaler sich als Dichter über die Wirklichkeit erheben müsse, um in idealtypischen Kompositionen der Natur poetischen Gehalt zu verleihen – eine Kunstauffassung, die für die erste Generation der Düsseldorfer Landschaftsmaler prägend war.

Die künstlerischen Ideallandschaften sind dem entsprechend von kombinierten Naturstudien und dem Zusatz von Staffagen innerhalb eines vielschichtigen Aufbaus von Vorder-, Mittel- und Hintergrund sowie kunstvollen Lichteffekten geprägt. Eindrucksvolles Beispiel ist Schirmers Gebirgsepos „Das Wetterhorn“, das nach seiner zweiten Reise in die Schweiz 1838 entstand.

Berge und Seen, Burgen, pittoreske Architektur, Wald- und Flusslandschaften mit Hütten und Mühlen, Felsen und markante geologische Formationen standen als allseits beliebte Motive den Malern sowohl in der näheren Umgebung als auch auf ihren ausgedehnten Reisen zur Verfügung.

Carl Friedrich Lessing war besonders mit seinen „historischen Landschaften“, wie „Landschaft aus dem Dreißigjährigen Krieg (Verteidigung eines Kirchhofs)“, 1854, und „Die Belagerung (Verteidigung eines Kirchhofs im Dreißigjährigen Krieg)“, 1848, in denen genaues Naturstudium und historische Staffage auf gekonnte Weise kombiniert wurden, stilbildend.

Hans F. Gude, Adolph Tidemand, Brautfahrt in Hardanger (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 325KB)
Hans Fredrik Gude und Adolph Tidemand, "Brautfahrt in Hardanger", Gemälde, 1848, Original im Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur og design, Oslo.

1854 übernahm der Norweger Hans Fredrik Gude (1825-1903) in der Nachfolge Schirmers die Professur für Landschaftsmalerei. Sein Bild „Leichenfahrt auf dem Sognefjord“ (1866) stellt trotz des Symbolgehalts der Kahnfahrt als Lebensreise gegenüber seinem früheren Werk: „Brautfahrt auf dem Hardangerfjord“ (1848), die Natur selbst, den weiten Himmel, Lichtphänomene und Spiegelungen im Wasser, gegenüber der Staffage in den Vordergrund.

Andreas Achenbach, einer der führenden Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule, entdeckte die raue Gebirgswelt Norwegens nach einem Besuch des Landes 1839, auch er, der bereits als 12-Jähriger in die Akademie eintrat, schuf in seinen Norwegenbildern idealtypische, aber am Realismus orientierte Landschaften. Mit seinem Werk „Der Untergang der President“, das er 1842 im Auftrag des Großherzogs von Baden schuf, gelang ihm in einem Großformat von 180 mal 255 Zentimetern eine dramatische Schilderung des von Eisbergen umgebenen Englischen Raddampfers „President“ und erlangte internationalen Ruhm. In einem seiner Hauptwerke „Erftmühle“ (1866) lassen sich die Vorbilder aus der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts und eine starke Hinwendung zum Realismus erkennen.

Caspar Scheuren (1810-1887) avancierte nach seinem 4-jährigen Studium bei Schirmer zu dem wohl berühmtesten Vertreter der späten „Rheinromantik“. In seinen Gemälden, insbesondere aber in seinen Aquarellfolgen und fein gezeichneten Veduten stand der Rhein mit seinen mittelalterlichen Städten, Burgen, Kirchen, verknüpft mit alten Sagen und literarischen Geschichten, im Mittelpunkt.

1837 unterwies Scheuren Prinzessin Wilhelmine Louise von Preußen (1799-1882) und ihre Hofdamen im Malen auf den Schlössern Jägerhof, Benrath und Eller und bildet mit seinem Kollegen Friedrich Heunert (1808-1876) den Benrather Malerzirkel. Ab 1853 war er Zeichenlehrer von Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811-1890), der späteren Ehefrau Kaiser Wilhelms I. (Regentschaft als Prinzregent ab 1858, als König ab 1861, als deutscher Kaiser 1871-1888), und wurde 1855 zum Professor ernannt.

Scheurens „Düsseldorf-Album“, 1842 der Gräfin Schulenburg gewidmet, gilt als Höhepunkt der Aquarellkunst. Seine Aquarellserie „Landschaft, Sage, Geschichte und Monumentales der Rheinprovinz“ (1862) fand als Farblithografie weite Verbreitung.

Oswald Achenbach, Blick auf Florenz (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 469KB)
Oswald Achenbach, "Blick auf Florenz", Gemälde, 1898, Original im Museum Kunstpalast Düsseldorf.

Als „Italienmaler“ per se war Oswald Achenbach (1827-1905), der jüngere Bruder von Andreas Achenbach, ausgesprochen populär. Bereits mit 23 Jahren hatte er einen Kreis von Privatschülern und übernahm 1863-1872 als Nachfolger Gudes die Landschaftsklasse an der Akademie. Reisen führten ihn durch ganz Europa. Der ersten Italienreise 1850 sollten sechs weitere folgen. Die südlichen Landschaften in all ihren Stimmungen und Lichteffekten, vor allem ihr reiches Kolorit verstand Oswald Achenbach immer wieder in Szene zu setzen, zum Beispiel in seinem Gemälde „Campagna – Landschaft bei aufkommendem Gewitter“ (um 1853), oder „Im Park der Villa Borghese“ (1889). In seinem Spätwerk „Piazza del populo“ (1895) deutet sich eine Auseinandersetzung mit dem Impressionismus Lateinisch-französisch (Impression = Eindruck),  im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstandene Stilrichtung der bildenden Kunst, der Literatur und der Musik. Der Name stammt von einem "Impression" betitelten und 1877 in Paris ausgestellten Gemälde von Claude Monet (1840-1926). an.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand mehr und mehr eine Abkehr von der idealen Landschaft eine Hinwendung zur realistischen Landschaftsschilderung statt.

Eugène Dücker (1841-1916), der die Nachfolge Achenbachs als Professor für Landschaftsmalerei 1872 antrat, kann als Überwinder der romantischen Landschaftsmalerei angesehen werden. Seine Ölskizzen, zum Beispiel „Große Waldstudie“ und „Studie eines großen Eichenstamms am Wegesrand“ waren nicht mehr nur Studienmaterial, sondern autonomes Landschaftsbild. Die Motive seiner mit lockerem Pinselstrich gemalten Gemälde kreisen um weite Strand-, Moor- und Flusslandschaften, wie „Meeresstrand“, „Rügen“ (1885), „Torfmoor“ (1902).

Max Clarenbach (1880-1952), Meisterschüler Dückers und sein Nachfolger als Akademieprofessor, folgte mit seinem großformatigen, preisgekrönten Bild „Stiller Tag“ (1902), das den Erftkanal im Winter zeigt, der klaren, ruhigen, realistischen Linie seines Lehrers.

Im weiteren Sinne prägte die Auseinandersetzung Düsseldorfer Künstler mit niederländischen und französischen Tendenzen (Haager Schule/ Schule von Barbizon), die Spätzeit der Düsseldorfer Malerschule. Zum Beispiel hatten die von Jean François Millet (1814-1875) über Max Liebermann (1847-1935) vermittelten Studien zur arbeitenden Landbevölkerung auch in Düsseldorf nachhaltige Folgen, so wurde das Thema „Die Kartoffelernte“ sowohl von Ludvig Munthe (1841-1896), Eugen Kampf (1861-1933) und Hugo Mühlig (1854-1929) aufgegriffen. Dagegen steht der Meisterschüler Dückers, Gustav Wendling (1862-1932) mit dem Gemälde „Kircheninneres (Kirche in Scheveningen)“ (1898), und Gregor von Bochmann der Ältere (1850-1930) mit „Alter Fischmarkt in Reval“ (1886) der holländischen Malerei näher.

1909 gründeten einige Maler der Landschaftsklasse unter dem Vorsitz des Mäzens Karl Ernst Osthaus (1874-1921) den „Sonderbund“. Der über die Vereinigung geknüpfte Kontakt mit Vertretern des französischen Impressionismus gipfelte 1909 und 1912 in zwei Ausstellungen, in denen Maler wie Vincent van Gogh (1853-1890), Paul Gauguin (1848-1903) und Pablo Picasso (1881-1973) zum ersten Mal in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden konnten.

 

7. Schluss

Der Rückblick auf eine knapp 100-jährige Epoche der Düsseldorfer Malerschule lässt die weite Verbreitung erkennen, die die Lehre von Düsseldorf aus genommen hat, J. Hübner, E. Bendemann und andere folgten einem Ruf nach Dresden, C. F. Lessing, J. W. Schirmer und A. Schroedter nach Karlsruhe, weitere an der Akademie ausgebildete Maler an Kunstinstitute nach Kassel, Frankfurt, Weimar und Lüttich. Die vielen ausländischen Studenten trugen ihre Kenntnisse in ihre Heimatländer und gelangten dort zu hohem Ansehen, Eugène de Guérard (1811-1901), Schüler Schirmers, schaffte es bis nach Australien und wurde dort zum Begründer der nationalen Landschaftsschule. Doch brach der ursprünglich enge Zusammenhalt durch permanente Richtungskämpfe innerhalb der Akademie, durch das große Anwachsen der Düsseldorfer Bevölkerung, in der die Kunst-Akademie längst nicht mehr Mittelpunkt war und durch die reaktionären Tendenzen nach der Reichsgründung auseinander. Paris war längst Mittelpunkt neuer künstlerischer Bewegungen geworden. Mit dem Ersten Weltkrieg fand die Ära „Düsseldorfer Malerschule“ ein Ende.

 

Anmerkungen

(1) Schnaase, Karl, Düsseldorfer Kunstbericht, in: Kunst-Blatt 15 (1834), Nr. 70, S. 277-279; Nr. 71, S. 281-282; Nr. 72, S. 285-287; Nr. 73, S. 290-291; Kunst-Blatt 16 (1835), Nr. 89, S. 365-366; Düsseldorfer Kunstbericht. Ausstellung 1836, Rheinische Provinzial-Blätter 3, Köln 1836, S. 252-269.

(2) Immermann, Karl, Über die Kunstakademie zu Düsseldorf, in: Berliner Kunst-Blatt 1829, Nr. 3, S. 9-12; De la peinture en Allemagne au XIXè. siècle. Europe littéraire, Nr. 1, 1833. Übers. v. Ansgard Danders, hg. v. Hendrik Karge (http:/www.immermann.de); Die diesjährige Kunstausstellung zu Düsseldorf, in: Kunst-Blatt (16), 1835, Nr. 74, S. 305-307; Nr. 75, S. 309-311; Düsseldorfer Anfänge. Maskengespräche (1840); Immermann, Karl, Werke in 5 Bänden, hg. v. Benno von Wiese, Frankfurt/Main 1971-1977, hier: Band 4, 1977, S. 549-651; Immermann, Karl/Schnaase, Karl, Kunstnachrichten aus Düsseldorf, in: Kunst-Blatt (13) 1832, S. 92-94.

(3) Uechtritz, Friedrich von, Blicke in das Düsseldorfer Kunst- und Künstlerleben, 2 Bände, Düsseldorf 1839-1840; Raćzynski, Graf Atanazy, Geschichte der neueren deutschen Kunst, Band 1, Berlin 1836 [in deutscher und französischer Sprache]; Müller von Königswinter, Wolfgang, Düsseldorfer Künstler aus den letzten 25 Jahren. Kunstgeschichtliche Briefe, Leipzig 1854; Wiegmann, Rudolf, Die königliche Kunst-Akademie zu Düsseldorf. Ihre Geschichte, Einrichtung und Wirksamkeit und die Düsseldorfer Künstler, Düsseldorf 1856.

(4) Schadow, Wilhelm, „Meine Gedanken über eine folgerichtige Ausbildung des Malers“, in: Berliner Kunst-Blatt 1828, Nr. 1, S. 264-273, abgedruckt in: Baumgärtel, 2011, Band 1, S. 379-385.

(5) Toelken, Ernst Heinrich, Kunsthistoriker: Über die diesjährige Kunstausstellung in Berlin, in: Berliner Kunst-Blatt 1928, S. 249-256, abgedruckt in: Baumgärtel, Düsseldorfer Malerschule, Band 1, S. 385-388.

(6) Zitiert nach Schaarschmidt, Geschichte, S. 73.

(7) Schaarschmidt, Geschichte, S. 67-70.

(8) Zitiert nach Hinz, Sigrid, Caspar David Friedrich in Briefen und Bekenntnissen, Berlin 1968, S. 219.

 

Literatur

Baumgärtel, Bettina (Hg.), Die Düsseldorfer Malerschule und ihre internationale Ausstrahlung 1819-1918. Ausstellungskatalog Museum Kunstpalast Düsseldorf, 2 Bände, Petersberg 2011.

Lexikon der Düsseldorfer Malerschule 1819-1918, 3 Bände, München 1997-1998.

Schaarschmidt, Friedrich, Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im 19. Jh., Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1902.

 

Online

Düsseldorfer-Malerschule

 

30.7.2015

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Denise  Steger  (Linz am Rhein)