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Die Katholische Kirche und der Wohnungsbau in Köln 1932–1965

 

1. Einleitung
2. Grundlagen, Grundsätze und Programme der Katholischen Kirche für den Wohnungsbau
3. Wohnsiedlungen für Katholiken und ihre Bauträger in Köln 1932 – 1965
4. Sozialstruktur und Milieu
5. Ergebnis
Quellen/Literatur

 

1. Einleitung

Am 29.11.1895 kamen in der Gastwirtschaft Wissdorf, dem Versammlungslokal des Christlichen Handwerker- und Arbeitervereins in Köln-Nippes, einige Honoratioren Lateinisch (honoratiores = die mehr als andere Geehrten), Bezeichnung für angesehene Bürger. zusammen, um die Köln-Nippeser Bau- und Spargenossenschaft zu gründen. Zu dieser Versammlung hatte Heinrich Enshoff, Kaplan der katholischen Pfarrkirche St. Marien, eingeladen, von dem die Initiative zur Gründung dieser ältesten Kölner Baugenossenschaft ausgegangen war. Enshoff, Präses des genannten Christlichen Handwerker- und Arbeitervereins, wurde mit einem weiteren katholischen Geistlichen in den Gründungsvorstand der Genossenschaft gewählt. Nur wenige Monate später, am 8.5.1865, wurde, wiederum durch einen katholischen Geistlichen, RektorLateinisch-mittellateinisch, (1) Leiter einer Hochschule, (2) Leiter einer Grund-, Haupt-, Sonder- oder Realschule, (3) katholischer Geistlicher an einer Filialkirche, einem Seminar oder ähnlichen Einrichtungen. Philipp Schlick, die Wohnungsgenossenschaft im Gesellenhospitium gegründet. Schlick war wie Enshoff Präses eines Gesellenvereins und einige Jahre zuvor ebenfalls Kaplan im Kölner Arbeiterviertel Nippes. Die beiden Geistlichen dürften bei ihrer Tätigkeit als Kapläne wichtige Eindrücke von der sozialen Lage der Arbeiter und deren Wohnungsproblemen bekommen haben.

In den folgenden sieben Jahrzehnten wurden in Köln durch die Initiative katholischer Geistlicher und Organisationen sowie einzelner Pfarrgemeinden etwa 17 weitere Wohnungsgesellschaften gegründet. Diese Unternehmen bauten Häuser und Wohnungen, in denen katholische Familien nach dem Leitbild ihrer Kirche wohnen und leben sollten. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden so in Köln mehrere tausend Siedlungs- und andere Einfamilienhäuser sowie Wohnungen, vorwiegend für Katholiken.
Die folgenden Kölner Siedlungen sind beispielhaft für die Motive und das Handeln der Kirche in diesem Bereich:
- die Siedlung Am Bilderstöckchen (ab 1932)
- die Pastorssiedlung (ab 1933)
- die Bruder-Klaus-Siedlung (ab 1948)
- die Siedlung „Eigenheim“ (ab 1948)
- die Adam-Stegerwald-Siedlung (ab 1951)
- die Katholikentagssiedlung (ab 1956).

Auch die ab 1965 entstandene Siedlung Neubrück (Konrad-Adenauer-Siedlung) ging auf die Initiative katholischer Geistlicher und Unternehmen zurück. In dieser Siedlung konnte jedoch aus Gründen, die noch aufzuzeigen sind, das Ideal einer geschlossenen Siedlung für Katholiken mit einem speziellen Sozialmilieu nicht mehr erreicht werden.

Wohnen gehört wie Kleidung und Nahrung zu den elementaren Grundbedürfnissen des Menschen. Die Besonderheiten des Wirtschaftsgutes Wohnung erschweren jedoch die Entstehung und das Funktionieren eines durch Angebot und Nachfrage ausgeglichenen Marktes. Die Wohnung ist an das Grundstück gebunden, ihre Herstellung dauert länger und der Preis ist höher als bei fast allen anderen Gütern. Außerdem ist die Planungs- und Nutzungszeit sehr lang. Dies schließt kurzfristige Reaktionen auf die Veränderung von Angebot und Nachfrage aus.

Abgesehen von diesen Besonderheiten wird die Nachfrage nach Wohnraum auch durch die Bevölkerung am Ort, deren Sozialstruktur, die Einkommens-, Lebens- und Familienverhältnisse, den Wert der Wohnung als Prestigeobjekt und den Lebensstil der Bewohner bestimmt. Jeder Mensch braucht eine Wohnung. Sie ist damit auch ein Sozialgut. Da nahezu immer Wohnungsmangel herrschte, kam es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts regelmäßig zu Eingriffen der öffentlichen Hand in den Markt. Darüber hinaus unterstützten zahlreiche gesellschaftliche Gruppen die Wohnraumversorgung ihrer Klientel, so auch die Katholische Kirche. Während der Staat sich von seiner Pflicht zur Daseinsvorsorge und dem Erhalt des sozialen Friedens leiten ließ, war das Motiv der Kirche die christliche Caritas. Die Katholische Kirche hatte jedoch weitergehende Interessen. In den von ihr geförderten Siedlungen sollten Katholiken nach dem kirchlichen Leitbild für Familie, Eigentum und Wohnen leben. Sie gründete dazu spezielle Wohnungs- und Siedlungsgesellschaften, förderte das Bausparen, sammelte und spendete Geld und stellte ihren Grundbesitz in Erbpacht als Bauland zur Verfügung. Die Kirche war damit nicht nur eine philanthropische Organisation für wohnungssuchende Katholiken, sondern auch Teilnehmer am „Markt“ für das Wirtschaftsgut Wohnung.

Auch in Köln herrschte zu allen Zeiten Wohnungsmangel. Dieser Mangel verschärfte sich ganz besonders durch die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg. Erst ab etwa 1950 stieg die Zahl der Wohnungen aufgrund der Förderung durch die öffentliche Hand und die beginnende wirtschaftliche Erholung wieder an. Gleichwohl gab es 1966 noch 65.063 Wohnungssuchende in Köln.

2. Grundlagen, Grundsätze und Programme der Katholischen Kirche für den Wohnungsbau

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurden die drängenden sozialen Probleme infolge der Industrialisierung auch der Amtskirche bewusst. Mit der Enzyklika „Rerum Novarum“ (RN) Papst’ Leo XIII. (Pontifikat 1878-1903) gelang der Kirche im Jahre 1891 erstmals ein Durchbruch zu einer aktiven katholischen Sozialpolitik. In dieser Enzyklika forderte Leo XIII. unter anderem. auch das Recht auf Wohnung. 40 Jahre später aktualisierte Papst Pius XI. (Pontifikat 1922-1939) in seiner Enzyklika „Quadragesimo Anno“ (QA) die Forderungen von RN. 1941 und 1949 forderte Papst Pius XII. (Pontifikat 1939-1958) unter Berufung auf RN und QA für jede Familie ein eigenes Heim. Die Katholische Kirche in Deutschland, zahlreiche ihrer Repräsentanten, besonders Josef Kardinal Frings, machten sich die Forderung nach Eigenheimen für die katholische Familie zu Eigen.

Erst 1926 entstand mit der Gründung des (katholischen) Verbandes Wohnungsbau und Siedlung (VWS) eine eigene Organisation der deutschen Bischöfe für dieses Aufgabengebiet mit Sitz in Köln. Aus dem VWS ging 1931 der Katholische Siedlungsdienst hervor. Im Erzbistum Köln wurden nach 1945, wie in anderen deutschen Bistümern, ein Diözesansiedlungswerk gegründet, das mit anderen Organisationen, wie etwa dem Verband katholischer Siedler, die Förderung des Wohnungsbaus für Katholiken übernahm und die Zuteilung von Kirchenland regelte. Für die Planung und den Bau von Wohnungen und Siedlungen waren jedoch kommerzielle Fachfirmen erforderlich. Dazu wurden unter anderem die bereits genannte die Köln-Nippeser Bau- und Spargenossenschaft, die Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Am Bilderstöckchen (1932), die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft (1949, Kurzbezeichnung: Aachener) sowie die Deutsche Wohnungsgesellschaft mbH DEWOG (1950) gegründet - alle mit Sitz in Köln. In den Aufsichträten dieser Gesellschaften saßen zahlreiche katholische Geistliche als Vertreter der Anteilseigner, der Bistümer des Landes NRW. Eine besondere Rolle spielte dabei Prälat Alois Stegerwald (1904–1963), der mit eigenem Kapital und dem der von ihm gegründeten Christlichen Nothilfe Mitglied des Aufsichtrates der DEWOG und der Aachener war. Weitere (katholische) Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften gingen nach kurzer Zeit wieder ein oder mussten sich ab 1933 auf Druck der Nationalsozialisten mit anderen, nichtkonfessionellen Organisationen zusammenschließen. Die Amtskirche unterstützte die ihr nahe stehenden Firmen, insbesondere die Aachener, auch weil die Bistümer im Bundesland Nordrhein-Westfalen Anteilseigner dieser Gesellschaft waren und sind. Dies gilt insbesondere für die Erzdiözese Köln als Mehrheitsgesellschafter und wichtigster Kapitalgeber der Aachener.

Wohnungspolitisches Ideal der Katholischen Kirche war seit der Weimarer Zeit aus pastoralen Gründen das Einfamilienhaus mit Nutzgarten zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln, möglichst in geschlossenen Siedlungen für Katholiken. Diese Wohn- und Siedlungsform entsprach dem Leitbild der Kirche für Familie, Eigentumsbildung und Wohnen. In derartigen Siedlungen sollten die Gläubigen gegen liberales und sozialistisches Gedankengut immunisiert und dadurch - was so nicht ausgesprochen wurde - die gegenseitige soziale Kontrolle der (katholischen) Lebensführung ermöglicht werden. Nur in wenigen Fällen konnte dieses Ideal jedoch erreicht werden. In der Großstadt Köln und in anderen Ballungsgebieten war die Wohnform „Einfamilienheim mit Gemüsegarten und Kleintierhaltung“ aufgrund des Flächenverbrauchs und der dadurch bedingten höheren Grundstückskosten  überhaupt nicht möglich.

Diese von der Katholischen Kirche geforderte und geförderte Wohn- und Siedlungsform fand auch die Unterstützung der Politik. Mit dem Reichssiedlungsgesetz von 1918, dem Reichsheimstättengesetz von 1920 sollte die Wohnungsnot gemildert und die Selbstversorgung mit Lebensmitteln ermöglicht werden. Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise wurde am 6.10.1931 die 3. Notverordnung gesetzliche Grundlage für das so genannte Randsiedlungsprogramm. Erwerbslose sollten mit Finanzhilfe des Reiches auf Grundstücken am Rande der Großstädte einfache Siedlungshäuser in Selbsthilfe errichten und die „Landzulage“ für Gemüseanbau und Kleintierhaltung nutzen. In Kirche und Politik gab es für diese Siedlungsform aber auch großstadtfeindliche und zivilisationskritische Motive.

Nach 1945 fanden die Grundsätze und Ziele der katholischen Kirche für Wohnungsbau und Siedlung die Unterstützung der im Bund und im Land NRW regierenden CDU. Paul Lücke, Wohnungsbauminister im 2. Kabinett Adenauer, setzte sich aus christlich-katholischer Überzeugung noch 1960 für die Kleinsiedlung ein. Gleichwohl war diese Wohn- und Siedlungsform für die meisten Deutschen unerreichbar. Es dominierte die Mietwohnung in Geschossbauten.

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3. Wohnsiedlungen für Katholiken und ihre Bauträger in Köln 1932–1965

Die Wohnsiedlung Am Bilderstöckchen

Mit Gründung der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft (GSG) Am Bilderstöckchen im Jahre 1932 als Bauträger für die Wohnsiedlung gleichen Namens im heutigen Stadtbezirk Nippes war der katholischen Kirche in Köln erstmals seit 1920 wieder ein Erfolg auf dem Gebiet von Bauen und Siedeln beschieden. Bereits der Name Am Bilderstöckchen weist auf eine enge Verbindung der Siedler mit der Kirche hin. Dieser Name geht auf einen Bilderstock zurück, der im 16. Jahrhundert in der Feldmark des Dorfes Nippes zum Dank dafür errichtet worden war, dass die Bewohner von der Pest verschont blieben. Die Gründung der GSG erfolgte auf Initiative einiger katholischer Geistlicher, christlicher Gewerkschafter und Zentrumsabgeordneter der Kölner Stadtverordnetenversammlung. Im § 2 des Gesellschaftervertrages der GSG formulierten die Initiatoren ihre Ziele:„Gegenstand es Unternehmens ist der Bau und die Betreuung von Kleinwohnungen für die minderbemittelte katholische Bevölkerung.“

Auf dem 84.000 Quadratmeter großen Grundstück, das bis 1918 als Artilleriedepot der Kölner Festung genutzt worden war, entstanden ab Januar 1933 nach Maßgabe der 3. Notverordnung 54 Randsiedlungshäuser. Einige der Wagenhallen des ehemaligen Artilleriedepots wurden zu 119 Reihenhäusern, eine weitere Wagenhalle zu 69 Kleinwohnungen umgebaut. Außerdem wurden in der Siedlung eine Notkirche, ein Kinderhort, Läden und andere Gemeinschaftseinrichtungen errichtet.

Die Bauarbeiten wurden von den erwerbslosen Siedlern und ihren Familienangehörigen geleistet. Sie wurden dabei von 150 erwerbslosen jungen Männern des Katholischen Jungmännervereins unterstützt. Die Stadt Köln förderte das Projekt durch die kostenlose Nutzung der Straßenbahn für die Fahrten der Siedler zur Baustelle. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten änderte sich für die Siedler zunächst wenig, da das Randsiedlungsprogramm weitgehend mit der Politik des neuen Regimes übereinstimmte. Für die weiter andauernde Verbindung mit der katholischen Kirche sprechen die regelmäßigen Presseberichte über die Siedlung und die Einweihung durch Weihbischof Hammel am 1.10.1933. In den Jubiläumsschriften zum 25- und 50-jährigen Bestehen der Siedlung mit Zitaten aus RN und QA schrieben die Kölner Kardinäle Frings und Höffner Grußworte. Noch im Jahre 2000 spendete nach Abschluss von Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen ein katholischer Geistlicher den Segen. Auch heute ist die Grundstruktur der Siedlung aus den Jahren 1932/1933 nach Beseitigung der Kriegsschäden noch deutlich erkennbar.

 

Die Pastorssiedlung

Ab 1933 schränkten die Nationalsozialisten die Handlungsmöglichkeiten der katholischen Kirche, auch auf dem Gebiet von Bauen und Siedeln, zunehmend ein. Um so bemerkenswerter ist die Gründung einer „Katholischen Interessengemeinschaft von Siedlungswilligen“, der einzigen derartigen Neugründung in Köln während der NS-Zeit, durch Pfarrer Jacob Maybaum (1888-1978), der als Generalbevollmächtigter der Siedlungswilligen im Kölner Stadtteil Höhenhaus in seinem Gemeindebezirk 200 Einfamilienhäuser bauen ließ. Im Hinblick auf ihren geistlichen Gründer erhielt die Siedlung im Volksmund den Namen „Pastorssiedlung“. Mit der Siedlung Am Bilderstöckchen gab es insoweit eine Verbindung, als Maybaum seit dem 20.12.1933 auch Gesellschafter der GSG war. Durch die Gründung der Siedlungsgemeinschaft wollte Maybaum sich von einer 1930/1931 gebauten benachbarten Randsiedlung abgrenzen, deren Grundstücke und Häuser vorwiegend an Parteigänger des Nationalsozialismus vergeben wurden. Die Einweihung der Pastorssiedlung erfolgte 1934 noch nach dem Vorbild anderer „katholischer“ Siedlungen: Festhochamt, Prozession, kirchliche Weihe, Segnung der Häuser in Anwesenheit und unter Mitwirkung kirchlicher Würdenträger, Dank und Anerkennung für Pfarrer Jacob Maybaum.

Ab 1935 war Maybaum zunehmend Repressionen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Er hatte sich nicht nur mit der konfessionellen Ausrichtung seiner Siedlung zum Gegner des NS-Regimes gemacht, sondern seine auf den Glauben der Kirche gründende Meinung mehrfach offen kund getan. Um der Verhaftung zu entgehen, floh er 1935 in die Niederlande, musste jedoch nach deren Besetzung durch die Wehrmacht 1941 wieder nach Köln zurückkehren. Leben und Werk von Jacob Maybaum stehen für mutiges und entschlossenes Handeln gegen den Nationalsozialismus – auch auf dem Gebiet von Bauen und Siedeln.

 

Die Bruder-Klaus-Siedlung

Während des Zweiten Weltkriegs war der Wohnungsbau nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Infolge der Kriegsschäden hatte sich die Zahl der Wohnungen in Köln auf fast ein Drittel des Vorkriegsbestandes verringert. Nach Kriegsende war der Bedarf war jedoch durch Flüchtlinge, Heimatvertriebene und Evakuierte erheblich gestiegen. Der dringend notwendige Wiederaufbau wurde durch den Mangel an Kapital, Baumaterial und ein Bauverbot der Besatzungsmächte stark eingeschränkt.

Die erste größere Baumaßnahme in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg, die Bruder-Klaus-Siedlung (BKS) im Stadtteil Stammheim, ging wiederum auf die Initiative eines katholischen Geistlichen zurück. Karl Müller (1898-1975), Pfarrer von St. Franziskus, sammelte ab 1946 Wohnungssuchende seiner Gemeinde und gründete am 18.3.1947 im Pfarrhaus die „Siedlergemeinschaft Neuland e. V.“ Er knüpfte damit an das Vorbild der Siedlung Am Bilderstöckchen an, die zu seiner Gemeinde gehörte. Durch den Tausch von Kirchenland gegen städtische Grundstücke konnte im Norden des Kölner Stadtteils Stammheim ein Baugelände für die künftige Siedlung gefunden werden, das in den folgenden Jahren erheblich erweitert wurde. Mit der Aachener, später der DEWOG als Bauträger, wurden ab 1948 die ersten Siedlungshäuser mit je 2.000 Quadratmetern Gartenland in Anlehnung an Siedlungskonzepte aus der Weimarer Zeit errichtet. Seit 1950 hatten die Grundstücke nur noch circa 1.000 Quadratmeter, weil die berufstätigen Siedler mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 48 Stunden eine größere Fläche nicht mehr bewirtschaften konnten. Nach Aufhebung der Rationierung von Lebensmitteln und der Währungsreform Neuordnung des Geldwesens durch staatliche Gesetzgebung, meist Änderung der Währungsverfassung. 1948 war die Selbstversorgung aus dem eigenen Garten auch nicht mehr zwingend erforderlich. Namensgeber für die in den folgenden Jahren regelmäßig erweiterte Siedlung wurde der Schweizer Eremit Nikolaus von Flüe (1417-1487), auch Bruder Klaus genannt, der 1947 heilig gesprochen wurde.

Ab 1950 waren die Erweiterungsbauten keine Siedlungshäuser mit „Landzulage“ mehr, sondern kleine Einfamilien- und Reihenhäuser sowie Geschosswohnungen, später auch ein Altenheim. Auch das zunächst nachdrücklich verfolgte Ideal einer geschlossenen Siedlung nur für Katholiken konnte in Laufe der Jahre immer weniger erreicht oder erhalten werden.

 

Die Siedlung „Eigenheim“

Wie in der Bruder-Klaus-Siedlung am Tag zuvor legte Kardinal Frings am 13.8.1948 den Grundstein für die Siedlung „Eigenheim“. Die Initiative zum Bau dieser Siedlung ging von dem wenige Monate vor der Grundsteinlegung gegründeten „Verein katholische Siedlungsgemeinschaft Eigenheim“ aus. Einen ersten Erfolg hatte dieser Verein, als ihm die Pfarrgemeinde St. Dionysius in Köln-Longerich 91.800 Quadratmeter Kirchenland als Bau- und Siedlungsgrundstück in Erbpacht zur Verfügung stellte. Wie bei anderen von der katholischen Kirche geförderten Kleinsiedlungen sollten die geplanten Häuser in Eigenleistung errichtet werden. Nach dem 1. Wohnungsbaugesetz von 1950 konnte diese Eigenleistung als „Muskelhypothek“ im Grundbuch eingetragen werden. Fast alle Siedler machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. Spätestens 1950 konnten die Bauarbeiten nicht mehr ohne die professionelle Hilfe von Fachfirmen fortgesetzt werden. Zur Lösung diese Problems beteiligte sich die Siedlungsgemeinschaft mit DM 2.000 an der Aachener, die als Generalunternehmer die weitere Bauausführung übernahm.

Wie die zuvor beschriebenen war auch die Siedlung „Eigenheim“ von Anbeginn an katholisch geprägt. Aus dem katholischen Männerverein der Pfarrgemeinde St. Dionysius hervorgegangen, wurde wie in der Bruder-Klaus-Siedlung der Grundstein von Kardinal Frings gelegt. Am 19.3.1950, am Fest des hl. Josef, segnete Prälat Wosnitza, der Leiter des Katholischen Siedlungsdienstes, die ersten elf Häuser. 1953 weihte Kardinal Frings eine Kreuzanlage in der Siedlung und zelebrierte 1968 zur 25-Jahr-Feier ein Pontifikalamt. Aufgrund der Verbundenheit der Siedler mit dem Kardinal hieß die Siedlung im Volksmund „Fringsveedel“. Als es zu Problemen bei der Finanzierung und den Bauarbeiten kam, wandten sich die Siedler wiederholt mit der Bitte um Hilfe an die Erzdiözese Köln.

In der Siedlung „Eigenheim“, ursprünglich als Kleinsiedlung für 69 winzige Einfamilienhäuser mit je 58 Quadratmeter Wohnfläche und Stall geplant, ist das kleinbürgerlich-dörfliche Milieu nur noch in Ansätzen erkennbar. Heute steht die Siedlung im Schatten des nahe gelegenen Stadtteils Chorweiler mit vielen tausend Wohnungen in Hochhäusern, zum Teil von sozial schwachen Familien mit Migrationshintergrund bewohnt.

 

Die Adam-Stegerwald-Siedlung

Die bis zur Mitte der 1960er Jahre größte Wohnbaumaßnahme in Köln war die von 1951 bis 1956 im Stadtbezirk Mülheim errichtete Adam-Stegerwald-Siedlung. Viele Jahre galt diese Siedlung weit über Köln hinaus als Musterbeispiel des modernen Großstadtwohnungsbaus. Prälat Alois Stegerwald, Mitbegründer der DEWOG, setzte sich dafür ein, dass die Siedlung den Namen seines Vaters Adam Stegerwald (1874–1945), der christlicher Gewerkschafter, Mitglied des Reichstags, 1929-1930, Reichsverkehrsminister und 1930-1932 Reichsarbeitsminister gewesen war..

Von 1951 bis 1956 entstanden auf einer früheren Industriebrache 1.677 Wohneinheiten für circa 6.000 Menschen in Geschossbauweise. Am 12.9.1956 wurde die Siedlung von Weihbischof Wilhelm Cleven (Episkopat 1950-1969, gestorben 1983) in Anwesenheit von Bundeskanzler Adenauer eingeweiht. Der Bau von Einfamilienhäusern mit Nutzgarten, von der katholischen Kirche bis in die 1960er Jahre gewollt und gefördert, war in der Stegerwaldsiedlung aufgrund der begrenzten und teuren Grundstücksflächen im Stadtgebiet von Köln ausgeschlossen.

Der Bauträger DEWOG versuchte, möglichst nur katholische Mieter auszuwählen, um damit zumindest in Ansätzen ein katholisches Sozialmilieu zu begründen. Hierzu wurden von den Pfarrern der Heimatgemeinden vertraulich Auskünfte über die Lebensführung der Bewerber eingeholt. Bei der Kommunalwahl 1964 wurden die Mieter in der Kundenzeitschrift der DEWOG behutsam aufgefordert, Kandidaten zu wählen, die sich für das Familienideal der katholischen Kirche einsetzen. Gleichwohl wohnten in der Siedlung keineswegs nur Katholiken.

Auch die Adam-Stegerwald-Siedlung hat den von ihren Initiatoren gewollten katholischen Charakter im Laufe der Zeit verloren. Dafür spricht auch der Bau einer evangelischen Pfarrkirche in der Siedlung, die 1998 jedoch in einen Kindergarten umgewandelt wurde. Prälat Alois Stegerwald unterhielt in der Siedlung ein Büro des von ihm gegründeten Sozialwerks Adam Stegerwald, das umfangreiche karitative Tätigkeiten, auch und gerade in dieser Siedlung entfaltete. In dem Büro des Sozialwerks ist Stegerwald 1963 verstorben. An der Trauerfeier nahmen unter anderem Bundeskanzler Adenauer und Kardinal Frings teil, die damit einer Persönlichkeit, die sich um den Wohnungsbau für Katholiken verdient gemacht hatte, die letzte Ehre erwiesen.

 

Die Katholikentagssiedlung

Schon der Name der ab 1956 im Kölner Stadtteil Longerich gebauten Siedlung weist auf eine enge Verbindung mit der Katholischen Kirche hin. Den Grundstein zu der zunächst Gartenstadt-Nord genannten Siedlung legte am 29.8.1956, dem Beginn des 77. Deutschen Katholikentages, der Bischof von Limburg, Wilhelm Kempf (Episkopat 1949-1981, gestorben 1982).

Bauträger war wie bei zahlreichen anderen „katholischen“ Siedlungen in Köln die DEWOG. Von den ursprünglich geplanten 500 Eigenheimen und 650 Wohnungen wurden bis 1959 jedoch nur 278 Einfamilienhäuser und 322 Wohnungen, außerdem ein Altenwohnheim, vier Ladenzeilen und die Pfarrkirche St. Bernhard gebaut. Die Einfamilienhäuser erhielten teilweise eine Einliegerwohnung für ältere Ehepaare, die so nach kriegsbedingter Evakuierung wieder nach Köln zurückkehren konnten. Diese Eigenheime waren jedoch keine Siedlungshäuser mit „Landzulage“, weil die dafür erforderlichen Grundstücke in der Großstadt Köln nicht verfügbar oder nicht bezahlbar waren.

Da der geplante Baubeginn zum 77. Deutschen Katholikentag (29.8.-4.9.1956) gefährdet war, musste das Erzbistum Köln das Projekt in vielfältiger Form unterstützen, insbesondere, um die drohende Finanzierungslücke zu schließen: Durch eine Zwischenfinanzierung in Höhe von DM 1,5 Millionen aus dem Haushalt der Erzdiözese, eine Sammlung während des Katholikentages (DM 500.000) sowie zinslose Darlehen an die – zumeist kinderreichen – Erwerber der Einfamilienhäuser. Die Bitten der Erzdiözese um Unterstützung durch die Stadt Köln und die Landesregierung NRW wurden abschlägig beschieden. Ministerpräsident Karl Arnold wollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen, ein konfessionell geprägtes Bauvorhaben mit Landesmitteln besonders zu fördern. Erfolgreicher waren die Unterstützungsanträge für spätere Bauabschnitte an Bundespolitiker. Prälat Alois Stegerwald, Mitglied des Aufsichtsrates der DEWOG, schrieb 1959 an Bundeskanzler Adenauer, Bundesbauminister Lücke sowie Arbeits- und Sozialminister Blank. Er erhielt DM 500.000 und zinsgünstige Kredite der bundeseigenen Bau- und Bodenbank.

Mit dem Bau der Katholikentagssiedlung wollte die Kirche demonstrieren, dass ihr wohnungspolitisches Ziel, das Eigenheim für die kinderreiche Familie mit geringen Einkommen, realisierbar ist. Dieses Ziel konnte 1956 aufgrund der herrschenden Kapital- und Marktbedingungen nur mit Hilfe der Kirche erreicht werden. Die Unterstützung des Projekts durch die Bundesregierung ergab sich auch durch die weitgehende Übereinstimmung der wohnungspolitischen Ziele der Kirche mit denen der im Bund regierenden CDU, insbesondere mit denen des Bundeskanzlers und seines Bauministers, beide Katholiken mit Wurzeln in Köln beziehungsweise im benachbarten Bensberg.

 

Die Siedlung Neubrück (Konrad-Adenauer-Siedlung)

Die ab 1965 in mehreren Bauabschnitten im Osten des Kölner Stadtbezirks Kalk errichtete Siedlung Neubrück gehört mit Bocklemünd-Mengerich und Stammheim zu den drei in den 1960er Jahren errichteten Kölner Großsiedlungen. Mit mehr als 3.800 Wohneinheiten (Stand 1985) ist diese Siedlung gleichwohl mehr als doppelt so groß wie die Adam-Stegerwald-Siedlung (1.677 Wohneinheiten) und größer als die beiden anderen genannten.

Erst nachdem die Bundesregierung dem Verkauf des bundeseigenen Grundstücks zugestimmt hatte, konnte der Grundstein am 26.8.1965 gelegt werden. An dieser Zeremonie nahm der 90-jährige Altkanzler Konrad Adenauer zusammen mit zahlreichen Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern der CDU teil, jedoch kein Vertreter der SPD. Die vorgeschlagene Benennung der neuen Siedlung nach Adenauer lehnte Oberbürgermeister John van Nes Ziegler als „Personenkult“ ab, die Siedlung heißt offiziell Neubrück.

Auf einer Fläche von 750.000 Quadratmetern sollten Einfamilien-, Reihenhäuser, Miet-, Sozial- und Eigentumswohnungen für circa 14.000 Einwohner entstehen. 1993 lebten jedoch erst circa 9.600 Menschen in Neubrück. Bauträger war wiederum die DEWOG zusammen mit mehreren Subunternehmern.

Die von der katholischen Kirche weiterhin angestrebte Entstehung einer dörflichen Idylle mit einem katholisch geprägten Sozialmilieu konnte in der Siedlung Neubrück nicht mehr erreicht werden. Mit fast 10.000 Einwohnern war diese Siedlung dafür viel zu groß. Durch die zunehmende Motorisierung und die gute Erschließung durch den Öffentlichen Personennahverkehr wurde die Kommunikation der Bewohner über die Grenzen der Siedlung hinaus begünstigt. Schon aus diesem Grunde war die Immunisierung der Bewohner gegen nichtkatholisches Gedankengut nicht mehr möglich. Auch die lange Zeit von der katholischen Kirche geförderten Einfamilienhäuser mit Landzulage zur Selbst- oder Teilversorgung gab es in Neubrück nicht mehr. Das Besetzungsrecht der Stadt Köln für die Sozial- und das des Bundes für die Bundesdarlehenswohnungen in Neubrück erklärt die Mischung verschiedener Konfessionen und Einkommensschichten. Hiezu stellte der Katholische Siedlungsdienst (KSD) 1993 in einer Schrift rückblickend fest, dass Neubrück ein „Spiegelbild der Gesellschaft“ sei. Dafür gibt es jedoch auch noch andere Erklärungen. Vor allem der mit Beginn der 1960er Jahre in allen Bereichen einsetzende gesellschaftliche Wandel, auf den die Kirche auch mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) reagierte, machte an den Grenzen der bisherigen „katholischen“ Wohnsiedlungen nicht Halt. Auch daher ist in Neubrück ein geschlossenes, katholisch geprägtes Sozialmilieu gar nicht erst entstanden.

 

4. Sozialstruktur und Milieu

Für eine differenzierte Darstellung oder einen Vergleich der Sozialstruktur in den sechs beschriebenen „katholischen“ Kölner Wohnsiedlungen untereinander fehlen die dafür erforderlichen statistischen Angaben. Wichtigstes gemeinsames Merkmal war, dass die Bewohner anfänglich fast ausnahmslos katholisch und kinderreich waren – außer in Neubrück. Sie gehörten der unteren Mittelschicht an: Facharbeiter, Handwerker, kleine oder mittlere Angestellte und Beamte, sie waren jedoch keine Großbürger oder gesellschaftliche Eliten. Mit anderen Worten: Es waren „kleine Leute“, verwurzelt in ihrem Milieu und motiviert, die Wohnungsnot durch eigene Anstrengungen zu überwinden.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts versuchte die katholische Kirche, aus karitativen Gründen die Wohnungsnot zu lindern, zum Teil mit Erfolg. Darüber hinaus strebte sie an, dass Katholiken in überschaubaren Quartieren nach den Normen und Werten der Kirche leben. Dazu sollte ein spezielles Sozialmilieu mit einer gegenseitigen Kontrolle entwickelt, stabilisiert und erhalten werden. Mit Unterstützung der zahlreichen katholischen Vereine, jeweils unter Leitung eines geistlichen Präses, reagierte die Kirche damit auch auf die Zumutungen der industriellen Arbeitswelt und den preußisch-protestantischen Nationalstaat, ab 1933 auch gegen den zunehmenden Einfluss des NS-Regimes. Die katholischen Vereine und das von ihnen gestaltete Milieu sollten Geborgenheit, kollektive Sinndeutung und soziale Sicherheit bieten. In Köln wurde bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts Milieu durch Wohnungsbau stabilisiert. Die 1896 gegründete Wohnungsgenossenschaft im Gesellenhospitium baute Häuser, in denen Gesellen nach Wanderzeit, Meisterprüfung und Heirat sich in dem vertrauten Milieu der Gesellenvereine (wieder-)finden sollten.

In der Weimarer Zeit, zum Teil bereits davor, waren Milieubildung und -erhalt in und durch geschlossene Siedlungen für Katholiken aus pastoralen Gründen Ziel der Kirche. Nach Unterbrechung durch die NS-Zeit knüpften die Amtskirche und katholischen Organisationen an dieses Ziel - auch mangels Alternativen - wieder an. Das katholische Sozialmilieu löste sich jedoch seit dem Ende der 1950er Jahre zunehmend auf. Dieser Wandel erstreckte sich über mehrere Jahre, beendet ist er bis heute nicht. Ursache dieser allmählichen Erosion waren Veränderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen, nicht nur in der Kirche: das Ende der Ära Adenauer, die Pluralisierung und Liberalisierung der Lebensformen, neue Möglichkeiten des Konsums, der Kommunikation und Mobilität bestimmten diesen Prozess, für Katholiken besonders auch das Zweite Vatikanische Konzil. Bisher feste konfessionellen Bindungen lockerten sich, auch in den 1948 erbauten Siedlungen Eigenheim und Bruder Klaus.

5. Ergebnis

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts förderte die katholische Kirche aus karitativen und pastoralen Gründen den Wohnungsbau und konnte dabei beachtliche Erfolge erzielen. In den beschriebenen Siedlungen in Köln entstanden zwischen 1932 und 1965 mit ideeller, organisatorischer und finanzieller Unterstützung der Kirche circa 7.200 Wohneinheiten (ohne spätere Erweiterungsbauten).

Die von der Kirche bevorzugte Wohnform, das Einfamilien (-siedlungs)haus mit Nutzgarten zur Selbstversorgung, wurde in der Weimarer Zeit und nach 1945 auch von der Politik unterstützt, in den Anfangsjahren der Bundesrepublik vor allem durch Bundeskanzler Adenauer und den CDU-Wohnungspolitiker Paul Lücke, beide überzeugte und praktizierende Katholiken. Nachdem die Notwendigkeit der Selbstversorgung mit Lebensmitteln aus dem eigenen Garten aufgrund der wirtschaftlichen Erholung mit Beginn der 1950er Jahre entfallen war und die dafür erforderlichen Grundstücke in der Großstadt Köln nicht verfügbar waren, wurden überwiegend Geschosswohnungen oder Reihenhäuser gebaut – wie in anderen Siedlungen oder Ballungsräumen auch.

Mit der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH verfügt die katholische Kirche über ein führendes Unternehmen der Bau- und Wohnungswirtschaft. Dieses Unternehmen konnte sich bis heute, besonders nach Übernahme der DEWOG und der GSG Am Bilderstöckchen, am Markt behaupten. Obwohl dies bis in die 1960er Jahre angestrebt wurde, sind die Kunden der Aachener und ihrer Tochtergesellschaften nicht mehr ausschließlich Katholiken. Heute agiert das Unternehmen auf dem Bau- und Immobilienmarkt nicht anders als andere Gesellschaften dieser Branche.

Das lange Zeit von der Kirche und den zahlreichen katholischen Vereinen, auch durch den Bau von geschlossenen Wohnsiedlungen für Katholiken, angestrebte Sozialmilieu hat sich heute weitgehend aufgelöst. Auch wenn in der Weimarer Zeit und nach 1945 diese Milieubildung ein wichtiges Motiv für das Handeln der Kirche war: Vorrang hatte zu allen Zeiten das sprichwörtliche Dach über dem Kopf.

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Programmatische Erklärungen der Päpste, der Deutschen Bischofskonferenz und der Erzdiözese Köln zu Wohnen und Siedeln wurden regelmäßig im Kirchlichen Anzeiger, dem Amts- und Mitteilungsblatt des Erzbistums Köln, veröffentlicht. Weitere Angaben finden sich unter den entsprechenden Stichworten im Lexikon für Theologie und Kirche (verschiedene Jahrgänge, Erscheinungsort: Freiburg i. B.). Aussagen zum Wohnungsbau finden sich in den Parteiprogrammen der CDU von 1945 (vorl. Entwurf), 1946, 1947 sowie in den Leitsätzen von 1949. Zur Geschichte der genannten Wohnungsbaugesellschaften siehe 40 Jahre Aachener (1989), 50 Jahre Aachener (1999), 25 Jahre DEWOG, Geschichte, Ziele, Leistungen (1975), Erscheinungsort: Köln. Verschiedene Ausgaben der Kundenzeitschrift Die DEWOG Familie.


Literatur

Schulz, Günther (Hg.), Wohnungspolitik im Sozialstaat. Deutsche und europäische Lösungen 1918 – 1960, Düsseldorf 1993.

Schulz, Günther, Kontinuitäten und Brüche in der Wohnungspolitik von der Weimarer Zeit bis zur Bundesrepublik, in: Teuteberg, Hans-Jürgen (Hg.), Stadtwachstum, Industrialisierung, sozialer Wandel, Berlin 1986.

Schulz, Günther, Wiederaufbau in Deutschland. Die Wohnungspolitik in den Westzonen und der Bundesrepublik von 1945 bis 1957, Düsseldorf 1994.

Festschrift zum 25jährigen Bestehen der GSG Am Bilderstöckchen (1957).

40 Jahre Siedlung Am Bilderstöckchen (1974).

50 Jahre GSG Am Bilderstöckchen (1982).

Schuster, Günther, Bilderstöckchen. Von der Randsiedlung zum Stadtteil, in: Irsfeld, Franz (Hg.), Nippes gestern und heute, Köln 1983.

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Gorny, Franz, 1948 – 1998. 50 Jahre dazwischen. Die Geschichte der BKS in Köln- Mülheim, Köln, 1998.

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Verschiedene Ausgaben der Kundenzeitschrift Die DEWOG Familie. Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln, Ausgaben v. 13., 20., 27. September 1959. Erscheinungsort Köln.

Heinen, Werner/Pfeffer, Annemarie, Siedlungen in Köln 1888 – 1988, Köln 1988.

Damberg, Wilhelm, Abschied vom Milieu? Paderborn u. a. 1997.

Klöcker, Michael, Katholisch - von der Wiege bis zur Bahre, München 1991.

Kühr, Herbert, Katholische und evangelische Milieus, in: Oberndörfer, Dieter u. a., (Hg.), Wirtschaftlicher Wandel, religiöser Wandel und Wertewandel, Berlin 1985.

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Vollert, Michael P., Die katholische Kirche und der Wohnungsbau in Köln 1932-1965, München 2009.

Weichlein, Siegfried, Sattelzeit der Milieuerosion, in: Die Neue Gesellschaft 6 (2003). S. 54-58


 

26.2.2013
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Michael P. Vollert (Rheinbach) 
 

       
 

       
 

 Katholikentagssiedlung, 1990 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 173KB)

Katholikentagssiedlung, Pater-Delp-Straße, 1990. (© Kölner Stadtkonservator)

 Kirche der Bruder-Klaus-Siedlung (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 212KB)

Kirche der Bruder-Klaus-Siedlung, 1953. (© Kölner Stadtkonservator)

 Adam-Stegerwald-Siedlung, 1954 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 305KB)

Adam-Stegerwald-Siedlung, 1954. (© Kölner Stadtkonservator)

 Katholikentagssiedlung, 1959 (Bildvergößerung öffnet in neuem Fenster, 323KB)

Katholikentagssiedlung mit der Pfarrkirche St. Bernhard, 1959. (© Kölner Stadtkonservator)