Der 20. Internationale Eucharistische Kongress vom 4.-8.8.1909 in Köln

Willi Spiertz (Köln)

Postkarte zur Erinnerung an den Eucharistischen Kongress.

1. Einleitung

Der ers­te In­ter­na­tio­na­le Eu­cha­ris­ti­sche Kon­gress hat­te vom 28.-30.6.1881 in Lil­le un­ter Füh­rung des Weih­bi­schofs von Cam­brai, Hen­ri Mon­nier (1820–1916), und un­ter dem Mot­to „Ge­sell­schafts­kö­nig­reich Chris­ti“ statt­ge­fun­den. Er war auf Be­trei­ben der Lai­en­frau Emi­lie Ma­rie Ta­mi­sier (1834–1910) mit Un­ter­stüt­zung des 1962 hei­lig ge­spro­che­nen Pier­re Ju­li­en Ey­mard (1811–1868) so­wie des Bi­schofs Gas­ton de Sé­gur (1820–1880) zu­stan­de ge­kom­men. Emi­lie Ma­rie Ta­mi­sier, die schon seit ih­rer Kind­heit die Eu­cha­ris­tie be­son­ders ver­ehr­te, hat­te be­reits in den 1860er und 1870er Jah­ren eu­cha­ris­ti­sche Wall­fahr­ten zur Ver­brei­tung der Eu­cha­ris­tie­an­be­tung und zur Ab­wehr von Sä­ku­la­ri­sie­rungs­ten­den­zen in Frank­reich or­ga­ni­siert. Nach­dem der In­dus­tri­el­le Phi­li­bert Vrau (1829–1905) die Fi­nan­zie­rung ge­währ­leis­tet und Papst Leo XIII. (Pon­ti­fi­kat 1878–1903) sei­ne Zu­stim­mung ge­ge­ben hat­te, konn­te der ers­te Kon­gress statt­fin­den. Ihm schlos­sen sich wäh­rend des Pon­ti­fi­kats Le­os XIII. wei­te­re 13 Kon­gres­se in un­re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den an. Der ers­te Eu­cha­ris­ti­sche Kon­gress auf deut­schem Bo­den war 1907 in Metz, das zu die­ser Zeit zum Deut­schen Kai­ser­reich ge­hör­te. Ne­ben Köln (1909) war als wei­te­re deut­sche Stadt Mün­chen im Jah­re 1960 Gast­ge­ber (37. Eu­cha­ris­ti­scher Welt­kon­gress). Seit ­die­ser Zeit ist die Eu­cha­ris­tie­fei­er - nicht wie bis da­hin die fei­er­li­che Pro­zes­si­on - Hö­he­punkt der Ver­samm­lung. Im Jah­re 2013 ist Köln un­ter dem Mot­to „Herr, zu wem wol­len wir ge­hen?“ (Joh. 6,68) Aus­rich­ter ei­nes ers­ten na­tio­na­len Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses.

 

Die eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­se wol­len die Gläu­bi­gen um die Mit­te des Glau­bens, die Eu­cha­ris­tie, ver­sam­meln. Die Eu­cha­ris­tie, die Ge­gen­wart Chris­ti in Ge­stalt von Brot und Wein (Mt 26,26–28; Mk 14,22–25; Lk 22,15–20; 1 Kor 11,23–26), ist für die ka­tho­li­sche Kir­che das zen­tra­le Sa­kra­ment und wird des­halb be­son­ders ver­ehrt. Die Be­geg­nun­gen in in­ter­na­tio­na­ler Zu­sam­men­set­zung sol­len die „Be­deu­tung der Eu­cha­ris­tie im Le­ben der Kir­che be­wusst ma­chen, ihr Ver­ständ­nis ver­tie­fen und öf­fent­lich be­zeu­gen, dass Je­sus Chris­tus in Ge­stalt der Eu­cha­ris­tie die Le­bens­mit­te der Kir­che und ih­re Sen­dung is­t“, so der Se­kre­tär des na­tio­na­len Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses 2013, Ro­bert Klei­ne (ge­bo­ren 1967).

Wäh­rend des 18. In­ter­na­tio­na­len Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses 1907 in Metz hat­te der Köl­ner Erz­bi­schof An­to­ni­us Kar­di­nal Fi­scher den Wunsch ge­äu­ßert, den über­nächs­ten Kon­gress im Jah­re 1909 in Köln zu ver­an­stal­ten. Die­sem Wun­sche ent­sprach das in­ter­na­tio­na­le Ko­mi­tee mit sei­nem Prä­si­den­ten, dem Bi­schof von Na­mur und Abt der Prä­mons­tra­ten­ser in Bel­gi­en, Tho­mas Louis Heylen (1856–1941), so­dass der Ver­wirk­li­chung des 20. In­ter­na­tio­na­len Eu­cha­ris­ti­schen Welt­kon­gres­ses vom 4.-8.8.1909 in Köln nichts mehr im We­ge stand.

2. Vorbereitung des Kongresses

Zur Vor­be­rei­tung des Kon­gres­ses, der nach den Wor­ten von Kar­di­nal Fi­scher den Zweck ver­folg­te, „in der ka­tho­li­schen Welt die gläu­bi­ge An­dacht zum al­ler­hei­ligs­ten Al­tars­sa­kra­men­te zu ver­tie­fen und zu för­dern“, grün­de­te sich am 12.1.1909 un­ter sei­nem Vor­sitz ein Lo­kal­ko­mi­tee, be­ste­hend aus „un­ge­fähr 150 Cöl­ner Her­ren[!] in den ver­schie­dens­ten Le­bens­la­gen“. Es be­stand aus sie­ben Kom­mis­sio­nen (Kor­re­spon­denz, Fi­nan­zen, Lit­ur­gie, Aus­schmü­ckung und Ord­nung, Emp­fang und Woh­nung, Pres­se und Red­ner) mit je ei­nem Vor­sit­zen­den an der Spit­ze. Als Eh­ren­prä­si­den­ten fun­gier­ten der Kar­di­nal selbst und der Köl­ner Weih­bi­schof Jo­seph Mül­ler (Epis­ko­pat 1903–1921). Zum Prä­si­den­ten wur­de Ge­ne­ral­vi­kar Pe­ter Carl Aloys Kreutz­wald (1850–1918) und zu sei­nem Ver­tre­ter Dom­ka­pi­tu­lar und Kunst­samm­ler Alex­an­der Schnüt­gen be­stellt. Mit den Wor­ten: „Um den Bei­stand und den Se­gen des hl. Geis­tes her­ab­zu­fle­hen auf die Vor­be­rei­tung und die Ar­bei­ten des XX. in­ter­na­tio­na­len Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses, der so Gott will, in den Ta­gen des 4.–8. Au­gust c[u]r[ren­tis] hier statt­fin­den wird, soll am Sonn­tag, den 7. Fe­bru­ar c[u]r[ren­tis], mor­gens um 9 ½ Uhr, im ho­hen Do­me un­ter Pon­ti­fi­kal-As­sis­tenz S[ei­ne]r Emi­nenz, un­se­res hoch­wür­digs­ten Herrn Kar­di­nals und Erz­bi­schofs, ein fei­er­li­ches Hoch­amt ge­hal­ten wer­den“ lud Ge­ne­ral­vi­kar Kreutz­wald die Mit­glie­der des Lo­kal­ko­mi­tees zur Fei­er des Got­tes­diens­tes, der die Ar­beit des Ko­mi­tees ein­lei­te­te. In der ers­ten Zu­sam­men­kunft mit dem Prä­si­den­ten des in­ter­na­tio­na­len Ko­mi­tees am 9.2.1909 zeig­te sich Bi­schof Heylen mit Ein­tei­lung und Ar­beit der Kom­mis­sio­nen ein­ver­stan­den. So hat­te bei­spiels­wei­se die Kom­mis­si­on für die Aus­schmü­ckung des Do­mes Kar­di­nal Fi­scher am 27.3.1909 den Vor­schlag un­ter­brei­tet, für 25.000 Mark ei­ne elek­tri­sche Be­leuch­tung des Hoch­cho­res und der Chor­ga­le­ri­en vor­zu­se­hen, au­ßer­dem die Vie­rungs­pfei­ler mit den Wap­pen­schil­dern des Paps­tes, des Le­ga­ten, des Köl­ner Erz­bi­schofs und des Dom­ka­pi­tels aus­zu­stat­ten. Trotz der Be­den­ken des Dom­props­tes Franz Carl Ber­la­ge (1835–1917) ge­gen ei­ne „solch gro­ße Sum­me“ ge­neh­mig­te der Kar­di­nal den Vor­schlag.

Erzbischof Anton Fischer, Köln, Dom, Kapitelsaal, Foto: Matz und Schenk. (Dombauarchiv Köln)

 

In dem ers­ten von zwei Hir­ten­brie­fen in­for­mier­te Kar­di­nal Fi­scher, für den der Kon­gress mut­ma­ß­lich Hö­he­punkt sei­nes bi­schöf­li­chen Wir­kens war, am 11.4.1909 die Ka­tho­li­ken der Köl­ner Erz­diö­ze­se und bat um re­ge Be­tei­li­gung, be­son­ders „un­se­res bra­ven ar­bei­ten­den Vol­kes, der Ge­sel­len-, der Ar­bei­ter-, der Knap­pen­ver­ei­ne“ am Kon­gress. Das gel­te, so der Kar­di­nal, so­wohl für die Aus­schmü­ckung der Häu­ser und Stra­ßen als auch für die Be­tei­li­gung an den Ver­samm­lun­gen, Got­tes­diens­ten und der gro­ßen sa­kra­men­ta­len Pro­zes­si­on am Ab­schluss­ta­ge. Na­tür­lich er­ge­he die Ein­la­dung auch über die Erz­diö­ze­se hin­aus an die An­ge­hö­ri­gen der Köl­ner Kir­chen­pro­vinz, al­le ka­tho­li­schen Mit­brü­der im Deut­schen Reich, in „Deutsch-Ös­ter­reich“, der Schweiz und Lu­xem­burg. Sie al­le sei­en will­kom­men im „hei­li­gen Cöln“ und „deut­schen Rom“, wo „die hei­li­gen Kö­ni­ge ras­ten, wo St. Ge­re­on mit sei­nen rö­mi­schen Kriegs­leu­ten, St. Ur­su­la mit ih­rer glor­rei­chen Schar den Bo­den mit Mär­ty­rer­blut ge­tränk­t“ hät­ten. Der ­Kon­gress, so der Kar­di­nal wei­ter, sei an ers­ter Stel­le ein in­ter­na­tio­na­les Fest, für den gan­zen Erd­kreis be­stimmt, zu dem auch al­le aus dem Aus­land ge­la­den sei­en. In ei­nem zwei­ten Hir­ten­schrei­ben, da­tiert vom 26.7.1909, ließ der Kar­di­nal die Gläu­bi­gen der Erz­diö­ze­se wis­sen, dass der Papst am 16. Ju­li den Prä­fek­ten der Apos­to­li­schen Si­gna­tur, Vin­cen­zo Kar­di­nal Van­nu­tel­li (1836–1930) zu sei­nem Le­ga­ten und an sei­ner Statt zum Vor­sit­zen­den des Kon­gres­ses er­nannt ha­be. Au­ßer dem Kar­di­nal­le­ga­ten wür­den meh­re­re an­de­re Kar­di­nä­le und vie­le Bi­schö­fe den Kon­gress durch ih­re Teil­nah­me be­rei­chern. Des­halb bit­te er vor­nehm­lich die Köl­ner Ka­tho­li­ken um Gast­freund­schaft ge­gen­über den Frem­den und um re­ge Be­tei­li­gung, be­son­ders an dem Pon­ti­fi­kal­amt, das der Kar­di­nal­le­gat im Dom fei­ern wer­de. Dar­über hin­aus äu­ßer­te der Kar­di­nal, dass das al­ler­hei­ligs­te Sa­kra­ment vom 5. bis 7. Au­gust in der Ur­su­li­nen-Kir­che und den Pfarr­kir­chen St. Ko­lum­ba, St. Ma­ria im Ka­pi­tol, St. Apos­teln, Hl. Herz-Je­su und St. Agnes den gan­zen Tag über aus­ge­setzt sei und be­sucht wer­den kön­ne. Au­ßer­dem bat er dar­um, dass recht vie­le an den Ta­gen des Kon­gres­ses die hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen und wäh­rend der sa­kra­men­ta­len Pro­zes­si­on Ord­nung hal­ten möch­ten. Ne­ben den bei­den Hir­ten­brie­fen in­for­mier­te die „Köl­ni­sche Volks­zei­tung“ die Be­völ­ke­rung in ei­nem Auf­ruf vom 31.7.1909 über den Kon­gress und die ein­schlä­gi­gen Pla­nun­gen und bat eben­falls um Aus­schmü­ckung der Häu­ser und Stra­ßen.

In­zwi­schen stand auch das Pro­gramm für den Kon­gress fest. Es war vor­ge­se­hen, am Diens­tag, dem 3. Au­gust, den Kar­di­nal­le­ga­ten Van­nu­tel­li zu emp­fan­gen. Am 4. Au­gust soll­te der Kon­gress um 16.30 Uhr im Dom er­öff­net wer­den. An den drei fol­gen­den Ta­gen wa­ren je­weils um 8.00 Uhr ein Pon­ti­fi­kal­amt im Dom und um 10.00 Uhr ge­schlos­se­ne Ver­an­stal­tun­gen in deut­scher, fran­zö­si­scher, eng­li­scher, ita­lie­ni­scher und spa­ni­scher Spra­che, Sek­ti­ons­sit­zun­gen für Pries­ter, Ju­gend­seel­sor­ge und Da­men und öf­fent­li­che Kon­gress­ver­an­stal­tun­gen im Dom ge­plant. Am Sonn­tag, dem 8. Au­gust, war nach der Ge­ne­ral­kom­mu­ni­on im Dom und in al­len Köl­ner Pfarr­kir­chen so­wie dem Pon­ti­fi­kal­amt im Dom die fei­er­li­che sa­kra­men­ta­le Pro­zes­si­on als Ab­schluss des Kon­gres­ses auf 15.30 Uhr an­ge­setzt. Al­le Got­tes­diens­te und Pro­zes­sio­nen soll­ten mu­si­ka­lisch be­glei­tet und der Dom­chor da­zu um al­le Köl­ner Kir­chen­chö­re so ver­stärkt wer­den, dass ein Män­ner­chor von 600 Sän­gern und ein ge­misch­ter Chor von 1.500 Mit­wir­ken­den ent­stän­den.

Die Kon­gress­teil­neh­mer er­hiel­ten je nach ge­wünsch­ter Ver­an­stal­tung ei­ne Mit­glie­der-, Teil­neh­mer- oder Ta­ges­kar­te (bis zum 31. Ju­li wa­ren be­reits 8.400 Mit­glie­der- und 2.700 Teil­neh­mer­kar­ten aus­ge­ge­ben), die den je­weils un­be­hin­der­ten Zu­gang er­mög­li­chen soll­te. Dom­propst Ber­la­ge lehn­te al­ler­dings die Ver­ant­wor­tung da­für ab, den Kon­gress­be­su­chern die freie Be­sich­ti­gung des Doms und des Cho­r­um­gan­ges zu ge­wäh­ren, „denn bei mei­ner lang­jäh­ri­gen Er­fah­rung weiß ich, was ein Con­flux im Dom zu be­deu­ten ha­t“. Als Er­in­ne­rung an den Kon­gress war ei­ne of­fi­zi­el­le Feld­post­kar­te in Auf­trag ge­ge­ben wor­den. Den Er­in­ne­rungs­text um­rahm­ten die Sym­bo­le der Eu­cha­ris­tie: Phö­nix, Pe­li­kan, Lamm und Lö­we. In den Eck­fel­dern fan­den sich die Por­träts von Papst Pi­us X. (Pon­ti­fi­kat 1903-1914), dem Kar­di­nal­le­ga­ten Vin­cen­zo Van­nu­tel­li, Kar­di­nal Fi­scher und Bi­schof Heylen. Auf ei­ner an­de­ren Post­kar­te wa­ren die Eck­fel­der statt­des­sen mit den wich­tigs­ten Stät­ten der eu­cha­ris­ti­schen Leh­re ab­ge­bil­det: Köl­ner Dom, Pe­ters­kir­che, Si­ons­kir­che und das Coe­na­cu­lum, der Abend­mahls­saal, in Je­ru­sa­lem. Ei­ne wei­te­re Post­kar­te zeig­te ei­ni­ge Teil­neh­mer des Kon­gres­ses, ne­ben dem Kar­di­nal­le­ga­ten Van­nu­tel­li un­ter an­de­ren Bi­schof Heylen und Kar­di­nal Fi­scher.

3. Empfang des Kardinallegaten

Als geist­li­che Eh­ren­gäs­te nah­men ne­ben Kar­di­nal Van­nu­tel­li, der Bres­lau­er Fürst­bi­schof Ge­org von Kopp (1837–1914), die Erz­bi­schö­fe von Mai­land und Me­cheln, An­drea Car­lo Kar­di­nal Fer­ra­ri (1850–1921) und Dé­si­rée Fé­li­ci­en François Jo­seph Kar­di­nal Mer­cier (1851–1926), der Apos­to­li­sche Nun­ti­us in Deutsch­land, Erz­bi­schof An­dre­as Fran­zis­kus Früh­wirth OP (1845–1933), fünf wei­te­re Erz­bi­schö­fe, 40 Bi­schö­fe, Ti­tu­lar­bi­schö­fe, Ver­tre­ter von Kar­di­nä­len und Bi­schö­fen so­wie Äb­te und Prä­la­ten aus der gan­zen Welt am Kon­gress teil.

Johann Wilhelm Alexander Schnütgen. (Rheinisches Bildarchiv Köln)

 

Am 3.8.1909 traf der Kar­di­nal­le­gat Van­nu­tel­li in Köln ein. Schon in Mainz war er von ei­ner Köl­ner Emp­fangs­de­pu­ta­ti­on be­grü­ßt und mit der „Frau­en­lo­b“ der Köln-Düs­sel­dor­fer Dampf­schiff­fahrts-Ge­sell­schaft nach Ko­blenz ge­lei­tet wor­den. Dort emp­fing ihn das Köl­ner Fest­schiff „Rhein­gol­d“, das ihn nach Kö­nigs­win­ter, dem ers­ten Ort der Köl­ner Erz­diö­ze­se brach­te. Der Prä­si­dent des Lo­kal­ko­mi­tees Kreutz­wald emp­fing ihn als Ver­tre­ter von Papst Pi­us X. und dank­te ihm für sei­ne Be­reit­schaft, den Kon­gress zu er­öff­nen und zu len­ken. Nach der Hul­di­gung durch die Orts­geist­lich­keit setz­te das Schiff sei­ne Fahrt nach Köln, flan­kiert von zahl­rei­chen Mo­tor­boo­ten mit Sän­gern und Mu­sik­ka­pel­len, fort. An den bei­den Rhein­ufern hat­te sich ein be­trächt­li­cher Teil der Be­völ­ke­rung ein­ge­fun­den, um dem Kar­di­nal­le­ga­ten zu­zu­win­ken. Weiß ge­klei­de­te Kin­der for­mier­ten am Ufer Buch­sta­ben und Wör­ter, zum Bei­spiel „V.V.“ (Vin­cen­zo Van­nu­tel­li) oder „Pi­us“. Von Bay­en­thal an be­glei­te­te das Glo­cken­ge­läu­te der Köl­ner Kir­chen das Schiff. Am Lan­de­steg in der Köl­ner Alt­stadt nahm das Dom­ka­pi­tel den Kar­di­nal in Emp­fang, um ihn zum Sas­sen­hof zu ge­lei­ten. Dort emp­fin­gen ihn der Köl­ner Erz­bi­schof Kar­di­nal Fi­scher, Weih­bi­schof Mül­ler, die Bi­schö­fe von Erm­land (heu­te Po­len), Au­gus­ti­nus Blu­dau (1862–1930), Kulm (Po­len), Au­gus­ti­nus Ro­sen­tre­ter (1844–1926) und Schan­tung (Chi­na), Au­gus­ti­nus Hen­ninghaus (1862–1939) so­wie der Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ter Max Wall­raf mit Ver­tre­tern aus Po­li­tik und Ver­wal­tung. Nach­dem Kar­di­nal Fi­scher und Ober­bür­ger­meis­ter Wall­raf den Kar­di­nal­le­ga­ten herz­lich will­kom­men ge­hei­ßen hat­ten, es­kor­tier­te ihn die Emp­fangs­pro­zes­si­on un­ter Ab­sin­gen der Paps­thym­ne „Tu es Pe­trus“ des Kir­chen­mu­si­kers Mi­cha­el Hal­ler (1840–1915) durch „die mit ei­ner dich­ten Men­schen­mau­er um­säum­ten Stra­ßen über Heu­markt, Al­ter Markt und Dom­hof zum Dom, der in fe­en­haf­ter Be­leuch­tun­g“ strahl­te.

4. Verlauf des Kongresses

Am fol­gen­den Mor­gen, dem 4.8.1909, emp­fing Van­nu­tel­li in fei­er­li­cher Au­di­enz meh­re­re Bi­schö­fe und Äb­te so­wie Ver­tre­ter aus Po­li­tik, Ver­wal­tung, Han­del und Ver­ei­nen. Am Nach­mit­tag des glei­chen Ta­ges zog er zu­sam­men mit den Kar­di­nä­len Fi­scher und Fer­ra­ri fei­er­lich in den Dom, wo der Prä­si­dent des stän­di­gen Kon­gress­ko­mi­tees, Bi­schof Heylen, im Auf­tra­ge des Kar­di­nal­le­ga­ten den Kon­gress er­öff­ne­te. Mit dem Bre­ve von Papst Pi­us X., das zu­nächst ver­le­sen wur­de, gab Van­nu­tel­li der Ver­samm­lung of­fi­zi­ell be­kannt, dass ihn der Papst zu sei­nem Le­ga­ten er­nannt und zur Lei­tung des Kon­gres­ses nach Köln, in ein „Zen­trum ka­tho­li­schen Glau­bens und Le­bens“, ent­sandt ha­be. In sei­ner Er­öff­nungs­re­de wies Van­nu­tel­li auf die her­aus­ra­gen­de Be­deu­tung der Eu­cha­ris­tie als das grö­ß­te al­ler Sa­kra­men­te hin. Er pries Köln als die am bes­ten ge­eig­ne­te Stadt für die Ab­hal­tung ei­nes eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses, weil in ihr Män­ner wie Al­ber­tus Ma­gnusDuns Sco­tus und Tho­mas von Aquin (um­ 1225–1274) ge­wirkt hät­ten. Tho­mas ha­be in Köln an­ge­fan­gen, „das heh­re Mys­te­ri­um“ der Eu­cha­ris­tie zu be­trach­ten, „um bald dar­auf je­ne himm­li­sche Dich­tung zu schaf­fen, die in dem er­ha­be­nen Of­fi­zi­um des Al­tar­s¬­sa­kra­men­tes ent­hal­ten is­t“. Hin­zu kom­me, dass Köln die Ge­bei­ne der hei­li­gen Drei­kö­ni­ge und der hei­li­gen Ur­su­la mit ih­ren Ge­fähr­tin­nen be­her­ber­ge. Van­nu­tel­li schloss sei­ne Re­de mit ei­ner Hul­di­gung auf Kai­ser Wil­helm II. (Re­gent­schaft 1888-1918), der die Be­deu­tung der Re­li­gi­ons­frei­heit für den Staat er­kannt ha­be.

In sei­ner Ant­wort hieß Kar­di­nal Fi­scher au­ßer dem päpst­li­chen Le­ga­ten, den Mai­län­der Kar­di­nal Fer­ra­ri, „den Freund un­se­rer Cöl­ner Erz­diö­ze­se, des­sen Spren­gel mit dem Cöl­ner aufs engs­te durch die hei­li­gen Drei­kö­ni­ge ver­bun­den is­t“, die üb­ri­gen Kar­di­nä­le, Bi­schö­fe, Äb­te und Be­su­cher des Kon­gres­ses aus ganz Eu­ro­pa, Ame­ri­ka, Afri­ka und Asi­en will­kom­men. „Sie ta­gen, ver­ehr­te An­we­sen­de, an denk­wür­di­ger Stät­te, der H[ei­li­ge] Va­ter sel­ber hat es er­wähnt in sei­nem Bre­ve an den hoch­wür­digs­ten Kar­di­nal­le­ga­ten. […] Die Stadt Köln wird seit al­ten Ta­gen das hei­li­ge Cöln ge­nannt und das deut­sche Rom. […] Wahr­lich, ver­ehr­te An­we­sen­de, Sie be­fin­den sich an denk­wür­di­ger Stät­te, in ei­ner Stadt, die reich ist an kirch­li­chen Über­lie­fe­run­gen, reich, auch heu­te noch, an kirch­li­chem Le­ben, reich, ins­be­son­de­re auch in der Ver­gan­gen­heit und in der Ge­gen­wart, an from­mer Ver­eh­rung des al­ler­hei­ligs­ten Sa­kra­men­tes. So mö­ge die eu­cha­ris­ti­sche Ta­gung, die wir heu­te be­gin­nen, un­ter dem Schut­ze Got­tes ei­nen wei­te­ren Bei­trag lie­fern zum Ruh­me der hei­li­gen Cöl­ner Kir­che!“, führ­te er in pa­trio­ti­schen Wor­ten aus. Be­son­ders ging er auf den hei­li­gen Tho­mas von Aquin ein, der in Köln ge­lehrt, und der „das Of­fi­zi­um vom h[ei­li­gen] Sa­kra­ment ge­schrie­ben und in sei­ner be­rühm­ten theo­lo­gi­schen Sum­ma die Ge­heim­nis­se des h[ei­li­gen] Sa­kra­men­tes, so­weit es dem Men­schen mög­lich ist, so klar, so scharf- und tief­sin­nig er­läu­tert hat, wie nie­mand vor und nie­mand nach ih­m“. Aus­drück­lich er­wähn­te er, dass der Kon­gress „kei­nen ir­gend­wie ge­ar­te­ten po­li­ti­schen An­strich“ ha­be, son­dern ei­ne aus­schlie­ß­lich re­li­giö­se Ver­an­stal­tung sei, ein Hin­weis, der in der po­li­tisch un­ru­hi­gen Zeit von­nö­ten schien. Ober­bür­ger­meis­ter Wall­raf dank­te „im Na­men mei­ner ka­tho­li­schen Mit­bür­ger“, dass mit Köln die Stadt mit den drei Kro­nen im Wap­pen für den Kon­gress aus­ge­wählt wor­den sei.

Der Kon­gress war ge­prägt von öf­fent­li­chen und ge­schlos­se­nen Ver­samm­lun­gen, Sek­ti­ons­sit­zun­gen, An­dach­ten und Pon­ti­fi­ka­l­äm­tern mit Pre­dig­ten. Den ers­ten Fach­vor­trag mit dem The­ma „Die h[ei­li­ge] Eu­cha­ris­tie als Ge­heim­nis des Glau­ben­s“ hielt der Bon­ner Theo­lo­gie­pro­fes­sor Ger­hard Es­ser (1860–1923). In dem Satz aus 1 Kor 10,16, „Der Kelch der Seg­nung, den wir seg­nen, ist die Ge­mein­schaft des Blu­tes des Herrn, und das Brot, das wir bre­chen, ist die Ge­mein­schaft des Lei­bes des Herrn“, lie­ge das gro­ße Ver­mächt­nis Got­tes an sei­ne Kir­che, das Ge­heim­nis des Glau­bens, so Es­ser. Die­ses Ge­heim­nis zu leug­nen, über­schrei­te die Gren­zen der Ver­nunft, „wenn sie der gött­li­chen Weis­heit von ihr frei ent­wor­fe­nen, nur em­pi­risch ge­ge­be­nen und kei­nes­wegs ab­so­lut not­wen­di­gen Ge­set­ze der Kör­per­welt ent­ge­gen­hal­ten woll­te“. „Was wä­re auch ein Got­t“, frag­te Es­ser wei­ter, „des­sen Tie­fen die mensch­li­che Ver­nunft aus­den­ken könn­te, was wä­re ein Gott, der in der Schöp­fung sich er­schöpft hät­te. Wel­che Un­ver­nunft ist es, den Un­end­li­chen mit dem Maß­sta­be des End­li­chen mes­sen zu wol­len?“ In der Eu­cha­ris­tie sei das Ge­heim­nis der Tri­ni­tät so­wie der Mensch­wer­dung und der Tod Chris­ti er­fasst. Pos­tu­la­te der na­tu­ra­lis­ti­schen Welt­an­schau­ung sei­en mit ih­rer pro­tes­tan­ti­schen, der so­ge­nann­ten kri­ti­schen Theo­lo­gie, „in die Zwangs­la­ge ver­setzt, ei­nen an­de­ren Je­sus zu er­sin­nen, als er in den Evan­ge­li­en“ ste­he. Von die­ser Theo­lo­gie hät­ten auch die „Mo­der­nis­ten“ Ge­brauch ge­macht. Die Ein­set­zungs­wor­te „Das ist mein Leib, das ist mein Blu­t“ könn­ten nach al­len Re­geln der Lo­gik und Gram­ma­tik kei­nen an­de­ren Sinn ha­ben, als dass sie Je­sus „wahr­haft und wirk­lich ge­gen­wär­tig ma­chen und die Sub­stanz des Bro­tes und Wei­nes um­wan­deln in sein hei­li­ges Fleisch und Blu­t“.

Den Ab­schluss des ers­ten Kon­gress­ta­ges bil­de­te die Abend­an­dacht im Dom, in der der Trie­rer Bi­schof Mi­cha­el Fe­lix Ko­rum über das Le­ben der ers­ten Chris­ten und das Brot­bre­chen (Apg 2, 42) pre­dig­te.

Mit der wis­sen­schaft­li­chen Ab­hand­lung „Der la­treu­ti­sche Kult in der h[ei­li­gen] Eu­cha­ris­tie in sei­ner his­to­ri­schen Ent­wick­lung und lit­ur­gi­schen Ent­fal­tun­g“ wur­de der Kon­gress am 5. Au­gust mit der „Ers­ten ge­schlos­se­nen Ver­samm­lun­g“ im gro­ßen Saal des Gür­ze­nichs fort­ge­setzt. Dem folg­ten in­halt­lich Re­fe­ra­te über die Ver­eh­rung des al­ler­hei­ligs­ten Sa­kra­men­tes in Köln, den täg­li­chen Be­such des al­ler­hei­ligs­ten Sa­kra­men­tes, die öf­te­re hl. Kom­mu­ni­on, die hl. Eu­cha­ris­tie und die Schul­ju­gend und die ers­te hl. Kom­mu­ni­on und die re­gel­mä­ßi­ge Kom­mu­ni­on der Schul­ju­gend ver­schie­de­ner Red­ner, in wel­chen die Be­deu­tung und die Aus­ge­stal­tung der hei­li­gen Eu­cha­ris­tie im Le­ben der Gläu­bi­gen be­kräf­tigt wur­den. Par­al­lel zu der ge­schlos­se­nen Ver­samm­lung fan­den Sek­ti­ons­sit­zun­gen für Pries­ter in der Kir­che St. Ma­ria Him­mel­fahrt, für die Ju­gend­seel­sor­ge im Saa­le der „Bür­ger­ge­sell­schaf­t“ und für Da­men im Fest­saa­le des „Frän­ki­schen Ho­fes“ statt. Am Nach­mit­tag er­öff­ne­te Bi­schof Heylen im Dom die „Zwei­te öf­fent­li­che Ver­samm­lun­g“, in der er die Kar­di­nä­le Van­nu­tel­li, Fi­scher und Kopp, der mitt­ler­wei­le ein­ge­trof­fen war, be­grü­ßen konn­te. Ein­lei­tend sprach Al­bert Mey­en­berg (1861–1934) über die hl. Eu­cha­ris­tie und die Ein­heit der Kir­che, dem die Vor­trä­ge über die so­zia­len Seg­nun­gen des al­ler­hei­ligs­ten Sa­kra­men­tes, die hl. Eu­cha­ris­tie im Or­ga­nis­mus der Sa­kra­men­te, die Eu­cha­ris­tie als Op­fer und die hl. Eu­cha­ris­tie und die christ­li­che Voll­kom­men­heit folg­ten.

Al­bert Mey­en­berg (1861-1934), Pro­fes­sor für Pas­to­ral­theo­lo­gie und Schrift­lei­ter der „Schwei­zer Kir­chen­zei­tun­g“, der aus Lu­zern ge­kom­men war, hielt sei­ne „Pil­ger­rei­se“ nach Köln in der Schrift „Fe­ri­en-Bil­der. Mo­sai­ken von ei­ner Rei­se zum Eu­cha­ris­ti­schen Kon­greß in Köln“ fest. Dar­in schil­dert er nach­hal­tig sei­ne Ein­drü­cke von dem Kon­gress, der für ihn schon auf den Schif­fen, die den Kar­di­nal­le­ga­ten von Mainz nach Köln führ­ten, an­setz­te. Er be­rich­tet von den Hul­di­gun­gen, die die Be­völ­ke­rung auf bei­den Sei­ten des Rheins dem Ver­tre­ter des Paps­tes ent­ge­gen­brach­ten, dem Emp­fang in Köln, dem Kon­gress selbst, den er zu ei­nem „bei­spiel­los schö­nen, le­ben­di­gen Glau­bens­be­kennt­nis­se der deut­schen Ka­tho­li­ken in ei­nem gross­ar­ti­gen in­ter­na­tio­na­len Rah­men“ sti­li­sier­te, und der gro­ßen Pro­zes­si­on am Schluss­tag („Mit dem Gold­licht der Son­ne durch­wirkt Ge­bet und Ge­sang das hei­li­ge Köln. Die Gross­stadt be­te­t“). Re­sü­mie­rend kommt er zu dem Er­geb­nis, die Köl­ner Wo­che ha­be „ei­ne wis­sen­schaft­li­che, ei­ne im en­ge­ren Sin­ne pas­to­ra­le und ei­ne sa­kra­men­tal-as­ze­ti­sche Sei­te“ of­fen­bar wer­den las­sen.

Den Tag be­schloss die Abend­an­dacht im Dom mit ei­ner Pre­digt des Rot­ten­bur­ger Bi­schofs Paul Wil­helm von Kepp­ler (1852–1926).

Mit der „Zwei­ten ge­schlos­se­nen Ver­samm­lun­g“, die we­gen des gro­ßen Zu­laufs zwei­ge­teilt im Gür­ze­nich und in der Kir­che St. Ma­ria Him­mel­fahrt statt­fand, und dem Re­fe­rat „Kom­mu­nio­nan­den­ken“ be­gann der drit­te Tag des Kon­gres­ses. Der Re­fe­rent hob die Be­deu­tung von An­denken in Form ei­nes re­li­giö­sen Bil­des an­läss­lich der ers­ten hei­li­gen Kom­mu­ni­on für die Fröm­mig­keit der Kin­der her­vor. Der Theo­lo­gie­pro­fes­sor Prinz Ma­xi­mi­li­an von Sach­sen (1870–1951) sprach an­schlie­ßend über die eu­cha­ris­ti­sche Leh­re des hl. Kir­chen­leh­rers Cy­ril­lus von Je­ru­sa­lem (um 313–386). Es folg­ten Vor­trä­ge über Sa­kra­ments­lie­der, die eu­cha­ris­ti­sche Volks­li­te­ra­tur und die aus den mit­tel­al­ter­li­chen Zünf­ten her­vor­ge­gan­ge­nen Sa­kra­ments­bru­der­schaf­ten. In der Kir­che St. Ma­ria Him­mel­fahrt do­zier­ten ver­schie­de­ne Re­fe­ren­ten über Män­ner­kom­mu­ni­on und ih­re För­de­rung durch Ar­bei­ter- und Knap­pen­ver­ei­ne so­wie durch Kon­gre­ga­tio­nen, Ar­bei­ter­ver­ei­ne und ih­re Be­zie­hung zur hl. Eu­cha­ris­tie und den ka­tho­li­schen Ge­sel­len­ver­ein („ei­ne Schu­le prak­ti­scher Re­li­gio­si­tät“). Am Nach­mit­tag des glei­chen Ta­ges gab es Sek­ti­ons­sit­zun­gen für Pries­ter, eben­falls in der Kir­che St. Ma­ria Him­mel­fahrt, und für Ju­gend­seel­sor­ge, im Wei­ßen Saa­le der „Bür­ger­ge­sell­schaf­t“. Zur „Drit­ten öf­fent­li­chen Ver­samm­lun­g“, auch am 6.8.1909, un­ter Lei­tung des Vor­sit­zen­den, Bi­schof Heylen, „dräng­ten ge­wal­ti­ge Scha­ren sich wie­der zum ho­hen Do­me, der die Men­ge kaum zu fas­sen ver­moch­te“. Zu Be­ginn wur­den ver­schie­de­ne Te­le­gram­me ver­le­sen, auch das des deut­schen Kai­sers:

„S[ei­ne]r Emi­nenz Kar­di­nal Fi­scher, Cöln a[m] Rh[ein]

Swi­ne­mün­de, 6. Aug. 1909.

S[ein]e Ma­jes­tät, der Kai­ser und Kö­nig las­sen Ew[er] Emi­nenz und dem H[er]rn Kar­di­nal Van­nu­tel­li für die über­mit­tel­te Hul­di­gung der zum In­ter­na­tio­na­len Eu­cha­ris­ti­schen Kon­greß in Cöln ver­sam­mel­ten deut­schen und aus­wär­ti­gen Ka­tho­li­ken bes­tens dan­ken und er­su­chen Eu­re Emi­nenz, den Teil­neh­mern Al­ler­höchst Ih­ren Gruß und die bes­ten Wün­sche für ge­deih­li­che Ar­beit zum Aus­druck zu brin­gen.

Auf al­ler­höchs­ten Be­fehl

der Geh[ei­me] Ka­bi­netts­rat in Ver­tre­tung v[on] Strem­pel“. 

So­dann re­fe­rier­ten di­ver­se Red­ner über die so­zia­le Be­deu­tung der hl. Eu­cha­ris­tie, Eu­cha­ris­tie und Ca­ri­tas, Eu­cha­ris­tie und Kunst wie auch Eu­cha­ris­tie und Glau­bens­be­kennt­nis. Das Schluss­wort sprach Kar­di­nal Van­nu­tel­li. Er dank­te al­len bis­he­ri­gen Red­nern und den Or­ga­ni­sa­to­ren des Kon­gres­ses, ins­be­son­de­re Kar­di­nal Fi­scher, „der durch sei­ne um­sich­ti­ge Tä­tig­keit und sei­ne Mü­he­wal­tung gleich­sam die See­le des gan­zen Un­ter­neh­mens ge­we­sen“ sei. Der Eu­cha­ris­ti­sche Kon­gress in Köln, so Van­nu­tel­li, ste­he in kei­ner Hin­sicht hin­ter den 19 frü­he­ren Ta­gun­gen zu­rück. Er wer­de dem Paps­te be­rich­ten, „daß man bei der Cöl­ner Ta­gung wei­se und rast­los ge­ar­bei­te­t“ ha­be. Schon jetzt freue er sich dar­auf, „daß wir über­mor­gen die h[ei­li­ge] Hos­tie durch die Stra­ßen die­ser Stadt tra­gen“. Den Tag be­schloss ei­ne Abend­an­dacht im Dom mit der Pre­digt des Frei­bur­ger Weih­bi­schofs Fried­rich Jus­tus Knecht (1839–1921) und dem vier­stim­mi­gen „Tan­tum er­go“ von Mi­cha­el Hal­ler.

Postkarte mit den Teilnehmern des Eucharistischen Kongresses.

 

Die „Drit­te ge­schlos­se­ne Ver­samm­lun­g“ im Gür­ze­nich und wie­der in der Kir­che Ma­ria Him­mel­fahrt er­öff­ne­te am 7. Au­gust den vier­ten Tag des Kon­gres­ses. Die Teil­neh­mer hör­ten Vor­trä­ge über die prak­ti­sche An­lei­tung, die hl. Mes­se zu hö­ren, die He­bung des Be­su­ches der Werk­tags­mes­se, den Cho­ral in der hl. Mes­se, „ge­mein­sam vom Vol­ke ge­sun­gen“, die eu­cha­ris­ti­schen Pro­zes­sio­nen, den Volks­ge­sang bei der stil­len hl. Mes­se“, die hl. Eu­cha­ris­tie in den bil­den­den Küns­ten al­ler Jahr­hun­der­te und die Erz­bru­der­schaft von der hl. Süh­nungs­mes­se.

Zwi­schen den Ver­samm­lun­gen und den Sek­ti­ons­sit­zun­gen fand in der Re­gel ein ge­mein­sa­mes Mit­tag­es­sen in der „Bür­ger­ge­sell­schaf­t“ statt, das von bis zu 1.800 Per­so­nen, am Sonn­tag auch von den Kar­di­nä­len, be­sucht wur­de. Am Sams­tag, dem 7. Au­gust, wur­den auch die Köl­ner Schul­kin­der in den Kon­gress ein­ge­bun­den. Für sie gab es ei­ne An­dacht im Dom, in der Weih­bi­schof Knecht aus Frei­burg pre­dig­te. Wäh­rend des ge­sam­ten Kon­gres­ses fan­den ne­ben den deutsch­spra­chi­gen eben­falls fremd­spra­chi­ge Sit­zun­gen, in Eng­lisch, Fran­zö­sisch, Spa­nisch, Ita­lie­nisch, Nie­der­län­disch und Pol­nisch, statt.

5. Die Schlussprozession

Schluss­tag des 20. In­ter­na­tio­na­len Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses war Sonn­tag, der 8. Au­gust. Er soll­te „zum höchs­ten Fron­leich­nams­fest, zum eu­cha­ris­ti­schen Ju­bel­ta­g“ wer­den. Der Tag be­gann um 9 Uhr mit ei­nem Pon­ti­fi­kal­amt, das von Kar­di­nal­le­gat Van­nu­tel­li in An­we­sen­heit der Kar­di­nä­le, Erz­bi­schö­fe, Bi­schö­fe, Äb­te und sämt­li­cher Geist­li­cher, au­ßer­dem des Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz, Cle­mens von Schor­le­mer–Lie­ser, und des Köl­ner O­ber­bür­ger­meis­ters Wall­raf ze­le­briert wur­de. Die Bür­ger der Stadt Köln hat­ten dem Wunsch Kar­di­nal Fi­schers ent­spro­chen und die Stra­ßen, über die die ab­schlie­ßen­de Pro­zes­si­on zie­hen soll­te, fest­lich ge­schmückt, ins­be­son­de­re den Dom­platz, die Ge­re­on­stra­ße, in der Kar­di­nal Van­nu­tel­li im Erz­bi­schöf­li­chen Pa­lais wohn­te, und den Neu­markt, wo der Schluss­se­gen er­teilt wer­den soll­te. Die Pro­zes­si­on, an der über 40.000 Per­so­nen teil­nah­men (Al­bert Mey­en­berg spricht in sei­nen „Fe­ri­en-Bil­dern“ von 60-70.000), zog um 14.30 Uhr aus dem Dom und nahm fol­gen­den Weg: vom Dom zum An­dre­as­klos­ter, An den Do­mi­ni­ka­nern, Un­ter Sach­sen­hau­sen, Ge­re­on­stra­ße, Ge­re­ons­driesch, Ho­hen­zol­lern­ring, Habs­bur­ger­ring, Ho­hen­stau­fen­ring, Jahn­stra­ße, Hum­boldt­stra­ße, Arndt­stra­ße, Mau­ri­ti­us­kirch­platz, Mau­ri­ti­us­stein­weg, Im Laach, Neu­markt, Schil­der­gas­se, Krebs­gas­se, Neue Lang­gas­se, Brei­te­stra­ße, Dru­sus­gas­se, Wall­raf­platz, Dom­hof, Dom­klos­ter, zum West­por­tal des Do­mes. Die Teil­neh­mer wa­ren er­mahnt und aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, es han­de­le sich nicht um ei­nen welt­li­chen Um­zug, son­dern um ei­ne eu­cha­ris­ti­sche Pro­zes­si­on, wäh­rend der man sich an­ge­mes­sen zu ver­hal­ten ha­be. Der Pro­zes­si­on vor­an gin­gen die Mi­nis­tran­ten mit dem Kreuz. Ih­nen folg­ten in 35 Ab­tei­lun­gen die männ­li­chen Ju­gend­ver­ei­ne, die Ge­sel­len­ver­ei­ne, die Ar­bei­ter- und Knap­pen­ver­ei­ne, die Män­ner­ver­ei­ni­gun­gen, die kauf­män­ni­schen Ver­ei­ni­gun­gen, die Teil­neh­mer aus der Erz- und den sons­ti­gen Diö­ze­sen, die Teil­neh­mer aus fremd­sprach­li­chen Ge­bie­ten, die Köl­ner In­nun­gen, die ka­tho­li­schen Leh­rer­ver­ei­ne, die Stu­den­ten­kor­po­ra­tio­nen, die weib­li­chen Or­den, die männ­li­chen Or­den, der Or­denskle­rus, der Welt­kle­rus, der Dom­chor, die Geist­li­chen des Ge­ne­ral­vi­ka­ria­tes, das Me­tro­po­li­tan­ka­pi­tel, die Äb­te, Bi­schö­fe und Erz­bi­schö­fe, das Sanc­tis­si­mum mit Kar­di­nal Van­nu­tel­li, die Kar­di­nä­le, die Ver­tre­ter der Stadt Köln, Reichs- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te, Kanz­ler und Dom­bau­meis­ter des Erz­bis­tums, der rit­ter­bür­ti­ge Adel, das per­ma­nen­te und das Lo­kal­ko­mi­tee so­wie die Kir­chen­chö­re von St. Ur­su­la und St. Ma­ria in der Kup­fer­gas­se. Be­mer­kens­wert und aus heu­ti­ger Sicht be­fremd­lich, dass Kar­di­nal Fi­scher es we­gen des gro­ßen An­drangs als nicht mög­lich an­sah, ab­ge­se­hen von den weib­li­chen Or­den, Frau­en an der Pro­zes­si­on teil­neh­men zu las­sen.

Die li­be­ra­le „Köl­ni­sche Zei­tun­g“ gab ei­ne ein­drucks­vol­le Schil­de­rung der Pro­zes­si­on:

„Hö­he­punkt und Aus­klang des Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses ver­dich­te­ten sich in der gest­ri­gen sa­kra­men­ta­len Pro­zes­si­on zu ei­ner Kund­ge­bung des ka­tho­li­schen Glau­bens, wie sie zu se­hen in sol­chem äu­ße­ren Glan­ze, sol­cher far­bi­gen Pracht und im­po­san­ten Wucht der Be­tei­li­gung nur ver­hält­nis­mä­ßig we­nig Sterb­li­chen bei kirch­li­chen Auf­zü­gen in St. Pe­ter in Rom ver­gönnt ist. Ein sol­ches prunk­vol­les Sei­ten­stück zu in­sze­nie­ren konn­te nur dem ‚deut­schen Rom’ vor­be­hal­ten sein, der Hoch­burg des deut­schen Ka­tho­li­zis­mus, und es konn­te nur ge­lin­gen, wenn, wie es ge­sche­hen, die Be­völ­ke­rung selbst durch ak­ti­ve An­teil­nah­me dem Bil­de Run­dung und Rah­men gab. Ganz be­son­ders in den Pro­zes­si­ons­stra­ßen. Da weh­ten von den Häu­sern die Flag­gen al­ler Na­tio­na­li­tä­ten, Tan­nen­grün zog sich von Fens­ter zu Fens­ter, von ei­ner Stra­ßen­sei­te hin zur an­dern, klei­ne Al­tä­re wa­ren auf bunt­far­bi­gen Tep­pi­chen er­rich­tet, vor dem erz­bi­schöf­li­chen Pa­lais ent­quol­len von ho­hen Säu­len pa­pie­re­ne Ro­sen als Blu­men­fa­na­le, in dunk­les Pal­men­grün ge­bet­tet er­hob sich die Ma­ri­en­säu­le bei St. Ge­re­on, auf den Ring­stra­ßen wa­ren die Kan­de­la­ber der elek­tri­schen Bah­nen so­gar von grü­nem Tan­nen­ge­win­de um­klei­det und die Bäu­me durch Gir­lan­den ver­bun­den: ei­ne via tri­um­pha­lis von ge­wal­ti­gem Ein­druck auf die Hun­dert­tau­sen­de von Frem­den, die ges­tern nach Köln ge­kom­men wa­ren, und der er­höht wur­de durch prunk­vol­le Al­tä­re an meh­rern Kreu­zungs­punk­ten der Stadt, ins­be­son­de­re durch den wun­der­bar aus­ge­stat­te­ten Rie­sen­al­tar auf der Süd­sei­te des Neu­mark­tes. Ei­ne un­über­seh­ba­re Men­schen­flut durch­wog­te die Stra­ßen; Fens­ter, Bal­ko­ne und Dä­cher wa­ren dicht be­setzt. Es war ei­ne ge­wal­ti­ge Heer­schau, die der Ka­tho­li­zis­mus ab­hal­ten konn­te und die be­son­ders in ih­rem zwei­ten Tei­le, der die ho­he und nie­de­re Geist­lich­keit so­wie die re­li­giö­sen Or­den um­fa­ß­te, auch auf An­ders­gläu­bi­ge ei­nen tie­fen Ein­druck hin­ter­las­sen mu­ß­te. Das ers­te gro­ße Er­stau­nen gilt der Mas­sen­wir­kung, die um so ein­dring­li­cher ist, als sich, so­bald man die Pro­zes­si­on von ei­nem fes­ten Stand­ort aus be­trach­tet, ei­ne Men­schen­wo­ge nach der an­dern aus dem Hin­ter­grun­de ab­löst und Tau­sen­de über Tau­sen­de vor­über­zie­hen, aus Köln und Um­ge­bung zu­nächst die männ­li­chen Ju­gend­ver­ei­ne, dann die Ge­sel­len-, die Ar­bei­ter- und Knap­pen­ver­ei­ne aus ganz Rhein­land, die Män­ner­ver­ei­ni­gun­gen aus den Köl­ner De­ka­na­ten und aus der wei­tern Erz­diö­ze­se, die kauf­män­ni­schen Ver­ei­ne und Teil­neh­mer aus an­dern deut­schen Diö­ze­sen. So­weit war das Bild ver­hält­nis­mä­ßig ein­för­mig, und nur die end­lo­se Zahl der we­hen­den Fah­nen gab Kun­de von der Ver­schie­den­heit der Tau­sen­de, die in end­lo­sem Zu­ge bei glü­hen­dem Son­nen­bran­de vor­über­wall­ten. Das Bild wur­de far­ben­rei­cher, als die Berg­knap­pen aus dem Ruhr­re­vier in ih­ren Kos­tü­men auf­zo­gen, mit Fe­der­hut und Pal­lasch oder in ei­gen­ar­tig ge­form­ten Müt­zen. Hin­ter ih­nen folg­ten die Aus­län­der, häu­fig schon oh­ne wei­te­res kennt­lich durch cha­rak­te­ris­ti­sche Äu­ßer­lich­kei­ten. Am stärks­ten wa­ren die Po­len und die Hol­län­der mit ih­rer Geist­lich­keit ver­tre­ten, auch Eng­land, Spa­ni­en, Ita­li­en, Ir­land und Frank­reich hat­ten Teil­neh­mer ent­sandt, und auf­fäl­lig ho­ben sich ins­be­son­de­re die bel­gi­schen Fah­nen von den üb­ri­gen ab, lan­ges dünn­sei­de­nes Tuch, das in Art und Far­be an ja­pa­ni­sche Flag­gen er­in­ner­te. Hin­ter den Ab­ord­nun­gen der Köl­ner In­nun­gen und den ka­tho­li­schen Leh­rer­ver­ei­nen be­gann ein fest­li­cher Auf­zug, wie ihn Köln noch nie zu­vor, der Eu­cha­ris­ti­sche Kon­greß wohl sel­ten ge­se­hen ha­ben mag. Wem es ge­lun­gen ist, Au­gen­zeu­ge die­ses für je­den au­ßer­or­dent­lich in­ter­es­san­ten und reiz­vol­len Bil­des zu sein, wird ei­ne wert­vol­le Er­in­ne­rung für sein gan­zes Le­ben ge­won­nen ha­ben. In vol­lem Wichs mar­schier­ten die ka­tho­li­schen Stu­den­ten­kor­po­ra­tio­nen auf, aus­län­di­sche Stu­die­ren­de, deut­sche ka­tho­li­sche Stu­den­ten­kor­po­ra­tio­nen mit ih­ren Char­gier­ten und die Bon­ner Theo­lo­gi­sche Ver­ei­ni­gung. In ih­ren ver­schie­de­nen, wenn auch ein­fa­chen und un­auf­fäl­li­gen Trach­ten schlos­sen sich der le­ben­be­ja­hen­den aka­de­mi­schen Ju­gend die le­ben­ver­nei­nen­den Or­den an, zu­erst die weib­li­chen Or­den, dann die köl­ni­schen und aus­wär­ti­gen Bru­der­ge­nos­sen­schaf­ten. Mehr und mehr stei­ger­te sich nun der fest­lich ho­he Ein­druck, als der Or­dens- und Welt­kle­rus in Or­dens­tracht oder Chor­klei­dung vor­über­zog, der Köl­ner Pfarrk­le­rus in gold­durch­wirk­ten Plu­via­le oder in Chor­man­tel, mit den Mi­nis­tran­ten, dem Kreuz und der Ver­tre­tung des Kir­chen­vor­stan­des, da­hin­ter die Eh­ren­ka­p­lä­ne, Eh­ren­käm­me­rer, Ge­heim­käm­me­rer, Pro­fes­so­ren der theo­lo­gi­schen Lehr­an­stal­ten, das Aa­che­ner Stifts­ka­pi­tel, päpst­li­che Hausprä­la­ten, das Me­tro­po­li­tan­ka­pi­tel, die in­f­u­lier­ten Prä­la­ten und Pro­to­no­ta­re in Plu­via­le, Chor­man­tel und Mi­tra. Die ge­sam­te ho­he Geist­lich­keit war be­glei­tet von ei­ner Eh­ren­gar­de. Im wür­de­vol­len Schritt, den gol­de­nen Krumm­stab in der Hand, in rei­chen kost­ba­ren Pracht­ge­wän­dern nah­ten Äb­te, Bi­schö­fe und Erz­bi­schö­fe. Ge­ra­de die­ses Bild ist un­ver­ge­ß­lich. Un­ter den 14 Äb­ten, 17 apos­to­li­schen Vi­ka­ren und Ti­tu­lar­erz­bi­schö­fen, 40 Bi­schö­fen und vier Erz­bi­schö­fen sah man Män­ner fast je­den Al­ters, ho­he ju­gend­li­che Ge­stal­ten, de­nen der gol­de­ne Stab ein Feld­her­ren­zei­chen war, wei­ß­haa­ri­ge Grei­se, die in der Son­nen­g­lut sich mü­de an den Krumm­stab lehn­ten. So weit man sah, nichts als Mitren, leuch­ten­de Krumm­stä­be und gold­strot­zen­de Ge­wän­der, dann die Kar­di­nä­le in cap­pa ma­gna, vor ih­nen das von Mal­the­ser­rit­tern be­glei­te­te Sank­tis­si­mum. Der päpst­li­che Le­gat Van­nu­tel­li, mit den Kam­mer­herrn [Au­gust] Graf Ga­len [1866–1912] und [Cle­mens Hei­den­reich Franz] Graf Dros­te-Vi­sche­ring [1832–1923], ernst, aber freund­lich, mit dem Sank­tis­si­mum in den Hän­den, hin­ter ihm die Kar­di­nä­le Fi­scher, Fer­ra­ri und Mer­cier. Nur die star­ke in­ne­re Kraft des Glau­bens kann es ver­mocht ha­ben, die­se durch­weg schon im Grei­sen­al­ter ste­hen­den Her­ren, be­la­den und nie­der­ge­drückt von ih­ren schwe­ren Ge­wän­dern, den stun­den­lan­gen Weg in der glü­hends­ten Son­nen­hit­ze durch en­ge men­schen­ge­füll­te Stra­ßen zu über­win­den. Ka­tho­li­sche Mit­glie­der der Ver­wal­tung und Ver­tre­tung der Stadt Köln, Reichs- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te, Kam­mer­her­ren, rit­ter­bür­ti­ger deut­scher und aus­län­di­scher Adel usw. mach­ten den glän­zen­den Schluß. Vor dem Rie­sen­al­tar auf dem Neu­markt, von wo an tau­send Sän­ger der Köl­ner Kir­chen­chö­re ei­ne wei­he­vol­le Hym­ne des Dom­ka­pell­meis­ters Mon­si­gno­re [Karl] Co­hen [1851–1938] an­stimm­ten, spen­de­te der grei­se Kar­di­nal­le­gat den Se­gen. Und wei­ter wog­te die Pro­zes­si­on zum er­ha­be­nen Mit­tel­punkt des Gan­zen, dem ge­wal­ti­gen Dom. 

Am Sonn­tag vor­mit­tag fand im Dom, des­sen Chor in fe­en­haf­ter Be­leuch­tung er­strahl­te, ein fei­er­li­ches Pon­ti­fi­kal­amt statt, das der Kar­di­nal­le­gat Van­nu­tel­li ze­le­brier­te und dem auch die hier zur­zeit wei­len­den Kir­chen­fürs­ten bei­wohn­ten. In den Rei­hen der Ver­tre­ter der Spit­zen der Be­hör­den be­merk­te man in ers­ter Li­nie den Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz, [Cle­mens] Fr[ei]h[er]r v[on] Schor­le­mer, der nach dem Pon­ti­fi­kal­am­te dem Kar­di­nal­le­ga­ten im Erz­bi­schöf­li­chen Pa­lais ei­nen Be­such ab­stat­te­te.

Von dem Ver­kehr kann man sich kaum ei­ne Vor­stel­lung ma­chen. Auf dem Haupt­bahn­hof ha­ben ges­tern nicht we­ni­ger als 550 Zü­ge ver­kehrt, vier­zig Son­der­zü­ge für den all­ge­mei­nen Ver­kehr, sech­zig ge­schlos­se­ne Son­der­zü­ge, die auf pro­vi­so­ri­sche Bahn­hö­fe [ne­ben dem über­las­te­ten Haupt­bahn­hof wur­den die Zü­ge auf den Bahn­hö­fen Köln-Ge­re­on, Köln-Eh­ren­feld, Köln-Nip­pes und Köln-Deutz ab­ge­fer­tigt] ge­lei­tet wur­den. Es ist wohl nicht über­schätzt, wenn man den Frem­den­be­such am gest­ri­gen Ta­ge auf ei­ne hal­be Mil­li­on be­zif­fert. Ein um­fas­sen­der Sa­ni­tärs­dienst und Hilfs­wa­chen in der Stadt wa­ren ein­ge­rich­tet wor­den, die in fast fünf­hun­dert Fäl­len bei Ohn­mach­ten und leich­ten Ver­let­zun­gen in An­spruch ge­nom­men wur­den. Auf dem Haupt­bahn­hof hat­te sich der Ver­kehr zeit­wei­lig der­art ge­stei­gert, daß die Bahn­steig­au­to­ma­ten vor­über­ge­hend ge­schlos­sen wer­den mu­ß­ten.“

6. Das Rahmenprogramm

Als Rah­men­pro­gramm zum Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gress hat­ten die Or­ga­ni­sa­to­ren für die Dau­er der Kon­gress­ta­ge ei­ne Aus­stel­lung in Köln-Deutz ein­ge­rich­tet, in der ne­ben dem He­ri­ber­tus­schrein („dem best­er­hal­te­nen des Mit­tel­al­ter­s“), die Ka­sel und der Hir­ten­stab des hei­li­gen He­ri­bert so­wie „ei­ne statt­li­che An­zahl von Pa­ra­men­ten“ aus der ehe­ma­li­gen Deut­zer Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei zu se­hen wa­ren.

Ei­ne wei­te­re At­trak­ti­on bot am 5. Au­gust den Kon­gress­gäs­ten – na­tür­lich auch al­len Köl­nern – die An­kunft des Zep­pe­lin-Luft­schif­fes Z II. Das Luft­schiff war am frü­hen Mor­gen des Ta­ges in Frank­furt ge­star­tet und er­reich­te ge­gen 10.24 Uhr Köln, nach­dem der ers­te Ver­such am 2. Au­gust ge­schei­tert war. Es um­kreis­te zwei Mal in ei­ner Hö­he von un­ge­fähr 120 Me­tern un­ter Glo­cken­ge­läu­te den Dom, um dann im Reichs­luft­schiff­ha­fen am Butz­wei­ler Hof in Köln-Bi­cken­dorf um 11.35 Uhr zu lan­den. Dort stan­den Of­fi­zie­re und 110 Mann des 7. Pio­nier­ba­tail­lons be­reit, um bei der Lan­dung zu hel­fen. Für tau­sen­de Zu­schau­er ein un­be­schreib­li­ches Er­eig­nis. Ein so gro­ßes Flug­ob­jekt mit ei­ner Län­ge von 136 Me­tern hat­te noch nie­mand vor­her in Köln ge­se­hen. Von Stra­ßen und Plät­zen, dem Rhein­ufer und den Brü­cken, von Bäu­men und so­gar von den Dä­chern ih­rer Häu­ser ver­fol­gen die Men­schen­mas­sen die Be­we­gun­gen des Luft­kreu­zers. Die Köl­ner Schu­len wa­ren an die­sem Tag zum grö­ß­ten Teil ge­schlos­sen, die Kin­der hat­ten schul­frei. Am Butz­wei­ler Hof be­grü­ß­ten der Köl­ner Mi­li­tär­gou­ver­neur, Ge­ne­ral Kurt von Sper­ling (1850–1914) und Ober­bür­ger­meis­ter Wall­raf den da­mals be­rühm­ten Luft­schiff­kon­struk­teur und Ge­ne­ral der Ka­val­le­rie, Fer­di­nand Graf von Zep­pe­lin (1838–1917), der das Luft­schiff nach Köln ge­steu­ert hat­te.

Trotz des zu er­war­ten­den gro­ßen Be­su­cher­an­drangs am Schluss­tag des Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses rich­te­te der „Köl­ner Renn­ver­ein 1897 e. V.“ am glei­chen Tag das „Köl­ner Som­mer-Mee­tin­g“ auf der Pfer­de­renn­bahn im Wei­den­pe­scher Park aus. „Un­be­scha­det der ge­wal­ti­gen An­zie­hungs­kraft, die die Fest­lich­keit des Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses auf al­le Krei­se der Be­völ­ke­rung aus­ge­übt hat, war der Be­such am Haupt­ta­ge [8. Au­gust] der Köl­ner Som­mer-Ren­nen über­ra­schend gut“, schrieb die „Köl­ni­sche Volks­zei­tun­g“. Haupt­at­trak­ti­on da­bei war das mit ei­nem Eh­ren­preis aus­ge­stat­te­te Kron­prin­zes­sin-Ce­ci­lie-Ren­nen (be­nannt nach Kron­prin­zes­sin Ce­ci­lie [1886–1954], der Ehe­frau des Kron­prin­zen Wil­helm von Preu­ßen [1882–1951]).

7. Schluss

Am 11.8.1909 be­dank­te sich Kar­di­nal Fi­scher, auch im Na­men des Kar­di­nal­le­ga­ten Van­nu­tel­li, der am fol­gen­den Tag aus Köln ab­reis­te, öf­fent­lich bei al­len, die zum Ge­lin­gen des Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses bei­ge­tra­gen hat­ten, vor­nehm­lich bei den Mit­glie­dern des Lo­kal­ko­mi­tees, den städ­ti­schen Be­hör­den und den Ord­nungs­kräf­ten. Der Vor­sit­zen­de des Lo­kal­ko­mi­tees, Ge­ne­ral­vi­kar Kreutz­wald schloss sich mit ei­nem Dank an das Köl­ner Me­tro­po­li­tan­ka­pi­tel, ins­be­son­de­re für die „auf­ge­wen­de­ten er­heb­li­chen Mit­tel“ an. Papst Pi­us X. sand­te am 22.8.1909 ein Bre­ve an Fi­scher, in dem er ihn und die Köl­ner Be­völ­ke­rung „über den glück­lich ver­lau­fe­nen Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­s“ be­glück­wünsch­te. Ihn ha­be mit Be­wun­de­rung er­füllt, wie viel Tat­kraft, Ei­fer und Um­sicht Fi­scher „auf die He­bung und För­de­rung des Eu­cha­ris­ti­schen Kon­gres­ses ver­wen­de­t“ ha­be. Wel­che Be­deut­sam­keit die Ta­ge des Kon­gres­ses für Kar­di­nal Fi­scher selbst hat­ten, er­gibt sich aus dem Satz, den er in ei­nem sei­ner Brie­fe äu­ßer­te: „Es wird mir noch auf dem Ster­be­bett ein Trost und ei­ne Freu­de sein, daß ich da­zu bei­tra­gen durf­te, dem Hei­land die­sen Tri­umph zu be­rei­ten“.

Quellen

Zwan­zigs­ter In­ter­na­tio­na­ler Eu­cha­ris­ti­scher Kon­gress in Cöln vom 4. bis 8. Au­gust 1909. Amt­li­cher Be­richt, hg. im Auf­tra­ge des Lo­kal-Ko­mi­tees, Cöln 1909.

Zwan­zigs­ter In­ter­na­tio­na­ler Eu­cha­ris­ti­scher Kon­gress. Cöln vom 4. bis 8. Au­gust 1909. Leit­sät­ze der Re­fe­ra­te, die in den deut­schen Ver­samm­lun­gen des Kon­gres­ses ge­hal­ten wur­den, Cöln 1909.

Köl­ni­sche Volks­zei­tun­g vom 31.7.–9.8.1909.

Köl­ni­sche Zei­tung vom 9.8.1909.

Literatur

Mey­en­berg, A[lbert], Fe­ri­en­bil­der. Mo­sai­ken von ei­ner Rei­se zum Eu­cha­ris­ti­schen ­Kon­greß in Köln, Lu­zern 1910.

Prozession zum Abschluss des Eucharistischen Kongresses vor dem Kölner Dom.

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Spiertz, Willi, Der 20. Internationale Eucharistische Kongress vom 4.-8.8.1909 in Köln, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-20.-internationale-eucharistische-kongress-vom-4.-8.8.1909-in-koeln/DE-2086/lido/57d1300480b240.56504531 (19.10.2018)