Der Dauner Hof zu Endenich bei Bonn

Johannes Mötsch (Meiningen)

Das Wappen des Adelsgeschlechtes Daun, aus: Stadler, Klemens: Deutsche Wappen (8 Bände), Bremen 1964-1971. (Gemeinfrei)

1. Die Herren von Daun

Nach Daun in der Vul­kan­ei­fel nann­ten sich im Mit­tel­al­ter meh­re­re Adels­fa­mi­li­en mi­nis­te­ria­li­scher, das hei­ßt ur­sprüng­lich un­frei­er Her­kunft. Die frü­hes­ten Be­le­ge stam­men aus dem 12. Jahr­hun­dert. Zu Be­ginn des 13. Jahr­hun­derts ent­stan­den durch Erb­tei­lung meh­re­re Li­ni­en, die sich nach ih­ren Sit­zen in Dens­born, Zie­vel, Ober­stein, Daun und Bruch be­nann­ten. Die Li­nie zu Dens­born hat­te seit 1223 das Mar­schall­amt der Gra­fen von Lu­xem­burg in­ne. Die Li­ni­en in Ober­stein (Na­he) und Daun konn­ten ei­ge­ne, klei­ne Herr­schaf­ten auf­bau­en. Ih­re Ober­häup­ter führ­ten da­her den Her­ren­ti­tel. Ri­chard aus der Li­nie Daun war von 1247 bis 1257 Bi­schof von Worms, Phil­ipp von Daun aus der Li­nie Ober­stein von 1508 bis zu sei­nem Tod 1515 Erz­bi­schof von Köln.

Der Be­sitz der Fa­mi­lie in Daun selbst ge­riet im 14. Jahr­hun­dert in den Sog der ex­pan­si­ven Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik der Erz­bi­schö­fe von Trier, die ja auch – wie die Mehr­zahl der Erz­bi­schö­fe und Bi­schö­fe im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich – In­ha­ber ei­nes welt­li­chen Ter­ri­to­ri­ums, hier de­s Erz­stif­tes Trier, wa­ren. Ei­ne sehr er­folg­rei­che Er­werbs­po­li­tik ha­t Bal­du­in von Lu­xem­burg be­trie­ben, der von 1307/1308-1354 Trie­rer Erz­bi­schof war. Von be­son­de­rem In­ter­es­se war für ihn die Vog­tei über das so­ge­nann­te Krö­ver Reich, die in Hän­den des Ägi­di­us (mund­art­lich: Gil­les/Schiltz) Herrn von Daun (1318-1358) war. Das Krö­ver Reich selbst war seit 1274 Pfand­be­sitz der Gra­fen von Spon­heim aus der Li­nie Star­ken­burg. Der Er­werb al­ler dor­ti­gen Rech­te hät­te den Erz­bi­schof ei­nem wich­ti­gen Ziel, der Land­brü­cke zwi­schen dem Ober­stift (um Trier) und dem Nie­der­stift (um Ko­blenz) nä­her­ge­bracht. 1324 hat Bal­du­in ver­sucht, die Vog­tei käuf­lich zu er­wer­ben, was ver­mut­lich nicht rechts­kräf­tig ge­wor­den ist. In den fol­gen­den Jah­ren ver­stärk­te der Erz­bi­schof den Druck auf den Herrn von Daun, der im No­vem­ber 1341 um­fang­rei­che po­li­ti­sche Zu­ge­ständ­nis­se ma­chen muss­te. 1352 hat Bal­du­in im Bünd­nis mit dem Erz­bi­schof von Köln die Dau­ner Bur­gen er­obert. Im Ja­nu­ar 1354 ließ er sich von Kö­nig Karl IV. (1346-1378 rö­misch-deut­scher Kö­nig, ab 1355 Kai­ser), sei­nem Großn­ef­fen, die Lehns­herr­schaft über die Burg Daun über­tra­gen, die ur­sprüng­lich ein Reichs­le­hen der dor­ti­gen Her­ren­fa­mi­lie ge­we­sen war.

Köln, Dom, Passionsfenster, Detail: Stifter Philipp II. von Daun, nach der Restaurierung. (© Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Glasrestaurierungswerkstatt)

 

Die fol­gen­den Erz­bi­schö­fe von Trier, Gra­fen von Spon­heim und Her­ren von Daun ha­ben in den nächs­ten Jahr­zehn­ten wei­ter um die­se Be­sit­zun­gen und Rech­te ge­strit­ten. Im April 1398 ka­men die Herr­schaft Daun, die Vog­tei des Krö­ver Rei­ches und wei­te­res Zu­be­hör end­gül­tig an das Erz­stift Trier. Da­von be­trof­fen war auch der Be­sitz der Her­ren von Daun in En­de­nich (seit 1904 Stadt­teil von Bonn).

2. Die Herren von Daun und ihr Hof zu Endenich

Der Be­sitz ad­li­ger Fa­mi­li­en ist in der Re­gel das Er­geb­nis von Er­wer­bun­gen durch Erb­schaft, Kauf, Tausch oder Ge­walt. Wäh­rend man ver­sucht, Rech­te und Be­sit­zun­gen im Um­feld des Haupt­sit­zes zu ar­ron­die­ren, wird der meist auf dem Erb­weg er­wor­be­ne Fern­be­sitz häu­fig ab­ge­sto­ßen, um die für die An­käu­fe er­for­der­li­chen Mit­tel zu ge­win­nen. Dies lag auch dar­in be­grün­det, dass es oft schwie­rig war, die in grö­ße­rer Ent­fer­nung an­fal­len­den Ein­künf­te zu sam­meln und an den Haupt­sitz der Fa­mi­lie zu trans­por­tie­ren – ins­be­son­de­re dann, wenn die ad­li­gen Nach­barn und die hoch­ad­li­gen Lan­des­her­ren das zu be­hin­dern su­chen. Hel­fen konn­te in ei­nem sol­chen Fall der Schutz durch ei­nen Mäch­ti­gen.

Ver­mut­lich aus die­sem Grund hat am 12.6.1307 Ri­chard Herr zu Daun ei­ne Hälf­te sei­nes Ho­fes zu En­de­nich, bis­her Ei­gen­gut, dem Gra­fen Rai­nald von Gel­dern (um 1255-1326, Re­gie­rungs­zeit 1271-1320) zu Le­hen auf­ge­tra­gen. Ri­chard dürf­te den Hof ge­erbt ha­ben. Der Erb­weg kann je­doch nicht re­kon­stru­iert wur­den, da die Her­kunft von Mut­ter und Gro­ß­mut­ter Ri­chards un­be­kannt sind. Der Graf von Gel­dern war ein mäch­ti­ger, sehr an­ge­se­he­ner Mann, der al­ler­dings im Um­feld von Bonn kei­ne ei­ge­nen ter­ri­to­ri­al­po­li­ti­schen Zie­le ver­folg­te. Ei­ne Lehn­s­auf­ta­gung an den Erz­bi­schof von Köln hät­te den Hof viel­leicht zum Ob­jekt von des­sen Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik ge­macht. Im Gra­fen von Gel­dern aber hat­te der Herr von Daun ei­nen Lehns- und Schutz­herrn, mit dem er künf­tig kaum in In­ter­es­sen­kon­flik­te ge­ra­ten dürf­te. 

Am 11.11.1341 war Ägi­di­us Herr von Daun, Ri­chards Sohn, ge­nö­tigt, ei­nen um­fang­rei­chen Ver­trag mit dem Erz­bi­schof von Trier zu schlie­ßen, der zahl­rei­che Zu­ge­ständ­nis­se ent­hielt. Un­ter an­de­rem wur­de Ägi­di­us Burg­mann des Erz­bi­schofs von Trier auf der Neu­er­burg bei Witt­lich. Weil er da­für Ei­gen­gut zu Le­hen auf­zu­tra­gen hat­te, ver­schrieb er ne­ben ei­ner Wie­se im Ge­richt Daun ein Gut zu En­de­nich (Ent­nich) bei Bonn mit al­lem Zu­be­hör, Leu­ten, Ge­richt, Was­ser, Wei­de, Wein­gär­ten, Äckern, Wie­sen und Ge­fäl­len. Aus die­ser Auf­zäh­lung geht her­vor, dass es sich um ei­nen grö­ße­ren Kom­plex mit Leu­ten (Leib­ei­ge­nen) und der zu­ge­hö­ri­gen Ge­richts­bar­keit han­del­te. Ob sich die­se Auf­tra­gung auf die zwei­te Hälf­te des 1307 dem Gra­fen von Gel­dern auf­ge­tra­ge­nen Gu­tes oder auf den ge­sam­ten Hof be­zog, geht aus dem Text nicht her­vor. Spä­te­re Be­leh­nun­gen durch die Gra­fen und Her­zö­ge von Gel­dern sind nicht be­legt. Wenn, wie zu ver­mu­ten ist, 1341 der ge­sam­te Hof Le­hen vom Erz­stift Trier wur­de, ist er dem Gra­fen von Gel­dern so ent­zo­gen wor­den.

Die im We­sent­li­chen auf Bal­du­in von Lu­xem­burg zu­rück­ge­hen­de Schrift­gut­ver­wal­tung der Erz­bi­schö­fe von Trier gilt als vor­bild­lich. Den­noch fin­det sich kein Be­leg da­für, dass das Lehns­ver­hält­nis für das Burg­le­hen zu Neu­er­burg (mit dem Hof zu En­de­nich) zwi­schen Erz­bi­schof Ku­no von Fal­ken­stein (Epis­ko­pat 1362-1388) und Hein­rich Herrn von Daun, Sohn des Ägi­di­us, er­neu­ert wor­den ist. Erst Hein­richs Sohn Jo­hann hat das Burg­le­hen am 19.10.1382 von Erz­bi­schof Ku­no emp­fan­gen. Am 11.4.1398 hat Jo­hann Herr von Daun sei­nen An­teil an Schloss und Herr­schaft Daun mit Zu­be­hör an den Erz­bi­schof Wer­ner von Fal­ken­stein (Epis­ko­pat 1388-1418) ver­kauft. Gleich­zei­tig hat er auf das Burg­le­hen zu Neu­er­burg ver­zich­tet und des­sen Zu­be­hör, dar­un­ter Hof, Gut, Leu­te und Ge­richt zu En­de­nich bei Bonn mit Fel­dern, Äckern, Wein­gär­ten, Wäl­dern, Bü­schen, Wie­sen, Ge­wäs­sern, Wei­den und an­de­rem Zu­be­hör dem Erz­bi­schof über­tra­gen. Den Na­men der ur­sprüng­li­chen Be­sit­zer hat der Hof in den nächs­ten Jahr­hun­der­ten be­hal­ten. Ob den Be­tei­lig­ten in der Mit­te des 16. Jahr­hun­derts noch be­wusst war, was duynsch hoff be­deu­te­te, wird man be­zwei­feln dür­fen.

3. Niederadlige als Besitzer des Dauner Hofes

Nach dem Er­werb im Jah­re 1398 konn­te der Erz­bi­schof die­ses Le­hen neu ver­ge­ben. Wann das er­folg­te, lässt sich nicht mehr fest­stel­len. Zu ei­nem un­be­kann­ten Zeit­punkt be­lehn­te Erz­bi­schof Ot­to von Zie­gen­hain (Epis­ko­pat 1418-1430) da­mit Hein­rich vom Wal­de ge­nannt Brant von Rhens, der wohl in sei­nen Diens­ten stand, für den der Hof aber mit Si­cher­heit Fern­be­sitz war. Hein­rich hat ihn da­her an den Erz­bi­schof zu­rück­ge­ge­ben und ge­be­ten, Her­mann von Ahr­wei­ler und Diet­rich von Schö­ne­berg, Schöf­fen zu Bonn, da­mit zu be­leh­nen. Ver­mut­lich steht da­hin­ter ein Ver­kauf an die­se bei­den Män­ner, für den die Zu­stim­mung des Lehns­herrn und ei­ne Neu­be­leh­nung der Käu­fer Vor­aus­set­zung war. Für die neu­en In­ha­ber lag der Hof we­sent­lich güns­ti­ger. Sie wer­den ihn als dau­er­haf­te Ar­ron­die­rung ih­res Be­sit­zes an­ge­se­hen ha­ben.

Die Be­leh­nung durch Erz­bi­schof Ot­to er­folg­te am 5.4.1429. Her­mann von Ahr­wei­ler und Diet­rich von Schö­ne­berg stell­ten am glei­chen Tag ge­mein­sam ei­nen Lehns­re­vers aus. Sie und ih­re ehe­li­chen Lei­bes­er­ben soll­ten künf­tig je ei­ne Hälf­te des Ho­fes mit Zu­be­hör, Frei­hei­ten und Rech­ten zu Mann­le­hen emp­fan­gen und da­für die üb­li­chen Diens­te leis­ten. Der Hof durf­te oh­ne Zu­stim­mung des Erz­bi­schofs nicht ver­kauft, ver­setzt, ver­pfän­det oder in ir­gend­ei­ner Wei­se ver­äu­ßert wer­den.

Mit die­ser Ur­kun­de setzt ei­ne Ket­te von Lehn­sur­kun­den und -re­ver­sen ein, da das Lehns­ver­hält­nis bei je­dem Her­ren- und Mann­fall (Tod des Erz­bi­schofs be­zie­hungs­wei­se der Lehns­leu­te) er­neu­ert wer­den muss­te. Weil es nach dem Tod des Erz­bi­schofs Ot­to zu ei­ner Dop­pel­wahl (Ra­ban von Helm­statt / Ul­rich von Man­der­scheid) und mi­li­tä­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen kam, ha­ben Her­mann von Ahr­wei­ler und Diet­rich von Schö­ne­berg den Hof zu En­de­nich of­fen­bar erst am 6.8.1442 vom neu­en Erz­bi­schof Ja­kob von Sierck emp­fan­gen. Am 13.5.1444 trat Jo­hann von Schö­ne­berg in die Rech­te sei­nes ver­stor­be­nen Va­ters ein. Am 21.11.1457 emp­fing Her­mann von Ahr­wei­ler sei­ne Hälf­te des Ho­fes der ge­nant ist der du­ne­sche hoff von Erz­bi­schof Jo­hann von Ba­den. In die­ser Hälf­te folg­ten am 11.1.1478 Jo­hann von Ahr­wei­ler als Vor­mund des Her­mann von Ahr­wei­ler und am 26.5.1487 die­ser selbst.

Die Ge­schich­te der an­de­ren Hälf­te ist we­sent­lich kom­pli­zier­ter: am 10.1.1464 emp­fing Rein­hard von dem Burg­tor (aus ei­ner Ko­blen­zer Stadt­adels­fa­mi­lie) ei­ne Hälf­te die­ses Ho­fes, die ihm Jo­hann von Als­heim zu­ge­wandt hat­te. Auf wel­che Wei­se die­ser in die Rech­te des noch bis 1470 ur­kund­lich be­leg­ten Jo­hann von Schö­ne­berg ein­ge­tre­ten ist, lässt sich nicht er­mit­teln. Of­fen­bar hat­te die kur­trie­ri­sche Kanz­lei recht­li­che Be­den­ken. An­ders ist es nicht zu er­klä­ren, dass die Ver­lei­hung an Rein­hard von dem Burg­tor un­ter der Be­din­gung er­folg­te, dass das Le­hen durch den er­ben­lo­sen Tod des Vor­be­sit­zers dem Erz­stift heim­ge­fal­len war.

Die Un­klar­hei­ten set­zen sich fort: am 12.8.1481 be­stä­tig­te Erz­bi­schof Jo­hann von Trier auf Er­su­chen des Erz­bi­schof­s Her­mann IV. von Köln ei­ne durch des­sen Rä­te er­folg­te Schlich­tung im Streit um ein Vier­tel des Dau­ner Hofs zu En­de­nich, auf das Kas­par von Mieh­len ge­nannt von Dieb­lich als Vor­mund (mom­per) des Rein­hard von dem Burg­tor, die Wit­we Ida (It­gen) von Drans­dorf (seit 1904 Stadt­teil von Bonn) und Ger­hard von Me­cken­heim An­spruch er­ho­ben hat­ten. Der Va­ter des un­mün­di­gen Rein­hard von dem Burg­tor war 1464 un­ter Vor­be­halt be­lehnt wor­den; Kas­par von Mieh­len war sein Stief­va­ter und Vor­mund. Ger­hard von Me­cken­heim war mit ei­ner Toch­ter des 1444 be­lehn­ten und bis 1470 in Ur­kun­den vor­kom­men­den Jo­hann von Schö­ne­berg ver­hei­ra­tet. Er er­hob wohl Erb­an­sprü­che, da der Schwie­ger­va­ter für sich und sei­ne ehe­li­chen Lei­bes­er­ben be­lehnt wor­den war. Die For­de­run­gen der Wit­we kön­nen nur aus der Ehe mit ei­nem Vor­be­sit­zer her­rüh­ren; da­für kom­men in ers­ter Li­nie Jo­hann von Schö­ne­berg und (we­ni­ger wahr­schein­lich) Jo­hann von Als­heim in Fra­ge. Ida ist wohl iden­tisch mit Ida von Al­ten­rath, Er­bin zu Drans­dorf, die in ei­ner wei­te­ren Ehe mit Da­mi­an von Hain ver­hei­ra­tet war und aus die­ser Ehe ei­ne Toch­ter na­mens Ma­ria hat­te, von der noch die Re­de sein wird. Im Au­gust 1481 wur­de der Wit­we Ida das Vier­tel auf ih­re Leb­ta­ge zu­ge­spro­chen, nach ih­rem Tod soll­te es an Kas­par von Mieh­len als Rein­hards Vor­mund fal­len. Der nun­mehr mün­di­ge Rein­hard von dem Burg­tor stell­te am 25.11.1484 ei­nen Lehns­re­vers über ei­ne Hälf­te des Ho­fes zu En­de­nich aus.

Am 9.8.1485 wur­de Al­brecht von Zweif­fel (be­legt 1482-1531) we­gen sei­ner Ehe­frau Ma­ria von Hain mit ei­nem Fünf­tel des Ho­fes zu En­de­nich der ge­nant ist der Du­nesch hoiff be­lehnt. In der Ur­kun­de hei­ßt es, die Vor­fah­ren der Ehe­frau hät­ten es von den Vor­gän­gern des Erz­bi­schofs und vom Erz­stift Trier ge­tra­gen. Ma­ria von Hain, die Al­brecht im Ok­to­ber 1482 ge­hei­ra­tet hat­te, war Toch­ter des Da­mi­an von Hain und der Ida von Al­ten­rath (der 1481 be­güns­tig­ten Wit­we) und hat­te als Mit­gift das Haus Drans­dorf (heu­te Stadt Bonn) er­hal­ten, in dem das Ehe­paar sei­nen Sitz nahm. 1490 bat Ger­hard von Me­cken­heim den Erz­bi­schof von Trier, den Al­brecht von Zweif­fel mit dem bis­her von ihm selbst be­ses­se­nen Vier­tel des Dau­ner Ho­fes zu be­leh­nen. Wo­her die­se Rech­te rüh­ren, ist un­klar, da die von Ger­hard er­ho­be­nen An­sprü­che 1481 nicht be­rück­sich­tigt wor­den wa­ren. Am 11.3.1497 er­such­te Rein­hard von dem Burg­tor den Erz­bi­schof um Zu­stim­mung zum Ver­kauf sei­nes Vier­tels am Hof zu En­de­nich. Da­für woll­te er Erz­bi­schof und Erz­stift gleich­wer­ti­ge Gü­ter im Dorf (Mo­sel-) Weiß zu Le­hen auf­tra­gen. Am 17.6.1497 ver­kauf­te Rein­hard ein Vier­tel des Ho­fes zu En­de­nich mit Äckern, Wein­gär­ten, Was­ser und Wald, wie es sein Stief­va­ter Kas­par von Mieh­len für ihn in­ne­ge­habt und ge­nutzt hat­te, an Al­brecht von Zweif­fel und sei­ne Er­ben. Die­ser wur­de am glei­chen Tag mit die­sem Vier­tel be­lehnt; die Ur­kun­de ent­hält da­zu die Fest­stel­lung, Al­brecht ha­be be­reits ein Fünf­tel des Ho­fes we­gen sei­ner Ehe­frau zu Le­hen emp­fan­gen. Am 14.4.1498 gab der Erz­bi­schof von Trier sei­ne Zu­stim­mung da­zu, dass Al­brecht von Zweif­fel, wohn­haft zu Drans­dorf, ei­nen um­fang­rei­chen Tausch mit der Kar­tau­se St. Bar­ba­ra zu Köln vor­ge­nom­men hat­te, der auch bis­he­ri­ges Zu­be­hör des Dau­ner Ho­fes be­traf. Die Hälf­te, die vor­mals der Fa­mi­lie von Schö­ne­berg ge­hört hat­te, war dem­nach jetzt fast ganz in Hän­den des Al­brecht von Zweif­fel, der im be­nach­bar­ten Drans­dorf sei­nen Sitz hat­te.

Die Fa­mi­lie von Ahr­wei­ler, die seit 1429 die an­de­re Hälf­te be­saß, ist of­fen­bar um die Wen­de vom 15. zum 16. Jahr­hun­dert er­lo­schen. Am 13.5.1503 be­lehn­te Erz­bi­schof Jo­hann sei­nen Kü­chen­meis­ter und Rat Kas­par von Mieh­len ge­nannt von Dieb­lich we­gen der ge­leis­te­ten Diens­te mit der Hälf­te des Ho­fes zu En­de­nich der ge­nant ist der dun­sche hoiff mit Frei­hei­ten, Rech­ten und Zu­be­hör, die zu­letzt Jo­hann von Ahr­wel­ler in­ne­hat­te und durch des­sen und sei­ner Söh­ne Tod heim­ge­fal­len war. Dem­nach hat­te Kas­par von Mieh­len, der als Vor­mund des frü­he­ren In­ha­bers Rein­hard von dem Burg­tor den Hof gut kann­te, sei­ne Nä­he zum Erz­bi­schof da­zu ge­nutzt, sich mit die­ser Hälf­te be­leh­nen zu las­sen.

Nächs­ter Be­sit­zer die­ses An­teils war Gau­win vom Haus (Was­ser­burg Haus bei Ra­tin­gen), der sei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Vor­na­men wohl dem eng­li­schen Rit­ter­ro­man „Sir Ga­wain and the green knigh­t“ ver­dank­te. Er be­kun­de­te am 8.6.1503, vom ge­wähl­ten Erz­bi­schof Ja­kob von Ba­den die Hälf­te des Dau­ner Ho­fes zu En­de­nich emp­fan­gen zu ha­ben, die zu­nächst Jo­hann von Ahr­wei­ler, dann sei­ne Söh­ne Huprecht und Paul, zu­letzt aber der erz­bi­schöf­li­che Rat Kas­par von Mieh­len ge­nannt von Dieb­lich von Erz­bi­schof Jo­hann in­ne­ge­habt hat­ten. Gau­win vom Haus (be­legt 1479-1532, ab 1512 Schöf­fe zu Bonn) be­rief sich auf ei­ne Über­ein­kunft (wohl ei­nen Kauf­ver­trag) mit Kas­par von Mieh­len. Der Erz­bi­schof be­lehn­te ihn und sei­ne Lei­bes-Lehn­ser­ben so­wie, falls er kei­ne er­hal­ten wür­de, Wil­helm und Adolf vom Haus und de­ren Lei­bes-Lehn­ser­ben. Die Fa­mi­lie vom Haus be­saß schon län­ger um­fang­rei­chen Be­sitz zu En­de­nich. Adolf vom Haus, der von 1409-1431 be­leg­te Gro­ßva­ter des Gau­win, hat ein aus­führ­li­ches Ver­zeich­nis sei­nes dor­ti­gen Be­sit­zes an­ge­legt. Ge­nannt wer­den dar­in ein Burg­haus mit Hof, Woh­nung, Scheu­ne, Stal­lun­gen, Gär­ten, Baum­gar­ten und Wei­her, um­ge­ben von Mau­er und Gra­ben. Da­zu ge­hör­te ein Ge­richt mit ei­nem Schult­heißen und 15 Ge­schwo­re­nen. Bei der Auf­zäh­lung der zu­ge­hö­ri­gen Grund­stü­cke wird ge­le­gent­lich der Dau­ner Hof als An­gren­zer er­wähnt. Dem­nach war der Er­werb ei­nes An­teils an die­sem Hof auch für die Fa­mi­lie vom Haus ei­ne will­kom­me­ne Ar­ron­die­rung.

Am 19.1.1510 gab Erz­bi­schof Ja­kob sei­ne Zu­stim­mung da­zu, dass Gau­win vom Haus am 1.10.1508 auf­ge­zähl­tes Zu­be­hör des Ho­fes zu En­de­nich an den Mit­be­sit­zer Al­brecht von Zweif­fel ver­kauft hat­te. Dar­un­ter war auch die halb­scheit eyns huiß ge­nant der du­ner hoff zu En­t­e­nich an der kir­chen ge­le­gen. Dies ist ei­ne frü­he und ex­ak­te An­ga­be zur La­ge des Dau­ner Ho­fes in­ner­halb von En­de­nich. Gau­win vom Haus konn­te auf sei­ne Hälf­te des Hof­hau­ses ver­zich­ten, weil er am Ort be­reits ein er­erb­tes Burg­haus be­saß. Am glei­chen Tag wur­de Al­brecht von Zweif­fel mit dem durch sei­ne Ehe­frau Ma­ria ein­ge­brach­ten Fünf­tel, dem 1497 von Rein­hard von dem Burg­tor ge­kauf­ten Vier­tel so­wie ei­nem hal­ben Vier­tel be­lehnt, das zu­vor Ger­hard von Me­cken­heim be­saß, der 1490 um Be­leh­nung des Al­brecht ge­be­ten hat­te. Am 30.7.1512 emp­fing Al­brecht die­se An­tei­le vom neu­en Erz­bi­schof Ri­chard von Greif­fen­klau zu Voll­rads, der am 1.10.1515 Gau­win vom Haus mit der Hälf­te be­lehn­te, die zu­letzt in Hän­den des Kas­par von Mieh­len ge­we­sen war. Am 2.11.1515 ver­zich­te­te Rein­hard von dem Burg­tor noch ein­mal auf al­le mög­li­chen An­sprü­che auf das sei­ner­zeit von ihm an Al­brecht von Zweif­fel ver­kauf­te Vier­tel.

Chorstuhlwange mit Erzbischof Balduin von Luxemburg, Trier um 1340, aus der ehemaligen Karthause St. Albana. (Foto: Rudolf Schneider)

 

Am 13.6.1523 be­lehn­te Erz­bi­schof Ri­chard den Ger­hard von Me­cken­heim mit ei­nem hal­ben Vier­tel des Dau­ner Ho­fes zu En­de­nich un­ter dem Vor­be­halt, dass er sei­ne Rech­te vor Lehn­rich­ter und Man­nen des Erz­stifts nach­wei­sen kön­ne. Die­se Hälf­te hat­te zu­vor der gleich­na­mi­ge Va­ter in­ne­ge­habt, der 1490 um Be­leh­nung des Al­brecht von Zweif­fel nach­ge­sucht hat­te. Vom 14.2.1533 da­tiert ei­ne gleich­ar­ti­ge Ur­kun­de des neu­en Erz­bi­schof­s Jo­hann von Met­zen­hau­sen. Dem­nach hat­ten Lehn­rich­ter und Man­nen in der Sa­che noch kein Ur­teil ge­fällt. Da­her konn­te am 15.3.1534 der von sei­nem Va­ter Al­brecht be­voll­mäch­tig­te Diet­rich von Zweif­fel (be­legt 1533-1554) – auch für sei­nen Bru­der Eber­hard (1513-1534) – das von der Mut­ter her­rüh­ren­de Fünf­tel, das vor­mals de­nen von Burg­tor zu­ste­hen­de Vier­tel und das aus Hän­den des Ger­hard von Me­cken­heim stam­men­de hal­be Vier­tel emp­fan­gen. Von den 1523 er­ho­be­nen An­sprü­chen des Ger­hard von Me­cken­heim und de­ren Aus­trag vor dem Lehns­ge­richt ist in die­ser Ur­kun­de kei­ne Re­de. Am 30.1.1535 be­lehn­te der Erz­bi­schof den Wil­helm vom Haus (be­legt 1525-1540), auch für sei­ne Brü­der Adolf (1534-1573) und Se­bas­ti­an (1525-1582), mit der an­de­ren Hälf­te des Ho­fes.

Die Be­leh­nung durch Erz­bi­schof Jo­hann Lud­wig von Ha­gen (Epis­ko­pat 1540-1547) für Se­bas­ti­an vom Haus, sei­nen Bru­der Adolf so­wie die Söh­ne sei­nes ver­stor­be­nen Bru­ders Wil­helm da­tiert vom 9.12.1542. Am 15.2.1543 be­lehn­te die­ser Bi­schof die Brü­der Diet­rich und Eber­hard von Zweif­fel mit der an­de­ren Hälf­te des Ho­fes. 

Da­mit bricht die Über­lie­fe­rung der auf die bei­den Hälf­ten des Dau­ner Ho­fes zu En­de­nich bei Bonn be­züg­li­chen kur­trie­ri­schen Lehn­sur­kun­den ab, ob­wohl 1547 ei­ne Be­leh­nung bei­der Fa­mi­li­en durch den neu­en Erz­bi­schof Jo­hann von Isen­burg er­for­der­lich ge­we­sen wä­re. Ei­ne Er­klä­rung da­für hat sich nicht er­mit­teln las­sen. Ein durch­aus mög­li­cher Ver­kauf durch die Lehns­leu­te hät­te ei­ner Zu­stim­mung des Erz­bi­schofs be­durft, die dann in den ein­schlä­gi­gen Ko­pi­aren zu fin­den sein müss­te. In den Fa­mi­li­en­ar­chi­ven vom Haus und von Zweif­fel, aus de­nen Res­te noch vor­han­den sind, ha­ben sich eben­falls kei­ne nach 1543 aus­ge­stell­ten trie­ri­schen Lehn­sur­kun­den für den Dau­ner Hof zu En­de­nich er­hal­ten.

Die Fa­mi­lie von Zweif­fel ist bis 1667 im be­nach­bar­ten Drans­dorf an­säs­sig ge­blie­ben. Der Be­sitz zu En­de­nich dürf­te von dort aus ver­wal­tet wor­den sein. Da­nach kam Drans­dorf an die Fa­mi­lie von Lys­kir­chen.

Jo­hann Ber­tram vom Haus, mit dem die Li­nie der vom Haus zu En­de­nich im Jahr 1619 er­losch, hat­te 1608 noch ein­mal Grund­stü­cke zu En­de­nich mit den Kar­täu­sern zu Köln ge­tauscht. Sein Hof wird da­bei aus­drück­lich als frei­ad­lig be­zeich­net, ei­ne lehns­herr­li­che Zu­stim­mung war dem­nach nicht not­wen­dig. Un­ter den An­gren­zern der vom Tausch be­trof­fe­nen Grund­stü­cke wird der Dau­ner Hof nicht ge­nannt. Die Toch­ter des Jo­hann Ber­tram brach­te die Burg zu En­de­nich an die Fa­mi­lie von Weichs. Im 17. Jahr­hun­dert ging der Be­sitz we­gen der ho­hen Schul­den an ver­schie­de­ne Gläu­bi­ger über. Die Burg selbst ge­lang­te spä­ter an die Fa­mi­lie von Lapp, de­ren Ar­chiv in Tei­len er­hal­ten ist (Teil des Fa­mi­li­en­ar­chivs So­le­ma­cher), aber zum Dau­ner Hof kei­ne Nach­rich­ten ent­hält.

4. Zur Lage und zum Umfang des Hofes

Die trie­ri­schen Lehn­sur­kun­den, auf die sich die vor­an­ge­hen­den Ab­schnit­te stüt­zen, fol­gen ei­nem fes­ten For­mu­lar. Sie nen­nen den Aus­stel­ler (den je­wei­li­gen Erz­bi­schof), den Emp­fän­ger (den je­wei­li­gen Lehns­mann), das Lehns­ob­jekt (den Dau­ner Hof zu En­de­nich bei Bonn mit Zu­be­hör be­zie­hungs­wei­se An­tei­le dar­an) und frü­he­re In­ha­ber. Zur La­ge und zum Um­fang des Le­hens sa­gen sie nichts aus. Die da­zu ein­schlä­gi­gen In­for­ma­tio­nen müs­sen da­her aus an­de­ren Ur­kun­den zu­sam­men­ge­tra­gen wer­den, die sich meist un­ter den Res­ten der Fa­mi­li­en­ar­chi­ve vom Haus und von Zweif­fel be­fin­den.

Das von Adolf vom Haus (be­legt 1409-1431) an­ge­leg­te Ver­zeich­nis sei­nes Be­sit­zes zu En­de­nich nennt ne­ben dem von Mau­er und Gra­ben um­ge­be­nen Burg­haus auch des­sen um­fang­rei­ches Zu­be­hör und in die­sem Zu­sam­men­hang die An­gren­zer der be­ar­bei­te­ten Fel­der. Dar­un­ter be­fin­den sich auch Grund­stü­cke, die zum Dau­ner Hof ge­hör­ten (an dun­re lan­de; by dun­rehoef­fer lan­de; an dun­re­vel­de). 

Am 14.4.1498 nah­men, wie er­wähnt, Al­brecht von Zweif­fel und sei­ne Ehe­frau Ma­ria von Hain, wohn­haft zu Drans­dorf, mit lehns­herr­li­cher Zu­stim­mung ei­nen um­fang­rei­chen Tausch von Län­de­rei­en mit der Kar­tau­se St. Bar­ba­ra zu Köln vor. Das Klos­ter trat fast 43 Mor­gen an die Ehe­leu­te ab. Die­se la­gen auf dem Drans­dor­fer Berg, am stei­ner­nen Kreuz, an dem san­de, an dem ro­mer, im En­de­ni­cher Feld, an stol­len­hou­we­rer le­hen, hin­ter dem Turm zu En­de­nich, uffm hel­mestein und am kyll­gra­ven. An­gren­zer wa­ren un­ter an­de­rem die Her­ren von St. Cas­si­us zu Bonn be­zie­hungs­wei­se de­ren Hof zu Me­ßdorf so­wie Gau­win vom Haus. Da­für über­tru­gen die Ehe­leu­te an die Kar­tau­se bis­her zum Dau­ner Hof ge­hö­ri­ge Län­de­rei­en in et­wa glei­chem Um­fang un­ter dem gen­sa­cker, an dem heyden­we­ge, auf dem Müh­len­pfad, in dem horr­ber­ge, an der pro­is­te loch, am Drans­dor­fer Weg, Drans­dor­fer Berg bii den fu­ß­lo­chen, am Me­ßdor­fer Weg, uff dem hel­mestein, bii dem he­ckel­gin, bii den kru­den poe­len und am Les­se­ni­cher Weg. An­gren­zer wa­ren un­ter an­de­rem Huprecht von Ahr­wei­ler (da­mals noch In­ha­ber der an­de­ren Hälf­te des Dau­ner Ho­fes), die Kar­täu­ser und Gau­win vom Haus (Be­sit­zer des Burg­hau­ses zu En­de­nich). Die­ser Tausch er­folg­te vor zwei Bon­ner Schöf­fen und zwei Ge­schwo­re­nen der Props­tei des Bon­ner Cas­si­us­stifts in En­de­nich, dar­un­ter Jo­hann Holt­zen­heu­wer, von dem noch die Re­de sein wird. Da sich durch den Tausch das Zu­be­hör des Le­hens än­der­te, gab der Erz­bi­schof von Trier da­zu sei­ne Zu­stim­mung.

Lehns­leu­te wa­ren ver­pflich­tet, sich ei­nen Über­blick über das Zu­be­hör des Le­hens zu ver­schaf­fen; da­zu dürf­te sie auch das Ei­gen­in­ter­es­se an­ge­lei­tet ha­ben. Bei­de Teil­ha­ber ha­ben of­fen­bar von Ent­frem­dun­gen durch An­ge­hö­ri­ge der Fa­mi­lie von Ahr­wei­ler er­fah­ren und wa­ren be­müht, die­se rück­gän­gig zu ma­chen. Dies war mög­lich, da nach dem Wort­laut der Lehn­sur­kun­den Ver­käu­fe und Ver­pfän­dun­gen der Zu­stim­mung des Lehns­herrn be­durf­ten. Wenn die nicht vor­lag, wa­ren sie un­gül­tig.

Auf die­sem Hin­ter­grund er­such­te Al­brecht von Zweif­fel im Som­mer 1504 die Ge­schwo­re­nen zu En­de­nich um ei­ne Aus­sa­ge zu Län­de­rei­en, die frü­her zum Dau­ner Hof ge­hört hat­ten, al­so ihm und sei­nem Mit­be­sit­zer Gau­win vom Haus zu­stan­den, die aber durch die Jun­ker von Ahr­wei­ler ent­frem­det wor­den wa­ren. Der be­reits er­wähn­te Jo­hann Holt­zen­heu­wer, der et­li­che Jah­re Knecht des Pe­ter Konyngs, Hal­fen auf dem Dau­ner Hof, ge­we­sen war, und Her­mann Maych, der nach Konyngs Hal­fe auf dem Hof ge­wor­den war, nann­ten drei Stü­cke Land: ei­nes hyn­der der ho­he längs des We­ges von En­de­nich zum Gal­gen, An­gren­zer die Non­nen zu Diet­kir­chen; ein zwei­tes, durch das der de­el­wegh ging, an­sto­ßend an Land des Ab­tes von Heis­ter­bach; ein drit­tes up­me lou­e­nich zwi­schen den Non­nen von En­gel­thal und von Diet­kir­chen (bei­des Non­nen­k­lös­ter in der Stadt Bonn). Sie hät­ten vor 40 Jah­ren zum Dau­ner Hof ge­hört und sei­en von dort be­baut wor­den. Am 31.12.1505 wur­den die­se Aus­sa­gen vor dem Prop­stei­ge­richt zu En­de­nich ur­kund­lich fest­ge­hal­ten.

Am 1.10.1508 er­warb Al­brecht von Zweif­fel, wohn­haft zu Drans­dorf, aus den Hän­den des Gau­win vom Haus Zu­be­hör von des­sen An­teil am Dau­ner Hof. Dies be­traf un­ter an­de­rem den an der Kir­che ge­le­ge­nen (Wirt­schafts-) Hof, den der in ei­nem Burg­haus am Ort an­säs­si­ge Gau­win of­fen­bar nicht mehr be­nö­tig­te. Ver­kauft wur­den da­ne­ben ein hal­ber Mor­gen Gar­ten in­ner­halb der He­cken und Zäu­ne des Ho­fes, ein hal­ber Mor­gen Wein­gar­ten, ein hal­ber Mor­gen driesch­pla­cken, frü­her Wein­gar­ten und zwölf Mor­gen Busch so­wie Zin­se und Pach­ten.

Auch Gau­win vom Haus war be­müht, frü­he­res, von den Vor­be­sit­zern ent­frem­de­tes Zu­be­hör des Dau­ner Ho­fes zu er­mit­teln und zu­rück­zu­ge­win­nen. Am 6.2.1520 ver­zich­te­ten vor den Schöf­fen zu Bonn zu sei­nen Guns­ten Jo­hann Nacht­z­ra­ve, Jo­hann Frunt und sei­ne Frau Ger­trud, Toch­ter des Jo­hann Nacht­z­ra­ve, auf al­le An­sprü­che, die sie durch Über­tra­gun­gen von Sei­ten des ver­stor­be­nen Paul von Ahr­wei­ler auf den Dau­ner Hof zu En­de­nich mit Acker­land, Wein­gär­ten und Bü­schen hat­ten.

Die in die­sen Ur­kun­den ge­nann­ten Flur­na­men er­mög­li­chen es, die un­ge­fäh­re La­ge der zum Hof ge­hö­ren­den Fel­der in­ner­halb der Ge­mar­kung En­de­nich zu er­mit­teln. Der Dau­ner Hof selbst lag, wie er­wähnt, in der Nä­he der Kir­che. Aus die­ser An­ga­be könn­te die Ver­mu­tung ent­ste­hen, er sei mit dem un­mit­tel­bar ne­ben der al­ten Pfarr­kir­che von En­de­nich lie­gen­den Hof der Köl­ner Kar­tau­se iden­tisch. Al­ler­dings war die­ses Klos­ter schon 1430 im Be­sitz ei­nes Ho­fes zu En­de­nich ge­gen­über der Kir­che. Das gut er­hal­te­ne Ar­chiv der Kar­tau­se bie­tet auch kei­ne An­halts­punk­te da­für, dass der Kar­täu­s­er­hof spä­ter um das Ge­län­de des Dau­ner Ho­fes er­wei­tert wor­den ist. Da­her muss die ge­naue La­ge des Dau­ner Ho­fes zu En­de­nich wei­ter im Dun­kel blei­ben. Oh­ne Zwei­fel aber hat die­ser Hof über Jahr­hun­der­te zu den be­deu­tends­ten Hö­fen am Ort ge­hört.

Quellen

Un­ge­druck­te Quel­len

Lehn­sur­kun­den in den kur­trie­ri­schen Ko­pi­aren, die von den ein­zel­nen Erz­bi­schö­fen je­weils für ih­re Re­gie­rungs­zeit an­ge­legt wur­den, Lan­des­haupt­ar­chiv Ko­blenz (LHA Ko­blenz) Best. 1 C Nr. 13-29.
Fa­mi­li­en­ar­chi­ve vom Haus (v. Huyss) und von Zweif­fel im Lan­des­ar­chiv NRW Abt. Rhein­land (LAV NRW R).
Ver­zeich­nis des Zu­be­hörs der Burg En­de­nich im 15. Jahr­hun­dert (Burg­ar­chiv Al­te­na, Nach­lass Sei­bertz; Ko­pie im Stadt­ar­chiv Bonn).

Ge­druck­te Quel­len 
 
Brom­mer, Pe­ter, In­ven­tar des Ar­chivs der Frei­her­ren von So­le­ma­cher-Ant­wei­ler (LHA Ko­blenz Best. 700,221 und Best. 54), Ko­blenz 1988.
Dün, Jo­hann (Be­arb.), Ur­kun­den­buch der Fa­mi­li­en von Du­ne (Daun), Köln 1909.

Literatur

Dietz, Jo­sef, Die Bon­ner Schöf­fen und ih­re Fa­mi­li­en bis zum Jah­re 1600, in: Bon­ner Ge­schichts­blät­ter 10 (1956) S. 99-129.
Höroldt, Diet­rich, Das Stift St. Cas­si­us zu Bonn von den An­fän­gen der Kir­che bis zum Jah­re 1580, Bonn 1957.
Mi­chel, Fritz, Der Ko­blen­zer Stadt­adel im Mit­tel­al­ter, in: Mit­tei­lun­gen der west­deut­schen Ge­sell­schaft für Fa­mi­li­en­kun­de 16 (1952), S. 1-20.
Möl­ler, Wal­ter, Stamm-Ta­feln west­deut­scher Adels-Ge­schlech­ter im Mit­tel­al­ter, Band 1, Darm­stadt 1922, S. 56-62 u. Ta­fel 23 (Her­ren von Daun).
Mötsch, Jo­han­nes, Der Dau­ner Hof zu En­de­nich bei Bonn, in: Köns­gen, Ewald (Hg.), Ar­bor amoe­na co­mis. 25 Jah­re Mit­tel­la­tei­ni­sches Se­mi­nar in Bonn 1965-1990, Stutt­gart 1990, S. 251-259. [Mit Be­le­gen aus Quel­len im LHA Ko­blenz und im Lan­des­ar­chiv NRW Abt. Rhein­land]. 
Nie­derau, Kurt, Die Her­ren vom Haus. Zur Ge­schich­te ih­rer rhei­ni­schen Li­ni­en und Be­sit­zun­gen, in: Bei­trä­ge zur Ge­schich­te Ra­tin­gens 6 (1973), S. 139-257.
Schaaf, Er­win/Mötsch, Jo­han­nes, Ge­schich­te des Krö­ver Rei­ches, Bern­kas­tel-Ku­es 1998.
Wef­fer, Her­bert, En­de­nich. Ge­schich­te ei­nes Bon­ner Vor­orts, Bonn 1987.

Grabdenkmal für Johann III. von Metzenhausen im Trierer Dom, 2009, Foto: Berthold Werner. (Berthold Werner)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Mötsch, Johannes, Der Dauner Hof zu Endenich bei Bonn, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-dauner-hof-zu-endenich-bei-bonn/DE-2086/lido/6038cee933e281.18715846 (abgerufen am 16.06.2021)