Japan am Rhein. Zur Geschichte der Beziehungen zwischen Düsseldorf und Japan

Konstantin Plett (Kanazawa/Japan)

Der Innenhof des Japan-Centers an der Immermannstraße, Foto, September 1978, Foto: Winfried Göllner. (Stadtarchiv Düsseldorf/ 5_8_5_1185_0021a)

1. Der Japanstandort Düsseldorf

Seit un­ge­fähr 70 Jah­ren pflegt Düs­sel­dorf ei­ne en­ge Ver­bin­dung zu sei­ner ja­pa­ni­schen Be­völ­ke­rung und ih­ren In­sti­tu­tio­nen. Über 6.000 Ja­pa­ne­rin­nen und Ja­pa­ner so­wie et­wa 400 ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men ma­chen Düs­sel­dorf zum grö­ß­ten Ja­pan­stand­ort in Deutsch­land und zu ei­nem in­ter­na­tio­na­len Wirt­schafts­stand­ort.[1] Aus die­sem Grund set­zen sich die Stadt Düs­sel­dorf und ei­ne Viel­zahl ja­pa­ni­scher In­sti­tu­tio­nen da­für ein, ih­re Be­zie­hung und die An­zie­hungs­kraft des Stand­orts durch För­der­pro­gram­me, Wer­be­maß­nah­men und Ver­an­stal­tun­gen zu stär­ken. Ein be­kann­tes Er­geb­nis da­von ist un­ter an­de­rem der seit 2002 jähr­lich ver­an­stal­te­te Ja­pan-Tag, des­sen Pro­gramm von ja­pa­ni­schen Kul­turdar­bie­tun­gen bis zum Rhein-Feu­er­werk hun­dert­tau­sen­de Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher an­zieht. Ein wei­te­rer An­zie­hungs­punkt ist das Vier­tel rund um die Im­mer­mann­stra­ße – auch ge­nannt: „Litt­le To­kyo“ – mit sei­nen ja­pa­ni­schen Re­stau­rants und Ge­schäf­ten, das vor al­lem in den letz­ten Jah­ren zu­neh­men­de Be­liebt­heit bei Ein­hei­mi­schen so­wie bei Tou­ris­tin­nen und Tou­ris­ten ge­won­nen hat.

Doch wie kam es zu Düs­sel­dorfs Be­zie­hung zu Ja­pan und ih­ren heu­ti­gen Er­run­gen­schaf­ten? Das Image der Lan­des­haupt­stadt Nord­rhein-West­fa­lens als „Ja­pan am Rhein” geht nicht auf ei­nen na­tür­li­chen Pro­zess zu­rück, son­dern re­sul­tiert aus jahr­zehn­te­lan­ger Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen der Stadt­ver­wal­tung und den ja­pa­ni­schen In­sti­tu­tio­nen. Die im Stadt­mar­ke­ting oft als „freund­schaft­li­ch“ prä­sen­tier­te Be­zie­hung zwi­schen Düs­sel­dorf und Ja­pan ist da­bei bis heu­te stark von wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen ge­prägt. Wäh­rend die Lan­des­haupt­stadt von zu­neh­men­den Un­ter­neh­mens­in­ves­ti­tio­nen und wach­sen­dem Tou­ris­mus pro­fi­tiert, ge­nie­ßt die ja­pa­ni­sche Sei­te ei­ne po­si­ti­ve Dar­stel­lung des Lan­des und sei­ner Er­zeug­nis­se.

 

2. Erste Kontakte zwischen Düsseldorf und Japan im 19. Jahrhundert

Ers­te Be­geg­nun­gen zwi­schen Düs­sel­dorf und Ja­pan ka­men 1859 zu­stan­de, als der Düs­sel­dor­fer Kauf­mann Louis Kniff­ler (1827-1888) mit der L. Kniff­ler & Co. das ers­te deut­sche Han­dels­haus in Ja­pan grün­de­te. Auf­grund des da­mals noch stark ein­ge­schränk­ten Han­dels mit Ja­pan trieb Kniff­ler ma­ß­geb­lich die Ver­ab­schie­dung ei­nes preu­ßisch-ja­pa­ni­schen Freund­schafts-, Han­dels- und Schiff­fahrts­ver­trags vor­an, der am 24.1.1861 un­ter­zeich­net wur­de. Im sel­ben Jahr wur­de Kniff­ler auf­grund sei­ner Be­mü­hun­gen zum Vi­ze­kon­sul Preu­ßens in Ja­pan er­nannt, zwei Jah­re spä­ter zum Kon­sul. Zwar kehr­te er be­reits An­fang 1866 nach Düs­sel­dorf zu­rück, doch das Un­ter­neh­men be­stand in Ja­pan als er­folg­reichs­tes deut­sches Han­dels­haus fort. 1868 er­hielt der lang­jäh­ri­ge Mit­ar­bei­ter Carl Il­lies (1840-1910) die Pro­ku­ra und nann­te das Un­ter­neh­men we­nig spä­ter in „C. Il­lies & Co.“ um. Nach Kniff­lers Tod im Jahr 1888 ver­leg­te die C. Il­lies & Co. ih­re deut­sche Zweig­nie­der­las­sung von Düs­sel­dorf nach Ham­burg, was die Be­zie­hun­gen zu Ja­pan zu­nächst hemm­te.[2] 

Wei­te­re ers­te Be­rüh­rungs­punk­te in der Be­zie­hungs­ge­schich­te wa­ren der Be­such ei­ner ja­pa­ni­schen Ge­sandt­schaft, der so­ge­nann­ten Ta­kenou­chi-Mis­si­on, die auf dem Weg nach Köln für zwei Stun­den in Düs­sel­dorf Sta­ti­on mach­te,[3] so­wie die Kunst-, Ge­wer­be- und Gar­ten­aus­stel­lung 1904. Im Rah­men der Aus­stel­lung wur­den ein ja­pa­ni­scher Gar­ten und ein Tee­haus er­rich­tet, in dem aus die­sem An­lass an­ge­reis­te Ja­pa­ne­rin­nen die Gäs­te be­wir­te­ten.[4] Der ei­gent­li­che Be­ginn der Düs­sel­dorf-Ja­pan-Be­zie­hung er­folg­te je­doch erst vie­le Jah­re spä­ter, als sich nach dem Zwei­ten Welt­krieg ers­te ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men in der Stadt am Rhein nie­der­lie­ßen. Bis da­hin war Düs­sel­dorf in Ja­pan noch völ­lig un­be­kannt. Der Ur­sprung der Be­zie­hung be­ruht so­mit auf ei­nem rein wirt­schaft­li­chen Hin­ter­grund.[5]

Japanisches Teehaus auf der Kunst- und Gartenbau-Ausstellung in Düsseldorf, 1904. (gemeinfrei)

 

3. Beginn der japanischen Expansion

Be­vor ers­te nach­hal­ti­ge Kon­tak­te zwi­schen Düs­sel­dorf und Ja­pan ent­stan­den, galt Ham­burg für vie­le Jahr­zehn­te als Zen­trum der ja­pa­ni­schen Wirt­schafts­ak­ti­vi­tä­ten in Deutsch­land. Seit En­de des 19. Jahr­hun­derts eta­blier­te sich die Han­se­stadt dank ih­res Ha­fens und der ho­hen An­zahl deut­scher Han­dels­nie­der­las­sun­gen – et­wa der C. Il­lies & Co. – als pri­mä­re An­lauf­stel­le für ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men.[6] Ja­pans zweit­grö­ß­te Han­dels­ge­sell­schaft, Mi­t­sui & Co., er­öff­ne­te be­reits 1899 ihr ers­tes Re­prä­sen­tanz­bü­ro in Ham­burg.[7] Die­ser Trend setz­te sich zu­nächst nach dem Zwei­ten Welt­krieg fort, als die deutsch-ja­pa­ni­schen Han­dels­be­zie­hun­gen nach jah­re­lan­gem Still­stand wie­der auf­ge­nom­men wur­den. Ne­ben et­wa ei­nem Dut­zend wei­te­rer Han­dels­ge­sell­schaf­ten er­öff­ne­te auch Mi­t­sui & Co. sei­ne Deutsch­land­nie­der­las­sung er­neut in Ham­burg. Grün­de für die an­hal­ten­de Ori­en­tie­rung wa­ren lang­jäh­ri­ge Ge­schäfts­be­zie­hun­gen zu deut­schen Han­dels­häu­sern so­wie die da­ma­li­ge Aus­rich­tung des ja­pa­ni­schen Ex­ports auf leicht­in­dus­tri­el­le Er­zeug­nis­se wie Tex­ti­li­en.[8] 

Trotz zu­nächst un­ver­än­der­ter Ge­schäfts­stra­te­gi­en ge­gen­über den Vor­kriegs­jah­ren er­ga­ben sich in der Nach­kriegs­zeit zahl­rei­che wirt­schafts­po­li­ti­sche Ver­än­de­run­gen, die die ja­pa­ni­sche Ex­pan­si­on nach Deutsch­land nach­hal­tig prä­gen soll­ten. Als Re­ak­ti­on auf die Kriegs­zer­stö­rung muss­te die ja­pa­ni­sche Po­li­tik ei­ne Stra­te­gie ent­wi­ckeln, die ei­nen ra­schen Wie­der­auf­bau er­mög­lich­te. Nach Auf­fas­sung der ja­pa­ni­schen Re­gie­rung konn­te ein sol­cher Plan nur durch Ein­grei­fen des Staa­tes um­ge­setzt wer­den, wes­halb ei­ne Rei­he in­dus­trie­po­li­ti­scher Maß­nah­men er­las­sen wur­de. Die ame­ri­ka­ni­sche Be­sat­zungs­macht, die bis zum In­kraft­tre­ten des Frie­dens­ver­trags von San Fran­cis­co von 1952 die Kon­trol­le über Ja­pan aus­üb­te, un­ter­stütz­te die­ses Vor­ha­ben trotz ih­rer frei­en Markt­ideo­lo­gie, da man Ja­pan in­mit­ten des Kal­ten Krie­ges rasch als Ver­bün­de­ten ge­win­nen woll­te.[9] 

Mitglieder der Tekuchi-Mission, Paris, 1862, Original in der Bibliothèque nationale de France, département Estampes et photographie/ FT 4-NA-235 (2), Foto: Gaspard-Felix Tournachon. (gemeinfrei)

 

Zur Um­set­zung der in­dus­trie­po­li­ti­schen Maß­nah­men wur­de 1949 in Ja­pan das „For­eign Ex­ch­an­ge and For­eign Tra­de Con­trol La­w“ ver­ab­schie­det, das sämt­li­che Aus­lands­de­vi­sen und Tech­no­lo­gie­trans­fers der Kon­trol­le des Mi­nis­te­ri­ums für in­ter­na­tio­na­len Han­del und In­dus­trie (MITI) un­ter­stell­te. In der Fol­ge wur­de der ge­sam­te Au­ßen­han­del zen­tral vom MITI ge­steu­ert, wo­durch ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men nur mit des­sen Ge­neh­mi­gung Zu­gang zu De­vi­sen und da­mit zu Aus­lands­märk­ten er­hiel­ten. Das MITI ver­trat die Auf­fas­sung, dass für den Wie­der­auf­bau der schwer­in­dus­tri­el­le Sek­tor prio­ri­tär zu be­han­deln sei. Ins­be­son­de­re Han­dels­häu­ser, die Tech­no­lo­gi­en zur Mo­der­ni­sie­rung der Schwer­in­dus­trie im­por­tie­ren woll­ten, wur­den mit De­vi­sen­mit­teln aus­ge­stat­tet und er­hiel­ten fi­nan­zi­el­le An­rei­ze wie Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen.[10] 

Ham­burg bot den ja­pa­ni­schen Un­ter­neh­men auf­grund sei­ner ge­rin­gen In­dus­trie­prä­senz kei­ne Rah­men­be­din­gun­gen, die den An­for­de­run­gen der neu­en ja­pa­ni­schen Wirt­schafts­po­li­tik ent­spra­chen. Er­for­der­lich war da­her ein Stand­ort mit en­ger An­bin­dung an die deut­sche Schwer­in­dus­trie. Seit dem 19. Jahr­hun­dert war Düs­sel­dorf als Zen­trum des deut­schen Ei­sen- und Stahl­han­dels und als „Schreib­tisch des Ruhr­ge­biets“ be­kannt, da die im Ruhr­ge­biet ak­ti­ven Mon­tan­in­dus­trie­un­ter­neh­men wie Thys­sen, Man­nes­mann oder Schloemann ih­re Haupt­sit­ze dort hiel­ten. An­ge­sichts der In­dus­trie­po­li­tik ih­res Lan­des ent­schie­den sich ei­ni­ge ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men folg­lich rasch für Düs­sel­dorf.[11] 

Die ers­ten Un­ter­neh­men, die ver­such­ten, die neue Au­ßen­han­dels­stra­te­gie um­zu­set­zen, wa­ren Han­dels­häu­ser der Mi­tsu­bi­shi-Grup­pe so­wie das Han­dels­haus Oku­ra & Co., das 1952 das ers­te ja­pa­ni­sche Re­prä­sen­tanz­bü­ro in Düs­sel­dorf er­öff­ne­te. Die Ent­sand­ten der Mi­tsu­bi­shi-Grup­pe stell­ten be­reits 1950 Kon­tak­te zur Schloemann AG her und führ­ten re­gel­mä­ßi­ge Ge­sprä­che über den Er­werb von Tech­no­lo­gi­en im Be­reich der Hüt­ten- und Walz­werk­tech­nik. 1954 mün­de­ten die Han­dels­ak­ti­vi­tä­ten in die Grün­dung der Deut­schen Mi­tsu­bi­shi Ex­port- und Im­port Ge­sell­schaft, der ers­ten re­gu­lä­ren ja­pa­ni­schen Un­ter­neh­mens­nie­der­las­sung in Düs­sel­dorf.[12] Zur sel­ben Zeit er­rich­te­te das Han­dels­haus Mi­t­sui & Co. dort ei­ne Nie­der­las­sung. An­ders als bei Mi­tsu­bi­shi han­del­te es sich bei Mi­t­sui je­doch zu­nächst nur um ei­ne Zweig­nie­der­las­sung ne­ben dem Haupt­sitz in Ham­burg. Dies soll­te sich je­doch rasch än­dern: 1962 ver­leg­te das Han­dels­haus im Zu­ge ei­ner stra­te­gi­schen Neu­aus­rich­tung den Haupt­sitz nach Düs­sel­dorf[13] – ein Pro­zess, der sich nicht auf Mi­t­sui be­schränk­te. Bis 1963 wa­ren 12 der 14 grö­ß­ten ja­pa­ni­schen Han­dels­ge­sell­schaf­ten mit Nie­der­las­sun­gen in Düs­sel­dorf ver­tre­ten. Die meis­ten von ih­nen folg­ten der Stra­te­gie Mi­t­su­is und ver­leg­ten im Zu­ge der Aus­rich­tung auf den Im­port schwer­in­dus­tri­el­ler Tech­no­lo­gi­en ih­re Haupt­nie­der­las­sung nach Düs­sel­dorf. Auch In­sti­tu­tio­nen des ja­pa­ni­schen Au­ßen­han­dels wie die Au­ßen­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on des MITI, die Ja­pan Ex­ter­nal Tra­de Or­ga­niza­t­i­on (JE­T­RO), so­wie die Bank of To­kyo, de­ren Haupt­auf­ga­be in der Un­ter­stüt­zung der Han­dels­häu­ser lag, ver­la­ger­ten ih­re Deutsch­land­nie­der­las­sun­gen nach we­ni­gen Jah­ren von Ham­burg nach Düs­sel­dorf.[14] 

Im Er­geb­nis ver­lor die Han­se­stadt Ham­burg ab En­de der 1950er Jah­re für die ja­pa­ni­sche Ex­pan­si­on zu­neh­mend an Be­deu­tung, wäh­rend Düs­sel­dorf zum neu­en Zen­trum in Deutsch­land auf­stieg. Trotz die­ser Ent­wick­lun­gen wur­de die Ex­pan­si­on in der Stadt am Rhein von der Stadt­ver­wal­tung zu­nächst nicht be­ach­tet, so­dass sich auf in­sti­tu­tio­nel­ler Ebe­ne noch nicht von ei­ner Be­zie­hung zwi­schen Düs­sel­dorf und Ja­pan spre­chen lässt. Dies zeigt sich et­wa an den Schlag­zei­len der lo­ka­len Ta­ges­pres­se in den 1950er Jah­ren. Die we­ni­gen Mel­dun­gen über Ja­pan the­ma­ti­sier­ten aus­schlie­ß­lich den kul­tu­rel­len Aus­tausch zwi­schen dem Erz­bis­tum Köln und der Diö­ze­se in To­kio. In die­sem Zu­sam­men­hang fand 1954 ei­ne „To­kio-Ge­bets­wo­che“ mit ab­schlie­ßen­der Mis­si­ons­kund­ge­bung in der Rhein­hal­le statt, an der auch der ja­pa­ni­sche Bot­schaf­ter und der Rek­tor der So­phia-Uni­ver­si­tät aus To­kio teil­nah­men.[15] Mit zu­neh­men­der Prä­senz ja­pa­ni­scher Un­ter­neh­mens­ver­tre­ter wuchs je­doch ab den 1960er Jah­ren die Sicht­bar­keit der ja­pa­ni­schen Be­völ­ke­rung und ers­te in­sti­tu­tio­nel­le Be­zie­hun­gen zur Stadt ent­wi­ckel­ten sich.

4. Die Rolle der japanischen „Community“ für die Entwicklung Düsseldorfs zum Japanzentrum

Be­vor sich die ja­pa­ni­sche „Com­mu­ni­ty“ in Düs­sel­dorf for­mier­te, or­ga­ni­sier­ten die Ent­sand­ten der Han­dels­un­ter­neh­men ih­re Auf­ent­hal­te zu­nächst im Al­lein­gang. Mit­te der 1950er Jah­re, zur Zeit der ers­ten Un­ter­neh­mens­ex­pan­sio­nen, hiel­ten sich ge­ra­de ein­mal rund 40 ja­pa­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge in der Stadt am Rhein auf. Schon früh be­gan­nen die Ent­sand­ten je­doch, mit­ein­an­der in Aus­tausch zu tre­ten. Ab 1953 tra­fen sie sich re­gel­mä­ßig un­ter dem Ver­an­stal­tungs­na­men „Ni­hon­jin­kai“ (auf Deutsch: „Ja­pa­ner-Tref­f“) ge­mein­sam mit Ver­tre­tern der ja­pa­ni­schen Bot­schaft in Bonn in Lo­ka­len der Um­ge­bung. Die ur­sprüng­lich in­for­mel­len Tref­fen ent­wi­ckel­ten sich über die Jah­re in­halt­lich und hin­sicht­lich der Teil­neh­mer­zahl wei­ter und mün­de­ten 1964 in ei­ner of­fi­zi­el­len In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung. Un­ter dem neu­en Na­men „Ja­pa­ni­scher Club Düs­sel­dor­f“ setz­te die Ver­ei­ni­gung ih­re Ak­ti­vi­tä­ten als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein fort.[16] 

Zu den Tä­tig­kei­ten des Ja­pa­ni­schen Clubs zähl­ten so­wohl im­ma­te­ri­el­le An­ge­bo­te wie In­for­ma­tio­nen zum All­tags­le­ben in Deutsch­land und die Or­ga­ni­sa­ti­on ja­pa­ni­scher Fes­te als auch ma­te­ri­el­le Leis­tun­gen wie die Ein­rich­tung ei­ner Bi­blio­thek und ei­ner Men­sa mit ja­pa­ni­schem Es­sen. Da die ja­pa­ni­sche Be­völ­ke­rung in den 1960er Jah­ren fast aus­schlie­ß­lich aus Un­ter­neh­mens­ent­sand­ten be­stand, die nach drei bis fünf Jah­ren in ih­re Hei­mat zu­rück­kehr­ten, un­ter­stütz­te der Club sie nicht nur beim Auf­bau ei­nes so­zia­len Netz­werks, son­dern half auch, mög­li­che In­te­gra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten zu ver­rin­gern. Zu­dem er­mög­lich­te er vie­len Ent­sand­ten den Nach­zug ih­rer Fa­mi­li­en aus Ja­pan. Vor al­lem den Ehe­frau­en bot der Club ei­ne so­zia­le Platt­form, da sie auf­grund ih­res Vi­sas­ta­tus und der da­ma­li­gen Ge­schlech­ter­rol­len nur sel­ten selbst er­werbs­tä­tig sein konn­ten. Im Er­geb­nis ver­ein­te der Club be­reits in sei­nem Grün­dungs­jahr 683 Mit­glie­der und da­mit rund 80 ­Pro­zent der da­ma­li­gen ja­pa­ni­schen Be­völ­ke­rung in Düs­sel­dorf.[17] Auch wenn sei­ne Be­deu­tung über die Jah­re ab­ge­nom­men hat, fun­giert der Club bis heu­te als pri­mä­re An­lauf­stel­le für die Ent­sand­ten­fa­mi­li­en und als ih­re In­ter­es­sens­ver­tre­tung. Ins­be­son­de­re bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit städ­ti­schen Ak­teu­ren oder der Pla­nung von Ver­an­stal­tun­gen wie dem Ja­pan-Tag ist der Vor­stand des Clubs un­mit­tel­bar in­vol­viert.

In den 1960er Jah­ren gal­ten die In­ter­es­sen der ja­pa­ni­schen „Com­mu­ni­ty“ noch kei­nes­wegs als durch­ge­setzt, da sich das Ver­hält­nis zur Stadt Düs­sel­dorf erst im Auf­bau be­fand. Ei­ne In­sti­tu­ti­on, die sich ne­ben dem Club be­son­ders für die In­ter­es­sens­durch­set­zung ein­setz­te, war die Ja­pa­ni­sche In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (JIHK), die eben­falls als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein 1966 aus den Tref­fen des „Ni­hon­jin­kai“ her­vor­ging. Wäh­rend der Ja­pa­ni­sche Club so­wohl na­tür­li­chen als auch ju­ris­ti­schen Per­so­nen of­fen­stand, bot die JIHK aus­schlie­ß­lich ja­pa­ni­schen Un­ter­neh­men ei­ne Platt­form zur Ver­net­zung und In­for­ma­ti­ons­be­schaf­fung. In ih­rem Grün­dungs­jahr ver­ein­te die Kam­mer 66 Mit­glieds­un­ter­neh­men und mach­te da­mit den Gro­ß­teil der ja­pa­ni­schen Un­ter­neh­mens­land­schaft in Düs­sel­dorf Mit­te der 1960er Jah­re aus.[18]  

Nichts­des­to­we­ni­ger ver­wei­ger­ten sich ei­ni­ge Un­ter­neh­men ei­ner Mit­glied­schaft, da sie be­fürch­te­ten, da­durch die Auf­merk­sam­keit der Fi­nanz­äm­ter auf sich zu zie­hen. Grund da­für war die da­mals noch be­ste­hen­de Dop­pel­be­steue­rung in Deutsch­land und Ja­pan, die die Un­ter­neh­men durch ho­he fi­nan­zi­el­le Be­las­tun­gen dar­an hin­der­te, ih­re Re­prä­sen­tan­zen in voll­wer­ti­ge Nie­der­las­sun­gen um­zu­wan­deln. Die JIHK nahm sich ge­mein­sam mit der ja­pa­ni­schen Bot­schaft in Bonn die­ser Pro­ble­ma­tik an und setz­te sich für die Ver­ab­schie­dung ei­nes Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­mens zwi­schen bei­den Län­dern ein. Das Ab­kom­men trat 1967 in Kraft, wor­auf­hin die JIHK das lo­ka­le Fi­nanz­amt auf­for­der­te, den be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men zu viel ge­zahl­te Be­trä­ge zu er­stat­ten.[19] Dank ih­res Ein­sat­zes konn­te die JIHK schon früh­zei­tig die Stel­lung der ja­pa­ni­schen „Com­mu­ni­ty“ vor Ort stär­ken. Et­wa zehn Jah­re spä­ter setz­te sie sich er­neut bei der Stadt für ih­re In­ter­es­sen ein, in­dem sie auf die Ab­schaf­fung der Be­steue­rung von Bo­nus­ge­halts­zah­lun­gen aus Ja­pan dräng­te. Ab­seits steu­er­li­cher Fra­gen er­reich­te die Kam­mer bei der Stadt 1970 die Ein­füh­rung ei­nes au­to­ma­ti­schen Durch­wahl­sys­tems nach Ja­pan, wo­durch die Un­ter­neh­men trotz der Zeit­ver­schie­bung den Kon­takt zu ih­ren Mut­ter­ge­sell­schaf­ten in Ja­pan ef­fi­zi­ent auf­recht­er­hal­ten konn­ten.[20] 

An­sprech­part­ner für die An­lie­gen der JIHK war in den meis­ten Fäl­len das Wirt­schafts­för­de­rungs­amt der Stadt Düs­sel­dorf, das sich seit Mit­te der 1960er Jah­re bis heu­te für die Stär­kung und Ver­mark­tung Düs­sel­dorfs als Ja­pan­zen­trum Deutsch­lands so­wie die Un­ter­stüt­zung der ja­pa­ni­schen Un­ter­neh­men ein­setzt. Zu die­sem Zweck rich­te­te die Stadt 2006 in­ner­halb des Am­tes ei­ne ei­ge­ne Ab­tei­lung na­mens „Ja­pan De­s­k“ mit Ja­pa­nisch spre­chen­dem Per­so­nal ein.[21] Die Ein­rich­tung der Ab­tei­lung zeigt, wie wich­tig der Stadt­ver­wal­tung das Wachs­tum des Ja­pan­stand­orts und die ein­her­ge­hen­de Be­zie­hungs­pfle­ge zur ja­pa­ni­schen „Com­mu­ni­ty“ ist. Auch wenn heu­te die grö­ß­ten bü­ro­kra­ti­schen Kon­flik­te ge­löst sind, steht das Wirt­schafts­för­de­rungs­amt be­zie­hungs­wei­se der Ja­pan Desk wei­ter­hin im en­gen Aus­tausch mit der JIHK. Bei­spiels­wei­se or­ga­ni­sie­ren sie ge­mein­sa­me Ver­an­stal­tun­gen wie das jähr­li­che „Ja­pan Get-To­ge­ther“, das als Netz­werk­platt­form den Un­ter­neh­mens­ent­sand­ten dient. Der in­halt­li­che Wan­del ih­res Aus­tauschs von Kon­flikt­lö­sun­gen hin zu Ko­ope­ra­tio­nen ver­deut­licht, wie sich das Ver­hält­nis zwi­schen der Stadt und den ja­pa­ni­schen In­sti­tu­tio­nen über die Jahr­zehn­te ent­wi­ckelt und ge­fes­tigt hat.

Ei­ne wei­te­re In­sti­tu­ti­on, die seit den 1960er Jah­ren die In­ter­es­sen der „Com­mu­ni­ty“ ver­tritt, ist das Ja­pa­ni­sche Ge­ne­ral­kon­su­lat Düs­sel­dorf. Im Jahr 1965 wur­de es zu­nächst als Au­ßen­stel­le der Bot­schaft in Bonn er­rich­tet und be­reits zwei Jah­re spä­ter zu ei­nem ei­gen­stän­di­gen Ge­ne­ral­kon­su­lat er­ho­ben.[22] Die ra­sche Er­rich­tung un­ter­streicht, dass die ja­pa­ni­sche Po­li­tik Düs­sel­dorf schon in den 1960er Jah­ren als be­deu­ten­des Zen­trum der ja­pa­ni­schen Wirt­schafts­ak­ti­vi­tä­ten an­er­kann­te. Wäh­rend die Bot­schaft in Bonn in­fol­ge der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung nach Ber­lin ver­legt wur­de, be­steht das Ja­pa­ni­sche Ge­ne­ral­kon­su­lat in Düs­sel­dorf bis heu­te – ne­ben drei wei­te­ren in Ham­burg, Frank­furt und Mün­chen.

Schon zu sei­ner Grün­dungs­zeit ar­bei­te­te das Ge­ne­ral­kon­su­lat eng mit dem Ja­pa­ni­schen Club und der JIHK zu­sam­men – mit letz­te­rer teil­te es sich an­fangs so­gar die Räum­lich­kei­ten.[23] An­ders als die bei­den Ver­ei­ne ist das Ge­ne­ral­kon­su­lat je­doch ei­ne of­fi­zi­el­le Re­prä­sen­tanz der in Düs­sel­dorf le­ben­den ja­pa­ni­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen und fun­gier­te da­her von Be­ginn an als Haupt­an­sprech­part­ner und zen­tra­les Bin­de­glied der ja­pa­ni­schen „Com­mu­ni­ty“. Bis heu­te steht das Ge­ne­ral­kon­su­lat im en­gen Aus­tausch mit bei­den Ver­ei­nen so­wie den In­sti­tu­tio­nen von Stadt und Land – ins­be­son­de­re mit Blick auf die Or­ga­ni­sa­ti­on des jähr­li­chen Ja­pan-Tags. Dar­über hin­aus or­ga­ni­siert es seit sei­ner Grün­dung re­gel­mä­ßi­ge Ver­an­stal­tun­gen wie den Emp­fang an­läss­lich des Ge­burts­tags des ja­pa­ni­schen Kai­sers, um das Ge­mein­schafts­ge­fühl der „Com­mu­ni­ty“ und ih­ren Aus­tausch mit den Düs­sel­dor­fer In­sti­tu­tio­nen zu stär­ken. In den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten be­tei­lig­te es sich zu­dem ver­stärkt an kul­tu­rel­len und wirt­schaft­li­chen Aus­tausch­pro­gram­men für Ja­pan­in­ter­es­sier­te – auch vor dem Hin­ter­grund der zu­neh­men­den Po­pu­la­ri­tät ja­pa­ni­scher Kul­tur­er­zeug­nis­se. Ins­ge­samt gilt das Ge­ne­ral­kon­su­lat auf­grund sei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Funk­tio­nen und di­plo­ma­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten als es­sen­ti­el­le Ver­mitt­lungs­in­stanz zwi­schen der Stadt Düs­sel­dorf und Ja­pan. 

Mitsubishi–Entsandte zu Gast bei der Schloemann AG, 1951. (Unternehmensarchiv SMS Group)

 

Für die ja­pa­ni­sche „Com­mu­ni­ty“ und den Wirt­schafts­stand­ort war sta­tis­tisch ge­se­hen je­doch ein drit­ter Ver­ein aus dem Kreis der Ent­sand­ten­fa­mi­li­en die ver­mut­lich be­deu­tends­te In­sti­tu­ti­on: die Ja­pa­ni­sche Schu­le. Mit dem Nach­zug der Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen ab den 1960er Jah­ren stell­te sich für die Un­ter­neh­mens­ent­sand­ten der Schul­be­such ih­rer Kin­der als das zen­tra­le Pro­blem ih­res Auf­ent­halts her­aus. Grund da­für war das ja­pa­ni­sche Bil­dungs­sys­tem, das durch Auf­nah­me­prü­fun­gen ge­prägt war, die oh­ne so­li­de Ja­pa­nisch­kennt­nis­se kaum zu be­ste­hen wa­ren. Da die Kin­der vor Ort lo­ka­le Schu­len be­such­ten und le­dig­lich am Wo­chen­en­de im Ja­pa­ni­schen Club Ja­pa­nisch­un­ter­richt er­hiel­ten, hat­ten sie bei der Rück­kehr ins ja­pa­ni­sche Bil­dungs­sys­tem er­heb­li­che An­pas­sungs­schwie­rig­kei­ten. 1969 wand­ten sich des­halb meh­re­re El­tern an den Ja­pa­ni­schen Club mit der Bit­te um die Er­rich­tung ei­ner lo­ka­len ja­pa­ni­schen Ganz­tags­schu­le. Nach ei­ner Um­fra­ge in­ner­halb der „Com­mu­ni­ty“, die gro­ßen Zu­spruch fand, plan­te der Club in Zu­sam­men­ar­beit mit der JIHK und dem Ge­ne­ral­kon­su­lat die Um­set­zung.[24] 

Das Vor­ha­ben stell­te En­de der 1960er Jah­re ei­ne Be­son­der­heit dar, da es ab­ge­se­hen von ei­ner Schu­le in Syd­ney welt­weit noch kei­ne ja­pa­ni­schen Ganz­tags­schu­len au­ßer­halb Asi­ens gab. Dem­entspre­chend stie­ßen die In­itia­to­ren des Pro­jek­tes zu­nächst auf Wi­der­stand der Bil­dungs­mi­nis­te­ri­en in Ja­pan und Nord­rhein-West­fa­len. Nach in­ten­si­ver Über­zeu­gungs­ar­beit durch den da­ma­li­gen Ge­ne­ral­kon­sul To­mi­zō Ari­mo­to konn­te schlie­ß­lich 1971 die Ja­pa­ni­sche In­ter­na­tio­na­le Schu­le in Düs­sel­dorf un­ter Trä­ger­schaft ei­nes gleich­na­mi­gen Ver­eins er­öff­net wer­den. In den ers­ten zwei Jah­ren fand der Un­ter­richt man­gels ei­nes ei­ge­nen Ge­bäu­des in Räu­men der St.-An­to­ni­us-Pfar­rei und der Don-Bosco-Schu­le in Ober­kas­sel statt. Wäh­rend die­ser Zeit such­te der Schul­ver­ein ge­mein­sam mit den städ­ti­schen Äm­tern ein ge­eig­ne­tes Grund­stück und ei­nig­te sich auf den Nie­der­kas­se­ler Kirch­weg 37, wo die Schu­le seit 1973 be­steht.[25] 

Die ge­mein­sa­me Grund­stücks­su­che mar­kier­te ei­nen wei­te­ren Mei­len­stein in der Be­zie­hung zur Stadt Düs­sel­dorf. Da be­reits der Bau des Schul­ge­bäu­des 200 Mil­lio­nen Yen (nach da­ma­li­gem Wech­sel­kurs ca. zwei Mil­lio­nen DM) an Un­ter­neh­mens­spen­den er­for­der­te, stell­te sich der Er­werb des Grund­stücks für den Schul­ver­ein als gro­ße fi­nan­zi­el­le Her­aus­for­de­rung dar. Die Stadt re­agier­te und ver­pach­te­te das Grund­stück im Erb­bau­recht zu ei­nem jähr­li­chen Zins­satz von 5,10 DM pro Qua­drat­me­ter. Bei die­sem Satz blieb es je­doch nicht lan­ge: Auf An­wei­sung des da­ma­li­gen Stadt­di­rek­tors Bo­lo May­weg senk­te das Lie­gen­schafts­amt be­reits 1974 die Kos­ten zu­nächst auf 0,15 DM und we­nig spä­ter so­gar auf sym­bo­li­sche 0 DM pro Qua­drat­me­ter. Da­mit konn­te die Schu­le das Grund­stück kos­ten­frei nut­zen. May­weg be­grün­de­te nach ei­ge­nen Aus­sa­gen sei­ne da­ma­li­ge Ges­te mit dem Wunsch der Stadt, ein freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis zur ja­pa­ni­schen „Com­mu­ni­ty“ zu pfle­gen und mit der Über­zeu­gung, dass die Ja­pa­ni­sche Schu­le als ers­te ih­rer Art in Eu­ro­pa we­sent­lich zum Auf­stieg Düs­sel­dorfs als ja­pa­ni­sches Wirt­schafts­zen­trum bei­tra­ge.[26] 

Die Ver­mu­tung des Stadt­di­rek­tors soll­te sich be­wahr­hei­ten: In den Jah­ren nach dem Bau des Schul­ge­bäu­des stieg die Zahl der ja­pa­ni­schen Be­völ­ke­rung in Düs­sel­dorf er­heb­lich an. Wäh­rend 1973 noch knapp un­ter 2.000 ja­pa­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge in der Lan­des­haupt­stadt leb­ten, ver­dop­pel­te sich ih­re Zahl bis Mit­te der 1980er Jah­re auf über 4.000. Der di­rek­te Ver­gleich mit dem bis da­to zweit­grö­ß­ten Ja­pan-Zen­trum, Ham­burg, macht den Ein­fluss der Schu­le noch deut­li­cher: Vor der Schul­eröff­nung leb­ten dort rund 1.700 ja­pa­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge und 1986 wa­ren es nur noch halb so vie­le wie in Düs­sel­dorf. Die­ser sta­tis­ti­sche Un­ter­schied zeigt, wie sich Düs­sel­dorf dank der Schu­le als zen­tra­les Zen­trum ja­pa­ni­scher Wirt­schafts­ak­ti­vi­tä­ten in Deutsch­land eta­blier­te und Ham­burg end­gül­tig den bis da­hin an­hal­ten­den Kon­kur­renz­kampf mit der Stadt am Rhein ver­lor.[27] Auf Ebe­ne der Un­ter­neh­men über­hol­te Düs­sel­dorf Mit­te der 1980er Jah­re mit knapp 300 Nie­der­las­sun­gen so­gar Lon­don und Pa­ris und stieg da­mit kurz­zei­tig zum grö­ß­ten ja­pa­ni­schen Un­ter­neh­mens­stand­ort in Eu­ro­pa auf.[28] Auch wenn die Schul­grün­dung und da­mit Düs­sel­dorfs wirt­schaft­li­cher Auf­stieg auf In­itia­ti­ve der ja­pa­ni­schen Sei­te er­folg­te, stell­te ih­re Um­set­zung dank der en­gen Ko­ope­ra­ti­on mit der Stadt­ver­wal­tung ei­nen ge­mein­sa­men Er­folg dar, der Ein­gang in die Stand­ort­ge­schich­te fand. Ne­ben der ja­pa­ni­schen „Com­mu­ni­ty“ und ih­ren In­sti­tu­tio­nen ist die Stadt­ver­wal­tung da­mit der zwei­te zen­tra­le Ak­teur in der Be­zie­hungs­ge­schich­te zwi­schen Düs­sel­dorf und Ja­pan.

5. Die Rolle der Stadt Düsseldorf

Im Zu­ge ers­ter Mel­dun­gen über die wach­sen­de Zahl ja­pa­ni­scher Un­ter­neh­mens­nie­der­las­sun­gen in Düs­sel­dorf wur­den die Stadt­ver­wal­tung An­fang der 1960er Jah­re erst­mals auf die ja­pa­ni­sche Ex­pan­si­on auf­merk­sam. Zu die­sem Zeit­punkt leb­ten rund 300 Ja­pa­ne­rin­nen und Ja­pa­ner in der Stadt und et­wa 50 ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men wa­ren be­reits an­säs­sig.[29] Be­son­ders das Wirt­schafts­för­de­rungs­amt un­ter der Lei­tung von Ed­mund Lin­den er­kann­te früh das wirt­schaft­li­che Po­ten­zi­al die­ser Ent­wick­lung und mach­te die Stär­kung des Ja­pan­stand­orts zu sei­ner Auf­ga­be. 1967 wies Lin­den im Rah­men ei­nes Sit­zungs­aus­schus­ses un­ter Be­tei­li­gung der Stadt­di­rek­to­ren und meh­re­rer Rats­her­ren ana­ly­tisch auf die bis­he­ri­gen An­sied­lun­gen und ih­ren wirt­schaft­li­chen Nut­zen für die Stadt hin. In sei­ner Stand­ort­ana­ly­se be­ton­te er ins­be­son­de­re das Po­ten­zi­al wach­sen­der Wirt­schafts­kraft und In­ter­na­tio­na­li­tät durch zu­sätz­li­che Steu­er­ein­nah­men und stei­gen­den Be­su­cher­ver­kehr.[30] 

Lin­dens da­ma­li­ge Aus­füh­run­gen zei­gen, dass das städ­ti­sche In­ter­es­se an der ja­pa­ni­schen „Com­mu­ni­ty“ zu die­sem Zeit­punkt rein wirt­schaft­lich mo­ti­viert war. Im Pro­to­koll des Aus­schus­ses hei­ßt es: So in­ter­es­sant die­se Ana­ly­se der ja­pa­ni­schen Nie­der­las­sun­gen auch ist, als Düs­sel­dor­fer ha­ben wir uns zu fra­gen, ob und in wel­chem Um­fang ein wirt­schaft­li­cher Vor­teil für die­sen Stand­ort mas­sier­ter ja­pa­ni­scher Wirt­schafts­in­ter­es­sen her­aus­springt.[31] Auch aus ja­pa­ni­scher Sicht war Lin­den zu­fol­ge das In­ter­es­se an Düs­sel­dorf rein wirt­schaft­li­cher Na­tur: Und wel­che an­de­ren Grün­de könn­ten die­se ja­pa­ni­schen Kauf­leu­te, In­ge­nieu­re und Ban­ker mit ih­ren Frau­en und Kin­dern be­wo­gen ha­ben, nach Düs­sel­dorf zu zie­hen, als wirt­schaft­li­che?[32] Am En­de sei­ner Re­de for­mu­lier­te der Amts­lei­ter das Ziel, Düs­sel­dorf zum füh­ren­den Zen­trum ja­pa­ni­scher Wirt­schafts­ak­ti­vi­tä­ten in Eu­ro­pa aus­zu­bau­en.[33] 

Zur Ver­wirk­li­chung die­ses Ziels en­ga­gier­te sich das Wirt­schafts­för­de­rungs­amt ab den 1960er Jah­ren in­ten­siv mit ei­ner Rei­he von För­der­maß­nah­men für den Aus­bau des lo­ka­len Ja­pan­stand­or­tes. Zu den Maß­nah­men ge­hör­ten un­ter an­de­rem Wer­be­an­zei­gen in pro­mi­nen­ten ja­pa­ni­schen Wirt­schafts­ma­ga­zi­nen so­wie die ak­ti­ve Ab­wer­bung ja­pa­ni­scher Un­ter­neh­men aus an­de­ren Stand­or­ten im Rah­men ei­ner ge­ziel­ten An­sied­lungs­po­li­tik – Letz­te­re zeig­te et­wa beim Elek­tro­nik­kon­zern NEC im Jahr 1970 ers­ten Er­folg.[34] Über die­se punk­tu­el­len Maß­nah­men hin­aus plan­te die Stadt die Um­set­zung meh­re­rer Gro­ß­pro­jek­te, die das Stadt­bild und die Be­zie­hung zu Ja­pan bis heu­te prä­gen.

Das ers­te Pro­jekt die­ser Art war das so­ge­nann­te Ja­pan-Haus. Ab 1963 ver­folg­te Lin­den das Ziel, sämt­li­che ja­pa­ni­schen Un­ter­neh­men und In­sti­tu­tio­nen in Düs­sel­dorf in ei­nem ge­mein­sa­men Ge­bäu­de un­ter­zu­brin­gen, um die Sicht­bar­keit der An­sied­lun­gen zu er­hö­hen und die Stadt als Ja­pan­stand­ort bes­ser ver­mark­ten zu kön­nen. In der Um­set­zung tra­ten je­doch zahl­rei­che Schwie­rig­kei­ten auf, denn so­wohl die Grund­stücks­su­che als auch die Fi­nan­zie­rung blie­ben lan­ge un­klar. Lin­den be­stand dar­auf, dass das Pro­jekt von ei­nem ja­pa­ni­schen In­ves­tor ge­tra­gen wur­de, da es nur un­ter die­ser Vor­aus­set­zung den Na­men „Ja­pan-Haus“ recht­fer­ti­gen kön­ne. Auf ja­pa­ni­scher Sei­te stieß die Idee je­doch auf deut­li­che Ab­leh­nung. Der Vor­sit­zen­de des Ja­pa­ni­schen Clubs be­zeich­ne­te das Vor­ha­ben als un­zweck­mä­ßig, da die Kon­kur­renz zwi­schen den Un­ter­neh­men ei­ne ge­mein­sa­me Un­ter­brin­gung aus­schlie­ße. Auch der da­ma­li­ge Ge­ne­ral­kon­sul Sa­sa­ki dis­tan­zier­te sich von dem Pro­jekt und be­ton­te, sich nicht da­mit iden­ti­fi­zie­ren zu wol­len. Die kri­ti­schen Re­ak­tio­nen der ja­pa­ni­schen Ver­tre­ter zei­gen, wie we­nig ent­wi­ckelt das Ver­hält­nis Mit­te der 1960er Jah­re noch war. Die heu­te als selbst­ver­ständ­lich er­schei­nen­de Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen der Stadt­ver­wal­tung und den ja­pa­ni­schen In­sti­tu­tio­nen war da­mals kei­nes­wegs ge­ge­ben, son­dern muss­te erst schritt­wei­se auf­ge­baut wer­den.[35] 

Nach meh­re­ren An­läu­fen konn­te 1972 mit der Ma­ru­be­ni Cor­po­ra­ti­on ein ge­eig­ne­ter In­ves­tor ge­won­nen wer­den und ein Jahr spä­ter fand man mit dem Ge­län­de der ehe­ma­li­gen Dru­cke­rei Schwann auf der Im­mer­mann­stra­ße das pas­sen­de Grund­stück. Das Ge­ne­ral­kon­su­lat, das mitt­ler­wei­le un­ter neu­er Lei­tung durch Ge­ne­ral­kon­sul Ōchi stand, blieb aber wei­ter­hin ab­leh­nend. Erst nach ei­nem wei­te­ren Ge­ne­ral­kon­suls­wech­sel im Jahr 1975 und ei­nem er­neu­ten Ge­such des Ober­bür­ger­meis­ters er­klär­te sich die ja­pa­ni­sche Sei­te be­reit, bei der ja­pa­ni­schen Re­gie­rung um die nö­ti­ge Ge­neh­mi­gung des De­vi­sen­trans­fers zu bit­ten. Das per­sön­li­che En­ga­ge­ment ein­zel­ner Ak­teu­re wie dem Ge­ne­ral­kon­sul er­wies sich da­mit als ent­schei­dend für er­folg­rei­che Ko­ope­ra­tio­nen mit der Stadt. Doch auch auf deut­scher Sei­te gab es Wi­der­stand: Lo­ka­le Ho­tel­ket­ten lehn­ten das Pro­jekt ab, als be­kannt wur­de, dass die ja­pa­ni­sche Ho­tel­ket­te Nik­ko in das Ja­pan-Haus in­te­griert wer­den soll­te. Zu­dem kri­ti­sier­te der Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­band die ge­plan­te Bürg­schaft der Stadt Düs­sel­dorf beim Land NRW über 115 Mil­lio­nen Mark zu­guns­ten Ma­ru­be­nis. Da das Un­ter­neh­men bei Nicht­er­halt des Kre­dits mit Ab­wan­de­rung droh­te, be­an­trag­te die Stadt den­noch die Bürg­schaft, was die ho­he Prio­ri­tät der Ja­pan­för­de­rung auf kom­mu­na­ler Ebe­ne si­gna­li­sier­te.[36] 

Schulgebäude der Japanischen Schule, Düsseldorf-Oberkassel, 2019, Foto: Konstantin Plett. (Privatbesitz)

 

Zwei Jah­re nach der Grund­stein­le­gung war es so weit: Am 8.9.1978 öff­ne­te das Ja­pan-Haus im Rah­men ei­ner gro­ßen Er­öff­nungs­fei­er un­ter dem neu­en Na­men „Deutsch-Ja­pa­ni­sches Cen­ter“ sei­ne Tü­ren. Auch wenn deut­lich we­ni­ger ja­pa­ni­sche Mie­ter ein­zo­gen als ur­sprüng­lich vom Wirt­schafts­för­de­rungs­amt ge­plant, be­zo­gen auf dem 9.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Grund­stück plan­mä­ßig das Ho­tel Nik­ko, das Ge­ne­ral­kon­su­lat, die JIHK, die Bank of To­kyo so­wie ei­ne Rei­he wei­te­rer ja­pa­ni­scher Un­ter­neh­men ih­re Räu­me. Der neue Na­me soll­te die Ver­bun­den­heit bei­der Na­tio­nen sym­bo­li­sie­ren und das Ge­bäu­de für die lo­ka­le Be­völ­ke­rung zu­gäng­li­cher er­schei­nen las­sen, denn be­reits wäh­rend der Pla­nungs­pha­se galt das Pro­jekt als um­strit­ten.[37] Ta­ges­zei­tun­gen be­zeich­ne­ten das Ge­bäu­de als Be­ton­ko­loss oder Klotz und zi­tier­ten Mit­glie­der des städ­ti­schen Pla­nungs­bei­rats, die das Vor­ha­ben als in­hu­man kri­ti­sier­ten.[38] Die kri­ti­schen Stim­men ver­deut­li­chen, dass die ja­pa­ni­sche Ex­pan­si­on im Ge­gen­satz zu heu­te teil­wei­se ne­ga­tiv wahr­ge­nom­men wur­de. Wäh­rend die ja­pa­ni­sche Kul­tur und Wirt­schaft heu­te in Eu­ro­pa dank po­pu­lär­kul­tu­rel­ler Er­zeug­nis­se ein über­wie­gend po­si­ti­ves Image ge­nie­ßt, war das Bild Ja­pans in den 1970er Jah­ren noch von Vor­wür­fen der Pro­dukt­nach­ah­mung und ei­nes über­mä­ßi­gen Ex­ports von Fer­tig­er­zeug­nis­sen ge­prägt.[39] 

Mit dem Plan des Deutsch-Ja­pa­ni­schen Cen­ters stell­te sich die Stadt Düs­sel­dorf je­doch be­wusst ge­gen die kur­sie­ren­de Kri­tik und setz­te ein Zei­chen für ein stär­ke­res Bünd­nis mit Ja­pan. Und das mit Er­folg: Auch wenn sich mitt­ler­wei­le der Ge­bäu­de­kom­plex ein­schlie­ß­lich des Ho­tel Nik­ko (heu­te: Ho­tel Clay­ton) nicht mehr in ja­pa­ni­schem Be­sitz be­fin­den und vie­le frü­he­re Mie­ter in die Um­ge­bung ab­ge­wan­dert sind, gilt das Pro­jekt als ehe­mals grö­ß­te ja­pa­ni­sche Di­rekt­in­ves­ti­ti­on in der Bun­des­re­pu­blik als Sym­bol der deutsch-ja­pa­ni­schen Be­zie­hun­gen.[40] Be­son­ders im Um­feld der Im­mer­mann­stra­ße trug das Cen­ter zur wach­sen­den Kon­zen­tra­ti­on ja­pa­ni­scher Dienst­leis­ter und Re­stau­rants bei und för­der­te da­mit die Be­kannt­heit des Vier­tels als „Litt­le To­kyo“. Das Ziel der Stadt, die Sicht­bar­keit ja­pa­ni­scher An­sied­lun­gen zu er­hö­hen, kann da­mit aus heu­ti­ger Sicht als er­reicht be­trach­tet wer­den.

Japan Center Düsseldorf, 2008, Foto: Fototgraf: Marek Gehrmann. (CC BY-SA 3.0/ Marek Gehrmann)

 

Das zwei­te Gro­ß­pro­jekt des Wirt­schafts­för­de­rungs­am­tes gilt mög­li­cher­wei­se als be­deu­tends­ter Mei­len­stein in der Be­zie­hungs­ge­schich­te zwi­schen Düs­sel­dorf und Ja­pan: der Ja­pan-Tag. Be­reits für 1966 plan­te die Stadt ei­ne Rei­he kul­tu­rel­ler und wirt­schaft­li­cher Ver­an­stal­tun­gen un­ter dem Ti­tel „Ja­pan-Ta­ge“, die die ja­pa­ni­sche An­sied­lung wür­di­gen und der lo­ka­len Be­völ­ke­rung das Land nä­her­brin­gen soll­ten. Ähn­lich wie das Pro­jekt des Ja­pan-Hau­ses war je­doch auch die­ses Vor­ha­ben von in­sti­tu­tio­nel­len Hür­den be­glei­tet. Zu­nächst muss­te die deut­sche In­dus­trie von der Durch­füh­rung über­zeugt wer­den, denn trotz des ers­ten bi­la­te­ra­len Han­dels­ab­kom­mens von 1960 wa­ren die deutsch-ja­pa­ni­schen Wirt­schafts­be­zie­hun­gen wei­ter­hin teils von Miss­trau­en und Vor­ur­tei­len ge­prägt. Amts­lei­ter Lin­den bat da­her die IHK Düs­sel­dorf um ei­ne Ein­schät­zung der Si­tua­ti­on, die kei­ne Ein­wän­de ge­gen die Ver­an­stal­tun­gen er­hob. Aus Sor­ge vor mög­li­chen Wi­der­stän­den rief Lin­den den­noch bei der Pla­nung zur Zu­rück­hal­tung auf und be­ton­te, es sol­le nicht der Ein­druck ent­ste­hen, dass die Stadt sich mit dem Pro­jekt iden­ti­fi­zie­re.[41] Der vor­sich­ti­ge Um­gang mit der Idee steht kon­trär zur heu­ti­gen Po­pu­la­ri­tät des Ja­pan-Tags und ver­an­schau­licht das da­mals noch fra­gi­le Ver­hält­nis zwi­schen Düs­sel­dorf und Ja­pan.

Skulpturen im Immermann-Center (Japan-Center) von TAKENAKA und HPP, Foto, 3.11.2009, Foto: Ulrich Otte. (Stadtarchiv Düsseldorf/ 5_8_11_1745_0000)

 

Das grö­ß­te Hin­der­nis für die Durch­füh­rung der Ja­pan-Ta­ge stell­te er­neut die Fi­nan­zie­rung dar. Die Stadt wünsch­te, dass die In­sti­tu­tio­nen der ja­pa­ni­schen „Com­mu­ni­ty“ die Kos­ten tra­gen soll­ten, was ins­be­son­de­re beim da­ma­li­gen Kon­sul Mu­ra­ka­mi auf Ab­leh­nung und Un­ver­ständ­nis stieß. Auch di­rek­te An­fra­gen an die ja­pa­ni­sche Re­gie­rung blie­ben er­folg­los, da man dort die Ver­an­stal­tung aus­schlie­ß­lich im deut­schen In­ter­es­se lie­gen sah. Die Hal­tung der Re­gie­rung steht im deut­li­chen Kon­trast zur Ge­gen­wart, in der der Ja­pan-Tag auch als wich­ti­ges Mar­ke­ting­in­stru­ment für Ja­pan selbst gilt und vom Ge­ne­ral­kon­su­lat ak­tiv un­ter­stützt wird. Auf­grund der feh­len­den Zah­lungs­be­reit­schaft bei­der Sei­ten muss­te das Pro­jekt Mit­te der 1960er Jah­re neu kon­zi­piert und auf die kom­men­den Jah­re ver­scho­ben wer­den. An­fang der 1970er Jah­re star­te­te die Stadt un­ter dem Ti­tel „Ja­pan-Wo­che“ ei­nen wei­te­ren An­lauf, doch auch die­ser schei­ter­te, da die ja­pa­ni­schen In­sti­tu­tio­nen durch den Bau der Ja­pa­ni­schen Schu­le be­reits fi­nan­zi­ell und or­ga­ni­sa­to­risch aus­ge­las­tet wa­ren. Vor al­lem Ge­ne­ral­kon­sul Ōchi, der sich be­reits ge­gen das Ja­pan-Haus aus­ge­spro­chen hat­te, sah in der Ja­pan-Wo­che kei­nen nach­hal­ti­gen Mehr­wert.[42] 

Erst An­fang der 1980er Jah­re ge­lang es den kom­mu­na­len Ak­teu­ren, ei­ne Ei­ni­gung mit den ja­pa­ni­schen In­sti­tu­tio­nen zu er­zie­len, in­dem man sich in ei­nem zu die­sem Zweck ge­grün­de­ten Ko­mi­tee auf ei­ne pa­ri­tä­ti­sche Fi­nan­zie­rung des Zwei-Mil­lio­nen-DM-Pro­jekts ver­stän­dig­te. Vor­sit­zen­der des Ko­mi­tees auf deut­scher Sei­te war der ehe­ma­li­ge Stadt­di­rek­tor Bo­lo May­weg und auf ja­pa­ni­scher der da­ma­li­ge Ge­ne­ral­kon­sul Ara­ki. Zu­dem be­tei­lig­te sich das Bü­ro des grö­ß­ten ja­pa­ni­schen In­dus­trie­ver­ban­des, des Kei­dan­ren, an der Pla­nung. Nach der fast zwan­zig­jäh­ri­gen Pla­nungs­pha­se konn­te am 18.6.1983 schlie­ß­lich die „Ja­pan-Wo­che“ er­öff­net wer­den. Das ein­wö­chi­ge Kul­tur­pro­gramm so­wie das ab­schlie­ßen­de Feu­er­werk über dem Rhein zo­gen rund ei­ne Mil­li­on Zu­schau­er in die Lan­des­haupt­stadt und sorg­ten für brei­te me­dia­le Auf­merk­sam­keit.[43] 

Ei­ner der grö­ß­ten Er­fol­ge der Ja­pan-Wo­che be­stand in den Be­zie­hun­gen, die im Rah­men der Ver­an­stal­tung zwi­schen den kom­mu­na­len und ja­pa­ni­schen Ak­teu­ren auf­ge­baut wer­den konn­ten. Nach Ein­schät­zung von May­weg führ­te die rei­bungs­lo­se Zu­sam­men­ar­beit mit den ja­pa­ni­schen In­sti­tu­tio­nen und dem Kei­dan­ren da­zu, das Ver­hält­nis zwi­schen der Stadt Düs­sel­dorf und Ja­pan von ei­nem pri­mär wirt­schaft­lich ge­präg­ten hin zu ei­nem zu­neh­mend freund­schaft­li­chen zu ent­wi­ckeln. Dies ha­be ins­be­son­de­re da­zu bei­ge­tra­gen, Düs­sel­dorfs Image als Ja­pan­zen­trum in Ja­pan zu fes­ti­gen und dort Un­ter­stüt­zung für städ­ti­sche Wer­be­maß­nah­men zu ge­win­nen. Teil die­ser Maß­nah­men war un­ter an­de­rem ein Emp­fang 1984 im Lu­xus­ho­tel Oku­ra in To­kio, an dem ne­ben ei­ner Düs­sel­dor­fer De­le­ga­ti­on der Prä­si­dent des Kei­dan­ren und die Vor­sit­zen­den füh­ren­der Stahl­un­ter­neh­men aus bei­den Län­dern teil­nah­men.[44] 

An­lass für das Tref­fen in Ja­pan war die Deut­sche Leis­tungs­schau 1984 in To­kio, die das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um or­ga­ni­sier­te, um die deut­sche In­dus­trie in Ja­pan zu be­wer­ben. Die Stadt Düs­sel­dorf nutz­te das Er­eig­nis, um ge­zielt den ei­ge­nen Stand­ort be­kann­ter zu ma­chen, und rich­te­te den ers­ten „Düs­sel­dor­fer Aben­d“ im Gar­ten­lo­kal Hap­po-en in To­kio aus, zu dem rund 1.000 ehe­ma­li­ge ja­pa­ni­sche Ent­sand­te ein­ge­la­den wur­den. Ziel der Ver­an­stal­tung war es, das Netz­werk ehe­ma­li­ger ja­pa­ni­scher Un­ter­neh­mens­ent­sand­ter aus Düs­sel­dorf zu in­ten­si­vie­ren und so das Stand­ort­be­wusst­sein in Ja­pan zu stär­ken. Auch wenn der An­lass er­neut wirt­schaft­lich mo­ti­viert war, stieß der Abend auf gro­ßen Zu­spruch und gilt als wei­te­rer Hö­he­punkt der Be­zie­hungs­ge­schich­te. Der Er­folg führ­te da­zu, dass der Düs­sel­dor­fer Abend bis heu­te – als Hö­he­punkt der Dienst­rei­se des Ober­bür­ger­meis­ters – al­le drei Jah­re im Ho­tel New Ota­ni in To­kio statt­fin­det.[45] 

Trotz ih­res an­fäng­li­chen Er­folgs wur­de die Ver­an­stal­tung erst 1993 wie­der­holt – dies­mal un­ter dem Ti­tel „Ja­pan-Wo­chen“ mit ei­nem er­wei­ter­ten Pro­gramm. Ei­ne Be­son­der­heit des Pro­gramms stell­te der Be­such des ja­pa­ni­schen Kai­ser­paa­res dar: Kai­ser Aki­hi­to und Kai­se­rin Mi­chi­ko tru­gen sich in das Gol­de­ne Buch der Stadt ein und be­grü­ß­ten vom Bal­kon des Rat­hau­ses war­ten­de Zu­schau­er aus der lo­ka­len und ja­pa­ni­schen Be­völ­ke­rung. Der Be­such sym­bo­li­sier­te die An­er­ken­nung Düs­sel­dorfs als be­deu­ten­den Stand­ort für Ja­pans wirt­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Prä­senz in Eu­ro­pa und mar­kier­te ei­nen Hö­he­punkt in der bi­la­te­ra­len Be­zie­hung zur Stadt. Auf­grund der ho­hen Kos­ten konn­ten die Ja­pan-Wo­chen je­doch wei­ter­hin nicht re­gel­mä­ßig statt­fin­den.[46] 

Erst 2001 wur­de die Gro­ß­ver­an­stal­tung auf In­itia­ti­ve von Ober­bür­ger­meis­ter Joa­chim Er­win (1949–2008) mit dem „Ja­pan-Ta­g“ in ein jähr­li­ches For­mat über­führt.[47] Die welt­wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen hat­ten sich je­doch ge­gen­über den Zei­ten der Vor­gän­ger­ver­an­stal­tun­gen deut­lich ver­än­dert. Seit An­fang der 1990er Jah­re be­fand sich die ja­pa­ni­sche Wirt­schaft in­fol­ge des Plat­zens der Im­mo­bi­li­en­spe­ku­la­ti­ons­bla­se in ei­ner lang­an­hal­ten­den Re­zes­si­on, was die Aus­lands­ex­pan­si­on Ja­pans und da­mit das Wachs­tum des Düs­sel­dor­fer Stand­orts er­heb­lich brems­te.[48] Un­ge­ach­tet des­sen fand der Ja­pan-Tag – mit Aus­nah­me der „Co­ro­na-Jah­re“ 2020 und 2021 – seit­dem jähr­lich statt. Auch wenn der wirt­schaft­li­che Ge­dan­ke wei­ter­hin prä­sent ist, zeigt die an­hal­ten­de Durch­füh­rung, dass sich der Ja­pan-Tag von ei­ner rei­nen Wer­be­ver­an­stal­tung zu ei­nem fes­ten Be­stand­teil der Düs­sel­dor­fer Stadt­tra­di­ti­on ent­wi­ckelt hat. 2025 fand die Ver­an­stal­tung auf­grund ih­rer gro­ßen Be­liebt­heit mit er­wei­ter­tem Pro­gramm in ih­rem ur­sprüng­li­chen For­mat als „Ja­pan-Wo­che“ statt.[49] 

Die Rheinuferpromenade während des Japantags 2016 in Düsseldorf, im Hintergrund der Rheinturm, 2016, Foto: Dietmar Rabich. (CC BY-SA 4.0/ Dietmar Rabich)

 

6. Weitere Meilensteine der Beziehungsgeschichte

Ne­ben den In­sti­tu­tio­nen der ja­pa­ni­schen „Com­mu­ni­ty“ und den Pro­jek­ten des Wirt­schafts­för­de­rungs­am­tes präg­ten wei­te­re Er­eig­nis­se die Be­zie­hung Düs­sel­dorfs zu Ja­pan. Für die Zeit vor 2000 sind ins­be­son­de­re die Grün­dung der Deutsch-Ja­pa­ni­schen Ge­sell­schaft am Nie­der­rhein (DJG), der Bau des Ja­pa­ni­schen Gar­tens und die Er­rich­tung des EKŌ-Hau­ses her­vor­zu­he­ben.

Die DJG am Nie­der­rhein ist ei­ne von sechs Deutsch-Ja­pa­ni­schen Ge­sell­schaf­ten in der Bun­des­re­pu­blik und ging 1964 als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein aus re­gel­mä­ßi­gen Mit­tags­tref­fen zwi­schen lo­ka­len In­dus­tri­el­len und An­ge­hö­ri­gen der ja­pa­ni­schen In­sti­tu­tio­nen her­vor. Im Ge­gen­satz zu vie­len an­de­ren Ein­rich­tun­gen die­ser Zeit rich­te­te sich die DJG nicht pri­mär an die ja­pa­ni­sche Be­völ­ke­rung vor Ort, son­dern ver­folg­te das Ziel, ei­nen nach­hal­ti­gen kul­tu­rel­len und wirt­schaft­li­chen Aus­tausch mit ihr zu för­dern.[50] Be­reits in sei­ner An­fangs­zeit ver­an­stal­te­te der Ver­ein Vor­trä­ge, Aus­stel­lun­gen und ge­mein­sa­me Boots­fahr­ten auf dem Rhein.[51] Mit ei­nem über die Jahr­zehn­te ste­tig er­wei­ter­ten Pro­gramm gilt die DJG am Nie­der­rhein bis heu­te als es­sen­ti­el­ler Ak­teur in der Pfle­ge der deutsch-ja­pa­ni­schen Be­zie­hun­gen in Düs­sel­dorf.

Der Ja­pa­ni­sche Gar­ten im Nord­park ent­stand 1975 im Rah­men ei­ner wei­te­ren Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen der Stadt und den ja­pa­ni­schen In­sti­tu­tio­nen. Als Zei­chen der Dank­bar­keit für die kos­ten­freie Be­reit­stel­lung des Grund­stücks der Ja­pa­ni­schen Schu­le er­klär­ten sich der Ja­pa­ni­sche Club, die JIHK und das Ge­ne­ral­kon­su­lat be­reit, das ur­sprüng­lich von der Stadt ge­plan­te Pro­jekt mit­hil­fe von Un­ter­neh­mens­spen­den zu fi­nan­zie­ren und grün­de­ten da­zu ei­nen ei­ge­nen Trä­ger­ver­ein. Wäh­rend die Stadt zu­nächst die Durch­füh­rung der Ja­pan-Ta­ge prio­ri­sier­te, be­trach­te­ten die ja­pa­ni­schen Ak­teu­re ein dau­er­haft sicht­ba­res Pro­jekt wie den Gar­ten als nach­hal­ti­ger. Nach ei­nem Jahr Bau­zeit – un­ter an­de­rem durch­ge­führt von zu die­sem Zweck aus To­kio ein­ge­flo­ge­nen Gärt­nern – wur­de das 1,8-Mil­lio­nen-DM-Pro­jekt fei­er­lich vom ja­pa­ni­schen Bot­schaf­ter an Ober­bür­ger­meis­ter Klaus Bun­gert (1926-2006) über­ge­ben. Bis heu­te gilt der Gar­ten als Sym­bol für die Ko­ope­ra­ti­on und Freund­schaft zwi­schen den lo­ka­len und ja­pa­ni­schen Ak­teu­ren.[52] 

Japanischer Garten im Düsseldorfer Nordpark, 2013. (CC BY-SA 3.0)

 

Das EKŌ-Haus ist ein bud­dhis­ti­scher Tem­pel, der 1992 im Düs­sel­dor­fer Stadt­teil Nie­der­kas­sel er­öff­net wur­de. In­itia­tor des Pro­jekts war Ye­han Nu­ma­ta (1897-1994), Grün­der des ja­pa­ni­schen Mess­ge­rä­te­her­stel­lers Mi­t­su­to­yo, der sich die Ver­brei­tung des bud­dhis­ti­schen Glau­bens in Eu­ro­pa zum Ziel ge­setzt hat­te. Nach der er­folg­rei­chen Er­rich­tung der Ja­pa­ni­schen Schu­le un­ter­stütz­te das Wirt­schafts­för­de­rungs­amt Mit­te der 1980er Jah­re er­neut bei der Grund­stücks­su­che und -be­reit­stel­lung. Im Ge­gen­satz zur Stadt­ver­wal­tung zeig­te sich ein Teil der lo­ka­len Be­völ­ke­rung kri­tisch ge­gen­über dem Vor­ha­ben, da für das Bau­pro­jekt Grün­flä­che wei­chen muss­te. Die Pro­tes­te ver­zö­ger­ten den Bau über meh­re­re Jah­re. Ähn­lich wie beim Ja­pan-Haus ma­chen sie deut­lich, dass das Ver­hält­nis zwi­schen der lo­ka­len Be­völ­ke­rung und der ja­pa­ni­schen „Com­mu­ni­ty“ nicht im­mer kon­flikt­frei ver­lief. Letzt­lich stärk­te der Bau des EKŌ-Hau­ses je­doch die Be­zie­hung zu Ja­pan – ins­be­son­de­re durch den seit 1999 in­te­grier­ten deutsch-ja­pa­ni­schen Kin­der­gar­ten, der als ein­zi­ger sei­ner Art den Aus­tausch zwi­schen lo­ka­len und ja­pa­ni­schen Fa­mi­li­en nach­hal­tig för­dert.[53] 

Wei­te­re wich­ti­ge Etap­pen aus der jün­ge­ren Ge­schich­te des Ja­pan­stand­orts Düs­sel­dorf sind die Städ­te­part­ner­schaft mit der Prä­fek­tur Chi­ba, die Aus­stel­lung zum 160. Ju­bi­lä­um der deutsch-ja­pa­ni­schen Be­zie­hun­gen so­wie das „Litt­le-To­kyo-Pro­jek­t“.

Die Städ­te­part­ner­schaft mit Chi­ba geht auf ei­nen Freund­schafts­ver­trag zu­rück, den Düs­sel­dorf 2005 mit der Prä­fek­tur un­ter­zeich­ne­te – die of­fi­zi­el­le Part­ner­schaft folg­te 2019. Wäh­rend Köln be­reits seit 1961 mit der Stadt Kyo­to ver­bun­den ist, fehl­te Düs­sel­dorf bis zur Part­ner­schaft mit Chi­ba ei­ne ver­gleich­ba­re Ver­bin­dung zu ei­ner ja­pa­ni­schen Kom­mu­ne be­zie­hungs­wei­se Prä­fek­tur. In­ner­halb der Stadt­ver­wal­tung herrsch­te lan­ge Zeit Skep­sis ge­gen­über dem ge­ne­rel­len Nut­zen von Städ­te­part­ner­schaf­ten. In den 1980er Jah­ren be­müh­te sich Düs­sel­dorf erst­ma­lig um ei­ne Part­ner­schaft mit der Stadt Osa­ka, die ih­rer­seits ge­zielt nach ei­ner deut­schen Part­ner­stadt such­te. Auf­grund man­geln­der In­itia­ti­ve auf der Düs­sel­dor­fer Sei­te kam es je­doch nicht da­zu, so­dass statt­des­sen 1989 Kon­kur­rent Ham­burg die Part­ner­schaft schloss. Auch wenn Düs­sel­dorf da­mit zu den letz­ten Ja­pan­stand­or­ten mit of­fi­zi­el­ler Part­ner­schaft zählt, stärkt die Ver­bin­dung mit Chi­ba bis heu­te das in­ter­na­tio­na­le Pro­fil der Lan­des­haupt­stadt und er­öff­net neue Mög­lich­kei­ten des in­sti­tu­tio­nel­len Aus­tauschs. Seit Be­ginn der Part­ner­schaft fin­den re­gel­mä­ßi­ge De­le­ga­ti­ons­be­su­che zwi­schen dem Düs­sel­dor­fer Ober­bür­ger­meis­ter und dem Gou­ver­neur von Chi­ba statt.[54] 

Die Aus­stel­lung an­läss­lich des 160. Ju­bi­lä­ums der deutsch-ja­pa­ni­schen Be­zie­hun­gen fand 2021 wäh­rend der Co­ro­na-Pan­de­mie als Er­satz für den aus­ge­fal­le­nen Ja­pan-Tag statt. In Zu­sam­men­ar­beit mit den ja­pa­ni­schen In­sti­tu­tio­nen or­ga­ni­sier­te die Stadt im Düs­sel­dor­fer Rat­haus ei­ne Aus­stel­lung, die die Ge­schich­te der ja­pa­ni­schen Ex­pan­si­on so­wie die Ent­wick­lung der Be­zie­hun­gen zwi­schen Düs­sel­dorf und Ja­pan in Bild- und Text­kol­la­gen re­kon­stru­ier­te. Dar­über hin­aus er­in­ner­te die Aus­stel­lung an Louis Kniff­ler als wich­ti­gen In­itia­tor des ers­ten deutsch-ja­pa­ni­schen Freund­schafts­ver­trags von 1861, dem his­to­ri­schen Be­zugs­punkt des Ju­bi­lä­ums. Im An­schluss an die Ver­an­stal­tung stell­te die Stadt die In­hal­te der Aus­stel­lung per­ma­nent auf ih­rer Web­sei­te zur Ver­fü­gung. Mit ih­rem Pro­gramm wür­dig­te die Aus­stel­lung nicht nur die bi­la­te­ra­len Be­zie­hun­gen zwi­schen Deutsch­land und Ja­pan, son­dern hob zu­gleich Düs­sel­dorfs Rol­le als ein zen­tra­ler Mitt­ler die­ser Ver­bin­dung her­vor.[55] 

Tempelgarten des EKŌ-Hauses der japanischen Kultur e. V. in Düsseldorf-Niederkassel, 1993. (CC BY-SA 3.0)

 

Das „Litt­le-To­kyo-Pro­jek­t“ be­schreibt ei­ne Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen der Stadt Düs­sel­dorf und der Brick­ny Group, dem Mut­ter­kon­zern der meis­ten ja­pa­ni­schen Re­stau­rants vor Ort. Auf­ga­be des Pro­jekts ist es, das Vier­tel rund um die Im­mer­mann­stra­ße un­ter dem La­bel „Litt­le To­kyo“ tou­ris­tisch zu ver­mark­ten und da­mit so­wohl den Tou­ris­mus in Düs­sel­dorf als auch die Um­sät­ze der be­tei­lig­ten Be­trie­be zu stär­ken. Seit­her nutzt die Stadt die Be­zeich­nung „Litt­le To­kyo“ ak­tiv in Wer­be­fil­men, auf Pla­ka­ten und Fly­ern, um das öf­fent­li­che Be­wusst­sein für den Ja­pan­stand­ort Düs­sel­dorf zu för­dern.[56] 2021 ließ die Stadt­ver­wal­tung an den Ein­gän­gen der Im­mer­mann­stra­ße ja­pa­nisch be­schrif­te­te Stra­ßen­schil­der auf­stel­len, de­ren Ein­wei­hung von Ge­ne­ral­kon­sul Ki­mi­no­ri Iwa­ma be­glei­tet wur­de.[57] Die Schil­der ste­hen sym­bo­lisch für die his­to­ri­sche Be­deu­tung des Vier­tels und die­nen zu­gleich als Mar­ke­ting­in­stru­ment des Pro­jekts. Seit Be­ginn des „Litt­le-To­kyo-Pro­jekt­s“ ist ein An­stieg der Be­su­cher­zah­len in Düs­sel­dorf (5,4 Mil­lio­nen Über­nach­tun­gen im Jahr 2023) zu ver­zeich­nen – ein Fak­tor, der ver­mut­lich zur dies­jäh­ri­gen Aus­wei­tung des Ja­pan-Ta­ges auf ei­ne gan­ze Wo­che bei­trägt. Auch wenn die wirt­schaft­li­che Prä­senz Ja­pans heu­te ge­rin­ger ist und das Im­mer­mann-Vier­tel nicht mehr aus­schlie­ß­lich ja­pa­nisch ge­prägt ist, ge­lingt es Düs­sel­dorf durch die tou­ris­ti­sche Neu­aus­rich­tung, sei­ne Po­si­ti­on als zen­tra­ler Ja­pan­stand­ort Deutsch­lands zu be­haup­ten und die Be­zie­hun­gen zu Ja­pan auch für die Zu­kunft ak­tiv zu ge­stal­ten.

Quellen

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Fest­li­cher Aus­klang der To­kio-Wo­che, in: Rhei­ni­sche Post, 23.5.1955.

Iri­scher Be­trei­ber über­nimmt Ho­tel Nik­ko an der Im­mer­mann­stra­ße, in: Rhei­ni­sche Post, 1.2.2022.

Ja­pan noch, Deutsch­land wie­der Mis­si­ons­ge­biet, in: Rhei­ni­sche Post, 23.5.1955.

Ja­pan-Wo­che mehr als Brü­cken­schlag, in: Rhei­ni­sche Post, 20.6.1961.

Ja­pa­ner wol­len in Düs­sel­dorf hoch hin­aus, in: Neue Ruhr Zei­tung, 24.5.1975.

Klotz für Ba­ba, in: Der Spie­gel, Nr. 32, 6.8.1978.

Na­ji­ka­wa shira­ne­do ko­ko­ro wa­bi­te, in: Rhei­ni­sche Post, 1.6.1964.

Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf, Litt­le To­kyo am Rhein – Ja­pa­ni­sches Le­ben in Düs­sel­dorf, Düs­sel­dorf 2021.

Stadt­ar­chiv Düs­sel­dorf, [oh­ne Si­gna­tur], Do­ku­ment: „Nie­der­schrift über die Sit­zung des Aus­schus­ses für Frem­den­ver­kehr und Wirt­schafts­för­de­rung am 14.3.1967“, Düs­sel­dorf 1967.

Literatur

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Japanisches Straßenschild der Immermannstraße, 2024, Foto: Konstantin Plett. (Privatbesitz)

 
Anmerkungen
Zitationshinweis

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Plett, Konstantin, Japan am Rhein. Zur Geschichte der Beziehungen zwischen Düsseldorf und Japan, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/japan-am-rhein.-zur-geschichte-der-beziehungen-zwischen-duesseldorf-und-japan/DE-2086/lido/68f8cfb3e127c4.95003474 (abgerufen am 12.12.2025)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 12.11.2025, zuletzt geändert am 04.12.2025