Grafschaft Nieder-Isenburg

Burgruine der Isenburg, im Hintergrund die Schilderpforte, 2006. (Eugen Wasser / CC BY-SA 2.0 DE)

Die Graf­schaft Nie­der-Isen­burg ver­dank­te ih­ren Na­men der im Sayn­tal (Wes­ter­wald, heu­te Land­kreis Neu­wied) ge­le­ge­nen Isen­burg, die im Be­reich der Vog­tei über ei­ne Grund­herr­schaft der Reichs­ab­tei Ful­da er­rich­tet wor­den war. Sie wur­de zu Be­ginn des 12. Jahr­hun­derts zum Stamm­sitz ei­nes be­reits im 9. Jahr­hun­dert er­wähn­ten Edel­her­ren­ge­schlechts mit den Leit­na­men Re­gin­bold und Ger­lach.

Das Ge­schlecht ver­füg­te über Be­sitz im Gau Ein­rich links der un­te­ren Lahn so­wie im Mit­tel­rhein­ge­biet, je­doch wur­de ei­ne ge­schlos­se­ne Herr­schafts­bil­dung be­reits im 12. Jahr­hun­dert durch Auf­spal­tung des Ge­schlechts aus den zwei Haupt­stäm­men in vier Li­ni­en ver­hin­dert, die ih­rer­seits wei­te­re Zwei­ge her­vor­brach­ten: Kem­pe­nich (er­lischt end­gül­tig 1424), Brauns­berg (zwi­schen 1340-1462 un­ter dem Graf­en­ti­tel von Wied), Ko­bern an der un­te­ren Mo­sel (er­lischt 1301) und Grenzau öst­lich von Neu­wied, von der sich be­reits 1248 die Li­nie Lim­burg an der Lahn ab­spal­te­te. Als Stamm­wap­pen führ­ten sie zu­nächst al­le zwei ro­te bzw. schwar­ze Bal­ken in Sil­ber.

Wich­ti­ger Be­zugs­punkt und über län­ge­re Zeit Grab­le­ge der Isen­bur­ger war die Prä­mons­tra­ten­ser­ab­tei Rom­mers­dorf (heu­te Stadt Neu­wied). Als Er­ben der Gra­fen von Lei­nin­gen und von Peil­stein-Mör­le-Clee­berg ge­lang­te das Ge­schlecht an die Lahn und den Tau­nus­rand. Durch wei­te­re Tei­lun­gen und Zer­split­te­run­gen je­doch grund­sätz­lich ge­schwächt, wa­ren die ver­schie­de­nen Herr­schafts­ge­bie­te durch ih­re ge­rin­ge Aus­deh­nung und man­geln­den Ein­fluss im Reich be­deu­tungs­los. Die Hälf­te des ur­sprüng­lich isen­bur­gi­schen Be­sit­zes be­fand sich zu Be­ginn des 16. Jahr­hun­derts in den Hän­den der Gra­fen von Wied. Nach dem Aus­ster­ben meh­re­rer Sei­ten­li­ni­en ge­lang es zu die­sem Zeit­punkt der auf Sa­len­tin I. (Re­gie­rungs­zeit 1210-1218) zu­rück­ge­hen­den Li­nie, vor­über­ge­hend an die al­te Stel­lung der Isen­bur­ger im Mit­tel­rhein­ge­biet an­zu­knüp­fen. Die Her­ren aus die­ser Li­nie hat­ten be­reits im 14. und 15. Jahr­hun­dert durch Hei­ra­ten gro­ße Tei­le vom Er­be der stamm­ver­wand­ten Zwei­ge Ko­bern, Isen­burg-Aren­fels und Grenzau an sich ge­bracht und eben­falls durch Hei­rat die Herr­schaft Neu­ma­gen an der Mo­sel ge­won­nen. 1547 wur­de mit Jo­hann von Isen­burg-Grenzau nach fast 300 Jah­ren wie­der ein Ver­tre­ter des Hau­ses zum Trie­rer Erz­bi­schof ge­wählt. Sein Nef­fe Sa­len­tin von Isen­burg-Grenzau war 1567-1577 Erz­bi­schof von Köln und kämpf­te nach sei­ner Re­si­gna­ti­on 1583 im Köl­ni­schen Krieg als Be­fehls­ha­ber im obe­ren Erz­stift wei­ter für die ka­tho­li­sche Sei­te. Es ge­lang ihm, ge­gen die In­ter­es­sen Kur­triers die Reichs­un­mit­tel­bar­keit für sei­ne Graf­schaft durch­zu­set­zen. Mit dem To­de sei­nes Soh­nes, Graf Ernst von Isen­burg-Grenzau (1584-1664), der als Gou­ver­neur des spa­ni­schen Hee­res in Brüs­sel starb, er­losch 1664 das als Nie­der-Isen­burg be­zeich­ne­te Haus, des­sen Be­sitz als er­le­dig­tes Le­hen der Kur­fürs­ten­tü­mer Trier un­d Köln ein­be­hal­ten wur­de.

Literatur

De­cker, Klaus Pe­ter, Ar­ti­kel „Isen­burg", in: Le­xi­kon des Mit­tel­al­ters 5 (1991), Spal­ten 673-674.
Fa­bri­ci­us, Wil­helm, Er­läu­te­run­gen zum ge­schicht­li­chen At­las der Rhein­pro­vinz, Band 2: Die Kar­te von 1789, , Bonn 1898, Nach­druck Bonn 1965,  S. 159, 206, 217, 224, 226.
Gen­si­cke, Hell­muth, Die Her­ren und Gra­fen von Nie­der-Isen­burg, in: Ire­ne Fürs­tin von Isen­burg in Birstein / Ot­to Fried­rich Fürst zu Ysen­burg und Bü­din­gen in Bü­din­gen (Hg.), Isen­burg-Ysen­burg 963-1963. Zur Tau­send­jäh­ri­gen Ge­schich­te des Ge­schlechts, Ha­nau 1963, S. 22-25.
Gen­si­cke, Hell­muth, Die Her­ren und Gra­fen von Nie­der-Isen­burg im Diens­te für Kir­che und Reich, in: Ire­ne Fürs­tin von Isen­burg in Birstein / Ot­to Fried­rich Fürst zu Ysen­burg und Bü­din­gen in Bü­din­gen (Hg.), Isen­burg-Ysen­burg 963-1963. Zur Tau­send­jäh­ri­gen Ge­schich­te des Ge­schlechts, Ha­nau 1963, S. 84-87.
Gen­si­cke, Hell­muth, Lan­des­ge­schich­te des Wes­ter­wal­des, 2. er­gänz­ter Neu­druck, Wies­ba­den 1987.

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Grafschaft Nieder Isenburg, Ausschnitt aus der Karte 'Territorien im Rheinland 1789', Bonn 2010. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 
Zitationshinweis

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Ritzerfeld, Ulrich, Grafschaft Nieder-Isenburg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/grafschaft-nieder-isenburg/DE-2086/lido/57d1193ede8631.53367789 (abgerufen am 22.07.2019)