Rheinischer Städteatlas Dollendorf. Teil 3: Herrschaft und Gemeinde

Herrschaft und Gemeinde

Peter Neu (Bitburg)

Dollendorf und Umgebung 1808/10, im Verhältnis 1 : 10000, Ausschnitte der Blätter 129 Blankenheim (1808/09), 130 Aremberg (1808/09), 142 Hillesheim (1808/09) und 143 Nohn (1808/09) der topographischen Aufnahme der Rheinlande im Verhältnis 1 : 25000 durch Tranchot und v. Müffling 1803-1820. (Landesvermessungsamt NRW)

3. 1 Grundherrschaft

Grund­herr im Tal ist 1537 der Herr von Dol­len­dorf (STAK 29 E 39). Die 1168/90 er­wähn­ten Er­wer­bun­gen des Köl­ner Erz­bi­schofs  Phil­ipp von Heins­berg in Dol­len­dorp (I 3) dürf­ten in dem cur­tis prin­ci­pa­lis ge­nannt se­del­hof des Jah­res 1302 zu su­chen sein (REK III 3897). Die­se cur­tis lag wahr­schein­lich im Dorf Dol­len­dorf. Die cur­tis des Bon­ner Cas­si­us­stif­tes in Dol­len­dorf ist in Dol­len­dorf bei Bonn zu su­chen. Im Dorf Dol­len­dorf be­sitzt der Herr von Mir­bach 1518 ei­nen Hof (Mir­bach, Ge­schich­te des Ge­schlech­tes Mir­bach III, 1, Teil A, S. 349), 1550 wird ein Hof der Fa­mi­lie von Her­sel in Dol­len­dorf er­wähnt (HSTAD, Fa­mi­li­en­ar­chiv Her­sel Akt 4). 1696 im Dorf ein herr­schaft­li­cher Hof und drei Mann­lehns­hö­fe des Herrn von Dol­len­dorf er­wähnt (STAK 29 E Akt 114)

3. 1 Gerichtsherrschaft

1469 al­lei­ni­ger Ge­richts­herr im Tal ist der Herr von Dol­len­dorf (STAK 29 E 32). 1469 Hoch­ge­richt ge­nannt (eb­da.), 1537 schul­t­heß und gantz ge­richt (STAK 29 E 39 – J. Be­cker, Ge­schich­te der Pfar­rei­en des De­ka­na­tes Blan­ken­heim, S. 490), 1578 sie­ben Schöf­fen be­zeugt (STAK 29 E Akt 119). Bei dem Tod ei­nes Schöf­fen wer­den 1742 vom ge­richt drei vor­ge­schla­gen, und dar­auß der Herr von Dol­len­dorf ei­nen zum sche­fen an­ge­nom­men und be­ay­di­get wor­den (eb­da. Akt 110)
 
Lehns­ver­hält­nis für Burg und Tal seit 1201 (STAK 15 Akt 810, Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung aus dem 16. Jahr­hun­dert) zu Lu­xem­burg, seit 1278 kur­k­öl­ni­sche Lehns­rech­te über das ca­s­trum (I 5). 1307 sol­len Schieds­rich­ter über die Lehns­zu­ge­hö­rig­keit des feo­dum in Dol­len­dorf zwi­schen Köln und Lu­xem­burg ent­schei­den (Wam­pach VII 1095), seit 1338 Jü­li­cher Of­fen­haus und Aft­er­le­hen (NrhUB III 335), 1344 an Jü­lich ver­pfän­det (HSTAD Jü­lich 177). 1553 Strei­tig­kei­ten, ob Jü­lich, Köln oder Lu­xem­burg Lehns­herr sei (HSTAD JB Le­hen Akt 39 – STAK 15 Akt 810)
 
Die Her­ren von Dol­len­dorf ster­ben Mit­te des 15. Jahr­hun­derts im Man­nes­stamm aus, ihr Er­be fällt nach­ein­an­der an die Her­ren von Bran­den­burg, die Her­ren von Fins­ti­gen und an die Her­ren von Ha­ra­court. Nach 1536 ge­mein­sa­mer Be­sitz der Gra­fen von Bor­ke­loe, von Salm und von Man­der­scheid–Kail, seit ca. 1550 al­lei­ni­ger Be­sitz der Her­ren von Man­der­scheid-Kail; 1742–1795 im Be­sitz der Gra­fen von Man­der­scheid-Blan­ken­heim (STAK 29 E Find­buch)

3. 1 Amtsträger und Bedienstete

1341 ein Burg­mann (HSTAD JB Le­hen Akt 39, Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung aus dem 16. Jahr­hun­dert)  
1344 Burch­man­ne und Schef­fe­ne (eb­da.)  
1395 drei ge­nann­te Burg­man­nen (STAK 29 E 21)  
1469 Amt­mann (STAK 29 E 32)  
1534 Scholt­hiß (eb­da. 37)  
1606 Le­hen­schult­heiß (eb­da. 39)  
1618 Burg­per­so­nal: ein Rent­meis­ter, ein Haus­knecht, ein Bo­te, ein Turm­wäch­ter, zwei Mäg­de, ein Schwei­ne­hirt (eb­da. Akt 124)  
1653 Hof­meis­ter (PfaD 21)  
1742 Ober­amt­mann (STAK 29 E Akt 110)  
1794 ein Se­kre­tär, ein Kanz­lei­die­ner (eb­da. Akt 113)

3. 1 Weistümer

1537 Weis­tum (STAK 29 E 39; Teil­druck: Fah­ne, Ge­schich­te der Gra­fen I, S. 60 f)
1551 Schöf­fen­weis­tum der Herrsch. D (STAK 29 E 39)
1606 Weis­tum (eb­da.; Teil­druck: Be­cker, Ge­schich­te der Pfar­rei­en des De­ka­na­tes Blan­ken­heim, S. 490 f)
1729 Schöf­fen­weis­tum zu D (STAK 29 E 39)

3. 2 Markt

Auf St. Jo­hann (24. Ju­ni) für 1537 Kirch­weih mit zwei­tä­gi­gem Jahr­markt be­zeugt (Fah­ne, Ge­schich­te der Gra­fen I, S. 61). 1794 bit­tet der Päch­ter des Stand­gel­des um Nach­lass, weil we­gen des Krie­ges so we­ni­ges Vie­he aufm marck ge­trie­ben (STAK 29 E Akt 113). 1846 ein Kram- und Vieh­markt (RhVjbl. 35, 1971, S. 295). 1850 wer­den Pfer­de und Rin­der zu Dol­len­dorf auf­ge­trie­ben. Es hei­ßt, dass der Markt bes­ser be­sucht sei als der Markt zu Blan­ken­heim (STAK 403 Akt 11627); 1877 als Kram- und Vieh­markt am zwei­ten Diens­tag im Ok­to­ber. Markt bis (1880). Der Markt wur­de in der Neu­zeit im Dorf Dol­len­dorf ab­ge­hal­ten, ver­mut­lich auch dort schon im 16. Jahr­hun­dert

3. 2 Akzise

1742 Die Po­ta­sche gibt kei­nen Ze­hen­den pfen­nig, son­dern ac­cins, si­mi­li­ter we­gen der brand­weinßke­ßeln (STAK 29 E Akt 110)
1745 Herr­schaft­li­che Ak­zi­sen in Dol­len­dorf be­tra­gen zwei Gold­gul­den, 16 Al­bus (eb­da. Akt 112)

3. 3 Stadtrechtsverleihung nicht überliefert

1537 In dem Dahl ist die frey­heit, daß man kei­nen Läm­mer noch fer­kel Zehn­den gibt (STAK 29 E 39 – Be­cker, Ge­schich­te der Pfar­rei­en des De­ka­na­tes Blan­ken­heim, S. 491). Je­der Pfer­de­be­sit­zer in Dol­len­dorf muss zu den vier Hoch­zei­ten je ei­nen Wa­gen Holz zur Burg fah­ren, bei Burg­bau muss mit Pferd und Op­pern ge­front wer­den, bei Kalk­bren­nen muss das Holz für den Herrn ge­fah­ren wer­den (eb­da.)
1606 Eß weis­set der Lehn­mann dem Herrn den Thall frey son­dern schlau und Reif­fen zu. Der Lehn­man er­kent auch, daß der Thal so frey seyn soll, daß dahn ei­ner weh­re, der schuldt oder sons­ten dar­in zu for­dern, aber er muß kein Stuck auß der Frey­heit hoh­len (eb­da.)
1720 Die Tal­be­woh­ner sind von dem Wächt­er­ha­bern be­freit (STAK 29 E Akt 111)
1727 Die Thä­ler und Hüt­te­ner müs­sen, waß zum Maltz und bier bra­wen ge­hö­rig, auf die Burg lie­fern (eb­da.). Im sel­ben Jahr be­ru­fen sich die Be­woh­ner des Dor­fes Dol­len­dorf ge­gen­über dem Herrn von Dol­len­dorf auf ge­wis­se Pri­vi­le­gi­en, die aber nicht nä­her de­tail­liert wer­den. Sie be­an­spru­chen die Pri­vi­le­gi­en als Be­woh­ner von Dol­len­dorf, wel­ches sich ein Reichs­dorff schrei­bet (eb­da.)
1736 Ein­woh­ner des Ta­les blei­ben von Bey­fahr­ten des herr­schaft­li­chen Brand­hol­zes wie von al­ters be­frey­et. Je­doch müs­sen sie mit den Dorf­be­woh­nern in den Bey­fahr­ten deß Mists in den herr­schaft­li­chen Gar­ten con­cur­rie­ren (eb­da. Akt 112)
1742 Die Ein­woh­ner des Dor­fes Dol­len­dorf be­an­tra­gen beim Herrn von Dol­len­dorf Vor­rech­te: sie wol­len kein Brand­holz mehr fah­ren, kei­nen Wächt­er­ha­fer mehr lie­fern, kei­ne Bo­ten­gän­ge mehr leis­ten. Über den Er­folg des An­tra­ges ist nichts be­kannt (eb­da.)
1743 Die Un­ter­ta­nen der Ge­mein­de Dol­len­dorf müs­sen den herr­schaft­li­chen Acker pflü­gen, sie er­hal­ten bei der Ar­beit Ver­pfle­gung (eb­da.)
1745 Die Un­ter­ta­nen der Ge­mein­de Dol­len­dorf ste­hen Wa­che an der Schloss­pfor­ten. Sie müs­sen den Wein von der Mo­sel her­an­fah­ren (eb­da.)
1758/59 Tal­be­woh­ner sind be­freit von der Rauch­huhn­ab­ga­be (eb­da. Akt 125). Der Lehn­mann im Thal muss an den Burg­herrn we­gen ei­nes Lehn­pfer­des ei­nen Geld­be­trag zah­len, des­glei­chen muss er ei­ne Mo­sel­fahrt oder ei­ne köl­ni­sche (Fahrt) in Na­tu­ra leis­ten (eb­da.)
1787 Die ge­mein­heit­hen Dol­len­dorf lö­sen al­le fröh­nun­gen ahn hie­si­gem schloß mit Geld­zah­lung ab (von Croy – Ar­chiv Dül­men, Abtl. Man­der­scheid Kis­te 6 Akt II 6h)

3. 4 Stadtgericht

1469 byn­nent dem Ho­ge­richt und Heir­schafft van Dol­len­dorf (STAK 29 E 32)
1537 Schul­t­heß und gantz ge­richt um­schrei­ben den Be­zirk des Hoich­ge­recht. Der Be­zirk stimmt mit den bis 1969 gül­ti­gen Ge­mein­de­gren­zen über­ein (STAK 29 E 39)

3. 5 Schöffen- und Stadtsiegel (Beschreibung)

1577 Schult­heiß und sechs Schöf­fen sie­geln mit Schöf­fen­amts­sie­gel (PfaD 2)
1759 fünf ge­nann­te ge­waldt Schef­fen sie­geln mit dem Dol­len­dor­fi­schen ge­richts Si­gel (HSTAD RKG Akt 613, M. N. 1665)
 
Schöf­fen­sie­gel von 1759 stark be­schä­digt. Er­kenn­bar der Fuß ei­nes Ad­lers (?). Rest ei­ner Um­schrift: ... CHT .. .SIE .... .LDER (eb­da.)

3. 6 Gemeinde, Bürgermeister, Rat

Im Jah­re 1606 wer­den Dorff, Dahl und Hütt (als) ein ge­mein be­zeich­net, die ei­nen weith­gang ha­ben (STAK 29 E 39). Ei­ne Tren­nung der drei Sied­lungs­ker­ne ist nie er­folgt

1575 Die ge­mein­de Dol­len­dorf hat das Recht, die be­heul­zung zu hau­wen im Kam­mer­forst (STAK 29 E Akt 119)
1578 ge­mein­de Schef­fen (eb­da.)
1693 Bei Grenz­streit mit der Nach­bar­ge­mein­de Wies­baum be­ge­hen die Ge­mein­de­schöf­fen ge­mein­sam den strit­ti­gen Grenz­ab­schnitt, oh­ne sich über Grenz­ver­lauf ei­ni­gen zu kön­nen (eb­da. Akt 120)
1734 ein Bür­ger­meis­ter (PfaD 32)
1742 ein Ge­mein Fors­ter und Feld­schut­zen, da­ne­ben ge­nannt ein herr­schaft­li­cher Förs­ter (STAK 29 E Akt 110)
1742 zwei Bür­ger­meis­ter (eb­da. Akt 112)
1787 die ge­mein­heit­hen Dol­len­dorf (von Croy – Ar­chiv Dül­men, Abtl. Man­der­scheid Kis­te 6 Akt II 6h)
1864 ein Ge­mein­de­vor­ste­her und sechs Ge­mein­de­rats­mit­glie­der (Rei­nick, Aa­chen I, S. 94)

3. 7 Bruderschaften an der Pfarrkirche im Dorf Dollendorf

1609 Bru­der­schaft vom hl. Jo­han­nes Bap­tist (Be­cker, Ge­schich­te der Pfar­rei­en des De­ka­na­tes Blan­ken­heim, S. 482)
1664 Bru­der­schaft Je­su, Ma­riae, Jo­an­nis, S. Jo­se­phi (PfaD Akt A 2)
1682 Mit der 1664 ge­nann­ten Bru­der­schaft ver­bun­den das geist­li­che Bünd­nis zur Ab­wen­dung der fünf Haupt­übel der Men­schen (Be­cker, Ge­schich­te der Pfar­rei­en des De­ka­na­tes Blan­ken­heim, S. 482)
1719 Bru­der­schaft von der christ­li­chen Leh­re sub ti­tu­lo Je­su, Ma­riae et Joh. Bapt. (HaEK Vi­sit. Dec. Eifl. 1719)
1893 Bru­der­schaft St. Mi­cha­el (Be­cker, Ge­schich­te der Pfar­rei­en des De­ka­na­tes Blan­ken­heim, S. 482)
1908 Ma­ria­ni­sche Kon­gre­ga­ti­on für Jung­frau­en (PfaD Akt 39a)

3. 8 Wehrwesen (Schützen)

1606 ein Rit­ter­le­hen im Tal soll je­der­zeith ge­rüst seyn mit ei­nem Pferd und Har­nisch, um dem Herrn von Dol­len­dorf zu Noth zu Dienst zu kom­men; fer­ner sol­len die _Le­hen­mann im Thall da fern es sach weh­re, daß eß die Noth er­for­dern thät_e, dass das Haus Dol­len­dorf be­ängs­ti­get, uff seyn bey Nacht und Tag und auffs Haus ge­hen, da­selbst be­wah­ren helf­fen (STAK 29 E 39). Wer sich die­ser Ver­pflich­tung ent­zieht, ver­liert sein Le­hen (eb­da.). Das Grei­nen Er­be im Dorf Dol­len­dorf: das­selb soll auch dem Her­ren mit Pferdt und Har­nisch 6 Wo­chen und 3 Tag auf sein selbsten Kös­ten zu Noth die­nen (eb­da.)
1742 zehn Mann Be­sat­zung aus Dol­len­dorf auf Schloss Dol­len­dorf (Fah­ne, Ge­schich­te der Gra­fen I, S. 60)

3. 9 Stellung im Territorium

1302 Dol­len­dorf in Ey­f­lia (REK III 3897)
1382 landt van Dol­len­dorf (HSTAD JB Le­hen Akt 39, Ko­pi­ale Über­lie­fe­rung aus dem 16. Jahr­hun­dert)
 
Bis 1794 Vor­ort der Herr­schaft Dol­len­dorf, Ver­wal­tung von der Burg aus, dort auch Rent­meis­te­rei, 1797–1798 im pro­vi­so­ri­schen Ar­ron­dis­se­ment Köln

1798 De­par­te­ment de la Sar­re, Ar­ron­dis­se­ment Prüm, Kan­ton Blan­ken­heim, Mai­rie Dol­len­dorf
1816 Bür­ger­meis­te­rei (mit neun Wohn­plät­zen 1828) Dol­len­dorf, bis 1818 Kreis Blan­ken­heim, seit 
1818 Kreis Ge­münd, seit 1828 Kreis Schlei­den, seit 1971 Kreis Eus­kir­chen; bis 1972 Re­gie­rungs­be­zirk Aa­chen, seit­dem Re­gie­rungs­be­zirk Köln
** 1934** Auf­lö­sung der Bür­ger­meis­te­rei Dol­len­dorf, Ein­glie­de­rung in die Bür­ger­meis­te­rei Blan­ken­heim, 1969 in Gro­ß­ge­mein­de Blan­ken­heim (I 7)

Zitationshinweis

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Neu, Peter, Rheinischer Städteatlas Dollendorf. Teil 3: Herrschaft und Gemeinde, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-dollendorf.-teil-3-herrschaft-und-gemeinde/DE-2086/lido/5ed64d5314e5c8.92864306 (abgerufen am 12.06.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 01.10.2025, zuletzt geändert am 02.10.2025

Auch über Rheinischer Städteatlas Dollendorf, bearbeitet von Peter Neu (Lfg. III, Nr. 17, 1976)