Zu den Kapiteln
3. 1 Grundherrschaft
Grundherr im Tal ist 1537 der Herr von Dollendorf (STAK 29 E 39). Die 1168/90 erwähnten Erwerbungen des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg in Dollendorp (I 3) dürften in dem curtis principalis genannt sedelhof des Jahres 1302 zu suchen sein (REK III 3897). Diese curtis lag wahrscheinlich im Dorf Dollendorf. Die curtis des Bonner Cassiusstiftes in Dollendorf ist in Dollendorf bei Bonn zu suchen. Im Dorf Dollendorf besitzt der Herr von Mirbach 1518 einen Hof (Mirbach, Geschichte des Geschlechtes Mirbach III, 1, Teil A, S. 349), 1550 wird ein Hof der Familie von Hersel in Dollendorf erwähnt (HSTAD, Familienarchiv Hersel Akt 4). 1696 im Dorf ein herrschaftlicher Hof und drei Mannlehnshöfe des Herrn von Dollendorf erwähnt (STAK 29 E Akt 114)
3. 1 Gerichtsherrschaft
1469 alleiniger Gerichtsherr im Tal ist der Herr von Dollendorf (STAK 29 E 32). 1469 Hochgericht genannt (ebda.), 1537 schultheß und gantz gericht (STAK 29 E 39 – J. Becker, Geschichte der Pfarreien des Dekanates Blankenheim, S. 490), 1578 sieben Schöffen bezeugt (STAK 29 E Akt 119). Bei dem Tod eines Schöffen werden 1742 vom gericht drei vorgeschlagen, und darauß der Herr von Dollendorf einen zum schefen angenommen und beaydiget worden (ebda. Akt 110)
Lehnsverhältnis für Burg und Tal seit 1201 (STAK 15 Akt 810, Kopiale Überlieferung aus dem 16. Jahrhundert) zu Luxemburg, seit 1278 kurkölnische Lehnsrechte über das castrum (I 5). 1307 sollen Schiedsrichter über die Lehnszugehörigkeit des feodum in Dollendorf zwischen Köln und Luxemburg entscheiden (Wampach VII 1095), seit 1338 Jülicher Offenhaus und Afterlehen (NrhUB III 335), 1344 an Jülich verpfändet (HSTAD Jülich 177). 1553 Streitigkeiten, ob Jülich, Köln oder Luxemburg Lehnsherr sei (HSTAD JB Lehen Akt 39 – STAK 15 Akt 810)
Die Herren von Dollendorf sterben Mitte des 15. Jahrhunderts im Mannesstamm aus, ihr Erbe fällt nacheinander an die Herren von Brandenburg, die Herren von Finstigen und an die Herren von Haracourt. Nach 1536 gemeinsamer Besitz der Grafen von Borkeloe, von Salm und von Manderscheid–Kail, seit ca. 1550 alleiniger Besitz der Herren von Manderscheid-Kail; 1742–1795 im Besitz der Grafen von Manderscheid-Blankenheim (STAK 29 E Findbuch)
3. 1 Amtsträger und Bedienstete
1341 ein Burgmann (HSTAD JB Lehen Akt 39, Kopiale Überlieferung aus dem 16. Jahrhundert)
1344 Burchmanne und Scheffene (ebda.)
1395 drei genannte Burgmannen (STAK 29 E 21)
1469 Amtmann (STAK 29 E 32)
1534 Scholthiß (ebda. 37)
1606 Lehenschultheiß (ebda. 39)
1618 Burgpersonal: ein Rentmeister, ein Hausknecht, ein Bote, ein Turmwächter, zwei Mägde, ein Schweinehirt (ebda. Akt 124)
1653 Hofmeister (PfaD 21)
1742 Oberamtmann (STAK 29 E Akt 110)
1794 ein Sekretär, ein Kanzleidiener (ebda. Akt 113)
3. 1 Weistümer
1537 Weistum (STAK 29 E 39; Teildruck: Fahne, Geschichte der Grafen I, S. 60 f)
1551 Schöffenweistum der Herrsch. D (STAK 29 E 39)
1606 Weistum (ebda.; Teildruck: Becker, Geschichte der Pfarreien des Dekanates Blankenheim, S. 490 f)
1729 Schöffenweistum zu D (STAK 29 E 39)
3. 2 Markt
Auf St. Johann (24. Juni) für 1537 Kirchweih mit zweitägigem Jahrmarkt bezeugt (Fahne, Geschichte der Grafen I, S. 61). 1794 bittet der Pächter des Standgeldes um Nachlass, weil wegen des Krieges so weniges Viehe aufm marck getrieben (STAK 29 E Akt 113). 1846 ein Kram- und Viehmarkt (RhVjbl. 35, 1971, S. 295). 1850 werden Pferde und Rinder zu Dollendorf aufgetrieben. Es heißt, dass der Markt besser besucht sei als der Markt zu Blankenheim (STAK 403 Akt 11627); 1877 als Kram- und Viehmarkt am zweiten Dienstag im Oktober. Markt bis (1880). Der Markt wurde in der Neuzeit im Dorf Dollendorf abgehalten, vermutlich auch dort schon im 16. Jahrhundert
3. 2 Akzise
1742 Die Potasche gibt keinen Zehenden pfennig, sondern accins, similiter wegen der brandweinßkeßeln (STAK 29 E Akt 110)
1745 Herrschaftliche Akzisen in Dollendorf betragen zwei Goldgulden, 16 Albus (ebda. Akt 112)
3. 3 Stadtrechtsverleihung nicht überliefert
1537 In dem Dahl ist die freyheit, daß man keinen Lämmer noch ferkel Zehnden gibt (STAK 29 E 39 – Becker, Geschichte der Pfarreien des Dekanates Blankenheim, S. 491). Jeder Pferdebesitzer in Dollendorf muss zu den vier Hochzeiten je einen Wagen Holz zur Burg fahren, bei Burgbau muss mit Pferd und Oppern gefront werden, bei Kalkbrennen muss das Holz für den Herrn gefahren werden (ebda.)
1606 Eß weisset der Lehnmann dem Herrn den Thall frey sondern schlau und Reiffen zu. Der Lehnman erkent auch, daß der Thal so frey seyn soll, daß dahn einer wehre, der schuldt oder sonsten darin zu fordern, aber er muß kein Stuck auß der Freyheit hohlen (ebda.)
1720 Die Talbewohner sind von dem Wächterhabern befreit (STAK 29 E Akt 111)
1727 Die Thäler und Hüttener müssen, waß zum Maltz und bier brawen gehörig, auf die Burg liefern (ebda.). Im selben Jahr berufen sich die Bewohner des Dorfes Dollendorf gegenüber dem Herrn von Dollendorf auf gewisse Privilegien, die aber nicht näher detailliert werden. Sie beanspruchen die Privilegien als Bewohner von Dollendorf, welches sich ein Reichsdorff schreibet (ebda.)
1736 Einwohner des Tales bleiben von Beyfahrten des herrschaftlichen Brandholzes wie von alters befreyet. Jedoch müssen sie mit den Dorfbewohnern in den Beyfahrten deß Mists in den herrschaftlichen Garten concurrieren (ebda. Akt 112)
1742 Die Einwohner des Dorfes Dollendorf beantragen beim Herrn von Dollendorf Vorrechte: sie wollen kein Brandholz mehr fahren, keinen Wächterhafer mehr liefern, keine Botengänge mehr leisten. Über den Erfolg des Antrages ist nichts bekannt (ebda.)
1743 Die Untertanen der Gemeinde Dollendorf müssen den herrschaftlichen Acker pflügen, sie erhalten bei der Arbeit Verpflegung (ebda.)
1745 Die Untertanen der Gemeinde Dollendorf stehen Wache an der Schlosspforten. Sie müssen den Wein von der Mosel heranfahren (ebda.)
1758/59 Talbewohner sind befreit von der Rauchhuhnabgabe (ebda. Akt 125). Der Lehnmann im Thal muss an den Burgherrn wegen eines Lehnpferdes einen Geldbetrag zahlen, desgleichen muss er eine Moselfahrt oder eine kölnische (Fahrt) in Natura leisten (ebda.)
1787 Die gemeinheithen Dollendorf lösen alle fröhnungen ahn hiesigem schloß mit Geldzahlung ab (von Croy – Archiv Dülmen, Abtl. Manderscheid Kiste 6 Akt II 6h)
3. 4 Stadtgericht
1469 bynnent dem Hogericht und Heirschafft van Dollendorf (STAK 29 E 32)
1537 Schultheß und gantz gericht umschreiben den Bezirk des Hoichgerecht. Der Bezirk stimmt mit den bis 1969 gültigen Gemeindegrenzen überein (STAK 29 E 39)
3. 5 Schöffen- und Stadtsiegel (Beschreibung)
1577 Schultheiß und sechs Schöffen siegeln mit Schöffenamtssiegel (PfaD 2)
1759 fünf genannte gewaldt Scheffen siegeln mit dem Dollendorfischen gerichts Sigel (HSTAD RKG Akt 613, M. N. 1665)
Schöffensiegel von 1759 stark beschädigt. Erkennbar der Fuß eines Adlers (?). Rest einer Umschrift: ... CHT .. .SIE .... .LDER (ebda.)
3. 6 Gemeinde, Bürgermeister, Rat
Im Jahre 1606 werden Dorff, Dahl und Hütt (als) ein gemein bezeichnet, die einen weithgang haben (STAK 29 E 39). Eine Trennung der drei Siedlungskerne ist nie erfolgt
1575 Die gemeinde Dollendorf hat das Recht, die beheulzung zu hauwen im Kammerforst (STAK 29 E Akt 119)
1578 gemeinde Scheffen (ebda.)
1693 Bei Grenzstreit mit der Nachbargemeinde Wiesbaum begehen die Gemeindeschöffen gemeinsam den strittigen Grenzabschnitt, ohne sich über Grenzverlauf einigen zu können (ebda. Akt 120)
1734 ein Bürgermeister (PfaD 32)
1742 ein Gemein Forster und Feldschutzen, daneben genannt ein herrschaftlicher Förster (STAK 29 E Akt 110)
1742 zwei Bürgermeister (ebda. Akt 112)
1787 die gemeinheithen Dollendorf (von Croy – Archiv Dülmen, Abtl. Manderscheid Kiste 6 Akt II 6h)
1864 ein Gemeindevorsteher und sechs Gemeinderatsmitglieder (Reinick, Aachen I, S. 94)
3. 7 Bruderschaften an der Pfarrkirche im Dorf Dollendorf
1609 Bruderschaft vom hl. Johannes Baptist (Becker, Geschichte der Pfarreien des Dekanates Blankenheim, S. 482)
1664 Bruderschaft Jesu, Mariae, Joannis, S. Josephi (PfaD Akt A 2)
1682 Mit der 1664 genannten Bruderschaft verbunden das geistliche Bündnis zur Abwendung der fünf Hauptübel der Menschen (Becker, Geschichte der Pfarreien des Dekanates Blankenheim, S. 482)
1719 Bruderschaft von der christlichen Lehre sub titulo Jesu, Mariae et Joh. Bapt. (HaEK Visit. Dec. Eifl. 1719)
1893 Bruderschaft St. Michael (Becker, Geschichte der Pfarreien des Dekanates Blankenheim, S. 482)
1908 Marianische Kongregation für Jungfrauen (PfaD Akt 39a)
3. 8 Wehrwesen (Schützen)
1606 ein Ritterlehen im Tal soll jederzeith gerüst seyn mit einem Pferd und Harnisch, um dem Herrn von Dollendorf zu Noth zu Dienst zu kommen; ferner sollen die _Lehenmann im Thall da fern es sach wehre, daß eß die Noth erfordern thät_e, dass das Haus Dollendorf beängstiget, uff seyn bey Nacht und Tag und auffs Haus gehen, daselbst bewahren helffen (STAK 29 E 39). Wer sich dieser Verpflichtung entzieht, verliert sein Lehen (ebda.). Das Greinen Erbe im Dorf Dollendorf: dasselb soll auch dem Herren mit Pferdt und Harnisch 6 Wochen und 3 Tag auf sein selbsten Kösten zu Noth dienen (ebda.)
1742 zehn Mann Besatzung aus Dollendorf auf Schloss Dollendorf (Fahne, Geschichte der Grafen I, S. 60)
3. 9 Stellung im Territorium
1302 Dollendorf in Eyflia (REK III 3897)
1382 landt van Dollendorf (HSTAD JB Lehen Akt 39, Kopiale Überlieferung aus dem 16. Jahrhundert)
Bis 1794 Vorort der Herrschaft Dollendorf, Verwaltung von der Burg aus, dort auch Rentmeisterei, 1797–1798 im provisorischen Arrondissement Köln
1798 Departement de la Sarre, Arrondissement Prüm, Kanton Blankenheim, Mairie Dollendorf
1816 Bürgermeisterei (mit neun Wohnplätzen 1828) Dollendorf, bis 1818 Kreis Blankenheim, seit
1818 Kreis Gemünd, seit 1828 Kreis Schleiden, seit 1971 Kreis Euskirchen; bis 1972 Regierungsbezirk Aachen, seitdem Regierungsbezirk Köln
** 1934** Auflösung der Bürgermeisterei Dollendorf, Eingliederung in die Bürgermeisterei Blankenheim, 1969 in Großgemeinde Blankenheim (I 7)
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Neu, Peter, Rheinischer Städteatlas Dollendorf. Teil 3: Herrschaft und Gemeinde, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-dollendorf.-teil-3-herrschaft-und-gemeinde/DE-2086/lido/5ed64d5314e5c8.92864306 (abgerufen am 12.06.2026)
Veröffentlicht am 01.10.2025, zuletzt geändert am 02.10.2025