Rheinischer Städteatlas Dollendorf. Teil 5: Wirtschafts- und Sozialstruktur

Wirtschafts- und Sozialstruktur

Peter Neu (Bitburg)

Grundrissvergleich des Dorfes Dollendorf nach der Urkarte von 1823 und 1860 im Verhältnis 1 : 2.500. (Kreisverwaltung Euskirchen)

5. 1 Einwohnerzahlen (und Häuser)

1682 61 Fa­mi­li­en­vor­stän­de na­ment­lich ge­nannt (STAK 29 E Akt 123)
1687 80 Häu­ser in der Pfar­rei (IV 10)
1719 83 Häu­ser in der Pfar­rei (IV 10)
1769 und 1777 85 Häu­ser in der Herr­schaft Dol­len­dorf lie­fern Rauch­hüh­ner (STAK 29 E Akt 128)
1787 In den ge­mein­heit­hen Dol­len­dorf wer­den 54 Haus­vor­stän­de ge­nannt (von Croy – Ar­chiv Dül­men, Abtl. Man­der­scheid Kis­te 6 Akt II 6h)
1798 520 Ein­woh­ner in Dorf, Tal, Schloss und Müh­le

5. 2 Agrarwirtschaft

1537 Je­der Be­woh­ner von Dol­len­dorf darf Kü­he, Schwei­ne, Pfer­de und Scha­fe hal­ten so­viel, alß er ge­zie­hen kan wie von al­ters. Dorf und Tal sind ein­wei­digh. Sie dür­fen ih­re Her­den wei­den las­sen bis an den Burg­turm (STAK 29 E 39)
1873 513 Rind­vieh, 677 Scha­fe, 138 Schwei­ne, 27 Pfer­de, 40 Zie­gen (Vieh­zäh­lung III, S. 76; An­ga­ben hier und in der Fol­ge stets auf Dorf und Tal Dol­len­dorf be­zo­gen)
1885 Von 1820 ha Land sind 708 Acker­land, 102 Wie­sen und 630 Hol­zun­gen (Kra Schlei­den Akt 051–25)
1934 Von 400 Ein­woh­nern ge­hö­ren 320 dem Reichs­nähr­stand an, Dol­len­dorf soll als Bau­ern­dorf de­kla­riert wer­den (eb­da. Akt 711–00)
1938 749 Rind­vieh, 253 Schwei­ne, zehn Pfer­de, 254 Scha­fe, 44 Zie­gen (eb­da. Akt 051–25)
1948 752 Rind­vieh, 194 Schwei­ne, acht Pfer­de, 128 Scha­fe, elf Zie­gen (eb­da.)

5. 3 Bergbau

Ei­sen­erz­ta­ge­bau am west­li­chen Hang des Gal­gen­ta­les ca. 1,5 km nord­west­lich der Kir­che Dol­len­dorf und im Forst Ober­busch auf der Nord­sei­te der Stahl­ho­fer Sei­fen ca. 2,0 km süd­öst­lich der Kir­che Dol­len­dorf (Lan­des­mu­se­um Bonn, Orts­ak­te Dol­len­dorf; Jans­sen, Wüs­tungs­fra­ge). Es sind un­da­tier­te Berg­bau­kom­ple­xe. (1810) jähr­li­che Aus­beu­te von 2000 Dop­pel­zent­nern, zwei Ar­bei­ter be­schäf­tigt, Ge­halt des Er­zes 28 % (Cal­me­let, De­scrip­ti­on géo­lo­gi­que, mi­ne­ra­lo­gi­que et sta­tis­tique, S. 21)
 
Hüt­ten­werk im Orts­teil Ahr­hüt­te

1537 uff der hüt­ten. Bei Ei­sen­hand­cl muss das Ge­wicht wie zu La­mers­dorf üb­lich be­nutzt wer­den (STAK 29 E 39)
1569 Jo­han uf der hut­ten lie­fert an den Herrn von Dol­len­dorf jähr­lich ein Fyrd­eill Is­serß (STAK 29 E 45)
1769/70 Der Herr von Dol­len­dorf er­hält jähr­li­che Ein­nah­me von den Hüt­ten Meis­ter auff der ar­hut­ten 5809 Pfund Ei­sen (STAK 29 E Akt 127)
1836 Jähr­li­che Pro­duk­ti­on an Sta­bei­sen 4500 Zent­ner und an Roh­ei­sen 8000 Zent­ner (HK 1968, S. 152)
(1850) Werk wird still­ge­legt (Ei­fel­ka­len­der 1928, S. 57)

5. 4 Gewerbe und Industrie

5. 4 Mühle

Bann­müh­le des Her­ren von Dol­len­dorf an der Ahr
 
1536 moe­len un­der Dol­len­dorf (STAK 29 E 40)
1569 bei der nederßer mul­len (eb­da. 45)
1789 Mahl- und Öl­müh­le (eb­da. Akt 133)

5. 4 Waldwirtschaft

1742 Her­stel­lung von Holz­koh­le und Pot­ta­sche (STAK 29 E Akt 110, 113)
1794 ein Köh­ler im ge­mei­nen büsch (eb­da. Akt 113)

5. 4 Gewerbe

(1480) Schmied (AHVN 139, 1941, S. 22); 1606 im Tal Dol­len­dorf ein Schrei­ner, ein Mül­ler, ein Kes­se­ler (STAK 29 E 39); 1630 ein Schnei­der (PfaD 16); 1758 und 1777 drei Brannt­wein­bren­ner (STAK 29 E Akt 110); 1789 ein Mau­rer (eb­da. Akt 133); 1794 zwei Wir­te (STAK 29 E Akt 113); (1810) zwölf Ar­bei­ter im Ei­sen­erz­ta­ge­bau; (1850) al­le Hand­wer­ker (ins­be­son­de­re Schlos­ser, Mau­rer, We­ber) trei­ben im Ne­ben­er­werb Acker­bau (Kal­ten­bach, Aa­chen, S. 477); 1834 ein Brannt­wein­bren­ne­rei, ge­winnt jähr­lich – meist aus Kar­tof­feln – 1560 Quart Schnaps (Kra Schlei­den Akt 728–19)

1939 von 363 männ­li­chen Ein­woh­nern = 152 Selb­stän­di­ge, 73 mit­hel­fen­de Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge, sechs Be­am­te, 13 An­ge­stell­te, 107 Ar­bei­ter, zwölf selb­stän­di­ge Be­rufs­lo­se. Da­von tä­tig in Land­wirt­schaft 203, In­dus­trie und Hand­werk 107, Han­del und Ver­kehr 25, öf­fent­li­che Diens­te 15, häus­li­che Diens­te ei­ner, selb­stän­di­ge Be­rufs­lo­se zwölf (eb­da. Akt 051–10)

1970 wa­ren in Dol­len­dorf von ins­ge­samt 737 Ein­woh­nern 276 Er­werbs­tä­ti­ge (= 37,4 %), da­von 54 Land- und Forst­wirt­schaft, 129 pro­du­zie­ren­des Ge­wer­be, 36 Han­del und Ver­kehr so­wie 57 sons­ti­ge; Ver­gleichs­zah­len für Schlo­ß­thal: 36, 9 (= 25,0 %), ei­ner, fünf, drei

5. 5 Handel und wirtschaftliche Gesamtentwicklung

1629 Ein­kauf von Bier aus Müns­ter­ei­fel, Aus­fuhr von Ei­sen nach dort (STAK 29 E Akt 116). Der Herr von Dol­len­dorf lässt Schu­he in Müns­ter­ei­fel an­fer­ti­gen (eb­da. Akt 124)
1724 Holz­koh­le aus Ge­rol­stein für Ahr­hüt­te (STAK 56 Akt 752)
1742 Koh­len aus dem Dol­len­dor­fer Wald für Ei­ser­fey (eb­da. Akt 110)
1758/59 Burg Dol­len­dorf lie­fert Ei­sen nach Ge­rol­stein und kauft Nä­gel in Hil­le­s­heim (eb­da. Akt 125)
1769/70 Burg Dol­len­dorf kauft Kalk in Wal­lers­heim und ei­nen Back­ofen in May­en (eb­da. Akt. 128)
1776 Burg Dol­len­dorf ver­kauft Korn nach Stadt­kyll (eb­da.)
1777/78 Burg Dol­len­dorf ver­kauft Spelz nach Dorf Dol­len­dorf, Stadt­kyll, Reuth; Ha­fer nach Jün­kerath, Stadt­kyll, Bir­gel, Bet­tin­gen, Reuth, Stef­feln, Ge­rol­stein, Bas­berg, Hün­gers­dorf, Dorf Dol­len­dorf; Ein­kauf von Nä­geln in Schlei­den (eb­da.)
1779 Burg Dol­len­dorf kauft Nä­gel in Blan­ken­heim, Kalk in Bü­des­heim (eb­da. Akt 127)
1779/80 Burg Dol­len­dorf ver­kauft Spelz nach Rohr, Stadt­kyll, Lis­sen­dorf, Eich, Len­rath, Bir­gel, Salm, Ge­rol­stein, Bas­berg, Reuth, Dorf Dol­len­dorf (eb­da. Akt 129). Ver­kauf von Ha­fer nach Dup­pach, Bet­tin­gen, Bir­gel, Reuth, Salm, Schön­feld, Lis­sen­dorf, Wems, Gön­ners­dorf, Malme­dy, Stadt­kyll, Feus­dorf, Non­nen­dorf, Bein­hau­sen; Ver­kauf von Korn nach Dorf Dol­len­dorf, Stadt­kyll, Rohr, Bir­gel, Udel­ho­fen (eb­da. Akt 130)
1789/90 Burg Dol­len­dorf kauft Kalk in Blan­ken­heim, Müh­len­stei­ne in Nie­der­men­dig, Ei­sen in Jün­kerath, ver­kauft Spelz nach Dorf Dol­len­dorf, Blan­ken­hei­mer­dorf, Stadt­kyll, Bir­gel, Schön­feld, Nie­der­bet­tin­gen, Ka­len­born, Bü­scheich, Roth, Malme­dy, Kro­nen­burg, Ar­dorf, Dah­lem; Ver­kauf von Ha­fer nach Dorf Dol­len­dorf, Roth, Wal­dorf, Blan­ken­hei­mer­dorf, Weis­me, Dah­lem, Kro­nen­burg, Rohr, Malme­dy, Stadt­kyll, Esch, Mar­ma­gen, Eis­sen­dorf und Hel­len­thal (eb­da. Akt 132 u. 133)
(1835) Aus­fuhr von Ei­sen aus Ahr­hüt­te in den Raum Lüt­tich (Wey­den, Das Ahr­tal, S. 130)

5. 6 Maße und Gewichte

Weis­tum von 1537 schreibt vor: Für die Ma­ße an Brot, Fleisch, But­ter, Fett, Öl, Holz und Woll­we­ber­wa­ren gel­ten die Ma­ße von Müns­ter­ei­fel, für Wein gilt das Hil­le­s­hei­mer Maß, für Ei­sen das La­mers­dor­fer Maß. Lein­we­ber: 2 col­nisch pinth vur 1 we­bers pinth. Wol­le und Frucht: wie von al­ters ge­prauch­lich (STAK 29 E 39)

1577 Dol­len­dor­fer Maß (= Frucht­maß) (PfaD 2)
1758 Dol­len­dor­fer Frucht­maß; 1 Mal­ter = 10 Faß, 1 Faß = 8 Pin­ten oder 4 Hauf­fen (STAK 29 E Akt 125)
1761 10 Faß Dol­len­dor­fer Maß ma­chen in Blancken­hei­mer Maß 9 Faß 4 und 13/177 Pin­ten (eb­da. Akt 126)

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Tabelle 2 Einwohner- und Häuserzahlen Dollendorf, 1817-1970. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 
Zitationshinweis

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Neu, Peter, Rheinischer Städteatlas Dollendorf. Teil 5: Wirtschafts- und Sozialstruktur, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-dollendorf.-teil-5-wirtschafts--und-sozialstruktur/DE-2086/lido/5ed64dd23b3d51.33270543 (abgerufen am 12.06.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 02.10.2025

Auch über Rheinischer Städteatlas Dollendorf, bearbeitet von Peter Neu (Lfg. III, Nr. 17, 1976)