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2. 2 Siedlungsentwicklung, Befestigung, Stadtbrände
Die römische Besiedlung endete Mitte des 3. Jahrhunderts, worauf eine Verweidung und Wiederbewaldung begann (I 2; Stadtgesch. Mönchengladbach I, S. 274). Erst ab dem 7./8. Jh. lässt sich aufgrund der Ortsnamen auf -hoven (1170 Nyderhouen = Niederhoven, UB Gladbach 53; 1311 Bultinchove = Beltinghoven, ebd. 166; 1315 Onderenhouen = Hoven, ebd. 188; um 1300 Vdinchoven = Uedding, Münsterarch Hs 2a Dezember 12) eine Neubesiedlung annehmen. Für diese kleinen Streusiedlungen und Einzelhöfe wird als Seelsorgezentrum die Kirche auf dem sogenannten Abteiberg errichtet worden sein, die nach der Gründungsgeschichte der Abtei aus dem 11. Jahrhundert zur Zeit Karls des Großen entstanden sein soll (Petry, Gründungsgesch., S. 58 f). Trotz der erzählerischen Ausschmückungen - der Gründer der Kirche soll ein bislang nicht identifizierter comes Baldericus gewesen sein - ist die Glaubwürdigkeit dieser Mitteilung durch die Aufdeckung eines (900) belegten Gräberfeldes südlich der heutigen Pfarrkirche erhärtet worden. Es ist anzunehmen, dass der Verfasser der Gründungsgeschichte mit der Erwähnung Karls des Großen nur eine ungefähre Zeitangabe machen wollte. (954) soll nach der Gründungsgeschichte die Kirche auf dem Berg von den Ungarn zerstört worden sein, doch habe sie eine Siedlung umgeben (habitationes), deren Ruinen ebenso wie die der Kirche noch verdeckt zu sehen gewesen seien. Da Erzbischof Gero von Köln bei seiner Ankunft in Gladbach 974 von älteren Leuten über den Kirchengründer Balderich unterrichtet wurde (fertur ab antiquioribus), wird die Siedlung wohl nicht gänzlich verlassen gewesen sein, mindestens lebten in ihrem Umkreis noch Menschen. Auch der Fund der wertvollen Reliquien des heiligen Vitus in Gladbach, dem Patron der Sachsen, zu dessen Stamm Gero zählte, lässt eher darauf schließen, dass der Ort nicht völlig zerstört gewesen ist. Von der Kirche müssen ferner mehr als nur Ruinen vorhanden gewesen sein, weil Gero sonst 974 das Kloster an ihrer Stelle errichtet hätte und nicht auf dem tiefer gelegenen Sporn am Abfall der Hauptterasse (Stadtgesch. Mönchengladbach I, S. 44-48).
Da die Seelsorge unabhängig von der Abtei weiter bestanden hat, wofür die große Selbständigkeit der Pfarre bis zur Inkorporation 1243 (IV 1) und die Anlage eines eigenen Pfarrhofes (Wimerhof, vgl. Tafel 1, Grundriss) im Bereich des Sallandes jenseits des großen Weihers (III 1 Grundherrschaft) spricht, ist ein Indiz dafür, dass die Zerstörung von Kirche und Ort durch dichterische Phantasie übertrieben worden ist. Die Kirche war die Urzelle einer schon bestehenden Siedlung, die spätestens im 12. Jahrhundert, als der Abt nördlich der Kirche planmäßig einen Markt anlegte und dort Handwerker und Gewerbetreibende ansiedelte (II 5 Plätze; III 2 Markt; V 4; V 5), weiterentwickelt wurde. Vor der Kirche ließ sich die Siedlung schon deshalb ausbauen, weil dort ein Brunnen das nötige Wasser lieferte. Da das Gelände nach Osten, Süden und Westen abschüssig war, eignete es sich nicht für die Anlage größerer Felder. Dafür erhielten die Marktbesiedler nördlich der Ortslage eigenes Gemeindeland, das Marktfeld (1455 marthfeldt, UB Gladbach 455) oder den Borban (Beschreibung 16. Jahrhundert, ebd. 573).
Am Fuße des sogenannten Abteibergs lagen umfangreiche Weiher, die schon die Gründungsgeschichte erwähnt (S. 60 f). Diese, das sumpfige Gelände (Speick = stehende Gewässer), der sie durchfließende Gladbach und der steile Hang machten hier eine Siedlungsanlage im Anschluss an die Abtei unmöglich (vgl. Tafel 1, Grundriss). Die Abtei nutzte das Gelände jenseits der Weiher, um dort das Salland des Fronhofs anzulegen (Juickland, III 1 Grundherrschaft); es entstand durch Rodung vermutlich seit dem 10. Jahrhundert Rodungsnamen (1225 de Alrode = Ohler, UB Gladbach 71; 1478 Bokesraide, in Bettenraide = Bettrath, HSTAD Abtei G 215, Regest UB Gladbach 493; 1326 Kakelrode in Venn, ebd. 240; 1456 Haemeraide = Hamern, ebd. 442; 1334 Masenrode in Hoven, ebd. 272), Waldnamen (Hardt, Hehn, Holt, Sittard, Rusforst, Vorst u. a.) und die Siedlungsnamen auf -hausen (1170 Bechusen, ebd. 23 = Knopshof; Waldhausen) weisen auf einen großen inneren Ausbau bis Ende des 12. Jahrhunderts hin, insbesondere in Richtung Osten und Westen, ausgehend von der mittelalterlichen Ortslage. Dann begann die Abtei, Höfe in Rasseln zu kaufen (ebd. 53 = 1170, ebd. 55 = 1172) und den Kammerforst bei Hehn als Nutzwald zur Verfügung zu stellen (ebd. 67 = 1215) und damit die Rodung einzustellen.
Vor der Stadtwerdung setzte bereits die Abgrenzung des Ortskerns durch Gräben und Schlagbäume ein, die Anfang des 14. Jahrhunderts belegt ist: 1309 finis ville (ebd. 202), 1347 prope fossatas ville, valva <Schlagbaum> in vico judeorum (ebd. 302). Auch außerhalb des Ortskerns ist 1312 ein Schlagbaum in Lürrip nachweisbar (valva dicitur vulgariter pucdor, ebd. 171; Stadtgesch. Mönchengladbach I, S. 365). Nach der mutmaßlichen Stadterhebung 1364/66 (III 3) wurde aus der die den Ort umgebende emunitas aus Palisaden und dichten Hecken (UB Gladbach 326 = 1366) bis 1388, als Gladbach forteresse genannt wird (I 4), eine steinerne Mauer, die die Bürger zu unterhalten hatten (UB Gladbach 356 = 1397). Mit der Anlage der Steinmauer wird die Stadterweiterung nach Nordosten jenseits der Neustraße, die 1476 erstmals auftaucht (II 5 Straßen), erfolgt sein, vermutlich unter Einbeziehung des jüdischen Viertels, das nach 1349 aufgegeben worden sein wird (IV 8), wobei die Bezeichnung Judenstraße erhalten blieb (II 5 Straßen).
Mit der Errichtung der Backsteinmauer im Süden unterhalb des sogenannten Abteibergs, die wegen des Sumpfgeländes vermutlich nicht vor dem 15. Jahrhundert anzusetzen ist, konnte erst jetzt hier eine Besiedlung erfolgen, weil nun mit der Mauer ein Schutz vor dem Hochwasser gegeben war. Aus dem 15. Jahrhundert stammen auch die Erstbelege für die 3 Stadttore (II 3); die Türme sind erst im 16. Jahrhundert bezeugt, aber sicher älter (II 4). Unabhängig von dem System der Stadtbefestigung mit Wall und Graben war die Abschließung des Abteibezirks mit Immunitätsmauern, in die die Pfarrkirche nicht einbezogen wurde (vgl. Tafel 1, Grundriss).
Der Ausbau bzw. Unterhalt der Stadtbefestigung wurde 1488 durch ein Akziseprivileg Herzog Wilhelms von Jülich-Berg gefördert (III 2 Akzise; III 3). 1514 verkaufte die Stadt eine Rente für eine Summe, die zum städtischen Notbau - womit die Mauer gemeint sein dürfte - verwandt worden war (UB Gladbach 587). 1588 musste die Mauer im Bereich des Weihertors erneuert werden (ebd. 801). 1589 zeigt ein Bericht des Gladbacher Amtmanns den schlechten Zustand des gesamten Mauerrings (ebd. 804, 805), worauf die Stadt 1590 von Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg die Erlaubnis erhielt, die Akzise zum Zwecke der Mauerrepartur zu erhöhen (III 2 Akzise; III 3).
Im 18. Jahrhundert wurde die Stadtmauer östlich des Münsters und der Abteigebäude teilweise abgerissen und nach Osten so verlagert, dass sie den Abteigarten mitumfasste (Noever, Nachtrag, S. 95-104 = 1769). Der Weiher und die Bleichen im Süden/Südwesten der Stadt, die bis 1802 im Besitz der Abtei blieben (Klompen, S. 171), bildeten einen natürlichen Schutz. Doch wurde das Weihertor mit einem Außenwerk versehen. Weniger sicher waren das Markttor im Norden und das Judentor im Osten, die ebenfalls mit Vortoren und Mauern verstärkt waren, die im 17. Jahrhundert Hamei oder Halmey genannt wurden (Noever, Nachtrag, S. 30, 43, 45). Zusätzlich war die Stadt durch ein Wall- und Grabensystem geschützt, das Anfang des 19. Jahrhunderts noch teilweise mit Wasser gefüllt war.
Durch die starke Verdichtung der Bebauung im Ortskern entstanden schmale tiefe Parzellen mit Hausfronten von durchschnittlich 6 m auf der Ostseite und 8 m auf der Westseite des Marktes. Mit der Errichtung des Kapuzinerklosters in der Nordost-Ecke der ummauerten Stadt im 17. Jahrhundert (IV 5) war das Marktplateau fast gänzlich bebaut. Unbebaut blieb nur der Westhang der Stadtanlage bis zum abteilichen Gasthaus, der noch Anfang des 19. Jahrhunderts als Garten genutzt wurde (StaMG 1 b 1 Bd. 14; vgl. dazu insges. Tafel 1, Grundriss; Tafel 3, Stadtplan 1863).
Neben der Ummauerung des Stadtkerns waren die Grenzen des Kirchspiels nach Norden durch eine Landwehr gesichert, die aber im 18. Jahrhundert gänzlich auf Viersener Gebiet verlief (UB Gladbach 1044; Pieper, S. 123 f). Auch zwischen dem Kirchspiel Gladbach und Rheydt im Süden war eine Landwehr angelegt worden, die in Rheydter Quellen des 16. Jahrhunderts beschrieben wird und ebenfalls nur teilweise die Grenze zwischen dem Kirchspiel Gladbach und der Unterherrschaft Rheydt markierte (Stadtgesch. Mönchengladbach I, S. 401; Pieper, S. 126). Südlich von Hehn und Hardt verlief eine weitere Landwehr, die das Kirchspiel von dem zum Amt Brüggen gehörenden Landgebiet von Rheindahlen abgrenzte (ebd., S. 124, 129).
Hardt dokumentierte seine Sonderstellung (eigene Schöffen, III 1 Gerichtsherrschaft) und schließlich weitgehend eigene Pfarre (IV 1) auch dadurch, dass es rundum von Landwehren umgeben war. Im Norden verliefen 2 parallele Landwehren (eine äußere und eine innere), was damit zusammenhängen mag, dass die äußere wegen der auf Dülkener Gebiet liegenden Siedlungen Schomm und Tillerhöfe schwer zu verteidigen war (Pieper, S. 127 f). Eine genaue Datierung der Anlage aller dieser Landwehren, von denen Teile bis heute intakt sind und aus denen sich der Verlauf rekonstruieren lässt, ist nicht möglich. Ein erster Hinweis auf eine Landwehr stammt von 1172, als das allodium Rakhesleide quod dicitur ad fossam erwähnt wird und mit dem Kühlenhof bei Rasseln zu identifizieren ist (UB Gladbach 55). Ein weiterer Hinweis von 1438 bezieht sich auf Winkeln (ebd. 409; zu Hinweisen des 16. Jahrhunderts vgl. ebd. 573, 591, 624, 688, 826) Die Siedlungen im Kirchspiel waren bis auf Hardt und Hehn (Waldhufendörfer) sowie Venn (Angerdorf) Haufendörfer ohne ausgeprägte Struktur.
Siedlungsentwicklung seit dem 19. Jahrhundert
Anfang des 19. Jahrhunderts wird durch den Abriss der Stadttore und von Teilen der Stadtmauer (ab 1809, StaMG 1c/529; vgl. Tafel 1, Grundriss v. 1812/13, der den Mauerring und die Grundrisse der Türme noch zeigt; geringe Reste der Mauern und der Tore sind erhalten) bewusst die Möglichkeit eröffnet, die Bebauung entlang der Ausfallstraßen nach Viersen im Norden, Waldhausen mit Anschluss an die Straße und Aachen im Nordwesten, Krefeld im Osten und Rheydt im Südosten auszudehnen und die Wälle zu bebauen. Dabei konnte im Südosten der Ausbau an die Bebauung in Speick anknüpfen. Dort entstand mit der 1839/40 errichteten Appreturanstalt auch das erste größere Fabrikgebäude (Emsbach, S. 54; StaMG 16/50-4). Es lag am Gladbach, um aus ihm Wasser zu entnehmen und in ihn Abwässer einleiten zu können. Ähnliches gilt auch für die errichtete Gladbacher Actiendruckerei südlich von der Appreturanstalt, die mit dieser 1857 fusionierte (Kosche, S. 160 f). Auch die Färberei Brinck hatte wegen der Abhängigkeit vom Wasser einen Standort im Bereich der ehemaligen Abteibleiche gewählt, trotz des Protests der Bleicher und Brauer 1823 (StaMG 16/50-2). Diese Färberei wurde aber erst (1860) zu einem größeren Betrieb ausgebaut. Innerhalb des ehemaligen Mauerrings lag nur ein großer Industriebetrieb, die 1853 gegründete Spinnerei und Weberei von Anton Lamberts Christians Sohn am Westhang des Abteibergs (Kosche, S. 151).
Das erste Großunternehmen, die Gladbacher Aktienspinnerei und -weberei, erbaut ab 1855, wählte einen Standort mehr als 2 km außerhalb des alten Stadtkerns, um sich dort in unmittelbarer Nähe der Gleise der Märkischen Eisenbahn ungehindert ausdehnen zu können (ebd., S. 152-154).
Die Anfang des 19. Jahrhunderts geschaffenen Ausbaumöglichkeiten nach Öffnung des Mauerrings wurden nach und nach genutzt, und so entstanden bis (1860) neue Häuser an der Viersener Straße (heute Sandradstraße) bis zur heutigen Überführung der Hermann-Piecq-Anlage, an der Krefelder Straße (heute Hindenburgstraße, südlicher Teil) bis zur heutigen Albertusstraße, an der Wallstraße (Überbauung des Walls) und an der unteren Stepgesstraße.
1863 beschloss die Stadtverordnetenversammlung nach längeren Vorarbeiten einen Bauplan, der eine Stadterweiterung mit Gitterstruktur vor allem nach Osten, aber auch nach Norden und Westen vorsah, ohne auf die topographischen Gegebenheiten und bestehenden Parzellierungen zu achten (vgl. Tafel 3, Stadtplan 1863).
Mönchengladbach und Umgebung 1805-07, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 42 Viersen (1805/06) und 49 Dahlen (1806/07) der Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling 1803-1828, aufgenommen von Ing.-Geograph M. Maissiat. (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen/ Nr. 268/96)
Entwicklungsachse war die Königsstraße (heute Bismarckstraße), die auf den projektierten Königsplatz (heute Bismarckplatz) und den 1862 fertiggestellten Bahnhof der Bergisch-Märkischen Bahn in nordsüdlichen Richtung zulief. Der Plan diente als Vorgabe für die jeweiligen Fluchtlinienpläne und umfasste etwa zwei Drittel des damaligen Stadtgebiets. Ihm folgte die Stadtplanung mit Einschränkungen bis zur Jahrhundertwende. Sein Ziel war es, eine Straßenbreite von durchschnittlich 15 m (grundsätzlich unter Verzicht von Vorgärten) und die Anlage größerer Blocks von durchschnittlich 900 m² zu schaffen. Er bildete die Voraussetzung für eine Wohnbebauung vor allem im Osten. Eine Ausnahme machte die heutige Hindenburgstraße, die vor der Jahrhundertwende zur Einkaufsstraße wurde und schon damals Ansätze zu einer Citybildung zeigte (Geschäfte 1891: 21 Kurzwaren, 11 Konfektion, 10 Tabak, 8 Putzmacher, 7 Hut, 6 Papier, 5 Galanterie, 3 Porzellan, 3 Fahrrad, 2 Teppich; 1899 erstes Warenhaus). Auf den Plan von 1863 ging auch die Verbreiterung einiger Straßen im alten Stadtkern zurück (Neustraße, Marktstieg, Waldhausener Straße).
Nach der Jahrhundertwende wurde der Plan von 1863 nicht mehr fortgeschrieben. Stattdessen folgte die Planung nun einem leichten Kurvensystem, das bestehende Bausubstanz schonte und oft alte Feldwege ausbaute (Rosendahl, S. 218). Durch den Verlauf der Rhein. Eisenbahn seit 1877 mit ihrem Bogen vom Bökel im Norden nach Speick im Südwesten wurde die Ausdehnung der Stadt vor allem nach Nordwesten, wo noch Freiflächen waren, erheblich behindert. Auch im Osten grenzten der Verlauf der Bergisch-Märkischen Bahn und ihr großes Bahngebäude die Stadt ein. Dadurch wurde hier ebenfalls die Ausdehnung behindert, jedoch wegen der Bahnübergänge nicht so nachdrücklich wie im Norden, so dass die Ortschaften Hermges und Pesch integriert werden konnten. Bei Speick war dies erst möglich, als ab 1880 die Weiher teilweise zugeschüttet, die Bleichen am Gladbach aufgegeben und die Lüpertzenderstraße durchgelegt wurde. Wegen der Einschnürung durch die Bahnkörper wurden vor der Jahrhundertwende der nordöstlich Ausbau (Eicken) verstärkt und u. a. die heutige obere Aachener-, die Waldhausener- und die Gasthaus- und Heinrichstraße ausgebaut. Außerdem bewirkten die Ausbauhemmnisse eine stärkere Zunahme der Bebauung in den kleineren Ortschaften Speick, Pesch, Hardterbroich und Lürrip (vgl. Tafel 2, Neuaufnahme 1892/93; Tafel 4, Stadtplan 1903).
Erst durch die Verlegung der Rhein. Bahn bis 1909, die Hochlegung des Bahnkörpers der Bergisch-Märkischen Bahn 1908 nebst Neubau eines Bahnhofs an der unteren Hindenburgstraße 1909 wurden die Entwicklungsbarrieren aufgehoben. Nun wuchs die Stadt in der Zeit bis nach dem Ersten Weltkrieg im Norden über die Hermann-Piecq-Anlage - die ehemalige Trasse der Rheinischen Bahn, zur Grünanlage umgestaltet - hinaus und wurde im Südosten in Richtung Volksgarten bebaut (Löhr, S. 21 f).
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wohnten einige Gladbacher Handwerker noch im sogenannten Zweifensterhaus (ca. 5 m breit und 6 m tief). Wegen der großen Enge entstand aber schon Anfang des 18. Jahrhunderts das Dreifensterhaus, in dem 2 Webstühle aufgestellt werden konnten. Als ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Handweber zu Fabrikarbeitern wurden, dienten die ehemaligen Webräume als Wohnungen. Durch die starke Zuwanderung auswärtiger Arbeiter seit den 1870er Jahren herrschte Wohnungsnot, die dazu führte, dass die einfachen Weberhäuser vor allem durch Anbauten erweitert wurden (Becker, S. 145-149). 1869 entstand die Gladbacher Aktienbaugesellschaft, die großzügigere Häuser für Arbeiter errichtete und im Jahr der Gründung mit dem Bau von acht Wohnungen im Bereich Eikener Höhe und im Pescher Feld begann. Im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens wurden jährlich durchschnittlich 27 Häuser gebaut. In den 90er Jahren wurden auch Mietwohnungen errichtet. Um die Jahrhundertwende lebte etwa ein Viertel (ca. 4700 Personen) der Arbeiterbevölkerung in Häusern der Gesellschaft, 1914 war es etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung.
Im Gegensatz zu den Straßen, die vom Zentrum aus zur Peripherie gingen und ab 1863 geschlossen bebaut wurden, wurden die Arbeitersiedlungen aufgelockert angelegt (Doppelhäuser mit Garten). Vorbild war das englische Cottage-System. Die Aktienbaugesellschaft entwickelte verschiedene Musterhaustypen (Beispiel: Eickener Höhe 1870-75, Flurstraße 1891-1901, Lürriper Straße 1896-1900). Sie trugen dazu bei, die Stadt vor öden Mietskasernen zu bewahren (Becker, S. 76, 151-153; Rosendahl, S. 234; Löhr, S. 24; Kosche, S. 191-196). Ihre Siedlungen waren über die ganze Stadt verstreut (Reyerhütter Straße, Ernst-Brasse-Straße, Grevenbroicher Straße, Speicker Höhe, Waldhausener Höhe), so dass keine eigentlichen Arbeiterviertel entstanden.
Eine bevorzugte Wohngegend für Fabrikanten waren bis in die 1880er Jahre die mittlere (heutige) Hindenburgstraße, bis nach der Jahrhundertwende die Nordseite der Regentenstraße und (1900) die Mozart-, Beethoven-, Rubens-, Hohenzollern- und die heutige Bismarckstraße (Rosendahl, S. 233; Diekamp, S. 92-98; vgl. Tafel 4, Stadtplan 1903). Hier wurden auch öffentliche Gebäude errichtet wie das Kreisständehaus (1886/87) auf der Regentenstraße gegenüber der Einmündung der Hermannstraße (heute zerstört), die Kaiser-Friedrich-Halle von 1903 an der Verlängerung der heutigen Bismarckstraße, die Industrie- und Handelskammer von 1908 an der Ecke Regenten-, Bismarckstraße (ebd., S. 97-102) und das Landgericht von 1912 an der heutigen Hohenzollernstraße. Als Wahrzeichen dieser Nordstadt war die Kaiser-Friedrich-Halle auf einer kleinen Anhöhe am Bökel errichtet worden, auf die die Königsstraße (heute Bismarckstraße) in nördlicher Richtung wie eine Magistrale zulief. Sie war als Kontrapunkt zu Münster und Abtei geplant.
Topographische Karte Mönchengladbach 1844, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 4704 Viersen und 4804 Mönchengladbach der Preußischen Kartenaufnahme 1836-50 (Uraufnahme). (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen/ Nr. 268/96)
Während die Altstadt von Industrieanlagen weitgehend frei blieb, entstanden überall Mischzonen von Wohn- und Industriebebauung, wobei die Webereien und Spinnereien über das ganze Stadtgebiet zerstreut lagen. Doch bildeten sich (1880/1900) Schwerpunkte der Textilindustrie aus: Eickener-, Pescher- und Lürriperstraße, im Bereich der heutigen Aachener- und Burggrafenstraße, im Bereich Flieth-, Rheydter Straße entlang der Eisenbahnlinie der Bergisch-Märkischen Eisenbahn nach Rheydt. Dort konzentrierten sich ferner Firmen der Metallbranche.
Durch den Zusammenschluss mit Gladbach-Land 1921 (I 7) konnte großräumiger geplant, Dahl und Waldhausen einbezogen werden, wo bisher nur wenig vorausschauende Planung erkennbar geworden war. Während in Dahl nur eine größere Textilfirma 1912 angesiedelt worden war, bildete Waldhausen ein weiteres industrielles Zentrum der neuen Stadt. Hier spielte vor allem der Bahnhof Speick, der außerhalb der Stadt gelegen hatte, eine wichtige Rolle. Dort entstanden ab 1885 Firmen der Metallindustrie und (1920) mehrere Textilwerke (Waldhausener Höhe) (Kosche, S. 263-266). Außerdem konzentrierten sich im Bereich Wehner-, Rudolf-, Waldhausener Straße ab 1890 Werke der Textilindustrie. Dabei wurde u. a. das Gelände des ehemaligen Karmannshofs (III 1 Grundherrschaft) überbaut (Kosche, S. 259). In Neuwerk waren neben der Baumwollspinnerei in der Broichmühle (V 4) ab der Jahrhundertwende mehrere Textilwerke entstanden, die sich an der Ausfallstraße nach Krefeld orientierten (Kosche, S. 227-231). Ähnliches gilt für die 1889 nach Rheindahlen verlegte Kleiderfabrik Müller und Hager und die 1906 dort erbaute Spinnerei Dilthey, die sowohl die Bahnlinie Gladbach-Dalheim wie die Ausfallstraße Gladbach-Aachen nutzen konnten (Löhr, S. 48; Kosche, S. 298-300).
Erklärtes Ziel der Stadtverwaltung war es, nach den Eingemeindungen durch eine städtische Bodenpolitik in den Grundstücksmarkt einzugreifen und durch Grunderwerb den Wohnungsbau zu verstärken. Bis 1923 gelang es, 448 Wohnungen neu zu erstellen (VB 1921-25, S. 73). Neben der Aktien-Bau-Gesellschaft, von der die Stadtverwaltung Wohnungen übernahm, begann sie in eigener Verantwortung mit der Errichtung von Wohnungen. In der Zeit bis 1925 entstanden u. a. Neubauten an der unteren Regenten-, Schwogen-, Süd- und Viersener Straße, am Wasserturm sowie sog. Reichsneubauten vor allem an der Kyffhäuserstraße. Außerdem wurde der Bahnhofsvorplatz 1922 umgestaltet (ebd., S. 71-76, 84 f).
Typisch für die Stadtentwicklung in der Weimarer Zeit sind die zahlreichen Siedlungen in Randlage: 1926 Lauterkamp in Lürrip (VB 1926, S. 20), ab 1927 Neuwerk-Engelbleck (VB 1927, S. 26 f), 1927 Uedding (VB 1928, S. 35), 1929 Luisenhöhe (VB 1929/30, S. 93), 1932 Dorthausen-Sitterhof (VB 1932/33, S. 71). In der NS-Zeit wurde diese Siedlungspolitik fortgesetzt (Dahlener Heide, Hardt, Neersbroich) und sogenannte Volkswohnungen ebenfalls außerhalb des Zentrums errichtet (Lürrip, Hehnerholt). Ferner wurden baufällige Häuser innerhalb der mittelalterl. Ortslage (Weiher-, Kapuzinerstraße) und die ehemalige Weberei von Anton Lamberts Christians Sohn unterhalb der Abtei auf der Gasthausstraße als letzte Fabrik im Ortskern abgerissen. 1936/37 verschwand die Fabrik Peltzer und Droste neben der Kaiser-Friedrich-Halle. Das freigewordene Gelände wurde in die Parkanlagen um die Halle einbezogen (Bunter Garten).
Ab 1941 wurden im Stadtgebiet mehrere Bunker errichtet. Für den noch erhaltenen, aber überbauten Bunker am heutigen Kapuzinerplatz wurde der ehemalige Pferdemarkt um das Gelände des dortigen Schulgebäudes zu einer Platzanlage erweitert. Die Stadtmauer wich einem langgestreckten Stahlbetonbau, der nach außen als Markthalle mit Arkadengang erschien. Im Osten schloss sich ein Turm an, der als Treppenhaus diente und an der Stelle des ehemaligen mittelalterlichen Turms Mommersortt (II 4) erbaut wurde. Weitere Bunker in der Innenstadt entstanden an der Erzbergerstraße, am Hauptbahnhof und an der Vitusstraße. Im weiteren Stadtgebiet wurden neben fünfgeschossigen Hochbunkern mit turmartiger Verkleidung (Windberg, Neuwerk, Lürrip) auch sogenannte Standardbunker (Stahlbetonbauten mit rechteckigem Grundriss, Keller-, Erd- und ein oder zwei Obergeschossen) erbaut (Rheindahlen-Broich, Ohler u. a.). Sie sollten ebenfalls verkleidet werden, was nur in Ohler, wo der Schutzbau die Form eines niedersächsischen Hallenhauses annahm, realisiert wurde (Öffentl. Luftschutzbau in Mönchengladbach. In: Denkmalpflege im Rheinland 10, 1993, S. 163-171).
In sieben Großangriffen seit 1943 wurde die Stadt bis auf Hardt und Neuwerk stark zerstört. Beim Luftangriff vom 31. August 1943 waren die Rheydter-, Speicker-, Aachener-, Wall-, Regenten-, Hermann-, Yorck-, Steinmetz-, Albertus-, Lüpertzender-, und Viktoriastraße besonders betroffen. Das Münster und die Abtei brannten aus. Am 10. September 1944 war das Dreieck zwischen der Grenze nach Rheydt und den Eisenbahnlinien nach Köln sowie Hardterbroich, Pesch, Lürrip, Eicken, Waldhausen, Westend, Holt, Ohler und Dahl Ziel der Angriffe. Am 1. Februar 1945 wurde das Gebiet zwischen den Bahnlinien nach Düsseldorf und Rheydt bombardiert. Elf Fabriken wurden dabei teils völlig, teils stark zerstört. 1944/45 wurden etwa 600 Häuser durch die Luftangriffe unbewohnbar. Ende 1946 waren fast 16 000 Wohnungen so beschädigt, daß sie nicht bewohnbar waren. Der Wohnungsverlust betrug zu Kriegsende etwa 42 %.
Die Stadtplanung begann ab 1947 mit einer Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes, der Bismarck- und Hindenburgstraße, des Alten Marktes, des Abteibergs und des Geroplatzes. Durch den Leitplan von 1952 (mit Änderungen 1962/64), der die Flächennutzung für das gesamte Stadtgebiet festschrieb, wurde die Planung für den Innenstadtbereich konkretisiert. Der Alte Markt erhielt im Osten einheitliche Fluchtlinien. Im Bereich zwischen dem Luftschutzbunker und der evangelischen Kirche wurde ein neuer Markt geschaffen (Kapuzinerplatz; Abschluss des Platzes nach Nordosten 1983 durch Bau des Hauses Zoar). Die untere Gasthausstraße und die untere Weiherstraße blieben im Westen unbebaut und wurden in den Geropark einbezogen, an den das Gebäude des staatl. Mädchengymnasiums (heute Gymnasium am Geroweiher, vollendet 1956) angrenzte. Die Hindenburgstraße wurde ab 1952 auf 24 m erweitert und neu bebaut, ebenfalls die Bismarckstraße (Ostseite, endgültiger Abschluss 1993). Im Bereich Steinmetzstraße-Croonsallee und Hindenburgstraße entstand 1957-59 das neue Stadttheater, dem Hauptbahnhof wurde im Nordosten ab 1954 ein Omnibusbahnhof vorgelagert und der Vorplatz mit einem mehrstöckigen Bürogebäude (Haus Westland, 1956) abgeschlossen (vgl. Tafel 1, DGK).
Von Grund auf neugeordnet wurde der Stadtteil Pesch (Bereich Erzbergerstraße-Bahnlinie nach Rheydt, Volksgarten, Stadtgrenze nach Rheydt), wobei besonders auf ruhige Wohnstraßen durch Anlage von Verkehrssammelstraßen Wert gelegt wurde. Neue Wohngebiete mit ähnlicher Intention entstanden seit den 60er Jahren in Neuwerk und Hardt in der Nähe von Naherholungsgebieten, außerdem in Engelbleck, Lürrip, Waldhausen, Hehnerholt, Venn, Hamern, Windberg, Großheide u. a.
Industrie- und Gewerbeflächen wurden zur Aussiedlung der Betriebe aus den Wohngebieten ausgewiesen und nach und nach bis 1995 bebaut (Krefelder Straße - Willicher Damm, Neersbroich, Korschenbroicher-, Waldnieler-, Monschauer Straße, Rheindahlen zwischen Bahnlinie und Erkelenzer Straße). Ab 1970 wurde nach dem 1969 vom Rat der Stadt verabschiedeten Generalverkehrsplan das Straßennetz autobahnbezogen (Tangentensystem) grundlegend ausgebaut: Umbau der Kaldenkirchener Straße (L 570), Neubau mit Anschlussverbindungen der B 57 (Aachen-Krefeld), Umbau der Bismarck-, Hindenburg-, Erzberger- und Rheydter Straße, Umbau der Flieth- und Hittastraße (L 381), mittlerer Erschliessungsring zwischen Kaldenkirchener und Aachener Straße (Schürenweg, Marienburger Straße, Metzenweg, Nicodemstraße, Monschauer Straße), Neubau und Ausbau der Verbindung Viersener Straße, Croonsallee, Steinmetz- und Bismarckstraße, Ausbau der Korschenbroicher Straße, Verlängerung des mittleren Erschließungsrings nach Rheydt (noch nicht abgeschlossen), Ausbau der B 57 bis zum mittleren Erschließungsring und Westumgehung Rheindahlen (Abschluss 1995).
Topographische Karte Mönchengladbach 1892/93, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 4704 Viersen (1892) und 4804 Mönchengladbach (1893) der Preußischen Kartenaufnahme 1891-1912 (Neuaufnahme). (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen/ Nr. 268/96)
Durch die Sperrung der oberen Hindenburgstraße für den Autoverkehr 1973 wurde eine Erschließungsstraße (Verlängerung der Abteistraße) notwendig. 1975 wurden der Alte Markt und die obere Waldhausener Straße zum Fußgängerbereich. 1983 wurde die Fußgängerzone Hindenburgstraße bis zum Bahnhofsvorplatz erweitert. Weitere Fußgängerbereiche entstanden in Rheindahlen, Hardt und Eicken, das ab 1983 völlig neugestaltet und teilweise neu bebaut wurde (untere Eickener Straße-Thüringer Straße-Buschallee).
2. 2 Friedhöfe
1183 ist unter den Gladbacher Ministerialen Godescalcus de cimiterio (UB Gladbach 59)
1312 Zwei Häuser juxta cimiterium (ebd. 177), Lage unbekannt, vermutlich im Bereich der Kirche am Markt
1611 evangelischer Friedhof (IV 9)
1644 jüdischer Friedhof, 1841 neuer jüdischer Friedhof (IV 8)
1682 neuer katholischer Friedhof vor dem Judentor genannt (UB Gladbach 1008), lag im Bereich Fliescherberg, dort Friedhofskapelle (ebd. 1009; vgl. Tafel 1, Grundriss; Tafel 3, Stadtplan 1863)
1843 neuer katholischer Friedhof an der Bettrather Straße, 1866, 1869, 1878 erweitert 1854 neuer ev Friedhof an der Viersener Straße (Gemeindebuch, S. 71)
1879 städtischer Friedhof östlich vom katholischen Friedhof 1902 neuer städtischer Friedhof zwischen Stakelberg und Hetweg, 1927 erweitert
Die Abtei hatte einen eigenen Friedhof hinter dem Chor im Osten. In der Chorwand des Münsters ist ein Hagioskop (13. Jahrhundert) eingelassen, das der Aufstellung einer eigenen Totenleuchte dienen konnte (Clasen, S. 23 f).
1586 Münsterkirchhoff erwähnt (UB Gladbach 794), wo auch die Inhaber der vier Rittergüter begraben werden (ebd. 852)
2. 3 Stadtbrände, Belagerungen und sonstige Katastrophen
Die Auswirkungen der Stadtbrände Ende des 15. Jahrhunderts. (Stadtgesch. Mönchengladbach I, S. 381), 1596 (StaMG 18/52), 1626 (Noever, Nachtrag, S. 38) und 1642, bei dem 144 Häuser zwischen Neustraße und Markt, das Rathaus, das Markt- und Judentor abbrannten (Eckertz-Noever, S. 232 f), sind unbekannt. Zu den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs s. oben. Während des 30-Jährigen Krieges ist Gladbach im Dezember 1640 belagert worden, im September 1642 wurde die Stadt beschossen, die Bevölkerung floh aus der Stadt (G. Engelbert/H. Salm, Das Kriegsarchiv d. Kaiserl. Feldmarschalls Melchior v. Hatzfeldt <1593-1658>, 1993, S. 181, 80, 185).
2. 2 Tore
1456 Wyerportze (HSTAD Abtei G 193 = UB Gladbach 442 mit Wiierportze) = im 16. Jahrhundert auch Eicherpfortze genannt (Kop XVII, StaMG 1 b 1 S. 374) = 1812/13 Am Weyerthor (Tafel 1, Grundriß)
1466 Buchener pfortzen (Kop XVII, UB Gladbach 457) = 1470 Bo(e)kesportzen (ebd. 468) = 1589 Boickis oder Marderpfortzen (ebd. 804) = 1642 porta fori (Markttor) (ebd. 930, S. 366), lag am nördl. Stadtausgang in Richtung Viersen (vgl. Tafel 1, Grundriss)
1497 Judenpfortzen (Kop XVII, UB Gladbach 539) = 1594 Judden- oder Neusserpfortzen (ebd. 829), lag am östlichen Stadtausgang (vgl. Tafel 1, Grundriß)
2. 4 Türmes
1589 werden neun Türme erwähnt: Mommersortt, Hoppenthorn, torn [ohne Namen], Lo(a)uffenberg(h), Wyenntorn, Kompentorn, newen torn, der torn neben dem newen torn, außerdem ein wachttörngen (UB Gladbach 804)
Das Urkataster von 1812/13 (Tafel 1, Grundriss) zeigt die Situation nach der Verlagerung der Stadtmauer östlich des Münsters und der Abtei anlässlich der Anlage des Abteigartens (II 2). 1812/13 bestanden noch sieben runde, vier halbrunde und ein kleiner rechteckiger Turm (westlich des Weyertors). Erhalten sind heute Reste folgender Türme: Turm am Geroplatz, Dicker Turm an der Waldhausener Straße, der durch ein erhaltenes Stück der Stadtmauer mit dem Kleinen Turm verbunden ist, Wyenturm am Abteigarten, Bornefeldturm.
3. 5 Straßen intra muros
1347 in vico Judeorum prope valvam (UB Gladbach 302) = 1500 Judenstrasse (Kop XVII, ebd. 545) = 1812/13 Rue des Juifs und extra muros Grande Route à Créfeld (Tafel 1, Grundriss) = 1863 und 1903 Crefelder Straß(ss)e (Tafel 3 u. 4, Stadtpläne) = heute Hindenburgstraße (Tafel 1, DGK)
1456 onder den Eyken, am Fuß des Abteihügels (UB Gladbach 442) = 1812/13 und 1863 Unter den Eichen (Tafel 1, Grundriss; Tafel 3, Stadtplan) = 1903 und heute Weiherstraße (Tafel 4, Stadtplan; Tafel 1, DGK)
1476 Nierstraisse (UB Gladbach 490) = 1504 Newerstrasse (ebd. 555) = 1812/13 Rue Neuve (Tafel 1, Grundriss) = 1863 und 1903 (K)Capuziner Straße (Tafel 3 u. 4, Stadtpläne) = heute Kapuzinerstraße (Tafel 1, DGK)
1571 Stadtumbweg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 429) = 1585 Gemeiner Maurweg (Kop XVII, ebd. Bd. 2 S. 220) = 1812/13 Hinter der Mauer (Tafel 1, Grundriss) = 1863 Mauer Straße (noch als Teilstück) (Tafel 3, Stadtplan) = heute An der Stadtmauer (Tafel 1, DGK)
1572 binnen Gladbach langs die Stieg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 470) = 1812/13 In der Stiege (Tafel 1, Grundriss) = 1863 Stieg (Tafel 3, Stadtplan) = 1903 und heute Marktstieg (Tafel 4, Stadtplan; Tafel 1, DGK), s. auch nächster Beleg
1576 An der Quinkelen (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 677) = 1812/13 Rue Quinken (Tafel 1, Grundriss) = 1863 Quinken Straße (Tafel 3, Stadtplan) = heute Marktstieg (Tafel 1, DGK)
1586 Platz vor der Abdeyen, Stattsteinwegh so nach der Abdeyen gehet, Münsterkirchhoff und -berg, Duvenbergh (Kop XVII, UB Gladbach 794)
1591 Turnstraße (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 424) = 1903 Thurm Strasse (Tafel 4, Stadtplan) 1592 Ganßweg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 487), lag am Stadtwall
1594 Gasthauß Weg (Kop XVII, ebd. S. 541) = 1812/13 Gasthaus Hütte (Tafel 1, Grundriss) = 1863, 1903 und heute Gasthausstraße (Tafel 3 u. 4, Stadtpläne; Tafel 1, DKG)
1653 Fueßhütte (StaMG 1 b 1 Bd. 4 fol. 116r) = 1812/13 Fuchshütte (Tafel 1, Grundriss) = 1863 Teil der Straße Unter den Eichen (Tafel 3, Stadtplan), heute nicht mehr vorhanden
1812/13 Auf dem Sonnenberge (Tafel 1, Grundriss) = 1863 Auf dem Sonnenberg (Tafel 3, Stadtplan) = heute Teil der Weiherstraße (Tafel 1, DGK)
1812/13 Im gruenen Wald (Tafel 1, Grundriss) = 1863 im grünen Wald (Tafel 3, Stadtplan) = heute Teil der Gasthausstraße (Tafel 1, DGK)
1812/13 Auf dem Plan (Tafel 1, Grundriss) = 1863 Auf dem Ploen (Tafel 3, Stadtplan) = heute nicht mehr vorhanden
1812/13 Am Berge (Tafel 1, Grundriss) = 1863 und 1903 Abteistraße (Tafel 3 u. 4, Stadtpläne) = heute Abteibergstraße (Tafel 1, DGK)
1812/13 und 1863 Hirtzhütte (Tafel 1, Grundriss; Tafel 3, Stadtplan) = heute Teil der Waldhausener Straße (Tafel 1, DGK). 1596 bereits Hirtz Erbschafft erwähnt (Kop XVII, StaMG 1 b 1 S. 601)
3. 5 Straßen extra muros
1315 via qua itur de foro de Gladbach versus Bettenraide (Kop XVI, UB Gladbach 190; zur Richtung vgl. Tafel 2, Uraufnahme) = 1903 und heute Bettrather Straße (Tafel 3, Stadtplan)
1325 Weg von Gladbach nach Hardt (UB Gladbach 233)
1350 Wech tgheen die huve van Wyevelshole (ebd. 311)
1455 Ronnarten wege (ebd. 440) = 1562 Runnerter Wege (Kop XVII, StaMG 16/1 S. 157) = 1903 Rönneterweg (Tafel 3, Stadtplan)
1466 Kovergraben baussen der Buchener pfortzen (Kop XVII, UB Gladbach 457) = 1812/13 Flurname Am Kovengraben (Tafel 1, Grundriss); dient im 17. Jahrhundert als Wasserreservoir (Noever, Nachtrag, S. 33)
1466 Heggenre wech (Kop XVII, UB Gladbach 459), lag in der Nähe des Markttors
1470 straisse dair men van der Boekesportzen geit (ebd. 468)
1487 Virsenre wege (ebd. 512) = 1576 Viersener Kirchweg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 694) = 1587 Viersener Herweg (Kop XVII, ebd. Bd. 2 S. 293) = 1863, 1903 und heute Viersener Straße (Tafel 3 u. 4, Stadtpläne; Tafel 1, DKG)
1504 Duylkerpat = (UB Gladbach 554) = heute Dülkener Straße
1509 Lijkwech, der van Beeckerhoff (III 1 Grundherrschaft) ain dy stat gheyt; gemeyne wech nach uysser deme Haterbroick (HSTAD Abtei G 249)
1509 Molenwech (UB Gladbach 570)
1517 Wevelsloicher Weg (ebd. 607), lag am Marktfeld
1534 Kirchenpatt (ebd. 657)
1539 Schiedweg (ebd. 679), lag am Marktfeld
1547 Hagelcreutzer Weg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 10) = heute Hagelkreuzstraße
1558 Gierten Wegh (ebd. S. 76)
1559 Harder Wegh (ebd. S. 87)
1559 Neußer Straße (ebd. S. 96), lag in Bettrath
1560 Aacher Padt (ebd. S. 335) = 1579 Aacher Weg (ebd. S. 822) = Aachener Straße (Tafel 1, DGK)
1560 Venner Wegh (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 100) = heute Venner Straße
1560 Laicker Kirchwegh (ebd. S. 331)
1560 Drieschweg (ebd. S. 113)
1561 Bontger Wegh (ebd. S. 136) = 1559 Bungter Weg (ebd. S. 86) = 1903 und heute Bungtstraße (Tafel 4, Stadtplan)
1561 Jujckwegh, lag am Rydbroich (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 327) = heute Karl-Barthold-Weg
1562 Schuirengs Wegh (ebd. S. 152) = 1572 Scheurenweg (ebd. S. 482) = heute Schürenweg
1563 Aler straiss (UB Gladbach 747), führte nach Ohler 1563 Steinweg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 179)
1563 Uddinger Weg (ebd. S. 163) = heute Ueddinger Straße
1564 Ruyterswegh (ebd. S. 198), lag in Neuwerk, führte von der heutigen Süchtelner Straße zur Spinnerstraße (Mackes, Neuwerk II, S. 88)
1565 Fleischener Wegh (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 245) = 1566 Vlischenne voesspatt (UB Gladbach 754), lag vor der Judenpforte, vgl. 1863 und 1903 Fliescherberg (Tafel 3 u. 4, Stadtpläne) = heute An der Flieschermühle (Tafel 1, DGK)
1565 Dünner Kirchwegh (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 53) = heute Dünner Straße
1566 Linderwegh oder gemeine strasse, führte nach Rheydt (Kop XVII, UB Gladbach 754) = 1593 Gemeiner Rheider Weg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 515) = 1903 und heute Rheydter Straße (Tafel 3, Stadtplan)
1566 Betteraiter Wegh (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 60)
1566 Eiker Patt (ebd. S. 258) = 1576 Eicker Strass (ebd. Bd. 2 S. 667) = 1903 und heute Eickener Straße (Tafel 4, Stadtplan)
1566 Winckeler Wegh (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 63)
1566 Holter Kirchweg (ebd. S. 255)
1567 Breide Wegh (ebd. S. 268), lag in Venn
1567 Hausmanswegh (ebd. S. 66), lag in Neuwerk
1567 Deipenweg (Mackes, Neuwerk II, S. 86) = 1572 Diepenweg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 467) = heute Diebesweg
1568 Forster Straß (ebd. Bd. 1 S. 296) = 1575 Vorster Kirchweg (ebd. S. 625) = heute Vorster Straße
1568 Horner Padt (ebd. S. 304)
1568 Dohrweg (ebd. S. 310) = heute Dohrweg
1570 Heehner Kirchweg (ebd. S. 404)
1570 Kahrweg (ebd. S. 405) = heute Karstraße
1570 Gruene Weg (ebd. S. 484)
1571 Dunckweg (ebd. S. 421) = heute Donker Straße
1573 Schmaler Viersener Weg (ebd. 493)
1573 Engelskirchweg (ebd. S. 549)
1574 Oberster Weg (ebd. S. 580), lag in Neuwerk
1574 Pescher Padt (ebd. S. 599)
1575 Lurriper Straße (ebd. S. 644) = 1903 und heute Lürriper Straße (Tafel 3, Stadtplan)
1576 Loersweg (ebd. S. 673)
1577 Creutzweg (ebd. S. 716)
1577 Hennekensweg (ebd. S. 723), lag in Vorst
1577 Roßstraße (ebd. S. 729), lag in Hardt
1577 Dahler Kirchweg (ebd. S. 732)
1577 Heidtweg (ebd. S. 744) = heute Heideweg
1577 Mühllenstraße (ebd. S. 746)
1578 Bruggener Straße (ebd. S. 767) = 1585 Bruckstraße (ebd. Bd. 2 S. 207) = 1592 Brugkstraße binnen Gladbach (ebd. S. 471)
1578 Holtzweg (ebd. Bd. 1 S. 776)
1578 Freinsweg (ebd. S. 779) = heute Fringsstraße
1580 Hole Straße, (ebd. Bd. 2 S. 2; vgl. auch UB Gladbach 829 = 1594), lag vor dem Judentor
1580 Herstraße (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 13), ging am Beltinghovener und Vorster Feld vorbei
1580 Sittarder Weg (ebd. S. 8) = 1595 Sittarder Kirchweg (ebd. S. 552) = 1903 Sittardstrasse (Tafel 4, Stadtplan) = heute Sittarder Straße
1580 Heckerweg (ebd. S. 1), lag in Lürrip
1580 Coentgensweg (ebd. S. 5), lag in Großheide
1580 Bueckelsweg (ebd. S. 8) = 1903 und heute Bökelstraße (Tafel 3, Stadtplan)
1580 Newenhover Kirchweg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 32), lag in Eicken
1580 Harterbrocher Kirchweg (ebd. S. 45) = 1903
2. 5 Plätze
1183/90 forum (III 2 Markt) = 1467 up deme marde (UB Gladbach 462) = 1812/13 Grand Place du Marché (Tafel 1, Grundriss) = 1863 Markt (Tafel 3, Stadtplan) = heute Alter Markt (Tafel 1, DGK)
1560 Pertsmart (UB Gladbach 731) = 1812/13 Marché aux Chevaux (Tafel 1, Grundriss) = 1863 Pferdemarkt (Tafel 3, Stadtplan), heute nicht mehr vorhanden
1569 Verkesmarkt (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 320), lag hinter dem Rathaus, vermutlich im Südwesten des Marktes
2. 5 Gebäude
1269 de teatro (HSTAD Abtei G 27 = UB Viersen 39 = UB Gladbach 107 mit falscher Lesart theatro), strittig, ob auf Gladbach zu beziehen
1318 domus ... dicta ter hallen (HSTAD Abtei G 70 = UB Gladbach 198) = Haus am Rathaus, im Besitz des Abtes
1346 Brauhaus der Abtei (UB Gladbach 308)
1488 Vaithuys (De Maasgouw 17, 1895, S. 55) = identisch mit herrenhauß? (s. nächster Beleg)
1488 Stadtwaage (stattwage) (UB Gladbach 516, S. 319). 1511 ist die waag unter dem herrenhauß erst angestelt durch Amtmann und Vogt (HSTAD Abtei G Akt 22c fol. 98r)
1510/11 wynhüyss (ebd. JB III R Grevenbroich 1 fol. 143v)
2. 6 Rechtsdenkmäler
1501 Stock und Gefängnisturm (Norrenberg, S. 147 f; Mackes, Neuwerk II, S. 68; vgl. auch HSTAD JB III R Grevenbroich 2 fol. 16v, zu 1511 u. 3 fol. 113v, zu 1531)
(1586) Steinerner Pranger des Herzog von Jülich auf dem Markt (UB Gladbach 795), Abt von Gladbach bestreitet dem Herzog das Recht zur Aufstellung des Prangers, hatte früher einen hölzernen Pranger aufgestellt (ebd. 875, 947)
1599 Abt von Gladbach stellt Holz für Galgen aus dem Kammerforst (ebd. 843 u. ö.)
1612 Gericht = Galgen (StaMG 1 b 1 Bd. 11 S. 539), lag auf den großen Heiden (Noever, Nachtrag, S. 69) im Bereich des Friedhofs an der heutigen Viersener Straße (Mackes, Neuwerk II, S. 61)
2. 7 Größe des umwehrten Arreals
Größte Ausdehnung: Norden-Süden ca. 465 m, Westen-Oosten ca. 340 m Fläche (einschließlich Abteigarten): ca. 13 Hektar, wovon ca. 1 Hektar auf Abtei, Münster und Pfarrkirche entfallen.
Topographische Karte Mönchengladbach 1993/94, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 4704 Viersen (1993) und 4804 Mönchengladbach (1994) der Preußischen Kartenaufnahme 1891-1912. (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen/ Nr. 268/96)
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Löhr, Wolfgang, Rheinischer Städteatlas Mönchengladbach. Teil 2: Topographie, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-moenchengladbach.-teil-2-topographie/DE-2086/lido/6082d9389a3375.82169903 (abgerufen am 15.02.2026)
Veröffentlicht am 19.08.2025, zuletzt geändert am 08.10.2025