Rheinischer Städteatlas Mönchengladbach. Teil 2: Topographie

Topographie

Wolfgang Löhr (Mönchengladbach)

Luftbild Mönchengladbach 1990, im Verhältnis 1 : 5000, Zusammensetzung der Luftbildkarten Mönchengladbach und Mönchengladbach-Waldhausen, der weiße Rahmen kennzeichnet den Urkartenausschnitt. (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen/ Nr. 263/96)

2. 2 Siedlungsentwicklung, Befestigung, Stadtbrände

Die rö­mi­sche Be­sied­lung en­de­te Mit­te des 3. Jahr­hun­derts, wor­auf ei­ne Ver­wei­dung und Wie­der­be­wal­dung be­gann (I 2; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 274). Erst ab dem 7./8. Jh. lässt sich auf­grund der Orts­na­men auf -ho­ven (1170 Ny­der­hou­en = Nie­der­ho­ven, UB Glad­bach 53; 1311 Bul­tin­cho­ve = Bel­ting­ho­ven, ebd. 166; 1315 On­de­ren­hou­en = Ho­ven, ebd. 188; um 1300 Vdin­cho­ven = Ued­ding, Müns­ter­arch Hs 2a De­zem­ber 12) ei­ne Neu­be­sied­lung an­neh­men. Für die­se klei­nen Streu­sied­lun­gen und Ein­zel­hö­fe wird als Seel­sor­ge­zen­trum die Kir­che auf dem so­ge­nann­ten Ab­tei­berg er­rich­tet wor­den sein, die nach der Grün­dungs­ge­schich­te der Ab­tei aus dem 11. Jahr­hun­dert zur Zeit Karls des Gro­ßen ent­stan­den sein soll (Pe­try, Grün­dungs­gesch., S. 58 f). Trotz der er­zäh­le­ri­schen Aus­schmü­ckun­gen - der Grün­der der Kir­che soll ein bis­lang nicht iden­ti­fi­zier­ter co­mes Bal­de­ri­cus ge­we­sen sein - ist die Glaub­wür­dig­keit die­ser Mit­tei­lung durch die Auf­de­ckung ei­nes (900) be­leg­ten Grä­ber­fel­des süd­lich der heu­ti­gen Pfarr­kir­che er­här­tet wor­den. Es ist an­zu­neh­men, dass der Ver­fas­ser der Grün­dungs­ge­schich­te mit der Er­wäh­nung Karls des Gro­ßen nur ei­ne un­ge­fäh­re Zeit­an­ga­be ma­chen woll­te. (954) soll nach der Grün­dungs­ge­schich­te die Kir­che auf dem Berg von den Un­garn zer­stört wor­den sein, doch ha­be sie ei­ne Sied­lung um­ge­ben (ha­bi­ta­tio­nes), de­ren Rui­nen eben­so wie die der Kir­che noch ver­deckt zu se­hen ge­we­sen sei­en. Da Erz­bi­schof Ge­ro von Köln bei sei­ner An­kunft in Glad­bach 974 von äl­te­ren Leu­ten über den Kir­chen­grün­der Bal­de­rich un­ter­rich­tet wur­de (fer­tur ab an­ti­quio­ri­bus), wird die Sied­lung wohl nicht gänz­lich ver­las­sen ge­we­sen sein, min­des­tens leb­ten in ih­rem Um­kreis noch Men­schen. Auch der Fund der wert­vol­len Re­li­qui­en des hei­li­gen Vi­tus in Glad­bach, dem Pa­tron der Sach­sen, zu des­sen Stamm Ge­ro zähl­te, lässt eher dar­auf schlie­ßen, dass der Ort nicht völ­lig zer­stört ge­we­sen ist. Von der Kir­che müs­sen fer­ner mehr als nur Rui­nen vor­han­den ge­we­sen sein, weil Ge­ro sonst 974 das Klos­ter an ih­rer Stel­le er­rich­tet hät­te und nicht auf dem tie­fer ge­le­ge­nen Sporn am Ab­fall der Haupt­te­ras­se (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 44-48).

Da die Seel­sor­ge un­ab­hän­gig von der Ab­tei wei­ter be­stan­den hat, wo­für die gro­ße Selb­stän­dig­keit der Pfar­re bis zur In­kor­po­ra­ti­on 1243 (IV 1) und die An­la­ge ei­nes ei­ge­nen Pfarr­ho­fes (Wi­mer­hof, vgl. Ta­fel 1, Grund­riss) im Be­reich des Sal­lan­des jen­seits des gro­ßen Wei­hers (III 1 Grund­herr­schaft) spricht, ist ein In­diz da­für, dass die Zer­stö­rung von Kir­che und Ort durch dich­te­ri­sche Phan­ta­sie über­trie­ben wor­den ist. Die Kir­che war die Ur­zel­le ei­ner schon be­ste­hen­den Sied­lung, die spä­tes­tens im 12. Jahr­hun­dert, als der Abt nörd­lich der Kir­che plan­mä­ßig ei­nen Markt an­leg­te und dort Hand­wer­ker und Ge­wer­be­trei­ben­de an­sie­del­te (II 5 Plät­ze; III 2 Markt; V 4V 5), wei­ter­ent­wi­ckelt wur­de. Vor der Kir­che ließ sich die Sied­lung schon des­halb aus­bau­en, weil dort ein Brun­nen das nö­ti­ge Was­ser lie­fer­te. Da das Ge­län­de nach Os­ten, Sü­den und Wes­ten ab­schüs­sig war, eig­ne­te es sich nicht für die An­la­ge grö­ße­rer Fel­der. Da­für er­hiel­ten die Markt­be­sied­ler nörd­lich der Orts­la­ge ei­ge­nes Ge­mein­de­land, das Markt­feld (1455 mar­th­feldt, UB Glad­bach 455) oder den Bor­ban (Be­schrei­bung 16. Jahr­hun­dert, ebd. 573).

Am Fu­ße des so­ge­nann­ten Ab­tei­bergs la­gen um­fang­rei­che Wei­her, die schon die Grün­dungs­ge­schich­te er­wähnt (S. 60 f). Die­se, das sump­fi­ge Ge­län­de (Speick = ste­hen­de Ge­wäs­ser), der sie durch­flie­ßen­de Glad­bach und der stei­le Hang mach­ten hier ei­ne Sied­lungs­an­la­ge im An­schluss an die Ab­tei un­mög­lich (vgl. Ta­fel 1, Grund­riss). Die Ab­tei nutz­te das Ge­län­de jen­seits der Wei­her, um dort das Sal­land des Fron­hofs an­zu­le­gen (Juick­land, III 1 Grund­herr­schaft); es ent­stand durch Ro­dung ver­mut­lich seit dem 10. Jahr­hun­dert Ro­dungs­na­men (1225 de Al­ro­de = Oh­ler, UB Glad­bach 71; 1478 Bo­kes­rai­de, in Bet­ten­rai­de = Bett­rath, HSTAD Ab­tei G 215, Re­gest UB Glad­bach 493; 1326 Ka­kel­ro­de in Venn, ebd. 240; 1456 Ha­e­me­rai­de = Ha­mern, ebd. 442; 1334 Ma­sen­ro­de in Ho­ven, ebd. 272), Wald­na­men (Hardt, Hehn, Holt, Sit­tard, Rus­forst, Vorst u. a.) und die Sied­lungs­na­men auf -hau­sen (1170 Be­chu­sen, ebd. 23 = Knopshof; Wald­hau­sen) wei­sen auf ei­nen gro­ßen in­ne­ren Aus­bau bis En­de des 12. Jahr­hun­derts hin, ins­be­son­de­re in Rich­tung Os­ten und Wes­ten, aus­ge­hend von der mit­tel­al­ter­li­chen Orts­la­ge. Dann be­gann die Ab­tei, Hö­fe in Ras­seln zu kau­fen (ebd. 53 = 1170, ebd. 55 = 1172) und den Kam­mer­forst bei Hehn als Nutz­wald zur Ver­fü­gung zu stel­len (ebd. 67 = 1215) und da­mit die Ro­dung ein­zu­stel­len.

Vor der Stadt­wer­dung setz­te be­reits die Ab­gren­zung des Orts­kerns durch Grä­ben und Schlag­bäu­me ein, die An­fang des 14. Jahr­hun­derts be­legt ist: 1309 fi­nis vil­le (ebd. 202), 1347 pro­pe fos­sa­tas vil­le, val­va <Schlag­baum> in vi­co ju­de­o­rum (ebd. 302). Auch au­ßer­halb des Orts­kerns ist 1312 ein Schlag­baum in Lür­rip nach­weis­bar (val­va di­ci­tur vul­ga­ri­ter puc­dor, ebd. 171; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 365). Nach der mut­ma­ß­li­chen Stadt­er­he­bung 1364/66 (III 3) wur­de aus der die den Ort um­ge­ben­de emu­ni­tas aus Pa­li­sa­den und dich­ten He­cken (UB Glad­bach 326 = 1366) bis 1388, als Glad­bach fort­er­es­se ge­nannt wird (I 4), ei­ne stei­ner­ne Mau­er, die die Bür­ger zu un­ter­hal­ten hat­ten (UB Glad­bach 356 = 1397). Mit der An­la­ge der Stein­mau­er wird die Stadt­er­wei­te­rung nach Nord­os­ten jen­seits der Neu­stra­ße, die 1476 erst­mals auf­taucht (II 5 Stra­ßen), er­folgt sein, ver­mut­lich un­ter Ein­be­zie­hung des jü­di­schen Vier­tels, das nach 1349 auf­ge­ge­ben wor­den sein wird (IV 8), wo­bei die Be­zeich­nung Ju­den­stra­ße er­hal­ten blieb (II 5 Stra­ßen).

Mit der Er­rich­tung der Back­stein­mau­er im Sü­den un­ter­halb des so­ge­nann­ten Ab­tei­bergs, die we­gen des Sumpf­ge­län­des ver­mut­lich nicht vor dem 15. Jahr­hun­dert an­zu­set­zen ist, konn­te erst jetzt hier ei­ne Be­sied­lung er­fol­gen, weil nun mit der Mau­er ein Schutz vor dem Hoch­was­ser ge­ge­ben war. Aus dem 15. Jahr­hun­dert stam­men auch die Erst­be­le­ge für die 3 Stadt­to­re (II 3); die Tür­me sind erst im 16. Jahr­hun­dert be­zeugt, aber si­cher äl­ter (II 4). Un­ab­hän­gig von dem Sys­tem der Stadt­be­fes­ti­gung mit Wall und Gra­ben war die Ab­schlie­ßung des Ab­tei­be­zirks mit Im­mu­ni­täts­mau­ern, in die die Pfarr­kir­che nicht ein­be­zo­gen wur­de (vgl. Ta­fel 1, Grund­riss).

Der Aus­bau bzw. Un­ter­halt der Stadt­be­fes­ti­gung wur­de 1488 durch ein Ak­zi­se­pri­vi­leg Her­zog Wil­helms von Jü­lich-Berg ge­för­dert (III 2 Ak­zi­se; III 3). 1514 ver­kauf­te die Stadt ei­ne Ren­te für ei­ne Sum­me, die zum städ­ti­schen Not­bau - wo­mit die Mau­er ge­meint sein dürf­te - ver­wandt wor­den war (UB Glad­bach 587). 1588 muss­te die Mau­er im Be­reich des Wei­her­tors er­neu­ert wer­den (ebd. 801). 1589 zeigt ein Be­richt des Glad­ba­cher Amt­manns den schlech­ten Zu­stand des ge­sam­ten Mau­er­rings (ebd. 804, 805), wor­auf die Stadt 1590 von Her­zog Wil­helm von Jü­lich-Kle­ve-Berg die Er­laub­nis er­hielt, die Ak­zi­se zum Zwe­cke der Mau­er­re­par­tur zu er­hö­hen (III 2 Ak­zi­se; III 3).

Im 18. Jahr­hun­dert wur­de die Stadt­mau­er öst­lich des Müns­ters und der Ab­tei­ge­bäu­de teil­wei­se ab­ge­ris­sen und nach Os­ten so ver­la­gert, dass sie den Ab­tei­g­ar­ten mit­um­fass­te (Noever, Nach­trag, S. 95-104 = 1769). Der Wei­her und die Blei­chen im Sü­den/Süd­wes­ten der Stadt, die bis 1802 im Be­sitz der Ab­tei blie­ben (Klom­pen, S. 171), bil­de­ten ei­nen na­tür­li­chen Schutz. Doch wur­de das Wei­her­tor mit ei­nem Au­ßen­werk ver­se­hen. We­ni­ger si­cher wa­ren das Markt­tor im Nor­den und das Ju­den­tor im Os­ten, die eben­falls mit Vor­to­ren und Mau­ern ver­stärkt wa­ren, die im 17. Jahr­hun­dert Ha­mei oder Hal­mey ge­nannt wur­den (Noever, Nach­trag, S. 30, 43, 45). Zu­sätz­lich war die Stadt durch ein Wall- und Gra­ben­sys­tem ge­schützt, das An­fang des 19. Jahr­hun­derts noch teil­wei­se mit Was­ser ge­füllt war.

Durch die star­ke Ver­dich­tung der Be­bau­ung im Orts­kern ent­stan­den schma­le tie­fe Par­zel­len mit Haus­fron­ten von durch­schnitt­lich 6 m auf der Ost­sei­te und 8 m auf der West­sei­te des Mark­tes. Mit der Er­rich­tung des Ka­pu­zi­ner­klos­ters in der Nord­ost-Ecke der um­mau­er­ten Stadt im 17. Jahr­hun­dert (IV 5) war das Markt­pla­teau fast gänz­lich be­baut. Un­be­baut blieb nur der West­hang der Stadt­an­la­ge bis zum ab­tei­li­chen Gast­haus, der noch An­fang des 19. Jahr­hun­derts als Gar­ten ge­nutzt wur­de (StaMG 1 b 1 Bd. 14; vgl. da­zu ins­ges. Ta­fel 1, Grund­riss; Ta­fel 3, Stadt­plan 1863).

Ne­ben der Um­maue­rung des Stadt­kerns wa­ren die Gren­zen des Kirch­spiels nach Nor­den durch ei­ne Land­wehr ge­si­chert, die aber im 18. Jahr­hun­dert gänz­lich auf Vier­sener Ge­biet ver­lief (UB Glad­bach 1044; Pie­per, S. 123 f). Auch zwi­schen dem Kirch­spiel Glad­bach und Rhe­ydt im Sü­den war ei­ne Land­wehr an­ge­legt wor­den, die in Rhe­ydter Quel­len des 16. Jahr­hun­derts be­schrie­ben wird und eben­falls nur teil­wei­se die Gren­ze zwi­schen dem Kirch­spiel Glad­bach und der Un­ter­herr­schaft Rhe­ydt mar­kier­te (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 401; Pie­per, S. 126). Süd­lich von Hehn und Hardt ver­lief ei­ne wei­te­re Land­wehr, die das Kirch­spiel von dem zum Amt Brüg­gen ge­hö­ren­den Land­ge­biet von Rhein­dah­len ab­grenz­te (ebd., S. 124, 129).

Hardt do­ku­men­tier­te sei­ne Son­der­stel­lung (ei­ge­ne Schöf­fen, III 1 Ge­richts­herr­schaft) und schlie­ß­lich weit­ge­hend ei­ge­ne Pfar­re (IV 1) auch da­durch, dass es rund­um von Land­weh­ren um­ge­ben war. Im Nor­den ver­lie­fen 2 par­al­le­le Land­weh­ren (ei­ne äu­ße­re und ei­ne in­ne­re), was da­mit zu­sam­men­hän­gen mag, dass die äu­ße­re we­gen der auf Dül­ke­ner Ge­biet lie­gen­den Sied­lun­gen Schomm und Til­ler­hö­fe schwer zu ver­tei­di­gen war (Pie­per, S. 127 f). Ei­ne ge­naue Da­tie­rung der An­la­ge al­ler die­ser Land­weh­ren, von de­nen Tei­le bis heu­te in­takt sind und aus de­nen sich der Ver­lauf re­kon­stru­ie­ren lässt, ist nicht mög­lich. Ein ers­ter Hin­weis auf ei­ne Land­wehr stammt von 1172, als das al­lo­di­um Rak­hes­lei­de quod di­ci­tur ad fos­sam er­wähnt wird und mit dem Küh­len­hof bei Ras­seln zu iden­ti­fi­zie­ren ist (UB Glad­bach 55). Ein wei­te­rer Hin­weis von 1438 be­zieht sich auf Win­keln (ebd. 409; zu Hin­wei­sen des 16. Jahr­hun­derts vgl. ebd. 573, 591, 624, 688, 826) Die Sied­lun­gen im Kirch­spiel wa­ren bis auf Hardt und Hehn (Wald­hu­fen­dör­fer) so­wie Venn (An­ger­dorf) Hau­fen­dör­fer oh­ne aus­ge­präg­te Struk­tur.

Siedlungsentwicklung seit dem 19. Jahrhundert

An­fang des 19. Jahr­hun­derts wird durch den Ab­riss der Stadt­to­re und von Tei­len der Stadt­mau­er (ab 1809, StaMG 1c/529; vgl. Ta­fel 1, Grund­riss v. 1812/13, der den Mau­er­ring und die Grund­ris­se der Tür­me noch zeigt; ge­rin­ge Res­te der Mau­ern und der To­re sind er­hal­ten) be­wusst die Mög­lich­keit er­öff­net, die Be­bau­ung ent­lang der Aus­fall­stra­ßen nach Vier­sen im Nor­den, Wald­hau­sen mit An­schluss an die Stra­ße und Aa­chen im Nord­wes­ten, Kre­feld im Os­ten und Rhe­ydt im Süd­os­ten aus­zu­deh­nen und die Wäl­le zu be­bau­en. Da­bei konn­te im Süd­os­ten der Aus­bau an die Be­bau­ung in Speick an­knüp­fen. Dort ent­stand mit der 1839/40 er­rich­te­ten App­re­tur­an­stalt auch das ers­te grö­ße­re Fa­brik­ge­bäu­de (Ems­bach, S. 54; StaMG 16/50-4). Es lag am Glad­bach, um aus ihm Was­ser zu ent­neh­men und in ihn Ab­wäs­ser ein­lei­ten zu kön­nen. Ähn­li­ches gilt auch für die er­rich­te­te Glad­ba­cher Ac­ti­en­dru­cke­rei süd­lich von der App­re­tur­an­stalt, die mit die­ser 1857 fu­sio­nier­te (Ko­sche, S. 160 f). Auch die Fär­be­rei Brinck hat­te we­gen der Ab­hän­gig­keit vom Was­ser ei­nen Stand­ort im Be­reich der ehe­ma­li­gen Ab­tei­blei­che ge­wählt, trotz des Pro­tests der Blei­cher und Brau­er 1823 (StaMG 16/50-2). Die­se Fär­be­rei wur­de aber erst (1860) zu ei­nem grö­ße­ren Be­trieb aus­ge­baut. In­ner­halb des ehe­ma­li­gen Mau­er­rings lag nur ein gro­ßer In­dus­trie­be­trieb, die 1853 ge­grün­de­te Spin­ne­rei und We­be­rei von An­ton Lam­berts Chris­ti­ans Sohn am West­hang des Ab­tei­bergs (Ko­sche, S. 151).

Das ers­te Gro­ß­un­ter­neh­men, die Glad­ba­cher Ak­ti­en­spin­ne­rei und -we­be­rei, er­baut ab 1855, wähl­te ei­nen Stand­ort mehr als 2 km au­ßer­halb des al­ten Stadt­kerns, um sich dort in un­mit­tel­ba­rer Nä­he der Glei­se der Mär­ki­schen Ei­sen­bahn un­ge­hin­dert aus­deh­nen zu kön­nen (ebd., S. 152-154).

Die An­fang des 19. Jahr­hun­derts ge­schaf­fe­nen Aus­bau­mög­lich­kei­ten nach Öff­nung des Mau­er­rings wur­den nach und nach ge­nutzt, und so ent­stan­den bis (1860) neue Häu­ser an der Vier­sener Stra­ße (heu­te Sand­rad­stra­ße) bis zur heu­ti­gen Über­füh­rung der Her­mann-Piecq-An­la­ge, an der Kre­fel­der Stra­ße (heu­te Hin­den­burg­stra­ße, süd­li­cher Teil) bis zur heu­ti­gen Al­ber­tus­stra­ße, an der Wall­stra­ße (Über­bau­ung des Walls) und an der un­te­ren Step­ges­stra­ße.

1863 be­schloss die Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung nach län­ge­ren Vor­ar­bei­ten ei­nen Bau­plan, der ei­ne Stadt­er­wei­te­rung mit Git­ter­struk­tur vor al­lem nach Os­ten, aber auch nach Nor­den und Wes­ten vor­sah, oh­ne auf die to­po­gra­phi­schen Ge­ge­ben­hei­ten und be­ste­hen­den Par­zel­lie­run­gen zu ach­ten (vgl. Ta­fel 3, Stadt­plan 1863).

Mönchengladbach und Umgebung 1805-07, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 42 Viersen (1805/06) und 49 Dahlen (1806/07) der Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling 1803-1828, aufgenommen von Ing.-Geograph M. Maissiat. (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen/ Nr. 268/96)

 

Ent­wick­lungs­ach­se war die Kö­nigs­stra­ße (heu­te Bis­marck­stra­ße), die auf den pro­jek­tier­ten Kö­nigs­platz (heu­te Bis­marck­platz) und den 1862 fer­tig­ge­stell­ten Bahn­hof der Ber­gisch-Mär­ki­schen Bahn in nord­süd­li­chen Rich­tung zu­lief. Der Plan dien­te als Vor­ga­be für die je­wei­li­gen Flucht­li­ni­en­plä­ne und um­fass­te et­wa zwei Drit­tel des da­ma­li­gen Stadt­ge­biets. Ihm folg­te die Stadt­pla­nung mit Ein­schrän­kun­gen bis zur Jahr­hun­dert­wen­de. Sein Ziel war es, ei­ne Stra­ßen­brei­te von durch­schnitt­lich 15 m (grund­sätz­lich un­ter Ver­zicht von Vor­gär­ten) und die An­la­ge grö­ße­rer Blocks von durch­schnitt­lich 900 m² zu schaf­fen. Er bil­de­te die Vor­aus­set­zung für ei­ne Wohn­be­bau­ung vor al­lem im Os­ten. Ei­ne Aus­nah­me mach­te die heu­ti­ge Hin­den­burg­stra­ße, die vor der Jahr­hun­dert­wen­de zur Ein­kaufs­stra­ße wur­de und schon da­mals An­sät­ze zu ei­ner Ci­ty­bil­dung zeig­te (Ge­schäf­te 1891: 21 Kurz­wa­ren, 11 Kon­fek­ti­on, 10 Ta­bak, 8 Putz­ma­cher, 7 Hut, 6 Pa­pier, 5 Ga­lan­te­rie, 3 Por­zel­lan, 3 Fahr­rad, 2 Tep­pich; 1899 ers­tes Wa­ren­haus). Auf den Plan von 1863 ging auch die Ver­brei­te­rung ei­ni­ger Stra­ßen im al­ten Stadt­kern zu­rück (Neu­stra­ße, Markt­stieg, Wald­hau­se­ner Stra­ße).

Nach der Jahr­hun­dert­wen­de wur­de der Plan von 1863 nicht mehr fort­ge­schrie­ben. Statt­des­sen folg­te die Pla­nung nun ei­nem leich­ten Kur­ven­sys­tem, das be­ste­hen­de Bau­sub­stanz schon­te und oft al­te Feld­we­ge aus­bau­te (Ro­sen­dahl, S. 218). Durch den Ver­lauf der Rhein. Ei­sen­bahn seit 1877 mit ih­rem Bo­gen vom Bö­kel im Nor­den nach Speick im Süd­wes­ten wur­de die Aus­deh­nung der Stadt vor al­lem nach Nord­wes­ten, wo noch Frei­flä­chen wa­ren, er­heb­lich be­hin­dert. Auch im Os­ten grenz­ten der Ver­lauf der Ber­gisch-Mär­ki­schen Bahn und ihr gro­ßes Bahn­ge­bäu­de die Stadt ein. Da­durch wur­de hier eben­falls die Aus­deh­nung be­hin­dert, je­doch we­gen der Bahn­über­gän­ge nicht so nach­drück­lich wie im Nor­den, so dass die Ort­schaf­ten Herm­ges und Pesch in­te­griert wer­den konn­ten. Bei Speick war dies erst mög­lich, als ab 1880 die Wei­her teil­wei­se zu­ge­schüt­tet, die Blei­chen am Glad­bach auf­ge­ge­ben und die Lü­pert­zen­der­stra­ße durch­ge­legt wur­de. We­gen der Ein­schnü­rung durch die Bahn­kör­per wur­den vor der Jahr­hun­dert­wen­de der nord­öst­lich Aus­bau (Ei­cken) ver­stärkt und u. a. die heu­ti­ge obe­re Aa­che­ner-, die Wald­hau­se­ner- und die Gast­haus- und Hein­rich­stra­ße aus­ge­baut. Au­ßer­dem be­wirk­ten die Aus­bau­hemm­nis­se ei­ne stär­ke­re Zu­nah­me der Be­bau­ung in den klei­ne­ren Ort­schaf­ten Speick, Pesch, Hard­ter­b­roich und Lür­rip (vgl. Ta­fel 2, Neu­auf­nah­me 1892/93; Ta­fel 4, Stadt­plan 1903).

Erst durch die Ver­le­gung der Rhein. Bahn bis 1909, die Hoch­le­gung des Bahn­kör­pers der Ber­gisch-Mär­ki­schen Bahn 1908 nebst Neu­bau ei­nes Bahn­hofs an der un­te­ren Hin­den­burg­stra­ße 1909 wur­den die Ent­wick­lungs­bar­rie­ren auf­ge­ho­ben. Nun wuchs die Stadt in der Zeit bis nach dem Ers­ten Welt­krieg im Nor­den über die Her­mann-Piecq-An­la­ge - die ehe­ma­li­ge Tras­se der Rhei­ni­schen Bahn, zur Grün­an­la­ge um­ge­stal­tet - hin­aus und wur­de im Süd­os­ten in Rich­tung Volks­gar­ten be­baut (Löhr, S. 21 f).

Bis An­fang des 19. Jahr­hun­derts wohn­ten ei­ni­ge Glad­ba­cher Hand­wer­ker noch im so­ge­nann­ten Zwei­fenster­haus (ca. 5 m breit und 6 m tief). We­gen der gro­ßen En­ge ent­stand aber schon An­fang des 18. Jahr­hun­derts das Drei­fenster­haus, in dem 2 Web­stüh­le auf­ge­stellt wer­den konn­ten. Als ab Mit­te des 19. Jahr­hun­derts die Hand­we­ber zu Fa­brik­ar­bei­tern wur­den, dien­ten die ehe­ma­li­gen We­bräu­me als Woh­nun­gen. Durch die star­ke Zu­wan­de­rung aus­wär­ti­ger Ar­bei­ter seit den 1870er Jah­ren herrsch­te Woh­nungs­not, die da­zu führ­te, dass die ein­fa­chen We­ber­häu­ser vor al­lem durch An­bau­ten er­wei­tert wur­den (Be­cker, S. 145-149). 1869 ent­stand die Glad­ba­cher Ak­ti­en­bau­ge­sell­schaft, die gro­ßzü­gi­ge­re Häu­ser für Ar­bei­ter er­rich­te­te und im Jahr der Grün­dung mit dem Bau von acht Woh­nun­gen im Be­reich Ei­ke­ner Hö­he und im Pe­scher Feld be­gann. Im ers­ten Jahr­zehnt ih­res Be­ste­hens wur­den jähr­lich durch­schnitt­lich 27 Häu­ser ge­baut. In den 90er Jah­ren wur­den auch Miet­woh­nun­gen er­rich­tet. Um die Jahr­hun­dert­wen­de leb­te et­wa ein Vier­tel (ca. 4700 Per­so­nen) der Ar­bei­ter­be­völ­ke­rung in Häu­sern der Ge­sell­schaft, 1914 war es et­wa ein Vier­tel der Ge­samt­be­völ­ke­rung.

Im Ge­gen­satz zu den Stra­ßen, die vom Zen­trum aus zur Pe­ri­phe­rie gin­gen und ab 1863 ge­schlos­sen be­baut wur­den, wur­den die Ar­bei­ter­sied­lun­gen auf­ge­lo­ckert an­ge­legt (Dop­pel­häu­ser mit Gar­ten). Vor­bild war das eng­li­sche Cot­ta­ge-Sys­tem. Die Ak­ti­en­bau­ge­sell­schaft ent­wi­ckel­te ver­schie­de­ne Mus­ter­haus­ty­pen (Bei­spiel: Ei­cke­ner Hö­he 1870-75, Flur­stra­ße 1891-1901, Lür­ri­per Stra­ße 1896-1900). Sie tru­gen da­zu bei, die Stadt vor öden Miets­ka­ser­nen zu be­wah­ren (Be­cker, S. 76, 151-153; Ro­sen­dahl, S. 234; Löhr, S. 24; Ko­sche, S. 191-196). Ih­re Sied­lun­gen wa­ren über die gan­ze Stadt ver­streut (Reyer­hüt­ter Stra­ße, Ernst-Bras­se-Stra­ße, Gre­ven­broi­cher Stra­ße, Spei­cker Hö­he, Wald­hau­se­ner Hö­he), so dass kei­ne ei­gent­li­chen Ar­bei­ter­vier­tel ent­stan­den.

Ei­ne be­vor­zug­te Wohn­ge­gend für Fa­bri­kan­ten wa­ren bis in die 1880er Jah­re die mitt­le­re (heu­ti­ge) Hin­den­burg­stra­ße, bis nach der Jahr­hun­dert­wen­de die Nord­sei­te der Re­gen­ten­stra­ße und (1900) die Mo­zart-, Beet­ho­ven-, Ru­bens-, Ho­hen­zol­lern- und die heu­ti­ge Bis­marck­stra­ße (Ro­sen­dahl, S. 233; Die­kamp, S. 92-98; vgl. Ta­fel 4, Stadt­plan 1903). Hier wur­den auch öf­fent­li­che Ge­bäu­de er­rich­tet wie das Kreis­stän­de­haus (1886/87) auf der Re­gen­ten­stra­ße ge­gen­über der Ein­mün­dung der Her­mann­stra­ße (heu­te zer­stört), die Kai­ser-Fried­rich-Hal­le von 1903 an der Ver­län­ge­rung der heu­ti­gen Bis­marck­stra­ße, die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer von 1908 an der Ecke Re­gen­ten-, Bis­marck­stra­ße (ebd., S. 97-102) und das Land­ge­richt von 1912 an der heu­ti­gen Ho­hen­zol­lern­stra­ße. Als Wahr­zei­chen die­ser Nord­stadt war die Kai­ser-Fried­rich-Hal­le auf ei­ner klei­nen An­hö­he am Bö­kel er­rich­tet wor­den, auf die die Kö­nigs­stra­ße (heu­te Bis­marck­stra­ße) in nörd­li­cher Rich­tung wie ei­ne Ma­gis­tra­le zu­lief. Sie war als Kon­tra­punkt zu Müns­ter und Ab­tei ge­plant.

Topographische Karte Mönchengladbach 1844, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 4704 Viersen und 4804 Mönchengladbach der Preußischen Kartenaufnahme 1836-50 (Uraufnahme). (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen/ Nr. 268/96)

 

Wäh­rend die Alt­stadt von In­dus­trie­an­la­gen weit­ge­hend frei blieb, ent­stan­den über­all Misch­zo­nen von Wohn- und In­dus­trie­be­bau­ung, wo­bei die We­be­rei­en und Spin­ne­rei­en über das gan­ze Stadt­ge­biet zer­streut la­gen. Doch bil­de­ten sich (1880/1900) Schwer­punk­te der Tex­til­in­dus­trie aus: Ei­cke­ner-, Pe­scher- und Lür­ri­per­stra­ße, im Be­reich der heu­ti­gen Aa­che­ner- und Burg­gra­fen­stra­ße, im Be­reich Flieth-, Rhe­ydter Stra­ße ent­lang der Ei­sen­bahn­li­nie der Ber­gisch-Mär­ki­schen Ei­sen­bahn nach Rhe­ydt. Dort kon­zen­trier­ten sich fer­ner Fir­men der Me­tall­bran­che.

Durch den Zu­sam­men­schluss mit Glad­bach-Land 1921 (I 7) konn­te gro­ßräu­mi­ger ge­plant, Dahl und Wald­hau­sen ein­be­zo­gen wer­den, wo bis­her nur we­nig vor­aus­schau­en­de Pla­nung er­kenn­bar ge­wor­den war. Wäh­rend in Dahl nur ei­ne grö­ße­re Tex­til­fir­ma 1912 an­ge­sie­delt wor­den war, bil­de­te Wald­hau­sen ein wei­te­res in­dus­tri­el­les Zen­trum der neu­en Stadt. Hier spiel­te vor al­lem der Bahn­hof Speick, der au­ßer­halb der Stadt ge­le­gen hat­te, ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Dort ent­stan­den ab 1885 Fir­men der Me­tall­in­dus­trie und (1920) meh­re­re Tex­til­wer­ke (Wald­hau­se­ner Hö­he) (Ko­sche, S. 263-266). Au­ßer­dem kon­zen­trier­ten sich im Be­reich Weh­ner-, Ru­dolf-, Wald­hau­se­ner Stra­ße ab 1890 Wer­ke der Tex­til­in­dus­trie. Da­bei wur­de u. a. das Ge­län­de des ehe­ma­li­gen Kar­manns­hofs (III 1 Grund­herr­schaft) über­baut (Ko­sche, S. 259). In Neu­werk wa­ren ne­ben der Baum­woll­spin­ne­rei in der Broich­müh­le (V 4) ab der Jahr­hun­dert­wen­de meh­re­re Tex­til­wer­ke ent­stan­den, die sich an der Aus­fall­stra­ße nach Kre­feld ori­en­tier­ten (Ko­sche, S. 227-231). Ähn­li­ches gilt für die 1889 nach Rhein­dah­len ver­leg­te Klei­der­fa­brik Mül­ler und Ha­ger und die 1906 dort er­bau­te Spin­ne­rei Dil­they, die so­wohl die Bahn­li­nie Glad­bach-Dal­heim wie die Aus­fall­stra­ße Glad­bach-Aa­chen nut­zen konn­ten (Löhr, S. 48; Ko­sche, S. 298-300).

Er­klär­tes Ziel der Stadt­ver­wal­tung war es, nach den Ein­ge­mein­dun­gen durch ei­ne städ­ti­sche Bo­den­po­li­tik in den Grund­stücks­markt ein­zu­grei­fen und durch Grund­er­werb den Woh­nungs­bau zu ver­stär­ken. Bis 1923 ge­lang es, 448 Woh­nun­gen neu zu er­stel­len (VB 1921-25, S. 73). Ne­ben der Ak­ti­en-Bau-Ge­sell­schaft, von der die Stadt­ver­wal­tung Woh­nun­gen über­nahm, be­gann sie in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung mit der Er­rich­tung von Woh­nun­gen. In der Zeit bis 1925 ent­stan­den u. a. Neu­bau­ten an der un­te­ren Re­gen­ten-, Schwo­gen-, Süd- und Vier­sener Stra­ße, am Was­ser­turm so­wie sog. Reichs­neu­bau­ten vor al­lem an der Kyff­häu­ser­stra­ße. Au­ßer­dem wur­de der Bahn­hofs­vor­platz 1922 um­ge­stal­tet (ebd., S. 71-76, 84 f).

Ty­pisch für die Stadt­ent­wick­lung in der Wei­ma­rer Zeit sind die zahl­rei­chen Sied­lun­gen in Rand­la­ge: 1926 Lau­ter­kamp in Lür­rip (VB 1926, S. 20), ab 1927 Neu­werk-En­gel­b­leck (VB 1927, S. 26 f), 1927 Ued­ding (VB 1928, S. 35), 1929 Lui­sen­hö­he (VB 1929/30, S. 93), 1932 Dort­hau­sen-Sit­ter­hof (VB 1932/33, S. 71). In der NS-Zeit wur­de die­se Sied­lungs­po­li­tik fort­ge­setzt (Dah­le­ner Hei­de, Hardt, Neers­broich) und so­ge­nann­te Volks­woh­nun­gen eben­falls au­ßer­halb des Zen­trums er­rich­tet (Lür­rip, Heh­ner­holt). Fer­ner wur­den bau­fäl­li­ge Häu­ser in­ner­halb der mit­tel­al­terl. Orts­la­ge (Wei­her-, Ka­pu­zi­ner­stra­ße) und die ehe­ma­li­ge We­be­rei von An­ton Lam­berts Chris­ti­ans Sohn un­ter­halb der Ab­tei auf der Gast­haus­stra­ße als letz­te Fa­brik im Orts­kern ab­ge­ris­sen. 1936/37 ver­schwand die Fa­brik Pelt­zer und Dros­te ne­ben der Kai­ser-Fried­rich-Hal­le. Das frei­ge­wor­de­ne Ge­län­de wur­de in die Park­an­la­gen um die Hal­le ein­be­zo­gen (Bun­ter Gar­ten).

Ab 1941 wur­den im Stadt­ge­biet meh­re­re Bun­ker er­rich­tet. Für den noch er­hal­te­nen, aber über­bau­ten Bun­ker am heu­ti­gen Ka­pu­zi­ner­platz wur­de der ehe­ma­li­ge Pfer­de­markt um das Ge­län­de des dor­ti­gen Schul­ge­bäu­des zu ei­ner Platz­an­la­ge er­wei­tert. Die Stadt­mau­er wich ei­nem lang­ge­streck­ten Stahl­be­ton­bau, der nach au­ßen als Markt­hal­le mit Ar­ka­den­gang er­schien. Im Os­ten schloss sich ein Turm an, der als Trep­pen­haus dien­te und an der Stel­le des ehe­ma­li­gen mit­tel­al­ter­li­chen Turms Mom­mer­sortt (II 4) er­baut wur­de. Wei­te­re Bun­ker in der In­nen­stadt ent­stan­den an der Erz­ber­ger­stra­ße, am Haupt­bahn­hof und an der Vi­tus­stra­ße. Im wei­te­ren Stadt­ge­biet wur­den ne­ben fünf­ge­schos­si­gen Hoch­bun­kern mit tur­mar­ti­ger Ver­klei­dung (Wind­berg, Neu­werk, Lür­rip) auch so­ge­nann­te Stan­dard­bun­ker (Stahl­be­ton­bau­ten mit recht­ecki­gem Grund­riss, Kel­ler-, Erd- und ein oder zwei Ober­ge­schos­sen) er­baut (Rhein­dah­len-Broich, Oh­ler u. a.). Sie soll­ten eben­falls ver­klei­det wer­den, was nur in Oh­ler, wo der Schutz­bau die Form ei­nes nie­der­säch­si­schen Hal­len­hau­ses an­nahm, rea­li­siert wur­de (Öf­fentl. Luft­schutz­bau in Mön­chen­glad­bach. In: Denk­mal­pfle­ge im Rhein­land 10, 1993, S. 163-171).

In sie­ben Gro­ßan­grif­fen seit 1943 wur­de die Stadt bis auf Hardt und Neu­werk stark zer­stört. Beim Luft­an­griff vom 31. Au­gust 1943 wa­ren die Rhe­ydter-, Spei­cker-, Aa­che­ner-, Wall-, Re­gen­ten-, Her­mann-, Yorck-, Stein­metz-, Al­ber­tus-, Lü­pert­zen­der-, und Vik­to­ria­stra­ße be­son­ders be­trof­fen. Das Müns­ter und die Ab­tei brann­ten aus. Am 10. Sep­tem­ber 1944 war das Drei­eck zwi­schen der Gren­ze nach Rhe­ydt und den Ei­sen­bahn­li­ni­en nach Köln so­wie Hard­ter­b­roich, Pesch, Lür­rip, Ei­cken, Wald­hau­sen, Wes­tend, Holt, Oh­ler und Dahl Ziel der An­grif­fe. Am 1. Fe­bru­ar 1945 wur­de das Ge­biet zwi­schen den Bahn­li­ni­en nach Düs­sel­dorf und Rhe­ydt bom­bar­diert. Elf Fa­bri­ken wur­den da­bei teils völ­lig, teils stark zer­stört. 1944/45 wur­den et­wa 600 Häu­ser durch die Luft­an­grif­fe un­be­wohn­bar. En­de 1946 wa­ren fast 16 000 Woh­nun­gen so be­schä­digt, daß sie nicht be­wohn­bar wa­ren. Der Woh­nungs­ver­lust be­trug zu Kriegs­en­de et­wa 42 %.

Die Stadt­pla­nung be­gann ab 1947 mit ei­ner Neu­ge­stal­tung des Bahn­hof­vor­plat­zes, der Bis­marck- und Hin­den­burg­stra­ße, des Al­ten Mark­tes, des Ab­tei­bergs und des Ger­o­plat­zes. Durch den Leit­plan von 1952 (mit Än­de­run­gen 1962/64), der die Flä­chen­nut­zung für das ge­sam­te Stadt­ge­biet fest­schrieb, wur­de die Pla­nung für den In­nen­stadt­be­reich kon­kre­ti­siert. Der Al­te Markt er­hielt im Os­ten ein­heit­li­che Flucht­li­ni­en. Im Be­reich zwi­schen dem Luft­schutz­bun­ker und der evan­ge­li­schen Kir­che wur­de ein neu­er Markt ge­schaf­fen (Ka­pu­zi­ner­platz; Ab­schluss des Plat­zes nach Nord­os­ten 1983 durch Bau des Hau­ses Zo­ar). Die un­te­re Gast­haus­stra­ße und die un­te­re Wei­her­stra­ße blie­ben im Wes­ten un­be­baut und wur­den in den Ger­o­park ein­be­zo­gen, an den das Ge­bäu­de des staatl. Mäd­chen­gym­na­si­ums (heu­te Gym­na­si­um am Ge­ro­wei­her, voll­endet 1956) an­grenz­te. Die Hin­den­burg­stra­ße wur­de ab 1952 auf 24 m er­wei­tert und neu be­baut, eben­falls die Bis­marck­stra­ße (Ost­sei­te, end­gül­ti­ger Ab­schluss 1993). Im Be­reich Stein­metz­stra­ße-Croons­al­lee und Hin­den­burg­stra­ße ent­stand 1957-59 das neue Stadt­thea­ter, dem Haupt­bahn­hof wur­de im Nord­os­ten ab 1954 ein Om­ni­bus­bahn­hof vor­ge­la­gert und der Vor­platz mit ei­nem mehr­stö­cki­gen Bü­ro­ge­bäu­de (Haus West­land, 1956) ab­ge­schlos­sen (vgl. Ta­fel 1, DGK).

Von Grund auf neu­ge­ord­net wur­de der Stadt­teil Pesch (Be­reich Erz­ber­ger­stra­ße-Bahn­li­nie nach Rhe­ydt, Volks­gar­ten, Stadt­gren­ze nach Rhe­ydt), wo­bei be­son­ders auf ru­hi­ge Wohn­stra­ßen durch An­la­ge von Ver­kehrs­sam­mel­stra­ßen Wert ge­legt wur­de. Neue Wohn­ge­bie­te mit ähn­li­cher In­ten­ti­on ent­stan­den seit den 60er Jah­ren in Neu­werk und Hardt in der Nä­he von Nah­er­ho­lungs­ge­bie­ten, au­ßer­dem in En­gel­b­leck, Lür­rip, Wald­hau­sen, Heh­ner­holt, Venn, Ha­mern, Wind­berg, Gro­ßhei­de u. a.

In­dus­trie- und Ge­wer­be­flä­chen wur­den zur Aus­sied­lung der Be­trie­be aus den Wohn­ge­bie­ten aus­ge­wie­sen und nach und nach bis 1995 be­baut (Kre­fel­der Stra­ße - Wil­li­cher Damm, Neers­broich, Kor­schen­broi­cher-, Wald­nie­ler-, Mons­chau­er Stra­ße, Rhein­dah­len zwi­schen Bahn­li­nie und Er­kelen­zer Stra­ße). Ab 1970 wur­de nach dem 1969 vom Rat der Stadt ver­ab­schie­de­ten Ge­ne­ral­ver­kehrs­plan das Stra­ßen­netz au­to­bahn­be­zo­gen (Tan­gen­ten­sys­tem) grund­le­gend aus­ge­baut: Um­bau der Kal­den­kir­che­ner Stra­ße (L 570), Neu­bau mit An­schluss­ver­bin­dun­gen der B 57 (Aa­chen-Kre­feld), Um­bau der Bis­marck-, Hin­den­burg-, Erz­ber­ger- und Rhe­ydter Stra­ße, Um­bau der Flieth- und Hit­ta­stra­ße (L 381), mitt­le­rer Er­schlies­sungs­ring zwi­schen Kal­den­kir­che­ner und Aa­che­ner Stra­ße (Schü­ren­weg, Ma­ri­en­bur­ger Stra­ße, Met­zen­weg, Ni­codem­stra­ße, Mons­chau­er Stra­ße), Neu­bau und Aus­bau der Ver­bin­dung Vier­sener Stra­ße, Croons­al­lee, Stein­metz- und Bis­marck­stra­ße, Aus­bau der Kor­schen­broi­cher Stra­ße, Ver­län­ge­rung des mitt­le­ren Er­schlie­ßungs­rings nach Rhe­ydt (noch nicht ab­ge­schlos­sen), Aus­bau der B 57 bis zum mitt­le­ren Er­schlie­ßungs­ring und West­um­ge­hung Rhein­dah­len (Ab­schluss 1995).

Topographische Karte Mönchengladbach 1892/93, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 4704 Viersen (1892) und 4804 Mönchengladbach (1893) der Preußischen Kartenaufnahme 1891-1912 (Neuaufnahme). (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen/ Nr. 268/96)

 

Durch die Sper­rung der obe­ren Hin­den­burg­stra­ße für den Au­to­ver­kehr 1973 wur­de ei­ne Er­schlie­ßungs­stra­ße (Ver­län­ge­rung der Ab­tei­stra­ße) not­wen­dig. 1975 wur­den der Al­te Markt und die obe­re Wald­hau­se­ner Stra­ße zum Fu­ßgän­ger­be­reich. 1983 wur­de die Fu­ßgän­ger­zo­ne Hin­den­burg­stra­ße bis zum Bahn­hofs­vor­platz er­wei­tert. Wei­te­re Fu­ßgän­ger­be­rei­che ent­stan­den in Rhein­dah­len, Hardt und Ei­cken, das ab 1983 völ­lig neu­ge­stal­tet und teil­wei­se neu be­baut wur­de (un­te­re Ei­cke­ner Stra­ße-Thü­rin­ger Stra­ße-Buschal­lee).

2. 2 Friedhöfe

1183 ist un­ter den Glad­ba­cher Mi­nis­te­ria­len Go­de­scal­cus de ci­mi­te­rio (UB Glad­bach 59)
1312 Zwei Häu­ser jux­ta ci­mi­te­ri­um (ebd. 177), La­ge un­be­kannt, ver­mut­lich im Be­reich der Kir­che am Markt
1611 evan­ge­li­scher Fried­hof (IV 9)
1644 jü­di­scher Fried­hof, 1841 neu­er jü­di­scher Fried­hof (IV 8)
1682 neu­er ka­tho­li­scher Fried­hof vor dem Ju­den­tor ge­nannt (UB Glad­bach 1008), lag im Be­reich Flies­cher­berg, dort Fried­hofs­ka­pel­le (ebd. 1009; vgl. Ta­fel 1, Grund­riss; Ta­fel 3, Stadt­plan 1863)
1843 neu­er ka­tho­li­scher Fried­hof an der Bett­ra­ther Stra­ße, 1866, 1869, 1878 er­wei­tert 1854 neu­er ev Fried­hof an der Vier­sener Stra­ße (Ge­mein­de­buch, S. 71)
1879 städ­ti­scher Fried­hof öst­lich vom ka­tho­li­schen Fried­hof 1902 neu­er städ­ti­scher Fried­hof zwi­schen Sta­kel­berg und Het­weg, 1927 er­wei­tert

Die Ab­tei hat­te ei­nen ei­ge­nen Fried­hof hin­ter dem Chor im Os­ten. In der Chor­wand des Müns­ters ist ein Ha­gio­skop (13. Jahr­hun­dert) ein­ge­las­sen, das der Auf­stel­lung ei­ner ei­ge­nen To­ten­leuch­te die­nen konn­te (Cla­sen, S. 23 f).

1586 Müns­ter­kirch­hoff er­wähnt (UB Glad­bach 794), wo auch die In­ha­ber der vier Rit­ter­gü­ter be­gra­ben wer­den (ebd. 852)

2. 3 Stadtbrände, Belagerungen und sonstige Katastrophen

Die Aus­wir­kun­gen der Stadt­brän­de En­de des 15. Jahr­hun­derts. (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 381), 1596 (StaMG 18/52), 1626 (Noever, Nach­trag, S. 38) und 1642, bei dem 144 Häu­ser zwi­schen Neu­stra­ße und Markt, das Rat­haus, das Markt- und Ju­den­tor ab­brann­ten (Eckertz-Noever, S. 232 f), sind un­be­kannt. Zu den Zer­stö­run­gen des Zwei­ten Welt­kriegs s. oben. Wäh­rend des 30-Jäh­ri­gen Krie­ges ist Glad­bach im De­zem­ber 1640 be­la­gert wor­den, im Sep­tem­ber 1642 wur­de die Stadt be­schos­sen, die Be­völ­ke­rung floh aus der Stadt (G. En­gel­bert/H. Salm, Das Kriegs­ar­chiv d. Kai­serl. Feld­mar­schalls Mel­chi­or v. Hatz­feldt <1593-1658>, 1993, S. 181, 80, 185).

2. 2 Tore

1456 Wy­er­port­ze (HSTAD Ab­tei G 193 = UB Glad­bach 442 mit Wi­ier­port­ze) = im 16. Jahr­hun­dert auch Ei­cher­pfort­ze ge­nannt (Kop XVII, StaMG 1 b 1 S. 374) = 1812/13 Am Wey­ert­hor (Ta­fel 1, Grund­riß)
1466 Bu­che­ner pfort­zen (Kop XVII, UB Glad­bach 457) = 1470 Bo(e)ke­sport­zen (ebd. 468) = 1589 Boi­ckis oder Mar­der­pfort­zen (ebd. 804) = 1642 por­ta fo­ri (Markt­tor) (ebd. 930, S. 366), lag am nördl. Stadt­aus­gang in Rich­tung Vier­sen (vgl. Ta­fel 1, Grund­riss)
1497 Ju­den­pfort­zen (Kop XVII, UB Glad­bach 539) = 1594 Jud­den- oder Neus­ser­pfort­zen (ebd. 829), lag am öst­li­chen Stadt­aus­gang (vgl. Ta­fel 1, Grund­riß)

2. 4 Türmes

1589 wer­den neun Tür­me er­wähnt: Mom­mer­sortt, Hop­pent­horn, torn [oh­ne Na­men], Lo(a)uf­fen­berg(h), Wy­enn­torn, Kom­pen­torn, ne­wen torn, der torn ne­ben dem ne­wen torn, au­ßer­dem ein wacht­törn­gen (UB Glad­bach 804)
Das Ur­ka­tas­ter von 1812/13 (Ta­fel 1, Grund­riss) zeigt die Si­tua­ti­on nach der Ver­la­ge­rung der Stadt­mau­er öst­lich des Müns­ters und der Ab­tei an­läss­lich der An­la­ge des Ab­tei­g­ar­tens (II 2). 1812/13 be­stan­den noch sie­ben run­de, vier halb­run­de und ein klei­ner recht­ecki­ger Turm (west­lich des Wey­er­tors). Er­hal­ten sind heu­te Res­te fol­gen­der Tür­me: Turm am Ger­o­platz, Di­cker Turm an der Wald­hau­se­ner Stra­ße, der durch ein er­hal­te­nes Stück der Stadt­mau­er mit dem Klei­nen Turm ver­bun­den ist, Wy­en­turm am Ab­tei­g­ar­ten, Borne­feld­turm.

3. 5 Straßen intra muros

1347 in vi­co Ju­de­o­rum pro­pe val­vam (UB Glad­bach 302) = 1500 Ju­den­stras­se (Kop XVII, ebd. 545) = 1812/13 Rue des Juifs und ex­tra mu­ros Gran­de Rou­te à Cré­feld (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 und 1903 Crefel­der Straß(ss)e (Ta­fel 3 u. 4, Stadt­plä­ne) = heu­te Hin­den­burg­stra­ße (Ta­fel 1, DGK)
1456 on­der den Ey­ken, am Fuß des Ab­tei­hü­gels (UB Glad­bach 442) = 1812/13 und 1863 Un­ter den Ei­chen (Ta­fel 1, Grund­riss; Ta­fel 3, Stadt­plan) = 1903 und heu­te Wei­her­stra­ße (Ta­fel 4, Stadt­plan; Ta­fel 1, DGK)
1476 Niers­trais­se (UB Glad­bach 490) = 1504 Ne­wer­stras­se (ebd. 555) = 1812/13 Rue Neuve (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 und 1903 (K)Ca­pu­zi­ner Stra­ße (Ta­fel 3 u. 4, Stadt­plä­ne) = heu­te Ka­pu­zi­ner­stra­ße (Ta­fel 1, DGK)
1571 Stadt­umbweg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 429) = 1585 Ge­mei­ner Mau­rweg (Kop XVII, ebd. Bd. 2 S. 220) = 1812/13 Hin­ter der Mau­er (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 Mau­er Stra­ße (noch als Teil­stück) (Ta­fel 3, Stadt­plan) = heu­te An der Stadt­mau­er (Ta­fel 1, DGK)
1572 bin­nen Glad­bach langs die Stieg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 470) = 1812/13 In der Stie­ge (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 Stieg (Ta­fel 3, Stadt­plan) = 1903 und heu­te Markt­stieg (Ta­fel 4, Stadt­plan; Ta­fel 1, DGK), s. auch nächs­ter Be­leg
1576 An der Quin­ke­len (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 677) = 1812/13 Rue Quin­ken (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 Quin­ken Stra­ße (Ta­fel 3, Stadt­plan) = heu­te Markt­stieg (Ta­fel 1, DGK)
1586 Platz vor der Ab­dey­en, Statt­stein­wegh so nach der Ab­dey­en ge­het, Müns­ter­kirch­hoff und -berg, Du­ven­bergh (Kop XVII, UB Glad­bach 794)
1591 Turn­stra­ße (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 424) = 1903 Thurm Stras­se (Ta­fel 4, Stadt­plan) 1592 Ganß­weg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 487), lag am Stadt­wall 
1594 Gast­hauß Weg (Kop XVII, ebd. S. 541) = 1812/13 Gast­haus Hüt­te (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863, 1903 und heu­te Gast­haus­stra­ße (Ta­fel 3 u. 4, Stadt­plä­ne; Ta­fel 1, DKG)
1653 Fu­e­ßhüt­te (StaMG 1 b 1 Bd. 4 fol. 116r) = 1812/13 Fuchs­hüt­te (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 Teil der Stra­ße Un­ter den Ei­chen (Ta­fel 3, Stadt­plan), heu­te nicht mehr vor­han­den
1812/13 Auf dem Son­nen­ber­ge (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 Auf dem Son­nen­berg (Ta­fel 3, Stadt­plan) = heu­te Teil der Wei­her­stra­ße (Ta­fel 1, DGK)
1812/13 Im grue­nen Wald (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 im grü­nen Wald (Ta­fel 3, Stadt­plan) = heu­te Teil der Gast­haus­stra­ße (Ta­fel 1, DGK)
1812/13 Auf dem Plan (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 Auf dem Plo­en (Ta­fel 3, Stadt­plan) = heu­te nicht mehr vor­han­den 
1812/13 Am Ber­ge (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 und 1903 Ab­tei­stra­ße (Ta­fel 3 u. 4, Stadt­plä­ne) = heu­te Ab­tei­berg­stra­ße (Ta­fel 1, DGK)
1812/13 und 1863 Hirt­z­hüt­te (Ta­fel 1, Grund­riss; Ta­fel 3, Stadt­plan) = heu­te Teil der Wald­hau­se­ner Stra­ße (Ta­fel 1, DGK). 1596 be­reits Hirtz Erb­schafft er­wähnt (Kop XVII, StaMG 1 b 1 S. 601)

3. 5 Straßen extra muros

1315 via qua itur de fo­ro de Glad­bach ver­sus Bet­ten­rai­de (Kop XVI, UB Glad­bach 190; zur Rich­tung vgl. Ta­fel 2, Ur­auf­nah­me) = 1903 und heu­te Bett­ra­ther Stra­ße (Ta­fel 3, Stadt­plan)
1325 Weg von Glad­bach nach Hardt (UB Glad­bach 233)
1350 Wech tghe­en die huve van Wye­vels­ho­le (ebd. 311)
1455 Ronn­ar­ten we­ge (ebd. 440) = 1562 Run­ner­ter We­ge (Kop XVII, StaMG 16/1 S. 157) = 1903 Rön­ne­ter­weg (Ta­fel 3, Stadt­plan)
1466 Ko­ver­gra­ben baus­sen der Bu­che­ner pfort­zen (Kop XVII, UB Glad­bach 457) = 1812/13 Flur­na­me Am Ko­ven­gra­ben (Ta­fel 1, Grund­riss); dient im 17. Jahr­hun­dert als Was­ser­re­ser­voir (Noever, Nach­trag, S. 33)
1466 Heg­gen­re wech (Kop XVII, UB Glad­bach 459), lag in der Nä­he des Markt­tors 
1470 strais­se dair men van der Bo­e­ke­sport­zen geit (ebd. 468)
1487 Vir­sen­re we­ge (ebd. 512) = 1576 Vier­sener Kirch­weg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 694) = 1587 Vier­sener Her­weg (Kop XVII, ebd. Bd. 2 S. 293) = 1863, 1903 und heu­te Vier­sener Stra­ße (Ta­fel 3 u. 4, Stadt­plä­ne; Ta­fel 1, DKG)
1504 Duyl­ker­pat = (UB Glad­bach 554) = heu­te Dül­ke­ner Stra­ße
1509 Li­jk­wech, der van Beeck­er­hoff (III 1 Grund­herr­schaft) ain dy stat ghe­yt; ge­meyne wech nach uys­ser de­me Ha­ter­b­roick (HSTAD Ab­tei G 249)
1509 Mo­len­wech (UB Glad­bach 570)
1517 We­vels­loi­cher Weg (ebd. 607), lag am Markt­feld
1534 Kir­chen­patt (ebd. 657)
1539 Schied­weg (ebd. 679), lag am Markt­feld
1547 Ha­gel­creut­zer Weg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 10) = heu­te Ha­gel­kreuz­stra­ße
1558 Gier­ten Wegh (ebd. S. 76)
1559 Har­der Wegh (ebd. S. 87)
1559 Neu­ßer Stra­ße (ebd. S. 96), lag in Bett­rath
1560 Aa­cher Padt (ebd. S. 335) = 1579 Aa­cher Weg (ebd. S. 822) = Aa­che­ner Stra­ße (Ta­fel 1, DGK)
1560 Ven­ner Wegh (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 100) = heu­te Ven­ner Stra­ße
1560 Lai­cker Kirch­wegh (ebd. S. 331)
1560 Drie­schweg (ebd. S. 113)
1561 Bont­ger Wegh (ebd. S. 136) = 1559 Bungter Weg (ebd. S. 86) = 1903 und heu­te Bungt­stra­ße (Ta­fel 4, Stadt­plan)
1561 Ju­jck­wegh, lag am Rydbroich (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 327) = heu­te Karl-Bar­t­hold-Weg
1562 Schui­rengs Wegh (ebd. S. 152) = 1572 Scheu­ren­weg (ebd. S. 482) = heu­te Schü­ren­weg
1563 Aler straiss (UB Glad­bach 747), führ­te nach Oh­ler 1563 Stein­weg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 179)
1563 Ud­din­ger Weg (ebd. S. 163) = heu­te Ued­din­ger Stra­ße
1564 Ruy­ters­wegh (ebd. S. 198), lag in Neu­werk, führ­te von der heu­ti­gen Süch­tel­ner Stra­ße zur Spin­ner­stra­ße (Ma­ckes, Neu­werk II, S. 88)
1565 Flei­sche­ner Wegh (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 245) = 1566 Vli­schen­ne voess­patt (UB Glad­bach 754), lag vor der Ju­den­pfor­te, vgl. 1863 und 1903 Flies­cher­berg (Ta­fel 3 u. 4, Stadt­plä­ne) = heu­te An der Flies­cher­müh­le (Ta­fel 1, DGK)
1565 Dün­ner Kirch­wegh (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 53) = heu­te Dün­ner Stra­ße
1566 Lin­der­wegh oder ge­mei­ne stras­se, führ­te nach Rhe­ydt (Kop XVII, UB Glad­bach 754) = 1593 Ge­mei­ner Rhei­der Weg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 515) = 1903 und heu­te Rhe­ydter Stra­ße (Ta­fel 3, Stadt­plan)
1566 Bet­te­rai­ter Wegh (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 60)
1566 Ei­ker Patt (ebd. S. 258) = 1576 Ei­cker Strass (ebd. Bd. 2 S. 667) = 1903 und heu­te Ei­cke­ner Stra­ße (Ta­fel 4, Stadt­plan)
1566 Wincke­ler Wegh (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 63)
1566 Hol­ter Kirch­weg (ebd. S. 255)
1567 Brei­de Wegh (ebd. S. 268), lag in Venn
1567 Haus­mans­wegh (ebd. S. 66), lag in Neu­werk
1567 De­i­pen­weg (Ma­ckes, Neu­werk II, S. 86) = 1572 Die­pen­weg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 467) = heu­te Die­bes­weg
1568 Fors­ter Straß (ebd. Bd. 1 S. 296) = 1575 Vors­ter Kirch­weg (ebd. S. 625) = heu­te Vors­ter Stra­ße
1568 Hor­ner Padt (ebd. S. 304)
1568 Dohr­weg (ebd. S. 310) = heu­te Dohr­weg
1570 Heeh­ner Kirch­weg (ebd. S. 404)
1570 Kahr­weg (ebd. S. 405) = heu­te Kar­stra­ße
1570 Grue­ne Weg (ebd. S. 484)
1571 Dunck­weg (ebd. S. 421) = heu­te Don­ker Stra­ße
1573 Schma­ler Vier­sener Weg (ebd. 493)
1573 En­gels­kirch­weg (ebd. S. 549)
1574 Obers­ter Weg (ebd. S. 580), lag in Neu­werk
1574 Pe­scher Padt (ebd. S. 599)
1575 Lur­ri­per Stra­ße (ebd. S. 644) = 1903 und heu­te Lür­ri­per Stra­ße (Ta­fel 3, Stadt­plan)
1576 Lo­ers­weg (ebd. S. 673)
1577 Creutz­weg (ebd. S. 716)
1577 Hen­ne­kens­weg (ebd. S. 723), lag in Vorst
1577 Roß­stra­ße (ebd. S. 729), lag in Hardt
1577 Dah­ler Kirch­weg (ebd. S. 732)
1577 Heidtweg (ebd. S. 744) = heu­te Hei­de­weg
1577 Mühl­len­stra­ße (ebd. S. 746)
1578 Brug­ge­ner Stra­ße (ebd. S. 767) = 1585 Bruck­stra­ße (ebd. Bd. 2 S. 207) = 1592 Brug­k­stra­ße bin­nen Glad­bach (ebd. S. 471)
1578 Holtz­weg (ebd. Bd. 1 S. 776)
1578 Freins­weg (ebd. S. 779) = heu­te Frings­stra­ße
1580 Ho­le Stra­ße, (ebd. Bd. 2 S. 2; vgl. auch UB Glad­bach 829 = 1594), lag vor dem Ju­den­tor
1580 Her­stra­ße (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 13), ging am Bel­ting­ho­ve­ner und Vors­ter Feld vor­bei
1580 Sit­tar­der Weg (ebd. S. 8) = 1595 Sit­tar­der Kirch­weg (ebd. S. 552) = 1903 Sit­tard­stras­se (Ta­fel 4, Stadt­plan) = heu­te Sit­tar­der Stra­ße
1580 He­cker­weg (ebd. S. 1), lag in Lür­rip
1580 Co­ent­gens­weg (ebd. S. 5), lag in Gro­ßhei­de
1580 Bue­ckels­weg (ebd. S. 8) = 1903 und heu­te Bö­kel­stra­ße (Ta­fel 3, Stadt­plan)
1580 Ne­wen­ho­ver Kirch­weg (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 32), lag in Ei­cken
1580 Har­ter­bro­cher Kirch­weg (ebd. S. 45) = 1903

2. 5 Plätze

1183/90 fo­rum (III 2 Markt) = 1467 up de­me mar­de (UB Glad­bach 462) = 1812/13 Grand Place du Mar­ché (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 Markt (Ta­fel 3, Stadt­plan) = heu­te Al­ter Markt (Ta­fel 1, DGK)
1560 Perts­mart (UB Glad­bach 731) = 1812/13 Mar­ché aux Chevaux (Ta­fel 1, Grund­riss) = 1863 Pfer­de­markt (Ta­fel 3, Stadt­plan), heu­te nicht mehr vor­han­den
1569 Ver­kes­markt (Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 2 S. 320), lag hin­ter dem Rat­haus, ver­mut­lich im Süd­wes­ten des Mark­tes

2. 5 Gebäude

1269 de tea­tro (HSTAD Ab­tei G 27 = UB Vier­sen 39 = UB Glad­bach 107 mit fal­scher Les­art thea­tro), strit­tig, ob auf Glad­bach zu be­zie­hen
1318 do­mus ... dic­ta ter hal­len (HSTAD Ab­tei G 70 = UB Glad­bach 198) = Haus am Rat­haus, im Be­sitz des Ab­tes

1346 Brau­haus der Ab­tei (UB Glad­bach 308)
1488 Vait­huys (De Maas­gouw 17, 1895, S. 55) = iden­tisch mit her­ren­hauß? (s. nächs­ter Be­leg)
1488 Stadt­waa­ge (statt­wa­ge) (UB Glad­bach 516, S. 319). 1511 ist die waag un­ter dem her­ren­hauß erst an­ge­s­telt durch Amt­mann und Vogt (HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 98r)
1510/11 wyn­hüyss (ebd. JB III R Gre­ven­broich 1 fol. 143v)

2. 6 Rechtsdenkmäler

1501 Stock und Ge­fäng­nis­turm (Nor­ren­berg, S. 147 f; Ma­ckes, Neu­werk II, S. 68; vgl. auch HSTAD JB III R Gre­ven­broich 2 fol. 16v, zu 1511 u. 3 fol. 113v, zu 1531)
(1586) Stei­ner­ner Pran­ger des Her­zog von Jü­lich auf dem Markt (UB Glad­bach 795), Abt von Glad­bach be­strei­tet dem Her­zog das Recht zur Auf­stel­lung des Pran­gers, hat­te frü­her ei­nen höl­zer­nen Pran­ger auf­ge­stellt (ebd. 875, 947)
1599 Abt von Glad­bach stellt Holz für Gal­gen aus dem Kam­mer­forst (ebd. 843 u. ö.)
1612 Ge­richt = Gal­gen (StaMG 1 b 1 Bd. 11 S. 539), lag auf den gro­ßen Hei­den (Noever, Nach­trag, S. 69) im Be­reich des Fried­hofs an der heu­ti­gen Vier­sener Stra­ße (Ma­ckes, Neu­werk II, S. 61)

2. 7 Größe des umwehrten Arreals

Grö­ß­te Aus­deh­nung: Nor­den-Sü­den ca. 465 m, Wes­ten-Oos­ten ca. 340 m Flä­che (ein­schlie­ß­lich Ab­tei­g­ar­ten): ca. 13 Hekt­ar, wo­von ca. 1 Hekt­ar auf Ab­tei, Müns­ter und Pfarr­kir­che ent­fal­len.

Topographische Karte Mönchengladbach 1993/94, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 4704 Viersen (1993) und 4804 Mönchengladbach (1994) der Preußischen Kartenaufnahme 1891-1912. (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen/ Nr. 268/96)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Löhr, Wolfgang, Rheinischer Städteatlas Mönchengladbach. Teil 2: Topographie, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-moenchengladbach.-teil-2-topographie/DE-2086/lido/6082d9389a3375.82169903 (abgerufen am 15.02.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 19.08.2025, zuletzt geändert am 08.10.2025

Auch über Rheinischer Städteatlas Mönchengladbach, bearbeitet von Wolfgang Löhr (Lieferung XII Nr. 65, 1996)