Rheinischer Städteatlas Mönchengladbach. Teil 3: Herrschaft und Gemeinde

Herrschaft und Gemeinde

Wolfgang Löhr (Mönchengladbach)

Karte der "Sammt-Gemeinde Gladbach" 1813, im Verhältnis 1 : 20 000, Aufgenommen im Verhältnis 1 : 10 000 von den Geometern Stierlin und Lemmens. (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland/ Regierung Düsseldorf Katasterkarten BR 0146, Nr. Ü 101)

3. 1 Grund- und Gerichtsherrschaft

Grund­herr­schaft im Be­sitz der Ab­tei Glad­bach (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 277 f, 285, 298)

3. 1 Grund- und Gerichtsherrschaft

1116 be­steht in Glad­bach ei­ne Vil­li­ka­ti­on (vil­la, I 3; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 318)
1135 meh­re­re vil­li­ci mit ser­vu­li (per­sön­lich un­freie Dienst­leu­te) der Ab­tei in Ma­cken­stein und Pi­per­lo er­wähnt (UB Glad­bach 23; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 319, 333 f)
1183 Der Glad­ba­cher Haupt­hof (Fron­hof) wird von ei­nem pro­cu­ra­tor maio­ris cur­tis ver­wal­tet (UB Glad­bach 59); die­ser Fron­hof (1403, vrö­nen­ho­ve gen­andt die Juick, ebd. 373) lag im Be­reich Rhe­ydter Stra­ße/Lü­pert­zen­der­stra­ße und des Karl-Bar­t­hold-Wegs (vgl. Ta­fel 1, Grund­riss). 1231 wird der pro­cu­ra­tor maio­ris cur­tis letzt­mals er­wähnt (UB Glad­bach 73; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 319)
1135 vil­li­ca­tio Racs­lei­de (Ras­seln) er­wähnt (UB Glad­bach 23). 1170 Er­werb ei­nes Ho­fes apud Rak­hes­lei­de durch die Ab­tei (ebd. 53), viel­leicht zur Er­gän­zung der Vil­li­ka­ti­on. 1172 Er­werb ei­nes wei­te­ren Ho­fes, der Le­hen des Her­zog von Lim­burg ist: al­lo­di­um Rak­hes­lei­de quod di­ci­tur ad fos­sam (wahr­schein­lich Küh­len­hof, ebd. 55; zu den Rechts­ver­hält­nis­sen vgl. Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 349). Ob die­ser Hof iden­tisch ist mit der cur­tis ab­ba­tis ... si­ta in Ra­ex­lei­den dic­ta vro­ne­hof ist nicht gänz­lich ge­klärt (HSTAD Ab­tei G 97; Re­gest UB Glad­bach 241). Die aus der Grund­herr­schaft ab­ge­lei­te­ten Rech­te (Grut­recht, III 2; Müh­lenzwang, V 4; Maß und Ge­wicht, V 6) ver­sucht die Ab­tei bis ins 18. Jahr­hun­dert zu ver­tei­di­gen. Im 16. Jahr­hun­dert nennt sich der Abt Erb­grund­herr (1586, ebd. 794)

Lehnshöfe der Abtei Gladbach bis 1400

1312 cur­tis ... in Ren­mor­ter (Rön­ne­ter) (HSTAD Ab­tei G 55 = Re­gest UB Glad­bach 168)
1315 cur­tis in Rus­forst (HSTAD Ab­tei G 63 = UB Glad­bach 185), lag in Dünn (Ma­ckes, Neu­werk II, 39)
1319 cur­tis dic­ta Be­chu­sen (UB Glad­bach 199), lag an der heu­ti­gen Knops­stra­ße
1335 cur­tis dic­ta ten Hou­te (ebd. 275; vgl. IV 6) = Holt = En­gels­hof, lag in En­gels­holt
1337 Mann­le­hen­hof Hal­ter­bru­ech (UB Glad­bach 281) = Hard­ter­b­roich
1381 Hof zu Wal­t­hu­sen (HSTAD Ab­tei G 149 = UB Glad­bach 340, mit fal­scher Les­art) = Wald­hau­sen = Kar­manns­hof, lag an der heu­ti­gen Kar­manns­stra­ße
1383 Hof der Rohr­müh­le (V 4)
1389 Hof zo den Bo­sche = Bu­scher Hof (ebd. 347), lag in Herm­ges und ge­hör­te mit dem Ah­ler (Oh­ler), Bran­den­ber­ger (Herm­ges) und Ückel­ho­fer Hof (Erft­stra­ße) An­fang des 17. Jahr­hun­derts zu den vier Rit­ter­le­hen (ebd. 846). An­fang des 17. Jahr­hun­dert über sieb­zig ab­tei­li­che Le­hen (ebd., zu den ab­tei­li­chen Lehns­bü­chern vgl. Ma­ckes, Neu­werk II, S. 38 Anm. 126)

Seit An­fang des 14. Jahr­hun­derts auch Ver­pach­tung von Acker­land und Hö­fen der Ab­tei: 1334 Welt­ers­hof (UB Glad­bach 268, 270), lag an der heu­ti­gen Don­ker Stra­ße (vgl. Ma­ckes, Neu­werk II, S. 47 u. UB Glad­bach 354), 1396 Beeck­er­hof (HSTAD Ab­tei G 152a) Auch ehe­ma­li­ge Lehns­hö­fe wur­den im 15. Jahr­hun­dert ver­pach­tet (vgl. 1481 Ver­pach­tung des Küh­len­hofs in Ras­seln auf 40 Jah­re, UB Glad­bach 503). Im 17. Jahr­hun­dert wur­den ne­ben dem Küh­len­hof drei­zehn wei­te­re Hö­fe auf zwölf Jah­re ver­pach­tet (HSTAD Ab­tei G Akt 22c). Im 16. Jahr­hun­dert Un­ter­schei­dung zwi­schen ein­fa­chen ab­tei­li­chen Bau­ern­le­hen (Vitz­gu­de­re = Vi­tus­gü­ter) und den Rit­ter­le­hen (al­lo­dia­les bo­na, UB Glad­bach 797, vgl. auch ebd. 846); die Bau­ern­le­hen un­ter­schei­den sich von den im 16. Jahr­hun­dert erst­mals er­wähn­ten ab­tei­li­chen Kur­muts­gü­tern durch die Grö­ße, die Form der Über­tra­gung, die Ab­ga­ben und das hö­he­re So­zi­al­pres­ti­ge der Lehns­leu­te (ebd. 602, 722, 783, 817, 852; vgl. auch J. Noever, Kur­mut, Kur­muts­gü­ter im ehem. Am­te Glad­bach. In: Die Hei­mat 25, 1954, S. 97-100) Die im 16. Jahr­hun­dert erst­mals ge­nann­ten ca. sieb­zig Bo­ten­gü­ter konn­ten so­wohl Bau­ern­le­hen als auch Kur­muts­gü­ter sein. Ih­re In­ha­ber muss­ten - je ei­ner aus der Ober­ge­burt und der Nie­der­ge­burt - ein Jahr lang das Amt des Ge­richts­bo­ten über­neh­men (UB Glad­bach 703, 796, 797, 846, 986, 1062; HSTAD Ab­tei G Akt 1-5 u. 22c; Eckertz-Noever, S. 59-63; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 135 f).

Wedemhof

Erst­mals 1576 als Pas­toiri­en oder Widdumbs Hoff er­wähnt (UB Glad­bach 775, 843, 1082; Red­lich II 1, S. 264), war im 17. Jahr­hun­dert auf zwölf Jah­re ver­pach­tet (HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 1-2), lag am gro­ßen Wei­her (vgl. Ta­fel 1, Grund­riss).

Mit der Grund­herr­schaft be­saß die Ab­tei in Glad­bach die Ge­richts­herr­schaft. Der 1135 in Zu­sam­men­hang mit ei­nem Streit um ei­nen Zehn­ten der Ab­tei er­wähn­te Vogt Adel­hard (UB Glad­bach 23) ist wahr­schein­lich nicht Vogt von Glad­bach ge­we­sen (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 299 f), auch nicht der als Zeu­ge ge­nann­te Graf Hein­rich von Kes­sel. Doch tra­ten die Gra­fen von Kes­sel 1170 und 1172 (UB Glad­bach 54, 56) bei Be­sit­zer­werb der Ab­tei als Zeu­gen auf, und 1243 voll­zog Graf Wil­helm von Kes­sel vog­tei­li­che Funk­tio­nen, oh­ne aber aus­drück­lich den Ti­tel zu füh­ren (ebd. 82; vgl. da­zu Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 302). 1275 wird die ad­vo­ca­tia der von Kes­sel na­ment­lich er­wähnt (UB Glad­bach 114). Gel­dri­sche An­sprü­che auf die Vog­tei En­de 13. Jahr­hun­dert blei­ben ver­mut­lich un­wirk­sam (1279, UB Vier­sen 42; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 303 f; vgl. auch UB Glad­bach 116 = 1273). 1290 ist die Vog­tei im Be­sitz Wal­rams von Jü­lich (ebd. 131), Wal­ram von Kes­sel scheint aber noch im Be­sitz der Ober­vog­tei ge­we­sen zu sein (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 304 f). 1304 hob er ei­ne un­recht­mä­ßig er­rich­te­te Zoll­stel­le auf und ver­füg­te, dass nach sei­nem Tod der Ab­tei ei­ne Hu­fe, ein Haus so­wie ei­ne Wald­par­zel­le im Ge­mein­de­wald über­tra­gen wer­den soll­ten (III 2 Zoll).

Vogtgeding

Un­ge­bo­te­nes Ding des vog­tei­li­chen Hoch­ge­richts der Graf von Kes­sel bzw. Gra­fen/Her­zog von Jü­lich (UB Glad­bach 82, 499, 500, 987), tag­te im 18. Jahr­hun­dert. vier­tel­jähr­lich im Rat­haus; die Haus­vä­ter wa­ren zur Teil­nah­me ver­pflich­tet (1624, HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 274r; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 99 f; Ma­ckes, Neu­werk II, S. 63-65). Spä­tes­tens seit dem 16. Jahr­hun­dert ist der ab­tei­li­che Schult­heiß zur Teil­nah­me be­rech­tigt (UB Glad­bach 794, 987; StaMG 24 Akt 257).

Landgeding

Glad­ba­cher Schöf­fen­ge­richt. Zu­sam­men­set­zung: Rich­ter (Vogt), 7 Schöf­fen (ca. 1183, ebd. 59; 1281, ebd. 121; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 100-107; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 338-340, 368-371), wa­ren dem Abt von Glad­bach und dem Lan­des­herrn durch Eid ver­pflich­tet (UB Glad­bach 794; vgl. auch HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 182v, 264r, 266r-267r, Be­le­ge für das 16. und 17. Jahr­hun­dert.). Zwei Schöf­fen wirk­ten bei der ab­tei­li­chen Kon­trol­le von Brot, Fleisch, Maß und Ge­wicht mit (UB Glad­bach 794, 852, 926, 986, 987). Schöf­fen wa­ren als Steu­er­er­he­ber tä­tig (ebd. 114, 796, 814; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 103) und wur­den bei Ver­pfän­dun­gen bis ins 15. Jahr­hun­dert vom Lan­des­herrn kon­sul­tiert (1347, UB Glad­bach 304; 1441, ebd. 414). Das Schöf­fen­ge­richt war Ge­richts­stand in al­len Zi­vil- und Straf­rechts­sa­chen (ebd. 483; Huys­kens, Ent­wick­lung, S. 69). Zwei Schöf­fen führ­ten die Erb­bü­cher mit Ein­tra­gun­gen der frei­wil­li­gen Ge­richts­bar­keit (StaMG 1 b 1; vgl. auch UB Glad­bach 987). Die Schöf­fen wähl­ten aus den In­ha­bern der Bo­ten­gü­ter die Ge­richts­bo­ten aus (III 1 Grund­herr­schaft). Hardt hat­te sei­nen ei­ge­nen Ge­richts­bo­ten, der wie die Glad­ba­cher dem Abt von Glad­bach und Her­zog von Jü­lich schwo­ren (XVI. Jh., HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 166r). Ge­richts­zug nach Jü­lich (ebd.; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 107). Der ab­tei­li­che Schult­heiß lei­te­te ge­le­gent­lich die Ver­hand­lun­gen und war an den Ge­richts­ge­büh­ren und Brüch­ten be­tei­ligt (UB Glad­bach 794 u. ö.). Im 18. Jahr­hun­dert wur­den die Schöf­fen vom Lan­des­herrn auf Le­bens­zeit er­nannt (ebd. 1061).

Hardter Schöffengericht

Erst­mals 1311 er­wähnt (III 1 Amts­trä­ger und Be­diens­te­te; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 340), Zu­sam­men­set­zung: Sie­ben Schöf­fen, ver­mut­lich un­ter dem für Glad­bach und Hardt zu­stän­di­gen ab­tei­li­chen Schult­heiß, Ge­richts­zug nach G (HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 166r, XVI. Jh.; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 106 f); im 17. Jahr­hun­dert fünf Schöf­fen (UB Glad­bach 999).

Hehner Schöffengericht

(1215) auf­ge­löst, fünf na­ment­lich ge­nann­te Per­so­nen und an­de­re Ein­woh­ner der vil­la (van­me) Hae­ne wer­den da­von be­freit, den de­ci­mus und sca­bi­ni in­ter ip­sos zu wäh­len (ebd. 67; zur Da­tie­rung Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 101; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 338 f; Eckertz-Noever, S. 38, set­zen den de­ci­mus mit ei­nem Bo­ten gleich).

Manngeding

Grund­herr­li­ches Hof­ge­richt der Ab­tei Glad­bach. An der Spit­ze stand ein vil­li­cus (III 1 Amts­trä­ger und Be­diens­te­te), spä­ter der scul­te­tus, war mit sie­ben Schöf­fen be­setzt (ebd.), die iden­tisch wa­ren mit dem Glad­ba­cher Schöf­fen­ge­richt (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 339). Ab 16. Jahr­hun­dert Mann­kam­mer mit ei­nem Mann­rich­ter an der Spit­ze, mit Lehns­schrei­ber und Lehns­bo­ten, zu­stän­dig für die Lehns­gü­ter in Glad­bach (UB Glad­bach 721 u. ö.; vgl. auch HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 199r-v).

3. 1 Weistümer

1539 Weis­tum des Glad­ba­cher Vogt­ge­dings (Vrog zu Glad­bach) (Kop XVII, UB Glad­bach 670)
1599 Bu­sch­ord­nung des Kam­mer­fors­tes (ebd. 843)

3. 1 Amtsträger und Bedienstete

1151 mi­nis­te­ria­les der Ab­tei Glad­bach (ebd. 33)
1170 vil­li­cus der Ab­tei Glad­bach (ebd. 54)
1183 sca­bi­ni (ebd. 59)
(1215) de­ci­mus der vil­la Hae­ne (III 1 Ge­richts­herr­schaft, Heh­ner Schöf­fen­ge­richt)
1231 ad­vo­ca­tus (UB Glad­bach 73)
1275 of­fi­cia­les des Vog­tes Hein­rich v Kes­sel (ebd. 114)
1281 ad­vo­ca­tus, 7 sca­bi­ni (ebd. 121)
1303 scul­te­tus, sca­bi­ni (ebd. 147)
1304 no­ta­ri­us (ebd. 149)
1311 sca­bi­ni de Hart (ebd. 166, 167; III 5 Sie­gel)
1325 nun­ci­us des Gra­fen von Jü­lich und des Ab­tes von Glad­bach (UB Glad­bach 239; über das Bo­ten­amt vgl. Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 135 f)
1327 se­ni­or der Hard­ter Schöf­fen (HSTAD Klos­ter Neu­werk 15 = Re­gest UB Glad­bach 245)
1486 screy­ver (UB Vier­sen 394)
1515 Ge­richts­bott (UB Glad­bach 589)
1584 scri­ba iura­tus iu­di­cii Glad­bac­cen­sis = ein No­tar aus Düs­sel­dorf (ebd. 792)
1645 steur­he­ber des Ab­tes von Glad­bach (ebd. 932)
17. Jahr­hun­dert Amts­bet­tel­jä­ger (Noever, Nach­trag, S. 27)

3. 2 Markt

1183/90 Der Abt von Glad­bach über­weist dem Klos­ter Neu­werk ei­nen jähr­li­chen Zins von vier Häu­sern, ei­ner Scheu­ne und den Fleisch­bän­ken (macel­la) auf dem Glad­ba­cher Markt (fo­rum) (UB Glad­bach 60)
1292 fo­rum (ebd. 133)
1303 ist Geld­ver­kehr in pu­bli­co fo­ro Gla­de­ba­cen­sis be­zeugt (ebd. 147; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 336)
1396 Ge­lad­be­cker ma­ert (HSTAD Ab­tei G 152a)
Vor 1586 ist der Jahr­markt (ne­wer Marck) (6. Ja­nu­ar) vor der Ab­tei- und Müns­ter­kir­che ein­ge­rich­tet wor­den; der Abt von Glad­bach er­hebt Stand­geld wäh­rend der üb­ri­gen Jahr­märk­te (UB Glad­bach 794, 795)
Vor 1589 ist der Markt­platz ge­pflas­tert wor­den (ebd. 804)
(1600) drei ge­frei­te Jahr­märk­te, der 4. auf Drei­kö­ni­ge wird vom Münster­berg auf den Mark­platz ver­legt, bleibt au­ßer­halb der städ­ti­schen Markt­ge­rech­tig­keit (ebd. 846)
1605 vier Jahr­märk­te: 6. Ja­nu­ar, Halb­fas­ten, 15. Ju­ni = Vi­tus, 11. No­vem­ber = Mar­tin. Die Stand­gel­der (standt­ge­rech­tig­keith) wer­den zwi­schen Vogt und ab­tei­li­chem Schult­heiß ge­teilt, au­ßer von dem Jahr­markt auf Drei­kö­ni­ge (ebd. 852). 1772 wer­den als Wa­ren für die Glad­ba­cher Märk­te ge­nannt: Tü­cher aus dem Ber­gi­schen, aus Mons­chau und Bra­bant, die ge­gen Lei­nen ge­tauscht wer­den (Gü­lich u. Berg. Nach­rich­ten 8. De­zem­ber 1772)
1802 vier Jahr­märk­te: 6. Ja­nu­ar, 4. März = Halb­fas­ten, 15. Ju­ni, 13. No­vem­ber, auch 1806/08 mit ähn­li­chen Da­ten ge­nannt. Wa­ren: Tu­che, Kram­waren, Ei­sen- und Kurz­wa­ren u. a. (HSTAD Ro­er-Dep. 2597)
1818 fünf Jahr­märk­te: 6. Ja­nu­ar, Tag nach Le­ta­re, 15. Ju­ni, 12. und 30 No­vem­ber; je­den Diens­tag Frucht­markt (ebd. Reg. Düs­sel­dorf 2023)
1827 vier Jahr­märk­te: 6. Ja­nu­ar, 25. März = Le­ta­re, 15. Ju­ni, 12. No­vem­ber, je­weils 3 Ta­ge (ebd.)
1828 wö­chent­li­cher Spei­se­markt: diens­tags, don­ners­tags, sams­tags von Ta­ges­an­bruch bis 13 Uhr an bei­den Sei­ten der so­ge­nann­ten Hall­kau­le (vgl. Ta­fel 1, Grund­riss). Au­ßer­dem 5 Jahr­märk­te für Kauf­leu­te, Klein­händ­ler, Fa­bri­kan­ten und Hand­wer­ker: 6. Ja­nu­ar, Halb­fas­ten, 15. Ju­ni, 10. Au­gust, 11. No­vem­ber (LHAK 403/11602; StaMG 16/50-5)
1855 fünf Jahr­märk­te und täg­li­cher Spei­se­markt mit Aus­nah­me von Sonn- und Fei­er­ta­gen (HSTAD Reg. Düs­sel­dorf 13380)
1884 vier Jahr­märk­te: 24. März, 11. Au­gust, 12. No­vem­ber, 17. No­vem­ber (Rhein. Pro­vin­zi­al-Hand­buch I, 1884, S. 283)
1908 zwei Jahr­märk­te: Mitt­woch - Frei­tag nach Läta­re = Halb­fas­ten­markt, Mitt­woch - Frei­tag nach St. Mar­tin = 11. No­vem­ber (HSTAD Reg. Düs­sel­dorf 45765)
1929 an sechs Ta­gen Pfer­de­markt, mon­tags Schlacht­vieh­markt
1996 Wo­chen­markt auf dem Al­ten Markt diens­tags, don­ners­tags und sams­tags

3. 2 Zoll

Vor 1304 be­stand im Kirch­spiel Glad­bach ei­ne der Ab­tei ge­hö­ren­de Zoll­stät­te, die in die­sem Jahr durch den Vogt Wal­ram von Kes­sel auf­ge­ho­ben wird (UB Glad­bach 149, Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 336). Zoll im 15. Jahr­hun­dert im Be­sitz des Her­zogs von Jü­lich, der ihn ver­pach­tet und ab 1555 jähr­lich ver­stei­gert (HSTAD JB III R Gre­ven­broich 3 fol. 266r für 40 oberl. rh. Gul­den, 1537; ebd. 7 fol. 127r).

3. 2 Bede

1275 Be­de (Som­mer- und Herbst­be­de) im Be­sitz der Gra­fen von Kes­sel als Vög­te, Lehns­gü­ter und an­de­re Gü­ter der Ab­tei Glad­bach sind da­von be­freit (UB Glad­bach 114; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 102 f)
1469 Be­de im Be­sitz des Her­zog von Jü­lich (Stadt­mu­se­um Düs­sel­dorf 15.1; vgl. auch UB Glad­bach 621)

3. 2 Akzise

Vor 1387 be­sitzt die Stadt Glad­bach das Recht, Ak­zi­se und We­ge­geld zu er­he­ben; in die­sem Jahr be­kun­den Her­zog Wil­helm und Her­zo­gin Ma­ria von Jü­lich-Gel­dern, dass sie der Stadt Dül­ken u. a. zyn­se ind weg­he­gelt van al­re ko­men­schaft ge­lich dat wir un­sen lu­den van Glad­bach ge­ge­ven ind ver­leent hain, über­las­sen (UB Vier­sen 130 = UB Glad­bach 343; vgl. auch Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 364, 372)
1488 be­wil­ligt Her­zog Wil­helm von Jü­lich-Berg der Stadt Glad­bach, da­mit sie mit muy­ren, gra­ven ind noit­turff­ti­ger ves­tun­gen ver­se­hen wer­den kön­ne bzw. die­se in­stand­ge­hal­ten wür­den, ei­ne Er­hö­hung der Ak­zi­se und er­lässt ei­ne aus­führ­li­che neue Ak­zi­se­ord­nung (III 3; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 372 f)
1499 ff be­trägt die Ak­zi­se fünf­zig Mark, die der Her­zog von Jü­lich der Stadt zum Bau und Un­ter­halt der Mau­ern  über­lässt (Nor­ren­berg 144; HSTAD JB III R Gre­ven­broich 1 fol. 1 ff)
1586 Dem Abt steht die Kü­rung des Weins und dem ab­tei­li­chen Schult­hei­ßen die hal­be Bier­ak­zi­se zu (UB Glad­bach 795, vgl. auch ebd. 846, ca. 1600)
1588 bit­tet die Stadt um Er­hö­hung der Ak­zi­se, was nach Prü­fung 1590 Her­zog Wil­helm von Jü­lich-Kle­ve-Berg be­wil­ligt (ebd. 802-805, 812, mit den neu­en Ta­ri­fen)
17. Jahr­hun­dert neue Ak­zi­se­ord­nung (ebd. 946; zur Ak­zi­se ins­ges. Bras­se, Ge­schich­te II, S. 432-444)

3. 3 Stadtrechtsverleihung

Ein Stadt­recht­spri­vi­leg ist nicht über­lie­fert. 1366 wird Glad­bach erst­mals in ei­ner von den Glad­ba­cher Schöf­fen aus­ge­stell­ten Ur­kun­de opi­dum ge­nannt (I 4). Die zwi­schen 1364 und 1366 zu ver­mu­ten­de Stadt­rechts­ver­lei­hung könn­te im Zu­sam­men­hang mit der Ab­si­che­rung des Nor­dens des jü­lich­schen Ter­ri­to­ri­ums zu se­hen sein (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 363-365).

1423 Her­zo­gin Ma­ria von Jü­lich-Har­court be­stä­tigt ih­rer stat van Glad­bach al­le pri­vi­le­gi­en, rech­ten, fry­e­hei­den en­de go­ede ge­won­ten (UB Glad­bach 387)
1475 be­stä­tigt Her­zog Wil­helm von Jü­lich-Berg sei­ner stat Glad­bach al­le rech­te, go­ide al­le ge­wo­en­den, vry­hei­den ind her­ko­men (ebd. 483)
1488 be­wil­ligt ders­sel­be der Stadt ei­ne Er­hö­hung ih­rer Ak­zi­se zur Ver­bes­se­rung ih­rer Be­fes­ti­gungs­an­la­gen (ebd. 516; III 2 Ak­zi­se; II 2 Be­fes­ti­gung)
1511 for­mel­haf­te Pri­vi­le­gi­en­be­stä­ti­gung durch Her­zog Jo­hann von Jü­lich-Kle­ve-Berg (UB Glad­bach 581)
1544 des­glei­chen durch Her­zog Wil­helm von Jü­lich-Kle­ve-Berg (ebd. 687)
1590 be­wil­ligt der­sel­be der Stadt auf ihr Er­su­chen hin ei­ne Er­hö­hung der Ak­zi­se (ebd. 812; III 2 Ak­zi­se)
[1654] bit­tet die Stadt den Lan­des­herrn um Be­stä­ti­ung ih­rer Pri­vi­le­gi­en (UB Glad­bach 952)
26. Mai 1859 Ver­lei­hung der preu­ßi­schen Städ­te­ord­nung für die Rhein­pro­vinz von 1856 (Bär, Be­hör­den­ver­fas­sung, S. 288)

3. 4 Stadtgericht

Ge­richts­be­zirk = Stadt und Kirch­spiel G, oh­ne das Kirch­dorf Hardt (1566/67: ist ein be­son­der Ge­richt, HSTAD JB III R Gre­ven­broich 7 fol. 112v)

3. 5 Siegel

1300 Sie­ge­lan­kün­di­gung der Schöf­fen von G (UB Glad­bach 143)
1311 sie­geln Glad­ba­cher Schöf­fen für die Hard­ter Schöf­fen (ebd. 166, 167)
1311-23 sie­gel­ten die Glad­ba­cher Schöf­fen zu­meist zu­sam­men mit dem Abt (ebd. 168 u. ö.), dann noch­mals 1333 (ebd. 262, 265), an­schlie­ßend al­lein
1451 Bür­ger­meis­ter be­nut­zen un­ser stadt ge­meyn in­se­gel (HSTAD Jü­lich Rit­ter­schaft I 1, Be­schrei­bung s. un­ten)
1572 un­sern ge­mei­nen schef­fen amptz se­cret sie­gel be­zeugt (ebd. Jü­lich Haupt­ge­richt Akt 480, s. un­ten)
1596 bur­ger­meis­ter und rat se­cret­sie­gel in Ge­brauch (ebd. JB II 2378 fol. 294r, s. un­ten)

  1. Schöf­fen­sie­gel
    Bild: Schild mit auf­ge­rich­te­tem, rechts­ge­wand­tem, be­krön­tem Lö­wen (= Gf v Kes­sel)
    Um­schrift: zer­stört
    (ebd. Ab­tei G 45 = 1303; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 104 m. Abb.)
     

  2. Schöf­fen­sie­gel
    Bild: Schild mit auf­ge­rich­te­tem, rechts­ge­wand­tem Lö­wen (= Gf v Jü­lich)
    Um­schrift: + S(igil­lum)   SCA­BI­N­ORVM   DE   GLA­DE­BACH
    (HSTAD Ab­tei G 49 = 1309<1310>; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 104 m. Abb.; Rhein. Sie­gel III Ta­fel 52 Nr. 4, dort als äl­tes­tes Schöf­fen­sie­gel ge­führt)

  3. Schöf­fen­sie­gel
    Bild: in Vier­paß Schild mit jü­lich­schem Lö­wen
    Um­schrift: SI­GILLVM   SCHABI­N­O­RUM   IN   GLAD­BACH   AN­NO   MCCCCLXIII
    (HSTAD Ab­tei G 202 = 1470; Rhein. Sie­gel III Ta­fel 52 Nr. 5)

Schöf­fen­se­kret­sie­gel
Bild und Um­schrift: wie 3. Schöf­fen­sie­gel
(HSTAD Jü­lich Haupt­ge­richt Akt 480 = 1572)

  1. Stadt­sie­gel
    Bild: hl. Vi­tus mit Palm­zweig in ei­nem rechts mit 4, links mit 6 fünf­strah­li­gen klei­nen Ster­nen be­leg­ten run­den Feld, vor sich Schild mit dem jü­lich­schem Lö­wen
    Um­schrift: S(igil­lum)   MA­IVS   CY­VI­TA­TIS   DE   GLAD­BACH
    (ebd. Jü­lich Rit­ter­schaft I 1 = 1451; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 123 m. Abb.; Rhein. Sie­gel III Ta­fel 52 Nr. 6, dor­ti­ge Da­tie­rung in XV. Jh. zu kor­ri­gie­ren)

  2. Stadt­sie­gel
    Bild: wie 1. Stadt­sie­gel, je­doch mit 10 vier­strah­li­gen klei­nen Ster­nen
    Um­schrift: SANCT­VS : VIT­VS : S(igil­lum) M(ai­us) : GLAD­BACH
    (HSTAD Ab­tei G 383 = 1657; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 124; Rhein. Sie­gel III Ta­fel 52 Nr. 7, dort M nicht er­gänzt)

Se­kret­sie­gel
Bild: wie 2. Stadt­sie­gel
Um­schrift: nicht les­bar
(HSTAD JB II 2378 fol. 294r; vgl. Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 124)

Hardter Schöffensiegel

Bis 1556 sie­gel­ten für die Hard­ter die Glad­ba­cher Schöf­fen (s. oben zu 1311), da­nach ei­ge­nes Sie­gel Bild: Schild ge­teilt, oben rechts­ge­wand­ter jü­lich­scher Lö­we, un­ten links­ge­wand­te Axt Um­schrift: + SI­GEL DER SCH(EF­FE)N VP DER HARDT 1556 (HSTAD Ab­tei G 383 = 1657; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 123 m. Abb.; Rhein. Sie­gel III Ta­fel 52 Nr. 8).

3. 5 Wappen

1605 wird das städ­ti­sche Wap­pen mit dem Bild des hei­li­gen Vi­tus und dem jü­lich­schen Lö­wen, das seit un­ver­denck­li­chen jah­ren be­nutzt wor­den sei, er­wähnt (UB Glad­bach 852). Das Wap­pen ent­stand ver­mut­lich gleich­zei­tig mit dem Stadt­sie­gel ers­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­dert (Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 124). Ei­ne Ab­bil­dung ist nicht er­hal­ten.
1903 1. Stadt­wap­pen (nach Ent­wurf von Fe­lix Haupt­mann): Gol­de­ner Schild, durch blau­en Wel­len­bal­ken ge­teilt. Oben nim­bier­ter fleisch­far­be­ner Hei­li­ger mit ro­tem Ge­wand und grü­ner Pal­me, vor­ne sechs, hin­ten acht fünf­strah­li­ge blaue Ster­ne, im Schild­fuß grau­brau­ner, rot­be­zungter und -be­krön­ter Lö­we (S. Koß, Städ­te­wap­pen im Ge­biet v. Mön­chen­glad­bach. In: Rhe­ydter Jb. 18, 1990, S. 15 f)
1931 2. Stadt­wap­pen nach der kom­mu­na­ler Neu­ord­nung von 1929: Gol­de­ner Drei­ecks­schild, durch blau­en Wel­len­bal­ken ge­teilt. Oben nim­bier­ter fleisch­far­be­ner Hei­li­ger mit ro­tem Ge­wand und grü­ner Pal­me, vor­ne sechs, hin­ten acht blaue sechs­strah­li­ge Ster­ne. Un­te­re Hälf­te ge­spal­ten, vor­ne sechs ro­te Bal­ken, hin­ten ein durch­ge­hen­des schwar­zes Bal­ken­kreuz, auf­ge­leg­ter Drei­ecks-Mit­tel­schild mit rot­be­zungtem und -be­wehr­tem, schwar­zen Lö­wen. 1933-74 wie­der 1. Stadt­wap­pen gül­tig (ebd., S. 17 f) .
1977 3. Stadt­wap­pen nach der kom­mu­na­ler Neu­ord­nung von 1975: Un­ter ro­tem Schild­haupt, dar­in ein sil­ber­ner Wech­sel­zin­nen­bal­ken, ge­spal­ten von Blau und Gold, vor­ne ei­ne sil­ber­ne Abts­krüm­me, hin­ten ein durch­ge­hen­des, schwar­zes Bal­ken­kreuz (ebd., S. 18 f; R. Na­gel, Rhein. Wap­pen­buch, 1986, S. 48).

3. 6 Gemeinde, Bürgermeister und Rat

(1215) de­ci­mus des Orts­teils Hehn (III 1; zu den Orts­teil­vor­ste­hern vgl. Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 344-347, 370)
1243 wird ein Aus­schuss von Ge­mein­de­mit­glie­dern (sa­pi­en­tum ... par­ro­chie vi­r­o­rum pre­ha­b­i­to un­ani­mi con­silio) bei der Nut­zung des Ge­mein­de­wal­des von Abt und Vogt be­fragt; ge­naue La­ge des Ge­mein­de­wal­des strit­tig (UB Glad­bach 82; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 99; Ma­ckes, Neu­werk II, S. 100-102, Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 345, 369)
1397 Schöf­fen han­deln mit rath der ge­mei­ne bur­ge­ren (Kop XVII, HSTAD RKG G 146/321 II)
1405 bur­ge­ma­gis­tri, sca­bi­ni com­mu­ni­ta­tes­que jü­lich­scher Or­te, dar­un­ter Glad­bach ge­nannt (UB Vier­sen 167)
1414 schef­fen, buyrgher­meyste­re ind ge­he­meyn buyrg­he­re be­frei­en den Abt von Glad­bach von den Kos­ten des Mau­er­baus. Die Land­be­woh­ner wer­den durch ei­nen lant­man ver­tre­ten (UB Glad­bach 376; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 366 f, 371 f).

1488 wird in der Ak­zi­se­ord­nung (III 2 Ak­zi­se) fest­ge­legt, daß ein Bür­ger­meis­ter aus Schöf­fen und Rat und ei­ner aus der ge­mein­den zu wäh­len sei (UB Glad­bach 516, S. 318; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 370) = Rechts­ver­fas­sung für das ge­sam­te Ge­mein­de­ge­biet (Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 115). 1480 wer­den in ei­nem Rechts­streit mit der Ab­tei die Ge­schwo­re­nen er­wähnt (UB Glad­bach 499) = Rat = Ver­tre­ter der bäu­er­li­chen Nach­bar­schaf­ten und Stadt­vier­tel (ebd.). En­de des 18. Jahr­hun­derts zwei re­gie­ren­de Bür­ger­meis­ter und vier wei­te­re = Ma­gis­trat, je drei aus den Ge­richts­schöf­fen und der Bür­ger­schaft, Amt auf Le­bens­zeit, Wahl jähr­lich am Mon­tag nach Drei­kö­ni­ge (6. Ja­nu­ar). Neu­wahl nach Tod ei­nes Ma­gis­trats­mit­glieds. Drei oder mehr Kan­di­da­ten wur­den dem kur­fürst­li­chen Vogt von den üb­ri­gen fünf prä­sen­tiert. Vogt, fünf Bür­ger­meis­ter, zwei Schöf­fen aus dem Kirch­spiel und der ab­tei­li­che Schult­heiß (= neun Per­so­nen) wähl­ten dar­aus mit Mehr­heit den neu­en Bür­ger­meis­ter (1772, ebd. 1061; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 119). Bür­ger­meis­ter wur­den auf Abt und Lan­des­herrn ver­ei­digt (UB Glad­bach 852 = 1605; StaMG Akt 257, 259; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 119 f; ebd. S. 129 f über Hul­di­gung an den Abt und Lan­des­herrn)
Die Ge­schwo­re­nen, im 17. Jahr­hun­dert auch Vor­ste­her ge­nannt, ab 17. Jahr­hun­dert vier für die Stadt, vier für Hardt und neun für die üb­ri­gen Nach­bar­schaf­ten, wur­den vom Vogt un­ter Hin­zu­zie­hung des ab­tei­li­chen Schult­hei­ßen er­nannt, sorg­ten für Frie­den und Ein­tracht, hat­ten die We­ge­auf­sicht, wa­ren Steu­er­ein­neh­mer und ver­tra­ten ih­ren Be­zirk im Rat der Schöf­fen und Ge­schwo­re­nen (UB Glad­bach 852 = 1605, 999; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 143-150).

3. 6 Städtische Bedienstete

1448 no­ta­ri­us pu­bli­cus et ju­ra­tus ci­vi­ta­tis Glad­ba­cen­sis nec­non scri­ba ... ab­ba­tis (UB Glad­bach 425)
1465 se­cre­ta­ri­us der Stadt (ebd. 452)
1589 pfort­zener, wech­ter, stadt­bot­ten oder -die­ner (ebd. 805)
17. Jahr­hun­dert Bet­tel­jä­ger der Stadt, Nacht­wäch­ter (Noever, Nach­trag, S. 27)

3. 7 Bruderschaften

1150/1230 Mat­thi­as-Bru­der­schaft in Glad­bach (IV 7), 1442 Mat­thi­as-Bru­der­schaft (Müns­ter­ar­chiv Hs 35), frag­lich, ob Kon­ti­nui­tät zur äl­te­ren Mat­thi­as-Bru­der­schaft be­steht. 1762 Re­or­ga­ni­sa­ti­on (Mat­thi­as-Buch, 1853, S. XII; Eckertz-Noever, S. 170). 1887 bis (1933) St. Mat­thi­as-Bru­der­schaft und St.-Bo­ni­fa­ti­us-Pil­ger­ver­ein be­zeugt (P. Dohms <u. a.>, Die Wall­fahrt nach Keve­la­er z. Gna­den­bild d. "Trös­te­rin d. Be­trüb­ten", 1992, S. 213; vgl. IV 7)
1399 St.-Aga­tha-Bru­der­schaft erst­mals er­wähnt (UB Glad­bach 361), be­steht 1466 und 1509 in der Pfarr­kir­che (ebd. 459, 564), 1493 in der Müns­ter­kir­che (ebd. 525). 1467 als St.-Aich­ten-Bru­der­schaft ge­nannt (ebd. 462)
1421 St.-Ja­kob-Bru­der­schaft er­wähnt, be­steht in der Pfarr­kir­che (ebd. 383, vgl. auch ebd. 470 = 1471)
1427 ULF-Bru­der­schaft er­wähnt (in Urk von 1568, ebd. 757)
1454 Vi­tus-, An­to­ni­us- und Se­bas­tia­nus-Bru­der­schaft er­wähnt (ebd. 439). Das für 1379 ver­mu­te­te Grün­dungs­da­tum der Se­bas­tia­nus-Bru­der­schaft ist ir­rig (Cla­sen, S. 70, 92). 17. Jahr­hun­dert S. Se­bas­tia­ni hauß hin­ter dem Müns­ter, wo­von die Ab­tei jähr­lich 15 Al­bus er­hält (HSTAD Ab­tei G 22c fol. 101r).
1460 Ka­tha­ri­na-Bru­der­schaft er­wähnt (UB Glad­bach 446),
1466 Ka­tha­ri­nen- und Bar­ba­ra-Bru­der­schaft (ebd. 455)
1475 Vi­tus-Bru­der­schaft in der Müns­ter­kir­che (ebd. 482; vgl. auch zu 1454)
1503 Ni­ko­laus-Bru­der­schaft in der Müns­ter­kir­che (ebd. 553)
1518 Stif­tung der Ni­ko­laus- und- Eli­gius-Bru­der­schaft der Schmie­de (III 7 Zünf­te)
1583 wer­den fol­gen­de Bru­der­schaf­ten ge­nannt: Aga­tha, ULF, Ja­kob, Se­bas­ti­an, Ka­tha­ri­na, Mat­thi­as (= Kürsch­ner­zunft), Ni­ko­laus und Eli­gius (Red­lich II 1, S. 264 f; III 7 Zünf­te)
1627 Er­rich­tung der Ro­sen­kranz-Bru­der­schaft (UB Glad­bach 909)
1714 Er­rich­tung der Bru­der­schaft vom Hei­li­gen Na­men Je­su (ebd. 1037)
1720 To­des­angst-Bru­der­schaft ge­stif­tet, be­steht bis 1825 (Eckertz-Noever, S. 170)
1809 Ma­ria­ni­sche Bru­der­schaft, 1845 neu ge­grün­det (P. Dohms <u.a.>, Die Wall­fahrt nach Keve­la­er, 1992, S. 213, vgl. IV 7). 1846 mit Ma­ria- und- Franz Xa­ver-Bru­der­schaft ver­schmol­zen (Eckertz-Noever, S. 170)

3. 7 Zünfte

1494 Amts­brief der Schus­ter, 1582 er­neu­ert und be­stä­tigt (ebd., S. 104) = Cris­pi­nus- und Cris­pi­nia­nus­bru­der­schaft. Vgl. un­ten zu 1768
1518 Zunft der Schmie­de und Schrei­ner als Eli­gius-Bru­der­schaft ge­grün­det, 1561 Sta­tu­ten von 1545 be­stä­tigt (UB Glad­bach 612, 693; Eckertz-Noever, S. 103 f)
1573 Er­neue­rung der Krä­mer­zunft, be­stä­tigt durch Her­zog Wil­helm von Jü­lich-Kle­ve-Berg (StaMG 16/29; Eckertz-Noever, S. 101-103)
1583 Kürsch­ner = Mat­thi­as­bru­der­schaft (Red­lich II 1, S. 265; vgl. auch UB Glad­bach 1019)
1605 Amts­brief der Schnei­der, Tuch­sche­rer, Woll­we­ber, her­vor­ge­gan­gen aus der Krä­mer­zunft, 1652 be­stä­tigt durch Pfgf Wolf­gang Wil­helm (Eckertz-Noever, S. 95-98) = Ni­ko­laus­bru­der­schaft
1768 Auf­he­bung al­ler Glad­ba­cher Zünf­te durch Kur­fürst Karl Theo­dor, 1769 darf die Schuh­ma­cher­zunft wei­ter­ar­bei­ten (ebd., S. 104 f)

Plan der Stadt Mönchengladbach 1863, Ausschnitt, im Verhlätnis 1 : 2200, aufgenommen im Verhältnis 1: 1250. (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland/ Karten, Nr. 2255)

 

3. 8 Wehrwesen

Zu den Schüt­zen­bru­der­schaf­ten vgl. III 7 Bru­der­schaf­ten

1389 Der Bu­scher­hof (III 1 Grund­herr­schaft) wird u. a. von der Wach­pflicht be­freit (UB Glad­bach 347)
1511 Schieß­bon­gert vor der Ju­den­pfor­te er­wähnt (ebd. 580), lag am Hondt­s­berg (1569, ebd. 759, heu­te Haus Er­ho­lung), im 16. Jahr­hun­dert au­ßer­dem noch die Schie­ßhei­de er­wähnt (ebd. 670, 682), lag im Juick­land jen­seits des Glad­bachs (III 1 Grund­herr­schaft)
(1600) ist die Be­frei­ung des Ab­tes, der Kon­ven­tua­len und der Be­diens­te­ten der Ab­tei, des Gast­haus­meis­ters und des Ge­richts­schrei­bers von der Wach­pflicht be­zeugt (UB Glad­bach 846). Nach Auf­zeich­nung von 1605 sind of­fen­sicht­lich al­le, die in der Im­mu­ni­tät der Ab­tei woh­nen, u. a. von den Wach­diens­ten be­freit (ebd. 852; Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 161 f).
17. Jahr­hun­dert Die waf­fen­fä­hi­ge Mann­schaft (Land­sturm) ist in Rot­ten un­ter­teilt. Der Be­zirk Ober­ge­burt hat in der Nach­bar­schaft Ober­ge­burt sie­ben und in der Nach­bar­schaft Holt­hehn fünf Rot­ten, der Be­zirk Un­ter­ge­burt in den Nach­bar­schaf­ten Hard­ter­b­roich, Lür­rip, Damm, Bett­rath und Ho­ven je vier, die Nach­bar­schaft Ued­ding zwei Rot­ten, Ei­cken un­be­kannt, zu stel­len (HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 179v). 1635 be­trägt die Zahl der Mann­schaf­ten 1358 Per­so­nen, 1640 noch 992 (Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 163).

Ansicht Mönchengladbach von Südwesten, Federzeichnung von Renier Roidkin, um 1725, Original im Stadtarchiv Mönchengladbach/ 10/3191. (Rheinisches Bildarchiv/ rba 105035)

 

3. 9 Stellung im Territorium

1325 ge­hört Glad­bach zum Ter­ri­to­ri­um des Gra­fen von Jü­lich (UB Glad­bach 239)
1347 wer­den die Dör­fer Al­den­ho­ven und Glad­bach ne­ben der Rit­ter­schaft und ei­ni­gen Städ­ten des Ter­ri­to­ri­ums Jü­lich bei ei­nem Ent­schul­dungs­vor­ha­ben Mark­gra­fen Wil­helms von Jü­lich kon­sul­tiert (NrhUB III 464; III 3)
1405 Die Stadt Glad­bach ge­hört ne­ben Gre­ven­broich und Süch­teln zur Wit­wen­aus­stat­tung der Ma­ria von Har­court, Her­zo­gin von Jü­lich-Gel­dern (UB Glad­bach 371; vgl. III 3 zu 1423)
1425 ist Glad­bach im Be­sitz des Jo­hann von Loon (UB Glad­bach 389)
1429 be­sie­gelt die Stadt Glad­bach den jü­lich­schen Burg-, Stadt- und Land­frie­den mit (ebd. 394)
1441 Amt­mann von Glad­bach und Gre­ven­broich mit Sitz in Glad­bach (ebd. 413); un­s­me amp­te ind stat zo Glad­bach (ebd. 414). Seit 16. Jahr­hun­dert Un­ter­amt Glad­bach mit ei­ge­nem Vogt, ge­le­gent­lich auch Amt ge­nannt (z. B. 1587/88, HSTAD JB III R Gre­ven­broich 9 fol. 233r)
1447 Stadt und Kirch­spiel mit Gre­ven­broich in Pfand­schaft des Jo­hann von Geis­busch (UB Glad­bach 441)
1452 Ger­hard von Loon, Herr zu Jü­lich, die Rit­ter­schaft und die jü­lich­schen Städ­te, dar­un­ter Glad­bach, ver­bin­den sich zur ge­mein­schaft­li­chen Ab­wehr, wür­de ei­nem von ih­nen Nach­tei­li­ges durch den Ver­kauf des Lan­des Berg an den Köl­ner Erz­bi­schof Diet­rich von Mo­ers wi­der­fah­ren (NrhUB IV 301 = UB Glad­bach 434)
1495 bürgt die Stadt Glad­bach mit drei wei­te­ren Städ­ten für ei­ne Zah­lung Her­zog Wil­helms von Jü­lich-Berg an Graf Vin­zenz von Mo­ers für die Ab­tre­tung der Lan­de Brüg­gen, Was­sen­berg und Mo­ers (ebd. 532).
1798 Zer­schla­gung der al­ten Zu­ge­hö­rig­kei­ten in­ner­halb des Un­ter­am­tes Glad­bach des Am­tes Gre­ven­broich (Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 170 f); ab Ja­nu­ar 23 Kan­ton Glad­bach im Ro­er­de­par­te­ment (Da­ni­els VI, S. 467); ab Ju­ni fünf­zehn com­mu­nes Nie­der­ge­burt, Ober­nie­der­ge­burt, G, Ober­ge­burt und Hardt im Kan­ton Neer­sen, Ar­ron­dis­se­ment Kre­feld (ebd., S. 484)
1800 vier Mai­ri­en: Glad­bach mit Ver­wal­tungs­stel­le Hardt, Un­ter­nie­der­ge­burt, Ober­nie­der­ge­burt und Ober­ge­burt und Hardt (Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 173)
1807 Ein­glie­de­rung der Ver­wal­tungs­stel­le Hardt in die Mai­rie Glad­bach (ebd., S. 174)
1809 über­nimmt der Mai­re von Glad­bach die Ver­wal­tung der Mai­ri­en Ober­ge­burt (bis 1814) und Un­ter­nie­der­ge­burt (bis 1811) (ebd.) Zur kom­mu­na­len Zu­ge­hö­rig­keit in der Fran­zo­sen­zeit vgl. auch I 7
1814 Bür­ger­meis­ter, seit 1856 Stadt im Kreis Glad­bach, Kreis­sitz, seit 1888 kreis­frei, Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf
1821 Frie­dens­ge­richt (Bär, Be­hör­den­ver­fas­sung, S. 406)
1846 Han­dels­ge­richt (ebd., S. 411)
1878 Amts­ge­richt (ebd., S. 437)
1906 Land­ge­richt (ebd., S. 438)

Plan der Stadt Mönchengladbach 1903, im Verhältnis 1 : 10 000, aufgenommen im Verhältnis 1 : 9000 von P. Muss. (Stadt Mönchengladbach - Vermessungs- und Katasteramt)

 
Zitationshinweis

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Löhr, Wolfgang, Rheinischer Städteatlas Mönchengladbach. Teil 3: Herrschaft und Gemeinde, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-moenchengladbach.-teil-3-herrschaft-und-gemeinde/DE-2086/lido/60860e365bc202.95519416 (abgerufen am 09.06.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 19.08.2025, zuletzt geändert am 08.10.2025

Auch über Rheinischer Städteatlas Mönchengladbach, bearbeitet von Wolfgang Löhr (Lieferung XII Nr. 65, 1996)