Rheinischer Städteatlas Mönchengladbach. Teil 5: Wirtschafts- und Sozialstruktur, Statistik

Wirtschafts- und Sozialstruktur, Statistik

Wolfgang Löhr (Mönchengladbach)

Luftbild, Mönchengladbach von Süden, 1985. (Stadtarchiv Mönchengladbach/ 10/50382)

5. 1 Einwohner- und Häuserzahlen

Zu den Kom­mu­ni­kan­ten­zah­len 1560 und 1676 vgl. IV 10
1701/03 5877 Ein­woh­ner im Kirch­spiel (Huys­kens, Ver­fas­sung, S. 141), oh­ne Ein­woh­ner in­tra mu­ros und Hardt
1767 6875 Ein­woh­ner im Kirch­spiel (ebd.), oh­ne Ein­woh­ner in­tra mu­ros und Hardt
1798 1179 Ein­woh­ner in com­mu­ne Glad­bach (Da­ni­els VI. S. 484)
1798 6074 Ein­woh­ner, ca. 1400 in­tra mu­ros, 1084 in Hardt, 2341 in Neu­werk = 9499 Ein­woh­ner (Sta­tis­tik Kr. Glad­bach, S. 19; Ro­sen­dahl, S. 158)

5.2 Agrarwirtschaft

1183 Wein­berg (vi­nea) in der Nä­he der Flies­cher­müh­le (Be­reich Flies­cher­berg) ge­nannt (V 4 Müh­len)
1280 letzt­ma­li­ge Er­wäh­nung des ab­tei­li­chen Wein­bergs in G (UB Glad­bach 117)

Vom 13. bis 18. Jahr­hun­dert über­wo­gen der An­bau von Rog­gen als Brot­ge­trei­de und Ha­fer; seit dem 15. Jahr­hun­dert wur­de auch et­was Wei­zen an­ge­baut (z. B. 1469, UB Glad­bach 467). Seit dem 15. Jahr­hun­dert An­bau von Flachs und Waid durch die ent­spre­chen­den Ak­zi­sen nach­zu­wei­sen (1488 Flachs- und Wai­d­ak­zi­se ge­nannt, III 2 Ak­zi­se), au­ßer­dem von Gers­te für die Bier­brau­er (V 4 Ge­wer­be). An­fang des 16. Jahr­hun­derts lie­fer­ten die ab­tei­li­chen Lehns­hö­fe au­ßer Rog­gen, Ha­fer, Gers­te, Heu, Stroh noch Erb­sen, Steck­rü­ben, Obst und Flachs (III 1 Grund­herr­schaft; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 330)
Im 19 Jahr­hun­dert wa­ren die haupt­säch­lich an­ge­bau­ten Ge­trei­de­ar­ten Wei­zen, Rog­gen, Ha­fer und Buch­wei­zen; Gers­te wur­de nur in ge­rin­gem Um­fang an­ge­pflanzt. Mit­te des 19 Jahrun­d­erts wur­den auf ca. ein Zehn­tel der Acker­flä­che Kar­tof­feln an­ge­baut, der Flachs­an­bau war auf­ge­ge­ben; der Ge­mü­se­an­bau wur­de be­son­ders in dem kul­ti­vier­ten Bruch­ge­län­de in Neu­werk be­trie­ben, der Obst­an­bau war oh­ne Be­lang, Rü­ben wur­den zur Vieh­füt­te­rung an­ge­baut (Sta­tis­tik Kr. Glad­bach, S. 123)
Klein­vieh­hal­tung ist seit dem 13. Jahr­hun­dert be­legt (1269, UB Glad­bach 107), eben­so wa­ren Be­wei­dung (Kü­he, Käl­ber) und Schwei­ne­mast üb­lich (vgl. ebd. 82 = 1243). An­fang des 16 Jahr­hun­derts er­zeug­ten die ab­tei­li­chen Lehns­hö­fe Käl­ber, Ham­mel, Läm­mer, Schwei­ne, Gän­se, En­ten, Ka­pau­ne, Ei­er, Milch, But­ter und Kä­se (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 330).

Tabelle 4 Einwohner- und Häuserzahl, 1816-1871. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Tabelle 5 Größe und Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in preußischen Morgen, 1849; 1858; 1861. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Tabelle 6 Beschäftigte in der Landwirtschaft, 1861. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Tabelle 7 Bodennutzung des Stadtgebietes Mönchengladbach in Hektar, 1880-1989. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

5. 4 Gewerbe und Industrie

5. 5 Mühlen im Stadtkern

1183 Abt Wal­ter von Glad­bach über­gibt dem Kon­vent die Un­te­re Müh­le am Glad­bach (mo­len­di­num in­fe­ri­us quod iux­ta vi­neam sitam est) (UB Glad­bach 59; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 344), die spä­te­re Wolf­kens- und Vit­ges­müh­le (UB Glad­bach 159 = 1311, vgl. auch 147, 155, 214, 225, 231, 313; Kop XVII, StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 18 = 1559). Im 19. Jahr­hun­dert Frucht­müh­le, nach dem Be­sit­zer Lin­gen­müh­le ge­nannt. Sie lag auf dem lin­ken Ufer des Glad­bachs (im Be­reich des heu­ti­gen Kai­ser­bads) und war als ein­zi­ge Glad­ba­cher Müh­le ober­schläch­tig. 1886 Ein­stel­lung des Müh­len­be­triebs
1210 Abt Her­mann von Glad­bach ver­macht dem Kon­vent drei Müh­len (tria mol­den­di­na), ver­mut­lich die Obers­te, die Flies­cher- und die Kralls­müh­le am Glad­bach (UB Glad­bach 66; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 344)
1292 Scherre­mu­le (UB Glad­bach 133) = 1315 Schar­re­mo­le (ebd. 191) = im 16. Jahr­hun­dert Obers­te Müh­le = (1840) Horns­müh­le (StaMG 16/443 Bd. 2). Sie lag ge­gen­über dem Wey­er­tor (ebd.; vgl. UB Glad­bach 804 = 1589; HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 21 ff; Ta­fel 1, Grund­riss). 1640 von kai­ser­li­chen Trup­pen ab­ge­brannt (HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 30r). Mit­te des 19. Jahr­hun­derts Ein­stel­lung des Müh­len­be­triebs. Das Ge­bäu­de dien­te zu­nächst als Spin­ne­rei, dann als Werk­statt, nach 1892 als La­den. 1943 zer­stört (StaMG 16/443 Bd. 2)
1325 ver­pflich­tet Graf Wil­helm von Jü­lich die Glad­ba­cher (ho­mi­nes in Glad­bach et in ter­ri­to­rio ibi­dem re­si­den­tes), auf den ab­tei­li­chen Müh­len mah­len zu las­sen (Kop 1596 bzw. XVII, UB Glad­bach 239). Müh­lenzwang be­stä­tigt 1557, 1577 und 1582 (ebd. 722, 776, 785)
1338 mol­den­di­num dic­tum Clip­parts (UB Glad­bach 289) = Flies­cher­müh­le (16. Jahr­hun­dert), lag am 1892 zu­ge­schüt­te­ten Hah­nen­wei­her (= heu­te Lü­pert­zen­der­stra­ße; vgl. Ta­fel 1, Grund­riss u. DGK). Sie dien­te im 17. Jahr­hun­der­tals Waid­müh­le. Im 18. Jahr­hun­dert Neu­bau, ab 1880 als Ge­wer­be­be­trieb ge­nutzt, 1899 Ab­bruch (StaMG 16/443 Bd. 4)
1511 Mer­tens mo­el­le (UB Glad­bach 582) = 1533 Ry­er Moil­le (StaMG 16/443 Bd. 4) = 1657 Kno­ren­mül­le (ebd.), im 19. Jahr­hun­dert Kralls­müh­le. Sie lag an der heu­ti­gen Erz­ber­ger­stra­ße. Ab Mit­te des 19 Jahr­hun­dert dien­te die Müh­le als Baum­woll­spin­ne­rei, Ge­bäu­de (1881) ab­ge­brannt (ebd.).

Mühlen außerhalb des Stadtkerns

1327 mo­len­di­num Ny­der­ho­ven (HSTAD Klos­ter Neu­werk 15), im Be­sitz der Rit­ter von Nie­der­ho­ven, 1438 im Be­sitz der Ab­tei G (UB Glad­bach 406), Öl­müh­le, lag am Glad­bach in Ued­ding am En­gels­müh­len­weg. 1506 und 1515 Heint­ges­müh­le ge­nannt, ab 1559 En­gels­müh­le, 1902 still­ge­legt (vgl. da­zu ins­ges. Ma­ckes, Neu­werk II, S. 54, 186 f, mit fal­scher Les­art)
1383 Adam von Weltz über­trägt den Hof und die mo­len zu(o) Ra­ede (UB Glad­bach 342) = Rohr­müh­le nach sei­nem Tod bzw. dem sei­nes Bru­ders Gi­sel­bert, des Ab­tes von Glad­bach, der Ab­tei Glad­bach Hof und Müh­le wa­ren Mann­le­hen der Ab­tei und zu­vor im Be­sitz der Her­ren von Ilem aus Vier­sen ge­we­sen (K. L. Ma­ckes, Aus d. Vor-, Früh- u. Sied­lungs­ge­schich­te d. Stadt Vier­sen, 1956, S. 204 f; vgl. auch UB Glad­bach 331 u. UB Vier­sen 100). Sie lag am Glad­bach im Be­reich der heu­ti­gen Reyer­hüt­ter­stra­ße. In der 2. H XIX. Jh. Baum­woll­spin­ne­rei. 1943 zer­stört (StaMG 16/443 Bd. 2)
1519 Gheirt­mo­el­le (UB Glad­bach 616) = Giert­müh­le. Sie lag am Glad­bach an der Giert­müh­len­stra­ße. Nach 1902 Um­stel­lung auf ma­schi­nel­len An­trieb. 1981 Ein­stel­lung des Müh­len­be­triebs
1552 Her­zog Wil­helm von Jü­lich er­laubt der Ab­tei, vor der Stadt am Dül­ke­ner Weg ei­ne Wind­müh­le zu er­bau­en, die kei­ne an­de­ren ge­mals­lui­de an sich zie­hen soll als die ab­tei­li­chen Was­ser­müh­len. Die Ab­tei lie­fert da­für jähr­lich zwei Ka­pau­ne und ei­ne Mark bra­ban­tisch an die Kell­ne­rei in Gre­ven­broich (UB Glad­bach 710, 711). Die Müh­le lag ober­halb von Ha­mern im Be­reich des heu­ti­gen Wind­müh­len­wegs. 1890 ab­ge­brannt (StaMG 16/443 Bd. 3)
1608 Com­pes­müh­le (ebd. 1 b 1 Bd. 11 S. 203), ver­mut­lich äl­ter, denn sie war im Be­sitz der schon im 16. Jahr­hun­dert nach­weis­ba­ren Fa­mi­lie tho Kum­pis in Lür­rip, wo auch ein Müllen­broich (ebd. S. 314 = 1569) und Muhl­len­landt (ebd. S. 580 = 1574) be­legt sind. Sie lag am Com­pes­müh­len­weg. Im 19. Jahr­hun­dert Mehl- und Öl­müh­le. 1902 still­ge­legt (ebd. 16/443 Bd. 4)
1828 Bau ei­ner Wind­müh­le an der Bett­ra­ther Stra­ße (ebd. 16/50-3), Stumpf heu­te noch er­hal­ten.

5. 4 Mühlen an der Niers in Neuwerk

1315 mo­len­di­num in Dam­me (UB Glad­bach 191). Nach ei­nem Ein­trag im Glad­ba­cher To­ten­buch kauf­te Gos­wi­na de Durs­da­le 1290/1315 die Hälf­te der Müh­le (Müns­ter­arch Haus 2a zum 4. Sep­tem­ber). Durch sie fiel die­ser An­teil an die Ab­tei Glad­bach Bei der Gü­ter­tei­lung zwi­schen Abt und Kon­vent 1315 ge­lang­te sie an den Abt (UB Glad­bach 191), im 15. Jahr­hun­dert auch Ner­scher Müh­le ge­nannt, ab En­de 17. Jahr­hun­dert Broich­müh­le üb­lich, ge­le­gent­lich auch Abts­müh­le ge­nannt (StaMG 16/443 Bd. 3); im 19. Jahr­hun­dert Mehl-, Öl- und Loh­müh­le; 1935 wur­de der Müh­len­be­trieb auf Elek­tri­zi­tät um­ge­stellt (ebd.), 1981 ein­ge­stellt (zu der Müh­le ins­ges. Ma­ckes, Neu­werk II, S. 183-186)
1327 mo­len­di­num No­vi ope­ris (Klos­ter Neu­werk) _e_rst­mals ge­nannt (HSTAD Klos­ter Neu­werk 15; Re­gest UB Glad­bach 245), 1408 die jonc­frou­wen moi­len ge­nannt, lag in der Ud­ding­he, an der Niers, un­weit Schloss Mil­len­donck und war der Ab­tei Glad­bach in Erb­pacht ge­gen ei­ne jähr­li­che Ab­ga­be über­las­sen (HSTAD Klos­ter Neu­werk 31 = UB Glad­bach 372; V 6), 1465 wie­der beim Klos­ter Neu­werk (UB Glad­bach 452), 1577 Non­nen­müh­le ge­nannt (StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 700). Müh­len­be­trieb 1940 auf elek­tri­schen An­trieb um­ge­stellt (ebd. 16/443 Bd. 3). Vor 1956 still­ge­legt (vgl. da­zu ins­ges. Ma­ckes, Neu­werk I, S. 61 f; II, S. 187 f).

5. 4 Gewerbe

Vom spä­ten 12. Jahr­hun­dert bis zum frü­hen 14. Jahr­hun­dert ist ei­ne Rei­he von Ge­wer­be­trei­ben­den be­zeugt, die al­le ab­hän­gig von der Ab­tei wa­ren: 1183 su­tor = Schus­ter (UB Glad­bach 59); 1183/90 fa­ber = Schmied (ebd. 60); 1269 car­pen­ta­ri­us = Zim­mer­mann, cam­pa­na­ri­us = Glöck­ner, Küs­ter (ebd. 107); 1315 por­ta­ri­us = Pfört­ner_, or­tu­la­nus =_ Gärt­ner, bar­bi­ton­sor = Ba­der, Bart­sche­rer_, pis­tor_ = Bä­cker, bra­xa­tor = Brau­er (ebd. 191); 1319 sar­tor = Schnei­der (ebd. 199, 202); 1325 car­pen­ta­ri­us, mo­len­di­na­ri­us  = Mül­ler (ebd. 233), 1333 bra­xa­tor (ebd. 261); 1333 cer­do = Ger­ber (ebd. 265), 1338 bar­bi­ton­sor (ebd. 287) In der Fol­ge­zeit ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Hand­wer­ker sich nach und nach aus der Klos­ter­wirt­schaft ge­löst ha­ben und stär­ker für die wach­sen­de Ge­mein­de bzw. sich all­mäh­lich her­aus­bil­den­de Stadt tä­tig ge­wor­den sind. Als ers­te ge­schlos­se­ne hand­werk­li­che Grup­pe tra­ten die Brau­er auf (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 335, 373 f).

5. 4 Braugewerbe

1349 Die Ab­tei Glad­bach ver­pach­tet die Ge­fäl­le von sechs Brau­kes­seln im Kirch­spiel G; das Klos­ter hat ei­nen ei­ge­nen Brau­kes­sel (UB Glad­bach 308)
1480 Streit zwi­schen den Brau­ern und der Ab­tei, der ur­sprüng­lich die Grut­ge­rech­tig­keit zu­steht; die Brau­er, die mit Hop­fen brau­en, wol­len die Brau­ab­ga­be nicht zah­len (ebd. 499, 500). 1481 Ent­schei­dung des Haupt­ge­richts in Jü­lich: So­lan­ge Abt Wil­helm Roever lebt, müs­sen die Brau­er zah­len. Nach dem To­de des Abts kön­nen sie es mit dem Streit nach Be­lie­ben hal­ten (ebd. 502; vgl. Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 373 f)
1648 Sieb­zehn Bier­wir­te in G (UB Glad­bach 941)

Tabelle 8 Viehbestand, 1809-1980. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

5. 4 Sonstige Gewerbe 15.-17. Jahrhundert

Ne­ben den Brau­ern gab es im 15. Jahr­hun­dert in Glad­bach We­ber, Fär­ber, Bä­cker, Mes­ser­ma­cher und Schuh­ma­cher (Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 374; UB Glad­bach 516). Letz­te­re wa­ren seit 1494 als Zunft or­ga­ni­siert; 1518 ent­stand die Schmie­de­zunft, 1573 wur­de die Krä­mer­zunft er­neu­ert, (d. h. sie be­stand schon vor­her), 1583 wird die Kürsch­ner­bru­der­schaft er­wähnt, 1605 wa­ren die Schnei­der, Tuch­sche­rer und Woll­we­ber in der Ni­ko­laus­bru­der­schaft (= ehem. Krä­mer­zunft) ver­ei­nigt (III 7 Zünf­te). Im 16. Jahr­hun­dert gab es au­ßer­dem noch fol­gen­de Hand­wer­ker: Bä­cker (StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 203), Bar­bier (ebd. S. 792), Bau­meis­ter (ebd. S. 106), Brau­er (ebd. S. 166), Klum­pen­ma­cher (ebd. S. 769; ebd. Bd. 2 S. 151, 213), Schnei­der (ebd. S. 365, 551), Büch­sen­ma­cher (1506, HSTAD JB III R Gre­ven­broich 1 fol. 58v), Fass­bin­der (1537/38, ebd. 4 fol. 16r) und Glas­ma­cher (1537/38, ebd. fol. 23r). Bei den Schmie­den ist zwi­schen Feu­er- (StaMG 1 b 1 Bd. 1 S. 450), Büch­sen (ebd. Bd. 2 S. 751 u. 792) und Huf­schmie­den (ebd. S. 253, 336; vgl. auch UB Glad­bach 693) zu un­ter­schei­den
Die Büch­sen­ma­cher stell­ten bei den im 16. Jahr­hun­dert im Ver­lags­sys­tem pro­du­zier­ten Feu­er­waf­fen den Lauf, die Feu­er­schlös­ser, die Zün­dung und die Schrein­wer­ker den Schaft her. Für die end­gül­ti­ge Fer­tig­stel­lung war ein Rüst­meis­ter zu­stän­dig. Sie wa­ren al­le in der Eli­gius­bru­der­schaft or­ga­ni­siert (III 7; UB Glad­bach 693; vgl. auch R. Hol­bach, Früh­for­men v. Ver­lag u. Groß­be­trieb in d. ge­werbl. Pro­duk­ti­on, 1994, S. 322 f).

Tabelle 9 Bierbrauereien in Mönchengladbach, 1816-1970. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

5. 4 Die Gladbacher/Mönchengladbacher Gewerbe und Industrien nach Branchen

5. 4 Textilgewerbe

Seit dem spä­ten 14. Jahr­hun­dert ist Flachs­an­bau be­zeugt (1387, UB Vier­sen 130, Ak­zi­se­ord­nung für Dül­ken nach G.er Vor­bild), wor­aus auf Lei­nen­we­be­rei in Glad­bach zu schlie­ßen ist. Die Ak­zi­se­ord­nung von 1488 un­ter­schei­det ver­schie­de­ne Tuch­ar­ten, die wohl auch in Glad­bach her­ge­stellt wur­den: schma­les Tuch, ge­färbt und un­ge­färbt, haus­tuch, sar­tuch (gro­bes Tuch, halb Lei­nen, halb Wol­le), kuss­zie­chen­bla­der (Kis­sen­stoff), wor­schet (Bar­chent, ein Ge­we­be aus Lei­nen und Wol­le) (III 2 Ak­zi­se). Im 17. Jahr­hun­dert schlos­sen sich die We­ber mit den Schnei­dern zu ei­ner Zunft zu­sam­men (III 7 Zünf­te). En­de des 16. Jahr­hun­derts, An­fang 17. Jahr­hun­dert sind zahl­rei­che We­ber un­ter den Wi­der­täu­fern zu fin­den (IV 9). Sie ha­ben ver­mut­lich die Kon­tak­te zu den nie­der­län­di­schen Blei­chen her­ge­stellt (Frän­ken, S. 14). Die Ver­trei­bung der Men­no­ni­ten ab 1654 (Bras­se, Ge­schich­te II, S. 404-407) brach­te Rück­schla­ge für die Ent­wick­lung des Lein­en­ge­wer­bes (Frän­ken, S. 15; vgl. auch UB Glad­bach 1045).
Im frü­hen 17. Jahr­hun­dert ist ei­ne von der Ab­tei ver­pach­te­te Tuch­fär­be­rei (Grund­stück mit Haus, ei­nem Färb­haus über dem Wey­er, Stal­lun­gen, Holz­schup­pen) be­zeugt, ge­le­gen in der flei­schen am ha­nen wey­er (vgl. Ta­fel 1, Grund­riss), in der u. a. eng­li­sches Tuch ge­färbt wur­de. Die Fär­ber soll­ten ka­tho­lisch sein und blei­ben, auch nur ka­tho­li­sches Per­so­nal be­schäf­ti­gen (HSTAD Ab­tei G Akt 22c fol. 97r).

1786 Acht Lein­en­garn­händ­ler in Glad­bach, zwei in Hardt (StaMG 24 Akt 260)
1798 Grün­dung der Baum­woll­we­be­rei J. P. Schlick­um (HSTAD Ro­er-Dep. 2593 I), kommt aus El­ber­feld
1799 Grün­dung der Baum­woll­spin­ne­rei W. Busch (ebd.), kommt aus Glad­bach
1802 Grün­dung der Baum­woll­we­be­rei P. D. Kyll­mann (ebd.)

Tabelle 10 Gewerbe 1799-1858. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

1862/63 Grün­dung ei­ner Fa­brik mit ei­ni­gen me­cha­ni­schen Lei­nen­web­stüh­len, 1875 und 1878 sind es zwöf. Stell­te haupt­säch­lich wei­ße und blau­ge­färb­te Halb­lei­nen­stof­fe für Be­triebs­klei­dung her. 1886 hat die Fa­brik vier­und­vier­zig, 1895 fünf­und­fünf­zig me­cha­ni­sche Lei­nen­web­stüh­le (ebd., S. 31 f)
1896 Zwei­te Fa­brik mit me­cha­ni­schen Lei­nen­web­stüh­len ge­grün­det (ebd., S. 32)
1899 be­schäf­ti­gen bei­de Be­trie­be zu­sam­men ca. 150 Ar­bei­ter. Be­ste­hen noch 1940 (ebd.)

Baumwoll- und Halbwollindustrie

1747 be­schäf­tigt der El­ber­fel­der Kauf­mann Ul­len­berg in Glad­bach und Um­ge­bung zwei­hun­dert Baum­woll­we­ber und mehr als ein­hun­dert Baum­woll­spin­ner (ebd., S. 32 f)
(1801) grün­den ber­gi­sche Kauf­leu­te in Glad­bach Baum­woll­ma­nu­fak­tu­ren (ebd., S. 37). 1804 wer­den in Glad­bach 10.000 Stück Baum­woll­tuch her­ge­stellt (A. J. Dorsch, Sta­tis­tique du Dé­par­te­ment de la Ro­er, 1804, S. 432). Nach 1806 ver­stärk­te Zu­wan­de­rung aus dem Ber­gi­schen Land (Frän­ken, S. 39)
1807 Vier Baum­woll­ma­nu­fak­tu­ren mit 1145 Ar­bei­tern und 750.000 Francs Um­satz (ebd., S. 40)

Tabelle 11 Leinenwebereien (1807-1811) und Leinen(hand)webstühle, 1816-1880. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Tabelle 12 Baumwollverarbeitung, 1808-1901. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

En­de des 19. Jahr­hun­derts be­stan­den in Glad­bach nur drei Be­trie­be der Samt- und Sei­den­in­dus­trie: Zwei me­cha­ni­sche We­be­rei­en mit ins­ge­samt 150 Ar­bei­tern und ei­ne Sei­den- und Plüsch­fa­brik mit fünf­zig Ar­bei­tern. Für die Glad­ba­cher Tex­til­in­dus­trie war die­ser Zweig fast be­deu­tungs­los im Ver­gleich mit der Baum­woll­ver­ar­bei­tung (ebd., S. 107 f).

Färbereien, Textilveredlung

1816 be­ste­hen in der Stadt Glad­bach drei Fär­be­rei­en, da­von zwei Tür­ki­schrot-Fär­be­rei­en, mit zehn Ar­bei­tern (ebd., S. 84)
1820 be­ste­hen in Ober­ge­burt und Ober­nie­der­ge­burt vier Fär­be­rei­en mit sechs­zehn Ar­bei­tern, ein Zeug­dru­cke­rei mit zwei Ar­bei­tern und sechs Blei­che­rei­en mit zwölf Ar­bei­tern (ebd.)
1839 App­re­tur­an­stalt des Krei­ses Glad­bach, liegt am Glad­bach (Ems­bach, S. 54)
1857 Glad­ba­cher Ak­ti­en-Ge­sell­schaft für Dru­cke­rei und App­re­tur, be­schäf­tigt 1858 123 Ar­bei­ter (Frän­ken, S. 85; Ems­bach, S. 408)
1858 be­ste­hen in der Stadt Glad­bach 54 Fär­be­rei­en mit 230 Ar­bei­tern, zwölf Zeug­dru­cke­rei­en mit 110 Ar­bei­tern, fünf Blei­che­rei­en mit sech­zig Ar­bei­tern (Frän­ken, S. 84)
1899 be­ste­hen in der Stadt Glad­bach 45 Ver­ed­lungs­be­trie­be mit ca. 1000 Ar­bei­tern (ebd., S. 86)

Bekleidungsindustrie

In den 1840er Jah­ren Lohn­kon­fek­ti­on (Her­stel­lung von Fer­tig­klei­dung) durch Glad­ba­cher Fir­men (ebd., S. 117)
1870/71 Ers­te Klei­der­fa­brik (ebd., S. 118)
1895 Sechs­zehn Klei­der­fa­bri­ken (ebd., S. 119)

Schuhfabrikation

1870/71 Ers­te Schuh­fa­brik (ebd., S. 129)

Papierverarbeitende Industrie und graphisches Gewerbe

1825 Stein­dru­cke­rei von B. Küh­len ge­grün­det (G. Erck­ens, 150 Jah­re Rech­nungs- u. Brief­bö­gen, 1981, S. 18-20)
1831 Zwei Stein­dru­cke­rei­en in Glad­bach (Frän­ken, S. 137)
1858 Zwei Buch­dru­cke­rei­en (ebd., S. 144)
1880 Sie­ben Buch­dru­cke­rei­en (ebd.), neun li­tho­gra­phi­sche An­stal­ten (ebd., S. 147)
1899 ar­bei­ten in den sechs grö­ße­ren Stein­dru­cke­rei­en ca. 300 Ar­bei­ter (ebd.)

Maschinenindustrie

1861 Drei Fa­bri­ken für den Ma­schi­nen­bau mit ins­ges. 15 Ar­bei­tern (ebd., S. 178)
1875 24 Be­trie­be für die Fa­bri­ka­ti­on von Ma­schi­nen, Ap­pa­ra­tu­ren und Werk­zeu­ge mit 244 Ar­bei­tern, drei Ei­sen­gie­ße­rei­en mit 36 Ar­bei­tern (ebd., S. 181)
1888 24 Ma­schi­nen­fa­bri­ken und Ei­sen­gie­ße­rei­en mit 568 Ar­bei­tern (ebd., S. 182)
1898 25 Ma­schi­nen­fa­bri­ken und Ei­sen­gie­ße­rei­en mit ca. 1300 Ar­bei­tern (ebd., S. 185)

Tabelle 13 Samt- und Seidenwebstühle, 1822-1880. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Tabelle 14 Gewerbebetriebe in Gladbach, 1875; Berufs- und Gewerbezählung, 1895. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

Tabelle 15 Industriebetriebe in Mönchengladbach, 1906-1912. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Tabelle 16 Wirtschaftsstruktur Mönchengladbach, 1949. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Tabelle 17 Industriebeschäftigte Mönchengladbach, 1955-1974. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

4. 4 Zeitungen

Druckereien

1827-64 Ge­schäfts- und Un­ter­hal­tungs­blatt für Glad­bach und des­sen Um­ge­bung, ab 1847 Glad­ba­cher Kreis­blatt für Ge­schäf­te und Un­ter­hal­tung
1859 Glad­ba­cher Han­dels­blatt und öf­fent­li­cher An­zei­ger
1864 bis 1933 Glad­ba­cher Zei­tung
1872 Glad­ba­cher Volks­zei­tung (Zen­trums­blatt), ab 1904 West­deut­sche Lan­des­zei­tung, er­schien bis 1933
1879 bis 1919 Ge­ne­ral­an­zei­ger
1886-94 Haupt-An­non­cen­blatt für Glad­bach und Um­ge­bung
1889 bis 1890 Glad­ba­cher An­zei­ger
1889 bis 1909 Glad­ba­cher Mer­kur
1908-09 Stadt­an­zei­ger
1927-28 West­deut­sches Volks­blatt
1933 Volks­pa­ro­le, ab 1935 Volks­pa­ro­le - Rhei­ni­sche Lan­des­zei­tung, er­schien bis 1943, dann 1944 Rhei­ni­sche Lan­des­zei­tung
1946 Rhei­ni­sche Post, Lo­kal­re­dak­ti­on M
1948 West­deut­sche Zei­tung, Lo­kal­re­dak­ti­on M

4. 5 Wirtschaftliche und soziale Gesamtentwicklung

Über Jahr­hun­der­te hin­weg hat die Ab­tei Glad­bach mit ih­rer Grund­herr­schaft die wirt­schaft­li­che und so­zia­le Ent­wick­lung Glad­bachs weit über die Zeit der Stadt­wer­dung im 14. Jahr­hun­dert (III 3) hin­aus ge­prägt. Auf die Ab­tei geht die Fron­hof­ver­wal­tung mit ih­ren ab­hän­gi­gen Bau­ern und die frü­he An­sied­lung von Hand­wer­kern - ers­te Be­le­ge für in Glad­bach an­säs­si­ge Hand­wer­ker En­de des 12. Jahr­hun­derts - und Ge­wer­be­trei­ben­de im Be­reich des Mark­tes zu­rück (III 1 Grund­herr­schaft; III 2 Markt; V 4 Ge­wer­be). Die­ser Markt, der die Grund­la­ge der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung bil­de­te und die Be­deu­tung des Or­tes Glad­bach be­grün­de­te, dürf­te auf ein ent­spre­chen­des Pri­vi­leg zu­rück­ge­hen. In Er­in­ne­rung an die­se wich­tigs­ten Im­pul­se ließ sich der Abt noch im spä­ten 16. Jahr­hun­dert Erb­grund­herr nen­nen (III 1 Grund­herr­schaft) und ver­lang­te bis zum Aus­gang des 18. Jahr­hun­derts von den Neu­bür­gern ei­nen Treue­eid (III 6). Auch die land­wirt­schaft­li­chen Gü­ter (Rit­ter­gü­ter, Bau­ern­le­hen, Kur­muds­gü­ter) blie­ben durch ver­schie­de­ne Ab­ga­ben im Ein­fluss­be­reich der Ab­tei (III 1 Grund­herr­schaft). An­de­re, aus der Grund­herr­schaft der Ab­tei ab­ge­lei­te­te Rech­te der Ab­tei im wirt­schaft­li­chen Be­reich wur­den ihr schon seit dem 15. Jahr­hun­dert strei­tig ge­macht. Es be­gann mit ei­nem Streit über die Bier­ab­ga­be mit den Brau­ern 1480 und setz­te sich fort mit ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung über Maß und Ge­wicht so­wie über ei­ne Art Ver­brauchs­steu­er auf Brot, Fleisch und Wein (V 4 Ge­wer­be; V 6; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 372; II 2 Ak­zi­se).

Die Be­deu­tung Glad­bachs als Han­dels­zen­trum wur­de im 14. Jahr­hun­dert durch die Ent­ste­hung ei­ner grö­ße­ren jü­di­schen Ge­mein­de und das Auf­tre­ten von Lom­bar­den, d. h. ober­ita­li­e­nien­i­schen Geld­kauf­leu­ten, mit Haus­be­sitz in Glad­bach ma­ni­fes­tiert (IV 8; UB Vier­sen 68). Geld­ver­kehr ist auf dem Glad­ba­cher Markt be­reits 1303 be­zeugt, wo­bei der bra­ban­ti­sche Pfen­nig und die bra­ban­ti­sche Mark die gän­gi­gen Mün­zen wa­ren (III 2 Markt). Auch die Ak­zi­se, die die Stadt schon im 14. Jahr­hun­dert er­hob, lässt auf grö­ße­re Han­dels­ak­ti­vi­tä­ten schlie­ßen. Aus der Ak­zi­se­ord­nung von 1488 geht ein leb­haf­ter Wa­ren­ver­kehr her­vor, der teil­wei­se Fern­han­del­gü­ter um­fass­te, wie z. B. eng­li­sches Tuch, nie­der­län­di­sche See­fi­sche, Salz, Wein, Ro­si­nen und Fei­gen (III 2 Ak­zi­se; Stadt­gesch. Mön­chen­glad­bach I, S. 373).

Tabelle 18 Branchenaufteilung der Erwerbstätigen Mönchengladbach, 1961; 1970; 1987. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Mit der In­ten­si­vie­rung des Han­dels seit dem 14. Jahr­hun­dert ging ei­ne Ex­pan­die­rung des Hand­werks und des Ge­wer­bes ein­her, die schon im frü­hen 14. Jahr­hun­dert nach­weis­bar ist. Die Hand­wer­ker und Ge­wer­be­trei­ben­den lös­ten sich da­bei all­mäh­lich aus der Ab­hän­gig­keit der Ab­tei. Die Ver­pach­tung der Müh­len und der Braue­rei durch die Ab­tei räum­te den Päch­tern die Mög­lich­keit ei­nes weit­ge­hend selbst­ver­ant­wor­te­ten Wirt­schaf­tens ein (ebd., S. 335).

Das Selbst­ver­ständ­nis und das Zu­sam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl der Glad­ba­cher Kauf­mann­schaft nahm bis zum Aus­gang des 15. Jahr­hun­dert so zu, dass sie als ge­schlos­se­ne Grup­pe auf­trat (z. B. 1491, UB Glad­bach 518). Aus ihr ent­wi­ckel­te sich im 16. Jahr­hun­dert die Zunft der Krä­mer, aus der noch im glei­chen Jahr die der Schnei­der und Woll­we­ber her­vor­ging (III 7 Zünf­te). Die­se Kon­zen­tra­ti­on von Han­del und Pro­duk­ti­on im Tex­til­sek­tor deu­tet auf Ver­lags­for­men hin. Ähn­li­ches ist für das Schmie­de­hand­werk zu be­ob­ach­ten, in dem eben­falls im Ver­lags­sys­tem pro­du­ziert und ver­trie­ben wur­de. (III 7 Zünf­te; V 4 Ge­wer­be).

Als We­ber und Ver­le­ger tra­ten im 17. Jahr­hun­dert auch die Täu­fer auf. Die wirt­schaft­li­chen Fol­gen ih­rer Ver­trei­bung wa­ren noch im frü­hen 18. Jahr­hun­dert spür­bar. Den Re­for­mier­ten, die sich in Glad­bach be­haup­te­ten, ge­lang es nicht, in der Krä­mer- und Schnei­der­zunft dau­er­haft zu ver­blei­ben (III 7; IV 9). Sie wa­ren wie die Täu­fer als Ver­le­ger tä­tig. Un­ter ih­nen nahm die Fa­mi­lie Lüps ei­ne be­son­de­re Stel­lung ein. Mit­glie­der der Fa­mi­lie tra­ten im 17. Jahr­hun­dert als Tuch- und Woll­we­ber auf und un­ter­hiel­ten re­ge Ge­schäfts­ver­bin­dun­gen mit den Nie­der­lan­den, auf de­ren Blei­chen Glad­ba­cher Tu­che ver­edelt wur­den (I. Bar­le­ben, Ge­schich­te d. Fa­mi­lie Lüps, Bd. 1, 1937, S. 57-115).

Das Tuch­ge­wer­be ent­wi­ckel­te sich in Glad­bach auf­grund von Flachs­an­bau. Der Flachs wur­de als bäu­er­li­cher Ne­ben­er­werb ver­spon­nen und zu Lei­nen ver­ar­bei­tet, das zum Bei­spiel im 18. Jahr­hun­dert auf dem Glad­ba­cher Markt ge­gen Tuch aus dem Ber­gi­schen, aus Mons­chau und Bra­bant ge­tauscht wur­de (III 2 Markt). Mit­te des 18. Jahr­hun­derts setz­ten Baum­woll­ver­ar­bei­tung und Sei­den­we­be­rei ein. Ge­gen En­de des Jahr­hun­derts sie­del­ten sich als Fol­ge der fran­zö­si­schen Wirt­schafts­po­li­tik, die die west­fä­li­sche und schle­si­sche Kon­kur­renz aus­schloss und Zu­gang zum gro­ßen fran­zö­si­schen Markt schaff­te, Baum­woll­we­be­rei­en in Glad­bach an, ab (1800) dann auch Spin­ne­rei­en, de­ren Be­sit­zer viel­fach aus dem Ber­gi­schen Land zu­ge­wan­dert wa­ren (Frän­ken, S. 16-22). Ab (1810) ging die Be­deu­tung des Tex­til­ge­wer­bes zu­nächst zu­rück, er­hol­te sich aber (1830) wie­der. (1880) ver­lor die Lei­nen­in­dus­trie und En­de 19. Jahr­hun­dert die Samt- und Sei­den­in­dus­trie völ­lig an Be­deu­tung. Sie wur­den durch die Baum­woll­in­dus­trie ab­ge­löst, so dass Mön­chen­glad­bach bald als "rhei­ni­sches Man­ches­ter" be­zeich­net wur­de. Die Be­rei­che Ma­schi­nen­bau und Pa­pier, die im Zu­sam­men­hang mit der ex­pan­die­ren­den Tex­til­in­dus­trie ent­stan­den, wur­den seit En­de des Jahr­hun­derts aus­ge­baut. Ins­ge­samt ge­se­hen war Mön­chen­glad­bach durch ei­ne tex­ti­le Mo­no­wirt­schaft ge­kenn­zeich­net.

We­gen der vor­herr­schen­den In­dus­trie blieb das Hand­werk von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung. Die Land­wirt­schaft ging wäh­rend des 19. Jahr­hun­derts kon­ti­nu­ier­lich bis zur Be­deu­tungs­lo­sig­keit zu­rück (V 2). Nach dem Ers­ten Welt­krieg brach 1918 die Tex­til­in­dus­trie fast völ­lig zu­sam­men, er­hol­te sich in den Fol­ge­jah­ren je­doch all­mäh­lich. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges wur­den zahl­rei­che Be­trie­be zer­stört, die nach 1945 wie­der­auf­ge­baut wur­den. Ra­tio­na­li­sie­rung und Au­to­ma­ti­sie­rung kenn­zeich­ne­ten das Jahr­zehnt von 1950-60. Da­nach kam es zu ei­ner er­neu­ten Kri­se der Tex­til­in­dus­trie als Fol­ge der zu­neh­men­den aus­län­di­schen Kon­kur­renz. An ih­re Stel­le tra­ten Han­del, Ma­schi­nen­bau und vor al­lem der ter­tiä­re Sek­tor, der heu­te vor­herr­schend ist.

Ei­ne Ar­bei­ter­be­we­gung ent­stand in Glad­bach erst in den 1860er und 70er Jah­ren. Noch 1853 hei­ßt es, dass der be­sitz­lo­se Ar­bei­ter­stand ... noch nicht in der Wei­se ver­tre­ten sei wie an an­de­ren Fa­bri­kor­ten (Eckertz-Noever, S. 237). Die Un­ter­neh­mer ver­mie­den es, so­zia­le Un­ter­schie­de all­zu deut­lich her­vor­zu­he­ben und blie­ben im­mer hin­ter dem ho­hen So­zi­al­pres­ti­ge der Ruhr­in­dus­tri­el­len zu­rück (G. Adel­mann, Füh­ren­de Un­ter­neh­mer im Rhein­land u. in West­fa­len 1850-1914. In: RhVjbl 35, 1971, S. 335-352). Die Glad­ba­cher Un­ter­neh­mer wa­ren über­wie­gend evan­ge­lisch, ei­ni­ge sind aus Ver­le­ger­fa­mi­li­en her­vor­ge­gan­gen. Evan­ge­li­sche und ka­tho­li­sche In­dus­tri­el­le in Glad­bach hiel­ten es für ei­ne Eh­ren­pflicht, kirch­li­che und kom­mu­na­le Äm­ter zu über­neh­men (ebd., S. 349). Als Be­triebs­form herrsch­te die Ein­zel­fir­ma oder die Per­so­nal­ge­sell­schaft vor. Ei­ne Aus­nah­me war die 1854/55 ge­grün­de­te Ak­ti­en­ge­sell­schaft Glad­ba­cher Spin­ne­rei und We­be­rei (ebd., S. 337; Frän­ken, S. 61, 222; Ems­bach, S. 263, 409 f).

Die Ar­bei­ter­schaft spür­te wäh­rend des ge­sam­ten 19. Jahr­hun­dert je­den Rück­gang der Kon­junk­tur und konn­te trotz der noch häu­fig im Ne­ben­er­werb be­trie­be­nen Land­wirt­schaft nur mü­he­voll über­le­ben. (1846) führ­ten Ab­satz­schwie­rig­kei­ten der Tex­til­in­dus­trie zu der ers­ten gro­ßen Wel­le von Ar­beits­lo­sig­keit in Glad­bach (N. Klin­ken­berg, So­zia­ler Ka­tho­li­zis­mus in Mön­chen­glad­bach, 1981, S. 24-34). Bis in die 1870er Jah­re blieb Kin­der­ar­beit üb­lich (ebd., S. 85-101; Ems­bach, S. 257-260). 1871 kam es zum ers­ten grö­ße­ren Streik in Glad­bach, der aber nach we­ni­gen Ta­gen zu­sam­men­brach (Klin­ken­berg, So­zia­ler Ka­tho­li­zis­mus, S. 132 f). Bei der ers­ten Reichs­tags­wahl 1871 ge­lang dem La­sal­le­schen Ar­bei­ter­ver­ein ein Ach­tungs­er­folg, der sich al­ler­dings nicht wie­der­ho­len ließ (ebd. S. 127-133; Be­ckers, S. 38-44).

Wäh­rend des Kul­tur­kampfs so­li­da­ri­sier­ten sich die meis­ten ka­tho­li­schen Ar­bei­ter mit den ka­tho­li­schen Un­ter­neh­mern. Es ent­stand ein so­zia­les Pro­gramm, das Ein­fluss auf die So­zi­al­po­li­tik, pri­va­te so­zia­le Ein­rich­tun­gen und letzt­lich ei­ne Ver­bür­ger­li­chung der Ar­bei­ter an­streb­te bei Be­ja­hung der ka­pi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­form (Klin­ken­berg, So­zia­ler Ka­tho­li­zis­mus, S. 133-145). Ei­ne po­li­ti­sche Hei­mat fan­den die ka­tho­li­schen Ar­bei­ter in der Zen­trums­par­tei, die 1871 ent­stand und in der sich ein ei­ge­ner Ar­bei­ter­flü­gel bil­de­te, der vor al­lem in der Wei­ma­rer Zeit ei­ne be­deu­ten­de Rol­le spielt.

Un­ter den ka­tho­li­schen Un­ter­neh­mern rag­te der aus ei­ner Ver­le­ger­fa­mi­lie stam­men­de Tex­til­fa­bri­kant Franz Brandts her­aus, der für sei­ne 1872 ent­stan­de­ne Fir­ma ei­nen Ar­bei­ter­aus­schuss grün­de­te, der sich nach der Jahr­hun­dert­wen­de zu ei­nem Mit­be­stim­mungs­or­gan ent­wi­ckel­te. Brandts schaff­te fer­ner ei­ne Fül­le so­zia­ler Ein­rich­tun­gen  (Kran­ken­ver­si­che­rung, Dar­le­hens­kas­se, Bü­che­rei, Kin­der­gar­ten, Be­triebs­kü­che u. a.) für sei­ne Be­leg­schaft (Ems­bach, S. 456-461, 589-593, 601-603, 606). Er wur­de 1890 Vor­sit­zen­der des Volks­ver­eins für das ka­tho­li­sche Deutsch­land, der den Na­men Mön­chen­glad­bach zum Syn­onym für ka­tho­li­sche So­zi­al­re­form mach­te (IV 11; W. Löhr, Franz Brandts, 1985).

Durch das un­de­mo­kra­ti­sche Drei­klas­sen­wahl­recht be­herrsch­ten die li­be­ra­len Un­ter­neh­mer bis 1912 weit­ge­hend die Glad­ba­cher/Mön­chen­glad­ba­cher Stadt­po­li­tik (W. Löhr, Ho­no­ra­tio­ren­grup­pen u. Kom­mu­nal­po­li­tik. In: Rhein­land-West­fa­len im In­dus­trie­zeit­al­ter, Bd. 2, 1984, S. 9-24). In der Wei­ma­rer Re­pu­blik wur­de die Zen­trums­par­tei als ei­gent­li­che Volks­par­tei füh­ren­de po­li­ti­sche Kraft in Mön­chen­glad­bach.

4. 6 Maße und Gewichte

Maß und Ge­wicht wa­ren im Be­sitz des Abts von Glad­bach (1349, UB Glad­bach 308). Spä­tes­tens seit dem 16. Jahr­hun­dert wur­den sie vom ab­tei­li­chen Schult­hei­ßen und ei­nem, zwei­en oder drei Schöf­fen über­prüft (ebd. 794, 795 u. ö.). Im 18. Jahr­hun­dert als dem Got­tes­hauss zu­ste­hen­de Po­li­cey (ebd. 947, vgl. auch 987) und wa­ren öf­ters zwi­schen Abt und Lan­des­her­ren strit­tig (vgl. ebd. 986 f).

1285 ei­ne Hu­fe = 60 Mor­gen (UB Glad­bach 127)
1311 men­sura ma­nua­lis que vul­ga­ri­ter gob­sen di­ci­tur (HSTAD Ab­tei G 53, 54; Re­ges­ten UB Glad­bach 166 u. 167; auch 1331 be­zeugt, HSTAD Klos­ter Neu­werk 17)
1334 men­sura ple­na et le­ga­lis fo­ri Glad­ba­cen­sis bla­di me­lio­ris (ebd. 21-23)
1399 Ge­laid­be­cker moe­sen, 1408 Glaid­bach­scher mais­sen (ebd. 30 u. 31)

Der Glad­ba­cher Mal­ter war ein Fass mehr als der Gre­ven­broi­cher Mal­ter (ebd. JB III R Gre­ven­broich 7 fol. 112v = 1566/67). Da der Gre­ven­broi­cher Mal­ter drei Sum­ber drei Fass köl­nisch fass­te und ein Mal­ter = vier Sum­ber sind, wa­ren der Glad­ba­cher und der köl­ni­sche Mal­ter iden­tisch.

Luftbild, Mönchengladbach von Westen, 1985. (Stadtarchiv Mönchengladbach/ 10/50381)

 
Zitationshinweis

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Löhr, Wolfgang, Rheinischer Städteatlas Mönchengladbach. Teil 5: Wirtschafts- und Sozialstruktur, Statistik, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-moenchengladbach.-teil-5-wirtschafts--und-sozialstruktur-statistik/DE-2086/lido/60860ffd89a891.06848038 (abgerufen am 09.06.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 02.09.2025, zuletzt geändert am 08.10.2025

Auch über Rheinischer Städteatlas Mönchengladbach, bearbeitet von Wolfgang Löhr (Lieferung XII Nr. 65, 1996)