Rheinischer Städteatlas Uedem. Teil 1: Siedlung

Margret Wensky (Bonn)

Grundriss Uedem nach der Urkarte von 1831/32, im Verhältnis 1 : 2500. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

1. 1 Geographische Lage

Im Nie­der­rhei­ni­schen Tief­land auf den zu den Nie­der­rhei­ni­schen Hö­hen ge­hö­ren­den Pfalz­dor­fer Hö­hen, die süd­west­lich zur Nier­s­nie­de­rung und nord­öst­lich zur Un­te­ren Rhein­nie­de­rung hin ab­fal­len; der Orts­kern liegt 1,5 km west­lich des Ue­de­mer Bruchs 28-30 m ü. NN.

1. 1 Verkehrsanbindung

Stra­ßen
1363 Weg (pat) von Kal­kar nach Ue­dem er­wähnt (HSTAD Hs A III 4 fol. 44r), 1398 als Weg von der Kalka­rer Mon­pfor­te nach Ue­dem be­zeich­net (Sta Kal­kar Urk 83)
[vor 1415] Steen­ber­ger­wech, Most­erwe­ge (Wil­kes, Quel­len, S. 364)
1437 strai­te, die von Ue­dem über Goch­fort nach Sons­beck führt (HSTAD Hs A III 17 fol. 111v)
1459 moe­len we­ge (ebd. Kle­ve Ge­rich­te 907)
1733/34 Nach dem Kle­vi­schen Ka­tas­ter füh­ren von Ue­dem Stra­ßen bzw. We­ge nach: Ker­ven­heim und Sons­beck, Goch, Keve­la­er, Bucholtz (Bau­er­schaft), Kal­kar, Ap­pel­dorn, Xan­ten (Ta­fel 4)
1765 schreibt der Bür­ger­meis­ter, der Ort ha­be we­gen Ent­le­gen­heit fast kei­ne Pas­sa­ge (HSTAD Xan­ten Kreis­re­gis­tra­tur 149)
1824 Ge­mein­de­we­ge: nach Ma­ri­en­baum, Ap­pel­dorn, Kep­peln, Kle­ve, Goch, Weeze, Sons­beck, Ker­ven­heim und Xan­ten (HSTAD Dep. Ue­dem IV 9; Ta­fel 3)
1851 Chaus­see­mä­ßi­ger Aus­bau des Kom­mu­nal­we­ges von Ue­dem über Kep­peln nach Kal­kar, 1855 des We­ges nach Weeze (Chro­nik Pelt­zer)
1992 An­schluß an die A 57

Ei­sen­bahn
1878 Er­öff­nung der Box­te­ler Ei­sen­bahn (Nord­bra­ban­tisch-deut­sche Ei­sen­bahn) Box­tel-We­sel mit Bahn­hof Ue­dem (zur La­ge vgl. Ta­fel 2.1, Neu­auf­nah­me); 1945 Zer­stö­rung der Bahn­an­la­gen, nach Re­pa­ra­tur wie­der Pen­del­ver­kehr nach Goch; ab 1958 Ein­schrän­kung des Per­so­nen­ver­kehrs, 1963 Ein­stel­lung, 1966 auch des Gü­ter­ver­kehrs (M. Leh­mann, Der blaue Bra­bant. Die Ge­schich­te d. Box­te­ler Bahn, 1998)
Ab 1958 Um­stel­lung des Per­so­nen­ver­kehrs auf Au­to­bus­se (VB)

1. 1 Post, Telegraph, Telefon

1821-37 Brief­bo­ten­gang zwi­schen Ue­dem und der Post­ex­pe­di­ti­on Kal­kar, nach­her zu Goch. 1838 Post­ex­pe­di­ti­on in Ue­dem und drei­mal wö­chent­li­cher Post­gang nach Goch ein­ge­rich­tet, ab 1842 statt­des­sen täg­li­che Per­so­nen- und Brief­post zwi­schen Ue­dem und Weeze (HSTAD Dep. Ue­dem XII 14), 1878 Per­so­nen­ver­kehr mit Er­öff­nung der Box­te­ler Ei­sen­bahn ein­ge­stellt (s. Ei­sen­bahn)
1855 Fahr­post Kal­kar-Ue­dem-Weeze, 1879 ein­ge­stellt
1890 be­steht te­le­gra­phi­sche Ver­bin­dung von Ue­dem über Kep­peln nach Kal­kar
1898 lehnt der Ge­mein­de­rat die Ein­rich­tung von Fern­sprech­ver­bin­dun­gen und öf­fent­li­chen Fern­sprech­zel­len man­gels Be­darf ab (Pro­to­koll­buch 1897-1920)
1904 Ein­rich­tung ei­ner öf­fent­li­chen Fern­sprech­zel­le in Ue­dem (ebd.)

1. 2 Bodenfunde in der Gemarkung

Im Kal­be­cker Forst sind ne­ben ei­nem neo­li­thi­schen Hü­gel­grä­ber­feld ei­sen­zeit­li­che Sied­lungs­spu­ren nach­ge­wie­sen wor­den. In der Nä­he die­ses Grä­ber­fel­des wur­de 1929 in der Ge­mar­kung Kep­peln ein Grä­ber­feld ent­deckt, das zwi­schen 60/70 und 220 n. Chr. be­legt wor­den ist; über­wie­gend han­delt es sich um Brand­gru­ben­grä­ber. Rö­mer­zeit­li­che Ge­fä­ße fan­den sich in Ue­de­mer­feld. Der Fund ei­nes me­ro­win­ger­zeit­li­chen Knick­wand­top­fes 450 m süd­süd­west­lich der Ue­de­mer Kir­che deu­tet auf ein Orts­grä­ber­feld hin; beim Ab­riß der mit­tel­al­ter­li­chen Kir­che wur­de 1887 ein ver­mau­er­ter Me­mo­ri­en­stein des XI. Jh. ent­deckt (Rhein. Amt f. Bo­den­denk­mal­pfle­ge Bonn, Orts­ar­chiv: F. Sieg­mund, Me­ro­win­ger­zeit am Nie­der­hein, 1998, S. 433; Till­mann, S. 1; II 2; IV 1).

1. 3 Erste Erwähnung und folgende Namenbelege bis 1300, danach nur abweichende Formen

866 in Ode­hei­me­ro mar­ca (Kop ca. 1170, Co­dex Lau­res­ha­men­sis I 33)
X./XI. Jh. Ot­hi­hem (Ur­ba­re Wer­den I, S. 104)
(1100) Othe­hem (F. W. Oedi­ger <Hg.>, Das äl­tes­te To­ten­buch d. Stif­tes Xan­ten, 1958, S. 4)
En­de des XII. Jh. Ůd­heim (Ur­ba­re Wer­den I, S. 282)
XIII. Jh. de Ute­hem (Wil­kes, Quel­len, S. 511)
(1239) Uthem (ebd., S. 25; IV 1)
[vor 1258] [1247?] Udem (Wil­kes, Quel­len, S. 22)
1266 Ůdem (UB Xan­ten I 225; er­wähnt Il­gen I, S. 88 Anm. 4 zu 1267; IV 1; IV 3)
1295 Vdem (Kop XV, NrhUB II 957 = Kle­ve-Mark Urk I 90)
(1300) Ud­hem (E. Wei­se, Die Me­mo­ri­en d. Stif­tes Xan­ten, 1937, S. 19)
Seit dem XIV. Jh. im all­ge­mei­nen V(U)dem, aus­ge­nom­men
(1308) Vden (Li­ber va­lo­ris, S. 71)
1319 V°­de­hem (Kle­ve-Mark Urk I 157)
1347 Vde­heym (Kop XV, REK V 1437; La­c­Arch IV, S. 389-392)
1378 Ue­dem (Il­gen II 1 Nr. 173)
1390 Udim (Wil­kes, Quel­len, S. 267)
1392 Oy­dem (Il­gen II 2, S. 276)
1393 Oedem (ebd., S. 201)

Ad­jek­ti­visch
1383 Udem­scher (HSTAD Hs A III 12 fol. 34r; V 6)
1390 Ude­men­sis (HSTAD Hs A III 12 fol. 90r; IV 2 Al­tä­re)
1637 Üde­misch (HSTAD KM Akt 1143 fol. 405r)
XVIII. Jh. Ude­mi­en­sis (III 5 Sie­gel)

1. 4 Bezeichnung der Siedlung

[1311] vil­la (La­c­Arch IV, S. 389f.; REK IV 674)
1319 stat (Kle­ver Ur­bar I, S. 145)
1347 opi­dum (I 3
1359 Ja­nu­ar 5 stat (III 3)
1359 Mai 1 vil­la seu opi­dum (UB Xan­ten I 953)
1448 opi­dum (In­ven­tar Xan­ten I 1541)
1632 städt­lein (HSTAD KM Akt 384)

1. 5 Bezeichnung der Siedlungsbewohner

1359 Ja­nu­ar 5 bur­ge­ren (I 4)
1359 Mai 1 per­so­ne, in­co­le et in­ha­bi­ta­to­res, und­er­sa­ten (I 4)

1. 6 Wüst gewordene Nachbarsiedlungen (innerhalb der Gemarkung)

1769 hei­ßt es, bei der Stadt sei­en we­der wüs­te Dorf­stel­len noch ein­ge­gan­ge­ne Dör­fer vor­han­den (HSTAD Xan­ten Kreis­re­gis­tra­tur 926)

Deutsche Grundkarte Uedem von 1999/2002, im Verhältnis 1 : 2.500, Ausschnitt aus den Blättern Uedem von 1999 und Uedem Süd von 2002, im Verhältnis 1 : 5.000. (Kreisverwaltung Kleve)

 

1. 7 Ortsteile, Gebietsveränderungen, Eingemeindungen

1798 ge­hört die Com­mu­ne Ue­dem mit Ue­de­mer­bruch und Ue­de­mer­feld zum Kan­ton Kal­kar (Sta Kal­kar H 22 II; Rhein. Städ­teat­las XIV Nr. 76: Kal­kar, 2001)
1800 Mai­rie, ab 1816 Bür­ger­meis­te­rei Ue­dem mit Ue­dem und den Bau­er­schaf­ten Ue­de­mer­feld, Stein­ber­gen, Per­sel und Kir­sel
1823-51 Bür­ger­meis­te­rei Ue­dem und Kep­peln in Per­so­nal­uni­on ver­wal­tet, er­neut ab 1866
1969 Die Ge­mein­den Kep­peln, Ue­dem, Ue­de­mer­bruch und Ue­de­mer­feld (Amt Ue­dem) wer­den zu ei­ner amts­frei­en Ge­mein­de Ue­dem zu­sam­men­ge­schlos­sen. Das Amt Ue­dem wird auf­ge­löst, Rechts­nach­fol­ge­rin ist die Ge­mein­de Ue­dem (GV. NW. 1969, S. 161)
Zu den kom­mu­na­len Zu­ge­hö­rig­kei­ten vgl. auch III 9.

1. 8 Gemarkungsgröße

1733/34 Nach dem Kle­vi­schen Ka­tas­ter um­fa­ßt die Stadt Ue­dem in­tra mu­ros 10 Mg 141 Ru­t­hen (Ta­fel 4)
1789 um­fa­ßt die Ge­mar­kung Ue­dem 551 Mg (Fa­bri­ci­us II, S. 231)
1885 = 551 ha; 1895 und 1905 = 550,7 ha; 1928 = 550,6 ha; 1946 = 551 ha; 1975 = 6093 ha

Uedem und Umgebung 1802/04, im Verhältnis 1 : 25.000, Zusammensetzung der Blätter 9 Goch, 10 Kalkar, 14 Weeze und 15 Kevelaer der Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling 1803-28, Aufgenommen von französischen Ing.-Geographen. (Landesvermessungsamt NRW)

 
Zitationshinweis

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Wensky, Margret, Rheinischer Städteatlas Uedem. Teil 1: Siedlung, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-uedem.-teil-1-siedlung-/DE-2086/lido/5fb540e31140c8.49810648 (abgerufen am 12.05.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 18.03.2026, zuletzt geändert am 14.04.2026

Auch über Rheinischer Städteatlas Uedem, bearb. v. Margret Wensky (Lfg. XV, Nr. 84, 2003)