Rheinischer Städteatlas Uedem. Teil 2: Topographie

Margret Wensky (Bonn)

Topographische Karte Uedem 1843, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 4203 Kalkar und 4303 Uedem der Preußischen Kartenaufnahme 1836-50, Uraufnahme. (Landesvermessungsamt NRW)

2. 1 Burg

Die Schlü­te­rei oder Burg soll 1414 von Her­zog Adolf I. von Kle­ve er­rich­tet wor­den sein (BAM Pfa St. Ni­co­lai, Kal­kar Z. 5 fol. 66v, Über­lie­fe­rung A XIX. Jh.; ebd. StiXA Hs 52 S. 122-126, Be­richt v. 1722). Der Bau wird in der „Cle­vi­schen Chro­ni­k“ des Gert van der Schu­ren (hg. v. R. Schol­ten, 1884) nicht aus­drück­lich un­ter den Bur­gen­bau­ten des Her­zog er­wähnt. Beim Brand von 1685 ist die­ses Ge­bäu­de in Eck­la­ge der Stadt­be­fes­ti­gung zer­stört und nicht wie­der auf­ge­baut wor­den (II 2). 1720 ist die ab­ge­brann­te Schlü­te­rei als wüs­ter Haus­platz aus­ge­wie­sen (Pro­to­koll­buch 1700-86 fol. 171r). Als Schlü­te­rei dien­te nach 1685 ein aus­ge­bau­ter Turm der Stadt­be­fes­ti­gung, der noch er­hal­ten ist (II 4).

2. 2 Siedlungsentwicklung, Befestigung, Stadtbrände

Der Raum Ue­dem wird 855 erst­mals er­wähnt, als Kö­nig Lo­thar II. dem Graf Ans­fried die öst­lich der Niers in pa­go Hat­tua­ria ge­le­ge­ne vil­la Gei­ze­furt (uil­la que di­ci­tur Gei­ze­furt, que si­ta est su­per fluui­um Ner­sa) schenkt (DLoII 2; Co­dex Lau­res­ha­men­sis I, S. 306). Als Ans­fried die­se 866 dem Klos­ter Lorsch über­trägt, hei­ßt es, sie lie­ge in Ode­hei­me­ro mar­ca (in der Ue­de­mer Mark; ebd., S. 316-318). Über die La­ge der vil­la Gei­ze­furt ist in der Li­te­ra­tur viel spe­ku­liert wor­den. Die bis­lang über­zeu­gends­te Lo­ka­li­sie­rung stammt von F. W. Oedi­ger, wo­nach die vil­la Gei­ze­furt als Ro­dungs­sied­lung in der Ue­de­mer Mark zu iden­ti­fi­zie­ren ist, und zwar wohl mit dem Ge­urts­hof bei Ker­ven­heim nörd­lich der Müh­len­fleuth, et­wa im Win­kel zwi­schen de­ren Mün­dung und der Niers ge­le­gen (Oedi­ger, Vil­la Gei­ze­furt; Rhein. Städ­teat­las XI Nr. 61: Ker­ven­heim, 1994). Nicht be­stimm­bar ist auch die Aus­deh­nung der Ue­de­mer Mark.
Ein me­ro­win­ger­zeit­li­ches Grä­ber­feld 450 m süd­süd­west­lich der Ue­de­mer Kir­che so­wie der Orts­na­me - ein –heim-Na­me zu dem Per­so­nen­na­men Udo/Odo - wei­sen auf ei­ne Sied­lung im Früh­mit­tel­al­ter hin (I 2; I 3; H. Ditt­mai­er, Die links­rhein. Orts­na­men auf –dorf u. –heim, 1979). Der aus dem XI. Jh. stam­men­de Me­mo­ri­en­stein, der bis 1887 in der al­ten Pfarr­kir­che ver­mau­ert war (heu­te in der Ost­wand des süd­lich Quer­hau­ses), wird als Hin­weis auf die Exis­tenz von Kir­che und Sied­lung im Hoch­mit­tel­al­ter zu deu­ten sein. Aus­sa­gen über den frü­hes­ten Kir­chen­bau sind man­gels Quel­len nicht mög­lich; aus der Zeit um 1200 soll der Turm der 1887 ab­ge­ris­se­nen Kir­che ge­stammt ha­ben (I 1IV 1).
Die Kirch­spie­le Ue­dem und Sons­beck wa­ren zwi­schen Mit­te des XIII. und Mit­te des XIV. Jh. Zen­tren der kle­vi­schen Bin­nen­ko­lo­ni­sa­ti­on, der bei wei­tem be­deu­tends­ten Land­ge­win­nungs­ak­ti­on in den Nie­der­rhein­lan­den zwi­schen der früh­mit­tel­al­ter­li­chen Ro­dungs­pha­se und den Kul­ti­vie­rungs­maß­nah­men des XIX. Jh., bei der vor al­lem Bruch­ge­bie­te im Hin­ter­land von Rhein und Maas tro­cken ge­legt und ur­bar ge­macht wur­den. Plan und An­la­ge der Ent­wäs­se­rungs­ar­bei­ten er­folg­ten nach hol­län­di­schem Mus­ter. 1295 über­trug Graf Diet­rich VIII. von Kle­ve ver­schie­de­nen Per­so­nen das Bruch­ge­biet bei Ue­dem (pa­lu­dem nostram pro­pe Ue­dem_ in­ter Gox­foirt et Huls­donk_) ge­gen Erb­pacht und Zehn­ten zur künf­ti­gen Ko­lo­nie (NrhUB II 937). Die für die Bruch­kul­ti­vie­rung ty­pi­schen Lang­hu­fen sind noch heu­te im Ue­de­mer­bruch er­kenn­bar (D. Kast­ner, Die Go­cher Land­rol­le, 1988, S. 54-56; J. Schrei­ner, Der Schau­zwang auf Deich u. Schleu­se, 1995, bes. S. 105f.; III 1III 9; Ta­fel 2). Im Kle­ver Ur­bar von 1319 wer­den im Vde­mer­bru­ke 43 Hof­stät­ten auf­ge­zählt; ein wei­te­res klei­nes Bruch­ge­biet im Kirch­spiel Ue­dem war das Stein­ber­ger Bruch (Kle­ver Ur­bar I, S. 128-133).
Über die vor­städ­ti­sche Ent­wick­lung der Sied­lung Ue­dem ist bis zum XIV. Jh. nur we­nig be­kannt. Zur Zeit der Stadt­er­he­bung 1359 hat­te Ue­dem die flä­chen­mä­ßi­ge Aus­deh­nung er­reicht, wie sie das Ur­ka­tas­ter von 1831/32 zeigt (Ta­fel 1, Grund­riß), denn in der Ver­ein­ba­rung mit dem Stift Xan­ten von 1359 Mai 1 wird ne­ben 3 To­ren (II 3) die Mau­er er­wähnt (ver­sus mu­rum dic­te vil­le) (I 3III 3). In der Urk des Stifts wer­den 43 Hof­stät­ten ge­nannt, die wohl den ge­sam­ten Hof­stät­ten­be­stand zur Zeit der Stadt­er­he­bung aus­mach­ten (Flink, For­men, S. 52; III 1V 1) und auf ei­ne Be­völ­ke­rung von 200-300 Per­so­nen schlie­ßen las­sen. Über die wei­te­re in­ner­städ­ti­sche Sied­lungs­ent­wick­lung sind we­gen feh­len­der Quel­len kaum Aus­sa­gen zu ma­chen. 1369 wird der Markt­platz er­wähnt; wann das 1563 erst­mals be­zeug­te Rat­haus ent­stan­den ist, bleibt un­be­kannt (II 5 Plät­ze, Ge­bäu­de). Jan de Bei­jers An­sicht des Mark­tes zeigt die Platz­si­tua­ti­on Mit­te des XVIII. Jh. mit der al­ten Pfarr­kir­che und dem nach dem Brand von 1685 wie­der er­rich­te­ten Rat­haus, ei­nem be­schei­de­nen Bau mit Trep­pen­gie­bel (Ta­fel 5). Auf ei­nen ge­wis­sen Aus­bau der Stadt im XV. Jh. wei­sen die Er­rich­tung des Hos­pi­tals und Klos­ters St. Spi­ri­tus, des Agat­ha­kon­vents so­wie Bau­maß­nah­men an der Pfarr­kir­che hin (IV 1; IV 5). Die im frü­hen XV. Jh. er­rich­te­te her­zog­lich-kle­vi­sche Schlü­te­rei in Eck­la­ge der Stadt­be­fes­ti­gung ver­stärk­te zwar den Stadt­burg­cha­rak­ter (II 1), war aber kei­ne Burg im ei­gent­li­chen Sin­ne, son­dern wohl ein ähn­li­ches Ge­bäu­de wie die lan­des­herr­li­che Schlü­te­rei in Kal­kar (Rhein. Städ­teat­las XIV Nr. 76: Kal­kar, 2001, II 1).
Die Stadt soll in den gel­dri­schen Erb­fol­ge­krie­gen des XV. Jh. durch Ein­quar­tie­run­gen Scha­den ge­nom­men ha­ben (BAM StiXA Hs 52, S. 122-126). 1618 ver­nich­te­te ein ver­hee­ren­der Brand die Stadt (ebd.). 1632 er­such­te das städt­lein Ue­dem den Kur­fürs­ten von Bran­den­burg, den um die Stadt­mau­er ver­lau­fen­den Wall aus Kos­ten­grün­den ein­eb­nen zu dür­fen (HSTAD KM Akt 384 fol. 13ff.). 1682 hei­ßt es, die Stadt­mau­er sei ein­ge­fal­len; zur Re­pa­ra­tur er­hielt die Stadt Pa­li­sa­den aus dem Reich (ebd. Akt 801). Bei ei­nem er­neu­ten gro­ßen Brand 1685 wur­den u.a. die Stadt­mau­ern und -to­re be­schä­digt, de­ren Wie­der­auf­bau die Ein­woh­ner nicht aus ei­ge­nen Mit­teln be­strei­ten konn­ten, wes­halb sie vom Kur­fürs­ten von Bran­den­burg Kalk ha­ben woll­ten. Auch das Rat­haus, die re­for­mier­te Kir­che, das Schul- und Pre­di­ger­haus wa­ren be­trof­fen (ebd. u. Akt 386 fol. 63, 78, 136-138; IV 9; IV 11). 1796 äscher­te ein Brand in dem Vier­tel zwi­schen der ka­tho­li­schen Kir­che, der evan­ge­li­schen Kir­che und dem Klos­ter St. Aga­tha, auf der Lo­he- und auf der Müh­len­stra­ße 52 Häu­ser, 37 Scheu­nen und 3 Schup­pen ein (Chro­nik Pelt­zer; HSTAD Xan­ten Kreis­re­gis­tra­tur 946, mit Lis­te der Ge­schä­dig­ten; ebd. Kle­ve Kam­mer Be 84). Seit 1791 war die Ein­tra­gung ins Feu­er­ka­tas­ter er­folgt, wo­bei für die Häu­ser nicht die wah­ren, son­dern nied­ri­ge­re Wer­te an­ge­ge­ben wor­den wa­ren (ebd. Xan­ten Kreis­re­gis­tra­tur 1252).
Im XVIII. Jh. war die Stadt­mau­er, die kei­ne ver­tei­di­gungs­po­li­ti­sche, son­dern nur noch ei­ne ver­wal­tungs­tech­ni­sche Be­deu­tung als Um­gren­zung des städ­ti­schen Ak­zi­se­be­zirks hat­te, mehr­fach re­pa­ra­tur­be­dürf­tig, so 1738 (ebd. Kle­ve Kam­mer Be 693) oder 1760/61 (ebd. Dep. Ue­dem IV 10). 1770 be­stand sie noch, war aber schad­haft (ebd. Xan­ten Kreis­re­gis­tra­tur 148). Das Ur­ka­tas­ter von 1831/32 weist kei­ne Mau­ern mehr aus (Ta­fel 1, Grund­riß); ge­rin­ge Res­te sind je­doch bis heu­te er­hal­ten. Der Stadt­gra­ben, der 1831/32 an der Ost – bzw. West­sei­te des Orts­kerns noch vor­han­den war (Ta­fel 1, Grund­riß), wur­de Mit­te XIX. Jh. ver­kauft und ver­füllt (Pro­to­koll­buch 1851-61). Bis zum XX. Jh. ent­wi­ckel­te sich Ue­dem kaum über den al­ten Orts­kern hin­aus (vgl. ins­ge­samt Ta­fel 2).
Im Fe­bru­ar 1945 wur­de der Orts­kern durch Bom­bar­die­rung und Kampf­hand­lun­gen mit al­len öf­fent­li­chen Ge­bäu­den und den Kir­chen fast völ­lig zer­stört. Am 27. und 28. Fe­bru­ar be­setz­ten al­li­ier­te Streit­kräf­te Ue­dem (H. Bosch, Der Zwei­te Welt­krieg zwi­schen Maas u. Rhein, 4. Aufl. 1977; VB 1945-57). Der Wie­der­auf­bau er­folg­te 1948-55 zum grö­ß­ten Teil auf den al­ten Grund­mau­ern. Die ehe­ma­li­gen Wall­an­la­gen, die bis 1950 über­wie­gend un­be­baut wa­ren, sind seit­dem mehr und mehr be­baut wor­den (Ta­fel 1, DGK). Die En­de der 1960er Jah­re be­gon­ne­nen Pla­nun­gen für die Orts­kern­sa­nie­rung wur­den 1985-90 un­ter der Ent­wurfs- und Bau­lei­tung der Ar­chi­tek­ten­ge­mein­schaft Schro­eder/Ba­vay (Aa­chen) um­ge­setzt, wo­bei der Grund­riß des al­ten Orts­kerns weit­ge­hend er­hal­ten ge­blie­ben ist.

2. 2 Friedhöfe

Der ur­sprüng­lich an der Pfarr­kir­che be­find­li­che Fried­hof ist in Schrift­quel­len nicht nach­ge­wie­sen, je­doch auf dem Ur­ka­tas­ter von 1831/32 noch dar­ge­stellt (Ta­fel 1); 1563 wird ein Bein­haus er­wähnt (BAM StiXA Ein­zel­ne Pfar­ren Nr. 87). 
Bis (1711) be­stat­te­ten die Re­for­mier­ten ih­re To­ten im Kel­ler un­ter ih­rer Kir­che; in die­ser Zeit weist ih­nen die Stadt ein Grund­stück hin­ter der Kir­che als Be­gräb­nis­platz zu (W. Tho­mas, Ge­schich­te d. Evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de Ue­dem 1550-1950, 1988, S. 27f.)
1827 Neu­an­la­ge des ka­tho­li­schen Fried­hofs am Kir­sel­weg, des evan­ge­li­schen am Per­sel­weg. 1840 Ver­grö­ße­rung des ka­tho­li­schen Fried­hofs (HSTAD Dep. Ue­dem XII 14; ebd. Düs­sel­dorf 30634; zur La­ge vgl. Ta­fel 1, Grund­riß)
Zum jü­di­schen Fried­hof vgl. IV 8

2. 2 Versorgungseinrichtungen

Brun­nen und Pum­pen
1714 15 Brun­nen (HSTAD Kle­ve Kam­mer Be 698)
1722 Mau­rer aus Em­me­rich baut neu­en put auf der Mos­ter­stra­ße (Pro­to­koll­buch 1700-86 fol. 187v)
1729 neue Pum­pe auf der Müh­len­stra­ße (ebd. fol. 239r)
1735 neue Markt­pum­pe (ebd. fol. 280v)
1768/69 29 öf­fent­li­che und pri­va­te Brun­nen, 1785/86 und 1787 33 öf­fent­li­che und pri­va­te Brun­nen (Sta Xan­ten A 28; HSTAD Kle­ve Kam­mer 1617; ebd. Hs E III 4) 
1791/92 5 Pum­pen, sind stän­dig re­pa­ra­tur­be­dürf­tig (ebd. Kle­ve Kam­mer 685)
1824 8 Pum­pen oder Brun­nen, durch­weg in schlech­tem Zu­stand (ebd. Dep. Ue­dem IV 9)

Was­ser, Elek­tri­zi­tät, Gas, Ent­sor­gung
1770 Gö­then zur Be­för­de­rung des Was­sers er­wähnt (ebd. Xan­ten Kreis­re­gis­tra­tur 148)
1859 Ein­füh­rung ei­ner neu­en Stra­ßen­be­leuch­tung: 14 La­ter­nen, die aus Spen­den der Ein­woh­ner fi­nan­ziert wer­den (ebd. Dep. Ue­dem XII 14)
Seit 1912 Strom­lie­fe­rungs­ver­trag mit dem RWE (Pro­to­koll­buch 1897-1920; Pro­to­koll­buch 1946-59)
1933/34 Was­ser­werk in Be­trieb ge­nom­men, das bis 1951 nur die Ge­mein­de Ue­dem ver­sorgt (VB 1945-75); 1967 Über­nah­me der Was­ser­ver­sor­gung durch die Ge­mein­den des Am­tes Ue­dem; seit 1983 Ver­sor­gung durch die Stadt­wer­ke Kle­ve GmbH (VB 1987-89)
1948-57 Bau der Ka­na­li­sa­ti­on (VB 1945-57)
1957 be­steht in der Ge­mein­de Ue­dem Müll­ab­fuhr durch Pri­vat­un­ter­neh­mer (ebd.)
Seit 1980 Gas­ver­sor­gung durch die Nie­der­rhei­ni­schen Gas- und Was­ser­wer­ke GmbH in Duis­burg (VB 1987-89)

2. 3 Vier Tore

Zur La­ge und zu den Grund­ris­sen vgl. das Kle­vi­sche Ka­tas­ter von 1733/34 (Ta­fel 4) so­wie die An­sich­ten von Vieh-, Loh- und Mos­tertor 1744/61 (Ta­fel 5); mit Aus­nah­me des Vieh­to­res han­del­te es sich um Dop­pel­tor­an­la­gen.  
1359 por­ta dic­ta Mo­len­por­te (Mai 1, I 3). Als 1573 das Müh­len­tor durch ein Un­glück schwer be­schä­digt wird, darf die Stadt für die Re­pa­ra­tur die Stei­ne ei­ner vor der Stadt ge­le­ge­nen ver­fal­le­nen Ka­pel­le ver­wen­den (HSTAD Hs A III 37 fol. 159v)
1359 por­ta dic­ta Vie­por­te (Mai 1, I 3) = Vieh­tor
1359 por­ta dic­ta Lo­epor­te (Mai 1, I 3) = Loh­tor 
1563 Mos­tert po­er­ten (BAM StiXA Ein­zel­ne Pfar­ren Nr. 87); 1738 Ein­sturz des Mos­terto­res, das das höchs­te Ge­bäu­de der Stadt ge­we­sen sein soll (HSTAD Kle­ve Kam­mer Be 693)
1766/67 sind die To­re bau­fäl­lig, wer­den auf Ab­bruch ver­dingt (ebd. Dep. Ue­dem IV 10)
1818 be­steht noch je 1 Pfört­ner­haus am Was­ser-, Vieh- und Loh­tor (ebd. VII 11); mit dem Was­ser­tor dürf­te das ehe­ma­li­ge Müh­len­tor ge­meint sein

2. 4 Türme

Nach dem Kle­vi­schen Ka­tas­ter hat­te die Mau­er 2 run­de und 2 vier­ecki­ge Tür­me (Ta­fel 4); die­se sind in Schrift­quel­len nicht wei­ter be­zeugt, le­dig­lich 1760/61 wird ein Nacht­wäch­ter­turm er­wähnt (HSTAD Dep. Ue­dem IV 10). Das heu­te als Schlü­te­rei be­kann­te Ge­bäu­de am Turm­wall ist ei­ner die­ser Tür­me, der nach der Zer­stö­rung der lan­des­herr­li­che Schlü­te­rei 1685 um­ge­baut und als sol­che ge­nutzt wor­den ist (II 1).

Topographische Karte Uedem 1892, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 4203 Kalkar und 4303 Uedem der Preußischen Kartenaufnahme 1891-1912, Neuaufnahme. (Landesvermessungsamt NRW)

 

2. 5 Straßen intra muros

Als Fol­ge der schwie­ri­gen Quel­len­la­ge sind Stra­ßen­na­men erst spät schrift­lich über­lie­fert. Das Sys­tem der 4 Haupt­stra­ßen des Orts­kerns dürf­te be­reits im Mit­tel­al­ter aus­ge­prägt ge­we­sen sein, wie die Er­wäh­nung von 3 der 4 Stadt­to­re 1359 zeigt (II 3; Ta­fel 1, Grund­riß). Müh­len-, Loh-, Mos­ter- und Vieh­stra­ße sind bis heu­te die 4 Aus­fall­stra­ßen durch die ehe­ma­li­gen Stadt­to­re. Die Müh­len­stra­ße führt nach Ma­ri­en­baum (nach Os­ten), die Loh­stra­ße geht süd­lich nach Ker­ven­heim, die Mos­ter­stra­ße süd­west­lich nach Weeze, die Vieh­stra­ße nörd­lich nach Kep­peln und Kle­ve (Ta­fel 1, DGK; I 1 Stra­ßen).
1445 Vee­stra­ten (HSTAD Ue­dem St. Spi­ri­tus 2) = 1831/32 Vieh­stras­se und heu­te (Ta­fel 1, Grund­riß u. DGK)
1734 Lo­he­s­tra­ße (HSTAD Kle­ve Ge­rich­te 796) = 1831/32 Loh­stras­se (Ta­fel 1, Grund­riß)
1734 so­wie 1831/32 und heu­te Mos­ter­stra­ße (HSTAD Kle­ve Ge­rich­te 796; Ta­fel 1, Grund­riß u. DGK)
1734 so­wie 1831/32 und heu­te Müh­len­stra­ße (HSTAD Kle­ve Ge­rich­te 796; Ta­fel 1, Grund­riß u. DGK)
1796 Ar­mens­teeg (Chro­nik Pelt­zer) = 1831/32 Ar­men­stras­se (Ta­fel 1, Grund­riß) = heu­te Au­gus­ti­ner­stra­ße (Ta­fel 1, DGK) 
1831/32 und heu­te Neu­stras­se (Ta­fel 1, Grund­riß u. DGK)
1831/32 Wall­stras­se (Ta­fel 1, Grund­riß) = heu­te Burg­wall (Ta­fel 1, DGK)
1851 Lin­den­stra­ße = Stra­ße hin­ter der Mau­er als Ver­bin­dung zwi­schen Loh- und Mos­tert­tor (HSTAD Dep. Ue­dem XII 14)
1861 Kirch­strä­ßchen (ebd.) = heu­te St. Lau­ren­ti­us-Stra­ße (Ta­fel 1, DGK) 
Stra­ßen ex­tra mu­ros vgl. I 1.

2. 5 Plätze

1369 Markt (W. Börst­ing, Das Diö­ze­san­ar­chiv Müns­ter, 1937, S. 49; R. Schol­ten, Die Stadt Cle­ve, 1879, S. 326f., Anm. 2). Zur An­sicht des Markt­plat­zes Mit­te des XVIII. Jh. vgl. Jan de Bei­jer (Ta­fel 5)

Luftbild Uedem 1997, Zusammensetzung der Orthobilder Uedem und Uedem-Süd. (Landesvermessungsamt NRW)

 

2. 5 Gebäude

1563 rait­huyß (BAM StiXA Ein­zel­ne Pfar­ren Nr. 87) = (1682) do­mus ci­vica, wo auch das Pfar­rar­chiv auf­be­wahrt wird (ebd. A 46; IV 11), nach dem Brand von 1685 neu er­rich­tet, wird 1791/93 als sehr ver­fal­len be­zeich­net, soll auf An­wei­sung der Re­gie­rung re­pa­riert, und dar­in sol­len Ak­zi­se­kon­tor und Korn­waa­ge ein­ge­rich­tet wer­den (HSTAD Kle­ve Kam­mer Be 1040-42). 1824 ist das Ge­bäu­de er­neut ver­fal­len (ebd. Dep. Ue­dem IV 9)
1714 wer­den als öf­fent­li­che Ge­bäu­de au­ßer dem Rat­haus die Korn­waa­ge, Wacht­häu­ser und die 4 Stadt­to­re ge­nannt (ebd. Kle­ve Kam­mer Be 698)
1838 wird ein Haus am Markt­platz als neu­es Ge­mein­de­haus er­wor­ben; 1846 Ab­bruch des al­ten Rat­hau­ses und Neu­bau ei­nes Sprit­zen­hau­ses mit Wacht- und Ar­rest­lo­kal (ebd. Reg. Düs­sel­dorf 1150; II 6)
1945 Zer­stö­rung des Rat­hau­ses; als Ver­wal­tungs­sitz dient zu­nächst die ka­tho­li­sche Volks­schu­le an der Ker­ven­hei­mer Stra­ße, ab 1949 Be­helfs­rat­haus Loh­stra­ße 39 ein­ge­rich­tet (GaU un­ver­zeich­ne­te Akt), 1956-58 Neu­bau des Rat­hau­ses (II 2)

2. 6 Rechtsdenkmäler

1770 dient als Zi­vil­ge­fäng­nis die (nicht ver­schließ­ba­re) Kü­che, durch die man im Rat­haus in die Rats­stu­be kommt (HSTAD Xan­ten Kreis­re­gis­tra­tur 1168), 1824 Ar­rest­lo­kal im Ge­mein­de­haus (Chro­nik Pelt­zer)
1846 Neu­bau des Rat­hau­ses, u. a. mit Ar­rest­lo­kal (II 5 Ge­bäu­de)

2. 7 Größe des umwehrten Areals

Nord-Süd- und West-Ost-Aus­deh­nung: 312,5 bzw. 345 m; die Flä­che in­tra mu­ros be­trägt 8,6 ha

Topographische Karte Uedem 1999, im Verhältnis 1 : 25 000, Zusammensetzung der Blätter 4203 Kalkar und 4303 Uedem der Topographischen Karte, im Verhältnis 1 : 25 000. (Landesvermessungsamt NRW)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Wensky, Margret, Rheinischer Städteatlas Uedem. Teil 2: Topographie, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-uedem.-teil-2-topographie/DE-2086/lido/5fb54116598112.16918595 (abgerufen am 12.05.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 24.03.2026, zuletzt geändert am 14.04.2026

Auch über Rheinischer Städteatlas Uedem, bearb. v. Margret Wensky (Lfg. XV, Nr. 84, 2003)