Rheinischer Städteatlas Uedem. Teil 3: Herrschaft und Gemeinde

Margret Wensky (Bonn)

Bürgermeisterei Uedem, Gemeinden Uedem und Uedemerfeld 1831, im Verhältnis 1 : 20 000, Aufgenommen unter der Leitung des Kataster Geometers Vogelsang. (Kreis Kleve, Vermessungs- und Katasteramt Kleve)

3. 1 Grund- und Gerichtsherrschaft

Der Raum Ue­dem ist 855 aus Kö­nigs­gut an den von den Nor­man­nen aus dem Ba­ta­ver­gau ver­trie­be­nen Gau­gra­fen Ans­fried über­ge­gan­gen; die­ser über­trug 866 sein Ei­gen­tum, die in Ode­hei­me­ro mar­ca ge­le­ge­ne vil­la Gei­ze­furt an das Klos­ter Lorsch (I 3). Seit wann das Stift Xan­ten die Grund­herr­schaft im Raum Ue­dem mit dem Ge­biet der spä­te­ren Stadt be­ses­sen hat, ist un­be­kannt. Die Be­sit­zun­gen des Stifts in Ue­dem wa­ren dem Xan­te­ner Stifts­hof als Un­ter­hö­fe zu­ge­ord­net (F. Wei­bels, Die Gro­ßgrund­herr­schaft Xan­ten im Mit­tel­al­ter, 1959, S. 19f.).
1310/11 er­hob der Köl­ner Erz­bi­schof Hein­rich von Vir­ne­burg nach dem To­de des Gra­fen Ot­to von Kle­ve An­spruch auf die Graf­schaft Kle­ve bzw. Tei­le der­sel­ben als heim­ge­fal­le­ne Le­hen, dar­un­ter auf Burg und Dorf (ca­s­tel­lum et vil­lam) Sons­beck so­wie auf das Dorf (vil­la) Ue­dem, wel­che der Ur­gro­ßva­ter des Graf, Diet­rich mit Bei­na­men Er­nes­tus (Diet­rich VI., 1202-60) der Köl­ner Kir­che ent­frem­det ha­be (La­c­Arch IV, S. 389f.; REK IV 674). War der An­spruch des Erz­bi­schofs be­rech­tigt, so mü­ß­te der Er­werb von Sons­beck und Ue­dem durch Kle­ve deut­lich vor 1200 lie­gen, denn als 1203 die weit­ge­hen­de Los­lö­sung der Sons­be­cker Ka­pel­le von der Pfar­re Xan­ten vom Erz­bi­schof von Köln be­stä­tigt wur­de, hat­te be­reits der ver­stor­be­ne Graf Diet­rich V. (1172-93) dem Volk von Sons­beck er­laubt, auf sei­nem Gut die­se Ka­pel­le zu er­rich­ten (Il­gen I, S. 81*; Rhein. Städ­teat­las XII Nr. 67: Sons­beck, 1996, III 1; Wens­ky, Sons­beck, S. 21f.). Im XIV. Jh. wa­ren die köl­ni­schen Rechts­an­sprü­che auf Sons­beck und Ue­dem frag­wür­dig; bei­de Kirch­spie­le wa­ren – wie dar­ge­legt - im XIII. und XIV. Jh. Zen­tren der kle­vi­schen Bin­nen­ko­lo­ni­sa­ti­on (II 2; D. Kast­ner, Die Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik d. Gra­fen v. Kle­ve, 1972, S. 108). In sei­nem Lehn­re­vers von 1347 er­kann­te Graf Jo­hann von Kle­ve ge­gen­über dem Köl­ner Erz­bi­schof Wal­ram von Jü­lich je­doch u. a. Ue­dem noch als köl­ni­sches Le­hen an (La­c­Arch IV, S. 390-392, REK V 1437; vgl. da­zu auch 1377, La­c­Arch IV, S. 392-395, REK VIII 1758; 1385, NrhUB III 892, REK IX 976).
Am 5. Ja­nu­ar 1359 er­teil­te Graf Jo­hann von Kle­ve den Bür­ger von Ue­dem ei­nen um­fas­sen­den Pri­vi­le­gi­en­brief, der am 1. Mai des­sel­ben Jah­res durch ei­ne auf Be­trei­ben des Graf zu­stan­de ge­kom­me­ne Ver­ein­ba­rung mit dem Stift Xan­ten er­gänzt wur­de, wo­nach die Stifts­her­ren ih­ren bis­lang zu Leib­ge­winn ver­lie­he­nen Grund­be­sitz in­ner­halb der Stadt Ue­dem in den für die Be­lie­he­nen güns­ti­ge­ren Rechts­sta­tus der Erb­zins­lei­he um­wan­del­ten. Als An­laß zur Ver­bes­se­rung der Rechts­qua­li­tät des nun­meh­ri­gen städ­ti­schen Are­als wird die Be­reit­schaft und Ver­pflich­tung der Ein­woh­ner­schaft zur Be­fes­ti­gung des Or­tes ge­nannt. Da die Nut­zung an Hof­stät­ten, Häu­sern, Scheu­nen usw. von un­ter­schied­li­chem Wert war, sind die Hof­stät­ten­in­ha­ber na­ment­lich mit An­ga­ben der Nut­zun­gen (do­mus, cu­ria, hor­re­um, aedi­fi­ci­um, or­tus) und des Zins­be­tra­ges (4-30 Den­a­re) ge­nannt. Die Ur­kun­de ent­hält wohl das ge­sam­te Hof­stät­ten­in­ven­tar der Stadt Ue­dem zur Zeit ih­rer Ent­ste­hung. Von den 43 auf­ge­zähl­ten Hof­stät­ten wa­ren 38 an das Stift Xan­ten zins­pflich­tig, 4 Lehns­gü­ter, u.a. des Erz­bi­schofs von Köln, wäh­rend ei­ne area als dos der Pfarr­kir­che aus­ge­wie­sen ist. Für je­des in der Fol­ge­zeit er­bau­te Haus wur­de der Zins an das Stift auf je 12 Den­a­re und 1 Rauh­huhn fest­ge­legt. Um der Zer­split­te­rung der Hof­stät­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken und dem Zins­ver­lust vor­zu­beu­gen, be­durf­te je­de Ver­äu­ße­rung der Zu­stim­mung der Stifts­her­ren. Mach­ten die­se von ih­rem Vor­kaufs­recht kei­nen Ge­brauch, konn­te der Ver­kauf wie ge­plant von­stat­ten ge­hen, wo­bei das Stift je­weils ei­ne Ge­bühr von 12 Den­a­ren er­hielt. Auf ewig un­an­ge­tas­tet blei­ben soll­te der Rechts­sta­tus der ho­mi­nes des Stifts, der mi­nis­te­ria­les, ce­ro­cen­sua­les und ser­vi­les, die in der Stadt wohn­ten bzw. in Zu­kunft woh­nen wür­den (Flink, For­men, S. 51f.; III 3; V 1).
Nach dem Kle­ver Ur­bar von 1319 stan­den im Kirch­spiel Ue­dem das Hoch- und Nie­der­ge­richt dem Graf von Kle­ve zu (Kle­ver Ur­bar I, S. 118). Als 1295 der Graf von Kle­ve öst­lich von Ue­dem ei­ne Bruch­ko­lo­nie an­leg­te, ge­stat­te­te er die­ser, ei­nen be­son­de­ren Deich­ver­band mit Rich­ter und Heim­ra­den zu bil­den (II 2). Wenn nicht vor­her, so doch nur kur­ze Zeit spä­ter, ist der zwi­schen der Bruch­ko­lo­nie und der Stadt ge­le­ge­ne Land­strich Ue­de­mer­feld als ei­ge­ne Ge­mein­de ein­ge­rich­tet wor­den. Die Stadt Ue­dem, Ue­de­mer­feld und Ue­de­mer­bruch hat­ten spä­tes­tens 1363 ei­ge­ne Ge­rich­te, die durch die Per­son des Rich­ters mit dem Schöf­fen­ge­richt Ue­dem ver­bun­den wa­ren. Al­le 3 Ge­rich­te führ­ten Schöf­fen­sie­gel (III 5 Sie­gel; Rhein. Sie­gel III Ta­fel 87 Nr. 6-8). Sie tag­ten ge­son­dert, müs­sen aber auch zu ge­mein­sa­men Sit­zun­gen zu­sam­men­ge­tre­ten sein (Il­gen I, S. 88-91; III 1 Amts­trä­ger und Be­diens­te­te). Ge­richts­be­zirk und Kirch­spiel Ue­dem wa­ren nicht voll­stän­dig de­ckungs­gleich, denn zum Ge­richts­be­zirk ge­hör­ten auch Leu­te, die nach Alt­kal­kar ein­ge­pfarrt wa­ren (III 2 Markt; III 3). Zu Ge­richts­ter­mi­nen und Ta­gungs­or­ten der Ge­rich­te las­sen die Quel­len kei­ne Aus­sa­gen zu.
Nach der Hand­fes­te von 1359 hat­ten die Bür­ger von Ue­dem das Recht, die Schöf­fen zu wäh­len, die der Be­stä­ti­gung des Gra­fen von Kle­ve be­durf­ten; der Graf setz­te auch den Rich­ter und den Ge­richts­bo­ten ein. Vor 1539 hat die Stadt das Schöf­fen­wahl­recht ver­lo­ren (III 3); die Schöf­fen wur­den da­nach vom Lan­des­herrn ein­ge­setzt. Die Zahl der Schöf­fen be­trug 7. In der Hand­fes­te von 1359 fin­det sich die Be­stim­mung über den Rechts­zug nach Kle­ve: dat sij oer or­de­el, die sij niet wi­js en we­ren, soe­len breng­hen aen ons en­de aen on­sen ra­ede of aen sce­pe­ne van Cle­ve, wil­lich sij wil­len (III 3), wie auch (1612) die sog. Turck­sche Lis­te aus­weist. Die Ge­rich­te Ue­de­mer­bruch, Ue­de­mer­feld und Kep­peln (= Rich­ter­amt Ue­dem) hat­ten ih­ren Rechts­zug nach Kal­kar (Il­gen II 2, S. 207, 210; Be­le­ge für die Ap­pel­la­ti­on nach Kle­ve in: B. Die­s­tel­kamp/K. Flink <Hg.>, Der Ober­hof Kle­ve u. sei­ne Schöf­fen­sprü­che, 1994).
1753 Mit der Ein­rich­tung der Land­ge­rich­te im Her­zog­tum Kle­ve wird der Ober­hof Kal­kar auf­ge­löst und da­bei das Amt Ue­dem dem Land­ge­richt Kle­ve zu­ge­ord­net
1798 ge­hört Ue­dem als Teil des Kan­tons Kal­kar zum dor­ti­gen Frie­dens­ge­richts (Da­ni­els VI, S. 467, 472)
1821 wird Ue­dem dem Frie­dens­ge­richt Goch, Land­ge­richts­be­zirk Kle­ve, zu­ge­ord­net (F. A. Lott­ner <Hg.>, Samm­lung d. Pro­vin­zi­al- u. Par­ti­ku­lar­ge­set­ze d. f. d. Kgl. Preuß. Rhein­pro­vin­zen seit d. Jah­re 1813 ... er­gan­ge­nen Ge­set­ze ... II, 1834, S. 136-152)
1879 Mit Ein­füh­rung der Amts­ge­rich­te ge­hört U zum Amts­ge­richts­be­zirk Goch, Land­ge­richts­be­zirk Kle­ve (Preuß. Ge­setz-Samm­lung 1879, Nr. 30, S. 556)

3. 1 Amtsträger und Bedienstete

1359 Ja­nu­ar 5: Schöf­fen und Rich­ter (I 3; III 1; III 3)
1359 Mai 1: of­fi­cia­tus des Gra­fen von Kle­ve, of­fi­cia­tus des Stifts Xan­ten in U (I 3)
1365 Bo­ten­amt des Gra­fen von Kle­ve für die Ge­rich­te Ue­dem, Ue­de­mer­feld und Ue­de­mer­bruch (Il­gen I, S. 90* Anm. 2; III 1) 
1378 wa­gen­bo­ede des Gra­fen von Kle­ve zu Ue­dem, Sons­beck, Vy­nen, Ap­pel­dorn, Alt­kal­kar und Wis­sel (ebd. II 1 Nr. 173) 
1395 red­ditua­ri­us (der Stadt?) (Go­ris­sen, Stadt­rech­nun­gen II, S. 203)
1396 cau­si­di­cus des Stifts Xan­ten in Ue­dem (Wil­kes, Quel­len, S. 294)
1417 Lam­bert Pa­epe hat die of­fi­cia cla­vi­ge­ra­tus (Schlü­ter­amt) in Win­nen­thal, Sons­beck, Ue­dem und Ker­ven­heim in­ne (Il­gen II 2, S. 11 Anm. 2)
1440 slu­ter zu Ue­dem (Go­ris­sen, Stadt­rech­nun­gen IV, S. 194)
1602 her­zog­li­cher Zim­mer­meis­ter ein­ge­stellt (HSTAD Hs A III 39 fol. 210v-211v) 
1648 No­tar und Ge­richts­schrei­ber (Ev Pfa Kal­kar Urk 1648 Mai 7)
1787 Bür­ger­meis­ter ist zu­gleich Ak­zis­ein­spek­tor, sons­ti­ges Ak­zi­se­per­so­nal: 1 Auf­se­her und Waa­ge­meis­ter, 4 Tor­schrei­ber (III 6)

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Uedem, Viehtor von der Feldseite 1744/61, Stich von P. van Liender, gezeichnet von Jan de Beijer. (Stadtarchiv Kalkar)

 

3. 2 Markt

1359 Stadt­rechts­be­stim­mung: Graf Jo­hann von Kle­ve ver­leiht im Stadt­pri­vi­leg Ue­dem ei­nen Jahr­markt am Lau­ren­ti­us­tag (10. Au­gust), ge­freit je­weils 3 Ta­ge vor- und nach­her und ei­nen Wo­chen­markt am Sonn­tag (III 3)
1369 Markt­platz ge­nannt (II 5 Plät­ze)
1431 gibt Her­zog Adolf I. von Kle­ve der Stadt ei­nen Wo­chen­markt (III 3)
1634 Er­neue­rung des Pri­vi­legs von 1431. 1635 er­klärt die Stadt, der Wo­chen­markt, der durch die Kriegs­er­eig­nis­se ei­ne Rei­he von Jah­ren brach ge­le­gen ha­be, sol­le ab dem 12. März neu be­lebt wer­den. Al­le Ein­woh­ner des Rich­ter­am­tes Ue­dem, aus­ge­nom­men die­je­ni­gen, die zur Pfar­re Alt­kal­kar ge­hö­ren, sol­len die­sen Markt be­schi­cken, be­vor sie ih­re Wa­ren an­ders­wo feil­bie­ten. Es gel­ten das Markt­recht und die -frei­hei­ten der Stadt Kle­ve. We­gen der kriegs­läuff­ten ist der Markt je­doch nicht be­ach­tet wor­den. 1652 da­her Er­neue­rung des Markt­pri­vi­legs, mit der Än­de­rung, daß der Markt von Mon­tag bis Diens­tag­mit­tag 12 Uhr statt­fin­den soll (III 3)
1670 be­stä­tigt Kur­fürst Fried­rich Wil­helm von Bran­den­burg das Jahr­markt­pri­vi­leg von 1359 und er­laubt die Ver­le­gung auf den Mitt­woch nach St. Vik­tor (10. Ok­to­ber); die Markt­be­su­cher müs­sen al­ler­dings Zoll- und We­ge­geld be­zah­len (III 3; III 2 Zoll)
1687 er­laubt Kur­fürst Fried­rich Wil­helm der Stadt Ue­dem die Ver­le­gung des Jahr­markts von St. Mar­tin (11. No­vem­ber) auf den Al­ler­hei­li­gen­tag (1. No­vem­ber)(III 3)
1710 er­laubt Fried­rich I., Kö­nig in Preu­ßen, die Ver­le­gung des Jahr­markts von Al­ler­hei­li­gen auf den 1. Mon­tag im No­vem­ber (III 3)
1722 Wo­chen­markt am Mon­tag und Jahr­markt an Lau­ren­ti­us ge­nannt (BAM StiXA Hs 52 S. 122-126)
1775 be­steht kein Wo­chen­markt; 2 Jahr­märk­te: am 1. Ok­to­ber Flachs- und Vieh­markt, am 1. No­vem­ber (zu­gleich Kirch­weih­fest) zwei­tä­gi­ger Kram­markt (HSTAD Xan­ten Kreis­re­gis­tra­tur 459)
1801 bis 1808 drei­tä­gi­ger Jahr­markt am 2. No­vem­ber (Vieh, Kram­waren), 1808 auf den Sonn­tag nach dem 18. Ok­to­ber ver­legt (Stof­fe und Tu­che, Kram­waren), ein­tä­gi­ger Flachs­markt am 3. No­vem­ber (bis da­hin am 1. Ok­to­ber, zu­gleich Vieh­markt) (ebd. Dep. Mo­ers II F 6; ebd. Ro­er-Dep. 2597; A. Dorsch, Sta­tis­tique du Dép. de la Ro­er, 1804, S. 492; An­nuai­re du Dep. de la Ro­er 1810, S. 143). Jahr­markt­ter­min Sonn­tag nach dem 18. Ok­to­ber bis min­des­tens 1882 gül­tig (s. un­ten)
1816-37 ist die Re­gie­rung Düs­sel­dorf ge­gen die förm­li­che Ein­rich­tung ei­nes Korn­mark­tes, je­doch da­für, daß auf dem Wo­chen­markt auch Ge­trei­de ver­kauft wird (HSTAD Dep. Ue­dem XIII 10)
1817 weist der Bür­ger­meis­ter auf die wach­sen­de Be­deu­tung des Flachs­mark­tes hin; Ter­mi­ne wie 1808 (ebd.)
1838 Markt­ord­nung ge­neh­migt. Der Wo­chen­markt fin­det mon­tags und frei­tags statt; Wa­ren: Ge­trei­de, Le­bens­mit­tel, land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­te, Wild, Obst, Ge­mü­se, Süd­früch­te (ebd.; Dep. Ue­dem XII 14; LHAK 403/11602)
(1845) 2 Kram­märk­te in Ue­dem (RhVjbl 35, 1971, S. 299)
1850 Ver­le­gung des Flachs­mark­tes auf den 3. Kir­mes­tag (HSTAD Dep. Ue­dem XIII 10)
1882 Markt­ter­mi­ne: drei­tä­gi­ger Kram­markt am 20. Ok­to­ber, ein­tä­gi­ger Flachs­markt am 22. Ok­to­ber (Rhein. Pro­vin­zi­al-Hand­buch I, 1884, S. 284)
1958 Wo­chen­markt don­ners­tags auf dem Markt­platz ein­ge­rich­tet (VB 1957-58), noch heu­te Wo­chen­markt­ter­min
Heu­te Kir­mes am Sams­tag vor dem 3. Sonn­tag im Ok­to­ber

3. 2 Zoll

1359 Im Stadt­recht­spri­vi­leg er­hält Ue­dem Be­frei­ung von al­len Land- und Markt­zöl­len so­wie vom We­ge­geld in­ner­halb der Graf­schaft Kle­ve; fer­ner wird die Stadt von al­len kle­vi­schen Zöl­len zu Was­ser be­freit, aus­ge­nom­men zu Bü­de­rich, be­stä­tigt 1368 und 1689 (III 3). Noch 1789 be­ruft sich die Stadt bei Strei­tig­kei­ten mit der kle­vi­schen Zoll­di­rek­ti­on auf die­se Pri­vi­le­gi­en (Scholz-Ba­bisch 93)
1529 Schlich­tung des Streits zwi­schen dem Her­zog bzw. des­sen Schlü­ter zu Ue­dem und der Stadt Kal­kar über den Land­zoll am Hal­len­baum und zu Ap­pel­dorn: al­le Fuhr­wer­ke, die in Rich­tung Ue­dem, Sons­beck bzw. ober­halb des Mon­ter­bergs nach Xan­ten zie­hen, so­fern sie auf dem Berg blei­ben und we­der Alt­kal­kar noch Kal­kar be­rüh­ren, zah­len Zoll an den Schlü­ter zu Ue­dem; al­le, die in Rich­tung Kal­kar zie­hen und Kal­kar so­wie Alt­kal­kar be­rüh­ren bzw. un­ter­halb des Mon­ter­bergs blei­ben, auch was von Xan­ten oder Em­me­rich durch Alt­kal­kar, oder von Gen­nep nach Kal­kar und zu­rück zieht, zahlt Zoll in Alt­kal­kar. Al­les, was von Rees über den Rhein durch Ap­pel­dorn oder die Kla­pheck und nach Ue­dem, Sons­beck, Ker­ven­heim oder Schra­ve­len und um­ge­kehrt geht, zahlt den Zoll dem Schlü­ter zu Ue­dem (III 3; I 1 Stra­ßen)
1529 Schlich­tung des Streits zwi­schen dem Her­zog bzw. des­sen Schlü­ter zu Ue­dem und der Stadt Kal­kar über den Land­zoll (Sta Kal­kar Ko­pi­ar I Nr. 248; BAM Pfa St. Ni­co­lai, Kal­kar, Ko­pi­ar III Nr. 2; III 2 Zoll; I 1 Stra­ßen)
1670 Pri­vi­le­gie­rung des Jahr­markts vor­be­halt­lich des Zoll- und Weg­gel­des (III 3; III 2 Markt)

3. 2 Bede, Schatz

1319 ste­hen dem Gra­fen von Kle­ve im Kirch­spiel Ue­dem die mey­be­de und die her­west­be­de zu (Kle­ver Ur­bar I, S. 118-147)
1359 Stadt­rechts­be­stim­mung: Die Bür­ger sind schatz­frei; bei der Schwert­lei­te der Söh­ne und der Hei­rat der Töch­ter des Gra­fen soll die Stadt wie die an­de­ren Städ­te ei­ne an­ge­mes­se­ne Bei­steu­er ge­ben. Ge­ben die Städ­te dem Gra­fen Be­de und Schatz, sol­len sie es gleich­falls tun (III 3) 
1446 be­stä­tigt Jung­her­zog Jo­hann von Kle­ve u.a. der Stadt die Pri­vi­le­gi­en für die ihm ge­leis­te­te Be­de wäh­rend der Soes­ter Feh­de (III 3)
Zu den Steu­er­leis­tun­gen der Stadt XIV.-XVIII. Jh. vgl. III 9.

3. 2 Akzise

1359 Stadt­rechts­be­stim­mung: Die Bür­ger er­hal­ten auf Wi­der­ruf das Recht, zur Ver­bes­se­rung und Be­fes­ti­gung der Stadt Ak­zi­se zu er­he­ben (III 3; II 2)

Uedem, Markt von Nordosten 1744/58, Stich von Paulus van Liender, gezeichnet von Jan de Beijer. (Stadtarchiv Kalkar)

 

3. 3 Stadtrechtsverleihung bzw. Freiung, Privilegierung

Die Stadt­er­he­bung von Ue­dem ist im Zu­sam­men­hang mit der Bin­nen­ko­lo­ni­sa­ti­on der Graf­schaft Kle­ve zu se­hen (II 2; III 1); sie wird wohl nach 1311 und vor 1347 er­folgt sein, denn (1311) wird Ue­dem noch vil­la ge­nannt, 1319 im Kle­ver Ur­bar stat, 1347 opi­dum (I 3; III 1). Die Stadt­er­he­bung wur­de 1359 Ja­nu­ar 5 mit ei­nem 21 Ka­pi­tel um­fas­sen­den Pri­vi­leg durch Graf Jo­hann von Kle­ve voll­zo­gen, der am 1. Mai des­sel­ben Jah­res ei­ne Ver­ein­ba­rung mit dem Stift Xan­ten, wor­in die Stifts­her­ren ih­ren bis­lang zu Leib­ge­winn ver­lie­he­nen Grund­be­sitz in­ner­halb der Stadt Ue­dem in den Rechts­sta­tus der Erb­zins­lei­he um­wan­del­ten (III 1). Das Pri­vi­leg des Gra­fen vom 5. Ja­nu­ar ist das 1. Stadt­pri­vi­leg für Ue­dem und kei­ne, wie ge­le­gent­lich ver­mu­tet (Kast­ner, Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik, S. 108 Anm. 17), er­neu­te Ver­lei­hung. Bei dem Ue­de­mer Pri­vi­leg han­delt es sich nach Flink um ein ei­ge­nes Stadt­rechts­for­mu­lar, in das nur noch ein­zel­ne Ele­men­te des äl­te­ren Pri­vi­le­gi­en­for­mu­lars nach Kle­ver Grund­mus­ter ein­ge­flos­sen sind (Städ­te­pri­vi­le­gi­en, S. 377f.).
1359 Ja­nu­ar 5 gibt Graf Jo­hann von Kle­ve den Bür­gern der Stadt Ue­dem (on­sen lie­ven bur­ge­ren der stat van Ue­dem) fol­gen­de Frei­hei­ten (eyne vrie­heit oer­re stat ... en­de heb­ben sy ge­vriet in de­ser ma­ni­ren): 1. Es gilt frei­es Erbrecht für den nächs­ten Er­ben; stirbt je­mand oh­ne Er­ben, wird sein Gut 1 Jahr und 6 Wo­chen von der Stadt und dem Rich­ter ver­wahrt; mel­det sich wäh­rend die­ser Zeit kein Er­be, fällt es dem Gra­fen zu. 2. Beim To­de des Man­nes oder der Frau soll das re­de guet (die Fahr­ha­be) ge­teilt wer­den; das erfnis­se (das lie­gen­de Gut) in der Stadt er­hält der Über­le­ben­de; nach des­sen Tod wird das Er­be un­ter bei­den Fa­mi­li­en auf­ge­teilt. 3. Wer je­man­den mit Fäus­ten an­greift, zahlt 5 Schil­ling bra­ban­tisch, die je zur Hälf­te an den Gra­fen und die Stadt fal­len, wo­von der Klä­ger 2 Schil­ling er­hält, wenn er will; will er es nicht, kann er vor Ge­richt Recht su­chen. Der Faust­schlag muß durch 2 Bür­ger be­zeugt wer­den. An Markt­ta­gen gilt dop­pel­tes Straf­maß. 4. Ei­ne ge­wöhn­li­che (deghe­lix) Stra­fe (wed­de) soll 9 und ei­ne gro­ße Stra­fe 20 Stüber bra­ban­tisch be­tra­gen. 5. In­ner­halb der Gren­zen der Graf­schaft dür­fen we­der Per­son noch Gut der Bür­ger ge­pfän­det wer­den. 6. Wer et­was ge­gen sie vor­brin­gen will, soll das in der Stadt nach dem dor­ti­gen Stadt­recht tun. Au­ßer­halb der Graf­schaft er­hal­ten sie Rechts­schutz durch den Graf, so­weit er ver­mag. 7. Vor dem Ge­richt ge­nügt der ein­fa­che Bür­ge­reid. 8. Die Bür­ger er­hal­ten Be­frei­ung von al­len Land­z­öl­len, vom We­ge­geld und vom Markt­zoll in­ner­halb der Graf­schaft. 9. Sie er­hal­ten Be­frei­ung von al­len Zöl­len zu Was­ser, aus­ge­nom­men zu Bü­de­rich. 10. Sie er­hal­ten das Recht, Sta­tu­ten (ko­ren) zu set­zen. 11. Sie er­hal­ten auf Wi­der­ruf das Recht, Ak­zi­se zu er­he­ben zur Ver­bes­se­rung und Be­fes­ti­gung der Stadt. 12. Der Graf be­freit die Bür­ger aus der Hö­rig­keit (ghe­ho­er­scap). 13. Die Bür­ger sind schatz­frei. Bei der Schwert­lei­te der Söh­ne und der Hei­rat der Töch­ter des Gra­fen ge­ben sie wie die an­de­ren Städ­te ei­ne an­ge­mes­se­ne Bei­steu­er. Wenn die Städ­te dem Gra­fen Be­de und Schatz ge­ben, so sol­len sie das gleich­falls tun. 14. Sie leis­ten dem Gra­fen im Ver­tei­di­gungs­fal­le auf ih­re Kos­ten 6 Wo­chen Hee­res­fol­ge. 15. Jähr­lich am Tag nach Neu­jahr sol­len die Bür­ger Bür­ger­meis­ter, Schöf­fen und Rat wäh­len, die der Graf be­stä­tigt; den Rich­ter und den Bo­ten setzt der Graf ein. 16. Die Haupt­fahrt des Ge­richts geht an die Rä­te des Gra­fen oder an das Stadt­ge­richt Kle­ve. 17. Neu­bür­ger dür­fen nicht oh­ne vor­he­ri­ge Prü­fung auf­ge­nom­men wer­den. 18. Die Bür­ger er­hal­ten ei­nen Jahr­markt an St. Lau­ren­ti­us, ge­freit je 3 Ta­ge vor- und nach­her, au­ßer­dem ei­nen ge­frei­ten Wo­chen­markt am Sonn­tag. 19. Ge­gen ei­nen jähr­li­chen Erb­zins von 1 Mark und 24 Ka­pau­nen am Mar­tins­tag er­hal­ten die Bür­ger als Ge­mein­de das Loh (Loe) bei der Stadt. 20. Au­ßer­dem er­hal­ten sie ein Stück Hei­de als Wei­de­grund. 21. Al­le Brüch­ten und Koe­ren dür­fen sie selbst pfän­den oh­ne den Amt­mann des Gra­fen (HSTAD Hs A III 4 fol. 51v-52r; pa­läo­gra­phisch nicht ge­treu­er Ab­druck: F. Go­ris­sen, in: HK f. d. Kle­ver Land 1959, S. 25-27; III 1; III 2 Zoll; III 2 Be­de, Schatz; III 2 Ak­zi­se; III 2 Markt; III 6)
1359 Mai 1: Das Xan­te­ner Stifts­ka­pi­tel wan­delt die stif­ti­schen Leib­ge­winns­gü­ter in Ue­dem in Erb­päch­te um, nach­dem Graf Jo­hann dem Stift die Vor­tei­le für sein Land wie für das Stifts­ge­biet, die die Er­rich­tung der Stadt, die Schutz ge­gen die Ein­fäl­le ge­mein­sa­mer Fein­de ge­wäh­re, dar­ge­legt hat­te. Der Graf ver­lang­te, daß die do­mus, pos­ses­sio­nes et aree im Ort (vil­la) wie in der Orts­ge­mar­kung, die das Stift zu Leib­ge­winn (iu­re vi­te­duc­tus, quod li­jf­ghe­win vul­ga­ri­ter nun­cup­a­tur) fort­an in Erb­pacht (in cen­sum heredi­ta­ri­um) ver­gä­be. In die­sem Fal­le hät­ten ihm die Ein­woh­ner des Or­tes (in­co­le et in­ha­bi­ta­to­res) ein­mü­tig ver­si­chert, den Ort zu be­fes­ti­gen. Nach lan­ger Be­ra­tung geht das Stift auf das An­sin­nen des Gra­fen ein. Da der Be­sitz der ein­zel­nen Päch­ter un­ter­schied­lich in Um­fang und Wert ist, kann der Erb­zins nicht ein­heit­lich er­ho­ben wer­den. Es wer­den da­her al­le der­zei­ti­gen Päch­ter na­ment­lich mit den Pacht­zin­sen ge­nannt, die sie ge­gen­wär­tig oder in Zu­kunft zu zah­len ha­ben. Um der Ge­fahr vor­zu­beu­gen, daß durch Ver­kauf und Zer­split­te­rung der Häu­ser und Grund­stü­cke der Zins ge­schmä­lert wird, er­hält das Stift durch sei­nen Be­voll­mäch­tig­ten (of­fi­cia­tus) ein Vor­kaufs­recht. Macht es da­von kei­nen Ge­brauch, kann der Ver­kauf von­stat­ten ge­hen; von den ver­äu­ßer­ten Stü­cken er­hält das Stift als Hand­än­de­rungs­ge­bühr 12 Den­a­re, je 6 vom Käu­fer und Ver­käu­fer. Für je­des neue Haus, das auf ei­nem ehe­ma­li­gen Stifts­grund­stück er­rich­tet wird, er­hält das Stift jähr­lich ei­nen Zins von 12 Den­a­ren am Mar­tins­tag, fer­ner ein Rauch­huhn von dem Ta­ge an, an dem das neue Herd­feu­er raucht. Al­le die­se Ab­ga­ben dür­fen ge­ge­be­nen­falls von Bür­ger­meis­ter, Schöf­fen und Rat (ma­gis­ter­o­pi­dan­o­rum, con­su­les et sca­bi­ni) oder vom Amt­mann des Gra­fen (of­fi­cia­tus co­mi­tis) mit­tels Pfän­dung bei­ge­trie­ben wer­den. Durch den Ver­trag bleibt der Rechts­sta­tus der ho­mi­nes des Stifts un­be­rührt (iura mi­nis­te­ria­li­ta­tis, ce­ro­cen­sua­li­ta­tis ac ser­vi­tu­tis) (UB Xan­ten I 953; III 1)
1368 be­stä­tigt Graf Adolf I. die von Graf Jo­hann ver­lie­he­nen Pri­vi­le­gi­en (HSTAD Hs A III 10 fol. 12r-13r)
1394 be­stä­tigt Graf Adolf II. von Kle­ve die von sei­nem Va­ter Graf Adolf I. ver­lie­he­nen Pri­vi­le­gi­en (ebd. Hs A III 12 fol. 140r; ebd. 13 fol. 10r) 
1431 gibt Her­zog Adolf I. von Kle­ve der Stadt Ue­dem ein Wo­chen­markt­pri­vi­leg (ebd. Hs A III 16 fol. 49v-50r; III 2 Markt)
1437 gibt der­sel­be Her­zog Land, daß er zu die­sem Zwe­cke ge­erbt hat, der Kir­che zu Ue­dem zu de­ren tym­me­rin­gen ind be­te­rin­gen (HSTAD Hs A III 16 fol. 102v; IV 1)
1446 be­stä­tigt Jung­her­zog Jo­hann von Kle­ve der Stadt Ue­dem mit den üb­ri­gen kle­vi­schen Städ­ten die Pri­vi­le­gi­en für die ihm ge­leis­te­te Be­de für die Soes­ter Feh­de (HSTAD Hs A III 19 fol. 118v; III 2 Be­de; III 9)
1447 gibt Her­zog Adolf I. der Stadt Ue­dem das Pri­vi­leg, von der Stra­fe auf das Spie­len mit dob­bels­te­nen die Hälf­te zu be­hal­ten (HSTAD Hs A III 18 fol. 197v)
1448 be­stä­tigt Her­zog Jo­hann I. von Kle­ve der Stadt Ue­dem al­le Pri­vi­le­gi­en (ebd. Hs A III 21 fol. 56r)
1482 be­stä­tigt Her­zog Jo­hann II. von Kle­ve der Stadt Ue­dem al­le Rech­te und Frei­hei­ten (ebd. Hs A III 25 fol. 170r)
1503 be­stä­tigt der­sel­be Her­zog, daß die Stadt Ue­dem von sei­nen Vor­fah­ren das Recht er­hal­ten ha­be, et­li­che Gü­ter im Amt Ue­dem zu schat­zen, um die Rei­ter und Knech­te des Her­zogs zu un­ter­hal­ten und ihm in der Feh­de zu die­nen (ebd. Hs A III 29 fol. 143v-144r)
1505 er­neu­te An­er­ken­nung die­ses Pri­vi­legs; die ge­nann­ten Gü­ter sind sei­tens des Her­zogs schatz­frei. Die Stadt zahlt dem Her­zog da­für 1 Pfen­nig zur Be­zah­lung der Knech­te für die Feh­de (ebd. fol. 46v)
1522 for­mel­haf­te Pri­vi­le­gi­en­be­stä­ti­gung durch Her­zog Jo­hann III. von Kle­ve (nach der Vor­la­ge von 1481) (ebd. KM Akt 268 fol. 139v)
1539 des­glei­chen durch Her­zog Jo­hann III., je­doch vor­be­halt­lich der jähr­li­chen Rats­wahl, wie vom Vor­gän­ger des Her­zogs ver­fügt wor­den war (ebd. Hs A III 35 fol. 53r; KM Akt 268 fol. 236f.; III 6)
1598 for­mel­haf­te Pri­vi­le­gi­en­be­stä­ti­gung durch Her­zog Jo­hann Wil­helm (HSTAD Hs A III 39 fol. 33v-34r; KM Akt 268 fol. 22v-23r)
1634 Er­neue­rung des Wo­chen­markt­pri­vi­legs von 1431. 1635 er­klärt die Stadt, daß der Wo­chen­markt, der durch die Kriegs­er­eig­nis­se brach ge­le­gen hat, ab dem 12. März neu be­lebt wer­den soll. Al­le Ein­woh­ner des Rich­ter­am­tes Ue­dem, aus­ge­nom­men die­je­ni­gen, die zur Pfar­re Alt­kal­kar ge­hö­ren, sol­len die­sen Markt be­schi­cken, be­vor sie ih­re Wa­ren an­ders­wo feil­bie­ten. Es gel­ten das Markt­recht und die -frei­hei­ten der Stadt Kle­ve. We­gen der kriegs­läuff­ten ist der Markt je­doch nicht be­ach­tet wor­den. 1652 da­her Er­neue­rung des Markt­pri­vi­legs un­ter Än­de­rung des Ter­mins (ebd. Hs A III 16 fol. 49v-50r; KM Akt 384 fol. 7, 37-38; Hs A III 41 fol. 6r-7v; III 2 Markt)
1667 for­mel­haf­te Pri­vi­le­gi­en­be­stä­ti­gung durch Kur­fürst Fried­rich Wil­helm von Bran­den­burg, je­doch vor­be­halt­lich der Rats­wahl (s. zu 1539) (HSTAD KM Akt 269 fol. 75)
1670 be­stä­tigt Kur­fürst Fried­rich Wil­helm von Bran­den­burg das Jahr­markt­pri­vi­leg von 1359 und er­laubt die Ver­le­gung auf Mitt­woch nach St. Vik­tor (10. Ok­to­ber) (ebd. Hs A III 42 fol. 269r-270r; KM Akt 384; III 2 Markt)
1687 ver­leiht der Kur­fürst von Bran­den­burg der Stadt ei­nen ge­frei­ten drei­tä­gi­gen Jahr­markt an Al­ler­hei­li­gen; die Ver­le­gung des Ter­mins von ur­sprüng­lich Au­gust, spä­ter auf St. Mar­tin (11. No­vem­ber), ge­schieht auf Bit­ten der Stadt (HSTAD Hs A III 43 fol. 260v-261v; KM Akt 384; III 2 Markt)
1689 for­mel­haf­te Pri­vi­le­gi­en­be­stä­ti­gung durch Kur­fürst Fried­rich III. von Bran­den­burg vor­be­halt­lich der Ver­fü­gung über die Rats­wahl (HSTAD Hs A III 43 fol. 607-608r; KM Akt 269 fol. 607f.)
1710 er­laubt der preu­ßi­sche Kö­nig Fried­rich I. die Ver­le­gung des Jahr­markts von Al­ler­hei­li­gen auf den 1. Mon­tag im No­vem­ber (ebd. Hs A III 44 fol. 74v; III 2 Markt)
1740 for­mel­haf­te Pri­vi­le­gi­en­be­stä­ti­gung durch Kö­nig Fried­rich II. in Preu­ßen (HSTAD KM Akt 271)
1798 Ver­lust der städ­ti­schen Rechts­stel­lung
1845 Ok­to­ber 23 Ein­füh­rung der Ge­mein­de­ord­nung für die Rhein­pro­vinz (Chro­nik Pelt­zer)

3. 5 Siegel

1359 Mai 1 si­gil­lum opi­di de Ue­dem (I 3), ent­stan­den wohl zwi­schen 1339 und 1359 (Be­schrei­bung s. un­ten)
1361 Schöf­fen­sie­gel erst­mals be­zeugt; da das Sie­gel be­schä­digt ist, sind nur noch Res­te der Um­schrift les­bar: + S. SCA­BI­NOR... EM (HAEK Stift St. Ma­ria im Ka­pi­tol A I 103). Es ist frag­lich, ob es sich um ein äl­te­res als das un­ten be­schrie­be­ne Schöf­fen­sie­gel han­delt 

Stadt­sie­gel
Bild: in­ner­halb ei­ner Rau­te, de­ren Spit­zen bis zum Sie­gel­rand rei­chen, be­fin­det sich ein go­ti­sches Maß­werk in Form ei­nes Vier­blatts; sein Hin­ter­grund ist durch ein Schräg­git­ter ver­ziert; da­vor er­hebt sich ein ho­hes, ge­zinn­tes Turm­tor mit spitz­bo­gi­gem Por­tal und halb her­ab­ge­las­se­nem Fall­git­ter. Ein über dem Por­tal be­find­li­cher Lauf­gang setzt sich bis zum Rand des Sie­gel­fel­des fort. Das Turm­tor wird von 2 nied­ri­gen Tür­men mit Zin­nen­kranz und hau­ben­ar­ti­gem Dach flan­kiert. Im Zen­trum des Sie­gel­fel­des, vor dem Ober­ge­schoß des Turm­to­res, ist das kle­vi­sche Voll­wap­pen an­ge­bracht. 
Um­schrift: SI­GILLVM · OPI­DI · DE · VDEM 
(Rhein. Sie­gel III Ta­fel 80 Nr. 2; Di­ede­rich, Städ­te­sie­gel, S. 338-340 mit Abb. 91 = nach Ori­gi­nal­ab­druck des Sie­gels an Urk von 1418 Ja­nu­ar 1, HSTAD KM 1152)

Se­kret­sie­gel, XV. Jh.
Bild: Ähn­lich Stadt­sie­gel, seit­lich des Tur­mes 2 Schil­de mit dem glei­chen Wap­pen­bild, ei­nem Rost, Sym­bol des Orts­pa­trons, des hl. Lau­ren­ti­us. 
Um­schrift: SI­GILLVm ... Vdem
(Rhein. Sie­gel III Ta­fel 80 Nr. 3; Sta We­sel Urk 186, 1489 Ju­ni 3; die Urk ist heu­te ver­schol­len; das Sie­gel war noch 1635 als Se­kret­sie­gel in Ge­brauch, BAM StiXA Ein­zel­ne Pfar­ren Nr. 87)

Se­kret­sie­gel, XVIII. Jh.
Bild: Das Bild ist ei­ne un­ver­stan­de­ne Nach­bil­dung des Sie­gel­bil­des des Stadt­sie­gels und des Se­kret­sie­gels des XV. Jh. Da die ver­bin­den­de Mau­er fehlt, ste­hen im Sie­gel­bild 3 Tür­me lo­se ne­ben­ein­an­der. Un­ter den klei­nen Tür­men 2 Schil­de mit dem glei­chen Wap­pen­bild, ei­nem Rost. 
Um­schrift: SI­Gil­lum · CI­VI­Ta­tis · VDE­MI­EN­SIS
(Rhein. Sie­gel III Ta­fel 80 Nr. 4 = 1784; in der Samm­lung des His­to­ri­schen Ver­eins Gel­dern <ehe­mals Samm­lung Net­ters­heim> z.Zt. nicht nach­weis­bar, je­doch Ab­druck von 1818 im Sta Goch)

Schöf­fen­sie­gel
Bild: Dop­pel­tor; rechts da­von der kle­vi­sche Schild mit Helm, links ein Rost, Sym­bol des Orts­pa­trons, des hl. Lau­ren­ti­us. 
Um­schrift: * SI­GILLVM · SCA­BI­NOR[um] · OPI­DI · IN · VDEM
(Rhein. Sie­gel III Ta­fel 80 Nr. 1 = HSTAD KM 447 = 1390 April 7; Il­gen II 1 Nr. 203)

3. 5 Wappen

1666 Wap­pen über­lie­fert, si­cher äl­ter. Bild: wie gro­ßes Stadt­sie­gel (HSTAD Hs N III 7; Druck: Land im Mit­tel­punkt d. Mäch­te, 1984, S. 74)
1962 ge­neh­migt der Re­gie­rungs­prä­si­dent das Wap­pen der Ge­mein­de Ue­dem: In Rot ei­ne sil­ber­ne Tor­burg mit 3 Zin­nen­tür­men und gol­de­nem Fall­git­ter im of­fe­nen Tor; auf dem brei­ten mitt­le­ren Turm ein ge­neig­ter ro­ter Schild, dar­in ein sil­ber­ner Herz­schild, über­deckt mit ei­ner gol­de­nen Li­li­en­has­pel, und als Helm­zier ein gol­den ge­krön­ter her schau­en­der ro­ter Stier­kopf, 1971 er­neut ge­neh­migt bei der Über­nah­me des Wap­pens durch die neue Ge­mein­de Ue­dem (Ge­mein­de­rats­pro­to­koll 1959-69, S. 877; Na­gel, Wap­pen­buch, S. 69; I 7)

6. Gemeinde, Bürgermeister und Rat

1359 Ja­nu­ar 5 bur­ger­meys­ter, sce­pe­ne en­de rayt (III 3; III 1 Amts­trä­ger und Be­diens­te­te; s. auch un­ten zur Bür­ger­meis­ter­wahl)
1359 Mai 1 ma­gis­ter­o­pi­dan­o­rum, sca­bi­nes et con­su­les (III 3)
1372 ma­gis­ter­ci­vi­um (Wil­kes, Quel­len, S. 212), 1390 bur­gi­ma­gis­ter (ebd., S. 269)
1392 Rich­ter, Bür­ger­meis­ter, Schöf­fen, Rat und Bür­ger­schaft der Stadt Ue­dem (III 9)
1575 por­te­ner (HSTAD KM Akt 678 fol. 46v)
1583 stadt­ba­ede (ebd.)
1685 se­cre­ta­ri­us (Ar­men­pro­to­koll­buch)
1754 2 Ko­er­meis­ter ge­nannt (HSTAD Dep. Ue­dem IV 10). Kör­meis­ter wa­ren z.B. für die Auf­sicht über die Brot­bä­cker und die Flei­scher zu­stän­dig; das Amt wird auch in Ue­dem deut­lich äl­ter und nur we­gen der schwie­ri­gen Quel­len­la­ge so spät über­lie­fert sein.  
Nach dem Stadt­pri­vi­leg vom 5. Ja­nu­ar 1359 wur­den Bür­ger­meis­ter, Schöf­fen und Rat jähr­lich am 2. Ja­nu­ar ge­wählt; die Wahl be­durf­te der Be­stä­ti­gung des Lan­des­herrn. Die­ser setz­te den Rich­ter und den Bo­ten ein. Vor 1539 hat die Stadt das Rats­wahl­recht ver­lo­ren und nicht wie­der er­langt. Der di­rek­te Pri­vi­le­gienent­zug war ein ver­gleichs­wei­se sel­te­ner Vor­gang; un­ter den kle­vi­schen Städ­ten ist er noch für Kra­nen­burg, Sons­beck und Goch (bis 1473 zum Her­zog­tum Gel­dern) be­zeugt. Die Grün­de für den Ein­zug sind nicht be­kannt (III 3; Städ­te­pri­vi­le­gi­en, S. 84; Wens­ky, Sons­beck, S. 59f.). Noch 1765 be­stä­tig­te der preu­ßi­sche Kö­nig Fried­rich II., daß die Ma­gis­trats­mit­glie­der von ihm ge­wählt und ein­ge­setzt wür­den (A. De­de­rich, An­na­len d. Stadt Em­me­rich, 1867, S. 570-572).
An­fang des XVIII. Jh. er­hiel­ten Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen bzw. Ge­häl­ter: Bür­ger­meis­ter, 7 Schöf­fen, 2 Rats­ver­wand­te, Stadt­se­kre­tär, Stadt­rent­meis­ter, Rats­bo­te, Nacht­wäch­ter, Schät­ter (HSTAD Kle­ve Kam­mer Be 698). 1754 ist fol­gen­de De­par­te­ments-Ein­tei­lung des Ma­gis­trats über­lie­fert: Der Bür­ger­meis­ter hat die Ge­ne­ral­auf­sicht, je 1 Schöf­fe ist für die Öko­no­mie, das Käm­me­rei-, Bau-, Ein­quar­tie­rungs- und Ser­vis­we­sen zu­stän­dig, für die Po­li­cey, für den We­ge­bau und die Lo­hew­ey­de, für Maß und Ge­wicht, für die Brun­nen und städ­ti­schen Ge­rät­schaf­ten, für die Rats­pro­to­kol­le und die Ak­ten (= Stadt­se­kre­trär) (ebd. Dep. Ue­dem IV 10). Zu den Auf­ga­ben des Ma­gis­trats ge­hör­te der Schau­tag, an dem die Schorn­stei­ne u.a. vi­si­tiert wur­den (Pro­to­koll­buch 1700-86).
Neu­bür­ger durf­ten laut Stadt­pri­vi­leg von 1359 nach Prü­fung auf­ge­nom­men wer­den; wie­weit Neu­bür­ger zu ver­zeich­nen wa­ren, muß man­gels Quel­len of­fen blei­ben. In den Käm­me­rei­rech­nun­gen Mit­te des XVIII. Jh. sind nur we­ni­ge Bür­ger­auf­nah­men ver­zeich­net (HSTAD Dep. Ue­dem IV 10). 
XVIII. Jh. 4 Brand­meis­ter ge­nannt (Pro­to­koll­buch 1700-86), was auf ei­ne Ein­tei­lung der Stadt in 4 Quar­tie­re schlie­ßen lä­ßt, die deut­lich äl­ter sein dürf­te
1787 Rat­häus­li­che Be­dien­te der Stadt Ue­dem: Bür­ger­meis­ter, ist zu­gleich Ak­zis­ein­spek­tor, 1 Schöf­fe und Ca­me­ra­ri­us, 1 Se­cre­ta­ri­us, 1 Stadt­bo­te, 1 Nacht­wäch­ter; Ak­zi­se­per­so­nal: 1 Auf­se­her und Waa­ge­meis­ter, 4 Tor­schrei­ber (HSTAD Hs E III 4)

3. 6 Verhältnis zu den übrigen klevischen Städten, Städteverträge

vgl. III 9

3. 6 Hansezugehörigkeit

1540 er­klärt sich Ue­dem wie die üb­ri­gen kle­vi­schen Städ­te und Frei­hei­ten be­reit, un­ter der Füh­rung We­sels für den Ge­brauch der Hans­e­pri­vi­le­gi­en steu­er und hul­pe leis­ten zu wol­len. Von der Ge­samt­ta­xe der kle­vi­schen Städ­te in Hö­he von 357 Ta­lern sol­len 6 auf Ue­dem ent­fal­len (zum Ver­gleich: auf We­sel 45, auf Kle­ve und Duis­burg je 40, auf Sons­beck 8; O. Holl­weg, We­sel als Han­se­stadt, 1941, S. 96-98; J. Prieur, Die Han­se­stadt We­sel u. ih­re klev. Bei­städ­te. In: zu Al­len thei­len Inß mit­tel ge­le­gen <Aus­stel­lungs­ka­ta­log> We­sel 1991, S. 48-63, bes. S. 61-63, da­nach wa­ren es nicht Ta­ler, son­dern Gold­gul­den)
1557 ist die Stadt Ue­dem - wie 1554 - auf der Ta­gung der kle­vi­schen Han­se­städ­te ver­tre­ten. Von den ins­ge­samt 104 Ta­lern Ta­xe, die letz­te­re auf­brin­gen sol­len, ent­fal­len auf Sons­beck, Kra­nen­burg und Ze­venaar je 4 Ta­ler, we­ni­ger sol­len Dins­la­ken und Ruhr­ort mit je 3, Ue­dem mit 2, Is­sel­burg und Ker­ven­heim mit je 1 und Scherm­beck und Hol­ten mit je ½ Ta­ler zah­len. Ue­dem ge­hört zu den Städ­ten, die die­se Bei­steu­er nicht ge­zahlt ha­ben (Holl­weg, S. 99, 131)
1572 ge­hört Ue­dem zu den kle­vi­schen Städ­ten, die ge­gen­über We­sel ih­ren Aus­tritt aus der Han­se we­gen der ho­hen, für sie un­er­träg­li­chen Las­ten er­klä­ren (Höhl­baum, Köl­ner In­ven­tar II, S. 9 Anm. 2; V 5)

3. 7 Bruderschaften

1498/99 Meis­ter ei­ner nicht nä­her be­zeich­ne­ten Bru­der­schaft (ma­gis­tri fra­ter­ni­ta­tis) ge­nannt (IV 2), viel­leicht der Aga­tha-Bru­der­schaft?
1615 der Tra­di­ti­on nach Grün­dungs­da­tum der noch be­ste­hen­den Aga­tha-Schüt­zen­bru­der­schaft (in schrift­li­chen Quel­len nicht nach­zu­wei­sen); da­tier­te Schüt­zen­ket­te von 1710 
1722 be­ste­hen laut Vi­si­ta­ti­ons­pro­to­koll kei­ne Bru­der­schaf­ten in Ue­dem (BAM StiXA A 48)
1753 be­ste­hen Ro­sen­kranz- und Je­sus-Ma­ria-Jo­sef-Bru­der­schaft (BAM GV Xan­ten A 2 fol. 171r-174v)
1779 An­na-Bru­der­schaft ge­grün­det (Urk im Be­sitz der Bru­der­schaft), be­steht noch
1786 Schüt­zen­bru­der­schaft St. Lau­ren­ti­us ge­stif­tet (oh­ne Be­leg bei: Ge­schichts­kreis Ue­dem, Ue­de­mer Chro­nik T. 1, S. 85)

3. 7 Zünfte

Das Al­ter der Zünf­te der Schmie­de, Schnei­der (mit La­ken­ver­käu­fern und Woll­we­bern), der Schus­ter (mit Ham­ma­chern und Löh­rern) und der Lei­ne­we­ber ist nicht be­stimm­bar, da die äl­te­ren Ur­kun­den und Ak­ten beim Stadt­brand von 1685 ver­nich­tet wor­den sind. 1686 er­hiel­ten da­her die Schmie­de, Schnei­der und Schus­ter ei­nen neu­en Amts­brief, 1688 die Lei­ne­we­ber (HSTAD KM Akt 385-386). Die Zünf­te kön­nen zu­min­dest teil­wei­se deut­lich äl­ter sein. Un­klar ist, wie sich die fol­gen­de Zunft in das Bild fügt.
1650 er­laubt Kur­fürst Fried­rich Wil­helm den Klei­der- und Schuh­ma­chern, Tuch­sche­rern, Bä­ckern und Krä­mern in Ue­dem die Bil­dung ei­ner Gil­de oder Zunft (ebd. Akt 384 fol. 46-48)
1713 wird als Gil­de­tag der Schnei­der der Fran­zis­kus­tag (4. Ok­to­ber) ge­nannt (Pro­to­koll­buch 1700-86 fol. 114r)
1722 Die Schnei­der­gil­de führt ein Amts­buch, in dem die Meis­ter ver­zeich­net sind; will ein Bür­ger Meis­ter wer­den, muß er 1 (Le­der-)Ei­mer und 300 Stei­ne ge­ben, ein Aus­wär­ti­ger 600; neue Meis­ter der Schmie­de­gil­de ge­ben je 1 Ei­mer und 200 Stei­ne; die Stei­ne kön­nen in Geld (2 Ta­ler) ab­ge­löst wer­den, wäh­rend der Ei­mer auf dem Rat­haus ab­ge­ge­ben wer­den muß. 1724 auch für die neu­en Meis­ter der Lei­ne­we­ber be­zeugt; de­ren Lehr­jun­gen müs­sen bei An­tritt 2 Pfund Wachs ge­ben, je­der Knecht 1 Pfund (ebd. fol. 184v, 185v, 203r) 
1725 4 Zünf­te in Ue­dem: Schmie­de, Schuh­ma­cher, Schnei­der, Lei­ne­we­ber (ebd. fol. 212v)
1776 Bei der In­kor­po­ra­ti­on der Mau­rer- und Schie­fer­de­cker­meis­ter aus Kal­kar, Sons­beck, Grieth, Ker­ven­heim und Ue­dem in das Ge­werk zu Kle­ve hei­ßt es in Ue­dem, daß sich dort nie­mand fin­de, der al­lein das Mau­rer- oder Schie­fer­de­ck­er­hand­werk be­trei­be; es sei nur 1 Mau­rer vor­han­den (HSTAD Xan­ten Kreis­re­gis­tra­tur 1608)

3. 8 Wehrwesen (Schützen)

vgl. auch III 7 Bru­der­schaf­ten
1770 soll auf Be­schluß des Kö­nigs von Preu­ßen das sog. Frei­schie­ßen ein­ge­stellt wer­den, was dar­auf­hin auch in Ue­dem ge­schieht wird; Auf­he­bung des Be­schlus­ses noch im sel­ben Jahr (ebd. 91)
1794 Jung­ge­sel­len-Kom­pa­gnie er­wähnt (Chro­nik Pelt­zer)

Klevisches Kataster Uedem 1733/34, im Verhältnis ca. 1 : 4.000. (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen)

 

3. 9 Stellung im Territorium

866 in pa­go Hat­tua­ria in Ode­hei­me­ro mar­ca (I 3; III 1)
Vor 1200 zur Graf­schaft Kle­ve (III 1), 1319 Kirch­spiel in der Graf­schaft Kle­ve (Kle­ver Ur­bar). 1414 soll die lan­des­herr­li­che Schlü­te­rei er­rich­tet wor­den sein (II 1), Sitz des Schlü­ters des Schlü­ter­am­tes Ue­dem (III 1 Amts­trä­ger und Be­diens­te­te), zu dem u.a. Kal­kar ge­hör­te
1359 wird im Land­frie­den zwi­schen Gel­dern und Kle­ve fest­ge­legt, daß das Land Kle­ve 318 Be­rit­te­ne [in der Urk steht 300] zu stel­len hat, die Städ­te We­sel und Duis­burg da­von je 25, Kal­kar, Kle­ve und Em­me­rich je 20, Sons­beck und U je 11, Linn, Or­soy, Dins­la­ken und Bü­de­rich je 10, Grieth 5 (Ni­jhoff II 89, S. 129)
1359 Zur Be­wer­tung der Stadt­er­he­bung vgl. III 3, V 5
Im Ver­gleich der Pri­vi­le­gi­en­aus­stat­tung der kle­vi­schen Städ­te ge­hör­te Ue­dem zu den Städ­ten mit ge­rin­ger Pri­vi­le­gi­en­zahl und lag dar­in et­wa gleich­auf mit Grieth, Griet­hau­sen, Kra­nen­burg, Ruhr­ort und Sons­beck, je­doch weit hin­ter den gro­ßen und Haupt­städ­ten des Lan­des Kle­ve, wie z.B. We­sel oder Rees (Wens­ky, Sons­beck, S. 58; Flink, Her­zö­ge; Städ­te­pri­vi­le­gi­en). In den Schatz­zet­teln und Steu­er­ma­tri­keln der Graf­schaft bzw. des Her­zog­tums Kle­ve ge­hör­te Ue­dem un­ter den 24 Städ­ten und Frei­hei­ten des Lan­des von En­de des XIV. Jh. bis En­de des XVIII. Jh. zu den we­nig leis­tungs­fä­hi­gen Städ­ten des Ter­ri­to­ri­ums (Lie­se­gang, S. 362f.; HSTAD KM Akt 2191, 2253, 2254, 2276, 2584, 3912; Kle­ve Kam­mer 273, 2582-2584; Flink, Her­zö­ge, S. 83; vgl. auch Lis­te der Steu­er­leis­tun­gen Au­gust 1543-77 bei A. Dünn­wald, Kon­fes­si­ons­streit u. Ver­fas­sungs­kon­flikt, 1998, S. 22, mit U an 20. Stel­le).
1363 Bürg­schaft der Städ­te Kal­kar, Bü­de­rich, Sons­beck und Ue­dem für ei­ne Schuld­ver­pflich­tung Graf Jo­hanns von Kle­ve (HSTAD Hs A III 4 fol. 38v)
1369 Sie­gel­bürg­schaft der Städ­te Kle­ve, Kal­kar, Bü­de­rich, Sons­beck und Ue­dem für die Hei­rats­ab­re­de be­züg­lich der Leib­zucht Graf Adolfs v Kle­ve mit Mar­ga­re­te von Berg (Kle­ve-Mark Urk II 9), desgl. be­züg­lich der Mit­gift (NrhUB III 691)
1383 Sie­gel­bürg­schaft der Städ­te (bur­ger­meis­ter, sche­pen en­de ra­ede der ste­de) Kle­ve, Kal­kar, Sons­beck und Ue­dem für ei­nen Schad­los­brief Graf Jo­hanns, der Grä­fin Mar­ga­re­the und de­ren Sohn Adolf von Kle­ve für Evert von der Mark auf den hal­ben Zoll zu Griet­hau­sen (HSTAD Hs A III 12 fol. 36r-37r; F. Go­ris­sen, Griet­hau­sen, 1974, S. 101-103; nicht bei Scholz-Ba­bisch)
1392 schwö­ren die kle­vi­schen Städ­te Kle­ve, Em­me­rich, Kal­kar, Rees, Huis­sen, Kra­nen­burg, Ue­dem, Sons­beck, Bü­de­rich, Or­soy und Griet­hau­sen das Bünd­nis zwi­schen dem Erz­bi­schof von Köln und dem Graf von Kle­ve u. a. un­ver­brüch­lich ein­zu­hal­ten, so­weit es sie be­trifft (REK X 179)
1392 be­sie­geln u.a. die Stadt Ue­dem, die Schöf­fen von Ue­de­mer­feld so­wie von Ue­de­mer­bruch und die ge­meyne kyrspels­lue­de von Ue­dem das Weis­tum der Stadt Kal­kar be­züg­lich der zwi­schen Graf Adolf I. von Kle­ve und Jo­hann von Al­pen strit­ti­gen Rech­te über die Herr­schaf­ten Nie­der­mörm­ter, Han­sela­er und Hön­ne­pel (Kle­ve-Mark Urk II 287 = Il­gen II 2, S. 275-277; III 6)
1418 be­sie­geln die Städ­te Kle­ve, We­sel, Em­me­rich, Kal­kar, Rees, Bü­de­rich, Ue­dem, Sons­beck, Dins­la­ken, Or­soy, Hol­ten, Griet­hau­sen, Kra­nen­burg, Grieth, Huis­sen und Scherm­beck den Uni­ons­brief des Lan­des Kle­ve (HSTAD Hs A III 15 fol. 214ff.; Re­gest F. Go­ris­sen, Griet­hau­sen, 1974, S. 203; J.J. Scot­ti, Samm­lung d. Ge­set­ze u. Ver­ord­nun­gen ... Her­zog­tum Cle­ve ... I, 1824, Nr. 1; Il­gen II 2, S. 12f.)
1429 Pfer­de­auf­ge­bot der kle­vi­schen Städ­te, wo­bei We­sel 32, Em­me­rich 24, Kal­kar 16, Rees 14, Bü­de­rich, Ue­dem und Sons­beck je 8, Grieth 7 Pfer­de zu stel­len ha­ben (HSTAD Hs A III 15 fol. 3v) 
1436 lei­hen u. a. 12 kle­vi­sche Städ­te Her­zog Adolf I. von Kle­ve für die Mit­gift sei­ner Toch­ter Geld: We­sel und Em­me­rich je 400 rhei­ni­sche Gul­den, Kal­kar 300, Rees 200, Sons­beck 150, Hol­ten, U, Grieth, Bü­de­rich und Kra­nen­burg je 100, Dins­la­ken 95, Griet­hau­sen 50 (ebd. Hs A III 16 fol. 100v)
1446 Städ­te, Rit­ter­schaft und Un­ter­sas­sen des Lan­des Kle­ve ha­ben dem Her­zog von Kle­ve für die Soes­ter Feh­de ei­ne Be­de be­wil­ligt, wo­für Jung­her­zog Jo­hann den Städ­ten, dar­un­ter Ue­dem, ih­re Pri­vi­le­gi­en be­stä­tigt (III 2 Be­de; III 3)
1489 ver­pflich­ten sich die Städ­te Kle­ve, We­sel, Em­me­rich, Kal­kar, Duis­burg, Xan­ten, Rees, Dins­la­ken, Or­soy, Bü­de­rich, Sons­beck, Goch, Ue­dem und Grieth zu ge­gen­sei­ti­gem Bei­stand, falls ei­ner von ih­nen ein Nach­teil zu­ge­fügt wer­de we­gen der Über­rei­chung ih­res Vor­schlags an den Her­zog von Kle­ve die Än­de­rung des on­ge­schick­ten re­gi­ments be­tref­fend, das sie mit schat­tin­gen, on­ge­wo­ent­li­chen diens­te ind an­ders vor­der be­last ind bes­weert (Sta Kal­kar Ko­pi­ar Nr. 277; A. De­de­rich, An­na­len d. Stadt Em­me­rich, 1867, S. 271-273)
1508 be­schlie­ßen Bür­ger­meis­ter, Schöf­fen und Rä­te 33 kle­vi­scher und mär­ki­scher Städ­te, dar­un­ter Ue­dem, da sie durch das schlech­te Re­gi­ment Her­zog Jo­hanns II. von Kle­ve gro­ßen Scha­den er­lit­ten ha­ben, den Her­zog um Ein­rich­tung ei­nes bes­se­ren Re­gi­ments zu bit­ten. Wei­ge­re sich der Her­zog, wür­den sie zwar nicht ge­gen die 4 geist­li­chen Sa­chen (Be­ne­fi­zi­en, Hei­rats­an­ge­le­gen­hei­ten, geist­li­che Ren­ten und Tes­ta­men­te) Maß­nah­men er­grei­fen, wohl aber den Über­brin­ger ei­nes rö­mi­schen Man­dats oder Bann­brie­fes als ehr­lo­sen Mann be­stra­fen oder ihn, wenn er kein Ein­ge­ses­se­ner wä­re, in ei­nen Sack ste­cken und er­trän­ken. Ge­gen den, der sie we­gen die­ses Ver­trags an­grei­fen wol­le oder ge­gen ih­re Bür­ger und Ein­ge­ses­se­nen ein­schrei­te, wür­den sie ein­träch­tig zu­sam­men­hal­ten (Sta We­sel Urk 216; Druck: A. De­de­rich, An­na­len d. Stadt Em­me­rich, 1867, S. 274-276; III 6)
1609/14 bzw. end­gül­tig 1666 kommt Ue­dem mit dem Her­zog­tum Kle­ve an den Kur­fürs­ten von Bran­den­burg
1753 kommt Ue­dem zum neu­ge­bil­de­ten Städ­te­kreis west­seits Rheins, Ver­wal­tungs­sitz Kle­ve, 1765 zum da­von ab­ge­trenn­ten Städ­te­kreis west­seits Rheins ober­wärts, Ver­wal­tungs­sitz Xan­ten un­ter ei­nem Kriegs- und Steu­er­rat
1789 Zum Amt Ue­dem ge­hö­ren Kep­peln, Ue­de­mer­bruch mit den Rit­ter­sit­zen Haus Kolk und Holt­hau­sen, Ue­de­mer­feld mit Stein­ber­gen, Per­sel und Kir­sel (Fa­bri­ci­us II, S. 234, 245)
1798 Com­mu­ne Ue­dem, Kan­ton Kal­kar, Ar­ron­dis­se­ment Kle­ve, Ro­er-De­par­te­ment
1800 Mai­rie Ue­dem 
1816 Bür­ger­meis­te­rei Ue­dem 
1816 Kreis Kle­ve
1816 Re­gie­rungs­be­zirk. Kle­ve, 1822 Re­gie­rungs­be­zirk. Düs­sel­dorf
1969 Zur kom­mu­na­len Neu­glie­de­rung vgl. I 7

Uedem, Mostertor von Südwesten 1744, Warscheinlich Nachzeichnung nach einem Stich von P. van Liender, aus: Heinrich, H.J., Uedem, 1993, S. 19.

 
Zitationshinweis

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Wensky, Margret, Rheinischer Städteatlas Uedem. Teil 3: Herrschaft und Gemeinde, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-uedem.-teil-3-herrschaft-und-gemeinde/DE-2086/lido/5fb5415d412203.21217972 (abgerufen am 12.05.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 24.03.2026, zuletzt geändert am 14.04.2026

Auch über Rheinischer Städteatlas Uedem, bearb. v. Margret Wensky (Lfg. XV, Nr. 84, 2003)