Zu den Kapiteln
Schlagworte
3. 1 Grund- und Gerichtsherrschaft
Der Raum Uedem ist 855 aus Königsgut an den von den Normannen aus dem Batavergau vertriebenen Gaugrafen Ansfried übergegangen; dieser übertrug 866 sein Eigentum, die in Odeheimero marca gelegene villa Geizefurt an das Kloster Lorsch (I 3). Seit wann das Stift Xanten die Grundherrschaft im Raum Uedem mit dem Gebiet der späteren Stadt besessen hat, ist unbekannt. Die Besitzungen des Stifts in Uedem waren dem Xantener Stiftshof als Unterhöfe zugeordnet (F. Weibels, Die Großgrundherrschaft Xanten im Mittelalter, 1959, S. 19f.).
1310/11 erhob der Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg nach dem Tode des Grafen Otto von Kleve Anspruch auf die Grafschaft Kleve bzw. Teile derselben als heimgefallene Lehen, darunter auf Burg und Dorf (castellum et villam) Sonsbeck sowie auf das Dorf (villa) Uedem, welche der Urgroßvater des Graf, Dietrich mit Beinamen Ernestus (Dietrich VI., 1202-60) der Kölner Kirche entfremdet habe (LacArch IV, S. 389f.; REK IV 674). War der Anspruch des Erzbischofs berechtigt, so müßte der Erwerb von Sonsbeck und Uedem durch Kleve deutlich vor 1200 liegen, denn als 1203 die weitgehende Loslösung der Sonsbecker Kapelle von der Pfarre Xanten vom Erzbischof von Köln bestätigt wurde, hatte bereits der verstorbene Graf Dietrich V. (1172-93) dem Volk von Sonsbeck erlaubt, auf seinem Gut diese Kapelle zu errichten (Ilgen I, S. 81*; Rhein. Städteatlas XII Nr. 67: Sonsbeck, 1996, III 1; Wensky, Sonsbeck, S. 21f.). Im XIV. Jh. waren die kölnischen Rechtsansprüche auf Sonsbeck und Uedem fragwürdig; beide Kirchspiele waren – wie dargelegt - im XIII. und XIV. Jh. Zentren der klevischen Binnenkolonisation (II 2; D. Kastner, Die Territorialpolitik d. Grafen v. Kleve, 1972, S. 108). In seinem Lehnrevers von 1347 erkannte Graf Johann von Kleve gegenüber dem Kölner Erzbischof Walram von Jülich jedoch u. a. Uedem noch als kölnisches Lehen an (LacArch IV, S. 390-392, REK V 1437; vgl. dazu auch 1377, LacArch IV, S. 392-395, REK VIII 1758; 1385, NrhUB III 892, REK IX 976).
Am 5. Januar 1359 erteilte Graf Johann von Kleve den Bürger von Uedem einen umfassenden Privilegienbrief, der am 1. Mai desselben Jahres durch eine auf Betreiben des Graf zustande gekommene Vereinbarung mit dem Stift Xanten ergänzt wurde, wonach die Stiftsherren ihren bislang zu Leibgewinn verliehenen Grundbesitz innerhalb der Stadt Uedem in den für die Beliehenen günstigeren Rechtsstatus der Erbzinsleihe umwandelten. Als Anlaß zur Verbesserung der Rechtsqualität des nunmehrigen städtischen Areals wird die Bereitschaft und Verpflichtung der Einwohnerschaft zur Befestigung des Ortes genannt. Da die Nutzung an Hofstätten, Häusern, Scheunen usw. von unterschiedlichem Wert war, sind die Hofstätteninhaber namentlich mit Angaben der Nutzungen (domus, curia, horreum, aedificium, ortus) und des Zinsbetrages (4-30 Denare) genannt. Die Urkunde enthält wohl das gesamte Hofstätteninventar der Stadt Uedem zur Zeit ihrer Entstehung. Von den 43 aufgezählten Hofstätten waren 38 an das Stift Xanten zinspflichtig, 4 Lehnsgüter, u.a. des Erzbischofs von Köln, während eine area als dos der Pfarrkirche ausgewiesen ist. Für jedes in der Folgezeit erbaute Haus wurde der Zins an das Stift auf je 12 Denare und 1 Rauhhuhn festgelegt. Um der Zersplitterung der Hofstätten entgegenzuwirken und dem Zinsverlust vorzubeugen, bedurfte jede Veräußerung der Zustimmung der Stiftsherren. Machten diese von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch, konnte der Verkauf wie geplant vonstatten gehen, wobei das Stift jeweils eine Gebühr von 12 Denaren erhielt. Auf ewig unangetastet bleiben sollte der Rechtsstatus der homines des Stifts, der ministeriales, cerocensuales und serviles, die in der Stadt wohnten bzw. in Zukunft wohnen würden (Flink, Formen, S. 51f.; III 3; V 1).
Nach dem Klever Urbar von 1319 standen im Kirchspiel Uedem das Hoch- und Niedergericht dem Graf von Kleve zu (Klever Urbar I, S. 118). Als 1295 der Graf von Kleve östlich von Uedem eine Bruchkolonie anlegte, gestattete er dieser, einen besonderen Deichverband mit Richter und Heimraden zu bilden (II 2). Wenn nicht vorher, so doch nur kurze Zeit später, ist der zwischen der Bruchkolonie und der Stadt gelegene Landstrich Uedemerfeld als eigene Gemeinde eingerichtet worden. Die Stadt Uedem, Uedemerfeld und Uedemerbruch hatten spätestens 1363 eigene Gerichte, die durch die Person des Richters mit dem Schöffengericht Uedem verbunden waren. Alle 3 Gerichte führten Schöffensiegel (III 5 Siegel; Rhein. Siegel III Tafel 87 Nr. 6-8). Sie tagten gesondert, müssen aber auch zu gemeinsamen Sitzungen zusammengetreten sein (Ilgen I, S. 88-91; III 1 Amtsträger und Bedienstete). Gerichtsbezirk und Kirchspiel Uedem waren nicht vollständig deckungsgleich, denn zum Gerichtsbezirk gehörten auch Leute, die nach Altkalkar eingepfarrt waren (III 2 Markt; III 3). Zu Gerichtsterminen und Tagungsorten der Gerichte lassen die Quellen keine Aussagen zu.
Nach der Handfeste von 1359 hatten die Bürger von Uedem das Recht, die Schöffen zu wählen, die der Bestätigung des Grafen von Kleve bedurften; der Graf setzte auch den Richter und den Gerichtsboten ein. Vor 1539 hat die Stadt das Schöffenwahlrecht verloren (III 3); die Schöffen wurden danach vom Landesherrn eingesetzt. Die Zahl der Schöffen betrug 7. In der Handfeste von 1359 findet sich die Bestimmung über den Rechtszug nach Kleve: dat sij oer ordeel, die sij niet wijs en weren, soelen brenghen aen ons ende aen onsen raede of aen scepene van Cleve, willich sij willen (III 3), wie auch (1612) die sog. Turcksche Liste ausweist. Die Gerichte Uedemerbruch, Uedemerfeld und Keppeln (= Richteramt Uedem) hatten ihren Rechtszug nach Kalkar (Ilgen II 2, S. 207, 210; Belege für die Appellation nach Kleve in: B. Diestelkamp/K. Flink <Hg.>, Der Oberhof Kleve u. seine Schöffensprüche, 1994).
1753 Mit der Einrichtung der Landgerichte im Herzogtum Kleve wird der Oberhof Kalkar aufgelöst und dabei das Amt Uedem dem Landgericht Kleve zugeordnet
1798 gehört Uedem als Teil des Kantons Kalkar zum dortigen Friedensgerichts (Daniels VI, S. 467, 472)
1821 wird Uedem dem Friedensgericht Goch, Landgerichtsbezirk Kleve, zugeordnet (F. A. Lottner <Hg.>, Sammlung d. Provinzial- u. Partikulargesetze d. f. d. Kgl. Preuß. Rheinprovinzen seit d. Jahre 1813 ... ergangenen Gesetze ... II, 1834, S. 136-152)
1879 Mit Einführung der Amtsgerichte gehört U zum Amtsgerichtsbezirk Goch, Landgerichtsbezirk Kleve (Preuß. Gesetz-Sammlung 1879, Nr. 30, S. 556)
3. 1 Amtsträger und Bedienstete
1359 Januar 5: Schöffen und Richter (I 3; III 1; III 3)
1359 Mai 1: officiatus des Grafen von Kleve, officiatus des Stifts Xanten in U (I 3)
1365 Botenamt des Grafen von Kleve für die Gerichte Uedem, Uedemerfeld und Uedemerbruch (Ilgen I, S. 90* Anm. 2; III 1)
1378 wagenboede des Grafen von Kleve zu Uedem, Sonsbeck, Vynen, Appeldorn, Altkalkar und Wissel (ebd. II 1 Nr. 173)
1395 reddituarius (der Stadt?) (Gorissen, Stadtrechnungen II, S. 203)
1396 causidicus des Stifts Xanten in Uedem (Wilkes, Quellen, S. 294)
1417 Lambert Paepe hat die officia clavigeratus (Schlüteramt) in Winnenthal, Sonsbeck, Uedem und Kervenheim inne (Ilgen II 2, S. 11 Anm. 2)
1440 sluter zu Uedem (Gorissen, Stadtrechnungen IV, S. 194)
1602 herzoglicher Zimmermeister eingestellt (HSTAD Hs A III 39 fol. 210v-211v)
1648 Notar und Gerichtsschreiber (Ev Pfa Kalkar Urk 1648 Mai 7)
1787 Bürgermeister ist zugleich Akziseinspektor, sonstiges Akzisepersonal: 1 Aufseher und Waagemeister, 4 Torschreiber (III 6)
Uedem, Viehtor von der Feldseite 1744/61, Stich von P. van Liender, gezeichnet von Jan de Beijer. (Stadtarchiv Kalkar)
3. 2 Markt
1359 Stadtrechtsbestimmung: Graf Johann von Kleve verleiht im Stadtprivileg Uedem einen Jahrmarkt am Laurentiustag (10. August), gefreit jeweils 3 Tage vor- und nachher und einen Wochenmarkt am Sonntag (III 3)
1369 Marktplatz genannt (II 5 Plätze)
1431 gibt Herzog Adolf I. von Kleve der Stadt einen Wochenmarkt (III 3)
1634 Erneuerung des Privilegs von 1431. 1635 erklärt die Stadt, der Wochenmarkt, der durch die Kriegsereignisse eine Reihe von Jahren brach gelegen habe, solle ab dem 12. März neu belebt werden. Alle Einwohner des Richteramtes Uedem, ausgenommen diejenigen, die zur Pfarre Altkalkar gehören, sollen diesen Markt beschicken, bevor sie ihre Waren anderswo feilbieten. Es gelten das Marktrecht und die -freiheiten der Stadt Kleve. Wegen der kriegsläufften ist der Markt jedoch nicht beachtet worden. 1652 daher Erneuerung des Marktprivilegs, mit der Änderung, daß der Markt von Montag bis Dienstagmittag 12 Uhr stattfinden soll (III 3)
1670 bestätigt Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg das Jahrmarktprivileg von 1359 und erlaubt die Verlegung auf den Mittwoch nach St. Viktor (10. Oktober); die Marktbesucher müssen allerdings Zoll- und Wegegeld bezahlen (III 3; III 2 Zoll)
1687 erlaubt Kurfürst Friedrich Wilhelm der Stadt Uedem die Verlegung des Jahrmarkts von St. Martin (11. November) auf den Allerheiligentag (1. November)(III 3)
1710 erlaubt Friedrich I., König in Preußen, die Verlegung des Jahrmarkts von Allerheiligen auf den 1. Montag im November (III 3)
1722 Wochenmarkt am Montag und Jahrmarkt an Laurentius genannt (BAM StiXA Hs 52 S. 122-126)
1775 besteht kein Wochenmarkt; 2 Jahrmärkte: am 1. Oktober Flachs- und Viehmarkt, am 1. November (zugleich Kirchweihfest) zweitägiger Krammarkt (HSTAD Xanten Kreisregistratur 459)
1801 bis 1808 dreitägiger Jahrmarkt am 2. November (Vieh, Kramwaren), 1808 auf den Sonntag nach dem 18. Oktober verlegt (Stoffe und Tuche, Kramwaren), eintägiger Flachsmarkt am 3. November (bis dahin am 1. Oktober, zugleich Viehmarkt) (ebd. Dep. Moers II F 6; ebd. Roer-Dep. 2597; A. Dorsch, Statistique du Dép. de la Roer, 1804, S. 492; Annuaire du Dep. de la Roer 1810, S. 143). Jahrmarkttermin Sonntag nach dem 18. Oktober bis mindestens 1882 gültig (s. unten)
1816-37 ist die Regierung Düsseldorf gegen die förmliche Einrichtung eines Kornmarktes, jedoch dafür, daß auf dem Wochenmarkt auch Getreide verkauft wird (HSTAD Dep. Uedem XIII 10)
1817 weist der Bürgermeister auf die wachsende Bedeutung des Flachsmarktes hin; Termine wie 1808 (ebd.)
1838 Marktordnung genehmigt. Der Wochenmarkt findet montags und freitags statt; Waren: Getreide, Lebensmittel, landwirtschaftliche Produkte, Wild, Obst, Gemüse, Südfrüchte (ebd.; Dep. Uedem XII 14; LHAK 403/11602)
(1845) 2 Krammärkte in Uedem (RhVjbl 35, 1971, S. 299)
1850 Verlegung des Flachsmarktes auf den 3. Kirmestag (HSTAD Dep. Uedem XIII 10)
1882 Markttermine: dreitägiger Krammarkt am 20. Oktober, eintägiger Flachsmarkt am 22. Oktober (Rhein. Provinzial-Handbuch I, 1884, S. 284)
1958 Wochenmarkt donnerstags auf dem Marktplatz eingerichtet (VB 1957-58), noch heute Wochenmarkttermin
Heute Kirmes am Samstag vor dem 3. Sonntag im Oktober
3. 2 Zoll
1359 Im Stadtrechtsprivileg erhält Uedem Befreiung von allen Land- und Marktzöllen sowie vom Wegegeld innerhalb der Grafschaft Kleve; ferner wird die Stadt von allen klevischen Zöllen zu Wasser befreit, ausgenommen zu Büderich, bestätigt 1368 und 1689 (III 3). Noch 1789 beruft sich die Stadt bei Streitigkeiten mit der klevischen Zolldirektion auf diese Privilegien (Scholz-Babisch 93)
1529 Schlichtung des Streits zwischen dem Herzog bzw. dessen Schlüter zu Uedem und der Stadt Kalkar über den Landzoll am Hallenbaum und zu Appeldorn: alle Fuhrwerke, die in Richtung Uedem, Sonsbeck bzw. oberhalb des Monterbergs nach Xanten ziehen, sofern sie auf dem Berg bleiben und weder Altkalkar noch Kalkar berühren, zahlen Zoll an den Schlüter zu Uedem; alle, die in Richtung Kalkar ziehen und Kalkar sowie Altkalkar berühren bzw. unterhalb des Monterbergs bleiben, auch was von Xanten oder Emmerich durch Altkalkar, oder von Gennep nach Kalkar und zurück zieht, zahlt Zoll in Altkalkar. Alles, was von Rees über den Rhein durch Appeldorn oder die Klapheck und nach Uedem, Sonsbeck, Kervenheim oder Schravelen und umgekehrt geht, zahlt den Zoll dem Schlüter zu Uedem (III 3; I 1 Straßen)
1529 Schlichtung des Streits zwischen dem Herzog bzw. dessen Schlüter zu Uedem und der Stadt Kalkar über den Landzoll (Sta Kalkar Kopiar I Nr. 248; BAM Pfa St. Nicolai, Kalkar, Kopiar III Nr. 2; III 2 Zoll; I 1 Straßen)
1670 Privilegierung des Jahrmarkts vorbehaltlich des Zoll- und Weggeldes (III 3; III 2 Markt)
3. 2 Bede, Schatz
1319 stehen dem Grafen von Kleve im Kirchspiel Uedem die meybede und die herwestbede zu (Klever Urbar I, S. 118-147)
1359 Stadtrechtsbestimmung: Die Bürger sind schatzfrei; bei der Schwertleite der Söhne und der Heirat der Töchter des Grafen soll die Stadt wie die anderen Städte eine angemessene Beisteuer geben. Geben die Städte dem Grafen Bede und Schatz, sollen sie es gleichfalls tun (III 3)
1446 bestätigt Jungherzog Johann von Kleve u.a. der Stadt die Privilegien für die ihm geleistete Bede während der Soester Fehde (III 3)
Zu den Steuerleistungen der Stadt XIV.-XVIII. Jh. vgl. III 9.
3. 2 Akzise
1359 Stadtrechtsbestimmung: Die Bürger erhalten auf Widerruf das Recht, zur Verbesserung und Befestigung der Stadt Akzise zu erheben (III 3; II 2)
Uedem, Markt von Nordosten 1744/58, Stich von Paulus van Liender, gezeichnet von Jan de Beijer. (Stadtarchiv Kalkar)
3. 3 Stadtrechtsverleihung bzw. Freiung, Privilegierung
Die Stadterhebung von Uedem ist im Zusammenhang mit der Binnenkolonisation der Grafschaft Kleve zu sehen (II 2; III 1); sie wird wohl nach 1311 und vor 1347 erfolgt sein, denn (1311) wird Uedem noch villa genannt, 1319 im Klever Urbar stat, 1347 opidum (I 3; III 1). Die Stadterhebung wurde 1359 Januar 5 mit einem 21 Kapitel umfassenden Privileg durch Graf Johann von Kleve vollzogen, der am 1. Mai desselben Jahres eine Vereinbarung mit dem Stift Xanten, worin die Stiftsherren ihren bislang zu Leibgewinn verliehenen Grundbesitz innerhalb der Stadt Uedem in den Rechtsstatus der Erbzinsleihe umwandelten (III 1). Das Privileg des Grafen vom 5. Januar ist das 1. Stadtprivileg für Uedem und keine, wie gelegentlich vermutet (Kastner, Territorialpolitik, S. 108 Anm. 17), erneute Verleihung. Bei dem Uedemer Privileg handelt es sich nach Flink um ein eigenes Stadtrechtsformular, in das nur noch einzelne Elemente des älteren Privilegienformulars nach Klever Grundmuster eingeflossen sind (Städteprivilegien, S. 377f.).
1359 Januar 5 gibt Graf Johann von Kleve den Bürgern der Stadt Uedem (onsen lieven burgeren der stat van Uedem) folgende Freiheiten (eyne vrieheit oerre stat ... ende hebben sy gevriet in deser maniren): 1. Es gilt freies Erbrecht für den nächsten Erben; stirbt jemand ohne Erben, wird sein Gut 1 Jahr und 6 Wochen von der Stadt und dem Richter verwahrt; meldet sich während dieser Zeit kein Erbe, fällt es dem Grafen zu. 2. Beim Tode des Mannes oder der Frau soll das rede guet (die Fahrhabe) geteilt werden; das erfnisse (das liegende Gut) in der Stadt erhält der Überlebende; nach dessen Tod wird das Erbe unter beiden Familien aufgeteilt. 3. Wer jemanden mit Fäusten angreift, zahlt 5 Schilling brabantisch, die je zur Hälfte an den Grafen und die Stadt fallen, wovon der Kläger 2 Schilling erhält, wenn er will; will er es nicht, kann er vor Gericht Recht suchen. Der Faustschlag muß durch 2 Bürger bezeugt werden. An Markttagen gilt doppeltes Strafmaß. 4. Eine gewöhnliche (deghelix) Strafe (wedde) soll 9 und eine große Strafe 20 Stüber brabantisch betragen. 5. Innerhalb der Grenzen der Grafschaft dürfen weder Person noch Gut der Bürger gepfändet werden. 6. Wer etwas gegen sie vorbringen will, soll das in der Stadt nach dem dortigen Stadtrecht tun. Außerhalb der Grafschaft erhalten sie Rechtsschutz durch den Graf, soweit er vermag. 7. Vor dem Gericht genügt der einfache Bürgereid. 8. Die Bürger erhalten Befreiung von allen Landzöllen, vom Wegegeld und vom Marktzoll innerhalb der Grafschaft. 9. Sie erhalten Befreiung von allen Zöllen zu Wasser, ausgenommen zu Büderich. 10. Sie erhalten das Recht, Statuten (koren) zu setzen. 11. Sie erhalten auf Widerruf das Recht, Akzise zu erheben zur Verbesserung und Befestigung der Stadt. 12. Der Graf befreit die Bürger aus der Hörigkeit (ghehoerscap). 13. Die Bürger sind schatzfrei. Bei der Schwertleite der Söhne und der Heirat der Töchter des Grafen geben sie wie die anderen Städte eine angemessene Beisteuer. Wenn die Städte dem Grafen Bede und Schatz geben, so sollen sie das gleichfalls tun. 14. Sie leisten dem Grafen im Verteidigungsfalle auf ihre Kosten 6 Wochen Heeresfolge. 15. Jährlich am Tag nach Neujahr sollen die Bürger Bürgermeister, Schöffen und Rat wählen, die der Graf bestätigt; den Richter und den Boten setzt der Graf ein. 16. Die Hauptfahrt des Gerichts geht an die Räte des Grafen oder an das Stadtgericht Kleve. 17. Neubürger dürfen nicht ohne vorherige Prüfung aufgenommen werden. 18. Die Bürger erhalten einen Jahrmarkt an St. Laurentius, gefreit je 3 Tage vor- und nachher, außerdem einen gefreiten Wochenmarkt am Sonntag. 19. Gegen einen jährlichen Erbzins von 1 Mark und 24 Kapaunen am Martinstag erhalten die Bürger als Gemeinde das Loh (Loe) bei der Stadt. 20. Außerdem erhalten sie ein Stück Heide als Weidegrund. 21. Alle Brüchten und Koeren dürfen sie selbst pfänden ohne den Amtmann des Grafen (HSTAD Hs A III 4 fol. 51v-52r; paläographisch nicht getreuer Abdruck: F. Gorissen, in: HK f. d. Klever Land 1959, S. 25-27; III 1; III 2 Zoll; III 2 Bede, Schatz; III 2 Akzise; III 2 Markt; III 6)
1359 Mai 1: Das Xantener Stiftskapitel wandelt die stiftischen Leibgewinnsgüter in Uedem in Erbpächte um, nachdem Graf Johann dem Stift die Vorteile für sein Land wie für das Stiftsgebiet, die die Errichtung der Stadt, die Schutz gegen die Einfälle gemeinsamer Feinde gewähre, dargelegt hatte. Der Graf verlangte, daß die domus, possessiones et aree im Ort (villa) wie in der Ortsgemarkung, die das Stift zu Leibgewinn (iure viteductus, quod lijfghewin vulgariter nuncupatur) fortan in Erbpacht (in censum hereditarium) vergäbe. In diesem Falle hätten ihm die Einwohner des Ortes (incole et inhabitatores) einmütig versichert, den Ort zu befestigen. Nach langer Beratung geht das Stift auf das Ansinnen des Grafen ein. Da der Besitz der einzelnen Pächter unterschiedlich in Umfang und Wert ist, kann der Erbzins nicht einheitlich erhoben werden. Es werden daher alle derzeitigen Pächter namentlich mit den Pachtzinsen genannt, die sie gegenwärtig oder in Zukunft zu zahlen haben. Um der Gefahr vorzubeugen, daß durch Verkauf und Zersplitterung der Häuser und Grundstücke der Zins geschmälert wird, erhält das Stift durch seinen Bevollmächtigten (officiatus) ein Vorkaufsrecht. Macht es davon keinen Gebrauch, kann der Verkauf vonstatten gehen; von den veräußerten Stücken erhält das Stift als Handänderungsgebühr 12 Denare, je 6 vom Käufer und Verkäufer. Für jedes neue Haus, das auf einem ehemaligen Stiftsgrundstück errichtet wird, erhält das Stift jährlich einen Zins von 12 Denaren am Martinstag, ferner ein Rauchhuhn von dem Tage an, an dem das neue Herdfeuer raucht. Alle diese Abgaben dürfen gegebenenfalls von Bürgermeister, Schöffen und Rat (magisteropidanorum, consules et scabini) oder vom Amtmann des Grafen (officiatus comitis) mittels Pfändung beigetrieben werden. Durch den Vertrag bleibt der Rechtsstatus der homines des Stifts unberührt (iura ministerialitatis, cerocensualitatis ac servitutis) (UB Xanten I 953; III 1)
1368 bestätigt Graf Adolf I. die von Graf Johann verliehenen Privilegien (HSTAD Hs A III 10 fol. 12r-13r)
1394 bestätigt Graf Adolf II. von Kleve die von seinem Vater Graf Adolf I. verliehenen Privilegien (ebd. Hs A III 12 fol. 140r; ebd. 13 fol. 10r)
1431 gibt Herzog Adolf I. von Kleve der Stadt Uedem ein Wochenmarktprivileg (ebd. Hs A III 16 fol. 49v-50r; III 2 Markt)
1437 gibt derselbe Herzog Land, daß er zu diesem Zwecke geerbt hat, der Kirche zu Uedem zu deren tymmeringen ind beteringen (HSTAD Hs A III 16 fol. 102v; IV 1)
1446 bestätigt Jungherzog Johann von Kleve der Stadt Uedem mit den übrigen klevischen Städten die Privilegien für die ihm geleistete Bede für die Soester Fehde (HSTAD Hs A III 19 fol. 118v; III 2 Bede; III 9)
1447 gibt Herzog Adolf I. der Stadt Uedem das Privileg, von der Strafe auf das Spielen mit dobbelstenen die Hälfte zu behalten (HSTAD Hs A III 18 fol. 197v)
1448 bestätigt Herzog Johann I. von Kleve der Stadt Uedem alle Privilegien (ebd. Hs A III 21 fol. 56r)
1482 bestätigt Herzog Johann II. von Kleve der Stadt Uedem alle Rechte und Freiheiten (ebd. Hs A III 25 fol. 170r)
1503 bestätigt derselbe Herzog, daß die Stadt Uedem von seinen Vorfahren das Recht erhalten habe, etliche Güter im Amt Uedem zu schatzen, um die Reiter und Knechte des Herzogs zu unterhalten und ihm in der Fehde zu dienen (ebd. Hs A III 29 fol. 143v-144r)
1505 erneute Anerkennung dieses Privilegs; die genannten Güter sind seitens des Herzogs schatzfrei. Die Stadt zahlt dem Herzog dafür 1 Pfennig zur Bezahlung der Knechte für die Fehde (ebd. fol. 46v)
1522 formelhafte Privilegienbestätigung durch Herzog Johann III. von Kleve (nach der Vorlage von 1481) (ebd. KM Akt 268 fol. 139v)
1539 desgleichen durch Herzog Johann III., jedoch vorbehaltlich der jährlichen Ratswahl, wie vom Vorgänger des Herzogs verfügt worden war (ebd. Hs A III 35 fol. 53r; KM Akt 268 fol. 236f.; III 6)
1598 formelhafte Privilegienbestätigung durch Herzog Johann Wilhelm (HSTAD Hs A III 39 fol. 33v-34r; KM Akt 268 fol. 22v-23r)
1634 Erneuerung des Wochenmarktprivilegs von 1431. 1635 erklärt die Stadt, daß der Wochenmarkt, der durch die Kriegsereignisse brach gelegen hat, ab dem 12. März neu belebt werden soll. Alle Einwohner des Richteramtes Uedem, ausgenommen diejenigen, die zur Pfarre Altkalkar gehören, sollen diesen Markt beschicken, bevor sie ihre Waren anderswo feilbieten. Es gelten das Marktrecht und die -freiheiten der Stadt Kleve. Wegen der kriegsläufften ist der Markt jedoch nicht beachtet worden. 1652 daher Erneuerung des Marktprivilegs unter Änderung des Termins (ebd. Hs A III 16 fol. 49v-50r; KM Akt 384 fol. 7, 37-38; Hs A III 41 fol. 6r-7v; III 2 Markt)
1667 formelhafte Privilegienbestätigung durch Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, jedoch vorbehaltlich der Ratswahl (s. zu 1539) (HSTAD KM Akt 269 fol. 75)
1670 bestätigt Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg das Jahrmarktprivileg von 1359 und erlaubt die Verlegung auf Mittwoch nach St. Viktor (10. Oktober) (ebd. Hs A III 42 fol. 269r-270r; KM Akt 384; III 2 Markt)
1687 verleiht der Kurfürst von Brandenburg der Stadt einen gefreiten dreitägigen Jahrmarkt an Allerheiligen; die Verlegung des Termins von ursprünglich August, später auf St. Martin (11. November), geschieht auf Bitten der Stadt (HSTAD Hs A III 43 fol. 260v-261v; KM Akt 384; III 2 Markt)
1689 formelhafte Privilegienbestätigung durch Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg vorbehaltlich der Verfügung über die Ratswahl (HSTAD Hs A III 43 fol. 607-608r; KM Akt 269 fol. 607f.)
1710 erlaubt der preußische König Friedrich I. die Verlegung des Jahrmarkts von Allerheiligen auf den 1. Montag im November (ebd. Hs A III 44 fol. 74v; III 2 Markt)
1740 formelhafte Privilegienbestätigung durch König Friedrich II. in Preußen (HSTAD KM Akt 271)
1798 Verlust der städtischen Rechtsstellung
1845 Oktober 23 Einführung der Gemeindeordnung für die Rheinprovinz (Chronik Peltzer)
3. 5 Siegel
1359 Mai 1 sigillum opidi de Uedem (I 3), entstanden wohl zwischen 1339 und 1359 (Beschreibung s. unten)
1361 Schöffensiegel erstmals bezeugt; da das Siegel beschädigt ist, sind nur noch Reste der Umschrift lesbar: + S. SCABINOR... EM (HAEK Stift St. Maria im Kapitol A I 103). Es ist fraglich, ob es sich um ein älteres als das unten beschriebene Schöffensiegel handelt
Stadtsiegel
Bild: innerhalb einer Raute, deren Spitzen bis zum Siegelrand reichen, befindet sich ein gotisches Maßwerk in Form eines Vierblatts; sein Hintergrund ist durch ein Schräggitter verziert; davor erhebt sich ein hohes, gezinntes Turmtor mit spitzbogigem Portal und halb herabgelassenem Fallgitter. Ein über dem Portal befindlicher Laufgang setzt sich bis zum Rand des Siegelfeldes fort. Das Turmtor wird von 2 niedrigen Türmen mit Zinnenkranz und haubenartigem Dach flankiert. Im Zentrum des Siegelfeldes, vor dem Obergeschoß des Turmtores, ist das klevische Vollwappen angebracht.
Umschrift: SIGILLVM · OPIDI · DE · VDEM
(Rhein. Siegel III Tafel 80 Nr. 2; Diederich, Städtesiegel, S. 338-340 mit Abb. 91 = nach Originalabdruck des Siegels an Urk von 1418 Januar 1, HSTAD KM 1152)
Sekretsiegel, XV. Jh.
Bild: Ähnlich Stadtsiegel, seitlich des Turmes 2 Schilde mit dem gleichen Wappenbild, einem Rost, Symbol des Ortspatrons, des hl. Laurentius.
Umschrift: SIGILLVm ... Vdem
(Rhein. Siegel III Tafel 80 Nr. 3; Sta Wesel Urk 186, 1489 Juni 3; die Urk ist heute verschollen; das Siegel war noch 1635 als Sekretsiegel in Gebrauch, BAM StiXA Einzelne Pfarren Nr. 87)
Sekretsiegel, XVIII. Jh.
Bild: Das Bild ist eine unverstandene Nachbildung des Siegelbildes des Stadtsiegels und des Sekretsiegels des XV. Jh. Da die verbindende Mauer fehlt, stehen im Siegelbild 3 Türme lose nebeneinander. Unter den kleinen Türmen 2 Schilde mit dem gleichen Wappenbild, einem Rost.
Umschrift: SIGillum · CIVITatis · VDEMIENSIS
(Rhein. Siegel III Tafel 80 Nr. 4 = 1784; in der Sammlung des Historischen Vereins Geldern <ehemals Sammlung Nettersheim> z.Zt. nicht nachweisbar, jedoch Abdruck von 1818 im Sta Goch)
Schöffensiegel
Bild: Doppeltor; rechts davon der klevische Schild mit Helm, links ein Rost, Symbol des Ortspatrons, des hl. Laurentius.
Umschrift: * SIGILLVM · SCABINOR[um] · OPIDI · IN · VDEM
(Rhein. Siegel III Tafel 80 Nr. 1 = HSTAD KM 447 = 1390 April 7; Ilgen II 1 Nr. 203)
3. 5 Wappen
1666 Wappen überliefert, sicher älter. Bild: wie großes Stadtsiegel (HSTAD Hs N III 7; Druck: Land im Mittelpunkt d. Mächte, 1984, S. 74)
1962 genehmigt der Regierungspräsident das Wappen der Gemeinde Uedem: In Rot eine silberne Torburg mit 3 Zinnentürmen und goldenem Fallgitter im offenen Tor; auf dem breiten mittleren Turm ein geneigter roter Schild, darin ein silberner Herzschild, überdeckt mit einer goldenen Lilienhaspel, und als Helmzier ein golden gekrönter her schauender roter Stierkopf, 1971 erneut genehmigt bei der Übernahme des Wappens durch die neue Gemeinde Uedem (Gemeinderatsprotokoll 1959-69, S. 877; Nagel, Wappenbuch, S. 69; I 7)
6. Gemeinde, Bürgermeister und Rat
1359 Januar 5 burgermeyster, scepene ende rayt (III 3; III 1 Amtsträger und Bedienstete; s. auch unten zur Bürgermeisterwahl)
1359 Mai 1 magisteropidanorum, scabines et consules (III 3)
1372 magistercivium (Wilkes, Quellen, S. 212), 1390 burgimagister (ebd., S. 269)
1392 Richter, Bürgermeister, Schöffen, Rat und Bürgerschaft der Stadt Uedem (III 9)
1575 portener (HSTAD KM Akt 678 fol. 46v)
1583 stadtbaede (ebd.)
1685 secretarius (Armenprotokollbuch)
1754 2 Koermeister genannt (HSTAD Dep. Uedem IV 10). Körmeister waren z.B. für die Aufsicht über die Brotbäcker und die Fleischer zuständig; das Amt wird auch in Uedem deutlich älter und nur wegen der schwierigen Quellenlage so spät überliefert sein.
Nach dem Stadtprivileg vom 5. Januar 1359 wurden Bürgermeister, Schöffen und Rat jährlich am 2. Januar gewählt; die Wahl bedurfte der Bestätigung des Landesherrn. Dieser setzte den Richter und den Boten ein. Vor 1539 hat die Stadt das Ratswahlrecht verloren und nicht wieder erlangt. Der direkte Privilegienentzug war ein vergleichsweise seltener Vorgang; unter den klevischen Städten ist er noch für Kranenburg, Sonsbeck und Goch (bis 1473 zum Herzogtum Geldern) bezeugt. Die Gründe für den Einzug sind nicht bekannt (III 3; Städteprivilegien, S. 84; Wensky, Sonsbeck, S. 59f.). Noch 1765 bestätigte der preußische König Friedrich II., daß die Magistratsmitglieder von ihm gewählt und eingesetzt würden (A. Dederich, Annalen d. Stadt Emmerich, 1867, S. 570-572).
Anfang des XVIII. Jh. erhielten Aufwandsentschädigungen bzw. Gehälter: Bürgermeister, 7 Schöffen, 2 Ratsverwandte, Stadtsekretär, Stadtrentmeister, Ratsbote, Nachtwächter, Schätter (HSTAD Kleve Kammer Be 698). 1754 ist folgende Departements-Einteilung des Magistrats überliefert: Der Bürgermeister hat die Generalaufsicht, je 1 Schöffe ist für die Ökonomie, das Kämmerei-, Bau-, Einquartierungs- und Serviswesen zuständig, für die Policey, für den Wegebau und die Loheweyde, für Maß und Gewicht, für die Brunnen und städtischen Gerätschaften, für die Ratsprotokolle und die Akten (= Stadtsekreträr) (ebd. Dep. Uedem IV 10). Zu den Aufgaben des Magistrats gehörte der Schautag, an dem die Schornsteine u.a. visitiert wurden (Protokollbuch 1700-86).
Neubürger durften laut Stadtprivileg von 1359 nach Prüfung aufgenommen werden; wieweit Neubürger zu verzeichnen waren, muß mangels Quellen offen bleiben. In den Kämmereirechnungen Mitte des XVIII. Jh. sind nur wenige Bürgeraufnahmen verzeichnet (HSTAD Dep. Uedem IV 10).
XVIII. Jh. 4 Brandmeister genannt (Protokollbuch 1700-86), was auf eine Einteilung der Stadt in 4 Quartiere schließen läßt, die deutlich älter sein dürfte
1787 Rathäusliche Bediente der Stadt Uedem: Bürgermeister, ist zugleich Akziseinspektor, 1 Schöffe und Camerarius, 1 Secretarius, 1 Stadtbote, 1 Nachtwächter; Akzisepersonal: 1 Aufseher und Waagemeister, 4 Torschreiber (HSTAD Hs E III 4)
3. 6 Verhältnis zu den übrigen klevischen Städten, Städteverträge
vgl. III 9
3. 6 Hansezugehörigkeit
1540 erklärt sich Uedem wie die übrigen klevischen Städte und Freiheiten bereit, unter der Führung Wesels für den Gebrauch der Hanseprivilegien steuer und hulpe leisten zu wollen. Von der Gesamttaxe der klevischen Städte in Höhe von 357 Talern sollen 6 auf Uedem entfallen (zum Vergleich: auf Wesel 45, auf Kleve und Duisburg je 40, auf Sonsbeck 8; O. Hollweg, Wesel als Hansestadt, 1941, S. 96-98; J. Prieur, Die Hansestadt Wesel u. ihre klev. Beistädte. In: zu Allen theilen Inß mittel gelegen <Ausstellungskatalog> Wesel 1991, S. 48-63, bes. S. 61-63, danach waren es nicht Taler, sondern Goldgulden)
1557 ist die Stadt Uedem - wie 1554 - auf der Tagung der klevischen Hansestädte vertreten. Von den insgesamt 104 Talern Taxe, die letztere aufbringen sollen, entfallen auf Sonsbeck, Kranenburg und Zevenaar je 4 Taler, weniger sollen Dinslaken und Ruhrort mit je 3, Uedem mit 2, Isselburg und Kervenheim mit je 1 und Schermbeck und Holten mit je ½ Taler zahlen. Uedem gehört zu den Städten, die diese Beisteuer nicht gezahlt haben (Hollweg, S. 99, 131)
1572 gehört Uedem zu den klevischen Städten, die gegenüber Wesel ihren Austritt aus der Hanse wegen der hohen, für sie unerträglichen Lasten erklären (Höhlbaum, Kölner Inventar II, S. 9 Anm. 2; V 5)
3. 7 Bruderschaften
1498/99 Meister einer nicht näher bezeichneten Bruderschaft (magistri fraternitatis) genannt (IV 2), vielleicht der Agatha-Bruderschaft?
1615 der Tradition nach Gründungsdatum der noch bestehenden Agatha-Schützenbruderschaft (in schriftlichen Quellen nicht nachzuweisen); datierte Schützenkette von 1710
1722 bestehen laut Visitationsprotokoll keine Bruderschaften in Uedem (BAM StiXA A 48)
1753 bestehen Rosenkranz- und Jesus-Maria-Josef-Bruderschaft (BAM GV Xanten A 2 fol. 171r-174v)
1779 Anna-Bruderschaft gegründet (Urk im Besitz der Bruderschaft), besteht noch
1786 Schützenbruderschaft St. Laurentius gestiftet (ohne Beleg bei: Geschichtskreis Uedem, Uedemer Chronik T. 1, S. 85)
3. 7 Zünfte
Das Alter der Zünfte der Schmiede, Schneider (mit Lakenverkäufern und Wollwebern), der Schuster (mit Hammachern und Löhrern) und der Leineweber ist nicht bestimmbar, da die älteren Urkunden und Akten beim Stadtbrand von 1685 vernichtet worden sind. 1686 erhielten daher die Schmiede, Schneider und Schuster einen neuen Amtsbrief, 1688 die Leineweber (HSTAD KM Akt 385-386). Die Zünfte können zumindest teilweise deutlich älter sein. Unklar ist, wie sich die folgende Zunft in das Bild fügt.
1650 erlaubt Kurfürst Friedrich Wilhelm den Kleider- und Schuhmachern, Tuchscherern, Bäckern und Krämern in Uedem die Bildung einer Gilde oder Zunft (ebd. Akt 384 fol. 46-48)
1713 wird als Gildetag der Schneider der Franziskustag (4. Oktober) genannt (Protokollbuch 1700-86 fol. 114r)
1722 Die Schneidergilde führt ein Amtsbuch, in dem die Meister verzeichnet sind; will ein Bürger Meister werden, muß er 1 (Leder-)Eimer und 300 Steine geben, ein Auswärtiger 600; neue Meister der Schmiedegilde geben je 1 Eimer und 200 Steine; die Steine können in Geld (2 Taler) abgelöst werden, während der Eimer auf dem Rathaus abgegeben werden muß. 1724 auch für die neuen Meister der Leineweber bezeugt; deren Lehrjungen müssen bei Antritt 2 Pfund Wachs geben, jeder Knecht 1 Pfund (ebd. fol. 184v, 185v, 203r)
1725 4 Zünfte in Uedem: Schmiede, Schuhmacher, Schneider, Leineweber (ebd. fol. 212v)
1776 Bei der Inkorporation der Maurer- und Schieferdeckermeister aus Kalkar, Sonsbeck, Grieth, Kervenheim und Uedem in das Gewerk zu Kleve heißt es in Uedem, daß sich dort niemand finde, der allein das Maurer- oder Schieferdeckerhandwerk betreibe; es sei nur 1 Maurer vorhanden (HSTAD Xanten Kreisregistratur 1608)
3. 8 Wehrwesen (Schützen)
vgl. auch III 7 Bruderschaften
1770 soll auf Beschluß des Königs von Preußen das sog. Freischießen eingestellt werden, was daraufhin auch in Uedem geschieht wird; Aufhebung des Beschlusses noch im selben Jahr (ebd. 91)
1794 Junggesellen-Kompagnie erwähnt (Chronik Peltzer)
Klevisches Kataster Uedem 1733/34, im Verhältnis ca. 1 : 4.000. (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen)
3. 9 Stellung im Territorium
866 in pago Hattuaria in Odeheimero marca (I 3; III 1)
Vor 1200 zur Grafschaft Kleve (III 1), 1319 Kirchspiel in der Grafschaft Kleve (Klever Urbar). 1414 soll die landesherrliche Schlüterei errichtet worden sein (II 1), Sitz des Schlüters des Schlüteramtes Uedem (III 1 Amtsträger und Bedienstete), zu dem u.a. Kalkar gehörte
1359 wird im Landfrieden zwischen Geldern und Kleve festgelegt, daß das Land Kleve 318 Berittene [in der Urk steht 300] zu stellen hat, die Städte Wesel und Duisburg davon je 25, Kalkar, Kleve und Emmerich je 20, Sonsbeck und U je 11, Linn, Orsoy, Dinslaken und Büderich je 10, Grieth 5 (Nijhoff II 89, S. 129)
1359 Zur Bewertung der Stadterhebung vgl. III 3, V 5
Im Vergleich der Privilegienausstattung der klevischen Städte gehörte Uedem zu den Städten mit geringer Privilegienzahl und lag darin etwa gleichauf mit Grieth, Griethausen, Kranenburg, Ruhrort und Sonsbeck, jedoch weit hinter den großen und Hauptstädten des Landes Kleve, wie z.B. Wesel oder Rees (Wensky, Sonsbeck, S. 58; Flink, Herzöge; Städteprivilegien). In den Schatzzetteln und Steuermatrikeln der Grafschaft bzw. des Herzogtums Kleve gehörte Uedem unter den 24 Städten und Freiheiten des Landes von Ende des XIV. Jh. bis Ende des XVIII. Jh. zu den wenig leistungsfähigen Städten des Territoriums (Liesegang, S. 362f.; HSTAD KM Akt 2191, 2253, 2254, 2276, 2584, 3912; Kleve Kammer 273, 2582-2584; Flink, Herzöge, S. 83; vgl. auch Liste der Steuerleistungen August 1543-77 bei A. Dünnwald, Konfessionsstreit u. Verfassungskonflikt, 1998, S. 22, mit U an 20. Stelle).
1363 Bürgschaft der Städte Kalkar, Büderich, Sonsbeck und Uedem für eine Schuldverpflichtung Graf Johanns von Kleve (HSTAD Hs A III 4 fol. 38v)
1369 Siegelbürgschaft der Städte Kleve, Kalkar, Büderich, Sonsbeck und Uedem für die Heiratsabrede bezüglich der Leibzucht Graf Adolfs v Kleve mit Margarete von Berg (Kleve-Mark Urk II 9), desgl. bezüglich der Mitgift (NrhUB III 691)
1383 Siegelbürgschaft der Städte (burgermeister, schepen ende raede der stede) Kleve, Kalkar, Sonsbeck und Uedem für einen Schadlosbrief Graf Johanns, der Gräfin Margarethe und deren Sohn Adolf von Kleve für Evert von der Mark auf den halben Zoll zu Griethausen (HSTAD Hs A III 12 fol. 36r-37r; F. Gorissen, Griethausen, 1974, S. 101-103; nicht bei Scholz-Babisch)
1392 schwören die klevischen Städte Kleve, Emmerich, Kalkar, Rees, Huissen, Kranenburg, Uedem, Sonsbeck, Büderich, Orsoy und Griethausen das Bündnis zwischen dem Erzbischof von Köln und dem Graf von Kleve u. a. unverbrüchlich einzuhalten, soweit es sie betrifft (REK X 179)
1392 besiegeln u.a. die Stadt Uedem, die Schöffen von Uedemerfeld sowie von Uedemerbruch und die gemeyne kyrspelsluede von Uedem das Weistum der Stadt Kalkar bezüglich der zwischen Graf Adolf I. von Kleve und Johann von Alpen strittigen Rechte über die Herrschaften Niedermörmter, Hanselaer und Hönnepel (Kleve-Mark Urk II 287 = Ilgen II 2, S. 275-277; III 6)
1418 besiegeln die Städte Kleve, Wesel, Emmerich, Kalkar, Rees, Büderich, Uedem, Sonsbeck, Dinslaken, Orsoy, Holten, Griethausen, Kranenburg, Grieth, Huissen und Schermbeck den Unionsbrief des Landes Kleve (HSTAD Hs A III 15 fol. 214ff.; Regest F. Gorissen, Griethausen, 1974, S. 203; J.J. Scotti, Sammlung d. Gesetze u. Verordnungen ... Herzogtum Cleve ... I, 1824, Nr. 1; Ilgen II 2, S. 12f.)
1429 Pferdeaufgebot der klevischen Städte, wobei Wesel 32, Emmerich 24, Kalkar 16, Rees 14, Büderich, Uedem und Sonsbeck je 8, Grieth 7 Pferde zu stellen haben (HSTAD Hs A III 15 fol. 3v)
1436 leihen u. a. 12 klevische Städte Herzog Adolf I. von Kleve für die Mitgift seiner Tochter Geld: Wesel und Emmerich je 400 rheinische Gulden, Kalkar 300, Rees 200, Sonsbeck 150, Holten, U, Grieth, Büderich und Kranenburg je 100, Dinslaken 95, Griethausen 50 (ebd. Hs A III 16 fol. 100v)
1446 Städte, Ritterschaft und Untersassen des Landes Kleve haben dem Herzog von Kleve für die Soester Fehde eine Bede bewilligt, wofür Jungherzog Johann den Städten, darunter Uedem, ihre Privilegien bestätigt (III 2 Bede; III 3)
1489 verpflichten sich die Städte Kleve, Wesel, Emmerich, Kalkar, Duisburg, Xanten, Rees, Dinslaken, Orsoy, Büderich, Sonsbeck, Goch, Uedem und Grieth zu gegenseitigem Beistand, falls einer von ihnen ein Nachteil zugefügt werde wegen der Überreichung ihres Vorschlags an den Herzog von Kleve die Änderung des ongeschickten regiments betreffend, das sie mit schattingen, ongewoentlichen dienste ind anders vorder belast ind besweert (Sta Kalkar Kopiar Nr. 277; A. Dederich, Annalen d. Stadt Emmerich, 1867, S. 271-273)
1508 beschließen Bürgermeister, Schöffen und Räte 33 klevischer und märkischer Städte, darunter Uedem, da sie durch das schlechte Regiment Herzog Johanns II. von Kleve großen Schaden erlitten haben, den Herzog um Einrichtung eines besseren Regiments zu bitten. Weigere sich der Herzog, würden sie zwar nicht gegen die 4 geistlichen Sachen (Benefizien, Heiratsangelegenheiten, geistliche Renten und Testamente) Maßnahmen ergreifen, wohl aber den Überbringer eines römischen Mandats oder Bannbriefes als ehrlosen Mann bestrafen oder ihn, wenn er kein Eingesessener wäre, in einen Sack stecken und ertränken. Gegen den, der sie wegen dieses Vertrags angreifen wolle oder gegen ihre Bürger und Eingesessenen einschreite, würden sie einträchtig zusammenhalten (Sta Wesel Urk 216; Druck: A. Dederich, Annalen d. Stadt Emmerich, 1867, S. 274-276; III 6)
1609/14 bzw. endgültig 1666 kommt Uedem mit dem Herzogtum Kleve an den Kurfürsten von Brandenburg
1753 kommt Uedem zum neugebildeten Städtekreis westseits Rheins, Verwaltungssitz Kleve, 1765 zum davon abgetrennten Städtekreis westseits Rheins oberwärts, Verwaltungssitz Xanten unter einem Kriegs- und Steuerrat
1789 Zum Amt Uedem gehören Keppeln, Uedemerbruch mit den Rittersitzen Haus Kolk und Holthausen, Uedemerfeld mit Steinbergen, Persel und Kirsel (Fabricius II, S. 234, 245)
1798 Commune Uedem, Kanton Kalkar, Arrondissement Kleve, Roer-Departement
1800 Mairie Uedem
1816 Bürgermeisterei Uedem
1816 Kreis Kleve
1816 Regierungsbezirk. Kleve, 1822 Regierungsbezirk. Düsseldorf
1969 Zur kommunalen Neugliederung vgl. I 7
Uedem, Mostertor von Südwesten 1744, Warscheinlich Nachzeichnung nach einem Stich von P. van Liender, aus: Heinrich, H.J., Uedem, 1993, S. 19.
Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.
Wensky, Margret, Rheinischer Städteatlas Uedem. Teil 3: Herrschaft und Gemeinde, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-uedem.-teil-3-herrschaft-und-gemeinde/DE-2086/lido/5fb5415d412203.21217972 (abgerufen am 12.05.2026)
Veröffentlicht am 24.03.2026, zuletzt geändert am 14.04.2026