Zu den Kapiteln
4. 1 Erste Erwähnung der Kirche, des Geistlichen
1266 pastoratus (I 3)
(1295) parrochia (Wilkes, Quellen, S. 87)
(1300) ecclesia (Wilkes, Quellen, S. 5)
(1308) p(astor), vic(arius) (Liber Valoris, S. 71)
1753 verus pastor, sacellanus curatus, vicarius simplex (BAM GV Xanten A 2)
4. 1 Baugeschichte der Kirche
Die Anfänge des Kirchenbaus in Uedem sind mangels Quellen nicht nachzuvollziehen; so muß unbekannt bleiben, wann die 1. Kirche errichtet worden ist. Zumindest der Turm der 1887 abgerissenen Kirche soll aus der Zeit um 1200 gestammt haben; dieser romanische Kirchenbau ist im XV. Jh. erweitert bzw. umgebaut worden. Auf diese Baumaßnahme könnte sich die Stiftung beziehen, die Herzog Adolf I. von Kleve 1437 für den Bau der Kirche machte (III 3). Möglicherweise handelte es sich dabei um einen spätgotischen Chorbau, denn alle Ansichten der Kirche von Mitte des XVII. bis Mitte des XVIII. Jh. zeigen, daß Chor und Langhaus unterschiedlichen Bauphasen angehört haben und die Choranlage spätgotische Formen aufweist (Feltmann, Umschlagtitel; Tafel 5). Beim Abriß der Kirche 1887 wurde ein vermauerter Memorienstein des XI. Jh. entdeckt (I 2; II 2). 1888/89 Neubau im neoromanischen Stil (Architekten: Rüdell und Odenthal, Köln); Kirchweihe am 24. September 1889. Weitgehende Zerstörung im Februar 1945. 1958-60 Neubau unter Einbeziehung von Teilen der alten Bausubstanz (Architekt D. Boniver, Düsseldorf).
4. 2 Patrozinium
1359 Laurentiustag als Jahrmarkttermin (III 2 Markt; III 3)
1390 Der hl. Laurentius im Bild des Schöffensiegels verweist auf den Pfarrpatron (III 5 Siegel)
(1500) Laurentius als Pfarrpatron ausdrücklich genannt; das Präsentationsrecht für den gleichnamigen Altar haben Bürgermeister und Schöffen (F. W. Oediger, Niederrhein. Pfarrkirchen um 1500. In: Ders., Vom Leben am Niederrhein, 1973, S. 321f.; IV 3)
4. 2 Altäre, Vikarien
1390 Agatha-Altar erwähnt, für den der Graf von Kleve das Präsentationsrecht hat (HSTAD Hs A III 12 fol. 90r). 1438 inkorporiert Herzog Adolf I. von Kleve die Küsterei diesem Altar (ebd. A III 17 fol. 134v; ebd. 16 fol. 103v)
1446 stiftet ein Uedemer Bürger den BMV-Altar (ebd. Kleve Lehen Gen. 2 fol. 123r <130r-133v>), für den (1500) Bürgermeister und Schöffen das Präsentationsrecht haben (Oediger, niederrhein. Pfarrkirchen. In: Ders., Vom Leben am Niederrhein, 1973, S. 322)
1446 stiftet ein Kalkarer Ehepaar den Kreuz-, Antonius- und Sebastianus-Altar, für den Bürgermeister und Schöffen das Präsentationsrecht erhalten; der mit dem Altar bewidmete Priester soll in Uedem wohnen (HSTAD Kleve Lehen Gen. 2 fol. 119r <126r-129v>; BAM StiXA Einzelne Pfarren Nr. 87). 1498/99 besitzen die Meister der Bruderschaft (magistri fraternitatis) das Präsentationsrecht (Oediger, niederrhein. Pfarrkirchen. In: Ders., Vom Leben am Niederrhein, 1973, S. 321; III 7)
1499 Anna-Altar (Kop XVI/XVII, BAM StiXA Einzelne Pfarren Nr. 87), Präsentationsrecht bei den Provisoren (Oediger, niederrhein. Pfarrkirchen. In: Ders., Vom Leben am Niederrhein, 1973, S. 322)
1663 Vikarien: 1. Laurentius, 2. Agatha, 3. Anna, ist Annex der Pastorei, seit 1643 Renten beim reformierten Pfarrer, 4. Antonius, Renten seit 1649 in intra und extra muros geteilt, eine Hälfte ist frei und ohne Lasten dem reformierten Schulmeister übertragen worden, die andere Hälfte, aus der die ganzen Lasten der Vikarie zu leisten sind, hat ein katholischer Priester inne, 5. BMV, immer katholisch, 1665 erhalten die Reformierten eine und der reformierte Schulmeister die andere Hälfte (BAM StiXA Einzelne Pfarren Nr. 87; IV 9; IV 11)
(1682) 5 Altäre neben dem Hochaltar: Agatha, Anna, BMV, Laurentius, Antonius, sind nicht gut ornata, da die Reformierten die Einkünfte besitzen; 5 Altäre auch 1722 und 1753 genannt (BAM StiXA A 46, 48; ebd. GV Xanten A 2)
1798 Die Vikarien St. Agatha, Anna und Laurentius gehören zur Besoldung des reformierten Predigers (HSTAD KM Akt 1377 fol. 337r-338r; IV 9)
Altäre im Hospital St. Spiritus
1447 stiftet Matthias Scheper, Kanoniker des Utrechter Marienstifts, in der Spitalskapelle zu Uedem ein Beneficium ohne Seelsorge (R. Scholten, Das Regulier-Chorherren-Kloster Gnadenthal bei Kleve. In: DJb 14, 1900, S. 77f.)
1449 gestattet der Kardinallegat Johannes S. Angeli Konrad von Koesfeldt, Kanoniker des Utrechter Marienstifts, zu den Patronen der Scheperschen Stiftung in der Hospitalskapelle zu Uedem, dem hl. Geist, der Jungfrau Maria, Petrus und Matthias, den hl. Martin hinzuzufügen und gegebenenfalls die Renten auf 2 Altäre zu verteilen (ebd., S. 78f.)
(1500) und (1515) 3 Altäre genannt (Oediger, niederrhein. Pfarrkirchen. In: Ders., Vom Leben am Niederrhein, 1973, S. 322; BAM StiXA A 43; IV 6)
4. 2 Kirmes- bzw. Kirchweihtermine
1753 Als Kirchweihtermin des Chores genannt: Sonntag nach St. Laurentius, der Kirche Sonntag nach St. Martin (BAM GV Xanten A 2)
4. 3 Patronats- und Zehntherr
1266 gibt der Dekan der Christianität Weeze an, daß die Pastorate zu Uedem und Bergen zur Präbende des Stifts Xanten gehören (I 3; IV 1)
Nach 1295 Der Zehnt der Pfarre Uedem steht dem Stift Xanten zu, mit Ausnahme des Anteils des Plebans (Wilkes, Quellen, S. 53, 57, 61, 87)
(1325) Der Zehnt des Stifts Xanten in Uedem beträgt 130 Malter Hafer und 30 Malter Malzgetreide Xantener Maß; an Geld aus U, Papenhaven (Hof bei U), Xanten, Mörmter und Qualburg 11 Mark Brabanter Denare; ferner aus U 4 Schilling und 8 Denare de denariis synodalibus, 18 Schweine, 46 Malter brasei halsspillegmalt (Braugetreide), ca. 140 Hühner, den kleinen Zehnt (decima minuta) vom Leinen, Heu, von Geld (denariorum), von Kälbern, Fohlen und Lämmern (UB Xanten I 554)
1453 Der Propst von Xanten besitzt das Kollationsrecht der Pfarrkirche (Wilkes, Quellen, S. 9)
4. 4 Pfarrbezirk
Bis 1441 gehörte Keppeln zur Pfarre Uedem (V 4 Kapellen und Filialen)
1804-21 Pfarre Uedem Sukkursale der Kantonspfarre Kalkar
1821 gehört die Bürgermeisterei Uedem mit Uedem, Uedemerfeld, Steinbergen, Persel und Kirsel zur Pfarre Uedem, ferner aus der Bürgermeisterei Keppeln Uedemerbruch und Gravenhorst, 2 Häuser von Kervenheim, 2 Häuser vom Balberg, Bgm Labbeck (Oediger, Archidiakonat Xanten, S. 286)
Heute Pfarrverband Uedem mit den Pfarren St. Laurentius in Uedem, St. Jodokus in Keppeln und dem Pfarrektorat Hl. Familie in Uedemerbruch
4. 4 Kapellen und Filialen
Antoniuskapelle vor der Stadt
1573 verfallene Kapelle vor der Stadt erwähnt, die zum Abbruch freigegeben wird, damit aus dem Baumaterial das Mühlentor repariert werden kann (II 3 Tore); auch 1663, [1682] und 1722 als zerstört genannt (BAM StiXA Einzelne Pfarren Nr. 87; A 46; A 48). Vielleicht identisch mit der Kapelle, die 1733/34 auf dem Klevischen Kataster nahe der Stadt an der Einmündung der Straße nach Kalkar zu finden ist (Tafel 4)
Keppeln, St. Jodokus
1294 parochia (R. Scholten, Beiträge z. Geschichte v. Wissel u. Grieth, 1889, S. 111; zur Geschichte der Kirche vgl. auch H. Ries/E. Schönberger, 500 Jahre Pfarrkirche Sankt Jodokus Keppeln, 1985); parochia ist hier wohl in der Bedeutung „Kirchspiel“ zu verstehen
1441 Bei der Pfarrerhebung von St. Nicolai in Kalkar Neuorganisation des Pfarrbezirks Kalkar, wobei u. a. die Kapelle in Keppeln von der Mutterkirche Uedem getrennt und zur Pfarrkirche erhoben wird. Die Bauerschaft Verkält wird aus der Pfarre Altkalkar gelöst und der neuen Pfarre Keppeln zugewiesen (J. Kistenich, Die Abpfarrung d. Stadtkirche St. Nicolai in Kalkar v. d. Mutterkirche St. Pankratius in Altkalkar <1441>. In: AHVN 200, 1997, S. 75-105; Rhein. Städteatlas XIV Nr. 76: Kalkar, 2001). Das Präsentationsrecht für die Pfarrstelle liegt abwechselnd beim Herzog von Kleve und dem Propst von Xanten. 1463 wird die Pfarre als von bescheidenem Wert (modici valoris) bezeichnet (Oediger, niederrhein. Pfarrkirchen. In: Ders., Vom Leben am Niederrhein, 1973, S. 316)
1465 Officium unius missae gestiftet zu Ehren der Dreifaltigkeit, Muttergottes, des Märtyrers Vincentius und des Pfarrpatrons Jodokus; Kollator ist der Herzog von Kleve (ebd.)
1485 Einweihung des Neubaus der Pfarrkirche (H. Ries/E. Schönberger, 500 Jahre Pfarrkirche Sankt Jodokus Keppeln, 1985, S. 39, ohne Quellenbeleg)
(1500) 3 Altäre: Maria (Hochaltar), Anna, Jodokus; 1499/1500 ein Altar s. Georgii genannt (irrtümlich statt s. Judoci?); die Pfarre hat 360 Kommunikanten (Oediger, niederrhein. Pfarrkirchen. In: Ders., Vom Leben am Niederrhein, 1973, S. 316 Anm. 6, 318)
1804-21 Sukkursale der Kantonspfarre Kalkar
Baugeschichte der Kirche
Dreischiffiger spätgotischer Backsteinbau; (1820) Sakristei- und Querschiffanbau; 1946-49 Wiederaufbau nach Kriegszerstörungen; 1977-79 Chorerweiterung und Ersatzbau der Sakristei (Architekt H. Bienefeld, Swisttal)
Uedemerbruch, Hl. Familie
1895/97 Bau der neugotischen Kirche (Architekt H. Holtmann, Münster)
1904 Pfarrektorat unter Einbeziehung von Hoch- und Tüschenwald; der Rektoratsbezirks deckt sich mit der politischen Gemeinde Uedemerbruch (BAM GV Uedem A 2; Das Bistum Münster III, S. 590f.)
4. 4 Bistums- und Dekanatszugehörigkeit
Erzbistum Köln, Archidiakonat des Propstes von St. Viktor in Xanten, Dekanat Straelen-Geldern, 1801-23 Bistum Aachen, 1823/27 Bistum Münster, 1837 Dekanat Kalkar, 1927 Dekanat Goch
4. 5 Klöster
St. Spiritus
1446 stiftete Heinrich Raeskop, Propst und Archidiakon von St. Marien zu Utrecht, in seiner Heimatstadt eine Kapelle zum Hl. Geist sowie eine Behausung für Arme und Schüler beim Hospital St. Spiritus. Diese Einrichtung, die nicht recht in Gang kam, wurde 1451 durch den Kardinallegaten Nikolaus von Cues in ein Augustinerchorherrenstift umgewandelt, das 1456 in die Windesheimer Kongregation aufgenommen wurde. 1468 Verlegung nach dem Hof Ganswick in der Pfarre Donsbrüggen (R. Scholten, Die Stadt Cleve, 1879, S. LXXII-LXXV). Nachdem dort die Klostergebäude mit Kirche (1481) errichtet waren, erhielt das Kloster den Namen Gnadenthal. 1502 übernahmen Brüder vom Hl. Grab auf dem Odilienberg bei Roermond mit Zustimmung Herzog Johanns II. von Kleve die Klostergebäude in Uedem. Nachdem 1590 das Kloster Gnadenthal durch Kriegsereignisse zerstört worden war, kehrten die Augustiner 1603 in das Kloster in Uedem zurück, wo nur noch ein Laienbruder der Sepulchriner lebte (HSTAD Hs A III 39 fol. 206v-208r; K. Elm, Quellen zur Geschichte d. Ordens v. Hl. Grab in Nordwesteuropa aus deutschen u. niederl. Archiven <1191-1603>, 1976, S. 117-123, 130, 165, 190f.; R. Scholten, Das Regulier-Chorherren-Kloster Gnadenthal bei Kleve. In: DJb 14, 1900, S. 52-89; Schumacher, Das Augustinerkloster vom hl. Geist zu Uedem. In: Die Heimat <Krefeld> 4, 1925, S. 121-125; I. Joester, Artikel „Domus Uedem“ in: Monasticon Windeshemense, Bd. 2, 1977, S. 428-434; F. W. Oediger, Die niederrhein. Schulen vor d. Aufkommen d. Gymnasien. In: Ders., Vom Leben am Niederrhein, 1973, S. 403; IV 11)). Beim Stadtbrand von 1685 wurde das Kloster zerstört (II 2); 1688 klagten die Augustiner, das Kloster habe weder Gebäude noch Hausrat und wegen der lange währenden Armut große Schulden (BAM GV Hs 218a fol. 270r-273r); 1722 waren die Gebäude in schlechtem Zustand (HSTAD KM Akt 1238 fol. 47), 1790/91 wurden sie fast vollständig neu errichtet (Chronik Peltzer). Die Klosterkirche hatte 2 Türme, die auf den Stadtansichten des XVIII. Jh. erkennbar sind (Tafel 5), und 3 Altäre (BMV, Laurentius, Anna, IV 2).
Zahl der Insassen: 1722 12 Regularkanoniker (HSTAD KM Akt 1238 fol. 47), 1773 8 Insassen (ebd. Xanten Kreisregistratur 144), 1782 9 Geistliche und 1 Bruder (ebd. KM Akt 1206), 1787 8 geistliche Personen und 2 Kostgänger (ebd. Hs E III 4); bei der Aufhebung 1802 lebten darin noch 10 Personen. November 1803 Verkauf des in Nähe des Viehtors gelegenen Klostergebäudes für 5740 Francs (Chronik Peltzer; Schieder, Säkularisation V 2, S. 869;
St. Agatha
Über die Anfänge des Konvents ist nichts bekannt. In einer Urkunde von 1665 wird eine Schenkung an den Convent S. Agathen von 1462 erwähnt (HSTAD Hs A III 42 fol. 65). In der Beginenordnung Herzog Johanns I. von Kleve von 1463 heißt es, Uedem habe die vorgegebene Zahl von Insassinnen (ebd. Hs A III 22 fol. 267f.). Diese betrug 1466 33 Personen, als der Konvent dem Herzog von Kleve die Übernahme der Augustinerregel bekannt gab (ebd. Hs A III 23 fol. 96). 1603 gewährte der Herzog von Kleve dem Kloster bis auf 200 Taler die Einkünfte des leerstehenden Konvents Grieth (ebd. Hs A III 39 fol. 250v-251v; Rhein. Städteatlas X Nr. 53: Grieth, IV 5). Aus der Visitation von 1648 geht hervor, daß im Kloster 8 Schwestern, 3 Novizinnen und 1 Dienstbotenfamilie lebten und die Nonnen mit der Herstellung von Leinen Geld verdienten. Ab 1653 durften sie nur noch für den Eigenbedarf des Klosters spinnen. 1667 heißt es, sie lebten von Arbeit und Almosen. 1648 und erneut ab 1670 ist von Mißständen im Kloster die Rede. 1669 sollten am Kloster bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Beim Stadtbrand von 1685 Zerstörung des Klosters und der Klosterkirche. Der Wiederaufbau kam durch Kollektengelder zustande (BAM GV Uedem A 1). 1725 wurde dem Kloster der Griether Konvent mit allen Einkünften überlassen, da es nicht mehr in der Lage war, sich selbst zu unterhalten (ebd. GV Grieth 2).
Zahl der Insassinnen: 1667 19 (ebd. GV Uedem A 1), 1688 15, darunter 7 oder 8, die arbeitsfähig waren (ebd. GV Hs 218a fol. 296r-297v), 1703 14 Schwestern und Mater (ebd. GV Uedem A 1), 1722 13 (HSTAD KM Akt 1238), 1773 17 (ebd. Xanten Kreisregistratur 144), 1782 20 geistliche Schwestern und 1 Kostgängerin (ebd. KM Akt 1206), 1802 14 Nonnen. November 1803 Verkauf des nahe dem Mostertor gelegenen Klosters als Domänengut für 3750 Francs an einen Ackerwirt, der es einigen der ehemaligen Nonnen überließ. Nach deren Tod kauften die Uedemer Juden einen Teil des Klostergebäudes und richteten dort ihre Synagoge ein (Schieder, Säkularisation V 2, S. 869; Chronik Peltzer; IV 8; zur Lage vgl. Tafel 1, Grundriß).
Terminei
1463 informiert der Herzog von Kleve die Einwohner von Uedem und Keppeln, daß die Dominikaner in Kalkar die Terminei erhalten haben, die zuvor vom Predigerkloster zu Nimwegen wahrgenommen worden war. Der Prior und die Brüder dürfen in keiner Weise behindert werden. Sie erhalten die Almosen usw. zu ihrem Unterhalt (HSTAD Hs A III 23 fol. 38r; Rhein. Städteatlas XIV Nr. 76: Kalkar, 2001, IV 5 Dominikaner)
Sonstige klösterliche Niederlassungen
1858 2 Barmherzige Clemensschwestern aus dem Mutterhaus in Münster übernehmen die Krankenpflege im neu errichteten Laurentiushospital (IV 6)
1894 wird den Salesianerinnen aus dem Mutterhaus Wien gestattet, in Uedem eine Niederlassung zum Zwecke eines beschaulichen Lebens zu gründen (der Orden war 1875 aus Münster vertrieben worden). 1895 Neubau des Klosters Mariä-Heimsuchung (HSTAD Reg. Düsseldorf 29351)
4. 6 Hospitäler und Krankenhäuser
1445 befreit die Stadt Uedem das von Henrich Raeskop errichtete Steinhaus an der Viehstraße, das als Hospital für arme Personen und Schüler bestimmt ist, von allen Lasten (ebd. Uedem St. Spiritus 2; IV 5; IV 11)
(1500) Hospital St. Spiritus, gehört zum gleichnamigen Kloster, besitzt 3 Altäre (Oediger, niederrhein. Pfarrkirchen. In: Ders., Vom Leben am Niederrhein, 1973, S. 322; IV 2)
1858 Gründung des Laurentiushospitals an der Wallstraße aus privaten Mitteln, 1859 Genehmigung; Eigentum der Laurentiuspfarre; die Krankenpflege übernehmen 2 Clemensschwestern aus dem Mutterhaus in Münster; 1875 4 Schwestern in Uedem; 1901 Erweiterungsbau, 1906 Anbau an Infektionskrankenhaus, 1928/29 Erweiterungsbau (HSTAD Dep. Uedem XII 14; Reg. Düsseldorf 29348 u. 54561; IV 5). Im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. 1955 Neubau des Krankenhauses (Trägerschaft: Katholische Kirchengemeinde) an der Mühlenstraße, 1975 Schließung (zur Kinderbewahranstalt der Clemensschwestern vgl. IV 11)
4. 6 Ärzte und Hebammen
1719 läßt sich Chirurg in Uedem nieder, der zuvor beim Militär gedient hat (Jakob Gochstätt) (Protokollbuch 1700-86 fol. 161v)
1730 wird der Chirurg Nicolaus Paß zugelassen (ebd. fol. 244v)
1753 mehrere Hebammen in der Pfarre Uedem (BAM GV Xanten A 2 fol. 171r-174v)
1765 2 Chirurgen in Uedem (HSTAD Xanten Kreisregistratur 149, 1342), 1787 Stadtchirurg eingestellt (Sta Kalkar F 86)
1775 und 1779 Hebamme (HSTAD Dep. Uedem XII 14; Xanten Kreisregistratur 1342), 1806 2 Hebammen (ebd. Roer-Dep. 2117)
1813 1 officier de santé, 2 Hebammen; von letzteren war eine seit 1775 im Amt Sonsbeck tätig und seit 1802 in Uedem, die andere seit 1789 in Uedem (Sta Kalkar F 85-86)
1816 1 Arzt, 1 Chirurg (ebd. F 85)
1831 Bürgermeisterei Uedem: 1 approbierter Arzt, 3 Hebammen, 1840 und 1852 1 Arzt, 1 Wundarzt, 2 Hebammen (HSTAD Dep. Uedem VIII 2)
1957 3 praktische Ärzte, 2 Zahnärzte, 3 Tierärzte im Amt Uedem (VB 1945-57)
2003 4 praktische Ärzte, 3 Zahnärzte, 2 Tierärzte
4. 6 Apotheke
1792 Apotheke in Uedem (Sta Kalkar F 85)
1801 Gründung der (späteren) Engel-Apotheke (R. Schmidt-Wetter, Zur Geschichte d. nordrhein. Apothekenwesens, 1970, S. 213), 1806 Apotheker genannt (HSTAD Roer-Dep. 2117), auch 1811-16 (Sta Kalkar F 85)
1957 Apotheke (VB 1945-57)
2003 2 Apotheken
4. 6 Seuchen
1635/36 grassiert u.a. in Uedem und Umgebung die Pest (IV 7)
4. 6 Armenwesen
1663 beklagen die Katholiken, die Reformierten hätten vor ca. 20 Jahren 100 Taler, die für die Armen gespendet worden seien, zum Ankauf eines Predigerhauses verwendet und nicht restituiert (HSTAD KM Akt 1141)
(1682) Die Armenfundationen werden von einem Provisor verwaltet (BAM StiXA A 46)
1685 Nach dem Stadtbrand läßt die Stadt den Armenhof neu errichten; 1738 Reparatur (Armenprotokoll)
1753 sind hospitalia seu fundationes pro pauperibus vorhanden; die Armenprovisoren werden vom Rat ernannt (BAM GV Xanten A 2)
1799 17 Arme in der Commune Uedem (HSTAD Roer-Dep. 1713)
1824 bestehen 9 Häuser auf dem sog. Armenhof, gehören dem Uedemer Armenfonds (ebd. Dep. Uedem IV 9)
1827 In der Bürgermeisterei Uedem leben 18 Einwohner von öffentlicher oder privater Unterstützung (ebd. Reg. Düsseldorf 386), 1858 27 teilweise und 8 ganz von Almosen (ebd. 2170)
4. 7 Wallfahrten, Prozessionen
1635/36 ziehen die Bewohner von Xanten, Sonsbeck, Uedem und anderen Orten der Umgebung, wo die Pest grassiert, zur Muttergottes nach Marienbaum (R. Scholten, Marienbaum als Wallfahrtsort u. ehemaliges Birgittinen-Doppelkloster, 1909, S. 49; IV 6)
1663 beklagen die Katholiken in der Stadt Uedem, sie würden in ihren Prozessionen von den Reformierten behindert (HSTAD KM Akt 1141)
1675 beschwert sich der reformierte Prediger beim Kurfürst von Brandenburg, daß die Katholiken mit ihren Prozessionsgesängen verschiedentlich den reformierten Gottesdienst gestört hätten. Weiter hätten durchziehende Prozessionen nach Kevelaer den Prediger mehrfach in seiner Amtsausübung gestört (HSTAD KM Akt 1113 fol. 55r-57r). 1692 Beschwerde der reformierten Gemeinden Goch, Weeze und Uedem bei der Klevischen Provinzialsynode über die Störung ihrer Gottesdienste durch die Prozessionen nach Kevelaer (Petri III, S. 181); die Störungen verstießen gegen den Religionsvergleich von 1672
[1682] Nach dem Visitationsbericht finden jährlich 2 Prozessionen statt, jeweils eine per ipsam civitatem bzw. extra muros civitatis, auch 1722 erwähnt (BAM StiXA A 46, 48)
Seit 1784 (spätestens) regelmäßige Wallfahrten aus Uedem nach Kevelaer, Einzelpilger bereits früher; ab 1855 ohne Unterbrechungen bis heute (P. Dohms <u.a.>, Die Wallfahrt nach Kevelaer z. Gnadenbild d. "Trösterin d. Betrübten", 1992, S. 280)
Uedem von Nordwesten 1776, Unbekannter niederländischer Künstler, Federzeichnung, Foto: Annegret Gossens. (Museum Kurhaus Kleve, Slg. Robert Angerhausen)
4. 8 Juden, Synagoge, Friedhof, Privilegierung
1659 gewährt Kurfürst Friedrich Wilhelm dem Juden Michael Abrahams samt Familie auf 7 Jahre ein Geleitpatent für die Stadt Uedem und befreit ihn wegen seiner Armut vom jährlichen Tribut von 6 Rtl.; ursprünglich hatte der Jude 1656 ein 10jähriges Patent für die Stadt Gennep erhalten (HSTAD Hs A III 41 fol. 251r-252r)
1661 8 Juden in Uedem (F. Baer, Das Protokollbuch d. Landjudenschaft d. Herzogtums Kleve, 1922, S. 54f., dort bis 1787 reichende Statistik der Geleit zahlenden und nicht zahlenden Juden)
1690 4 Juden, zahlen 16 Rtl. Steuern (F. Nienhaus, Die Juden im ehemaligen Herzogtum Cleve, 1914, S. 93)
(1700) soll der erste jüdischer Friedhof in Uedem angelegt worden sein (D. Peters, Der jüd. Friedhof in Uedem, 1999, S. 21, ohne Beleg)
1714 3 Judenfamilien (insgesamt 9 Personen); von den 3 Fleischern in der Stadt sind 2 Juden (HSTAD Kleve Kammer Be 698)
1717 5 Juden(familien), davon hat 1 ein Patent von 1696, 1 von 1697, der Geleitbrief eines 3. Juden soll 1685 verbrannt sein (Protokollbuch 1700-86 fol. 153v-154r)
1724 Vorlage der Judengeleitbriefe: 1 Jude hat Brief von 1717 (Familie mit 4 Personen), 1 einen von 1724 (4 Personen), ein 3. Jude erscheint nicht (ebd. fol. 199v)
1728 und 1733 Klagen der Schneider und Schmiede über die Konkurrenz der Juden (V 4)
1738 wird den Uedemer Juden das Schlachten verboten (V 4)
1765 3 Judenfamilien, von denen 2 offene Ladengeschäfte haben (HSTAD Xanten Kreisregistratur 149)
1766 Jude besitzt geerbtes Haus, hat 1765 ein ganz geringes Häuschen dazu gekauft, ein weiterer Jude hat geerbtes Haus, ein 3. ein geringes Häuschen gekauft, alle 3 ohne Konzession (ebd. 4)
1768 12 Juden (ebd. 106), 1770 3 Schutzjudenfamilien (ebd. 148), desgl. 1774 (10 Personen), 1780 21 Juden, 1783 4 Judenfamilien (ebd. 1144), 1787 19 Juden (ebd. Hs E III 4), 1793 3 Schutzjudenfamilien (F. Nienhaus, Die Juden im ehemaligen Herzogtum Cleve, 1914, S. 97)
1806 45 Juden in der Mairie Uedem (HSTAD Roer-Dep. 1788), 1808 47 Juden, darunter sind 3 als Metzger und 2 in Manufaktur und Handel tätig (ebd. 1789); nach anderer Quelle 1808 3 Detailhändler, 3 Metzger und 1 Trödler als patentwürdig bezeichnet (ebd. 1792)
1822 Errichtung der Synagoge in der Kapelle des aufgehobenen Klosters St. Agatha (zur Lage vgl. Tafel 1, Grundriß). 1836 Synagogenordnung (HSTAD Dep. Uedem XII 7 u. IX 12). 1938/39 Verkauf des Grundstücks an die benachbarte Schuhfabrik; Abbruch der ehemaligen Synagoge wohl vor 1945 (Pracht-Jörns, Jüd. Kulturerbe II, S. 364)
1825 Anlage eines jüdischen Friedhofs als Teil des neuen christlichen Friedhofs (zur Lage vgl. Tafel 1, Grundriß; II 2 Friedhöfe). In der NS-Zeit Verkauf des Friedhofsgeländes an Privatperson, nach 1957 Wiederherstellung als Friedhof (Pracht-Jörns, Jüd. Kulturerbe II, S. 365; D. Peters, Der jüd. Friedhof in Uedem, 1999)
Nach 1847 Einrichtung der Synagogengemeinde Uedem nach dem Gesetz von 1847; 11 Juden - 1 Rentier, 3 Kaufleute in Manufaktur- und Kolonialwaren, 2 Händler, 2 Kleinhändler und Metzger, 2 Metzger, 1 Privatlehrer - sind berechtigt, die Repräsentanten der neuen Synagogengemeinde zu wählen (HSTAD Dep. Uedem IX 12), nach anderer Quelle 15 (ebd. IX 2)
(1930) 7 jüdische Haushalte in Uedem (Pracht-Jörns, Jüd. Kulturerbe II, S. 365)
Die jüdische Gemeinde gehörte zur Kreissynagogengemeinde Kleve.
Zu den jüdischen Einwohnerzahlen vgl. IV 10.
Zum jüdischen Schulwesen vgl. IV 11.
4. 9 Einführung der Reformation, Evangelische Gemeinde
1594 sind die Anfänge einer reformierten Gemeinde in Uedem erkennbar (E. Simons <Hg.>, Synodalbuch d. Akten d. Synoden u. Quartierkonsistorien in Jülich, Cleve u. Berg 1570-1610, 1909, S. 607 Anm. 1)
1597 sind die Reeser Reformierten bereit, gelegentlich ihren Prediger nach Uedem zu schicken (ebd., S. 608)
1597 bis 1609 gehört Uedem zur Weseler Classis, ab 1610 zur Klever Classis, 1623-30 zur Weseler Classis, seitdem wieder zur Klever Classis (Petri, Sitzungsberichte, S. 1f.)
1610 gehören die Reformierten zu Uedem zu den Gemeinden, die unvermöglich sind, Kirche und Schule zu unterhalten (Petri I, S. 14). Nur 4 oder 5 kontribuieren für den Unterhalt des Kirchendienstes (Petri, Sitzungsberichte, S. 12). In der Folgezeit immer wieder Klagen über die geringe Finanzausstattung der Gemeinde (zahlreiche Belege bei Petri I und Petri, Sitzungsberichte)
1611 Gemeindebildung mit erstem eigenen Prediger (Heinrich Stulenius, bis 1614 in U) (Petri, Sitzungsberichte, S. 24, 57)
1625 nutzt die Gemeinde ein gemietetes Predigthaus (Petri I, S. 175). 1648 erlaubt die Klever Classis der Gemeinde, für Reparatur und Verbesserung des Predighauses zu kollektieren (Petri, Sitzungsberichte, S. 34). Es bleibt unklar, ob es sich um das 1625 erwähnte Haus handelt (s. auch unten Baugeschichte der Kirche)
1632 hat die Gemeinde weder Kinderschule noch Schulmeister (Petri, Sitzungsberichte, S. 34). Zur weiteren Entwicklung des reformierten bzw. evangelischen Schulwesens in Uedem vgl. IV 11
(1650) Bau der Kirche (s. unten Baugeschichte)
1650 Der reformierte Prediger von Uedem kommt nach Weeze zum Prediger in ein Haus, das die dortige Gemeinde gemietet hat; seitdem gehen die etwa 12 reformierten Familien nach Goch (HSTAD KM Akt 597)
1658 gehört Uedem zu den reformierten Gemeinden im Herzogtum Kleve, deren Kirchen- und Schulwesen aus Armut der Untergang droht (Petri II, S. 92)
1663 Die Anna-Vikarie zu Grieth ist 1513 gestiftet und ca. 70-75 Jahre bedient worden. Vor ca. 25 Jahren haben die Erben von Bueren die Einkünfte der Vikarie dem reformierten Prediger in Uedem zugewendet (HSTAD KM Akt 1139). In den Gravamina der katholischen Gemeinde heißt es, seit 1643 beanspruchten die Reformierten die 3 Vikarien Laurentius, Agatha und Anna; die Vikarie St. Antonius sei seit 1649 intra et extra muros geteilt: den größeren Teil habe der reformierte Schulmeister, den kleineren ein katholischer Priester, der die Belastung der ganzen Vikariestelle tragen müsse. Vor ca. 20 Jahren seien einige hundert Taler für die Armen gespendet worden, die die Reformierten zum Ankauf eines Predigerhauses verwendet und nicht restituiert hätten (ebd. 1141)
1672 Im Religionsvergleich wird festgelegt, daß die Vikarie BMV in der Pfarrkirche zu Uedem nach dem Tod des gegenwärtigen Inhabers den Katholiken restituiert wird, vorbehaltlich der 25 Rtl. jährlich, die die Reformierten vor 1651 daraus erhalten haben (ebd. 1137 fol. 128f.)
1685 Nach dem Stadtbrand Wiederaufbau der reformierten Kirche sowie des Schul- und Predigerhauses (ebd. 386; II 2)
1712 gibt es 4 oder 5 lutherische Einwohner in Uedem, von denen einer Ratsverwandter und Schöffe ist. Da sie keine Kirche am Ort haben, müssen sie zum exercitium religionis nach Kleve oder in einen anderen Ort, im Winter genießen sie es in der reformierten Kirche (HSTAD KM Akt 1123 fol. 7)
1753 In der Pfarre Uedem leben nur wenige Calvinisten oder Lutheraner (BAM GV Xanten A 2 fol. 171r-174v)
1798 gehören die Vikarien St. Agatha, Anna und Laurentius zur Besoldung des reformierten Predigers (HSTAD KM Akt 1377 fol. 337r-338r; IV 9)
1817 Übergang zur evangelischen Union, 1824 beurkundet (Rosenkranz I, S. 324)
Die evangelische Gemeinde Uedem gehört zum Kirchenkreis Kleve.
Geschichte des Kirchenbaus
(1650) ist wohl der erste Kirchenbau erfolgt (Petri I, S. 176). 1685/86 Wiederaufbau nach Zerstörung beim Stadtbrand. Es handelt sich um einen Rechteckbau mit dreiseitigem Chorabschluß und vorgebautem Turm an der Giebelseite. Turm von 1877. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg Wiederherstellung bis 1949, 1957/58 gründliche Instandsetzung, 1993 Renovierung des Innenraums (W. Groß, Protestantischer Kirchenbau d. 16. u. 17. Jh. am Niederrhein u. im Bergischen Land, 1999, Bd. 2, S. 453-457)
Tabelle 1 Berufsstatistik der Juden in der Landgemeinde/ Bürgermeisterei Uedem 1843-1855. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
4. 10 Konfessionszahlen
1712 4 oder 5 Lutheraner in Uedem (IV 9)
4. 11 Schulen und Bildungseinrichtungen
Studenten aus Uedem auf auswärtigen Schulen und Universitäten
1389 bis 1777 mindestens 52 Studierende aus Uedem an der Universität Köln (Matrikel Köln, Register)
1644 besucht 1 Uedemer das Gymnasium Illustre zu Bremen (Th. O. Achelis/A. Börtzler <Bearb.>, Die Matrikel d. Gymnasium Illustre zu Bremen 1610-1810. In: Bremisches Jb., 2. R., Bd. 3, 1968, S. 79)
1655 bis 1817 15 Studenten aus Uedem in den Matrikeln der Universität Duisburg verzeichnet (W. Rotscheidt, Die Matrikel d. Universität Duisburg 1652-1818, 1938)
1733 und 1809 je 1 Student aus Uedem auf dem Gymnasium Wesel (ein 3. für das Jahr 1706 ist zweifelhaft; Matrikel d. Weseler Gymnasiums. Aufnahme d. Schüler 1697-1819, 1982, S. 23, 60)
Schulstiftung des Heinrich Raescop
1446 stiftet Heinrich Raescop, Propst an St. Maria zu Utrecht und Kanoniker zu Xanten, in Uedem ein Altmänner- und Schülerhaus: Außer 12 Greisen sollten bis zu 12 aus Uedem stammende Schüler bis zur Vollendung des 17. Lebensjahres mit ihrem Rektor darin wohnen; Festlegung eines detaillierten Lehrplans. Die Stiftung kam nicht recht in Gang und wurde 1451 in ein Augustinerchorherrenstift umgewandelt (IV 5 St. Spiritus; zur Einordnung der Schulstiftung vgl. W. Janssen, Das Erzbistum Köln im späten Mittelalter <1191-1515>, Bd. 2, 2003, S. 518f.)
Stadt-/Pfarrschule, Elementar-/Volksschulen
1539 Schulmeister in Uedem (BAM StiXA Urk 2911)
1563 Die schoelmeister mitten klercken erhalten Entlohnung für das Singen in den Messen (ebd. Einzelne Pfarren Nr. 87)
1610 ist die reformierte Gemeinde zu arm, um eine Schule zu unterhalten (IV 9); 1628 erneuter Versuch, in Uedem eine evangelische Schule einzurichten (Petri I, S. 199); ist 1633 noch nicht gelungen (ebd., S. 262)
(1647) reformierter Schulmeister in Uedem, erhält ab 1649 die Hälfte der Einkünfte aus der Antonius- und Sebastianusvikarie (ebd.; vgl. IV 9 zu 1663)
1666 klagt das reformierte Konsistorium zu Kalkar, daß ein ehemaliger Mönch und Schulmeister aus Uedem in Kalkar zum Schaden der reformierten Schule Unterricht halte (W. Petri <Hg.>, Sitzungsberichte d. Convente d. reformierten Klever Classis v. 1611-1670, 1971, S. 127)
(1673) 2 Schullehrer in Uedem (F. Nettesheim, Geschichte d. Schulen im alten Herzogthum Geldern, 1881, S. 306f.)
[1682] 1 katholischer und 1 reformierter Lehrer in der Pfarre Uedem (BAM StiXA A 46)
1717 stirbt der reformierte Schullehrer, der zeitlebens die Einkünfte der BMV-Vikarie genossen hat und die nun wieder an die Katholiken zurückfallen sollen (Protokollbuch 1700-86 fol. 150)
1722 heißt es, der katholische Lehrer werde von der Gemeinde mit Einverständnis des Pfarrers eingesetzt (BAM StiXA A 48)
1725 ist der katholische Schulmeister zugleich Küster (Protokollbuch 1700-86 fol. 208r)
(1755) Nach dem Visitationsbericht wird der katholische Lehrer von der klevischen Regierung eingesetzt; das Schulgebäude ist verbesserungswürdig, der Unterhalt liegt bei der Stadt (BAM GV Xanten A 2)
1770 heißt es, der katholische und der reformierte Schulmeister seien verpflichtet, die Armen gratis zu unterrichten (HSTAD Xanten Kreisregistratur 148)
1796 Brand des Schulgebäudes, das der katholischen Kirche gehört; 1798 Wiederaufbau (ebd. Dep. Uedem IV 9). Das Schulhaus liegt auf der Stadtbleiche genannt die Mühlenschanze (ebd. XII 14 = 1827; zur Lage vgl. Tafel 1, Grundriß)
1812 3 Primarschulen in der Mairie Uedem (HSTAD Roer-Dep. 2705)
1859 Schulschwestern Unserer Lieben Frau aus Coesfeld werden an der Elementarschule für Mädchen tätig (ebd. Dep. Uedem XII 14; IV 5)
1888 Das Gesuch einer Ursulinenschwester zur Errichtung eines Haushaltungspensionats mit Bewahr- und Waisenanstalt wird abschlägig beschieden (HSTAD Reg. Düsseldorf 20154; IV 5)
1958 Einrichtung einer Hilfsschule (Protokollbuch Amt Uedem)
1969 Eröffnung der Sonderschule Kalkar-Uedem für Lernbehinderte, 1977/78 geschlossen (VB 1975-79; VB 1984-89; Schulentwicklungsplan 1986-93, S. 25)
1969 Neuordnung des Volksschulwesens: Hauptschule für das Amt Uedem eingerichtet, die Volksschule in Keppeln wird als katholische Grundschule weitergeführt, die Klassen 1-4 der katholischen Schulen zu Uedem und Uedemerbuch sowie der evangelischen Schule Uedem werden zur Grundschule Uedem zusammengefaßt (Gemeinderatsprotokoll v. 22.5.1969)
2003 Katholische Bekenntnisgrundschule (Geschwister-Devries-Schule), Hauptschule (Hanns-Dieter-Hüsch-Schule)
Jüdische Schule
1823 Unter den 43 Juden der Bürgermeisterei Uedem sind 5 Kinder zwischen 6 und 13 Jahren, von denen 2 christliche Schulen besuchen (HSTAD Dep. Uedem IX 12)
1826 Der jüdische Vorsänger/Lehrer gibt Unterricht in Religion und hebräischer Sprache (ebd.). Ab 1828 regelmäßig jüdischer Lehrer in Uedem (IV 8)
Höhere Schule
(1900) Unterricht durch die katholische Geistlichkeit als Vorbereitung auf die Untertertia des Gymnasiums (L. Klövekorn, Von d. klösterl. Lateinschule zum Progymnasium. In: HK f. d. Klever Land 1965, S. 51-55)
1925 Gründung des Rektoratsschulvereins
1929 erhält der Studienassessor Norbert Kremer die Erlaubnis zur Errichtung einer privaten höheren Knabenschule (Rektorat-). Laut Bericht des Bürgermeisters von 1935 besteht die Schule seit mehr als 100 Jahren (womit der Unterricht durch Geistliche gemeint sein dürfte); sie sei für die Bevölkerung von großer Bedeutung, da wegen der geringen Verkehrsverbindungen kaum Möglichkeiten bestünden, auswärtige Schulen zu besuchen. 1939 Auflösung der Schule (HSTAD Reg. Düsseldorf 47795)
1947 Einrichtung einer Zubringerschule in den Räumen der katholischen Volksschule auf Initiative der Amtsverwaltung, 1950 als Schulversuch genehmigt
1951-61 ist die Schule zweiklassig; 1952 Umzug in die neue evangelische Schule, 1955 Umzug in das ehemalige Krankenhaus, 1960 in das ehemalige Behelfsrathaus Lohstraße 39; 1961 Umwandlung in Progymnasium, 1970 Aufbaugymnasium, 1995/97 Abbau und Schließung
Sonstige Schulen
1913 beschließt der Gemeinderat die Einführung der Pflichtfortbildungsschule (PB 1897-1920, S. 294)
1946 Gründung der Volkshochschule, heute Volkshochschul-Zweckverband Goch-Kevelaer-Uedem-Weeze
Bücherei
In den 3 katholischen Pfarren der Gemeinde (Uedem, Keppeln, Uedemerbruch) besteht je eine öffentliche Bücherei (Borromäusverein)
Archiv
1682 liegt das Pfarrarchiv im Rathaus (II 5 Gebäude)
1685 wird beim großen Stadtbrand auch das Magistratsarchiv vernichtet (II 2)
1903 wird das Bürgermeistereiarchiv U und Keppeln (1724-1885) im heutigen HSTAD deponiert (Dep. Uedem)
1975 beginnt die Gemeinde Uedem mit dem Aufbau eines Archivs, seit 1997 hauptamtlich betreut, bis 1. September 2002 im Verbund mit den Kommunen Weeze und Goch, seitdem nur noch mit Weeze
Tabelle 2 Konfessionszahlen 1515-1998. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)
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Wensky, Margret, Rheinischer Städteatlas Uedem. Teil 4: Kirche, Schule, Kultur und Gesundheitswesen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-uedem.-teil-4-kirche-schule-kultur-und-gesundheitswesen/DE-2086/lido/5fb541a3783df5.35649923 (abgerufen am 12.05.2026)
Veröffentlicht am 25.03.2026, zuletzt geändert am 14.04.2026